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BVB - Finanzen

28.01.2014 - 10:06 Uhr
BVB - Finanzen |#671
24.10.2023 - 22:39 Uhr
Zitat von Orizo
Oft lese ich hier in den Kaderschmieden und Transferspekulationen, dass die Verfasser davon ausgehen, der BVB müsse unbedingt ein wirtschaftliches Transferplus pro Periode erreichen. Wahrscheinlich schwebt da noch Watzkes 60 % Aussage bezüglich des Bellingham-Transfers im Hinterkopf und das gewaltige Transferplus aus dem vergangenen Transferfenster lässt vermuten, der BVB wäre ohne signifikante Spielerverkäufe kaum überlebensfähig. Ich denke, diese Angst kann jedem genommen werden und ich möchte darlegen, warum ich sogar von einem Nettoinvest im kommenden Sommer ausgehe. Vorab: BWL-Studenten mögen mir bitte verzeihen, wenn ich die ein oder andere Begrifflichkeit im Sinne der Lesbarkeit und des allgemeinen Verständnisses etwas vereinfacht benutze. Ansonsten inhaltliche Fehler bitte unbedingt benennen!

Die meisten werden mitgekriegt haben, dass der BVB für das vergangene Geschäftsjahr (=Saison) einen Gewinn von ~9,5 mio. ausgewiesen hat. Alle haben mitgekriegt, dass Bellingham für 103 mio. + Boni an Real Madrid verkauft wurde. Wo zum Teufel ist denn nun all die Kohle hin??? Zunächst einmal sind diese 103 Mios Forderungen, die an Real gestellt werden, wie viel Geld tatsächlich bereits überwiesen wurde, ist uns Außenstehenden nicht bekannt. 70 – 80 mio. vielleicht? Wichtig zu wissen ist, dass der BVB in DIESER Saison Verbindlichkeiten i.H.v. ~86 mio. zu zahlen hat, die zum größten aus Teil Ratenzahlungen für zuvor gekaufte Spieler bestehen. Jahresbericht S. 126 „Kurzfristige Schulden→ Verbindlichkeiten aus Leistung und Lieferung“. Kurz: Wir zahlen JETZT große Teile der Ablösen für Adeyemi, Haller und co. Zusätzlich müssen in dieser Saison ~13 mio. Kreditschulden beglichen werden, die letzte Saison durch Investitionen in die Infrastruktur entstanden sind. Jahresabschluss selbe Seite. Demgegenüber stehen Forderungen aus Spielerverkäufen (also Ratenzahlungen, die man in dieser Saison für zuvor verkaufte Spieler erhält) i.H.v. ~38 mio. Im Portemonnaie hatte man am Stichtag gut 4,5 mio. Man kann also zu der Erkenntnis gelangen, dass der BVB ein gutes Stück der finanziellen Belastung der Vorsaison(s) in diese Saison verlagert hat. Deswegen hießen die Neuzugänge auch „nur“ Sabitzer, Nmecha und Bensebaini.

Wie kann man nun eine grobe Vorstellung davon bekommen, was der BVB ohne Spielerverkäufe investieren kann? Hier gibt der erzielte Gewinn alleine wenig Informationen her. Wenn man vom letztjährigen Gewinn von 9,5 mio. das ausgewiesene Ergebnis aus Transfergeschäften i.H.v 72,5 mio abzieht… dann bekommt man vielleicht zunächst ein wenig Panik. Wenn man aber mal einen genaueren Blick auf die Verlustseite wirft, sieht man, dass da -106 mio. Abschreibungen enthalten sind, wovon 93 mio. auf immaterielle Vermögenswerte (=Spieler) entfallen. Jahresabschluss S. 127. Abschreibungen bedeuten jedoch nicht, dass dieses Geld noch bezahlt werden muss, das ist bereits geschehen (zumindest großteils, der Rest wandert in die Verbindlichkeiten). Dazu ein kurzer Exkurs.

