Borussia Dortmund Borussia Dortmund
deadline-day banner

BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#931
05.08.2025 - 10:15 Uhr
Zitat von Reusian
wie passt für euch das verbriefte starke interesse an Ethan Nwaneri in dieses system rein?


Geht man mal von der schwimmenden Position aus, die Bellingham zuletzt in den Tests spielte, in der er im Prinzip alles zwischen LA, OM und ZM war, ergibt sich hier ein sehr spezielles Profil, das enorme Polyvalenz verlangt und daher sogar mehr Fokus darauf als an konkrete Fähigkeitenbedarfe. Sprich: Kompromiss steht über Spezifizierung der Fähigkeiten. Entsprechend gibt es einen Bedarf in diesem System, das den bestmöglichen Kompromiss ergibt. An der Stelle kommt dann ein Nwaneri ins Spiel, der alle 3 Positionen spielen kann und schon gespielt hat. Persönlich wäre mir das aber weiterhin zu viel Fokus auf ZM-OM-Eigenschaften als auf die eines LA, obwohl genau hier einiges fehlt, indem dem Team vor allem kreativ zu viel abgeht. Das System selbst kann das in meinen Augen nicht dauerhaft ersetzen, weil es individuell zu viele Defizite hat (insbesondere im dynamischen Bereich), die die Gegner früher oder später aufgreifen werden. Dazu halte ich die Rochade ins ZM für überflüssig und mehr individuell durch Bellingham bedingt, da eigentlich ja schon Svensson reinrochiert und daher auf LA ein Loch aufgeht, das wir sowohl mit Bellingham als auch dem 2. MS schlecht stopfen.

Entsprechend gibt es für mich hier weiterhin Argumente für Sancho, indem es grundsätzlich eine Position für ihn gibt, die er in diesem System spielen kann. Allerdings gefällt mir die Einbindung mit den Mitspielern auf dieser Position zu wenig, auch wenn man mit Svensson und Adeyemi/Beier zumindest rund um ihn Läufe starten kann. Das hieße aber auch, dass die bewegliche Doppel6 mit Groß und Sabitzer deutlich defensivstärker besetzt werden müsste und weniger weiträumig agieren dürfte. Sprich: Nmecha muss spielen. Mit Nwaneri wäre man auf der Position dahingegen sehr davon überzeugt, dass das System über die Fluidität zuverlässig funktioniert und würde eben individuell mehr Offensivqualität hinzufügen. Dasselbe würde mit Chukwuemeka passieren, obwohl ich weder ihn noch Nwaneri für gute OA halte. Wie gesagt, das wäre mir in Sachen Kreativität auf dem Platz weiterhin zu wenig, trotzdem man die Spielmacherqualitäten gegenüber Bellingham erhöhen würde, der mehr Ballverteiler als Spielmacher ist.
BVB - Taktik-Thread |#932
23.08.2025 - 22:45 Uhr
Zitat von mba123

Zitat von rosicky1990

Zitat von mba123

Unsere Taktik, Anstöße direkt ins Seitenaus zu schießen, um den folgenden gegnerischen Einwurf pressen zu können, bringt unseren fußballerischen Ansatz auf den Punkt.


Ich weiß worauf du hinaus willst, nur wenns eben klappt sind wir auch wieder leise.
Und es ist ja leider dann doch schon häufiger in den letzten 2-3 Wochen im Weltfussball passiert, also eine Taktik die einige verfolgen.

Und kann ja nunmal direkt nach Anstoß zu gewisser Verwirrung führen, weil eben nicht alle immer sofort da sind.

Klar kannst du den Anstoß auch normal machen, und dich durchspielen .. aber dazu brauchst du auch Spieler dafür zwinker

Für viele Mannschaften sind gegnerische Einwürfe ein Pressingauslöser. Die Chancen den Ball zu erobern, sind da nicht schlecht.
Ich finde es nur bezeichnend für den Fußball, den wir spielen.


Man kann es auch anders ausdrücken:

Prinzipiell macht es Sinn einen gegnerischen Einwurf tief in dessen Hälfte hoch zu pressen, weil die Chancen ganz gut sind, den Ball hoch zu erobern, direkt mindestens einen Spieler aus dem Spiel zu nehmen (eben den Einwerfer) und daher einen relativ schlecht sortierten Gegner vorzufinden. Wenn es aber vom Anpfiff weg bereits deine beste Option ist, um vor das gegnerische Tor zu kommen, hast du ein Problem, falls nicht viele Probleme!
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 23.08.2025 um 22:45 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#933
24.08.2025 - 08:28 Uhr
Puh. Der Zweifel, dass wir mit der Dreierkette unter Kovac erfolgreich sein können, wurde gestern nochmal bedeutend tiefer gegraben. Bereits das Pokalspiel war dahingehend ein deutliches Warnsignal, das aber überhört wurde. Anders kann ich mir die Aufstellung nicht erklären, bei der nun wirklich für mich fast gar nichts mehr passt. Dass überdies das Pressing, das in der Vorbereitung noch ganz gut aussah, derart misslungen ausfiel, ließ das gesamte Spiel kollabieren. So hatten wir weder Spielkontrolle, nichtmal über das U ausreichend Ballbesitz (49 %), noch hatten wir ausreichend Pressingmomente, um dieses Defizit auszugleichen (PPDA von 13,3 ist zu wenig).

Taktisch war die Aufstellung aber sowohl individuell im Hinblick auf die Passung von Rolle und individuellen Qualitäten der Spieler als auch allgemein wirr.

- Sabitzer wird keine 6 mehr für ein Spitzenteam. Er ist weder strategisch gut, noch gut in der Ballverarbeitung, wenn er gepresst wird, noch zeigt er sich ausreichend präsent, was natürlich durch die zuvor genannten Punkte begünstigt wird. Dafür geben wir zudem seine Stärken auf, denn wenn er eher als 8er oder 10er eingesetzt würde, könnte er durch sein Pressingverhalten helfen und seine Torgefahr ausspielen. Verrückt, zumal wir für Sabitzer auf der 6 auf
- Nmecha ebenda verzichten, der auf dieser Position seine stärksten Spiele gemacht hat, während er als 8er oder noch höher teilweise zu passiv wirkte.
- Couto ist durch sein mangelndes Spitzentempo kein Schienenspieler, der ganz allein die Seite beackern kann. Er braucht eigentlich die Überladungen durch das Mittelfeld, um zu kombinieren. Aber zu oft war er in Isosituationen, die er nicht gut ausspielen kann. In dieser Rolle wird er es weiter schwer haben, solange unser Mittelfeld zentral entweder dann nicht ausreichend nachrückt (Sabitzer) oder nicht schnell genug ist (Groß).
- Svensson gefällt mir dabei auch nicht so gut, wobei Kovac mit Adeyemi und ihm auf der Seite ja versucht, ihn als Hybrid spielen zu lassen, was aber bei einer Dreierkette schon sehr abenteuerlich ist und
- Adeyemi zwingt Breitengeber/Schienenspieler zu sein, sodass wir auch ihn weghalten von seinen stärksten Räumen als HS in den Halbräumen um die Spitze herum
- Groß wiederum hat teilweise als OA gespielt, vermutlich in der Hoffnung, seine starken Flanken zu bekommen, aber angesichts der mangelnden Spielgestaltung zuvor sind wir gar nicht balldominant genug, um uns eine so hohe Positionierung von Groß erlauben zu können, während wir gleichzeitig durch sein Abdriften auf seine strategischen Fähigkeiten verzichten und unser Tempodefizit außen rechts ausbauen (Couto und Groß können die Tiefe dort gar nicht bedrohen).
- Bellingham ist und wird kein 10er. Dafür ist er einfach nicht wendig, nicht schnell genug. Wir tun ihm keinen Gefallen damit, ihn in den Räumen spielen zu lassen, während wir seine Physis und Ballsicherheit eine Reihe dahinter so gut zur Weiterverarbeitung gebrauchen können.

Alles war schräg an der Aufstellung gestern. Dass Kovac ernsthaft mit diesem Ansatz die ersten drei Spiele am liebsten ohne jede Änderung weitermachen will, lässt mich bang werden.

Es wird zäh. Die Dreierkette hat keine Zukunft, wenn sie weiter so gespielt wird, oder Kovac steht schneller, als er denkt, zur Disposition.

•     •     •

Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.
- S. Beckett

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Mogli99 am 24.08.2025 um 08:31 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#934
25.08.2025 - 12:47 Uhr
Da die Frage aufkam, warum das Pressing gegen Pauli nicht griffig war und die Highlights erstaunlich viel davon im vollen Umfang zeigen, habe ich mal ein paar Szenen rausgesucht:

Szene 1: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=5

Selbe Szene, wie schon im Pokal. Wir laufen hoch an, Adeyemi läuft aber zu aggressiv zur Mitte an und lässt daher nach außen etwas Platz - vielleicht auch, weil der Pass im Pokal durch die Mitte gespielt wurde, weil Beier dort mehr von außen anlief. Bellingham muss - wie Nmecha im Pokal - hier dann zunächst 2 Spieler (seinen Mann und den von Svensson, der als Absicherung hinten bleiben soll) zustellen, wobei Hilfe von dahinter (Sabitzer - dadurch ist Svensson eben als Absicherung auch erlaubt) kommen soll, wenn er nach außen durchlaufen muss, was letztendlich auch geschieht. Priorität hatte sonst der Spieler in der Mitte.

Wahls Platz reicht aber für den langen Schlag und auf Grund des aggressiven Pressings, bei dem Sabitzer und Anton rausgezogen werden. Bensebaini und Anton können jeweils in der Rückwärtsbewegung den Ball nicht kontrollieren. Pauli gewinnt dadurch den zweiten Ball, weil Bellinghams Rückwärtsbewegung eben zu träge ist. Ansonsten kommt die Mannschaft an sich aber wieder ganz ok in die Formation, kann aber nur langsam wieder Druck auf den Ball aufbauen, um nicht in gegenläufige Bewegungen gepackt zu werden und wieder zu kollabieren. Am Ende hat man dann Glück, dass Oppie mit dem schwachen Fuß abschließt, was eine bessere Chance hätte sein können.

