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Gib mich die Kirsche! Der Talkthread

18.01.2025 - 13:04 Uhr
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#531
18.02.2025 - 17:02 Uhr
Zitat von TheKillingJoke

Ohne die Diskussion neu lostreten zu wollen. Ich verstehe sie nicht. Man hat sich redaktionell vorbereitet und Fragen scheinbar nach Qualität gefiltert oder sortiert. Das ist eigentlich das, was ich erwarte wenn ich als neutraler Zuschauer zuschalte. Ich möchte das man sich gut vorbereitet und eigentlich in Bezug auf Faktenchecks, finde ich sogar.... es ist zu wenig Vorbereitung bzw. Aufklärung.

In meinen Umfeld z.B. auf der Arbeit, sind es nun genau die Leute die sonst Habeck/Baerbock bei unsouveränen Antworten direkt jede Kompetenz absprechen. Die davon ablenken, wie unglaublich viel schwächer Frau Weidel abgeliefert hat. Schließlich spricht dann keiner mehr davon, dass 17cent für Energie aus Windkraft erheblich günstiger ist als 30cent eines AKW. Wie soll das sonst in die eigene konservative Ideologie passen? Mal davon ab, das die einfachste Matheaufgabe (30>17) schon ein Hindernis war oder man bewusst, die eigene Lüge nicht zugeben konnte. Hier lese ich auch nirgendwo, von einen "massiven Skandal"...denn das wäre schon skandalwürdiger.


Es geht bei all dieser Diskussion ja nicht um eine einzelne Sendung, es geht darum, dass sich Anhänger bestimmter Parteien von den Inhalten und der Aufmachung vom ÖRR ungenügend vertreten fühlen.
Spontan fällt mir hier die kürzliche Debatte "Schlagabtausch" ein, in der offenbar die einzigen Parteien, denen Applaus gespendet wurde, die der Linken und Grünen waren. Bei CSU, BSW, FDP und AFD schienen sich scheinbar wenige bis garkeine Unterstützer im Publikum zu befinden.

Auch das war nur eine einzelne Sendung, aber auch der ÖRR wird von keiner "neutralen" KI mit Inhalten gefüllt, sondern von Menschen. Dasselbe gilt natürlich ebenso für private Medienformate, Youtube oder Social Media. Das Internet und Social Media (damit meine ich auch dieses Forum) bieten nie dagewesene Möglichkeiten für Menschen, sich international und umfassend mit Themen zu beschäftigen. Das war früher anders, als man sich darauf verlassen musste, dass die deutsche Darstellung rund um ARD, ZDF, BILD, Spiegel etc. dem entspricht, wie es auch in anderen Regionen des Landes oder der Welt empfunden wird.

Dass man in einer "Bubble" landet, indem man ausschließlich linke, rechte oder sonstwelche Formate konsumiert oder Influencern folgt, diese Gefahr ist sicher vorhanden. Wobei diese Gefahr früher erst Recht bestand, weil das, was man in etablierten Medien konsumieren konnte, einer Vorfilterung unterlag. Kann gut sein, dass man nicht auf wirkliche Fehlmeldungen herein fiel, kann aber auch schlecht sein, weil man nie über das bestehende, etablierte System herauszudenken lernte, es vllt. sogar hinterfragt. Klingt jetzt ein wenig verschwörerisch, aber soll es überhaupt nicht sein.

P.S.: Du wirst deine Kollegen auf Arbeit wahrscheinlich nie dazu bewegen können, dämliche Aussagen von Weidel zu hinterfragen, genauso wie du vielleicht bei Habeck/Baerbock nur schwer eingestehen könntest, wenn da dämliche Aussagen kommen. Ich halte es da ganz einfach: Ich misstraue einfach erstmal jedem Politiker. 😁

In deiner Aussage, dass EEs günstiger sind als Atomkraft, gehe ich mit.
Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#532
18.02.2025 - 17:12 Uhr
Zitat von Bumbewassazong
Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.


Das Kernproblem ist, dass die Energie vom windstarken Norden zum Industriestarken Süden kommen muss. Und solange aus ideologischen Gründen Stromtrassen im Norden Bayerns blockiert werden, wird sich da nichts ändern.

