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Peter Bosz
Geburtsdatum 21.11.1963
Alter 62
Nat. Niederlande  Niederlande
Funktion Trainer
Akt. Verein PSV Eindhoven

Peter Bosz [Trainer]

06.06.2017 - 13:06 Uhr
Peter Bosz [Trainer] |#2411
27.09.2017 - 16:07 Uhr
Zitat von arche
Nach 6 Spieltagen in der BL mit 16 Punkten, 19:1 Toren und dem 1. Tabellenplatz sowie 2 Spieltagen in der CL mit 0 Punkten, 2:6 Toren und dem 3. Platz in der CL-Gruppe rankt sich die kontroverse Diskussion um folgende Fragen:

1. Ist das Bosz-System (hohes (Gegen-)Pressing) nur gegen die schwächeren Gegner in der BL erfolgreich?
2. Ist das Bosz-System gegen starke CL-Gegner und starke BL-Gegner, gegen die noch nicht gespielt wurde, zu risikoreich und führt zu Niederlagen?
3. Liegen Niederlagen und zahlreiche Torchancen auch der besiegten Gegner daran, dass das Bosz-System noch nicht gut genug funktioniert?
4. Haben Niederlagen und zahlreiche Torchancen auch der besiegten Gegner mit dem Bosz-System gar nichts zu tun, sondern sind sie ausschließlich individuellen Fehlern geschuldet?

Unabhängig davon, welche dieser Fragen man bejaht, es hat immer mit Bosz zu tun, denn auch individuelle Fehler können von einem Trainer "bearbeitet" werden.

Nach einem Sechstel der Saison, also auf schmaler Erfahrungsgrundlage, ist festzuhalten:

- Bosz ist in der CL bisher erfolglos.
- Bosz ist in der BL bisher herausragend erfolgreich, seine Mannschaft hat allerdings noch nicht gegen sogenannte starke BL-Vereine (bis auf BMG) gespielt.

Ich habe zwar auch bezüglich der CL-Spiele gegen Tottenham und Madrid vor den Risiken des extrem hohen (Gegen-)Pressings gewarnt, neige aber nach dem Spiel gegen Madrid zu einer Mischung aus Kritik am zu starren System und Kritik an individuellem Spielerverhalten, denn die Tore von Madrid sind nicht aus klassischen Konterchancen gefallen (obwohl Madrid auch auf diese Weise Chancen hatte), sondern "aus dem Spiel heraus" - das 3. Tor von Tottenham übrigens auch.

Das führt mMn nach zu folgenden Vorschlägen, die selbstredend keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben:

- Laufwege im Pressing automatisieren
- Dreiecksbildung ausbauen
- Rückwärtsbewegung beschleunigen
- engeres Deckungsverhalten einüben
- körperbetontes Tackling trainieren
- Abseitsfalle perfektionieren
- Stellungsspiel verbessern
- Spielverständnis/Raumdeutung trainieren (auch theoretisch)
- extrem hohes Pressing gegen sehr starke Gegner in hohes Pressing umwandeln
- Verlagerung auf Umschaltspiel und Konterspiel aus der eigenen Hälfte einüben, wenn das Pressing (aus welchen Gründen auch immer) mal nicht funktioniert

Klar, nun müsste ich diese einzelnen Aspekte noch genauer ausführen, aber das würde selbst den Rahmen meiner ohnehin häufig schon sehr langen Beiträge sprengen (vielleicht könnte man sich hier ja mal einzelne Aspekte genauer vorknöpfen).

Die Hintergrundfrage aber lautet noch anders: Hat der BVB den Kader, um in diesen Bereichen noch stark zuzulegen? Meines Erachtens nur, wenn bestimmte Spieler fit und in Form sind und dazu gehören eben auch die zur Zeit noch nicht einsetzbaren Reus, Guerreiro und Schmelzer und der aus mir unbekannten Gründen gegen Madrid noch nicht eingesetzte Bartra.

Harsche Kritik an Bosz ist mMn noch eindeutig zu früh. Nach den Spielen gegen Leipzig, München, Schalke, Leverkusen und Hoffenheim in der BL werden wir erst wissen, wie erfolgreich der BVB national ist. Warten wir ab, ob der BVB Nikosia in der CL ebenfalls so klar besiegen kann, wie es Madrid und Tottenham getan haben und ob der BVB am 21.11.17 Tottenham im Heimspiel schlagen und den direkten Vergleich gewinnen kann.

Es ist wie immer. Erst mit Beginn der Winterpause haben wir ein klares Bild vor Augen. Aber während des Wartens macht es ja auch Spaß schon mal Vermutungen und Zwischenbeobachtungen zu diskutieren.


