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Gib mich die Kirsche! Der Talkthread

18.01.2025 - 13:04 Uhr
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#261
08.02.2025 - 09:47 Uhr
Zitat von rm-woogie
Zitat von Holzschuh85

Ich bin da für viele Wege offen, aber so wie es aktuell in Deutschland ist, treibt das Land auseinander.


Ich sehe es eher so, dass Worte und Ansichten wie deine das Land immer weiter auseinander treiben.
Ansichten wie zum Beispiel die bösen Reichen, die alle nur auf der faulen Haut liegen und allen das Geld aus dem Portmonee treiben.


Wir leben in einer Welt in der der Populismus immer weiter voran schreitet. In der vermeintliche Moral und Ideologie immer mehr vortritt über Sachlichkeit gewinnt. In der auch in den Medien oft keine sachlich gut aufbereiteten Diskussionen und Beiträge mehr vorhanden sind. In der es immer mehr ein Gegeneinander gibt, anstatt ein Miteinander zu forcieren - alles unter dem Deckmanter der vermeintlichen Moralüberlegenheit und vermeintlich besseren Ziele.


Wenn du so großspurig ausholst - was ja absolut legitim ist - dann bereite dich doch bitte wenigstens selbst so ausreichend vor, dass du für deinen Punkt nicht mir (oder anderen) Worte in den Mund legen musst, die so nie gesagt und auch nie gemeint wurden.

Zudem klingt dein Post für mich einfach nur wie billige Ablenkung.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#262
08.02.2025 - 09:57 Uhr
Zitat von A-Lizenz

Zitat von BVBBC

Zitat von Holzschuh85

@BVBBC liefert hier einen entscheidenden Beitrag: 1. was ich will und 2. was verhältnismäßig und machbar ist, das ist Welten voneinander entfernt.
Ich glaube an diese Verfassung.
Also braucht es andere Lösungen.
Ich bin da für viele Wege offen, aber so wie es aktuell in Deutschland ist, treibt das Land auseinander.


Gerade die Vermögensteuer ist in meinen Augen ein hochgradig unsachlich bis populistisch geführtes Thema, weil es nur kurzfristig betrachtet wird, aber nicht langfristig. Die Erbschaftsteuer als effektiv vorhandene Vermögensteuer wird schließlich bewusst ausgeklammert, wodurch das Thema in vielen Fällen fast schon irreführend ist.

Nehmen wir bspw. mal einen faulen Privatier an, der es trotz seiner Faulheit schafft gute 6% Rendite im Jahr zu generieren. Nehmen wir weiterhin an, dass dieser Privatier recht jung an sein Vermögen per Erbschaft von 18,6 Mio. (26,4 Mio. vor Erbschaftsteuer - ab hier werden 30% als Höchstsatz entrichtet bei direkter Erbfolge, sonst sogar mehr) gekommen ist, daher noch 40 Jahre lebt sowie über das Geld verfügt. Dazu gehen wir von jährlich exakt 2% Inflation aus und davon, dass der Privatier 0,5% seines Vermögens jedes Jahr für den Konsum verwendet.

Ohne Vermögensteuer fallen in 40 Jahren insgesamt 27,4 Mio. Kapitalertragsteuer an. Der nächste Erbe erhält dann ein Vermögen von stolzen 83,2 Mio. (kaufkraftbereinigt 38,5 Mio.), das wieder versteuert werden muss. Bei denselben Steuersätzen in der Zukunft, würde das 24,8 Mio. Erbschaftsteuer bedeuten. In Summe würden vom generierten Vermögen dieses Privatiers also 52,3 Mio. als Steuern an den Staat gehen.

Mit Vermögensteuer (soweit ich mich erinnere, lag bei der letzten Wahl der SPD Vorschlag bei 1% und 3 Mio. Freibetrag), würden nur noch 22,3 Mio. Kapitalertragsteuer anfallen. Dazu kommen 13 Mio. Vermögensteuer. Zu Lebzeiten wird das Vermögen also höher besteuert, um knapp 8 Mio.. Dadurch steigt der Wert des Vermögens "nur" auf 59,2 Mio. an, was Konsequenzen für die Erbschaftsteuer hat. Diese beträgt in diesem Szenario dann auch "nur" 17,6 Mio., womit in Summe also das Vermögen 52,9 Mio. an direkten Steuern generiert hat.

Allerdings muss man auch noch indirekte Steuern bedenken. Bei 0,5% des Vermögens als jährliches Budget ergeben sich schließlich gänzlich andere Beträge, die letztendlich in den Wirtschaftskreislauf einfließen. Nehmen wir hierfür mal an, dass für 70% dieses Geldes 19% MwSt. in Deutschland fällig sind und ignorieren mal die restlichen 30% des Konsums. Ohne Vermögensteuer kämen dann weitere 1,2 Mio. an Steuern dazu. Mit Vermögensteuer wären es 0,9 Mio.. Die Lücke im Steueraufwand in beiden Szenarien wird also immer kleiner.

Selbst wenn wir beim Konsum von einem Fixbetrag, der in den Folgejahren um die jährliche Inflation erhöht wird, ausgehen würden, sähe es folgendermaßen aus:

Konsum in Jahr 1 | Steuern mit Vermögensteuer | ohne Vermögensteuer
60.000€ | 57,0 Mio. | 57,2 Mio.
250.000€ | 44,5 Mio. 45,6 Mio.
500.000€ | 28,0 Mio. | 30,3 Mio.

Mit anderen Worten: eine Vermögensteuer generiert kurzfristig höhere Steuereinnahmen, langfristig aber nicht. Wer das Geld zudem auf den Kopf haut, zahlt langfristig effektiv am wenigsten Steuern, vererbt aber auch irgendwann nichts mehr, was auch danach noch versteuert werden kann. Du kommst mit der Vermögensteuer also gerade an das Geld der protzenden Reichen nicht ran, selbst wenn sie nicht zu Steuerflüchtlingen werden.

Es ist in meinen Augen zwar vollkommen klar: wer gut verdient, egal wie, muss auch mehr für die Allgemeinheit leisten, in Form von Steuern, aber der Staat muss sich denke ich etwas besseres als eine Vermögensteuer einfallen lassen, wie er davon profitieren kann, dass es Menschen im Land gibt, die offenbar besser verstehen, wie man Geld generiert als der Staat selbst. Unabhängig davon, dass das Geld als Investition in Deutschland eben auch noch etwas bewirken kann, um indirekt Einnahmen für den Staat zu generieren. Gerade die Problematik wäre für Unternehmer nochmal ein deutlich komplexeres Thema. Denn spätestens dann hängen direkt Arbeitsplätze dran und die beste langfristige Einnahmequelle des Staates bleiben immer noch möglichst viele Menschen mit möglichst hohen Löhnen. Ob eine Vermögensteuer dafür aber produktiv ist? Ich hege da so meine Zweifel ...


Bei der Vermögenssteuer geht es gar nicht mal so sehr darum Einnahmen zu generieren sondern v. a. Macht aber auch um die Kapitalnachfrage auf so etwas wie Immobilien zu begrenzen. Das ist am Ende ein ungelöstes Problem in der mathematischen Logik des Kapitalismus - zumindest falls man eine Demokratie wie die unsere erhalten will. Wie verhinderst du es, dass oben die Leute davon rennen und irgendwann alles besitzen. Denn genau das passiert wenn du es laufen lässt. Und dann würdest du wieder im Feudalismus landen.

Ich halte deshalb überhaupt nichts davon Themen wie die Vermögenssteuer einfach nur als Einnahmequelle für den Staat zu betrachten. Das ist viel zu kurz gegriffen. Unsere Demokratie ist am Ende des Tages daraus entstanden, dass die Menschen es nicht mehr hinnehmen wollten, dass allen Besitz und alle Macht ein paar wenige hatten. Jetzt bewegen wir uns wieder in genau diese Richtung und man theoretisiert dann wegen Belanglosigkeiten herum. Die Gefahr wird völlig unterschätzt aus meiner Sicht. In den USA sehen wir erste Ausläufer dessen was passiert wenn man das zulässt.


Womit du trotzdem meine Eingangsthese bestätigst, da die Vermögensteuer somit kein zielgerichtetes Instrument wäre - zumindest so, wie sie aktuell immer wieder ins Spiel gebracht wird -, sondern die pauschale Keule gegen jeden, der über dem letztendlich gewährten Freibetrag liegt, ob "guter" oder "schlechter" Unternehmer, "fauler" Privatier oder Superreicher.