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„Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ (Thomas Tuchel nach dem BL-Spiel in Ingolstadt, Endstand 3:3, November 2016)
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"Mancini sprang an der Seitenlinie auf und ab, mal die Hände in den Sakkotaschen versteckt, dann wieder wild gestikulierend, ein Gemälde von impotenter Wut. Da niemand mehr auf ihn hörte, fing er bald an, auf italienisch zu schreien. So hörte erst recht keiner auf ihn."
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#533
18.02.2025 - 18:44 Uhr
Machen wir mal ein Wettrennen: Wer hatte heute morgen die tiefsten Temperaturen?
Bei uns waren es minus 12 Grad.

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Ich wünsche mir hier faire Gespräche und einen fachkundigen Austausch von Meinungen.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#534
18.02.2025 - 18:53 Uhr
Zitat von de_Lek
Zitat von Bumbewassazong

Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.


Das Kernproblem ist, dass die Energie vom windstarken Norden zum Industriestarken Süden kommen muss. Und solange aus ideologischen Gründen Stromtrassen im Norden Bayerns blockiert werden, wird sich da nichts ändern.


Das Problem ist ja außerdem, dass erstmal genügend Energie generiert werden muss, dass die Energie speicherbar bzw. abrufbar sein muss. Machen wir uns nix vor, das ist eine Herkulesaufgabe.
Meine Punkte der Skepsis beziehen sich nicht darauf, dass ich einer von denen bin, die EEs als "ökologischer Unfug" bezeichnen oder die der Meinung sind, dass Windräder die Umwelt verschandeln.

Meine größten Punkte sind die zentralen politischen Versuche, punktgenaue Zielerreichungsstufen für ein derart gigantisches Projekt festzulegen, bei dem kein Mensch realistisch absehen kann, was das kostet, wie schnell die Ressourcen beschafft und installiert werden können, und ob bzw. bis wann das skalierbar sein wird. Mit der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung, bis zum Transport, der Speicherung und dem flächendeckenden Vorhandensein der kompatiblen Abnehmer an elektrifizierten Endgeräten.

Kein Ausbau von Solar oder Windkraft sollte durch politische (bürokratische) Maßnahmen erschwert werden. Niemandem sollten Knüppel zwischen die Beine gelegt werden, wenn er sich 5, 10 oder 50 kWp aufs Dach oder den Balkon installieren will. Es muss ein natürlicher, von den Menschen des Landes mitgetragener Prozess sein, die einen sind schneller dafür zu begeistern, die anderen brauchen länger.

Weder in die eine oder in die andere Richtung sollte da politisch zu stark interveniert werden. Zu oft in der Geschichte wurden da Nachtspeicher, Gas- oder Pelletheizungen beworben oder sogar gefördert, um dann einige Jahre später umzuschwenken, weil es eben doch nicht wirklich nachhaltig oder skalierbar sein würde.

Wir sind da auf der Suche nach einer eierlegenden Wollmilchsau, mit der wir glauben, schnell, günstig und nachhaltig alle Probleme auf einmal zu lösen. Nach allem, worüber ich mich hier so informiert habe, komme ich für mich zu dem Schluss, dass wir für viele Jahrzehnte eben auch unliebsame Zwischenlösungen brauchen, bis wir an einem Punkt angelangt sind, an dem es nur durch EEs funktioniert.

Aber da kann ja jeder anderer Meinung sein. In 20 Jahren sehen wir, wohin wir es geschafft haben.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#535
18.02.2025 - 20:36 Uhr
Zitat von Bumbewassazong
Zitat von de_Lek

Zitat von Bumbewassazong

Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.


Das Kernproblem ist, dass die Energie vom windstarken Norden zum Industriestarken Süden kommen muss. Und solange aus ideologischen Gründen Stromtrassen im Norden Bayerns blockiert werden, wird sich da nichts ändern.


Das Problem ist ja außerdem, dass erstmal genügend Energie generiert werden muss, dass die Energie speicherbar bzw. abrufbar sein muss. Machen wir uns nix vor, das ist eine Herkulesaufgabe.
Meine Punkte der Skepsis beziehen sich nicht darauf, dass ich einer von denen bin, die EEs als "ökologischer Unfug" bezeichnen oder die der Meinung sind, dass Windräder die Umwelt verschandeln.

Meine größten Punkte sind die zentralen politischen Versuche, punktgenaue Zielerreichungsstufen für ein derart gigantisches Projekt festzulegen, bei dem kein Mensch realistisch absehen kann, was das kostet, wie schnell die Ressourcen beschafft und installiert werden können, und ob bzw. bis wann das skalierbar sein wird. Mit der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung, bis zum Transport, der Speicherung und dem flächendeckenden Vorhandensein der kompatiblen Abnehmer an elektrifizierten Endgeräten.

