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Ex-Lautrer

31.07.2015 - 09:17 Uhr
Ex-Lautrer |#7501
15.08.2022 - 19:32 Uhr
Ich finde, man sollte die ganze Sache differenzierter betrachten. Aufgrund dieser Aussage zu behaupten, Müller wäre homophob, ist nahezu grotesk. Das ist nun mal tatsächlich noch sehr tief im Sprachgebrauch verankert.

Das Problem ist die Selbstverständlichkeit des Gebrauchs dieses Wortes. Es setzt nämlich schwul sein mit etwas schlechtem gleich. Das mag viele von euch nicht tangieren, ist aber tatsächlich ein gesellschaftliches Problem. Das ist genau das gleiche, wie jemanden oder etwas als behindert zu bezeichnen. Es geht darum, Randgruppen mit unserem Sprachgebrauch nicht zu diskriminieren. Versteht mich nicht falsch, mir passiert das auch. Richtig ist es deswegen trotzdem nicht.

Müller jetzt aber daraus einen Strick drehen zu wollen, wäre das absolut falsche. Man sollte darüber sprechen, warum ein solcher Ausdruck in der Öffentlichkeit eben nicht (mehr) sein sollte.
Ex-Lautrer |#7502
15.08.2022 - 19:44 Uhr
Zitat von svl1893
...Das ist genau das gleiche, wie jemanden oder etwas als behindert zu bezeichnen. Es geht darum, Randgruppen mit unserem Sprachgebrauch nicht zu diskriminieren. Versteht mich nicht falsch, mir passiert das auch. Richtig ist es deswegen trotzdem nicht...


Das schlimme daran ist doch das es diese "Randgruppen" sind, die sich noch am wenigsten daran stören. So zumindest sind meine Erfahrungen aus dem Leben.
Die sind wahrscheinlich genauso damit aufgewachsen wie wir.

Der ganze Quatsch ging doch schon mit dem Mohrenkopf und Zigeunerschnitzel los und geht jetzt mit so lächerlichen Sachen weiter.
Ex-Lautrer |#7503
15.08.2022 - 20:37 Uhr
Zitat von sasaz
Zitat von svl1893

...Das ist genau das gleiche, wie jemanden oder etwas als behindert zu bezeichnen. Es geht darum, Randgruppen mit unserem Sprachgebrauch nicht zu diskriminieren. Versteht mich nicht falsch, mir passiert das auch. Richtig ist es deswegen trotzdem nicht...


Das schlimme daran ist doch das es diese "Randgruppen" sind, die sich noch am wenigsten daran stören. So zumindest sind meine Erfahrungen aus dem Leben.
Die sind wahrscheinlich genauso damit aufgewachsen wie wir.

Der ganze Quatsch ging doch schon mit dem Mohrenkopf und Zigeunerschnitzel los und geht jetzt mit so lächerlichen Sachen weiter.

Da möchte ich jetzt einhaken.
Die Begriffe "Mohr" und auch "Zigeuner" sind Begriffe, die klar rassistisch konotiert sind. Zigeuner wurde sogar bei den Nürnberger Gesetzen zum Thema "Rasse" eindeutig benannt.
Hier geht es nicht um lächerlich, sondern um Respekt und Wertschätzung. Eine Gesellschaft, die sich offen und reflektiert nennt, kann diese Wörter aus ihrem Sprachgebrauch streichen und durch Wörter ersetzen, welche nicht rassistisch konotiert sind.
Das Gleiche gilt auch für das Wort "schwul". Ich höre dieses Mist jeden Tag auf dem Schulhof. Was möchte man damit ausdrücken? Es ist doch ein klarer Ausdruck, dass man Menschen als weich, nicht belastbar und schwach ansieht, d.h. eine Abwertung von Menschen, die "schwul" sind.
Ich empfinde es als sehr befremdlich, wenn man diese Worte in den alltäglichen Sprachgebrauch übernimmt, weil man damit anderen "Diffamierungen" Tür und Tor öffnet.