Schönes, sachliches Posting. Sehe vieles ähnlich. Ich möchte auf zwei Punkte eingehen. Zur Hintergrundfrage - Ist es möglich, dass man Ballbesitzfußball mit extremen Gegenpressing auf hohen Niveau mit unserem Kader kombinieren kann? Letztlich, da hast Du Recht, wird man die Frage erst im Winter beurteilen können und selbst dann wird es keine einheitliche Meinung geben. Und ich möchte auch gerne im Vorfeld die bisherigen Leistungen diskutieren. Wer dies nicht möchte, muss das ja auch nicht tun.

Welche Mannschaften konnten denn bislang so eine Taktik durchbringen? Die Vorteile liegen auf der Hand. Wer den Ball hat, kann Tore schießen. Wer die Gegner früh presst, kann im Erfolgsfall sofort gefährlich werden. Nachteilig ist aus meiner Sicht aber eben, dass der Gegner sich komplett auf dieses System einstellen und einlassen kann. Siehe Tottenham. Diese mussten selbst quasi nichts tun. Sie konnten aus der Defensive das Spiel kontrollieren und und auskontern. Über die bekannten Schwachstellen der Restverteidigung. Diese besteht oft nur aus 2-3 Spielern, die eingreifen können, wenn die Pressinglinie überspielt wird. Und so hoch wie wir ständig stehen, können die Räume nicht verteidigt werden, wenn der Gegner gut spielt. Dies machen andere Mannschaften, die intensiv pressen anders.

Die Tore gegen Real fielen im Gegensatz zu den ersten beiden gegen Tottenham nicht aus solchen Situationen. Das 0:1 fiel, weil die Viererkette sich nicht einig war und bei Sokratis seinen Mann nicht übernimmt, sondern CR7 doppelt. So heben die IV das Abseits auf und Bale steht blank. Beim 0:2 ist es auch kein Konter, aber zeigt auch, wie hoch auch hier die Vierkette steht. Dazu agiert man wieder nicht synchron. Aber es beginnt damit, dass das Mittelfeldpressing aus Sahin, Yarmo und Castro gar nicht greift und es dann einen Pass in die Schnittstelle gibt. Gegen Bale und CR7....das ist dann kaum zu verteidigen. Bei 1:3 ist man hinten offen.

Die Verbesserung der Laufwege. Pep und Nachahmer setzen hier auf klares Positionsspiel. Dies erkenne ich bei Bosz nicht in der von mir gewünschten Weise. Es ist ja auch kein bes. Merkmal der holländischen Fußballschule. Und Positionsspiel ist der beste Gegenpresser smile. Und wer im Ballbesitz ist, kann kein Gegentor kassieren. Diese Leitlinien des Barcas Spiels (eine Verbesserung des Hollandfußballs) würde ich mir auch (mehr) bei uns wünschen.
Peter Bosz [Trainer] |#2412
27.09.2017 - 16:07 Uhr
Würde mich interessieren, ob man in Hoffenheim auch alles infrage stellen würde, wenn man gegen den BVB 1:3 verliert.
Peter Bosz [Trainer] |#2413
27.09.2017 - 16:11 Uhr
Zitat von mba123

Ich halte die Frage nach dem System für durchaus berechtigt. Schließlich sahen wir gegen Real Madrid in den letzten Jahren (besonders Zuhause) sehr gut aus.
Grundsätzlich waren wir in diesen Spielen individuell immer unterlegen. Meiner Meinung nach waren wir aber auch immer taktisch stärker als Real, so dass die Spiele zumindest ausgeglichen waren.

Genau wie Du, denke ich, dass eine generelle Änderung unserer Taktik keinen Sinn macht, da wir sehr erfolgreich sind, wenn es um unser täglich Brot und Butter geht.
Aber ob Bosz's Matchplan auch gegen individuell besser besetzte Mannschaften der richtige ist, weiß ich nicht.

Gegen Real hatten wir jedenfalls weniger Zugriff als es in den letzten Jahren der Fall war.
Vielleicht war Real besser eingestellt als sonst oder Bosz's Taktik ist noch nicht genug verinnerlicht. Eventuell bleiben aber auch die Überraschungserfolge unseres BVBs aus, weil Bosz's Taktik den großen Vereinen in die Karten spielt.
Welcher Punkt nun zutrifft und was uns in zukünftigen Spitzenspielen erwartet, halte ich für eine berechtigte und interessante Diskussion.