Von wem geht aber schließlich die besagte Gefahr aus? Vom Unternehmer, ob Handwerker, Bäcker, Händler oder sonst was, dessen Vermögen 5 Mio. beträgt und zu >80% in seinem Unternehmen steckt oder vom Superreichen, die nun mal genug Schlupflöcher bei bestehenden Gesetzen haben, die ihren Wohlstand mindern sollten? Warum sollte dann ausgerechnet eine Vermögensteuer auf einmal zur Ausnahme werden, die genau dort wirkt, wo sie wirken sollte? Vermögen können schließlich nur immens werden, wenn sie bereits zuvor nicht ausreichend besteuert wurden.

Ich finde es jedenfalls erschreckend, wie Mittelständler hier in denselben Topf geworfen werden, als wäre es ganz klar. Für mich kündigt sich hier nur an, dass effektiv sie am Ende in der Realität die Zeche zahlen, aber nicht diejenigen, die eigentlich deiner Beschreibung nach betroffen sein sollten. Gerade weil es politisch eben schon so verkauft wird, dass eben die Finanzen des Staates über eine Vermögensteuer aufgebessert werden können, obwohl es langfristig nun mal nicht der Fall ist. Ob dabei außerdem auch kurzfristig negative Konsequenzen, bspw. für Arbeitsplätze, Löhne und Inflation, ausreichend bedacht sind?
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 08.02.2025 um 09:58 Uhr bearbeitet
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#263
08.02.2025 - 11:38 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von A-Lizenz

Zitat von BVBBC

Zitat von Holzschuh85

@BVBBC liefert hier einen entscheidenden Beitrag: 1. was ich will und 2. was verhältnismäßig und machbar ist, das ist Welten voneinander entfernt.
Ich glaube an diese Verfassung.
Also braucht es andere Lösungen.
Ich bin da für viele Wege offen, aber so wie es aktuell in Deutschland ist, treibt das Land auseinander.


Gerade die Vermögensteuer ist in meinen Augen ein hochgradig unsachlich bis populistisch geführtes Thema, weil es nur kurzfristig betrachtet wird, aber nicht langfristig. Die Erbschaftsteuer als effektiv vorhandene Vermögensteuer wird schließlich bewusst ausgeklammert, wodurch das Thema in vielen Fällen fast schon irreführend ist.

Nehmen wir bspw. mal einen faulen Privatier an, der es trotz seiner Faulheit schafft gute 6% Rendite im Jahr zu generieren. Nehmen wir weiterhin an, dass dieser Privatier recht jung an sein Vermögen per Erbschaft von 18,6 Mio. (26,4 Mio. vor Erbschaftsteuer - ab hier werden 30% als Höchstsatz entrichtet bei direkter Erbfolge, sonst sogar mehr) gekommen ist, daher noch 40 Jahre lebt sowie über das Geld verfügt. Dazu gehen wir von jährlich exakt 2% Inflation aus und davon, dass der Privatier 0,5% seines Vermögens jedes Jahr für den Konsum verwendet.

Ohne Vermögensteuer fallen in 40 Jahren insgesamt 27,4 Mio. Kapitalertragsteuer an. Der nächste Erbe erhält dann ein Vermögen von stolzen 83,2 Mio. (kaufkraftbereinigt 38,5 Mio.), das wieder versteuert werden muss. Bei denselben Steuersätzen in der Zukunft, würde das 24,8 Mio. Erbschaftsteuer bedeuten. In Summe würden vom generierten Vermögen dieses Privatiers also 52,3 Mio. als Steuern an den Staat gehen.

Mit Vermögensteuer (soweit ich mich erinnere, lag bei der letzten Wahl der SPD Vorschlag bei 1% und 3 Mio. Freibetrag), würden nur noch 22,3 Mio. Kapitalertragsteuer anfallen. Dazu kommen 13 Mio. Vermögensteuer. Zu Lebzeiten wird das Vermögen also höher besteuert, um knapp 8 Mio.. Dadurch steigt der Wert des Vermögens "nur" auf 59,2 Mio. an, was Konsequenzen für die Erbschaftsteuer hat. Diese beträgt in diesem Szenario dann auch "nur" 17,6 Mio., womit in Summe also das Vermögen 52,9 Mio. an direkten Steuern generiert hat.

Allerdings muss man auch noch indirekte Steuern bedenken. Bei 0,5% des Vermögens als jährliches Budget ergeben sich schließlich gänzlich andere Beträge, die letztendlich in den Wirtschaftskreislauf einfließen. Nehmen wir hierfür mal an, dass für 70% dieses Geldes 19% MwSt. in Deutschland fällig sind und ignorieren mal die restlichen 30% des Konsums. Ohne Vermögensteuer kämen dann weitere 1,2 Mio. an Steuern dazu. Mit Vermögensteuer wären es 0,9 Mio.. Die Lücke im Steueraufwand in beiden Szenarien wird also immer kleiner.

Selbst wenn wir beim Konsum von einem Fixbetrag, der in den Folgejahren um die jährliche Inflation erhöht wird, ausgehen würden, sähe es folgendermaßen aus:

Konsum in Jahr 1 | Steuern mit Vermögensteuer | ohne Vermögensteuer
60.000€ | 57,0 Mio. | 57,2 Mio.
250.000€ | 44,5 Mio. 45,6 Mio.
500.000€ | 28,0 Mio. | 30,3 Mio.

Mit anderen Worten: eine Vermögensteuer generiert kurzfristig höhere Steuereinnahmen, langfristig aber nicht. Wer das Geld zudem auf den Kopf haut, zahlt langfristig effektiv am wenigsten Steuern, vererbt aber auch irgendwann nichts mehr, was auch danach noch versteuert werden kann. Du kommst mit der Vermögensteuer also gerade an das Geld der protzenden Reichen nicht ran, selbst wenn sie nicht zu Steuerflüchtlingen werden.

Es ist in meinen Augen zwar vollkommen klar: wer gut verdient, egal wie, muss auch mehr für die Allgemeinheit leisten, in Form von Steuern, aber der Staat muss sich denke ich etwas besseres als eine Vermögensteuer einfallen lassen, wie er davon profitieren kann, dass es Menschen im Land gibt, die offenbar besser verstehen, wie man Geld generiert als der Staat selbst. Unabhängig davon, dass das Geld als Investition in Deutschland eben auch noch etwas bewirken kann, um indirekt Einnahmen für den Staat zu generieren. Gerade die Problematik wäre für Unternehmer nochmal ein deutlich komplexeres Thema. Denn spätestens dann hängen direkt Arbeitsplätze dran und die beste langfristige Einnahmequelle des Staates bleiben immer noch möglichst viele Menschen mit möglichst hohen Löhnen. Ob eine Vermögensteuer dafür aber produktiv ist? Ich hege da so meine Zweifel ...


Bei der Vermögenssteuer geht es gar nicht mal so sehr darum Einnahmen zu generieren sondern v. a. Macht aber auch um die Kapitalnachfrage auf so etwas wie Immobilien zu begrenzen. Das ist am Ende ein ungelöstes Problem in der mathematischen Logik des Kapitalismus - zumindest falls man eine Demokratie wie die unsere erhalten will. Wie verhinderst du es, dass oben die Leute davon rennen und irgendwann alles besitzen. Denn genau das passiert wenn du es laufen lässt. Und dann würdest du wieder im Feudalismus landen.

Ich halte deshalb überhaupt nichts davon Themen wie die Vermögenssteuer einfach nur als Einnahmequelle für den Staat zu betrachten. Das ist viel zu kurz gegriffen. Unsere Demokratie ist am Ende des Tages daraus entstanden, dass die Menschen es nicht mehr hinnehmen wollten, dass allen Besitz und alle Macht ein paar wenige hatten. Jetzt bewegen wir uns wieder in genau diese Richtung und man theoretisiert dann wegen Belanglosigkeiten herum. Die Gefahr wird völlig unterschätzt aus meiner Sicht. In den USA sehen wir erste Ausläufer dessen was passiert wenn man das zulässt.


Womit du trotzdem meine Eingangsthese bestätigst, da die Vermögensteuer somit kein zielgerichtetes Instrument wäre - zumindest so, wie sie aktuell immer wieder ins Spiel gebracht wird -, sondern die pauschale Keule gegen jeden, der über dem letztendlich gewährten Freibetrag liegt, ob "guter" oder "schlechter" Unternehmer, "fauler" Privatier oder Superreicher.