•     •     •

TM User seit 2006.Mitglied beim FCK-NR.1185.
«Fleischessen ist ein Überbleibsel der größten Roheit;der Übergang zum Vegetarismus ist die erste und natürlichste Folge der Aufklärung.»Leo Tolstoi
“Tiere sind meine Freunde und ich esse meine Freunde nicht.”George B. Shaw
“Wahre menschliche Kultur gibt es erst,wenn nicht nur Menschenfresserei, sondern jede Art des Fleischgenusses als Kannibalismus gilt.”W. Busch


Ex-Lautrer |#7504
15.08.2022 - 20:48 Uhr
Sind halt Scheindebatten, um von den wirklichen Probleme dieser Gesellschaft abzulenken. Wer daraus jetzt einen riesen Skandal konstruieren will, der hat nichts verstanden. Marius Müller ist kein homophober oder sonst was, weil er einen Jahrtausende alten Ausdruck benutzt hat. Ich hoffe er lässt sich nicht unterkriegen.

•     •     •

- parkthebus92 -

Ex-Lautrer |#7505
15.08.2022 - 22:14 Uhr
Do werd widder ausner Mick e Elefant gemach un sunschd gar nix.
Ex-Lautrer |#7506
15.08.2022 - 22:51 Uhr
Und genau sowas sind Gründe warum sich homosexuelle Fußballer erst nach Karriereende outen.
Müller ist da jetzt nur Teil des Systems und nicht aufgrund der Aussage als homophob abzustempeln, aber das macht es auf keinen Fall richtiger.

Dieses "das war schon immer so" ist das schwächste Argument, das es gibt.
Noch dazu ist es oft falsch. 'Rosa war schon immer für Mädchen'. Nein war sie nicht. Die längste Zeit der Geschichte war es blau. Nur um ein Beispiel zu nennen.

Außerdem leben wir in einer Gesellschaft, die vollkommen auf Fortschritt, Wachstum und Veränderung aufgebaut ist. Warum sollte man da ausgerechnet beim Thema Respekt versuchen dagegen anzukämpfen?
Wir können froh sein, dass das Handy nicht mit dem Argument verhindert wurde, dass 'wir schon immer mit Festnetz telefoniert haben'.
Ex-Lautrer |#7507
15.08.2022 - 23:27 Uhr
Mich nerven die Spießrutenläufe, durch die Menschen geschickt werden, die irgendwo mal, oft aus Versehen, einen unpassenden Begriff verwenden. Dass Homophobievorwürfe auf der bestehenden Basis unsinnig sind, ändert aber nichts an dem Umstand, dass die Sensibilität bezüglich der Verwendung solcher Begriffe in einem negativen Kontext abwertend wirkt, selbst wenn es eigentlich nicht so gemeint ist.

Also Herr Müller, einmal klarstellen, dass die Botschaft angekommen ist, zukünftig "schwul" nicht mehr im negativen Kontext verwenden, und gut is'.

Beste Grüße
Lullaby
Ex-Lautrer |#7508
15.08.2022 - 23:59 Uhr
Zitat von svl1893

Müller jetzt aber daraus einen Strick drehen zu wollen, wäre das absolut falsche.


Jo, nen Spruch gegenüber Menschen zu äußern, der sprachlich auf dem Töten (durch Erhängen) von Menschen basiert, ist aber in Ordnung. Und es gibt eine Subgruppe der Bevölkerung, die das häufiger erlebt hat - also geht es vlt noch bei einem Marius Müller, bei einem BIPOC wäre ich dann allerdings sehr vorsichtig.

Allgemein wäre ich was das Thema Ableismus sehr vorsichtig im Umfeld vom Fußball. Das wird nämlich sehr häufig dort verwendet ("der ist Sportinvalide, den wollen wir nicht", "der hat schon zwei Kreuzbandrisse"). Genauso wie Ageismus ("der ist schon 33, der hat keine Speed mehr", "Wunderlich schafft aufgrund seines Alters nur noch 70min").