Ich fand nicht das wir in nur einem Spiel die letzten Jahre stärker gegen Real waren, im Gegenteil, wir lagen letzte Saison immer hinten gegen sie, im Rückspiel sogar 2:0 hinten, beide Treffer zum Ausgleich schafften wir kurz vor Schluss, wir spielten gegen Warschau 8:4, gegen Lissabon knapp 1:0 daheim gewonnen, gegen Benfica haben wir das Hinnspiel 1:0 verloren etc...

Aber eben gegen Real gab es genau ein einziges Spiel wo wir sie tatsächlich dominiert haben in allen Belangen und das war das 4:0 wo Lewy komplett eskallierte bzw das ganze Team, dann im Rückspiel haben die uns schon in Grund und Boden gespielt und wir haben gerade eben noch so das 2:0 gerettet und sind ins Finale gezogen.

Es ist einfach nur befriedigender wenn man eben bei einem Stand von 1:2 dann kurz vor Schluss noch das 2:2 schafft als wenn es anders läuft wie gestern und wir dann eben das 1:3 kassieren. Nicht mehr und nicht weniger, dominiert haben sie uns trotzdem, auch letztes Jahr, Spielglück braucht man immer gegen Spitzenteams, dass zeigt einfach die Vergangenheit, erwischt man einen falschen Tag wird man sogar weggebombt wie es uns ab und an mal gegen Bayern passiert, erwischt man einen überragenden Tag und Real mal den falschen, dann kann man sie auch mal 4:0 aus dem Stadion schießen, aber wenn die nur einen halbwegs vernünftigen Tag erwischen, läufts wie gestern, wir haben das 1:2 gemacht, müssen umstellen und Risiko gehen, mal klappts, mal läuft der Ronaldo halt durch und schaut Bürki aus. gegen Tottenham machen wir sogar das 2:2, es zählt einfach nicht, wichtig ist dass wir überhaupt in Situationen kommen da mitspielen zu können und dass war in beiden CL spielen bisher absolut der Fall, meiner Meinung nach, ich glaube auch nicht das Bosz so ein Sturkopf ist, der wird aus solchen Spielen schon lernen und sicherlich im nächsten Spiel gegen ein vermeintliches Spitzenteam hier und da Veränderungen vornehmen, dazu muss er aber auch erstmal die Chancen bekommen solche Spiele bestritten zu haben, ich find es halt frech in einem Spiel vorher gegen ein Team wie Real sagen zu können, des kann nicht gutgehen mit so einem System, dann fertigt uns Real ab und dann hinnstellen und den Fußballguru miemen (natürlich nicht du damit gemeint)

Was, Real kann gewinnen egal gegen wen?! Hätte ich im leben nicht erwartet, seit wann sind wir nicht mehr Top 3 Europas?! Halt Stop...?? Lachend
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BvB_4_ever am 27.09.2017 um 16:15 Uhr bearbeitet
Peter Bosz [Trainer] |#2414
27.09.2017 - 16:20 Uhr
Ich stelle mir vor, gestern hätte Tuchel auf der Bank gesessen, auf 5-4-1 umgestellt, am 16er verteidigt, wir hätten verloren. Die Reaktion wäre: Vercoacht! Warum spielen wir zu Hause so ängstlich?
Bosz bleibt sich treu, stellt im Wesentlichen nicht um und die Reaktion ist: Vercoacht! Wir spielen zu offensiv!
Und dann installiert man noch Floskeln wie: "Wir wussten, wie der BVB spielt." vom Siegerteam und macht ein Riesen-Fass auf. Oha! Wenn so der Tenor ist, dann kann Bosz kein Taktikfuchs sein!
Manchmal frage ich mich echt, in was für einer Welt wir leben. Die Reaktionen hier im Forum sind weitestgehend leichter zu antizipieren, tritt dieses oder jenes Ergebnis ein, als der tolle Pass von Kroos gestern übrigens.
Gewinnt das Team, sind's immer "supa Spiela!" Verliert das Team braucht's 'nen Sündenbock. Sündenbock kann der Trainer am Besten.
Sündenbock ist i.d.R. immer die Autorität; Merkel, Gabriel, Watzke, Bosz... Ist mir persönlich zu eindimensional und viiiieeeel zu sehr vereinfacht.
Peter Bosz [Trainer] |#2415
27.09.2017 - 16:22 Uhr
Zitat von Zersorger
Zitat von Gandalf23

schaut euch mal an warum Pep Guardiola in seinen drei Jahren bei den Bayern es nie geschafft hat ins Cl Finale zu kommen!
...dann wisst ihr warum das Bosz System gegen die Topteams leider nicht das beste ist rolleyes


Ja, Bosz hat eine Glatze. Pep hat eine Glatze. Aber wieso heißt der Wolpertinger jetzt Franz-Wilhelm? Rot hätte doch als Anstrich gereicht?!