Hier sieht man dann denke ich vor allem den Unterschied zwischen RWE und einem Bundesligisten. 1-2 kleinere Fehler reichen hier, um überspielt zu werden, weil das Anlaufen eben mit Rochaden einhergeht, die in der Rückwärtsbewegung nicht aufrechterhalten werden. Es bleibt nicht bei der Zuordnung, die sich aus dem Anlaufverhalten ergibt, sondern es soll eher wieder in die nominelle Ausgangszuordnung zurückgekehrt werden, was aber nicht so einfach ist, solange das Spiel nicht wieder statischer wird. Dabei gibt es offensichtlich Probleme, weil Zuordnungen nicht gänzlich klar zu sein scheinen, teils die Wege zu weit, um wieder in Position zu kommen und teils aber auch die Rückwärtsbewegung individuell nicht intensiv genug ist. Taktisch wäre es daher wahrscheinlich leichter, wenn man beim 1gg1 bleibt, das hier effektiv ausgelöst wird im Pressing und erst wieder in die Formation zurückkehrt, wenn man den Ball tatsächlich kontrolliert.

Szene 2: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=40

Diesmal muss Groß rausrücken und den LIV aufnehmen. Sabitzer wird dadurch rausgezogen und muss Groß nominellen Gegenspieler aufnehmen, während der 10er im Deckungsschatten bleibt oder eben Anton rausziehen müsste, womit man dann aber die Absicherung für die Kette aufgeben würde, weil er eigentlich der freie Mann sein soll. Prinzipiell muss er auch nicht rausziehen, wenn man schnell verschiebt bzw. verschieben kann. Schließlich kann hier auch Bellingham zum 10er schieben und Adeyemi nimmt dafür dann Bellinghams Mann auf. Dann bleibt eben der ballferne RIV frei. Beides denkbar, was davon man konkret spielen wollte, wird aber nicht ersichtlich, wobei denke ich die IV auf den 10er hätte durchschieben sollen. So sieht es im ersten Moment zumindest aus.

Das würde auch dadurch unterstützt, dass wir es in dieser Szene erst mal aggressiver spielen und nur die Übergabe von Groß Mann an Sabitzer haben, weil Bellinghams Mann dem LIV entgegengeht, was Adeyemi sehr schnell aufnehmen müsste, aber nicht passiert, wodurch es hier erst mal noch eine passende Reaktion von Bellingham ist, obwohl Anton vom 10er weggeht, um Absicherung für die Tiefe zu sein und wohl Mane rausschieben möchte, um dessen Mann dafür aufzunehmen. In dem Moment kommt Sabitzer aber schon in die Bredouille und die Tiefe ist so bedroht, dass Mane lieber am Mann bleibt und schnell wieder die Tiefe absichert, weil Anton eben nicht direkt da ist. Der 10er von Pauli wird also problematischerweise nur in den Deckungsschatten gestellt und bleibt somit frei, weil die Übergabe zu spät kommt und besser gar nicht erst hätte kommen sollen, was wohl dem Umstand zugeschrieben werden kann, dass man Mane taktisch nicht als letzten Mann wollte - was aber eine schlechte Begründung ist, weil man (potenzielle) Fehler nicht mit (potenziellen) Fehlern bekämpfen sollte.

Das Zuschieben ist insgesamt aber auch zu langsam, sodass der 10er gar nicht das Problem werden müsste. Indem Groß initialer Gegenspieler zur Seite rausschiebt, damit die Distanz zu Sabitzer etwas erhöht, bekommt Sabitzer Probleme, um bei der Ballannahme in den Zweikampf zu kommen, was nun mal der beste Zeitpunkt im Zweikampf ist, um Druck zu machen. Dadurch wird es direkt ein Mismatch, weil der Pauli Spieler ohne Druck den Ball kontrollieren und sich orientieren kann. Coutos Mann kommt kurz entgegen, eröffnet eine einfache Anspielstation, lässt direkt auf den ebenfalls auf die Seite rausgerückten 10er klatschen, den Bellingham nicht aufnahm, weil er zunächst hoch bei seinem Mann blieb und dann auch nicht schnell genug Bindung sucht, sondern nur hinterhertrabt, auch als er sehen muss, dass Sabitzer Probleme hat in den Zweikampf zu kommen.

Anton hat inzwischen Manes Mann doch übernommen, der dadurch wieder aus der IV rausstechen könnte - wofür der Abstand aber erst recht schon zu groß ist, weil sich die Kette weiter fallen ließ - und wofür der Vertikalball dann auch schon zu schnell kommt, weil Sabitzers Mann durchgelaufen ist, der ihn laufen ließ - dafür halbgar am 10er orientiert - und Anton seinen Mann wieder übergibt, um wieder freier Mann und Überzahlspieler zu werden. Diesmal an Couto, dessen eigentlicher Mann am Ende unbehelligt reinstarten kann, weil Groß viel zu spät zurück ist, Sabitzer im Zentrum denselben Raum abdeckt, wie Bellingham und Mane hier sicher auch nicht mit der besten Spielübersicht agiert, aber an sich keinen Fehler macht, sondern sich eben nicht auf Groß oder Sabitzer verlassen kann.

An sich passt das Zuschieben im ersten Moment schon und läuft wie in der Vorbereitung. Auch die Distanzen sollten nicht das Problem sein, um hier einigermaßen Druck aufzubauen. Das Problem ist dann zunächst aber, dass Sabitzers Intensität nicht passt, dann auch noch das Tempo und die Physis fehlen, während daneben beide möglichen Prinzipien für das Pressing aber nicht umgesetzt werden. Kein IV schiebt zum 10er, Adeyemi macht nicht mit, um Bellingham dafür freizugeben und Bellingham agiert erst mal offensiv und ist dann viel zu passiv in der Rückwärtsbewegung, um irgendetwas auszurichten. Spätestens dann bereiten die ganzen Übergaben Probleme, die es teils gar nicht geben sollte und Spieler daher nicht in den passenden Räumen sind. Dazu hätte die Kette für meinen Geschmack bei Pressingbeginn gut 5m höher stehen können, statt 10m hinter der Mittellinie, was es einfacher gemacht hätte gegen den 10er, weil es eindeutiger gewesen wäre, was gespielt werden soll und vor allem auch die Wege für das Mittelfeld zurück geringer wären.

Auch hier ist das große, übergeordnete Problem jedoch: sobald das Pressing überspielt wird, entspricht die Zuordnung im Anlaufverhalten nicht der Zuordnung in der Grundordnung.

Szene 3: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=81

Selbe Ausgangsbasis, wie in Szene 1, nur auf der anderen Seite. Auf einmal stehen wir aber komplett anders, stellen nur rund um den Einwurf zu, Bellingham und Sabitzer bekommen ihre Gegenspieler aber nicht übergeben und dadurch fehlt dann Druck auf den Ball, weil auch Guirassy nicht wirklich hingeht. Langer Ball, Stürmer frei vor dem Tor ...

Szene 4: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=162

Langer Ball zur Eckfahne, als sicherer Ballverlust (dürfte gewollter Gegenpressingauslöser sein). Adeyemi läuft durch, Svensson und Guirassy unterstützen aber deutlich zu spät. Bei Svensson war der Weg lang, bei Guirassy der Weg zu spät angetreten. Guirassy gewinnt den Ball trotzdem. Großchance Groß. Letztendlich für mich aber ein Zufallsprodukt, weil Wahl hier dann doch einen krassen Fehler macht, womit er vielleicht schon zu viel Zeit hatte.

Szene 5: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=213

Wieder langer Ball zum Gegner. Bellingham ist diesmal eng dran (Vorwärtsverteidigen ist eben doch einfacher und macht mehr Spaß ...) und erobert den Ball damit hoch. Diesmal hat Pauli Probleme wieder in die reguläre Zuordnung zu kommen, Sabitzer wird dadurch am Ende frei und flankt gut auf Guirassy, der sein Tor macht.

Szene 6: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=449

Brandt und Guirassy laufen erst mal nicht an, sondern nehmen die DM von Pauli in den Deckungsschatten, wobei Groß rausrückt und dadurch bereits im Ansatz eine 1gg1 Formation über den ganzen Platz zu erkennen ist. Der Ball geht raus auf Wahl, was dann der Pressingauslöser ist. Brandt läuft an, Nmecha rückt aber zu spät raus und Svensson hat ebenfalls einen etwas weiten Weg, weil er im ersten Moment wohl noch auf den Ball in die Tiefe auf seinen Mann spekuliert hat. Dazu ist die Kette für meine Begriffe hier leider wieder zu tief, in dem Fall sogar etwas mehr als 5m, wodurch Nmechas Weg eben auch länger wird, weil er an sich ja genau zwischen den Linien steht. Die Abstände passen hier in jedem Fall nicht so recht, um richtig Druck zu machen, obwohl Pauli es nicht sauber spielt, weil sie ins Direktspiel gehen. Bensebaini baut dann aber einen für ihn leider nicht untypischen Fehler ein und überläuft seinen Mann und macht damit den Raum in seinem Rücken auf und der Ball geht natürlich ausgerechnet dorthin. Ergibt am Ende keine Großchance für Pauli und es waren im Anlaufen sicher keine groben Fehler, aber es reicht eben schon, um keinen unmittelbaren Druck auf den Mann zu bekommen, sobald der am Ball ist.

Szene 7: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=576

Kann man kurz machen, weil es kein richtiges Pressing ist. Auslöser für die Probleme liegt hier für meine Begriffe vor allem darin begründet, dass Bensebaini seinen Mann nicht begleitet, wodurch Nmecha ihn aufnehmen muss und daher seinen Mann nicht aufnehmen kann. Das löst dasselbe Problem danach auch noch öfters aus und so hat man die Absicherung von der Absicherung der Absicherung, wieder mit vielen Übergaben, die es nicht bräuchte, aber keine Zuordnung zum eigentlichen Mann mehr. Am Ende stehen Elfer und Platzverweis.