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Kurzer Exkurs zum Thema Bilanzierung von Profisportlern:

Ein Spieler (bzw. die Lizenz, diesen einsetzen zu dürfen) taucht in der Bilanz als immaterieller Vermögenswert auf und zwar anfänglich in der Höhe der für ihn vereinbarten Ablösesumme. Der Spielerkauf ändert dabei zunächst nichts an der Gewinn- und Verlustrechnung des Vereins (Konzerns). Auf der einen Seite steht der Spielerwert, auf der andern in gleicher Höhe die Verbindlichkeiten gegenüber dem abgebenden Club. Der bilanzielle Wert des Spielers wird dann zu gleichen Teilen über die Dauer seiner Vertragslaufzeit abgeschrieben bis auf null bei Vertragsende. Abschreibungen finden in der Wirtschaft statt, um den jährlichen Wertverlust des Anlagevermögens abzubilden, beispielsweise im Maschinen- oder Fuhrpark eines Unternehmens. Diese jährlichen Abschreibungen werden stets als Verlust ausgewiesen. Was bei Maschinen ja irgendwie einleuchtend ist, ist bei Profisportlern oft weniger einfach. Bellingham z.B. hat in der Bilanz jährlich an Wert verloren, während sein tatsächlicher Marktwert in astronomische Höhen geklettert ist. Die Methode ist allerdings realitätsnah unter anderem bei Spielern, die ihren Vertrag auslaufen lassen und dann wechseln, da ja tatsächlich kein Erlös mehr mit ihnen zu erzielen ist. Ablösefreie Spieler, oder Spieler, deren ursprünglicher Vertrag ausgelaufen ist, aber verlängert wurde, stehen nicht in der Bilanz und sorgen daher auch nicht für Abschreibungen. Moukoko, Reyna, Reus, Meunier, Hummels = nicht in der Bilanz.

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Halten wir also fest, dass Abschreibungen für den BVB bilanzielle Fantasiewerte sind, die uns zwar daran erinnern, dass wir hin und wieder in den Kader investieren müssen, uns dabei aber nicht verraten in welcher Höhe das nötig und möglich ist. Mit ihnen ist nicht ein Cent einer konkreten Zahlungsverpflichtung verbunden und wir wollen sie fortan komplett missachten. Wir wollen wissen, wie viel Kohle sich der BVB in einer Saison mit dem Kerngeschäft (also Ticketing, Sponsoring, Merch etc.) und ohne Spielerverkäufe in die Tasche stecken kann, um es dann auf dem Transfermarkt wieder auf den Kopf zu hauen. Diese Information ist im Jahresbericht auf Seite 128 unter dem Namen „Operativer Cashflow“ zu finden. Diese Größe gibt genau das an, was wir wissen wollen. Sie gibt uns Informationen darüber, ob und in welcher Höhe Investitionen aus eigener Kraft möglich sind. Und good news: Im Geschäftsjahr 22/23 lag dieser Wert bei ~55,5 mio. Euro.

Letzte Saison konnte man also netto – heißt nach Abzug der Transfereinnahmen – 55 mio. Euro für Spielertransfers ausgeben, also wirklich bezahlen. Das hat man auch getan. So wie ich das lese beinhaltet diese Zahl allerdings auch Ratenzahlungen aus vorher getätigten Transfers. Siehe Jahresbericht S. 128 „Cashflow aus Investitionstätigkeit“, dort kann man lesen, was tatsächlich in Spieler und auch Infrastruktur gesteckt wurde. In den Kader investierte man ~126,5 mio., während ~71 mio. durch Spielerverkäufe generiert wurden. Die Investitionen in Sachanlagen i.H.v. ~22 mio. wurden fremdfinanziert.

Was allerdings sehr deutlich wird, ist die wirtschaftliche Wichtigkeit der Champions League. Dort hat man laut Medienberichten in der vergangenen Saison gut 75 mio. eingenommen. Aufgrund der Einnahmenart (Prämien) stehen diesen auch keine signifikanten Kosten gegenüber, sodass man sie grob als Gewinn ansehen und sie zu unserem geliebten operativen Cashflow hinzurechnen kann. Ohne die CL wäre dieser nämlich 55-75=-20 mio. gewesen, was richtig problematisch wäre. Es gilt aber auch zu beachten, dass die CL-Gelder nicht nur nach dem olympischen Prinzip „dabei sein ist alles“ verteilt werden, sportlicher Erfolg wird sehr stark auch finanziell entlohnt. Pro Sieg in der Gruppenphase gibt es 2,8 mio., pro Unentschieden 930.000, für das Erreichen des Achtelfinals erhält man 9,6 mio. Das heißt, letzte Saison erhielt man alleine an Preisgeldern 2x2,8+3x0,93+9,6=18 mio. Euro. Das wird dieses Jahr wohl etwas schwieriger zu erreichen sein.