Kein Ausbau von Solar oder Windkraft sollte durch politische (bürokratische) Maßnahmen erschwert werden. Niemandem sollten Knüppel zwischen die Beine gelegt werden, wenn er sich 5, 10 oder 50 kWp aufs Dach oder den Balkon installieren will. Es muss ein natürlicher, von den Menschen des Landes mitgetragener Prozess sein, die einen sind schneller dafür zu begeistern, die anderen brauchen länger.

Weder in die eine oder in die andere Richtung sollte da politisch zu stark interveniert werden. Zu oft in der Geschichte wurden da Nachtspeicher, Gas- oder Pelletheizungen beworben oder sogar gefördert, um dann einige Jahre später umzuschwenken, weil es eben doch nicht wirklich nachhaltig oder skalierbar sein würde.

Wir sind da auf der Suche nach einer eierlegenden Wollmilchsau, mit der wir glauben, schnell, günstig und nachhaltig alle Probleme auf einmal zu lösen. Nach allem, worüber ich mich hier so informiert habe, komme ich für mich zu dem Schluss, dass wir für viele Jahrzehnte eben auch unliebsame Zwischenlösungen brauchen, bis wir an einem Punkt angelangt sind, an dem es nur durch EEs funktioniert.

Aber da kann ja jeder anderer Meinung sein. In 20 Jahren sehen wir, wohin wir es geschafft haben.


Diese Erkenntnisse sind seit den 70ern im öffentlichen Bewusstsein... Worauf genau sollen wir nochmal warten? 50 Jahre warten haben nichts gebracht, aber lass uns mal ruhig noch 20 Jahre Stillstand aushalten, bis auch die letzten verstanden haben, dass die Zeit drängt.

Dass es darüber immer noch "andere Meinungen" geben darf/soll macht mich offen gesagt fassungslos.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#536
18.02.2025 - 21:04 Uhr
Kennt Ihr noch meine DDR-Zeitreise?
Damit mache ich nämlich heute weiter.

Ich beginne wie immer mit Nachträgen:
Kinderbetreuung:
Frühstück mussten wir selber mitbringen in den Kindergarten. da hatten wir die Brottasche um den Hals.
Es gab auch Kinder, die keine Oma hatten. Da übernahm schonmal eine ältere Schwester den Weg zum Kindergarten.
Eingewöhnungen wie heute gab es damals nicht. Da wurde man reingesteckt und musste zusehen, wie man zurecht kam. Manche heulten da, das interessierte aber nicht.
Nach der Wende brach die Geburtenrate massiv ein. Und die Erziehungszeiten verlängerten sich. Die Krippen wurden geschlossen. Und Kindergärten wurden zusammengelegt. Es wurden viele Erzieherinnen entlassen. Es wurde aber fleißig weiter ausgebildet. Den Absolventen sagte man: Sucht Euch Arbeit im Westen.
Im neuen Jahrtausend wurden die Erziehungszeiten wieder verkürzt. Nun bildete man hier viele Tagesmütter und Tagesväter aus, die die Arbeit der Krippen übernahmen. Sogar in meinem Dorf gab es eine Tagesmutter. Die nahm die Kinder unter 3 Jahren auf. Sie hat aber mittlerweile aufgegeben. Es gibt nämlich mittlerweile den nächsten Geburteneinbruch.
Politiker sagen, Frauen sollten mehr arbeiten. Das liegt aber hier im osten nicht an mangelnder Kinderbetreuung. Viele Frauen wollen gar nicht Vollzeit arbeiten.

Mit dem Thema heute schließe ich hier nahtlos an: Schule in der DDR - die Unterstufe

Im Kindergarten gab es medizinische Untersuchungen der Schultauglichkeit. Man kam sofort auf die Sonderschule, wenn man leistungsmäßig zu schlecht war. Die Sonderschule hieß im Volksmund Hilfsschule und heißt heute Förderzentrum. Da blieb man auch bis zum Schulabschluss. Behinderte waren bei uns damals weder in einem normalen Kindergarten noch in einer normalen Schule. Dafür gab es extra Einrichtungen. Man konnte aber auch ein Jahr zurückgestellt werden für die normale POS.

Die POS war die allgemeinbildende zehnklassige polytechnische Oberschule. Das war bei uns wie meistens in der DDR ein neugebautes Gebäude. Diese Schulgebäude sahen alle gleich aus. Es gab nur Unterschiede in der Breite und Höhe. Auf der einen Seite war die Unterstufe untergebracht, die Klassen 1-4, mit extra Schulhof. Klasse 5-10 hieß Oberstufe, dann ging es auf die andere Seite und auch in den hinteren Trakt.