Sehr ergiebig, was sich hier also an Problemen finden lässt. Hauptproblem ist für mich, wie hier zurückrochiert wird, während der Angriff läuft und wie man sich vor Tempo schützen muss, indem man Absicherungen überpriorisiert, sobald man nicht komplett ins Pressing kommt, damit aber Zuordnung aufgibt.
BVB - Taktik-Thread |#935
30.08.2025 - 15:30 Uhr
Zitat von BVBBC

Da die Frage aufkam, warum das Pressing gegen Pauli nicht griffig war und die Highlights erstaunlich viel davon im vollen Umfang zeigen, habe ich mal ein paar Szenen rausgesucht:

Szene 1: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=5

Selbe Szene, wie schon im Pokal. Wir laufen hoch an, Adeyemi läuft aber zu aggressiv zur Mitte an und lässt daher nach außen etwas Platz - vielleicht auch, weil der Pass im Pokal durch die Mitte gespielt wurde, weil Beier dort mehr von außen anlief. Bellingham muss - wie Nmecha im Pokal - hier dann zunächst 2 Spieler (seinen Mann und den von Svensson, der als Absicherung hinten bleiben soll) zustellen, wobei Hilfe von dahinter (Sabitzer - dadurch ist Svensson eben als Absicherung auch erlaubt) kommen soll, wenn er nach außen durchlaufen muss, was letztendlich auch geschieht. Priorität hatte sonst der Spieler in der Mitte.

Wahls Platz reicht aber für den langen Schlag und auf Grund des aggressiven Pressings, bei dem Sabitzer und Anton rausgezogen werden. Bensebaini und Anton können jeweils in der Rückwärtsbewegung den Ball nicht kontrollieren. Pauli gewinnt dadurch den zweiten Ball, weil Bellinghams Rückwärtsbewegung eben zu träge ist. Ansonsten kommt die Mannschaft an sich aber wieder ganz ok in die Formation, kann aber nur langsam wieder Druck auf den Ball aufbauen, um nicht in gegenläufige Bewegungen gepackt zu werden und wieder zu kollabieren. Am Ende hat man dann Glück, dass Oppie mit dem schwachen Fuß abschließt, was eine bessere Chance hätte sein können.

Hier sieht man dann denke ich vor allem den Unterschied zwischen RWE und einem Bundesligisten. 1-2 kleinere Fehler reichen hier, um überspielt zu werden, weil das Anlaufen eben mit Rochaden einhergeht, die in der Rückwärtsbewegung nicht aufrechterhalten werden. Es bleibt nicht bei der Zuordnung, die sich aus dem Anlaufverhalten ergibt, sondern es soll eher wieder in die nominelle Ausgangszuordnung zurückgekehrt werden, was aber nicht so einfach ist, solange das Spiel nicht wieder statischer wird. Dabei gibt es offensichtlich Probleme, weil Zuordnungen nicht gänzlich klar zu sein scheinen, teils die Wege zu weit, um wieder in Position zu kommen und teils aber auch die Rückwärtsbewegung individuell nicht intensiv genug ist. Taktisch wäre es daher wahrscheinlich leichter, wenn man beim 1gg1 bleibt, das hier effektiv ausgelöst wird im Pressing und erst wieder in die Formation zurückkehrt, wenn man den Ball tatsächlich kontrolliert.

Szene 2: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=40

Diesmal muss Groß rausrücken und den LIV aufnehmen. Sabitzer wird dadurch rausgezogen und muss Groß nominellen Gegenspieler aufnehmen, während der 10er im Deckungsschatten bleibt oder eben Anton rausziehen müsste, womit man dann aber die Absicherung für die Kette aufgeben würde, weil er eigentlich der freie Mann sein soll. Prinzipiell muss er auch nicht rausziehen, wenn man schnell verschiebt bzw. verschieben kann. Schließlich kann hier auch Bellingham zum 10er schieben und Adeyemi nimmt dafür dann Bellinghams Mann auf. Dann bleibt eben der ballferne RIV frei. Beides denkbar, was davon man konkret spielen wollte, wird aber nicht ersichtlich, wobei denke ich die IV auf den 10er hätte durchschieben sollen. So sieht es im ersten Moment zumindest aus.

Das würde auch dadurch unterstützt, dass wir es in dieser Szene erst mal aggressiver spielen und nur die Übergabe von Groß Mann an Sabitzer haben, weil Bellinghams Mann dem LIV entgegengeht, was Adeyemi sehr schnell aufnehmen müsste, aber nicht passiert, wodurch es hier erst mal noch eine passende Reaktion von Bellingham ist, obwohl Anton vom 10er weggeht, um Absicherung für die Tiefe zu sein und wohl Mane rausschieben möchte, um dessen Mann dafür aufzunehmen. In dem Moment kommt Sabitzer aber schon in die Bredouille und die Tiefe ist so bedroht, dass Mane lieber am Mann bleibt und schnell wieder die Tiefe absichert, weil Anton eben nicht direkt da ist. Der 10er von Pauli wird also problematischerweise nur in den Deckungsschatten gestellt und bleibt somit frei, weil die Übergabe zu spät kommt und besser gar nicht erst hätte kommen sollen, was wohl dem Umstand zugeschrieben werden kann, dass man Mane taktisch nicht als letzten Mann wollte - was aber eine schlechte Begründung ist, weil man (potenzielle) Fehler nicht mit (potenziellen) Fehlern bekämpfen sollte.

Das Zuschieben ist insgesamt aber auch zu langsam, sodass der 10er gar nicht das Problem werden müsste. Indem Groß initialer Gegenspieler zur Seite rausschiebt, damit die Distanz zu Sabitzer etwas erhöht, bekommt Sabitzer Probleme, um bei der Ballannahme in den Zweikampf zu kommen, was nun mal der beste Zeitpunkt im Zweikampf ist, um Druck zu machen. Dadurch wird es direkt ein Mismatch, weil der Pauli Spieler ohne Druck den Ball kontrollieren und sich orientieren kann. Coutos Mann kommt kurz entgegen, eröffnet eine einfache Anspielstation, lässt direkt auf den ebenfalls auf die Seite rausgerückten 10er klatschen, den Bellingham nicht aufnahm, weil er zunächst hoch bei seinem Mann blieb und dann auch nicht schnell genug Bindung sucht, sondern nur hinterhertrabt, auch als er sehen muss, dass Sabitzer Probleme hat in den Zweikampf zu kommen.

Anton hat inzwischen Manes Mann doch übernommen, der dadurch wieder aus der IV rausstechen könnte - wofür der Abstand aber erst recht schon zu groß ist, weil sich die Kette weiter fallen ließ - und wofür der Vertikalball dann auch schon zu schnell kommt, weil Sabitzers Mann durchgelaufen ist, der ihn laufen ließ - dafür halbgar am 10er orientiert - und Anton seinen Mann wieder übergibt, um wieder freier Mann und Überzahlspieler zu werden. Diesmal an Couto, dessen eigentlicher Mann am Ende unbehelligt reinstarten kann, weil Groß viel zu spät zurück ist, Sabitzer im Zentrum denselben Raum abdeckt, wie Bellingham und Mane hier sicher auch nicht mit der besten Spielübersicht agiert, aber an sich keinen Fehler macht, sondern sich eben nicht auf Groß oder Sabitzer verlassen kann.

An sich passt das Zuschieben im ersten Moment schon und läuft wie in der Vorbereitung. Auch die Distanzen sollten nicht das Problem sein, um hier einigermaßen Druck aufzubauen. Das Problem ist dann zunächst aber, dass Sabitzers Intensität nicht passt, dann auch noch das Tempo und die Physis fehlen, während daneben beide möglichen Prinzipien für das Pressing aber nicht umgesetzt werden. Kein IV schiebt zum 10er, Adeyemi macht nicht mit, um Bellingham dafür freizugeben und Bellingham agiert erst mal offensiv und ist dann viel zu passiv in der Rückwärtsbewegung, um irgendetwas auszurichten. Spätestens dann bereiten die ganzen Übergaben Probleme, die es teils gar nicht geben sollte und Spieler daher nicht in den passenden Räumen sind. Dazu hätte die Kette für meinen Geschmack bei Pressingbeginn gut 5m höher stehen können, statt 10m hinter der Mittellinie, was es einfacher gemacht hätte gegen den 10er, weil es eindeutiger gewesen wäre, was gespielt werden soll und vor allem auch die Wege für das Mittelfeld zurück geringer wären.

Auch hier ist das große, übergeordnete Problem jedoch: sobald das Pressing überspielt wird, entspricht die Zuordnung im Anlaufverhalten nicht der Zuordnung in der Grundordnung.

Szene 3: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=81

Selbe Ausgangsbasis, wie in Szene 1, nur auf der anderen Seite. Auf einmal stehen wir aber komplett anders, stellen nur rund um den Einwurf zu, Bellingham und Sabitzer bekommen ihre Gegenspieler aber nicht übergeben und dadurch fehlt dann Druck auf den Ball, weil auch Guirassy nicht wirklich hingeht. Langer Ball, Stürmer frei vor dem Tor ...

Szene 4: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=162

Langer Ball zur Eckfahne, als sicherer Ballverlust (dürfte gewollter Gegenpressingauslöser sein). Adeyemi läuft durch, Svensson und Guirassy unterstützen aber deutlich zu spät. Bei Svensson war der Weg lang, bei Guirassy der Weg zu spät angetreten. Guirassy gewinnt den Ball trotzdem. Großchance Groß. Letztendlich für mich aber ein Zufallsprodukt, weil Wahl hier dann doch einen krassen Fehler macht, womit er vielleicht schon zu viel Zeit hatte.

Szene 5: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=213

Wieder langer Ball zum Gegner. Bellingham ist diesmal eng dran (Vorwärtsverteidigen ist eben doch einfacher und macht mehr Spaß ...) und erobert den Ball damit hoch. Diesmal hat Pauli Probleme wieder in die reguläre Zuordnung zu kommen, Sabitzer wird dadurch am Ende frei und flankt gut auf Guirassy, der sein Tor macht.