Von wem geht aber schließlich die besagte Gefahr aus? Vom Unternehmer, ob Handwerker, Bäcker, Händler oder sonst was, dessen Vermögen 5 Mio. beträgt und zu >80% in seinem Unternehmen steckt oder vom Superreichen, die nun mal genug Schlupflöcher bei bestehenden Gesetzen haben, die ihren Wohlstand mindern sollten? Warum sollte dann ausgerechnet eine Vermögensteuer auf einmal zur Ausnahme werden, die genau dort wirkt, wo sie wirken sollte? Vermögen können schließlich nur immens werden, wenn sie bereits zuvor nicht ausreichend besteuert wurden.

Ich finde es jedenfalls erschreckend, wie Mittelständler hier in denselben Topf geworfen werden, als wäre es ganz klar. Für mich kündigt sich hier nur an, dass effektiv sie am Ende in der Realität die Zeche zahlen, aber nicht diejenigen, die eigentlich deiner Beschreibung nach betroffen sein sollten. Gerade weil es politisch eben schon so verkauft wird, dass eben die Finanzen des Staates über eine Vermögensteuer aufgebessert werden können, obwohl es langfristig nun mal nicht der Fall ist. Ob dabei außerdem auch kurzfristig negative Konsequenzen, bspw. für Arbeitsplätze, Löhne und Inflation, ausreichend bedacht sind?


So nähert man sich mE produktiv aus verschiedenen Blickwinkeln thematisch einem so komplexen Gegenstand.
Ich habe zur Staatsfinanzierung über Vermögenssteuern o.ä. schon soviele Zahlenspiele gelesen und das Gerangel darum geht ja seit Jahrzehnten immer wieder hin und her.
Ob man da nun durch irgendwelche Steuern finanzielle Sprünge machen kann, das halte ich auch eher für ein wenig vielsprechendes Vorgehen.

Den Punkt von @A-Lizenz finde ich aber viel wichtiger und ich möchte das vor allem ergänzen um den Punkt, dass der Staat sich mE in bestimmten Bereichen zu stark aus der Verantwortung für das Gemeinwohl rausgenommen hat (Infrastruktur, ÖPNV, Pflege, Immobiliensteuerung in Innenstädten) und es mE viel zu gewinnen gäbe, wenn er dort gewisse Märkte eindämmt oder zumindest reguliert.
Das träfe dann mE auch überhaupt nicht den Mittelständler, den du aktuell so gefährdet siehst, am Ende die Zeche zahlen zu müssen.

Am ehesten gefällt mir aber der Ansatz eine Kostenbeteiligung da abzugreifen, wo sie anfällt. Bisher wird das aber überhaupt nicht transparent getan.
Soziale Folgekosten bei Privatisierungen werden nicht abgesichert, Klimaschäden von Luxusgütern werden nicht annähernd eingepreist usw...
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#264
08.02.2025 - 13:19 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von A-Lizenz

Zitat von BVBBC

Zitat von Holzschuh85

@BVBBC liefert hier einen entscheidenden Beitrag: 1. was ich will und 2. was verhältnismäßig und machbar ist, das ist Welten voneinander entfernt.
Ich glaube an diese Verfassung.
Also braucht es andere Lösungen.
Ich bin da für viele Wege offen, aber so wie es aktuell in Deutschland ist, treibt das Land auseinander.


Gerade die Vermögensteuer ist in meinen Augen ein hochgradig unsachlich bis populistisch geführtes Thema, weil es nur kurzfristig betrachtet wird, aber nicht langfristig. Die Erbschaftsteuer als effektiv vorhandene Vermögensteuer wird schließlich bewusst ausgeklammert, wodurch das Thema in vielen Fällen fast schon irreführend ist.

Nehmen wir bspw. mal einen faulen Privatier an, der es trotz seiner Faulheit schafft gute 6% Rendite im Jahr zu generieren. Nehmen wir weiterhin an, dass dieser Privatier recht jung an sein Vermögen per Erbschaft von 18,6 Mio. (26,4 Mio. vor Erbschaftsteuer - ab hier werden 30% als Höchstsatz entrichtet bei direkter Erbfolge, sonst sogar mehr) gekommen ist, daher noch 40 Jahre lebt sowie über das Geld verfügt. Dazu gehen wir von jährlich exakt 2% Inflation aus und davon, dass der Privatier 0,5% seines Vermögens jedes Jahr für den Konsum verwendet.

Ohne Vermögensteuer fallen in 40 Jahren insgesamt 27,4 Mio. Kapitalertragsteuer an. Der nächste Erbe erhält dann ein Vermögen von stolzen 83,2 Mio. (kaufkraftbereinigt 38,5 Mio.), das wieder versteuert werden muss. Bei denselben Steuersätzen in der Zukunft, würde das 24,8 Mio. Erbschaftsteuer bedeuten. In Summe würden vom generierten Vermögen dieses Privatiers also 52,3 Mio. als Steuern an den Staat gehen.

Mit Vermögensteuer (soweit ich mich erinnere, lag bei der letzten Wahl der SPD Vorschlag bei 1% und 3 Mio. Freibetrag), würden nur noch 22,3 Mio. Kapitalertragsteuer anfallen. Dazu kommen 13 Mio. Vermögensteuer. Zu Lebzeiten wird das Vermögen also höher besteuert, um knapp 8 Mio.. Dadurch steigt der Wert des Vermögens "nur" auf 59,2 Mio. an, was Konsequenzen für die Erbschaftsteuer hat. Diese beträgt in diesem Szenario dann auch "nur" 17,6 Mio., womit in Summe also das Vermögen 52,9 Mio. an direkten Steuern generiert hat.

Allerdings muss man auch noch indirekte Steuern bedenken. Bei 0,5% des Vermögens als jährliches Budget ergeben sich schließlich gänzlich andere Beträge, die letztendlich in den Wirtschaftskreislauf einfließen. Nehmen wir hierfür mal an, dass für 70% dieses Geldes 19% MwSt. in Deutschland fällig sind und ignorieren mal die restlichen 30% des Konsums. Ohne Vermögensteuer kämen dann weitere 1,2 Mio. an Steuern dazu. Mit Vermögensteuer wären es 0,9 Mio.. Die Lücke im Steueraufwand in beiden Szenarien wird also immer kleiner.

Selbst wenn wir beim Konsum von einem Fixbetrag, der in den Folgejahren um die jährliche Inflation erhöht wird, ausgehen würden, sähe es folgendermaßen aus:

Konsum in Jahr 1 | Steuern mit Vermögensteuer | ohne Vermögensteuer
60.000€ | 57,0 Mio. | 57,2 Mio.
250.000€ | 44,5 Mio. 45,6 Mio.
500.000€ | 28,0 Mio. | 30,3 Mio.

Mit anderen Worten: eine Vermögensteuer generiert kurzfristig höhere Steuereinnahmen, langfristig aber nicht. Wer das Geld zudem auf den Kopf haut, zahlt langfristig effektiv am wenigsten Steuern, vererbt aber auch irgendwann nichts mehr, was auch danach noch versteuert werden kann. Du kommst mit der Vermögensteuer also gerade an das Geld der protzenden Reichen nicht ran, selbst wenn sie nicht zu Steuerflüchtlingen werden.

Es ist in meinen Augen zwar vollkommen klar: wer gut verdient, egal wie, muss auch mehr für die Allgemeinheit leisten, in Form von Steuern, aber der Staat muss sich denke ich etwas besseres als eine Vermögensteuer einfallen lassen, wie er davon profitieren kann, dass es Menschen im Land gibt, die offenbar besser verstehen, wie man Geld generiert als der Staat selbst. Unabhängig davon, dass das Geld als Investition in Deutschland eben auch noch etwas bewirken kann, um indirekt Einnahmen für den Staat zu generieren. Gerade die Problematik wäre für Unternehmer nochmal ein deutlich komplexeres Thema. Denn spätestens dann hängen direkt Arbeitsplätze dran und die beste langfristige Einnahmequelle des Staates bleiben immer noch möglichst viele Menschen mit möglichst hohen Löhnen. Ob eine Vermögensteuer dafür aber produktiv ist? Ich hege da so meine Zweifel ...


Bei der Vermögenssteuer geht es gar nicht mal so sehr darum Einnahmen zu generieren sondern v. a. Macht aber auch um die Kapitalnachfrage auf so etwas wie Immobilien zu begrenzen. Das ist am Ende ein ungelöstes Problem in der mathematischen Logik des Kapitalismus - zumindest falls man eine Demokratie wie die unsere erhalten will. Wie verhinderst du es, dass oben die Leute davon rennen und irgendwann alles besitzen. Denn genau das passiert wenn du es laufen lässt. Und dann würdest du wieder im Feudalismus landen.