Jetzt könnte man zu der Annahme verleitet werden, der BVB werde – je nach Abschneiden in der laufenden CL-Saison und bei erneuter Qualifikation für eben diese – in der kommenden Saison netto irgendetwas zwischen 40 – 50 mio. in den Kader investieren. Da möchte ich aber darauf hinweisen, dass der BVB vor Corona etwa 55-60 mio. auf der hohen Kante, also ein ein Festgeldkonto nach bajuwarischem Vorbild hatte und heute sind es 4,5 mio. Ich vermute, da will man wieder etwas aufbauen. Auf der anderen Seite werden in der kommenden Saison deutlich weniger Ratenzahlungen fällig sein (Jahresbericht S. 126 „Langfristige Schulden→ Verbindlichkeiten aus Leistung und Lieferung“ = ~47 mio.), hohe Spielergehälter fallen teils sicher, teils wahrscheinlich weg und die Champions League Reform wird definitiv auch mehr Geld für die Vereine bedeuten. Ich möchte ungern eine Schätzung abgeben, wie viel Geld Borussia Dortmund im nächsten Transferfenster auf den Tisch legt, aber ein Sancho netto für 35-40 wäre definitiv möglich grins. (Nur ein Beispiel, gibt mMn wichtigere Baustellen).


Mühe gegeben hast du dir, das muss man dir auf alle Fälle lassen. Leider bleibt am Ende sehr viel Meinung und recht wenig Wissen als Quintessenz des Beitrag, was ebenjenen bisweilen zäh und mäßig lesenswert, vor allem aber technisch fragwürdig macht.

Du kalkulierst häufig anstatt zu rechnen und mutmaßt öfter anstatt zu analysieren. Auf diese Weise dechiffrierst du dir eine Art eigenen DaVinci-Code, der sich aus meiner bescheidenen Sicht an mancher Stelle doch eher in Richtung Mystik schaut, als dass er “Fakten” aufdeckt.

Kann man so machen - auf diesem Wege zu einer belastbaren Lösung zu kommen, bedarf dann allerdings eine ordentliche Portion an Liebe, Glaube und Hoffnung.

Mein Rat an dieser Stelle lautet: zuallererst etwas weniger Euphorie - parallel mehr hinterfragen, statt vermuten. Suche vielleicht mal nach Rat bei dir vertrauten Stellen, die entsprechende Kompetenzen mitbringen und dir die betriebswirtschaftlichen Daten der BVB KGaA auf Basis von Sachverstand und dabei möglichst leicht verdaulich erläutern können (darin liegt ja letztendlich die Kunst). Versuche vielleicht weniger jene doch sehr vielseitigen Zahlen und Daten einer kryptographischen Untersuchung zu unterziehen - vielleicht hat es ja wirklich seinen guten Grund, dass sich jedes Jahr aufs Neue unzählig viele Menschen sehr viel Zeit dafür nehmen, dies wirklich zu verstehen und zu lernen.

Grüße gehen raus.
BVB - Finanzen |#672
27.10.2023 - 18:25 Uhr
Ein paar Geschichten am Geschäftsbericht finde ich recht interessant, da einige bislang nicht veröffentlichte Dinge drinstehen, die auch aus der Ad-hoc zu den vorläufigen Zahlen noch nicht hervorgingen.

Bspw. wurde nun der Personalaufwand weiter aufgeschlüsselt. Bislang hatte man im Posten Spielbetrieb den kompletten Lizenzspielerbereich abgebildet und lediglich Fixanteile sowie Boni wurden dfferenziert. Die Fixanteile lassen sich nun aber weiter unterteilen in Mannschaft und Trainer inklusive Staff.

bisher:

Geschäftsjahr | 22/23 | 21/22
Personalaufwand | 185,1 | 181,0
davon fix | 159,6 | 158,8
davon Boni | 25,4 | 22,2

neu:

Geschäftsjahr | 22/23 | 21/22
Team | 129,1 | 120,7
Trainer und Staff | 30,5 | 38,1