Szene 6: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=449

Brandt und Guirassy laufen erst mal nicht an, sondern nehmen die DM von Pauli in den Deckungsschatten, wobei Groß rausrückt und dadurch bereits im Ansatz eine 1gg1 Formation über den ganzen Platz zu erkennen ist. Der Ball geht raus auf Wahl, was dann der Pressingauslöser ist. Brandt läuft an, Nmecha rückt aber zu spät raus und Svensson hat ebenfalls einen etwas weiten Weg, weil er im ersten Moment wohl noch auf den Ball in die Tiefe auf seinen Mann spekuliert hat. Dazu ist die Kette für meine Begriffe hier leider wieder zu tief, in dem Fall sogar etwas mehr als 5m, wodurch Nmechas Weg eben auch länger wird, weil er an sich ja genau zwischen den Linien steht. Die Abstände passen hier in jedem Fall nicht so recht, um richtig Druck zu machen, obwohl Pauli es nicht sauber spielt, weil sie ins Direktspiel gehen. Bensebaini baut dann aber einen für ihn leider nicht untypischen Fehler ein und überläuft seinen Mann und macht damit den Raum in seinem Rücken auf und der Ball geht natürlich ausgerechnet dorthin. Ergibt am Ende keine Großchance für Pauli und es waren im Anlaufen sicher keine groben Fehler, aber es reicht eben schon, um keinen unmittelbaren Druck auf den Mann zu bekommen, sobald der am Ball ist.

Szene 7: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=576

Kann man kurz machen, weil es kein richtiges Pressing ist. Auslöser für die Probleme liegt hier für meine Begriffe vor allem darin begründet, dass Bensebaini seinen Mann nicht begleitet, wodurch Nmecha ihn aufnehmen muss und daher seinen Mann nicht aufnehmen kann. Das löst dasselbe Problem danach auch noch öfters aus und so hat man die Absicherung von der Absicherung der Absicherung, wieder mit vielen Übergaben, die es nicht bräuchte, aber keine Zuordnung zum eigentlichen Mann mehr. Am Ende stehen Elfer und Platzverweis.

Sehr ergiebig, was sich hier also an Problemen finden lässt. Hauptproblem ist für mich, wie hier zurückrochiert wird, während der Angriff läuft und wie man sich vor Tempo schützen muss, indem man Absicherungen überpriorisiert, sobald man nicht komplett ins Pressing kommt, damit aber Zuordnung aufgibt.


Ich will nur noch ergänzen, daß St. Pauli in diesem Sommer das gesamte Offensivspiel auf Geschwindigkeit ausgerichtet hat ( meiner Meinung eine beeindruckend gelungene Transferperiode ), das Tempo der neuen AV Oppie und Pyrka ist mir nicht genau bekannt, langsam wirken sie aber auch nicht. Dazu haben sie mittlerweile Qualitäten im Mittelfeld um dieses Tempo auch einzusetzen.

Wenn Dortmund dagegen mit im Grunde bescheidener Geschwindigkeit im Mittelfeld und AV ins Pressing geht ( und das Tempo in der IV wäre jetzt auch nicht so hoch, das sie das ausgleichen können ), dann ist die Wahrscheinlichkeit einfach sehr hoch, das es sofort gefährlich wird und hinten der Baum brennt, wenn das Pressing einmal nicht greift. Ist die erste Pressing Linie erstmal überspielt und der Ball beginnt seine Reise in die andere Richtung, können große Teile der Dortmund Mannschaft alleine schon wegen ihrer fehlenden Geschwindigkeit kaum noch in die Zweikämpfe kommen oder eingreifen, wenn dies halbwegs sauber ausgespielt wird.

Unter diesen Grundvoraussetzungen ein System auf Pressing auszurichten und auch bei der Chancenkreation überwiegend darauf zu vertrauen, halte ich für hochriskant. Im Grunde würde ich sogar soweit gehen, das es über einen längeren Zeitraum mit Ansage zum Scheitern verurteilt ist, auch wenn mir statistisch nicht bekannt ist ob Pressingmannschaften ein besonders hohes Grundtempo benötigen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Ballzumir am 30.08.2025 um 15:31 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#936
30.08.2025 - 16:40 Uhr
Zitat von Ballzumir
Zitat von BVBBC

Da die Frage aufkam, warum das Pressing gegen Pauli nicht griffig war und die Highlights erstaunlich viel davon im vollen Umfang zeigen, habe ich mal ein paar Szenen rausgesucht:

Szene 1: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=5

Selbe Szene, wie schon im Pokal. Wir laufen hoch an, Adeyemi läuft aber zu aggressiv zur Mitte an und lässt daher nach außen etwas Platz - vielleicht auch, weil der Pass im Pokal durch die Mitte gespielt wurde, weil Beier dort mehr von außen anlief. Bellingham muss - wie Nmecha im Pokal - hier dann zunächst 2 Spieler (seinen Mann und den von Svensson, der als Absicherung hinten bleiben soll) zustellen, wobei Hilfe von dahinter (Sabitzer - dadurch ist Svensson eben als Absicherung auch erlaubt) kommen soll, wenn er nach außen durchlaufen muss, was letztendlich auch geschieht. Priorität hatte sonst der Spieler in der Mitte.

Wahls Platz reicht aber für den langen Schlag und auf Grund des aggressiven Pressings, bei dem Sabitzer und Anton rausgezogen werden. Bensebaini und Anton können jeweils in der Rückwärtsbewegung den Ball nicht kontrollieren. Pauli gewinnt dadurch den zweiten Ball, weil Bellinghams Rückwärtsbewegung eben zu träge ist. Ansonsten kommt die Mannschaft an sich aber wieder ganz ok in die Formation, kann aber nur langsam wieder Druck auf den Ball aufbauen, um nicht in gegenläufige Bewegungen gepackt zu werden und wieder zu kollabieren. Am Ende hat man dann Glück, dass Oppie mit dem schwachen Fuß abschließt, was eine bessere Chance hätte sein können.

Hier sieht man dann denke ich vor allem den Unterschied zwischen RWE und einem Bundesligisten. 1-2 kleinere Fehler reichen hier, um überspielt zu werden, weil das Anlaufen eben mit Rochaden einhergeht, die in der Rückwärtsbewegung nicht aufrechterhalten werden. Es bleibt nicht bei der Zuordnung, die sich aus dem Anlaufverhalten ergibt, sondern es soll eher wieder in die nominelle Ausgangszuordnung zurückgekehrt werden, was aber nicht so einfach ist, solange das Spiel nicht wieder statischer wird. Dabei gibt es offensichtlich Probleme, weil Zuordnungen nicht gänzlich klar zu sein scheinen, teils die Wege zu weit, um wieder in Position zu kommen und teils aber auch die Rückwärtsbewegung individuell nicht intensiv genug ist. Taktisch wäre es daher wahrscheinlich leichter, wenn man beim 1gg1 bleibt, das hier effektiv ausgelöst wird im Pressing und erst wieder in die Formation zurückkehrt, wenn man den Ball tatsächlich kontrolliert.

Szene 2: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=40

Diesmal muss Groß rausrücken und den LIV aufnehmen. Sabitzer wird dadurch rausgezogen und muss Groß nominellen Gegenspieler aufnehmen, während der 10er im Deckungsschatten bleibt oder eben Anton rausziehen müsste, womit man dann aber die Absicherung für die Kette aufgeben würde, weil er eigentlich der freie Mann sein soll. Prinzipiell muss er auch nicht rausziehen, wenn man schnell verschiebt bzw. verschieben kann. Schließlich kann hier auch Bellingham zum 10er schieben und Adeyemi nimmt dafür dann Bellinghams Mann auf. Dann bleibt eben der ballferne RIV frei. Beides denkbar, was davon man konkret spielen wollte, wird aber nicht ersichtlich, wobei denke ich die IV auf den 10er hätte durchschieben sollen. So sieht es im ersten Moment zumindest aus.

Das würde auch dadurch unterstützt, dass wir es in dieser Szene erst mal aggressiver spielen und nur die Übergabe von Groß Mann an Sabitzer haben, weil Bellinghams Mann dem LIV entgegengeht, was Adeyemi sehr schnell aufnehmen müsste, aber nicht passiert, wodurch es hier erst mal noch eine passende Reaktion von Bellingham ist, obwohl Anton vom 10er weggeht, um Absicherung für die Tiefe zu sein und wohl Mane rausschieben möchte, um dessen Mann dafür aufzunehmen. In dem Moment kommt Sabitzer aber schon in die Bredouille und die Tiefe ist so bedroht, dass Mane lieber am Mann bleibt und schnell wieder die Tiefe absichert, weil Anton eben nicht direkt da ist. Der 10er von Pauli wird also problematischerweise nur in den Deckungsschatten gestellt und bleibt somit frei, weil die Übergabe zu spät kommt und besser gar nicht erst hätte kommen sollen, was wohl dem Umstand zugeschrieben werden kann, dass man Mane taktisch nicht als letzten Mann wollte - was aber eine schlechte Begründung ist, weil man (potenzielle) Fehler nicht mit (potenziellen) Fehlern bekämpfen sollte.

Das Zuschieben ist insgesamt aber auch zu langsam, sodass der 10er gar nicht das Problem werden müsste. Indem Groß initialer Gegenspieler zur Seite rausschiebt, damit die Distanz zu Sabitzer etwas erhöht, bekommt Sabitzer Probleme, um bei der Ballannahme in den Zweikampf zu kommen, was nun mal der beste Zeitpunkt im Zweikampf ist, um Druck zu machen. Dadurch wird es direkt ein Mismatch, weil der Pauli Spieler ohne Druck den Ball kontrollieren und sich orientieren kann. Coutos Mann kommt kurz entgegen, eröffnet eine einfache Anspielstation, lässt direkt auf den ebenfalls auf die Seite rausgerückten 10er klatschen, den Bellingham nicht aufnahm, weil er zunächst hoch bei seinem Mann blieb und dann auch nicht schnell genug Bindung sucht, sondern nur hinterhertrabt, auch als er sehen muss, dass Sabitzer Probleme hat in den Zweikampf zu kommen.

Anton hat inzwischen Manes Mann doch übernommen, der dadurch wieder aus der IV rausstechen könnte - wofür der Abstand aber erst recht schon zu groß ist, weil sich die Kette weiter fallen ließ - und wofür der Vertikalball dann auch schon zu schnell kommt, weil Sabitzers Mann durchgelaufen ist, der ihn laufen ließ - dafür halbgar am 10er orientiert - und Anton seinen Mann wieder übergibt, um wieder freier Mann und Überzahlspieler zu werden. Diesmal an Couto, dessen eigentlicher Mann am Ende unbehelligt reinstarten kann, weil Groß viel zu spät zurück ist, Sabitzer im Zentrum denselben Raum abdeckt, wie Bellingham und Mane hier sicher auch nicht mit der besten Spielübersicht agiert, aber an sich keinen Fehler macht, sondern sich eben nicht auf Groß oder Sabitzer verlassen kann.