Ich halte deshalb überhaupt nichts davon Themen wie die Vermögenssteuer einfach nur als Einnahmequelle für den Staat zu betrachten. Das ist viel zu kurz gegriffen. Unsere Demokratie ist am Ende des Tages daraus entstanden, dass die Menschen es nicht mehr hinnehmen wollten, dass allen Besitz und alle Macht ein paar wenige hatten. Jetzt bewegen wir uns wieder in genau diese Richtung und man theoretisiert dann wegen Belanglosigkeiten herum. Die Gefahr wird völlig unterschätzt aus meiner Sicht. In den USA sehen wir erste Ausläufer dessen was passiert wenn man das zulässt.


Womit du trotzdem meine Eingangsthese bestätigst, da die Vermögensteuer somit kein zielgerichtetes Instrument wäre - zumindest so, wie sie aktuell immer wieder ins Spiel gebracht wird -, sondern die pauschale Keule gegen jeden, der über dem letztendlich gewährten Freibetrag liegt, ob "guter" oder "schlechter" Unternehmer, "fauler" Privatier oder Superreicher.

Von wem geht aber schließlich die besagte Gefahr aus? Vom Unternehmer, ob Handwerker, Bäcker, Händler oder sonst was, dessen Vermögen 5 Mio. beträgt und zu >80% in seinem Unternehmen steckt oder vom Superreichen, die nun mal genug Schlupflöcher bei bestehenden Gesetzen haben, die ihren Wohlstand mindern sollten? Warum sollte dann ausgerechnet eine Vermögensteuer auf einmal zur Ausnahme werden, die genau dort wirkt, wo sie wirken sollte? Vermögen können schließlich nur immens werden, wenn sie bereits zuvor nicht ausreichend besteuert wurden.

Ich finde es jedenfalls erschreckend, wie Mittelständler hier in denselben Topf geworfen werden, als wäre es ganz klar. Für mich kündigt sich hier nur an, dass effektiv sie am Ende in der Realität die Zeche zahlen, aber nicht diejenigen, die eigentlich deiner Beschreibung nach betroffen sein sollten. Gerade weil es politisch eben schon so verkauft wird, dass eben die Finanzen des Staates über eine Vermögensteuer aufgebessert werden können, obwohl es langfristig nun mal nicht der Fall ist. Ob dabei außerdem auch kurzfristig negative Konsequenzen, bspw. für Arbeitsplätze, Löhne und Inflation, ausreichend bedacht sind?


Das ist am Ende des Tages halt eine Frage der Ausgestaltung. Man sollte sich dem Thema meiner Ansicht nach aber nicht aus Furcht, dass es die falschen Leute trifft entziehen. Es gab beispielsweise von der Lobbygruppe "die Familienunternehmer" im letzten Wahlkampf eine Kampagne die normalen Leuten Angst vor dem Thema machen sollte. Für mich ist das deshalb alles Ablenkung. Ich verstehe deine Punkte und natürlich muss es die richtigen treffen. Was aber passiert ist, dass das Thema aufgrund dieser "Ängste" immer komplett abgeräumt wird. Auch mit großer medialer Macht. Und das können wir uns nicht mehr lange leisten.

Zu den möglichen negativen Konsequenzen: aus meiner Sicht ist es genau anders herum. Durch die immer weiter aufgehende Schere entziehen wir der Wirtschaft in Form von Miete, Dividende etc. immer mehr Geld das nur sehr langsam (wenn überhaupt) wieder zurückfließt. Die Vermögensverteilung ist also auch ein Wirtschaftsfaktor. Eine Schere die immer weiter aufgeht bedeutet eine immer schwächer werdende Binnennachfrage. Es ist nicht die Steuer/Abgabenlast an den Staat und die Sozialsysteme (die ist übrigens seit Wiedervereinigung fast unverändert) sondern es ist die versteckte "Abgabenlast" von unten nach oben die immer weiter steigt wodurch die Binnennachfrage gedämpft wird. Das ist ein Trend in allen westlichen Ländern. Man versucht das teilweise durch Staatsverschuldung (außer bei uns) und Niedrigzinsen auszugleichen um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Aber das klappt nicht nachhaltig weil der Kern des Problems nicht adressiert wird. Eine Steuer würde da nicht nur Geld wieder zurückholen, das direkt in die Wirtschaft gegeben werden kann (entweder durch Entlastung der normalen Arbeiter oder direkt) sondern auch die Assetnachfrage dämpfen wodurch der Nachfragedruck auf Immobilien etwas sinkt bzw. sich zum Teil zu den Normalos verschiebt. Dann müsste man nicht alles über die Löhne regeln um die Kaufkraft der Leute zu erhöhen und dadurch evtl. die eigene Exportfähigkeit verringern. Das wäre also auch für die Unternehmen gar nicht verkehrt. Der Druck auf die Lohnstückkosten wird nicht weiter erhöht, dafür muss aber halt hinten raus etwas von dem was an Überschuss erwirtschaftet wurde abgegeben werden (je nachdem wo das landet).
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#265
08.02.2025 - 21:40 Uhr
Zitat von A-Lizenz

Das ist am Ende des Tages halt eine Frage der Ausgestaltung. Man sollte sich dem Thema meiner Ansicht nach aber nicht aus Furcht, dass es die falschen Leute trifft entziehen. Es gab beispielsweise von der Lobbygruppe "die Familienunternehmer" im letzten Wahlkampf eine Kampagne die normalen Leuten Angst vor dem Thema machen sollte. Für mich ist das deshalb alles Ablenkung. Ich verstehe deine Punkte und natürlich muss es die richtigen treffen. Was aber passiert ist, dass das Thema aufgrund dieser "Ängste" immer komplett abgeräumt wird. Auch mit großer medialer Macht. Und das können wir uns nicht mehr lange leisten.

Zu den möglichen negativen Konsequenzen: aus meiner Sicht ist es genau anders herum. Durch die immer weiter aufgehende Schere entziehen wir der Wirtschaft in Form von Miete, Dividende etc. immer mehr Geld das nur sehr langsam (wenn überhaupt) wieder zurückfließt. Die Vermögensverteilung ist also auch ein Wirtschaftsfaktor. Eine Schere die immer weiter aufgeht bedeutet eine immer schwächer werdende Binnennachfrage. Es ist nicht die Steuer/Abgabenlast an den Staat und die Sozialsysteme (die ist übrigens seit Wiedervereinigung fast unverändert) sondern es ist die versteckte "Abgabenlast" von unten nach oben die immer weiter steigt wodurch die Binnennachfrage gedämpft wird. Das ist ein Trend in allen westlichen Ländern. Man versucht das teilweise durch Staatsverschuldung (außer bei uns) und Niedrigzinsen auszugleichen um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Aber das klappt nicht nachhaltig weil der Kern des Problems nicht adressiert wird. Eine Steuer würde da nicht nur Geld wieder zurückholen, das direkt in die Wirtschaft gegeben werden kann (entweder durch Entlastung der normalen Arbeiter oder direkt) sondern auch die Assetnachfrage dämpfen wodurch der Nachfragedruck auf Immobilien etwas sinkt bzw. sich zum Teil zu den Normalos verschiebt. Dann müsste man nicht alles über die Löhne regeln um die Kaufkraft der Leute zu erhöhen und dadurch evtl. die eigene Exportfähigkeit verringern. Das wäre also auch für die Unternehmen gar nicht verkehrt. Der Druck auf die Lohnstückkosten wird nicht weiter erhöht, dafür muss aber halt hinten raus etwas von dem was an Überschuss erwirtschaftet wurde abgegeben werden (je nachdem wo das landet).


Ganz starker Beitrag daumen-hoch Danke!

Als kleiner Einwurf, zur Bekräftigung:

https://www.fr.de/wirtschaft/einfach-arm-rechnen-lassen-so-umgehen-reiche-die-erbschaft-und-schenkungsteuer-92050686.html

Schlupflöcher müssten erst bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer geschlossen werden, damit dieses Argument vollends zur Geltung kommt. Und wie schon sehr gut beschrieben wurde, ein Unterschied zwischen Vermögen- und Erbschaftsteuer ist, dass die kontinuierlichen Einnahmen direkt reinvestiert werden können. Das stärkt die Gesellschaft, die Demokratie und reduziert Ungleichheiten.