Das ist vor allem insoweit interessant, da der Hauptfaktor für die - zumindest im Vergleich zu den letzten Jahren - geringe Erhöhung der Fixgehälter vor allem darauf zurückzuführen ist, dass im Geschäftsjahr 21/22 noch die Vertragsauflösung mit Rose und dessen Trainerstab steckt, wodurch die Kosten für Trainer und Staff deutlich zurückgingen. Die Fixkosten für die Mannschaft selbst sind aber wieder ordentlich gestiegen, um nochmal rund 7%. Dank des kräftigen Umsatzwachstums ist es relativ betrachtet dennoch eine Verbesserung, da die Personalkostenquote in jeder Beziehung gesunken ist:

Geschäftsjahr | 22/23 | 21/22
PKQ exkl. Transfers | 56,5% | 65,8%
nur Mannschaft | 30,9% | 34,3%

Trotzdem bleibt der Kostenapparat angestrengt. Ohne Transfers hätte man ein Minus von 61,8 Mio. stehen. Rechnet man dann noch die Abschreibungen weg, wäre man mit gerade mal 44,6 Mio. im Plus, aus dem letztendlich der Kader ohne Transfers refinanziert werden müsste. Das ist, gemessen am Kaderwert, nicht viel.

Zumal auch die Situation mit den Verbindlichkeiten nicht angenehm aussieht. Aus LuL (im Wesentlichen Transfers) überwiegen die Verbindlichkeiten die Forderungen um 7,4 Mio.. Der Finanzmittelfond wies zum Geschäftsjahresende dabei noch 4,5 Mio. aus, womit zum Geschäftsjahresende quasi 2,9 Mio. Verbindlichkeiten aus Transfergeschäften nicht aus dem laufenden Geschäft bezahlt werden konnten, sondern effektiv angeschrieben wurden - wobei da noch kein Sommertransfer enthalten ist. Da ein Großteil der Forderungen erst langfristig fällig wird, muss man kurzfristig sogar 43,3 Mio. mehr aufbringen, als man zum Geschäftsjahresende auf dem Konto hatte, was letztendlich sowohl die Notwendigkeit des Bellinghamverkaufs sowie den geringen Spielraum im vergangenen Sommer erklärt. Zum Gesamtdefizit kommen außerdem Finanzverbindlichkeiten, sonstige finanzielle Verbindlichkeiten und Steuerschulden, die das Minus auf 48,1 Mio. erhöhen, die aus dem alten Geschäftsjahr fortbestanden und somit noch abgetragen werden wollten.
BVB - Finanzen |#673
27.10.2023 - 18:45 Uhr
Zitat von BVBBC

Zumal auch die Situation mit den Verbindlichkeiten nicht angenehm aussieht. Aus LuL (im Wesentlichen Transfers) überwiegen die Verbindlichkeiten die Forderungen um 7,4 Mio.. Der Finanzmittelfond wies zum Geschäftsjahresende dabei noch 4,5 Mio. aus, womit zum Geschäftsjahresende quasi 2,9 Mio. Verbindlichkeiten aus Transfergeschäften nicht aus dem laufenden Geschäft bezahlt werden konnten, sondern effektiv angeschrieben wurden - wobei da noch kein Sommertransfer enthalten ist. Da ein Großteil der Forderungen erst langfristig fällig wird, muss man kurzfristig sogar 43,3 Mio. mehr aufbringen, als man zum Geschäftsjahresende auf dem Konto hatte, was letztendlich sowohl die Notwendigkeit des Bellinghamverkaufs sowie den geringen Spielraum im vergangenen Sommer erklärt. Zum Gesamtdefizit kommen außerdem Finanzverbindlichkeiten, sonstige finanzielle Verbindlichkeiten und Steuerschulden, die das Minus auf 48,1 Mio. erhöhen, die aus dem alten Geschäftsjahr fortbestanden und somit noch abgetragen werden wollten.



Diese Bugwelle, die wir da mittlerweile herschieben gefällt mir auch seit einiger Zeit nicht. Da ist man so viel zukünftigem Cash-In in Vorleistung gegangen, dass der Handlungsspielraum extrem gesunken ist und sich diesen Sommer richtig bemerkbar gemacht hat. Wir sind faktisch darauf angewiesen in der CL weiterzukommen, wenn wir halbwegs gescheite Transfers realisieren wollen. Ein vorzeitiges Ausscheiden in der Gruppenphase würde sich bemerkbar machen. Ich fand die Fiskalpolitk vor 10 Jahren deutlich besser als heute. Wenn man mal überlegt seit wann man mittlerweile zuerst in die Bilanz schaut in jedem Q-Bericht etc. um zu sehen was die Liquidität mit sich zieht.