An sich passt das Zuschieben im ersten Moment schon und läuft wie in der Vorbereitung. Auch die Distanzen sollten nicht das Problem sein, um hier einigermaßen Druck aufzubauen. Das Problem ist dann zunächst aber, dass Sabitzers Intensität nicht passt, dann auch noch das Tempo und die Physis fehlen, während daneben beide möglichen Prinzipien für das Pressing aber nicht umgesetzt werden. Kein IV schiebt zum 10er, Adeyemi macht nicht mit, um Bellingham dafür freizugeben und Bellingham agiert erst mal offensiv und ist dann viel zu passiv in der Rückwärtsbewegung, um irgendetwas auszurichten. Spätestens dann bereiten die ganzen Übergaben Probleme, die es teils gar nicht geben sollte und Spieler daher nicht in den passenden Räumen sind. Dazu hätte die Kette für meinen Geschmack bei Pressingbeginn gut 5m höher stehen können, statt 10m hinter der Mittellinie, was es einfacher gemacht hätte gegen den 10er, weil es eindeutiger gewesen wäre, was gespielt werden soll und vor allem auch die Wege für das Mittelfeld zurück geringer wären.

Auch hier ist das große, übergeordnete Problem jedoch: sobald das Pressing überspielt wird, entspricht die Zuordnung im Anlaufverhalten nicht der Zuordnung in der Grundordnung.

Szene 3: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=81

Selbe Ausgangsbasis, wie in Szene 1, nur auf der anderen Seite. Auf einmal stehen wir aber komplett anders, stellen nur rund um den Einwurf zu, Bellingham und Sabitzer bekommen ihre Gegenspieler aber nicht übergeben und dadurch fehlt dann Druck auf den Ball, weil auch Guirassy nicht wirklich hingeht. Langer Ball, Stürmer frei vor dem Tor ...

Szene 4: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=162

Langer Ball zur Eckfahne, als sicherer Ballverlust (dürfte gewollter Gegenpressingauslöser sein). Adeyemi läuft durch, Svensson und Guirassy unterstützen aber deutlich zu spät. Bei Svensson war der Weg lang, bei Guirassy der Weg zu spät angetreten. Guirassy gewinnt den Ball trotzdem. Großchance Groß. Letztendlich für mich aber ein Zufallsprodukt, weil Wahl hier dann doch einen krassen Fehler macht, womit er vielleicht schon zu viel Zeit hatte.

Szene 5: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=213

Wieder langer Ball zum Gegner. Bellingham ist diesmal eng dran (Vorwärtsverteidigen ist eben doch einfacher und macht mehr Spaß ...) und erobert den Ball damit hoch. Diesmal hat Pauli Probleme wieder in die reguläre Zuordnung zu kommen, Sabitzer wird dadurch am Ende frei und flankt gut auf Guirassy, der sein Tor macht.

Szene 6: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=449

Brandt und Guirassy laufen erst mal nicht an, sondern nehmen die DM von Pauli in den Deckungsschatten, wobei Groß rausrückt und dadurch bereits im Ansatz eine 1gg1 Formation über den ganzen Platz zu erkennen ist. Der Ball geht raus auf Wahl, was dann der Pressingauslöser ist. Brandt läuft an, Nmecha rückt aber zu spät raus und Svensson hat ebenfalls einen etwas weiten Weg, weil er im ersten Moment wohl noch auf den Ball in die Tiefe auf seinen Mann spekuliert hat. Dazu ist die Kette für meine Begriffe hier leider wieder zu tief, in dem Fall sogar etwas mehr als 5m, wodurch Nmechas Weg eben auch länger wird, weil er an sich ja genau zwischen den Linien steht. Die Abstände passen hier in jedem Fall nicht so recht, um richtig Druck zu machen, obwohl Pauli es nicht sauber spielt, weil sie ins Direktspiel gehen. Bensebaini baut dann aber einen für ihn leider nicht untypischen Fehler ein und überläuft seinen Mann und macht damit den Raum in seinem Rücken auf und der Ball geht natürlich ausgerechnet dorthin. Ergibt am Ende keine Großchance für Pauli und es waren im Anlaufen sicher keine groben Fehler, aber es reicht eben schon, um keinen unmittelbaren Druck auf den Mann zu bekommen, sobald der am Ball ist.

Szene 7: https://youtu.be/YL3pbA7-S9g?t=576

Kann man kurz machen, weil es kein richtiges Pressing ist. Auslöser für die Probleme liegt hier für meine Begriffe vor allem darin begründet, dass Bensebaini seinen Mann nicht begleitet, wodurch Nmecha ihn aufnehmen muss und daher seinen Mann nicht aufnehmen kann. Das löst dasselbe Problem danach auch noch öfters aus und so hat man die Absicherung von der Absicherung der Absicherung, wieder mit vielen Übergaben, die es nicht bräuchte, aber keine Zuordnung zum eigentlichen Mann mehr. Am Ende stehen Elfer und Platzverweis.

Sehr ergiebig, was sich hier also an Problemen finden lässt. Hauptproblem ist für mich, wie hier zurückrochiert wird, während der Angriff läuft und wie man sich vor Tempo schützen muss, indem man Absicherungen überpriorisiert, sobald man nicht komplett ins Pressing kommt, damit aber Zuordnung aufgibt.


Ich will nur noch ergänzen, daß St. Pauli in diesem Sommer das gesamte Offensivspiel auf Geschwindigkeit ausgerichtet hat ( meiner Meinung eine beeindruckend gelungene Transferperiode ), das Tempo der neuen AV Oppie und Pyrka ist mir nicht genau bekannt, langsam wirken sie aber auch nicht. Dazu haben sie mittlerweile Qualitäten im Mittelfeld um dieses Tempo auch einzusetzen.

Wenn Dortmund dagegen mit im Grunde bescheidener Geschwindigkeit im Mittelfeld und AV ins Pressing geht ( und das Tempo in der IV wäre jetzt auch nicht so hoch, das sie das ausgleichen können ), dann ist die Wahrscheinlichkeit einfach sehr hoch, das es sofort gefährlich wird und hinten der Baum brennt, wenn das Pressing einmal nicht greift. Ist die erste Pressing Linie erstmal überspielt und der Ball beginnt seine Reise in die andere Richtung, können große Teile der Dortmund Mannschaft alleine schon wegen ihrer fehlenden Geschwindigkeit kaum noch in die Zweikämpfe kommen oder eingreifen, wenn dies halbwegs sauber ausgespielt wird.

Unter diesen Grundvoraussetzungen ein System auf Pressing auszurichten und auch bei der Chancenkreation überwiegend darauf zu vertrauen, halte ich für hochriskant. Im Grunde würde ich sogar soweit gehen, das es über einen längeren Zeitraum mit Ansage zum Scheitern verurteilt ist, auch wenn mir statistisch nicht bekannt ist ob Pressingmannschaften ein besonders hohes Grundtempo benötigen.


Hier die Korrelationswerte für die mittlere Geschwindigkeit (gewichtet nach tatsächlichen Einsatzminuten) aller Bundesligisten 24/25 (nach Mannschaftsteilen) und dem Anteil der Tackles nach Spielfelddrittel:

Korrelation | Def 3rd | Mid 3rd | Att 3rd
Gesamt | -0,34 | 0,19 | 0,38
ohne TW | -0,27 | 0,06 | 0,41

Mannschaftsteile | Def 3rd | Mid 3rd | Att 3rd
Verteidiger | -0,47 | 0,20 | 0,59
Mittelfeldspieler | -0,31 | 0,37 | 0,12
Stürmer | 0,16 | -0,23 | -0,02

Positionen | Def 3rd | Mid 3rd | Att 3rd
IV | -0,34 | 0,03 | 0,56
AV | -0,37 | 0,38 | 0,22
ZM | -0,10 | 0,29 | -0,16
OA | 0,46 | -0,59 | -0,16
MS | 0,07 | -0,11 | 0,01
AV+ZM | -0,24 | 0,39 | -0,02

Es wird glaube ich schon deutlich, dass es vor allem in Sachen Kette und Geschwindigkeit einen Zusammenhang gibt, wie hoch man schieben und daher verteidigen kann. Die Kompaktheit bestimmt sozusagen der letzte Mann.

Das zeigt sich auch, wenn man die Korrelationswerte für die mittleren Geschwindigkeitswerte und PPDA sowie OPPDA berechnet:

| PPDA | OPPDA
Gesamt | -0,50 | 0,42
ohne TW | -0,37 | 0,42
Mannschaftsteile | PPDA | OPPDA
Verteidiger | -0,45 | 0,50
Mittelfeldspieler | 0,15 | 0,08
Stürmer | -0,30 | 0,13
Positionen | PPDA | OPPDA
IV | -0,30 | 0,45
AV | 0,04 | 0,29
ZM | 0,16 | -0,13
OA | 0,23 | -0,27
MS | -0,19 | 0,05
AV+ZM | 0,04 | 0,04

Allerdings bieten die Daten eben auch einen Hinweis darauf, dass die Spitze eben schneller aufgestellt ist als die Konkurrenz. Insbesondere mit Blick auf die OPPDA. Das wird aber eben auch nicht grundlos geschehen ...
BVB - Taktik-Thread |#937
02.09.2025 - 18:25 Uhr
Das Transferfenster ist geschlossen. Jedwede Bewertung ist natürlich vorläufig. Und dennoch: für mich haben wir auch für das derzeitige System nicht konsequent genug gehandelt. Denn selbst wenn wir das nun so spielen wollen, also mit drei IV, einer oder zwei Holding 6, zwei Wingbacks, zwei oder drei Zehnern (je nachdem wie viele 6er wir aufstellen), von denen einer eher als Kreativer, der andere als Abschlussspieler gedacht werden sollte, sowie einem Stürmer, fehlt immer noch einiges:

- Kovac sprach davon, dass wir keinen Flügelspieler suchen, weil wir mit Wingbacks spielen würden. Wenn wir unseren Kader aber mal anschauen, hätte man mit dieser Prämisse auf dem AV-Markt viel aggressiver zu Werke gehen sollen. Während Couto auch als RAV ein spezieller Spielertyp ist, der für mich viel Bewegung und Einbindung, kurz: Überladung braucht, dem dazu auch die letzte Endgeschwindigkeit abgeht, um Isolationen auszuspielen, ist Svensson ja eigentlich der LV-ZM-Hybrid, den Sahin gebraucht hätte, aber kein idealtypischer LAV. Trotzdem hätte ich verstehen können, wenn wir mit den beiden als 1a-Lösungen in die Saison gehen, allerdings haben wir dahinter m.E. überhaupt keine Wingbacks mehr. Bensebaini ist alles, aber kein Schienenspieler in einer Dreierkette, Ryerson dagegen ist der Prototyp eines defensiven AV in einer Viererkette. Mindestens auf links hätte man folglich einen Backup suchen müssen, der so talentiert ist, dass er Svensson mindestens Entlastung, bestenfalls aber auch ordentlich Druck machen kann. Bensebaini wird ja ohnedies eher als LIV eingeplant sein, sodass wir schon fast von Kabar als seinem Backup reden müssen, für den keine Leihe gefunden wurde.