Die Schuleinführung wurde damals nicht gefeiert. Schulbeginn war immer am 1. September - oder am 2., wenn der 1. ein Sonntag war. Am Samstag davor ging es für die Schulanfänger mit den Eltern und der Zuckertüte in die Schule. Ich hatte eine große runde Zuckertüte, trug ein schönes Kleid und zwei geflochtene Zöpfe. An diesem Nachmittag wurden der Lehrer und die Hortnerin vorgestellt. Fotos wurden nicht gemacht. Wir gingen danach in ein Fotostudio der Stadt und ließen Fotos machen, die gab es nur in schwarz-weiß. Geschenke und private Feiern gab es nirgends.

Wir hatten als Klassenlehrer von 1-4 einen Mann, einen sehr beliebten Lehrer um die 40. In der Unterstufe waren mehrere männliche Lehrer, aber die waren alle älter. Neuanfänger waren alles weibliche Lehrerinnen. Wer keine Lehrerstelle bekam, arbeitete zunächst im Hort. Dafür nahm man aber nur Lehrerinnen, keine Lehrer. Die Hortnerin unserer Klasse war eine ausgebildete Unterstufenlehrerin, die später auch als Lehrerin arbeitete.

Der Hort war damals auch völlig anders als heute. Meine beste Freundin ging dorthin. Nach dem Unterricht gab es Schulessen, danach wurde geschlafen. Da gab es extra Schlafräume. Und danach wurden Hausaufgaben gemacht. Die kontrollierte die Hortnerin. Wer sie gut machte, bekam von ihr ein Sternchen mit dem Kugelschreiber. Da war es sehr ruhig im Raum. Wer schnell fertig war, durfte Stifte und Papier zum Malen rausholen. Aber man musste sich still verhalten. Hausaufgabenfrei war nur am Tag vor Ferien. Da wurden die beiden Gesellschaftsspiele rausgeholt, die nur im Schrank waren. Einen Spielplatz hatte keine Schule. Wir Kinder vom Dorf fuhren nach der Schule mit dem Schulbus nach Hause. Dort beaufsichtigten die Omas die Hausaufgaben. Und dann konnten wir spielen oder fernsehen. Die Stadtkinder, die in den Hort mussten, beneideten uns darum. Mutti meinte immer, wir hätten es gut, bei ihnen sei damals kein Schulbus gefahren. Sie mussten in die Nachbarstadt laufen. Zu ihrer Zeit wurde sogar in der Unterstufe im jeweilen Dorf unterrichtet. Erst zur Oberstufe ging es in die Nachbarstadt. Oma wurde sogar komplett in unserer Dorfschule unterrichtet.

Heute sind die Horte hier bestens ausgestattet. Es gibt Spielplätze und Spielräume mit sehr viel Spielzeug. Für draußen gibt es Roller, Bälle, Tretautos, Springseile, Schlitten... Für drinnen stehen Spielhäuser, massenweise Gesellschaftsspiele und Bastelangebote zur Verfügung. Allerdings herrscht dort das blanke Chaos.

Für Mädchen, die damals nicht in den Hort gingen, wurde mal ein Jahr eine AG Handarbeit angeboten. Jungen wurde das gar nicht angeboten. Das war aber nur die Kinder, die sonst nach der Schule nach Hause gingen. Einmal in der Woche wurde gehäkelt. Ich habe da mitgemacht. Meine beste Freundin musste ja in den Hort. Und die andere Freundin aus meinem Dorf war damals noch nicht bei mir in der Klasse. Es blieben also nur die drei anderen Mädchen aus meinem Dorf. Das Häkeln machte Spaß. Aber schon da war nur Zoff mit den drei Zicken. Ständig gab es Streitereien. Und das passte mir nicht.

1978 kam ich in die Schule. Da war die DDR in Jubelstimmung. Wir hatten den Westen übertroffen - im Weltraum. Unser Fliegerkosmonaut Siegmund Jähn war als erster Deutscher ins All geflogen. Und das wurde mächtig gefeiert. Erst 1983 folgte der erste westdeutsche Astronaut.