•     •     •

HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#266
09.02.2025 - 00:23 Uhr
Zitat von TheKillingJoke
Zitat von A-Lizenz

Das ist am Ende des Tages halt eine Frage der Ausgestaltung. Man sollte sich dem Thema meiner Ansicht nach aber nicht aus Furcht, dass es die falschen Leute trifft entziehen. Es gab beispielsweise von der Lobbygruppe "die Familienunternehmer" im letzten Wahlkampf eine Kampagne die normalen Leuten Angst vor dem Thema machen sollte. Für mich ist das deshalb alles Ablenkung. Ich verstehe deine Punkte und natürlich muss es die richtigen treffen. Was aber passiert ist, dass das Thema aufgrund dieser "Ängste" immer komplett abgeräumt wird. Auch mit großer medialer Macht. Und das können wir uns nicht mehr lange leisten.

Zu den möglichen negativen Konsequenzen: aus meiner Sicht ist es genau anders herum. Durch die immer weiter aufgehende Schere entziehen wir der Wirtschaft in Form von Miete, Dividende etc. immer mehr Geld das nur sehr langsam (wenn überhaupt) wieder zurückfließt. Die Vermögensverteilung ist also auch ein Wirtschaftsfaktor. Eine Schere die immer weiter aufgeht bedeutet eine immer schwächer werdende Binnennachfrage. Es ist nicht die Steuer/Abgabenlast an den Staat und die Sozialsysteme (die ist übrigens seit Wiedervereinigung fast unverändert) sondern es ist die versteckte "Abgabenlast" von unten nach oben die immer weiter steigt wodurch die Binnennachfrage gedämpft wird. Das ist ein Trend in allen westlichen Ländern. Man versucht das teilweise durch Staatsverschuldung (außer bei uns) und Niedrigzinsen auszugleichen um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Aber das klappt nicht nachhaltig weil der Kern des Problems nicht adressiert wird. Eine Steuer würde da nicht nur Geld wieder zurückholen, das direkt in die Wirtschaft gegeben werden kann (entweder durch Entlastung der normalen Arbeiter oder direkt) sondern auch die Assetnachfrage dämpfen wodurch der Nachfragedruck auf Immobilien etwas sinkt bzw. sich zum Teil zu den Normalos verschiebt. Dann müsste man nicht alles über die Löhne regeln um die Kaufkraft der Leute zu erhöhen und dadurch evtl. die eigene Exportfähigkeit verringern. Das wäre also auch für die Unternehmen gar nicht verkehrt. Der Druck auf die Lohnstückkosten wird nicht weiter erhöht, dafür muss aber halt hinten raus etwas von dem was an Überschuss erwirtschaftet wurde abgegeben werden (je nachdem wo das landet).


Ganz starker Beitrag daumen-hoch Danke!

Als kleiner Einwurf, zur Bekräftigung:

https://www.fr.de/wirtschaft/einfach-arm-rechnen-lassen-so-umgehen-reiche-die-erbschaft-und-schenkungsteuer-92050686.html

Schlupflöcher müssten erst bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer geschlossen werden, damit dieses Argument vollends zur Geltung kommt. Und wie schon sehr gut beschrieben wurde, ein Unterschied zwischen Vermögen- und Erbschaftsteuer ist, dass die kontinuierlichen Einnahmen direkt reinvestiert werden können. Das stärkt die Gesellschaft, die Demokratie und reduziert Ungleichheiten.


Ich halte das Thema für eine reine Nebelkerze und das war auch schon vor X Jahren so. Heute noch über die Verteilung oder Reichensteuer etc. zu reden trifft die Realität zu wenig. Was passiert hat ja auch Gründe, wir verlieren massiv Wohlstand und darunter leiden wie immer in erster Linie die Schwächsten. Aber warum reden wir dann im Affekt über Steuern, Vermögensverteilung oder Erbschaft ? Das trifft doch den Kern nicht und trägt überhaupt nichts zur Lösung bei. Wenn die Masse schrumpft kann man auch nicht künstlich mehr verteilen.

Meiner Ansicht nach sollten wir uns viel stärker damit beschäftigen wieder unsere Wirtschaft flott zu machen damit es auch wieder was zu verteilen gibt. Ein Land ohne Rohstoffe, ein Industriegigant der den Übergang in die moderne IT Gesellschaft komplett verpennt hat und schon im Dienstleistungssektor durchgereicht wurde hat ganz andere Probleme. Man muss sich das mal vorstellen, wir sind in Deutschland an einem Punkt wo beinahe Konsens herrscht das der Sozialstaat eingeschränkt werden muss. Alleine das ist schon ein Novum. Den Vermögenden höhere Steuern abzuzwacken löst kein einziges der massiven struktuellen Defizite. Im Gegenteil, Deutschland muss als Standort wieder attraktiv werden, was automatisch Unternehmern aus In- und Ausland steuerlich entgegen kommen muss. Die Baustellen hier sind mittlerweile so riesig das wir mit Debatten über Verteilung nur Zeit verplempern. So gut geht es uns leider nicht mehr, was man ja auch an AFD Umfragewerten und Migrationsdebatten ablesen kann.

Wirtschaftlich muss man deutlich mehr Staat abschaffen. Für Sparer und Kleinanleger sollte die Kapitalertragsteuer abgeschafft werden damit jeder eine faire Chance auf eine gute private Zusatzrente hat. Die gesetzliche Rente muss mit dem Kapitalmarkt gekoppelt werden. Und es muss massiv in die Wirtschaft investiert werden. Das geht nur mit massiven Investitionen, Abbau von Mobilitätshindernissen, Deregulierung und Bürokratieabbau.Schuldenbremse weg und Gas geben. All das damit wir uns zukünftig auch wieder gemütlich über Vermögenssteuer etc. streiten können. Zuerst sollten wir alle wieder anfangen das Land produktiv und vor allem attraktiv besonders für Unternehmensgründer und Investoren zu machen.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#267
09.02.2025 - 07:28 Uhr
Zitat von BVBBC
Zitat von Holzschuh85

@BVBBC liefert hier einen entscheidenden Beitrag: 1. was ich will und 2. was verhältnismäßig und machbar ist, das ist Welten voneinander entfernt.
Ich glaube an diese Verfassung.
Also braucht es andere Lösungen.
Ich bin da für viele Wege offen, aber so wie es aktuell in Deutschland ist, treibt das Land auseinander.


Gerade die Vermögensteuer ist in meinen Augen ein hochgradig unsachlich bis populistisch geführtes Thema, weil es nur kurzfristig betrachtet wird, aber nicht langfristig. Die Erbschaftsteuer als effektiv vorhandene Vermögensteuer wird schließlich bewusst ausgeklammert, wodurch das Thema in vielen Fällen fast schon irreführend ist.

Nehmen wir bspw. mal einen faulen Privatier an, der es trotz seiner Faulheit schafft gute 6% Rendite im Jahr zu generieren. Nehmen wir weiterhin an, dass dieser Privatier recht jung an sein Vermögen per Erbschaft von 18,6 Mio. (26,4 Mio. vor Erbschaftsteuer - ab hier werden 30% als Höchstsatz entrichtet bei direkter Erbfolge, sonst sogar mehr) gekommen ist, daher noch 40 Jahre lebt sowie über das Geld verfügt. Dazu gehen wir von jährlich exakt 2% Inflation aus und davon, dass der Privatier 0,5% seines Vermögens jedes Jahr für den Konsum verwendet.

Ohne Vermögensteuer fallen in 40 Jahren insgesamt 27,4 Mio. Kapitalertragsteuer an. Der nächste Erbe erhält dann ein Vermögen von stolzen 83,2 Mio. (kaufkraftbereinigt 38,5 Mio.), das wieder versteuert werden muss. Bei denselben Steuersätzen in der Zukunft, würde das 24,8 Mio. Erbschaftsteuer bedeuten. In Summe würden vom generierten Vermögen dieses Privatiers also 52,3 Mio. als Steuern an den Staat gehen.

Mit Vermögensteuer (soweit ich mich erinnere, lag bei der letzten Wahl der SPD Vorschlag bei 1% und 3 Mio. Freibetrag), würden nur noch 22,3 Mio. Kapitalertragsteuer anfallen. Dazu kommen 13 Mio. Vermögensteuer. Zu Lebzeiten wird das Vermögen also höher besteuert, um knapp 8 Mio.. Dadurch steigt der Wert des Vermögens "nur" auf 59,2 Mio. an, was Konsequenzen für die Erbschaftsteuer hat. Diese beträgt in diesem Szenario dann auch "nur" 17,6 Mio., womit in Summe also das Vermögen 52,9 Mio. an direkten Steuern generiert hat.