- in der Spielverbindung haben wir uns m.E. schon verbessert, weil ich Bellingham trotz Tempodefizits aufgrund seiner Physis hier einiges zutraue und Chukwuemeka als Ballschlepper, der eben auch mal ein Dribbling mit Mann im Rücken gewinnen kann, auch sehr positiv zur Progression des Spiels beitragen dürfte. Dem entgegen steht Kovacs Vorliebe für Sabitzer und in Teilen auch Groß, wobei ich den neben Chukwuemeka und Nmecha weiterhin sehr wertvoll finde, da er das strategische und mithin auch das kreative Element in unserem Spiel steigern kann. Dass wir aber bei Sabitzer nicht auf einen Abschied hingearbeitet haben, ohne dass dieser natürlich garantiert wäre, sondern im Gegenteil Sabitzers Positionen gestärkt haben, halte ich für einen Fehler, da er weiter vorne als Pressingsspieler besser nutzbar wäre denn als 6er, hier aber auch ein gewisses Überangebot bereits da ist.
Übrigens fand ich.die zwei 6er vor der Kette gegen Union ganz gut, weil wir so öfter auch mal ins Zentrum spielen konnten. Dass Sabitzers Heatmap das so nicht hergibt, lag glaube ich an der 2. Hälfte, in der er weitaus öfter nach vorne durchgeschoben ist. Bedenklich war, wie hoch die Kette davor geschoben ist. Dieses Auseinanderfallen von zwei Mannschaftsteilen sollten wir unbedingt verbessern, nicht nur um den Ballvietrag zu stärken, sondern auch unser Pressing.
Mit Nmecha neben Bellingham würde ich mir aber ohnehin wünschen, dass einer von beiden auch immer etwas höher schieben kann, wobei insbesondere Nmecha die Grundgeschwindigkeit hat, die Räume auch allein zuzulaufen.

- als Kreative Spieler haben wir momentan Brandt und offenbar auch Chukwuemeka, wobei ich mir hier kein letztes Urteil erlauben mag. Er hat kreative Elemente im Spiel, aber ob dies für einen 10er ausreicht, wird sich zeigen. Dahinter würde ich noch Duranville anführen, der leider immer noch zu ungestüm in seinen Aktionen ist, während ich ihn physisch deutlich verbessert sah. Vor diesem Hintergrund kann ich zwar verstehen, dass man sich Sancho nicht 'gönnen' wollte, denke aber trotzdem, dass es ein Fehler war, ihn oder nicht zumindest seinen Spielertyp dazuzuholen. Denn ich könnte mir Spiele vorstellen, in denen es besser wäre, zwei Kreative aufzustellen statt zwei Abschlussspieler. Ferner würde man sich flexibler halten und.müsste nicht immer steif an der Dreierkette festhalten. Sollten Duranville und Campbell nun nicht die offene Lücke ausreichend füllen (dürfen), würde sich dieser Fehler manifestieren, denke ich.

- Gleichzeitig haben wir das Geld in den 4. Abschlussspieler gesteckt, was uns m.E. eben nicht unvorhersehbarer macht, wie Kehl.glaubt, sondern auf das Abstellen auf zwei Abschlussspieler beschränkt, weil.wir sonst niemals diesen vier Spielern ausreichend Spielzeit bieten können. Vermutlich rechnet man aber auch mit einem wahrscheinlichen Abgang Adeyemis/Beiers/Guirassys, aber das ist pure Spekulation.

Insgesamt könnte ich mir die obige Aufstellung achon funktional vorstellen, weil wir genug Restverteidigung haben, Spielverbindung, strategische Elemente, Kreativität und Abschlussspieler. Einzig die Breitengeberproblematik ist eben nicht gut adressiert, vor allem auf links, was Beier/Adeyemi schadet, da sie diea oft ausgleichen müssen, ohne es gut zu können. Im.Hinblick auf das Kreativitätsloch wird sich zeigen, ob Chukwuemeka die Ansprüche erfüllen kann und ob Brandt wieder konstant Leistung zeigt.

Prognostizieren kann ich die Entwicklung gerade schlecht. Ich denke, wir sind solide aufgestellt und haben so viel Qualität im Kader, dass wir unsere Mindestziele erreichen dürften.

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Probleme aber auch verstärkt werden, z.B. durch Gegner, die sich immer besser darauf einstellen, dass wir zu wenig Breite, zu wenig Kreativität, mit dem falschen Personal auch zu wenig Tempo und Pressingresistenz haben, sodass wir in eine negative Spirale geraten, an deren Ende der Zerfall des Systems stehen würde. Das ist ja irgendwo Sahin so ergangen, der die aggressive Manndeckung in der Liga unterschätzt zu haben scheint.

Was davon eintritt, weiß ich nicht, wir sind weder Fisch, noch Fleisch. Geht es gut, wünsche ich mir aber für kommende Saison zwei talentierte Wingbacks und einen kreativen OA, und das, während wir zudem zumindest größtenteils auch die Spieler mit auslaufenden Verträgen ersetzen müssten, wobei ich mit Brandt für ein geringeres Gehalt und mit weniger Spielzeit durchaus verlängern würde.
Geht es nicht gut, müssen wir kommenden Sommer den Markt ganz schön nach OA abgrasen, da wir eigentlich nur Duranville und Campbell ebenda haben...
-

•     •     •

Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.
- S. Beckett

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Mogli99 am 02.09.2025 um 18:30 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#938
08.09.2025 - 16:41 Uhr
Zitat von konnichiwaBVB
Zitat von mba123

Zitat von konnichiwaBVB

Für mich ist diese Saison eine sehr entscheidende. Einerseits brauchen wir gerade auch in der Liga einfach Ergebnisse und müssen uns hier über eine Saison klar auf CL Kurs bewegen und in der Lage sein dort ohne große zittern einzuziehen. In der CL lautet die Pflicht eigentlich Achtelfinale. Und im DFB Pokal wäre Viertel- oder Halbfinaleinzug frühestens etwas womit man zufrieden sein könnte. Wobei Frankfurt in der 2. Runde einfach ein sehr unglückliches Los ist. Aber in der 2. Runde schon rauszufliegen wäre einfach unbefriedigend.

Neben den reinen Ergebnisse sehe ich die Entwicklung der Mannschaft als ebenso wichtig. Aber ohne Ergebnisse wird hier auch keine richtige Entwicklung stattfinden.

Aber ich finde unseren Kader durchaus spannend. Unter Favre haben wir in der Spitze in unserem Kader schon einen Peak erreicht, der danach leider nicht richtig ersetzt werden konnte. Wir hätten dann in seiner letzten Saison mit einer Mannschaft bestehend aus Akanji, Hummels, Guerreiro, Witsel, Bellingham, Sancho, Brandt, Reus und Haaland spielen können. Da hat natürlich schon eine brutale Qualität. Trotzdem hat es damit insgesamt nur zu einem Titel gereicht, nachdem dann allerdings Terzic übernommen hat. Ein Problem war sicher die unterschiedlichen Entwicklungen in unserem Kader, indem manche wie Bellingham erst am Anfang ihrer Entwicklung waren, während andere aber bereits schon abgebaut haben, weil sie ihren Peak schon überschritten hatten. Und die Mannschaft hatte natürlich auch ihre Schwächen, so war sie immer wieder defensiv anfällig. Und unter Favre haben auch immer wieder Spieler wie Passlack, Schulz oder Bruun Larsen gespielt, z.B. Und gerade in der Breite sehe ich uns heute durchaus im Vorteil. Ist natürlich auch schwierig so ein Urteil zu sprechen, weil viele auch über Bensebaini, Ryerson, Can, oder Brandt unter anderem sagen werden, dass sie zu schlecht seien. Aber ein großes Fragezeichen besteht natürlich hinter vielen jüngeren Spielern, wie sie sich entwickeln werden. Ich würde hier auch Nmecha, Adeyemi, Beier, Svensson, Silva oder Couto mit dazu zählen, aber eben auch ganz junge Talente wie Jobe, Carney oder Duranville. Wir hatten in der Vergangenheit natürlich auch Spieler wie Dahoud, die eigentlich sehr vielversprechend aussahen, aber nie die nötige Entwicklung genommen haben. Das kann uns jetzt natürlich auch passieren. Aber ich traue den Spielern die nötige Entwicklung zu. Und dann hätte man einerseits mit Spielern wie Jobe, Carney, Duranville und Silva Spieler die uns für einige Jahre das nötige extra geben können, um uns dann bei einem wahrscheinlichen Wechsel hohe Einnahmen zu bescheren. Aber man hätte dann auch mit Schlotterbeck, Nmecha, Beier, Adeyemi, Svensson und vielleicht auch Couto, Spieler die hier für lange Zeit unser Gerüst bilden könnten. Zusätzlich zu bereits älteren Spielern wie Can, Brandt, Anton oder Ryerson, wobei davon auch erst Can über dreißig ist. Auch im Tor hat man mit Kobel eine ausgezeichnete Nummer 1, die nun doch langfristig bleiben könnte, aber man hätte im Zweifel noch Ramaj in der Hinterhand.