Ich hatte eigentlich nach der letzten Kapitalerhöhung gedacht, wir ziehen hier gegenüber der Konkurrenz (nicht die Bigplayer) einen Vorteil in dem wir auf einen Schlag die Corona Lasten abwerfen, aber so richtig gesund ist die Liquidität gegenwärtig immer noch nicht und die nationale Konkurrenz bleibt weiterhin stark.
BVB - Finanzen |#674
21.11.2023 - 09:20 Uhr
Zitat von Besuchsleiter

Wüsste nicht was daran bedenklich ist. Wir haben enorme Verbindlichkeiten aus Transfergeschäften, wie andere auch. Von daher muss natürlich ständig nachgezahlt werden. Sowohl Raten als auch Boni.



Ja das Bild sehen wir mittlerweile seit Jahren. Neu dazu gekommen ist aber augenscheinlich eine >60 Mio Sponsoring Zahlung, die einfach "verpufft" ist ohne, dass sich unser Liquiditätsbild verbessert hat. Und das ist etwas bedenkliches, weil es zeigt wie sehr man in diesem Sommer Löcher gestopft hat.

Eigentlich hätte man erwarten müssen, dass wir mit der letzten KE die Coronalasten ablegen und einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz erzielen können. Stattdessen sieht man insb. in diesem Sommer wie extrem limitiert man ist, weil wir eine Menge Vorleistungen bedienen müssen. Das ist absolut bedenklich.
BVB - Finanzen |#675
21.11.2023 - 11:46 Uhr
Zitat von bornius

Zitat von Besuchsleiter

Wüsste nicht was daran bedenklich ist. Wir haben enorme Verbindlichkeiten aus Transfergeschäften, wie andere auch. Von daher muss natürlich ständig nachgezahlt werden. Sowohl Raten als auch Boni.



Ja das Bild sehen wir mittlerweile seit Jahren. Neu dazu gekommen ist aber augenscheinlich eine >60 Mio Sponsoring Zahlung, die einfach "verpufft" ist ohne, dass sich unser Liquiditätsbild verbessert hat. Und das ist etwas bedenkliches, weil es zeigt wie sehr man in diesem Sommer Löcher gestopft hat.

Eigentlich hätte man erwarten müssen, dass wir mit der letzten KE die Coronalasten ablegen und einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz erzielen können. Stattdessen sieht man insb. in diesem Sommer wie extrem limitiert man ist, weil wir eine Menge Vorleistungen bedienen müssen. Das ist absolut bedenklich.


Hier nochmal zum PRAP: Der Anstieg wirkt nur sehr hoch, da der Wert zum 30.09.2023 mit dem Wert zum 30.06.2023 verglichen wird. Das führt zu gewissen Schwierigkeiten in der Vergleichbarkeit der Zahlen.

Zum selben Zeitpunkt im vorangegangenen Geschäftsjahr -also zum 30.09.2022- lag der PRAP bei 77 Mio., zum jetzigen Quartalsende 30.09.2023 liegt der PRAP bei 85 Mio.

Die Begründungen sind jeweils identisch, es wird auf unterjährig aufzulösende Sponsoringzahlungen sowie aus Zahlungen aus der internationalen TV-Vermarktung verwiesen.

Das ist eine nachvollziehbare Begründung. Schließlich wird bspw. die Antrittsprämie für die CL-Gruppenphase nach meinem Wissen auf einen Schlag ausbezahlt. Da sich die Gruppenphase aber über 2 Quartale zieht, muss entsprechend eine Abgrenzung vorgenommen werden. Gleiches gilt für Sponsoren, die ihre Zahlungen nicht monatlich leisten, sondern mitunter den Gesamtbetrag zu Saisonbeginn überweisen, sodass hier ebenfalls unterjährige Abgrenzungen vorgenommen werden müssen, mitunter aufgeteilt auf 12 Monate oder auch anhand der zu absolvierenden Spiele (z.B. bei Bandenwerbung bei Heimspielen, es werden 170.000,00 pro Bande und Saison im Voraus bezahlt und mit jedem Ligaheimspiel 10.000,00 ergebniswirksam vereinnahmt).