Allerdings muss man auch noch indirekte Steuern bedenken. Bei 0,5% des Vermögens als jährliches Budget ergeben sich schließlich gänzlich andere Beträge, die letztendlich in den Wirtschaftskreislauf einfließen. Nehmen wir hierfür mal an, dass für 70% dieses Geldes 19% MwSt. in Deutschland fällig sind und ignorieren mal die restlichen 30% des Konsums. Ohne Vermögensteuer kämen dann weitere 1,2 Mio. an Steuern dazu. Mit Vermögensteuer wären es 0,9 Mio.. Die Lücke im Steueraufwand in beiden Szenarien wird also immer kleiner.

Selbst wenn wir beim Konsum von einem Fixbetrag, der in den Folgejahren um die jährliche Inflation erhöht wird, ausgehen würden, sähe es folgendermaßen aus:

Konsum in Jahr 1 | Steuern mit Vermögensteuer | ohne Vermögensteuer
60.000€ | 57,0 Mio. | 57,2 Mio.
250.000€ | 44,5 Mio. 45,6 Mio.
500.000€ | 28,0 Mio. | 30,3 Mio.

Mit anderen Worten: eine Vermögensteuer generiert kurzfristig höhere Steuereinnahmen, langfristig aber nicht. Wer das Geld zudem auf den Kopf haut, zahlt langfristig effektiv am wenigsten Steuern, vererbt aber auch irgendwann nichts mehr, was auch danach noch versteuert werden kann. Du kommst mit der Vermögensteuer also gerade an das Geld der protzenden Reichen nicht ran, selbst wenn sie nicht zu Steuerflüchtlingen werden.

Es ist in meinen Augen zwar vollkommen klar: wer gut verdient, egal wie, muss auch mehr für die Allgemeinheit leisten, in Form von Steuern, aber der Staat muss sich denke ich etwas besseres als eine Vermögensteuer einfallen lassen, wie er davon profitieren kann, dass es Menschen im Land gibt, die offenbar besser verstehen, wie man Geld generiert als der Staat selbst. Unabhängig davon, dass das Geld als Investition in Deutschland eben auch noch etwas bewirken kann, um indirekt Einnahmen für den Staat zu generieren. Gerade die Problematik wäre für Unternehmer nochmal ein deutlich komplexeres Thema. Denn spätestens dann hängen direkt Arbeitsplätze dran und die beste langfristige Einnahmequelle des Staates bleiben immer noch möglichst viele Menschen mit möglichst hohen Löhnen. Ob eine Vermögensteuer dafür aber produktiv ist? Ich hege da so meine Zweifel ...


Da stecken für mich die zentralen Punkte drin: woher kommt das Geld für Investitionen, wer tätigt die Investitionen.

Geld muss nicht bloß an der richtigen Stelle eingesammelt und umverteilt werden. Erstmal braucht man eine Wertschöpfung. Und für die brauchen wir mehr den je Innovation. Die verlangt gebündelte Investition von Kapital.

Das wird nicht vom Staat kommen. Gerade wenn Konjuktur rückläufig ist, fehlt der Wirtschaft das Kapital, um zu investieren. Da braucht es die Leute, die privat das Risiko gehen. Und da soll sich keiner vertun: Vermögen vermehren geschieht immer durch Wagnis und nicht durch ein volles Festgeldkonto.

Der Staat ist die beste Lösung für viele Dinge. Aber nicht für alle. Die Finanzierung seiner Aufgaben muss sichergestellt werden, der Umfang seiner Tätigkeiten aber abgewogen werden.
Innovation, Ideenwettbewerb, Investitionen funktionieren deutlich besser mit wenig Staat. Ist ja auch nicht so überraschend, dass in einem Umfeld großer Unsicherheit, ein in Behördenzimmern entworfener Rahmen mit wenig Handlungsfreiheit nicht die beste Lösung bringt.

Versinnbildlicht ist diese Überschätzung in der Idee, einen europäischen Champion aufzubauen: niemand baut EINEN Champion der Zukunft auf. Du weißt nicht, was den Champion von morgen ausmacht, schon gar nicht, was er macht. Das einzige, was du aufbauen kannst, ist einen riesen Klopps, der der Champion von gestern hätte werden können.

Will man große Innovationskraft freisetzen, ist das einzige, oder zumindest erste was zu tun ist, die Schranken zu heben. Dass heißt, Kapital fließen zu lassen, wenn es will. Unsere Regulierung zur Finanzierung von Start-Ups ist ein riesiger Hemmschuh. Zu akzeptieren, dass ein paar mal 4 Mrd in den Sand gesetzt werden müssen, damit bei 20. mal ein 120 Mrd. Unternehmen entsteht, ist etwas, was Staaten nicht können, private Anleger aber tun.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#268
09.02.2025 - 15:07 Uhr
Zitat von TheInternational

Ich halte das Thema für eine reine Nebelkerze und das war auch schon vor X Jahren so. Heute noch über die Verteilung oder Reichensteuer etc. zu reden trifft die Realität zu wenig. Was passiert hat ja auch Gründe, wir verlieren massiv Wohlstand und darunter leiden wie immer in erster Linie die Schwächsten. Aber warum reden wir dann im Affekt über Steuern, Vermögensverteilung oder Erbschaft ? Das trifft doch den Kern nicht und trägt überhaupt nichts zur Lösung bei. Wenn die Masse schrumpft kann man auch nicht künstlich mehr verteilen..


Ich sehe es als einen Teil der Lösung. Alleine eine Vermögenssteuer würde nur wenig bringen, allerdings in unserer politischen Situation und der öffentliche Debatte, wird immer die Frage danach gestellt "wer soll das bezahlen" oder "keine Schulden für unsere Kinder". Die Vermögenssteuer löst das vielleicht nicht komplett, aber die Antwort kann lauten.... "es bezahlen die Vermögenden".... da diese sich an der Gesellschaft bereichern, müssen sie einen Großteil an das Gemeinwohl zurückgeben.

Zitat von TheInternational

Meiner Ansicht nach sollten wir uns viel stärker damit beschäftigen wieder unsere Wirtschaft flott zu machen damit es auch wieder was zu verteilen gibt. Ein Land ohne Rohstoffe, ein Industriegigant der den Übergang in die moderne IT Gesellschaft komplett verpennt hat und schon im Dienstleistungssektor durchgereicht wurde hat ganz andere Probleme. Man muss sich das mal vorstellen, wir sind in Deutschland an einem Punkt wo beinahe Konsens herrscht das der Sozialstaat eingeschränkt werden muss. Alleine das ist schon ein Novum. Den Vermögenden höhere Steuern abzuzwacken löst kein einziges der massiven struktuellen Defizite. Im Gegenteil, Deutschland muss als Standort wieder attraktiv werden, was automatisch Unternehmern aus In- und Ausland steuerlich entgegen kommen muss. Die Baustellen hier sind mittlerweile so riesig das wir mit Debatten über Verteilung nur Zeit verplempern. So gut geht es uns leider nicht mehr, was man ja auch an AFD Umfragewerten und Migrationsdebatten ablesen kann..


Bin ich voll bei dir.
Nur wie macht man den Standort Deutschland wieder attraktiv? Wie bekomme ich die Kernindustrien wieder ins Land? So wie es sich liest, in dem man Unternehmen steuerlich subventioniert. Wäre für mich kein Widerspruch zu einer Vermögenssteuer. Ein Vorredner hatte es ja abgegrenzt in dem er schrieb "es kommt auf die Ausgestaltung an".
Grundsätzlich wir die Debatte über die Vermögenssteuer schnell vom Tisch gewischt, in dem man es mit anderen Themen in einen Topf wirft. Hier Unternehmens- oder Gewerbesteuer mit der Vermögenssteuer. Die Betriebswirtschaftliche Tätigkeit wird von einer Vermögenssteuer nicht berührt. Denn damit würde man eben nicht an das Vermögen gehen, sondern an das Einkommen, den Gewinn etc. und das ist schon per Definition nicht das Vermögen.

Zitat von TheInternational

Wirtschaftlich muss man deutlich mehr Staat abschaffen. Für Sparer und Kleinanleger sollte die Kapitalertragsteuer abgeschafft werden damit jeder eine faire Chance auf eine gute private Zusatzrente hat. Die gesetzliche Rente muss mit dem Kapitalmarkt gekoppelt werden. Und es muss massiv in die Wirtschaft investiert werden. Das geht nur mit massiven Investitionen, Abbau von Mobilitätshindernissen, Deregulierung und Bürokratieabbau.Schuldenbremse weg und Gas geben. All das damit wir uns zukünftig auch wieder gemütlich über Vermögenssteuer etc. streiten können. Zuerst sollten wir alle wieder anfangen das Land produktiv und vor allem attraktiv besonders für Unternehmensgründer und Investoren zu machen.