Ich sehe hierbei eigentlich weniger die Qualität der Spieler als Problem, sondern eher die taktische Herausforderung sie richtig einzusetzen. Wobei ich auch die Dreierkette nicht als Problem sehe, sondern eher wie man es im Detail umsetzt. Auch wenn das langfristig durchaus wieder eine Viererkette werden könnte. Ich hoffe schon das Kovac dies gelingt, da ich eben auch die Gefahr sehe, dass die Mannschaft bei allen vielversprechenden Anlagen und durchaus stimmiger Zusammensetzung, ohne dabei perfekt zu sein, bei Misserfolg trotzdem auseinanderbrechen kann. Während ich im anderen Fall, eine Mannschaft sehe, die sich entsprechend entwickeln kann, um dann auch tatsächlich Titel zu holen, und nicht nur knapp davor zu scheitern oder überhaupt Probleme zu haben in die CL einzuziehen.

"Ich sehe hierbei eigentlich weniger die Qualität der Spieler als Problem, sondern eher die taktische Herausforderung sie richtig einzusetzen."
Ich sehe es ähnlich, dass einige Spieler die Qualität haben, wenn sie taktisch richtig eingesetzt werden. Das haben diese Spieler eben auch schon gezeigt, nur hielt man nicht dauerhaft daran fest, meiner Meinung nach.

Allerdings würde ich es auch als Qualitätsfrage sehen, wenn Spieler nur in einem bestimmten Kontext Leistungsträger sein können.
Adeyemi und Beier konnten teilweise ihre Stärken voll einbringen. Aber selbst aktuell, wo sie eingerückt und offensiv agieren, sind die Rahmenbedingungen mit Guirassy und dem aufgebotenen Mittelfeld hinter ihnen, nicht unbedingt gut genug.
Das Profil ist demnach recht spitz und man muss erstmal eine Mannschaft hinbekommen, bei der dann auch die anderen Spieler ihre idealen Rollen bekommen.
Nmecha hat auch nur unter Sahin wirklich überzeugt. Unter Kovac war er, ebenfalls als Sechser eingesetzt, nicht sonderlich gut (weswegen wohl Sabitzer dort spielt). Und als Achter hat Nmecha bisher allgemein nicht genug gezeigt.
Bei Bellingham bin ich auch gespannt. Bisher sehe ich sein Profil auch nicht so breit angelegt. Es fehlt an Beweglichkeit und Dynamik, so dass er offensiv hier nie zum Leistungsträger werden dürfte. Auch als Ballschlepper oder Abfangjäger wird er wohl nicht seine Zukunft haben. Aktuell würde ich am ehesten eine Zukunft als Leistungsträger erwarten, wenn Bellingham als ballsicherer Verbindungsspieler im ZM eingesetzt würde. Dazu würde er dann bestimmte Mitspieler benötigen.
Aber okay, Bellingham finde ich noch etwas schwererer einzuschätzen. Aber auch hier könnte das Profil zu spitz sein, um zum Leistungsträger zu werden.
Bei Couto halte ich das Profil sowieso für zu spitz, der hätte nur Chancen als Schienenspieler und braucht auch dort bestimmte Konstellationen.

Ich denke daher, dass sich viele Trainer damit schwer tun würden, die Spieler gut einzubinden und das sehe ich auch Qualitätsfrage der Spieler.


Ich finde deinen Einwand berechtigt, auch wenn ich nicht vollkommen übereinstimme. Gerade bei Couto sehe ich ein sehr spitzes Profil. Da er defensiv einfach ziemlich große Nachteile hat, obwohl er schon sehr engagiert ist in der Rücklaufbewegung und im Pressing. Während ich ihn als reinen Flügelstürmer auch nicht stark genug sähe. Dennoch würde ich ihm als zusätzlichen Kreativspieler auf der Schiene nicht die Qualität absprechen. Aber gerade weil er doch ein ziemlich spitzes Profil hat, ist das etwas weswegen ich sagen würde, er könnte hier dauerhaft bleiben, auch wenn er bei uns funktionieren sollte. Er bringt schon seine Qualitäten mit, die sich durchaus mit dem decken können, was wir brauchen, ist aber auch niemand der so leicht einzubinden ist wie ein Hakimi oder Kostic bspw.

Bei Adeyemi und Beier bin ich gar nicht so sicher, ob ihr Profil wirklich so spitz ist. Ich denke schon, dass es eigentlich nicht so schwer sein sollte sie als sekundäre Abschlussspieler zu nutzen. Ob sie dabei auf dem Flügel starten, oder als HS agieren, finde ich nicht mal vorrangig. Aber es muss natürlich auch im Spiel vorbereitet werden, sie in diese Situationen zu bringen. Und da habe ich zur Zeit den Eindruck, dass eigentlich jeder Angriff das Ziel hat Guirassy in Szene zu setzen. Auch wenn hin und wieder mal Chancen für andere entstehen. Aber ich finde sie innerhalb des Profils das sie erfüllen, nicht so spitz, wie Couto bspw. Ist ja nicht so, dass sie nur schnell rennen können.

Jobe ist halt noch ein entwicklungsfähiger Spieler. Ist auch keine Selbstverständlichkeit mit 19 schon regelmäßig zu spielen. Ich hätte Witsel jetzt auch nicht im OM spielen lassen, trotzdem denke ich nicht, dass sein Profil zu spitz war. Und bei Jobe sehe ich auch mehr Potential auf den 6er und/oder 8er Positionen im ZM. Ich finde das ein ZM aus Nmecha und Jobe uns schon viel geben kann, da ich sie körperliche Robustheit, Pressing Resistenz, Ballsicherheit mitbringen. Sie geben uns die Gelegenheit den Ballbesitz mehr ins Mittelfeld zu verlagern, wodurch sich für uns auch nochmal mehr Möglichkeiten zur Spielkontrolle und mehr Lösungswege nach vorne eröffnen, mMn. Und mit Carney hat man zusätzlich jemanden, der mit beiden in Kombination passen sollte.

Im Moment scheint Kovac das Prinzip des einfachen Spiels sehr auf die Spitze zu treiben, indem eben der meiste Ballbesitz in der Kette bleibt und vorne alles auf Guirassy ausgerichtet ist. Ich denke man kann die Spiele schon kontrolliert angehen, vielleicht hin und wieder Druckphasen einbauen wie zu Beginn gegen Monterrey bspw., wo unser Spiel auch sehr schnell war, denke ich, aber man sollte das Mittelfeld mehr in den Ballbesitz einbinden, da sich durch mehr Möglichkeit eröffnen. Und vorne sehe ich die Notwendigkeit gar nicht, so abhängig von Guirassy zu sein, aber das ist dann auch eine Entscheidung, die man treffen, und in Form von Spielzügen einstudieren muss.

Das ist jetzt natürlich nur meine Meinung, ich weiß nicht, ob Kovac oder die Kaderplaner den selben Blick auf den Kader haben, aber für mich wäre das in etwa die Richtung, in die sich der Kader diese Saison entwickeln sollte.

--------------------------Guirassy---------------------------
---------------------------(Silva)-----------------------------
----------------Adeyemi------------------Brandt----------
----------------(Beier)-----------------(Duranville)-------
Svensson--------------------------------------------Couto
----------------Jobe--------------Nmecha-----(Ryerson)
-------------------------(Carney)-----------------------------
----Schlotterbeck-----------------------------Can---------
----(Bensebaini)--------Anton--------(Anselmino)-----

Ich habe einige Spieler ausgelassen, die auch eine Rolle spielen werden, die ich aber hinter den aufgezählten Spielern sehe. So hat Groß natürlich immer viel Spielanteile, aber ich sehe das Mittelfeld Jobe, Nmecha + Carney als meine bevorzugte Variante.

Ich finde damit lässt sich schon eine funktionierende Mannschaft aufbauen. Und dabei würde ich nur Coutos Profil als besonders spitz ansehen, aber ich finde schon, dass man ihn gut in die Mannschaft einbauen kann.

Bei der skizzierten Aufstellung finde ich die linke Seite zu spielschwach.
Adeyemi und Beier kreieren nicht viel, sondern sollten in Szene gesetzt werden.
Jobe und Svensson dahinter sind nicht sonderlich spielstark. Ich würde sie eher defensiver sehen: Mit Svensson als LV in der Viererkette und Jobe in der Doppelsechs könnte es eher passen. Denn so könnte man den dritten IV durch eine zusätzlichen kreativen, offensiven Spieler ersetzen (dürfte dann wohl Carney sein). Dieser könnte dann Adeyemi/Beier einsetzen und vielleicht auch mal nach links ausweichen, da sich dort weder Svensson noch Adeyemi sonderlich wohl fühlen und eher vereinzelt dort hinausrücken sollten.
Ich denke, so etwas in der Art wird benötigt. Ansonsten konnte man bereits sehen, meiner Meinung nach, dass Adeyemi und Beier eigentlich auch kreativ gefordert waren, dass aber kaum annahmen und auch eben nicht gut können. Eigentlich sollten daher andere kreativ sein, das fehlte aber und Adeyemi und Beier hatten Probleme.
Die Viererkette würde helfen, einen weiteren Kreativen auf den Platz zu bringen. Allerdings sähe es dann für Couto schlecht aus in einer Viererkette. Ohne Couto gäbe es wiederum rechts keinen guten Spieler für die Breite offensiv; wobei Couto bisher auch nicht gut war, aber immerhin Potenzial hat.

Vielleicht könnte im aktuellen Spielsystem auch Brandt links etwas unterstützen, aber eigentlich braucht auch Couto jemanden mit dem er kombinieren kann, denke ich. Denn Couto ist kein Alleinunterhalter, der sich isoliert durch dribbelt oder den Gegenspielern davonrennt.
Und allgemein dürfte Brandt sowieso öfters als Kreativer überfordert sein, bei der obigen Aufstellung, meiner Meinung nach.