Der Anstieg von 77 Mio. auf 85 Mio. an Gesamtbetrag des PRAP kann jetzt verschiedene Gründe haben, wie bspw. höhere Sponsoringeinnahmen oder höhere Einnahmen aus der internationalen TV-Vermarktung, genauso wie die schlichte Verbesserung der Zahlungskonditionen zugunsten des BVB.

Besonders kritisch würde ich die Entwicklung auch angesichts der Höhe der Veränderung nicht sehen, da sich hinter der ganzen Angelegenheit übliche Geschäftsvorgänge verbergen.

Edit: Unabhängig davon bin ich natürlich auch nicht begeistert von der Liquiditätssituation des Vereins. Das hat aber andere Gründe als den PRAP.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Nic am 21.11.2023 um 11:50 Uhr bearbeitet
BVB - Finanzen |#676
11.12.2023 - 17:04 Uhr
@Fortes ich kann Deinen Gedankengänge Folge leisten, und vieles ist auch stimmig, aber was ist die Alternative: Ich übertreibe bewusst auch hier: BVB als Farmteam von, sagen wir mal, Real? Oder Bayer von Manchester City? oder der VfB von Juve?

Du kannst das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Und beispielsweise, so lese ich das heraus, die Spielergehälter und Ticketpreise und TV-Gebühren begrenzen. Ok, vielleicht in D. Nur das wird das Problem nur verschärfen.

Das grundsätzliche Problem ist doch das, dass irgendwelche Scheichs zuviel Geld und Ehre haben, und auch gerne westlich mitspielen wollen (Politik und Gesellschaft lass ich hier bewusst aussen vor). Egal was sie kriegen können.

Jon Rahm, einer der weltbesten Golfer der Welt hat sich grade um 500 Mio. Dollar von Scheichs für eine beinahe nicht sichtbare Golftour ("LIV-Tour") verpflichten lassen. Wer's will… oops schauen tuts kaum einer. Erinnert an Ronaldo und Co. grad – also muss doch der europäische Markt doch hier als Monopoly-Spielbrett der Öl-Mrd. herhalten. Wie auch die PGA*)-Tour – dort können die Scheichs noch hinblättern… aber die hauseigene LIV-Tour ist doch uninteressant.

*)Pro-Golf-Tour in den USA als Nr. 1 der Golfwelt.

Und DU willst hier einen ordentlichen "billigen" aka preiswerten Fussball international anbieten? Wo lebst Du?

•     •     •

Nichts war früher besser.
Aber es gab Dinge, die waren früher einfach gut.
Und das wären sie auch heute noch. Wenn man die Finger davon gelassen hätte.
© J. Malmsheimer
BVB - Finanzen |#677
15.01.2024 - 14:45 Uhr
Kurze Zusammenfassung: Für alle, die genau wie ich ungern Insider-Informationen Glauben schenken, ist der Beitrag nicht lesenswert. Es geht um einen zukünftigen Stadionneubau.

Ich möchte mich eigentlich nicht an Spekulationen beteiligen und weiß, dass etwaige (Insider-)Aussagen hier ungern gesehen werden. Dennoch möchte ich insbesondere einen User hier, der sich umfassend mit der finanziellen Situation des Vereins befasst hat - ich meine insbesondere mit der Aktie - zu Details befragen.

Alles ohne Gewähr, jedoch habe ich mich in meiner rund 10-jährigen Zugehörigkeit hier im Forum selten zu Themen geäußert. Ich muss leider zum Schutz meiner Quellen und den jeweiligen Unternehmen vage bleiben, damit die Aussagen mir nicht auf die Füße fallen.

Es geht um das Thema Stadionneubau.

Vor rund einem Jahr ist aufgrund meiner unternehmerischen Verflechtung im Raum dortmund die Information an mich herangetragen worden, dass der BVB bereits über die letzten Jahre hinweg das Grundstück für einen etwaigen Neubau über ein drittes Unternehmen erworben. Sowohl vom einem Verkäufer eines Teil des Grundstücks, als auch von einem Käufer eines umliegenden Grundstücks zu Spekulationszwecken - und letztlich aus Kreisen der Stadt, welche Verdacht geschöpft hat - wurden mir entsprechende Informationen unabhängig voneinander - denn die Personen kennen sich mWn nicht - bestätigt.