Made my day
Peter Bosz [Trainer] |#2416
27.09.2017 - 16:28 Uhr
Zitat von 16Seconds

Gewinnt das Team, sind's immer "supa Spiela!" Verliert das Team braucht's 'nen Sündenbock. Sündenbock kann der Trainer am Besten.
Sündenbock ist i.d.R. immer die Autorität; Merkel, Gabriel, Watzke, Bosz... Ist mir persönlich zu eindimensional und viiiieeeel zu sehr vereinfacht.


Na klar, wenn du eine Meinung zu etwas schreibst von der du keinen blassen schimmer hast, klingts immer relativ eindimensional, meistens mit ein paar mal *räuspern und *husten dazwischen... grins

Sieht man hier doch in relativ häufiger Form bei diversen Posts der vermeintlichen Super-Trainer von TM. smile
Zidane ist halt geil, wir wussten wie sie spielen, hahaha, dachte man reist vor so einem Spiel ohne Infos an und lässt es einfach auf sich zukommen, hahaha, Zidane ist einfach cool, ich mochte ihn schon immer. smile
Peter Bosz [Trainer] |#2417
27.09.2017 - 16:41 Uhr
http://www.sport1.de/fussball/champions-league/2017/09/pleite-gegen-real-madrid-peter-bosz-bvb-noch-nicht-reif-fuer-Europa

Recht guter Kommentar von Sport1 finde ich . Geht ein wenig gegen den seit gestern vorherrschenden Trend der monokausalen Erklärungen und des Schwarz-Weiß Denkens.

•     •     •

da war noch ein Abwehrbein dazwischen...
Peter Bosz [Trainer] |#2418
27.09.2017 - 17:00 Uhr
Mal eine Ernsthafte Frage, wieso vergleicht man Bosz jetzt schon mit anderen Trainern? Da fallen Namen wie Klopp, Tuchel und Pep. Wem nützt dass denn? Bosz is Bosz wie ein Klopp halt ein Klopp ist. Wenn man Kommentare liest wie unter Klopp hätte man gegen Real nicht verloren usw. Kann mich noch gut erinnern wie Klopp ebenso attestiert wurde er halte zu Stur an seinem System fest was dann auch jeder Bundesligist damals durchschaut hat und in der CL war dann nach 2013 auch nicht mehr viel los. Tuchel war wohl Charakterlich ein Problemfall, hat uns immerhin den Pokal beschert. Tuchel wurde unterstellt er rotiere zuviel, versucht Pep zu sehr zu kopieren usw. Aber das is halt Tuchel. Pep erklärt sich von selber International bei Bayern auch nichts geholt dafür National viel gewonnen.
Gebt Bosz doch noch Zeit, er kommt von Ajax das war mal ein großer Club, Dortmund ist mittlerweile größer.
Wenn wir in 1-2 Jahren sollte man sich International Qualifizieren immer noch so einfach ausgespielt werden dann wäre Kritik definitiv angebracht. Man muss jetzt nicht den Teufel an die Wand malen, Bosz lernt doch ebenso noch dazu er wird auch bald unliebsame Entscheidungen treffen müssen was einzelne Spieler anbelangt. Es kommen immer mehr Verletzte zurück, da wird dann auch nicht für jeden Platz im Kader sein. Bosz muss halt noch die Defensive optimieren, ich hoffe ihm gelingt das. Aber jetzt schon infrage zu stellen ob er der richtige ist, ist einfach Momentan total fehl am Platz!
Peter Bosz [Trainer] |#2419
27.09.2017 - 18:12 Uhr
Man muss die Sache natürlich schon differenziert sehen. Natürlich ist es völliger Schwachsinn jetzt über den Trainer zu diskutieren und schon quasi im Raum stehen zu lassen, dass er nicht der Richtige ist. Wir haben gestern gegen Real Madrid, die derzeit beste Manschaft der Welt gespielt. Natürlich kann man gegen die verlieren. Ich gehe aber nicht mit einigen Usern hier konform, dass es gestern(erneut) vor allem an individuellen Fehlern unserer Spieler lag und nicht am Spielsystem, oder das wir insgesamt fast gleich viele gute Torchancen hatten wie Real. Aber der Reihe nach...

