Schiedsrichterforum

Amateur-Schiedsrichter

27.02.2012 - 23:03 Uhr
Amateur-Schiedsrichter |#41
18.03.2012 - 20:10 Uhr
Hallo zusammen :)

ich bin auch schon seit 2 Jahren Schiedsrichter und habe bislang ausschließlich Jugend-Spiele geleitet. Da gehts doch deutlich ruhiger zu und man hat das Spiel meistens ohne größere Probleme im Griff. Demnächst werd ich auch Herren-Spiele pfeiffen und wollte euch mal fragen, wie ihr das mit dem Abseits genau handhabt. Ohne Linienrichter finde ich es oftmals nicht so einfach, immer richtig zu entscheiden, v.a. weil im Herren-Bereich das Tempo doch schneller ist. Klar gehören Fehler zum Spiel, aber mich würde es mal interessieren, wie ihr das ganze managed. Habt ihr irgendwelche Tipps oder wie verhaltet ihr euch speziell, um das möglichst gut zu leiten.

Vielen Dank schon im Voraus ;)
Gruß KLBIvey

•     •     •

Trainer
Amateur-Schiedsrichter |#42
18.03.2012 - 20:30 Uhr
Zitat von KLBIvey:
Hallo zusammen :)

ich bin auch schon seit 2 Jahren Schiedsrichter und habe bislang ausschließlich Jugend-Spiele geleitet. Da gehts doch deutlich ruhiger zu und man hat das Spiel meistens ohne größere Probleme im Griff. Demnächst werd ich auch Herren-Spiele pfeiffen und wollte euch mal fragen, wie ihr das mit dem Abseits genau handhabt. Ohne Linienrichter finde ich es oftmals nicht so einfach, immer richtig zu entscheiden, v.a. weil im Herren-Bereich das Tempo doch schneller ist. Klar gehören Fehler zum Spiel, aber mich würde es mal interessieren, wie ihr das ganze managed. Habt ihr irgendwelche Tipps oder wie verhaltet ihr euch speziell, um das möglichst gut zu leiten.

Vielen Dank schon im Voraus ;)
Gruß KLBIvey

Hierfür kann ich Dich auf ein paar Tipps aus meinen Post #40 verweisen:
Zitat von Hagenauer:

2. Lauf viel. Eine strittige Entscheidung kannst Du sehr viel besser verkaufen, wenn Du fünf Meter daneben stehst als wenn Du sie aus 25 Metern Entfernung triffst.

Auch beim Abseits gilt: Stell Dich richtig. Lauf Deine Diagonale (ggf. auch die gespiegelte Diagonale, wenn das Spiel über rechts läuft). Dazu hat mir ein Coach mal den Tipp gegeben vor dem Pfiff noch schnell zwei, drei Schritte Richtung Seitenauslinie zu machen, dann denken alle, Du standest besser ;)
Zitat

3. Pfeif taktisch clever I. Wenn niemand eine bestimmte Entscheidung will, dann triff sie doch einfach nicht - selbst wenn es der klarste Eckstoß aller Zeiten war, aber alle Spieler mit Abstoß weitermachen wollen, dann gibts halt den Abstoß. Du musst Dir ja nicht unnötgen Ärger schaffen, Ärger hast Du als Schiri meistens genug ;)
4. Pfeif taktisch clever II. Wenn Du einmal nicht weißt, wer Einwurf hat, oder ob der Ball schon im Aus ist, dann pfeif so, dass es das Spiel am ehesten beruhigt ("rauswärts" oder für die Zurückliegende Mannschaft) - wenn Du schon raten musst, dann rate intelligent.

Auch diese beiden Tipps kannst Du gut auf Abseits übertragen. So lange kein Abseitsspieler Abseits haben will, bitte, dann wars halt nicht. Und wenn Du es nicht gesehen hast, dann rate clever. Wenn es schon 5:0 steht, dann entscheide halt mal im Zweifel für die zurückliegende Mannschaft. Die andere Mannschaft führt eh schon eindeutig, denen wäre das eine Tor auch egal. So hälst Du die Verlierer auch bei Laune und vermeidest damit, dass Frust aufkommt.