Aber schon in der 1. Klasse begann die Propaganda. Wir wurden Jungpioniere und bekamen das blaue Halstuch. Das mussten wir tragen u. a. bei den Fahnenappellen auf dem Schulhof. Da sagte ein Verantwortlicher als Gruß: Seid bereit! Und wir mussten die Hand zum Gruß heben: Immer bereit!- war unsere Antwort. Käppi und Blusen gab es nicht dazu, die sieht man manchmal auf alten Bildern. Dazu gab es einen Pionierausweis, darin standen die 10 Gebote der Jungpioniere. Das waren u. a.: Wir Jungpioniere treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund! und Wir Jungpioniere halten Freundschaft mit den Kindern der Sowjetunion und aller Länder. Brieffreundschaften wurden aber an unserer Schule nicht vermittelt. Und an Kontakten ins kapitalistische Ausland war kein Offizieller interessiert, die zu vermitteln. Mitgliedsbeitrag kostete das auch: 10 Pfennig im Monat, dafür gab es ein Markenheft. Man blieb Jungpionier bis zur 4. Klasse, dann wurde man Thälmannpionier, benannt nach dem Kommunisten Ernst Thälmann, der im KZ Buchenwald umgebracht wurde. Da bekam man ein rotes Halstuch.

Klassensprecher hieß es damals nicht, da wurde der Gruppenrat gewählt. Dorthin wurden in der Regel leistungsstarke Schüler gewählt. Das waren in der Regel Aufgaben, die heute ein Schülersprecher hat. Aber eben damals auch Propaganda. Ich war immer Schriftführerin dort, damals gab es im Sprachgebrauch nur die männliche Form Schriftführer. Es gab einen Vorsitzenden, das war auch mal meine beste Freundin. Und man musste jedes Jahr einen Vertreter in den Freundschaftsrat der Schule entsenden. Da wechselten wir uns ab. Ich war auch mal dran, ich glaube, in der 7. Klasse. Das war aber unbeliebt, denn da musste man einmal im Monat nachmittags zu Sitzungen in der Schule bleiben. Geleitet wurden die von der Pionierleiterin. Die hatte jede Schule. Das war eine ausgebildete Lehrerin oder ein Lehrer, der unterrichtete aber nicht normal in der Klasse, wenn er oder sie als Pionierleiter angestellt war.
Thälmannpionier bleib man bis zur 7. Klasse.

Ferienbetreuung hieß damals Ferienspiele. Und da waren auch die Lehrer eingesetzt. Da gab es vorher ein Programm. Einmal hatte es stark geschneit. Und wir gingen in den Wald zur Wildfütterung. Da war sogar ich mal mit. Ich fand es nämlich so schön, dass man an die Tiere dachte. Ansonsten ging kein Dorfkind in die Ferienspiele.

Das DDR-Schulsystem wird gern gepriesen. Die Propaganda war furchtbar. Aber wenn etwas gut war, dann war es in der Unterstufe. Denn die war wirklich schon Schule. Es gab Zensuren ab Klasse 1 und einen Lehrplan, der im ganzen Land einheitlich war. Es war auch mehr Ruhe im Unterricht als heute. Heute erinnert mich die Grundschule oft an einen fortgesetzten Kindergarten. Es gab auch bis zur 10. Klasse die sogenannten Kopfnoten Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung. Auf den Zeugnissen gab es aber neben den Noten auch eine Einschätzung. Und da fanden die Lehrer schonmal heftige Worte, wenn ihnen etwas nicht passte. Und es kamen auch Dinge rein wie die Mitarbeit im Gruppenrat, Freundschaftsrat und später die Teilnahme an der Jugendweihe.

Der Samstag war bis 1990 regulärer Schultag. An den Berufsschulen aber nicht. Hort gab es aber samstags nicht. Ferien gab es eine Woche im Herbst, dann um Weihnachten herum, drei Wochen Winterferien, eine Woche im Frühling und mindestens acht volle Wochen Sommerferien. Die begannen einheitlich in der DDR Anfang Juli, das war immer das Wochenende der Wimbledonfinals.