Ich hatte es gestern ja schon kurz angesprochen. Ich halte unseren Fussball für die Liga gegen jeden Gegner(vielleicht mit der Außnahme Bayern) für die richtige Wahl. Wir sind in 90% der Spiele der Favorit, uns wird sowieso der Ball überlassen, also warum dann nicht gleich super offensiv spielen und die Gegner dominieren? Halte ich wie gesagt für genau die richtige Herangehensweise und mich begeistert unser Fussball bisher auch total. So will ich unsere Mannschaft spielen sehen. smile

Warum aber halte ich eine Anpassung der eigenen Herangehensweise gegen Topgegner(Real, Barca, Paris, Juve, Bayern, City etc) für sinnvoll? Vor 2 Wochen hatte ich schon versucht diesen Punkt zu erklären:

Nun, meiner Meinung nach(klar kann ich mit der Einschätzung auch komplett daneben liegengrins) funktioniert dieser extrem offensive Ballbesitzfussball(welcher in dieser aggressiven Form zur Zeit hauptsächlich nur wir und Pep spielen lassen), mit der Viererkette an der Mittellinie stehend, im Kern nur, wenn du deinem Gegner individuell in den wichtigen Mannschaftsteilen überlegen bist. Das ist meine Beobachtung in den letzten Jahren.
Barca beispielsweise hatte von 2009-12 das mit Abstand beste ZM der Welt mit Busquets/Xavi und Iniesta. In Sachen Balldominanz und Pressingresistenz einfach einzigartig und es wird vielleicht nie wieder etwas Besseres geben. Dazu kam dann noch mit Messi der beste Offensivspieler der Geschichte, der unfassbar stark auf engen Räumen ist/war, mit Dani Alves der beste offensive RV der letzten 10 Jahre, Puyol, Villa, Henry usw, usw. Diese Mannschaft war schon von der reinen individuellen Klasse jedem anderem Team zu jener Zeit überlegen, dazu kam dann natürlich noch das überragende Positionsspiel von Pep, wo er meiner Meinung nach unerreicht ist. Trotz all dieser Genialität hat es bei den Bayern aber "nur" dazu gereicht die individuell teils krass unterlegenen Bundesligamannschaften vorzuführen und nach Belieben zu dominieren. Ist man in der CL auf Mannschaften getroffen die über die selbe individuelle Klasse verfügen wie die Bayern(Real, Barca, teilweise Juve und Atletico) hatte man mitunter große Probleme und war mitnichten überlegen.

Warum ist das so?
Wenn ich nach Ballverlust sofort und aggressiv ins Gegenpressing gehe und meine Spieler drauf gehen bin ich natürlich darauf angewiesen, dass ich da dann nen Ballverlust des Gegners provoziere, ansonsten wird's brenzlig, weil ich in meinem Rücken riesige Räume offenbare. Kombiniert sich der Gegner dann nämlich raus, hat er riesige Räume zu Verfügung und es entsteht im Normalfall ne große Torchance. In der Liga sind die meisten Teams aber überhaupt nicht in der Lage, diesem großen Druck stand zu halten und brechen unter ihm quasi zusammen und werden erdrückt, weil sie schlicht nicht die Qualität und Ruhe am Ball haben, um unter diesem großen Pressingdruck zu bestehen. Genau deshalb ist diese Spielweise für den Ligaaltag auch genau die Richtige für uns. Wenn das Gegenpressing klappt ist das natürlich traumhaft. Du baust ne enorm hohe Dominanz auf, der Gegner kommt kaum noch aus der eigenen Hälfte raus und wird erdrückt. So entstehen dann halt auch mal knapp 80% Ballbesitz wie gegen Gladbach. Und selbst wenn der Gegner in der Liga sich mal befreit, haben sie in der Regel nicht die Qualität um das konstant zu bestrafen. All das haben wir in dieser Saison schon gesehen. Geht der Plan auf ist diese Spielweise natürlich super und sehr attraktiv. Zur Veranschaulichung hier mal ein paar Gegenpressingszenen von einem Barcaspiel unter Pep gegen Sevilla.
Das ist die pure Dominanz.

So, die Situation stellt sich dann aber gegen Gegner mit größerer individueller Klasse anders dar. Da stehen dann halt Spieler auf dem Platz, die den Ball dann halt auch unter Druck meist noch präzise zum Mann bringen können und dann läufst du mit deinem hohen Pressing halt schnell mal ins Leere und siehst blöd aus. Hier mal ein paar Szenen von den Bayern unter Pep.