Dazu würde ich Dir raten, nicht "im Zweifel für den Stürmer", sondern "im Zweifel für den Verteidiger" zu pfeifen. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen nimmt man eine Abseitsstellung im Amateurbereich sehr leicht an (auch als Zuschauer), wenn der Spieler alleine geschickt wird. Hier glaubt man Dir in der Regel eine Abseitsentscheidung ganz gut. Zum anderen wird diese Szene im Normalfall schnell vergessen sein. Wenn aber ein Tor fällt, das (aus Sicht der verteidigenden Mannschaft) abseits war, wird man Dir das das ganze Spiel über (und danach) vorwerfen und Dich damit nicht in Frieden lassen.

Und ein abschließender Tipp: Sag den Spielern ruhig auch mal in einem ruhigen Ton, dass Abseits einfach für einen Schiri alleine nicht 100%ig entscheidbar ist. Die allermeisten - sowohl Spieler als auch Trainer und auch viele Zuschauer - verstehen das. Alternativ können die Spieler, denen das nicht passt, gerne 24 € pro Spiel mehr zahlen, damit man da zwei Assistenten hinstellt. Kann man ihnen auch ruhig so sagen ;)

•     •     •

Geschäft der Heuchelei Fußball:
03.12.2012: Die ganze Fußballwelt reagiert geschockt auf einen getöteten Linienrichter und ist der Meinung, dass ein Umdenken einsetzen muss.
08.12.2012: 80.000 Dortmunder und 50.000 Frankfurter singen: "Hängt sie auf, die schwarze/gelbe Sau!"

No Schorle - No Party

Ceterum censeo bellum esse finiendum juste ☮️
("Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Krieg gerecht beendet werden muss")

WT-Username: Hagi01

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hagenauer am 18.03.2012 um 20:31 Uhr bearbeitet
Amateur-Schiedsrichter |#43
18.03.2012 - 20:56 Uhr
Zitat von Hagenauer:
Zitat von KLBIvey:
Hallo zusammen :)

ich bin auch schon seit 2 Jahren Schiedsrichter und habe bislang ausschließlich Jugend-Spiele geleitet. Da gehts doch deutlich ruhiger zu und man hat das Spiel meistens ohne größere Probleme im Griff. Demnächst werd ich auch Herren-Spiele pfeiffen und wollte euch mal fragen, wie ihr das mit dem Abseits genau handhabt. Ohne Linienrichter finde ich es oftmals nicht so einfach, immer richtig zu entscheiden, v.a. weil im Herren-Bereich das Tempo doch schneller ist. Klar gehören Fehler zum Spiel, aber mich würde es mal interessieren, wie ihr das ganze managed. Habt ihr irgendwelche Tipps oder wie verhaltet ihr euch speziell, um das möglichst gut zu leiten.

Vielen Dank schon im Voraus ;)
Gruß KLBIvey

Hierfür kann ich Dich auf ein paar Tipps aus meinen Post #40 verweisen:
Zitat von Hagenauer:

2. Lauf viel. Eine strittige Entscheidung kannst Du sehr viel besser verkaufen, wenn Du fünf Meter daneben stehst als wenn Du sie aus 25 Metern Entfernung triffst.

Auch beim Abseits gilt: Stell Dich richtig. Lauf Deine Diagonale (ggf. auch die gespiegelte Diagonale, wenn das Spiel über rechts läuft). Dazu hat mir ein Coach mal den Tipp gegeben vor dem Pfiff noch schnell zwei, drei Schritte Richtung Seitenauslinie zu machen, dann denken alle, Du standest besser ;)
Zitat

3. Pfeif taktisch clever I. Wenn niemand eine bestimmte Entscheidung will, dann triff sie doch einfach nicht - selbst wenn es der klarste Eckstoß aller Zeiten war, aber alle Spieler mit Abstoß weitermachen wollen, dann gibts halt den Abstoß. Du musst Dir ja nicht unnötgen Ärger schaffen, Ärger hast Du als Schiri meistens genug ;)
4. Pfeif taktisch clever II. Wenn Du einmal nicht weißt, wer Einwurf hat, oder ob der Ball schon im Aus ist, dann pfeif so, dass es das Spiel am ehesten beruhigt ("rauswärts" oder für die Zurückliegende Mannschaft) - wenn Du schon raten musst, dann rate intelligent.