Das sehe ich komplett anders, der Teil mit der Kapitalertragssteuer. Ist mMn (lasse mich auch gerne überzeugen) ein ziemlich schlechtes Tool. Begründung:

Kleinere Anleger mit Kapitaleinkünften unter dem Sparer-Pauschbetrag (1.000 € für Singles, 2.000 € für Ehepaare) hätten kaum einen Vorteil, da sie ohnehin keine Kapitalertragssteuer zahlen.
Ein hoher Nutzen wäre ab einem Jahreseinkommen von ca. 80.000 bis 100.000 € spürbar, da dann Kapitalerträge oft eine bedeutendere Einkommensquelle darstellen. Für Superreiche mit Millionenvermögen wäre der Effekt am größten.

Rente an den Kapitalmarkt koppeln. Damit bin ich fein. Massive Investitionen in die Wirtschaft. Deregulierung. Bürokratieabbau. Schuldenbremse weg. Absolut deiner Meinung. Warum man dafür das Einkommen besteuern sollte (vor allem der Unter- und Mittelschicht), und nicht das Vermögen der Wohlhabenden bzw. Reichen, wird mir in dem Teil nicht zu genüge beantwortet.

Finde deine Lösungsvorschläge gut. Wie das Zahlenwerk dahinter aussieht wäre noch interessant. Gleichzeitig löst es nicht das Problem der ungerechneten Verteilung bzw. den Kapitalabfluss zu den oberen 10% oder gar 1% auf Kosten der Gesellschaft. Was aktuell eines der Kernprobleme ist, die besagte Schere bekommt man nicht in den Griff.

•     •     •

HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#269
09.02.2025 - 18:14 Uhr
Zitat von Deard
Zitat von rm-woogie

Zitat von Holzschuh85

Ich bin da für viele Wege offen, aber so wie es aktuell in Deutschland ist, treibt das Land auseinander.


Ich sehe es eher so, dass Worte und Ansichten wie deine das Land immer weiter auseinander treiben.
Ansichten wie zum Beispiel die bösen Reichen, die alle nur auf der faulen Haut liegen und allen das Geld aus dem Portmonee treiben.


Wir leben in einer Welt in der der Populismus immer weiter voran schreitet. In der vermeintliche Moral und Ideologie immer mehr vortritt über Sachlichkeit gewinnt. In der auch in den Medien oft keine sachlich gut aufbereiteten Diskussionen und Beiträge mehr vorhanden sind. In der es immer mehr ein Gegeneinander gibt, anstatt ein Miteinander zu forcieren - alles unter dem Deckmanter der vermeintlichen Moralüberlegenheit und vermeintlich besseren Ziele.


Aus meiner Sicht gehörst du mit solchen Aussagen aber genauso dazu:

"In der vermeintliche Moral und Ideologie immer mehr vortritt über Sachlichkeit gewinnt"
" alles unter dem Deckmanter der vermeintlichen Moralüberlegenheit"

Also alles die bösen moralischen Linkspopulismus, die die Welt besser machen wollen (und dabei teilweise übermoralisieren, da gehe ich mit).


Ich spiele mit dem Post auf die gesamte Gesellschaft an. Weltweit kann man beobachten wie diese immer weiter auseinander driften. Wo immer mehr "amerikanische Verhältnisse" entstehen, bei der zwei Lager entstehen und ein blindes Verteidigen der eigenen Positionen immer mehr Vorrang über Sachlichkeit gewinnt.
Wenn man irgendein Lager direkt als "böse" oder "falsch" einordnet oder pauschal urteilt, dann stützt man diese Entwicklung nur. Und das liegt mir komplett fern, da ich mich selbst keinem angehörig fühle und mich genau in der Mitte einordnen würde. Aber genau das sehe ich zum Beispiel in dem Rest deines Postes und ich verstehe deswegen die Art deines Postes nicht und verstehe dieses nicht als Antwort auf meinem Post.

Und ja, ein Linkspopulismus gehört definitiv auch dazu und ist ein aktuell großes Problem. Genauso wie Populismus auf der rechten Seite.
Deswegen bin ich auch ein Fan von Angie gewesen. Nicht wegen ihrer Politik. Für mich war es aber die letzte Führungspolitikerin die versucht hat die Gesellschaft zu einen, frei von Populismus und urteilen war und "für alle" da war und damit imo im Gegensatz zu allen aktuellen Spitzenkandidaten steht.


Zitat von Deard

Wenn ich die Medien schau kriege ich folgendes:
"Windräder abbauen, weil sie hässlich sind" - Merz


Ich nehme jetzt exemplarisch mal das erste Zitat heraus. Es scheint so, als hättest du das Zitat genauso aufgenommen, als würde Merz einfach nur aus Hässlichkeitsgründen jegliche Windräder abbauen wollen.
Dann frage ich mich: Wird das in den Medien so falsch dargestellt oder ist die Gesellschaft schon so angehaucht, dass Zitate so falsch aufgenommen werden?
Anbei das originale Zitat:

Zitat von usernick
Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz hält Windkraft zur Energieversorgung in Deutschland nur für eine Übergangstechnologie. „Ich glaube sogar, dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen“, sagte der CDU-Politiker in der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner. „Das ist eine Übergangstechnologie.“
Er wolle stattdessen, dass zum Beispiel Möglichkeiten der Kernfusion in Deutschland erprobt würden. Das Feld dürfe man nicht China überlassen. Auch eine Reaktivierung von Atomkraftwerken werde geprüft. Hier sei er aber skeptisch, weil diese Kraftwerke bereits abgebaut würden.


Was ist daran populistisch? Was ist daran schlimm? Soll man nur noch den aktuellen Stand der Technik bewerten? Dann hätte man vor ca. 15 Jahren auch sagen müssen, dass Solarenergie Scheiße ist, weil man einen Garantiepreis von 30-40 ct/kwh garantieren musste, egal ob eingespeist wurde oder nicht.
Und wenn in 30 Jahren Kernfusion machbar sein sollte, was spricht dagegen wieder auf ein einfaches Netz zu setzen und alte Windräder abzubauen und auf neue zu verzichten?

Zitat von Deard

Glaubst du, dieser ganze Populismus (und das ist nur was mir auf Anhieb einfällt und beinhaltet nicht mal die AfD) stammt aus einer vermeintlichen Moralüberlegenheit?

Über 50 % der Deutschen wollen CDU oder AfD wählen, welche durch eine populistische Aussage nach der anderen auffallen. Aber Schuld am Populismus sind natürlich hypermoralisierende Linke?


Genauso kann ich jetzt auf andere Zitate eingehen oder Zitate von Grünen-/SPD-/Linkenpolitiker raussuchen. Da gibt es nicht minder wenige. Aber ist das wirklich der Maßstab der uns weiter bringt und den man anlegen sollte? Genauso deine Frage nach den 50 % die suggeriert als wäre es unmöglich die CDU zu wählen. Das ist doch eher genau das wovon ich im ersten Post gesprochen habe.

Ist das Problem, dass ein Spitzenpolitiker sich auf eine Art äußert auf die er es nicht tun sollte? Bei der er aber auf die realen Probleme verweist, die diese Bürger beschäftigen? Ist es ein Problem, dass viele reale Probleme der Bürger seit Jahren nicht erst genommen werden und immer wieder beiseite geschoben werden bzw. immer auf ein Extrem reduziert werden und nicht sachlich besprochen werden können?

Man muss nur das Thema illegale, unkontrollierte Migration nehmen. Unser Land war schon vor 2015 am Rand der Kapazitäten und die Entwicklung war nicht mehr positiv. Es gab die Finanzkrisen, die Instabilität in der EU, die Eurokrise und co.
Dazu kamen dann horrende Kosten für die Transformation und ab 2015 eine vollständige Veränderung des Gesellschaftsbildes und des Öffentlichkeitsbildes in jeder Stadt und jedem Dorf dazu. Aber wann gab es dann denn mal wirklich eine rein fundierte sachliche Diskussion darüber? In der nicht immer gleich alles ins Extrem gezogen wurde oder auf die Moral bezogen wurde? In der Bürger, die diese Veränderung nicht unkontrolliert haben wollten, gleich an den rechten Rand geschoben wurden? In der dazu zeitgleich alles links der SPD als "das böse Rechte" angesehen wird?