Auch Real hat gestern einige Male bockstark von hinten heraus unter Druck aufgebaut.
Wir haben ja zu Beginn sehr sehr aggressiv begonnen und ein Casemiro hatte am Anfang auch ein, zwei Ballverluste, bzw. Fehlpässe, Real hat sich darauf aber schnell gut eingestellt und wir sind dann sehr oft ins Leere gelaufen. DIe 4er Kette hatte eine immens große Ballsicherheit, dazu kommen dann halt Spieler wie Modric, Kroos und Isco im ZM/OM. Ballsicherer und pressingresistenter wirds aktuell im Weltfussball nicht mehr. WIr sind da dann halt eben schnell an Grenzen gestoßen(was nicht schlimm ist) und konnten oft nicht richtig ins Gegenpressing kommen, was zu einem großen Teil an Real's Klasse lag. Versucht hat man es, man ist 8 Kilometer mehr als der Gegner gelaufen, obwohl man sogar etwas mehr Ballbesitz als Real hatte.

Was mir dann in den Spielen gegen Real und die Spurs auch noch aufgefallen ist, dass die Mannschaft (noch) nicht wirklich weiß auf welche Art sie verteidigen soll, wenn das Gegenpressing mal ins Leere läuft und man eben nicht den Ball schnell wieder in den eigenen Reihen hat. Da wirkt mir das Verteidigungverhalten noch viel zu unkoordiniert.

- Thema Chancenqualität:

Es stimmt zwar, dass wir gestern wie Real auch 16 Torschüsse hatten, die Qualität der Schüsse war aber bei Real deutlich höher! Unser xG-Wert lag bei 1,17, der von Real lag bei 2,71 war also weit mehr als doppelt so groß.
Real hatte von ihren 16 Torschüssen 15 Abschlüsse in unserem 16er und dementsprechend 10 Schüsse auf's Tor, wir dagegen hatten nur 6 Schüsse in Real's 16er und 4 Schüsse auf's Tor. Allein 7 Schüsse von uns wurden aus 20 Metern Entfernung und mehr abgegeben. Bei Real war jeder Abschluss innerhalb von 20 Metern Torentfernung. Das ist ein deutlicher Unterschied in der Chancenqualität.
Und es ist auch nicht wirklich richtig, dass Real vor allem am Ende viele Torschancen hatte. 10 ihrer 16 Torschüsse hatten sie vor der 60. Minute.

- Thema "individuelle Fehler":
Natürlich haben wir in diesen 2 CL-Spielen teilweise große individuelle Fehler gemacht. Aber das ist doch irgendwo nur folgerichtig. Eines muss ja klar sein. Wenn ich so aggressiv und offensiv spiele, mit der 4er Kette 50 Meter vor dem eigenen Tor, muss ich 90 Minuten höchst konzentriert agieren und darf mir keine großartigen individuellen Patzer erlauben, weder im Aufbauspiel noch im Stellungsspiel und in der Staffelung im Gegenpressing, weil jeder Fehler auf diesem Niveau meistens sofort eine große Torchance des Gegners bedeutet. Man stand zwar mit der Kette im Schnitt um die 5 Meter weiter hinten als gegen Gladbach oder Köln, ist aber immer noch sehr großes Risiko gegangen und stand insgesamt deutlich höher als Real!

Das Problem ist, dass diese aggressive/offensive Spielweise individuelle Fehler einzelner Spieler meiner Meinung nach krass fördert, weil sie unter einem viel höheren Druck stehen und einen viel größeren Raum alleine zu verteidigen haben, als wenn ich mit der Kette 15-20 Meter weiter hinten stehe.
Auch im Bayernforum war von vielen Usern unter Pep in den großen Spielen oft zu lesen, dass er taktisch nicht viel falsch gemacht habe, dass die Spieler einfach zu viele individuelle Fehler gemacht haben und er dafür ja nichts könne. Teilweise ist das ja auch richtig, aber es ist halt einfach verdammt schwer über 90 Minuten gegen Topgegner, die ein Pressing mit ihrer Klasse auch mal umspielen können, oder deren Trainer sich taktische Gegenmaßnahmen einfallen lassen so konzentriert zu bleiben, dass du wenige gefährliche Ballverluste hast, oder beim gegnerischen Konter keine Stellungsfehler begehst und zu jeder Zeit 40-50 Meter freie grüne Wiese hinter die verteidigen kannst, oft dann alleine im direkten Duell mit den gegnerischen Offensivspielern, die mit viel Raum und Fullspeed auf dich zukommen, ohne größere Hilfe von Mitspielern, weil die bereits überspielt sind.