Auch diese beiden Tipps kannst Du gut auf Abseits übertragen. So lange kein Abseitsspieler Abseits haben will, bitte, dann wars halt nicht. Und wenn Du es nicht gesehen hast, dann rate clever. Wenn es schon 5:0 steht, dann entscheide halt mal im Zweifel für die zurückliegende Mannschaft. Die andere Mannschaft führt eh schon eindeutig, denen wäre das eine Tor auch egal. So hälst Du die Verlierer auch bei Laune und vermeidest damit, dass Frust aufkommt.

Dazu würde ich Dir raten, nicht "im Zweifel für den Stürmer", sondern "im Zweifel für den Verteidiger" zu pfeifen. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen nimmt man eine Abseitsstellung im Amateurbereich sehr leicht an (auch als Zuschauer), wenn der Spieler alleine geschickt wird. Hier glaubt man Dir in der Regel eine Abseitsentscheidung ganz gut. Zum anderen wird diese Szene im Normalfall schnell vergessen sein. Wenn aber ein Tor fällt, das (aus Sicht der verteidigenden Mannschaft) abseits war, wird man Dir das das ganze Spiel über (und danach) vorwerfen und Dich damit nicht in Frieden lassen.

Und ein abschließender Tipp: Sag den Spielern ruhig auch mal in einem ruhigen Ton, dass Abseits einfach für einen Schiri alleine nicht 100%ig entscheidbar ist. Die allermeisten - sowohl Spieler als auch Trainer und auch viele Zuschauer - verstehen das. Alternativ können die Spieler, denen das nicht passt, gerne 24 € pro Spiel mehr zahlen, damit man da zwei Assistenten hinstellt. Kann man ihnen auch ruhig so sagen ;)


Vielen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort! :)

Werde versuchen, deine Tipps so gut wie möglich umzusetzen. Denke, dass man das mit der Erfahrung immer besser in den Griff bekommt und die Zahl der Fehlentscheidungen minimieren kann :)

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Trainer
Amateur-Schiedsrichter |#44
18.03.2012 - 22:27 Uhr
Es kann auch helfen, die Pfeife variabel einzusetzen.
Ein 3-sekündiger Pfiff mit gehöriger Lautstärke zeigt den Spielern und Zuschauern, dass der Schiedsrichter ein gesundes Selbstbewusstsein hat und sich in einer Entscheidung sehr sicher ist. Das kannst du zum Beispiel bei Abseitspositionen gut gebrauchen, denn viele Situationen werden halt auf Verdacht entschieden. Du darfst dir aber keinesfalls anmerken lassen, dass du auf Verdacht pfeifst, sondern musst deine Entscheidungen selbstbewusst verkaufen, sonst sehen die Spieler, dass du biegsam bist und tanzen dir auf der Nase herum.

Ein Tipp noch zur Hilfe bei Abseits: Verhalte dich bei einigen Standardsituationen zB Freistößen aus dem Halbfeld wie als Schiedsrichterassistent und halte die Höhe des letzten Verteidigers, das hilft auf jeden Fall.

Und bei mir persönlich kommt es nicht selten vor, dass in der Kreisliga manche Teams mit Libero spielen. Die meisten Verteidiger sind einfach nicht spritzig genug, um eine Abseitsfalle zu installieren, so wird es dem SR oft leicht gemacht, indem ein Libero absichert.