Die Stadt hat sich in Gesprächen in den letzten Jahren angeblich mehrfach gegen einen Neubau gestemmt und durch den Verkauf und der Umstrukturierung des ehemaligen Hösch-Geländes dem BVB einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dies hat sich bei einem weiteren Grundstück schon angedeutet.

Nun wurden die entsprechenden Grundstücke über ein drittes Unternehmen - böse gesagt eine Strohfirma, welche jedoch weder mittelbar, noch unmittelbar dem BVB angehört - frühzeitig erworben, um eines der letzten geeigneten Grundstücke zu sichern. Wie man hört stellt sich beim BVB auf eine rechtliche Auseinandersetzung mit der Stadt ein, da diese keine Kompromissbereitschaft zeigt.

Meinen Quellen zufolge ist der Horizont für den Stadionneubau früher als zuletzt spekuliert. Da mir diese Information jedoch nur von einer Partei offenbart wurde, würde ich diesen Horizont nur ungern genau benennen. Wir reden aber nicht über die immer wieder spekulierten 30-40 Jahre sondern deutlich weniger.

Details zum etwaigen Stadion habe ich überhaupt keine. Eine der Parteien hat durch den guten Draht zum Verein jedoch angeführt, dass das Westfalenstadion in dieser Form durch immer steigende Instandhaltungskosten und ein unterdurchschnittliches Hospitality-Angebot als ,,Hemmschuh“ für die Entwicklung gesehen wird.

—-
Ich möchte noch einmal ausdrücklich erwähnen, dass ich den Aussagen großen Glauben schenke, weil hier spekulativ schon viel Geld in die Planung des Umfelds eingeflossen ist. Trotzdem weiß ich, dass es Informationen sind, die schwer bis überhaupt nicht verifizierbar sind.

Da ich mich weder mit der Bilanz des BVB in den letzten Jahren befasst habe, noch das Investitionsvolumen für das vollständige Grundstück kenne - nur eine vage Hochrechnung anhand des Verkaufspreises eines Teilstücks - wäre meine Frage an besser informierte Foristen, ob es etwaige Posten in der Bilanz gibt, die dahingehend ins Auge stechen. Ich weiß ebenfalls nicht, ob es ggf. nur schuldrechtliche Verpflichtungen für einen späteren Weiterverkauf gibt, oder das Geld bereits über etwaige Zahlungen geflossen ist. Ich schätze die Kosten des Grundstücks, aufgrund der Lage und der derzeitigen Nutzung im Bebauungsplan - im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Millionenbereich ein - ohne etwaige Provision für den Zwischenkäufer.

Mehr Informationen habe ich derzeit nicht, da sich seit ein paar Monaten nichts mehr getan hat und ich beruflich viel im Ausland unterwegs war. Ich werde entsprechende Informationen, soweit sie Argumente stärken oder Schwächen - oder nur verändern - weiterleiten.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Showen am 15.01.2024 um 14:51 Uhr bearbeitet
BVB - Finanzen |#678
15.01.2024 - 21:55 Uhr
Zitat von BVB 09

Wie hat man den Fans in den 70ern erklärt, dass ein neues Stadion her muss?


Gab es da schon die Weltberühmte „gelbe Wand“… fast 30.000 Stehplätze für die „echten Fans“ zum vergünstigten Preis? Dieses Stadion ist legendär und in vielen Belangen einzigartig, Kulturgut und es ist kein Vergleich zu der Situation in den 70ern.

Zitat von BVB 09

Wie will man das bezahlen? Natürlich nicht in bar. Aber es fließen schon so jedes Jahr gewisse Beträge in die Instandhaltung.
Ist wie die Frage, wie ein Mieter sich ein Eigenheim leisten will.


Nicht wirklich. Wenn du diesen Thread schon länger verfolgst, müsste dir auffallen… das unser Kaderetat recht hoch ist. Aktuell benötigt man Transfereinnahmen, um Neuverpflichtungen zu tätigen und um die Personalkosten zu stemmen. Das wird vielleicht in paar Jahren anders sein (durch CL-Reform etc. gehen wir mal vom positiven Fall aus)… dann würde man vielleicht paar Mio in der Instandhaltung sparen, paar Mio mehr für den Stadionnamen erhalten und vielleicht durch erhöhte Ticketeinnahmen den Umsatz leicht erhöhen. Gleichzeitig muss man Zinsen für vermutlich >1Mrd zahlen und natürlich auch tilgen. Die netten Einspareffekte wären damit zumindest weg, und wieviel man dann in den Kader investieren kann, oder ob man dann hier sogar weiterhin kleinere Brötchen backen muss, ist fraglich.