Meiner Meinung nach ein Ding der Unmöglichkeit gegen Topgegner, die mehr individueller Klasse haben als man selbst mit dieser Spielweise was zu gewinnen. Selbst ein Guardiola hat es bei den Bayern mit zigfach höherer individueller Klasse im Vergleich zu uns in den ganz großen Spielen nicht hinbekommen und die Bayernmannschaft war von 2014-2016 rein individuell betrachtet mit den großen Gegnern auf Augenhöhe. Wir sind das eben nicht. Da macht ein Sokratis halt mal Stellungsfehler, Pischu fabriziert einen leichten Ballverlust, da ist ein Toljan es halt nicht gewohnt 50 Meter freie grüne Wiese hinter sich zu verteidigen, da stößt ein Sahin halt einfach an seine Grenzen und kommt nicht hinterher, da tut jede schlechte Ballannahme von Auba im Vergleich zur Liga weh etc. Diese Fehler wirst du zum großen Teil von unseren Spielern auf dem Niveau immer sehen. Deshalb spielen die ja bei uns und nicht bei Real oder Barca. zwinker

Was ich damit letztendlich ausdrücken will ist:
Auch wenn unser Team mit zunehmender Zeit immer besser in das Boszsystem reinfindet, Spieler wie Guerreiro, Reus oder Schmelle zurück kommen und wir insgesamt noch stärker werden dürften, glaube ich nicht, dass wir gegen Gegner, die mehr individuelle Klasse haben(Gegen einen Gegner vom Kaliber Tottenham dürfte unser Spielstil bei guter Umsetzung durchaus aufgehen, wie man an der sehr starken 1. Hälfte teilweise gesehen hat) mit dieser Herangehensweise großen Erfolg haben werden. Dazu haben wir am Ende dann eben doch nicht genug individuelle Klasse, damit unsere Spieler auf diesem Niveau so wenige Fehler machen wie es nötig wäre. Dazu verlangt diese Spielweise gegen Topgegner eine zu große Perfektion, die du über 90 Minuten nur schwer wirst liefern können. WIe gesagt, selbst ein Guardiola, der bei aller Liebe dann doch nochmal ein anderes Kaliber ist als Bosz, ist mit einer individuell klar besseren Mannschaft im Vergleich zu uns(vor allem auch in der Defensive!) mit seiner offensiven Herangehensweise gegen die großen Gegner am Ende gescheitert.
Dass heißt natürlich nicht, dass wir gegen solche Gegner anfangen sollen zu mauern, ne bessere Balance zwischen Offensive und Defensive müssen wir in unserem Spiel gegen solche Gegner aber schon hinkriegen.

Ich habe kein Problem damit, wenn Bosz hier mit seiner Taktik in der CL im ersten Jahr "auf die Schnauze fliegt" und wir in der RR in der EL weiter kicken. Es ist seine erste CL-Saison, Dortmund ist sein erster größerer CLub. Er darf und muss das alles erst lernen. Und ich bin gar nicht mal so pessimistisch, dass er aus diesen Spielen seine Schlüsse ziehen wird und wir in Zukunft gegen solche Kaliber etwas besser aussehen. Die perfekte Taktik gibt's aber natürlich so oder so nicht, dass ist mir natürlich auch klar und die meisten Spiele gegen solche Kaliber können wir auch gut und gerne mit einer anderen Herangehensweise verlieren...

Bis jetzt bin ich mit dem Saisonstart, trotz der 2 Cl-Pleiten, sehr zufrieden. Gebt dem Mann zeit.smile

•     •     •

"Bürger marschierten für das Abendland unter'm Hakenkreuz, Parallel dazu erschoss 'n weißer Cop 'nen schwarzen Jung'
Währenddessen wurd' jemand gefoltert in Guantanamo. Und ISIS-Kämpfer köpften Christen in orangenen Kostüm'n
Unsere Geschichte bestand nur aus Sklaverei und Krieg. Wir war'n uns zu fremd, um uns anzuseh'n als Kollektiv
Und als Kolumbus in Amerika ankam, zückte er seine Knarre und sagte dann zum Indianer..."
Peter Bosz [Trainer] |#2420
27.09.2017 - 18:46 Uhr
Zitat von BVBBC

Zitat von Tarkleigh

Dann sollten sich Aki und Susi aber mal stark hinterfragen, ob man sich nicht mehr auf die Suche nach einer Alternative anstatt auf die Demontage des damaligen Trainers hätte konzentrieren sollen.



Womit du nur nochmal bestätigst, dass die Diskussionen keinesfalls von dir ausgehen ...


Wenn du dich erinnerst, ging es mir um sinnlose Trainer-Vergleiche und ich bin sicher nicht gestern um Punkt 22:30 hier reingekommen und habe "Mit Tuchel wäre das nicht passiert" geschrieben.