Wir befinden uns in meinen Augen damit in einer Sackgasse. Ich sehe nicht die 50 % als Problem. Ich sehe die Entwicklung auf beiden Seiten als Problem welches immer unsachlicher und immer mehr ein Gegeneinander wird. Auf medialer Ebene. Auf politischer Ebene. Auf gesellschaftlicher Ebene.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#270
09.02.2025 - 18:19 Uhr
Zitat von TheKillingJoke
Zitat von TheInternational

Ich halte das Thema für eine reine Nebelkerze und das war auch schon vor X Jahren so. Heute noch über die Verteilung oder Reichensteuer etc. zu reden trifft die Realität zu wenig. Was passiert hat ja auch Gründe, wir verlieren massiv Wohlstand und darunter leiden wie immer in erster Linie die Schwächsten. Aber warum reden wir dann im Affekt über Steuern, Vermögensverteilung oder Erbschaft ? Das trifft doch den Kern nicht und trägt überhaupt nichts zur Lösung bei. Wenn die Masse schrumpft kann man auch nicht künstlich mehr verteilen..


Ich sehe es als einen Teil der Lösung. Alleine eine Vermögenssteuer würde nur wenig bringen, allerdings in unserer politischen Situation und der öffentliche Debatte, wird immer die Frage danach gestellt "wer soll das bezahlen" oder "keine Schulden für unsere Kinder". Die Vermögenssteuer löst das vielleicht nicht komplett, aber die Antwort kann lauten.... "es bezahlen die Vermögenden".... da diese sich an der Gesellschaft bereichern, müssen sie einen Großteil an das Gemeinwohl zurückgeben.

Zitat von TheInternational

Meiner Ansicht nach sollten wir uns viel stärker damit beschäftigen wieder unsere Wirtschaft flott zu machen damit es auch wieder was zu verteilen gibt. Ein Land ohne Rohstoffe, ein Industriegigant der den Übergang in die moderne IT Gesellschaft komplett verpennt hat und schon im Dienstleistungssektor durchgereicht wurde hat ganz andere Probleme. Man muss sich das mal vorstellen, wir sind in Deutschland an einem Punkt wo beinahe Konsens herrscht das der Sozialstaat eingeschränkt werden muss. Alleine das ist schon ein Novum. Den Vermögenden höhere Steuern abzuzwacken löst kein einziges der massiven struktuellen Defizite. Im Gegenteil, Deutschland muss als Standort wieder attraktiv werden, was automatisch Unternehmern aus In- und Ausland steuerlich entgegen kommen muss. Die Baustellen hier sind mittlerweile so riesig das wir mit Debatten über Verteilung nur Zeit verplempern. So gut geht es uns leider nicht mehr, was man ja auch an AFD Umfragewerten und Migrationsdebatten ablesen kann..


Bin ich voll bei dir.
Nur wie macht man den Standort Deutschland wieder attraktiv? Wie bekomme ich die Kernindustrien wieder ins Land? So wie es sich liest, in dem man Unternehmen steuerlich subventioniert. Wäre für mich kein Widerspruch zu einer Vermögenssteuer. Ein Vorredner hatte es ja abgegrenzt in dem er schrieb "es kommt auf die Ausgestaltung an".
Grundsätzlich wir die Debatte über die Vermögenssteuer schnell vom Tisch gewischt, in dem man es mit anderen Themen in einen Topf wirft. Hier Unternehmens- oder Gewerbesteuer mit der Vermögenssteuer. Die Betriebswirtschaftliche Tätigkeit wird von einer Vermögenssteuer nicht berührt. Denn damit würde man eben nicht an das Vermögen gehen, sondern an das Einkommen, den Gewinn etc. und das ist schon per Definition nicht das Vermögen.

Zitat von TheInternational

Wirtschaftlich muss man deutlich mehr Staat abschaffen. Für Sparer und Kleinanleger sollte die Kapitalertragsteuer abgeschafft werden damit jeder eine faire Chance auf eine gute private Zusatzrente hat. Die gesetzliche Rente muss mit dem Kapitalmarkt gekoppelt werden. Und es muss massiv in die Wirtschaft investiert werden. Das geht nur mit massiven Investitionen, Abbau von Mobilitätshindernissen, Deregulierung und Bürokratieabbau.Schuldenbremse weg und Gas geben. All das damit wir uns zukünftig auch wieder gemütlich über Vermögenssteuer etc. streiten können. Zuerst sollten wir alle wieder anfangen das Land produktiv und vor allem attraktiv besonders für Unternehmensgründer und Investoren zu machen.


Das sehe ich komplett anders, der Teil mit der Kapitalertragssteuer. Ist mMn (lasse mich auch gerne überzeugen) ein ziemlich schlechtes Tool. Begründung:

Kleinere Anleger mit Kapitaleinkünften unter dem Sparer-Pauschbetrag (1.000 € für Singles, 2.000 € für Ehepaare) hätten kaum einen Vorteil, da sie ohnehin keine Kapitalertragssteuer zahlen.
Ein hoher Nutzen wäre ab einem Jahreseinkommen von ca. 80.000 bis 100.000 € spürbar, da dann Kapitalerträge oft eine bedeutendere Einkommensquelle darstellen. Für Superreiche mit Millionenvermögen wäre der Effekt am größten.

Rente an den Kapitalmarkt koppeln. Damit bin ich fein. Massive Investitionen in die Wirtschaft. Deregulierung. Bürokratieabbau. Schuldenbremse weg. Absolut deiner Meinung. Warum man dafür das Einkommen besteuern sollte (vor allem der Unter- und Mittelschicht), und nicht das Vermögen der Wohlhabenden bzw. Reichen, wird mir in dem Teil nicht zu genüge beantwortet.

Finde deine Lösungsvorschläge gut. Wie das Zahlenwerk dahinter aussieht wäre noch interessant. Gleichzeitig löst es nicht das Problem der ungerechneten Verteilung bzw. den Kapitalabfluss zu den oberen 10% oder gar 1% auf Kosten der Gesellschaft. Was aktuell eines der Kernprobleme ist, die besagte Schere bekommt man nicht in den Griff.


Ok mal ein Beispiel zur Kapitalertragsteuer damit deutlich wird worüber wir hier reden. Freibeträge sind für den Vermögensaufbau in Deutschland ein Witz und nicht relevant, es geht ja um Vermögensaufbau den die Politik uns allen, besonders den jüngeren, dringend nahelegt. Stichwort Rente.

Beispiel: Leon, der Azubi
Leon ist 18 Jahre alt und beginnt seine Ausbildung. Er kann jeden Monat 50 € sparen und investiert dieses Geld in einen ETF-Sparplan mit einer durchschnittlichen Rendite von 7 % pro Jahr. Wir nehmen das einfach mal aus historischen Günden an, jeder darf aber auch 4, 5 oder 10% nehmen smile
Sein Ziel ist es, sich für später eine Zusatzrente aufzubauen.

Mit Kapitalertragssteuer (wie es jetzt ist):

Leon spart jeden Monat 50 €, also 600 € pro Jahr.

Nach 45 Jahren hat er insgesamt 27.000 € eingezahlt.

Dank Zinseszinseffekt wächst sein Depot auf 184.000 €.

Beim Verkauf muss er 25 % Steuern auf den Gewinn (157.000 €) zahlen.

Nach Steuern bleiben ihm 145.750 €.


Ohne Kapitalertragssteuer:

Leon behält die vollen 184.000 €.

Das sind 38.250 € mehr – fast das 1,5-Fache seiner eigenen Einzahlungen!

Er könnte sich eine höhere Zusatzrente auszahlen oder früher in Rente gehen.

Die Abschaffung der Kapitalertragssteuer wäre besonders für junge Kleinanleger wie Leon ein großer Vorteil. Sie könnten mit kleinen Beträgen über die Jahre ein deutlich größeres Vermögen aufbauen und hätten im Alter mehr finanzielle Sicherheit. Auch eine Dividendenstrategie wäre ohne die Steuer um 100% attraktiver und ein echter Anreiz/Wirtschaftsimpuls.

Das war jetzt nur ein simples Beispiel mit mickriger Summe über riesigen Zeitraum. Derzeit sind es ja auch nicht nur 25% Kapitalertragssteuer, zusätzlich zahlt man tatsächlich noch Soli plus ggf. Kirchensteuer. Wahnsinn wenn man bedenkt das die heutige junge Generation als Alternative ein lächerliches Sparbuch was von Inflation aufgefressen wird oder sau teure Bank und/oder Versicherungsprodukte zur Auswahl hat.

Abschaffung für Kleinanleger wäre natürlich nur ein kleiner Schritt, sicherlich keine Patentlösung. Aber darum geht es doch, um alternative Altersvorsorge für alle. Dafür braucht es dringend attraktive und realistische Rahmenbedingungen.
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