Ansonsten kann ich Hagenauers Tipps nur zustimmen.
Amateur-Schiedsrichter |#45
18.03.2012 - 22:35 Uhr
Beim Pfiff musst Du aber genauso aufpassen, dass er nicht zu lange wird. Sonst stellst Du Dich zu sehr in den Mittelpunkt, außerdem verlieren dann die langen Pfiffe ihre Wirkung. Deshalb: Leichte Fouls - kurze Pfiffe. Härtere Fouls - mittellange Pfiffe. Fouls mit persönlicher Strafe bzw. Ermahnung oder einem Strafstoß als Folge - So lange pfeifen, bis Dir die Luft ausgeht ;)
Ähnlich sieht das bei Abseitssituationen aus. Je klarer die Abseitsstellung ist, desto kürzer der Pfiffe. Wenn der Spieler zehn Meter drinnen stand und jeder am Sportplatz weiß, dass es abseits war, dann reicht ein kurzer Pfiff. Wenn Gemotze zu erwarten ist, dann pfeif länger rein. Somit verschaffst Du Dir schon eine gewisse Autorität.
Und bezüglich der Lautstärke: Es gibt keinen "zu lauten Pfiff". Wenn ein Spieler neben mir beim Pfiff zusammenzuckt und sich beschwert, dass es zu laut war, dann sag ich immer zu ihm: "Dann hab ich ja alles richtig gemacht und jeder hats gehört" ;) - Trau Dich, pfeif so laut rein, wie es geht, und modulier die Pfifflänge. Damit verschaffst Du Dir schon eine natürliche Autorität und die führt zu größerer Akzeptanz am Feld.

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Amateur-Schiedsrichter |#46
18.03.2012 - 23:08 Uhr
Was braucht man denn um Schiedsrichter zu werden?
Können dies auch Menschen machen, die ruhiger und introvertiert sind, oder sollte man schon ein gewisses Maß an Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen mitbringen?
Amateur-Schiedsrichter |#47
18.03.2012 - 23:16 Uhr
Zitat von TSVLeinzell_CS:
Was braucht man denn um Schiedsrichter zu werden?
Können dies auch Menschen machen, die ruhiger und introvertiert sind, oder sollte man schon ein gewisses Maß an Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen mitbringen?

Das können durchaus auch solche Menschen machen. Schwerer hat man es natürlich (ich spreche aus eigener Erfahrung), aber man wächst ungemein an dieser Aufgabe und erarbeitet sich, wenn man das Ganze ernshaft und motiviert betreibt, sehr, sehr viel Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen, aber auch gleichzeitig ein am Fußballplatz dringend notwendiges "Leck-mich-doch-am-Arsch"-Gefühl oder zumindest ein dickes Fell ;)

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Amateur-Schiedsrichter |#48
18.03.2012 - 23:50 Uhr
Wie ist das eigentlich mit Verbandswechseln? Da ich voraussichtlich nächstes Jahr mein Studium beginne, werde ich den Kreis wechseln müssen. Ich hatte mal gehört, dass man bei Verbandswechseln um eine Klasse strafversetzt wird. Stimmt das oder ist das wieder von Verband zu Verband unterschiedlich?
Außerdem könnte ich mir auch ein Studium im Ausland vorstellen. Gäbe es hierfür bestimmte Vorschriften bzw. Bedingungen?
Amateur-Schiedsrichter |#49
19.03.2012 - 00:17 Uhr
Das Strafversetzen ist mWn nicht der Fall oder von Verband zu Verband unterschiedlich. Letztlich ist es Sache des (neuen) Verbands einzuschätzen, in welche Liga man Dich qualifiziert.

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Amateur-Schiedsrichter |#50
28.03.2012 - 00:34 Uhr
Jetzt habe ich eine absolut anstrengende Woche vor mir...
- Heute (=Mittwoch) 13 Uhr: Schulturnier pfeifen
- Heute 17:45: Winken bei der U19 vom Glubb
- Donnerstag 18:15: Pfeifen B-Jugend
- Donnerstag nach dem Spiel: Laufen gehen
- Freitag: Hobbyliga pfeifen
- Samstag: Club-Spiel, vorher Schiris besuchen
- Sonntag: Kreisliga winken

Mir tun ja jetzt schon die Beine weh... :D

(Bevor sich hier jemand abgeschreckt fühlt: Solche Wochen sind natürlich a) nur die absolute Ausnahme und b) nur für positiv verrückte Schiris. Wenn man so viele Spiele nicht will, versteht das jeder Einteiler, bzw. er fragt nur nach, wenn er ein entsprechendes Bild von Dir hat ;))

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Dieser Beitrag wurde zuletzt von Hagenauer am 28.03.2012 um 00:36 Uhr bearbeitet
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