Und mein Satz war Konjunktiv II d. h. wenn @HaHa recht hätte und man von Bosz aus den genannten Gründen nicht mehr erwarten könnte, dann müssten sich Aki und Susi fragen, ob ein andere Trainer nicht besser gewesen wäre. Glücklicherweise traue ich Bosz mehr zu, erwartet aber auch mehr von ihm. Ich denke, unsere Führung sieht das ähnlich, die Ansprüche würden jedenfalls meines Wissens nach im Vergleich zur letzten Saison nicht runtergeschraubt.

Zitat von BVBBC

Zitat von Tarkleigh

Ich sehe auch gewisse systemische Risiken in Bosz’ Spielweise, allerdings kamen dieser bisher nur in der CL im großen Maße zum Tragen. Für eine endgültige Beurteilung ist es daher noch zu früh und man sollte nicht vergessen, dass Taktik nicht alles ist. Ein Zidane bringt auch einige Menschen bei Spielverlagerung zur Weißglut, hat aber erfolgreich den Henkelpott verteidigt. Für Panik besteht also kein Anlass, aber man sollte auch nicht alles unter den Teppich kehren und nur wieder rumpöbeln, dass die Kritiker doch eh keine Fans wären.



Auch gestern hat Zidane 3 unorthodoxe Lösungen präsentiert, die bei Spielverlagerung höchst kontrovers diskutiert werden dürfte, weil darin enormes Risiko enthalten waren, dass der BVB das als Schwachpunkte ausnutzt, weil bspw. viel Platz hinter den AV war und auch die AV des BVB genug Möglichkeiten nach vorne hatten, die ungenutzt blieben. Zidane hat also provoziert, dass Bosz System in Extremform hätte umgesetzt werden müssen, um zu funktionieren - plus Veränderungen in der Statik. Dafür hätte Bosz System aber überhaupt erst mal funktionieren und vor allem umgesetzt werden müssen und genau daran haperte es ja und nicht etwa daran, dass das System an sich schlecht ist. Das heißt nicht, dass Bosz System keine Risiken kennt, aber zumindest, dass diese Risiken gestern überhaupt nicht zum Tragen gekommen sind!


Auf die Analyse bin ich auch gespannt, aber mein Argument war ja, das Taktik nicht alles ist und das war als Verteidigung von Bosz gemeint. Selbst wenn seine Taktik nicht passen sollte, heißt das nicht, dass man zwangsläufig die Spiele verliert.

Zitat von BVBBC

Zitat von Tarkleigh

Am ehesten beunruhigt mich noch Bosz’ Sturheit, weil sich das System im Laufe der Zeit vermutlich abnutzen wird. Wenn er wirklich nur so spielen will, haben wir dann ein großes Problem.


Warum? Dass Trainer sich abnutzen, ist logisch! Schau dir Guardiola an, der als Paradebeispiel für Trainer gelten muss, die zwar eine grundlegende (und gewissermaßen auch extreme) Spielidee haben, aber trotzdem permanent viel anpassen. Da sind die Spieler nach 3 Jahren größtenteils froh, wenn er wieder weg ist, weil Guardiola sie regelmäßig überfordert, mit den Eingriffen bis ins letzte Detail.

Das hat Bosz nicht für sich exklusiv, sollte es dann mal, in ferner Zukunft, soweit sein, denn Stand heute sitzt das System (trotz vergleichsweise großer Einfachheit) noch nicht in jeder Situation und genau das ist das aktuelle Problem, über alles andere können wir uns in Monaten oder Jahren unterhalten ...

Stur waren ansonsten auch andere Ex-Trainer und es Stand dem Erfolg trotzdem nicht im Weg. Auch das hat Bosz also nicht für sich exklusiv ...


Ah, ich meinte Abnutzung bezüglich des Gegners, also dass dieser sich irgendwann auf die Taktik einstellt und diese aushebeln kann. Das ist die Gefahr für mich schon höher, wenn man immer das Gleiche spielt, als wenn mehrere Ansätze verfolgt werden. Bei Tuchel müsste man ja erstmal die Mondphase, den Luftdruck und die Lottozahlen kennen, bevor man sich die Aufstellung zusammenreimen kann grins

Bei der Mannschaft hast du recht, da kann ein ständiger Systemwechsel durchaus nerven und weniger ist da möglicherweise mehr.

•     •     •

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es nicht an der Mentalität liegt.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Tarkleigh am 27.09.2017 um 18:49 Uhr bearbeitet
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