Alternativ könnte Carney für Jobe spielen. Das sähe besser aus, meiner Meinung nach. Denn Carney macht offensiv viel mehr Betrieb. Er ist dribbelstark, kann Läufe mit Ball starten und Pässe in die Tiefe spielen (letzteres kann auch Jobe, denke ich; nur kommt er schwer in die Position dafür).
Leider hat Kovac Carney aber bisher nicht im ZM gesehen und nur offensiver gebracht. Dabei weiß ich nicht, wo das Problem liegt, wenn hinter Carney eine Dreierkette aufläuft, rechts neben ihn der defensivere Sechser spielt und links Svensson aufläuft, der bei Carneys Läufen einrücken und absichern kann.

Jedenfalls finde ich es schon schwierig, alles auf einander abzustimmen. Hierbei empfinde ich dann die Profile von Adeyemi und Beier als spitz, da sie neben einem klaren Mittelstürmer spielen sollen und dafür wenig Kreativität besitzen. Dabei haben bisher alle Trainer auf so einen MS gesetzt und Malen, Adeyemi und Beier bekamen oft zu viel Kreativaufgaben (je nach Gegner).
Problematisch dann eben auch, dass diese Spieler offensiv nicht die Breite geben sollten, was AVs wie Ryerson und Svensson schwierig macht, weil sie außen nicht viele Akzente setzen. Bei solchen AVs sollten die OAs viel Betrieb an der Seitenlinie machen, denke ich.
Jobe sehe ich dann auch nicht so kreativ, dass man vor ihm auf einen OA oder OM verzichten könnte, wie sie in typischen Viererketten Spielsystem vorhanden wären. Er sollte dann eher mit Nmecha konkurrieren, aus meiner Sicht. Oder man müsste die linke Außenbahn viel offensiver besetzen und statt Adeyemi/Beier Carney aufstellen; dann wäre aber eigentlich Beier statt Guirassy passender. Das kann man aber auch nicht machen.
Nmecha hat bisher nur konstant überzeugt, als wir viel Kontrolle im Aufbau wollten und er im Sechserraum gesucht werden sollte. Dieses Prinzip hat aber nur Sahin verfolgt. Mal schauen, ob Nmecha auch in anderen Spielsystemen funktioniert. Zumindest sollte er mal für ein paar Spiele statt Sabitzer gesetzt sein, meiner Meinung nach.

Carney sehe ich im Profil weniger spitz, weswegen ich über ihn versuchen würde, die Balance herzustellen (bei Carney sind's aber die Fitness-Bedenken). Bei den anderen sehe ich größere Anforderungen an die Rahmenbedingungen, die sie benötigen. Da muss der Trainer überhaupt erstmal ein Spielsystem haben, wo es eine passende Rolle für diese gibt und darüber hinaus braucht es bestimmte Mitspieler.
Ich denke zwar auch, dass man das hinkriegen kann. Allerdings ist das eben schwierig, wie wir unter verschiedenen Trainern in den letzten Jahren sahen.
BVB - Taktik-Thread |#939
26.10.2025 - 10:29 Uhr
Eine Frage an diejenigen die sich mit Taktik auskennen bzw. gerne damit beschäftigen:

Welche Funktion hat die Rolle des linken Stürmers bzw. was könnte Kovac' Intention dahinter sein? Denn, dass egal wer da spielt komplett vom Spielgeschehen abgeschnitten ist und hier heftig kritisiert wird kann mMn nicht nur mit der Leistung der Spieler begründet sein.
BVB - Taktik-Thread |#940
26.10.2025 - 11:41 Uhr
Zitat von halbini
Eine Frage an diejenigen die sich mit Taktik auskennen bzw. gerne damit beschäftigen:

Welche Funktion hat die Rolle des linken Stürmers bzw. was könnte Kovac' Intention dahinter sein? Denn, dass egal wer da spielt komplett vom Spielgeschehen abgeschnitten ist und hier heftig kritisiert wird kann mMn nicht nur mit der Leistung der Spieler begründet sein.


Teilweise halte ich die Schwierigkeiten schon für individuell begründet, weil keiner der dort eingesetzten Spieler gut zum Anforderungsprofil der Position passt, obwohl man eigentlich gar nicht von nur einem Anforderungsprofil reden kann, nicht nur wegen der unterschiedlichen Besetzungen, die man dort schon versucht hat. Teilweise ist es aber auch kollektivtaktisch begründbar, warum es auf der Position sehr schwierig ist Einfluss auf das Spiel zu nehmen.

Dafür würde ich gerne sehr weit ausholen. Hauptursache ist für mich dabei, dass wir in unserem System eine deutliche Asymmetrie drin haben, die schon im Aufbau beginnt. Je nachdem, wie uns der Gegner anläuft, tendieren wir schließlich dazu nicht in einer 3er Reihe aufzubauen, sondern in einer 4er Reihe, in der Svensson in aller Regel tiefer agiert als Ryerson, der meist sogar klar rausschiebt, weil Anton effektiv in die RV Position geht. In dem Moment wird die Anforderungen an den LA, dass er nach außen schiebt, um dem Spiel Breite zu geben. Käme er dann tatsächlich an den Ball, wäre er ziemlich isoliert, weil der nächste Mann dann schon Nmecha wäre, der aber im Aufbau auch seine Aufgaben hat und daher in aller Regel nicht schnell genug aufrücken kann. Keiner der eingesetzten Spieler ist dabei aber ein Spieler, dem Isolationen liegen.

Paradoxerweise war Gittens dafür die letzte gute Option, der unter Kovac aber kaum so eingesetzt wurde, weswegen im Sommer der transferpolitische Bedarf für einen Breitengeber links ja auch negiert wurde. Das sieht man auch weiterhin im taktischen Verhalten, indem der LA fast nie wirklich breit rausschiebt, sondern eher im Halbfeld bleibt. Man leugnet daher im Prinzip ein taktisches Problem, das sich eigentlich recht klar herauskristallisiert hat, weil Svensson aus dem Aufbau heraus dann meist auch nicht an der Linie durchgeht, selbst wenn er diese lange hält und schon gar nicht als große Gefahr wahrgenommen wird. Die Breite bleibt somit ungenutzt, was es dem Gegner einfacher macht stark auf unsere rechte Seite zu verschiebe und dort Absicherungen einzubauen, wodurch die Überlagerungen dort in aller Regel also gut aufgenommen werden können. Statt Isolationen draußen aufzulösen befindet sich der LA dann in einem dichter besetzten Raum, der es per se schwer macht es aufzulösen, zumal wir hier meines Erachtens auch kaum klare Abläufe drin haben, um bspw. Kombinationen zu versuchen. Meist versuchen wir den LA über Guirassy einzusetzen, was aber oft zu langsam ist, weil das Bällefestmachen nicht unkomplex ist und dann kann der Gegner auch schon wieder komplett zustellen.

Dazu verstärken wir die Asymmetrie oft auch noch über das Verhalten des RDM. Während der LDM in der Regel das Zentrum vergleichsweise klar hält, schiebt der RDM oft sehr weit raus, hält teilweise sogar die Linie, weil Ryerson an sich auch nicht gerne die Linie hält, obwohl man auf Grund seiner vielen Flanken (Ryerson schlägt 62% aller Flanken des BVB) auf eine andere Idee kommen könnte. Zusammen mit Adeyemi hat man rechts daher oft 3 Spieler, die die Seite überlagern, gegenüber oft nur einem Mann im linken Halbfeld, der bestenfalls noch von Svensson Unterstützung erhält. Aber eben später als rechts von Ryerson, auf Grund der Startpositionen. Mit dem deutlich präsenteren Groß, der noch dazu viele Flanken versucht, ist es dann gestern nochmal spürbar extremer geworden, im Vergleich zu Sabitzer, mit dem es aber grundsätzlich ähnlich abläuft, was das taktische Verhalten betrifft - die Unterschiede liegen mehr in der Umsetzung. Durch die Asymmetrie und daraus resultierende Überlagerung rechts ist es daher schon recht klar vorgegeben, dass bei uns mehr über die rechte Seite gehen muss. Das wird dann aber sogar nochmals weiter verstärkt durch Schlotterbecks starke Verlagerungen.

Bezüglich individueller Besetzung des LA gibt es dann meines Erachtens vor allem 2 Überlegungen im Ballbesitz - defensive Überlegungen also mal ausgeblendet: entweder man nutzt diese Position für einen Abschlussspieler, weil sowieso das Meiste über rechts geht oder man setzt dort auf einen verkappten 10er, der auch in engen Situationen immer wieder über Einzelaktionen kommt. So oder so geht es auf der Position aber damit nur um vereinzelte Aktionen und nicht um konstante Präsenz im Spiel, wegen der Asymmetrie und fehlenden Breite links, die der LA an sich herstellen müsste, aber keiner effektiv kann und wahrscheinlich sogar nicht mal soll. Der Abschlussspieler lebt dann davon, dass für ihn etwas abfällt, was rechts kreiert wurde, wobei an sich primär für den MS kreiert werden soll, wodurch man die Position dann fast schon als taktischen Müllsammler bezeichnen könnte. Der Kreative lebt dahingegen davon, dass Guirassy ihn einsetzt, weil kaum ein Plan besteht, wie man ihn ansonsten freispielt. In der rechten Spielhälfte gibt es schließlich für alle Spieler mehr Anspielstationen gegen vergleichbar viele Gegenspieler. Also geht der Ball nicht in den Raum, der 1gg1 erfordert, die gut abgesichert sind. Noch dazu, weil man sehr darauf bedacht ist unsinnige Ballverluste zu vermeiden, bei denen man wenig Mannstärke hinter dem Ball behält.

Ganz interessant ist in diesem Zusammenhang übrigens die gestrige Passmap: https://theanalyst.com/opta-football-match-centre?competitionId=6by3h89i2eykc341oz7lv1ddd&seasonId=2bchmrj23l9u42d68ntcekob8&matchId=dknvgto062tiwpf2rz16o8glw
Svensson und Guirassy (und umgekehrt) mit nicht einem Pass auf Chukwuemeka und die Spieler rechts draußen sind sowieso von ihm abgeschnitten! Der LA bleibt somit effektiv ein Iso-Spieler, aber in einem Raum, der klarer verdichtet ist und nicht für Breite sorgen kann, selbst wenn man dafür einen geeigneten Spieler hätte, den man nicht hat.
  Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?

  Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Diesen Beitrag alarmieren
  Lesezeichen
  Abonnierte Threads
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Guter Beitrag
  Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.