Zitat von X DanowarX

Ich empfinde es als sehr befremdlich, wenn man diese Worte in den alltäglichen Sprachgebrauch übernimmt, weil man damit anderen "Diffamierungen" Tür und Tor öffnet.


Sprache ändert sich. Die Bedeutung von Wörtern ändern sich. Wenn die Jugend von "cool" redet (macht sie das heute noch?), dann meint sie nicht "kalt". Wenn die LGBTQ+ Bewegung von "queer" redet, dann hat sie das Wort wieder zurückerobert (queer war genauso eine Beleidigung vor einigen Jahren noch). Bei "gay" im Englischen verstehen die wenigsten auch noch darunter "happy/joyous".
Imho muss man differenzieren und schauen, wie eine Person ein Wort verwendet. Will man gezielt eine Gruppe abwerten? Oder benutzt man ein Wort welches man unter "Beleidigung" einstuft? Ähnlich auch "Alman" und "alte weiße Männer".
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Zocat am 16.08.2022 um 00:09 Uhr bearbeitet
Ex-Lautrer |#7509
16.08.2022 - 00:31 Uhr
Es geht um marginalisiert Gruppen in der Gesellschaft, die aufgrund ihres Minderheitenstatus lange verfolgt wurden und zum Teil immer noch werden. Sei es durch physische Gewalt oder verbale. Und da müssen wir nicht nur nach Polen oder Russland schauen. Auch bei uns.
Zum Teil durch direkte Beleidigung (Hier nicht der Fall, da er keinen Schwulen direkt anspricht) aber auch durch bewusste oder unbewusste Verknüpfung dieser Gruppen mit Attributen, die diesen Gruppen zugeschrieben werden. (Hier der Fall in Form der Zuschreibung von Schwäche!)
Ob Müller Homophob ist oder nicht kann man aus seiner Aussage nicht ableiten. Dass er es wäre, ist eine Interpretation, der nur aufgrund seiner Äußerung jede Legitimation abgeht.
Es geht hier nicht darum, Müller durch einen Spießrutenlauf zu schicken. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass Sprache verletzend sein kann. Und deswegen muss über solche Äußerungen diskutiert werden. Immer wieder.
Ex-Lautrer |#7510
16.08.2022 - 01:06 Uhr
Zitat von Lullaby
Mich nerven die Spießrutenläufe, durch die Menschen geschickt werden, die irgendwo mal, oft aus Versehen, einen unpassenden Begriff verwenden. Dass Homophobievorwürfe auf der bestehenden Basis unsinnig sind, ändert aber nichts an dem Umstand, dass die Sensibilität bezüglich der Verwendung solcher Begriffe in einem negativen Kontext abwertend wirkt, selbst wenn es eigentlich nicht so gemeint ist.

Also Herr Müller, einmal klarstellen, dass die Botschaft angekommen ist, zukünftig "schwul" nicht mehr im negativen Kontext verwenden, und gut is'.

Beste Grüße
Lullaby


Respekt und Toleranz sind für den Zusammenhalt und den Fortschritt einer Gesellschaft schon immer entscheidend gewesen. Auf die Fragen der rapiden Entwicklung in Wissenschaft, Technik, Wirtschaft etc. wurde aber nie eine gesellschaftliche und sozialverbindende Antwort gefunden. Womöglich nicht einmal gesucht...
Man wird auch zukünftig 'schwul' nicht in eine Analyse eines Fußballspiels geschweige denn positive Bewertung eines Zweikampfes einbeziehen können. Daran wird sich auch bis zur Besiedelung des Mars nichts ändern...
Und deswegen wird auch durch den 'social media Pranger' nichts erreicht oder 'besser werden'. Dafür braucht es Reflektion, die nötige Gelassenheit und (leider) auch noch einiges an Zeit.
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