Zitat von BVB 09

Ganz einfach. Das Geld, das ich in Miete investiere, zahle ich jetzt halt für einen Kredit, der mir das Haus bezahlt
Bei uns ist es halt das Geld, das wir sonst in die Instandhaltung geben.


Wieviel zahlen wir für die Instandhaltung und wieviel würde uns ein 1,5 Mrd. Kredit kosten?
Entweder ich irre mich komplett, oder es wird bei weitem nicht „das gleiche Geld“ sein.

Zitat von BVB 09

Außerdem wird ein schönes neues Stadion vielleicht noch mehr Geld für Namensrechte geben.
Zukünftig werden außerdem Events stattfinden, die zusätzliches Geld bringen. Mehr Logen bringen zusätzliches Geld usw.

Das ist schon möglich


Das sind Peanuts. Solange die Baukosten so hoch sind und evtl. sogar steigen und Geld selbst so teuer ist, macht es mMn finanziell keinen Sinn. Wenn man keine Subventionen für die Infrastruktur bekommt, hast du nicht nur ein überteuertes Stadion ohne Charakter und Identität, sondern dann steht es noch irgendwo in der „Pampa“ und ist schwieriger zu erreichen… fügt sich also schön in die Neumodischen-Plastik-Arenen.

1 Mrd geliehen, bei 5% Zinsen kostet dich auf 30 Jahre fast eine weitere Milliarde. Nur so nebenbei.

•     •     •

HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P
BVB - Finanzen |#679
25.01.2024 - 15:10 Uhr
Zitat von Celli1988
Deloitte hat die Money League 2024 veröffentlicht. Wir landen mit €420m auf Platz 12 bei den Einnahmen. Damit stehen wir mit ca. €40m Abstand vor den Mailändern Clubs (€378m & €385m) und Atletico (€364m).

Da sollten wir uns dann aber schon die Frage stellen, wie es sein kann, dass uns diese Clubs in den letzten Jahren stellenweise oder über Jahre outperformen.

Hier weiter im Detail

Interessant finde ich, dass wir die Einnahmen scheinbar durch unsere Premium und Champion Partner stark erhöhen konnten in den letzten Jahren.
So entnehme ich das jedenfalls aus dem bvb annual report 22/23 und dem Deloitte Eintrag "Commercial" , welche von 149 Mio (2021) auf 188 Mio (2023) stieg.
Wieso sehen unsere Partner nun so einen Mehrwert, dass sie für die Werberechte mehr hinlegen?
Davor gab's über einige Jahre nicht solche Anstiege.

Interessant auch die TV-Einnahmen. Wir bekamen 158 Mio aus der TV-Vermarktung. Das mit Champions League Achtelfinale. Im Vergleich kam Westham auf 170 Mio. Tottenham, die wie wir ins Achtelfinale kamen, bekamen 235 Mio.
Der Unterschied ist erwartungsgemäß groß. Allerdings scheinen wir den Unterschied zu einem englischen Mittelklasse-Club durch die Champions League noch halbwegs ausgleichen zu können.

Bei den Einnahmen durch die Spieltage (Zuschauereinnahmen vor allem) liegen wir bei 75 Mio. Bayern kommt da auf 121 Mio.
Finde ich erstaunlich, dass der Unterschied so groß ist. Woher kommt das?
Auf den ersten Blick scheinen mir die Preise für Tickets nicht großartig unterschiedlich. Spielen hier VIP-Tickets eine große Rolle?
BVB - Finanzen |#680
25.01.2024 - 22:32 Uhr
Oooooder, man spart sich das teure Hobby, sobald ein wenig Luft zum Atmen da ist, 50-60 Mio. Euro Pakete für Spieler durch die Gegend zu feuern, die dieses Geld auch im optimistischen Szenario nicht wieder reinholen. Wäre mal ein Anfang. #Schulz,Hummels,Can,Meunier,Süle,Haller,Sabitzer
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