Ich hoffe, ich vergesse jetzt kein Schulfach.
Das war Deutsch, Mathe, Heimatkunde - das hatten wir beim Klassenlehrer.
Musik: Da hatten wir nur einen Lehrer an der Schule, die alle Klassen von 1-10 unterrichtete. Der war Alkoholiker. Das wusste jeder, aber keiner entließ ihn. Der war sehr musikalisch und saß immer am Klavier. Wir rochen, dass er getrunken hatte. Da rief er einen auf, der singen musste. Ansonsten unterrichtete er keine Musik. In den Schulbüchern standen zwar Musikstücke und Tonleitern, das war aber kein Thema im Unterricht. Wie da jemand eine Prüfung in der 10. Klasse bestanden hat, weiß ich nicht. Ich kenne aber auch keinen, der da rein musste. Demzufolge hatten wir auch keine Schulchor. Das bekam er nachmittags nämlich nicht mehr hin.
Zeichnen: Da hatten wir jedes Jahr eine andere Lehrerin. Eine verlangte öfter Dinge, die es in der DDR gar nicht zu kaufen gab. Einmal brachte mir Papa etwas mit, da nahm sie das an sich und verteilte es unter den anderen Kindern. Da erschien mein Vater in der Schule. Das hatten wir bezahlt.
Werken: Das war bis Klasse 6 ein Pflichtfach. Da mussten alle die Schraubstöcke. Erst hatten wir eine Lehrerin, ein Mannsweib, das gern Schüler vorführte, die darin nicht so perfekt waren. Die hatten wir auch später in Zivilverteidigung - Wehrkunde. Dann übernahm ein alter strenger Mann, der gern rumschrie. Ich bekam immer zu hören: Entgraten!
Schulgarten: Das war ein anderer alter strenger Mann, der das unterrichtete. Der Garten lag etwas abseits. Und ich erinnere mich noch an Keimproben.
Sport: Das hatten wir in der Unterstufe als Klasse zusammen. Später dann wurden wir mit der Parallelklasse zusammengelegt - da wurden Mädchen und Jungen getrennt. Für Jungen gab es einen Sportlehrer, für Mädchen eine Lehrerin.
Es wurde Handball gespielt. Und es gab Geräteturnen. Stangenklettern war gar nicht meins.
Sportschuhe aus dem Westen hatten viele, auch T-Shirts, aber ein Fußballtrikot hatte keiner.
Immer am Ende des Schuljahres gab es ein Sportfest. Das umfasste die Leichtathletikdisziplinen 100m, Weitsprung, Schlagballwerfen (später Kugelstoßen) - für die besten gab es Urkunden, sie liefen noch Staffel und durften dann auch noch bei der Kreismeisterschaft starten. Das gibt es so bis heute. Nur gibt es heute noch ein Spielfest. Das ist natürlich wetterabhängig. aber ich habe es nie erlebt, dass es gänzlich ausfiel. Verschiebungen aber gab es.
In der 2. Klasse ging es zum Schwimmunterricht. Mutti zwang mich dazu, die Haare etwas zu kürzen, damit sie unter die Badekappe passten. Da habe ich geheult, aber ab Klasse 3 ließ ich sie wieder auf die alte Länge wachsen. Damals fuhren nur die Sportlehrer mit zum Schwimmen, da halfen keine Erzieher, wie das heute der Fall ist. Unsere Nachbarstadt hatte gar kein Schwimmbad, wir mussten in die nächstgrößere Stadt. Ich weiß noch, dass ich das Becken beim ersten Anblick so tief fand. Wir mussten uns da am Rand lang ziehen in der 1. Stunde. Dabei war eine Schwimmmeisterin, die im Hallenbad angestellt war. Als Prüfung gab es drei Stufen. Ich hatte alle drei. Gelehrt wurde Brust- und Rückenschwimmen. Heute lernt man in Klasse 3 Schwimmen.

Und es gab jedes Jahr 3 Wandertage. Wir machten mit unserem Klassenlehrer Ausflüge in die Umgebung. Klassenfahrten machten wir nie - auch später nicht - auch keine Abschlussfahrt. Ende der 80er wurde für die 4. Klassen eine mehrtägige Klassenfahrt ins Schullandheim eingeführt. Das war ich aber schon älter. Und die gibt es auch heute noch.

In den Hofpausen hatten wir nur den Schulhof. Der Sportplatz durfte nicht genutzt werden, etwas anderes gab es nicht zum Spielen. Und es wurde geprügelt, gestritten und gemobbt. Bei Prügel schritten die Lehrer ein, aber nicht bei Mobbing. Da sahen sie gern weg. Wahrscheinlich waren sie dafür nicht ausgebildet, denn offiziell stritt man nicht in der Schule. Schon in der Unterstufe ging es danach, wer die meisten Klamotten aus dem Westen bekam.
Ich hatte eine Doppelstock-Federmappe aus dem Westen, die mir Oma und Opa mitgebracht hatten. Und darin war ein wunderschöner durchsichtiger Füller mit Comicfiguren. Die meisten hatten eine Pelikanfüller aus dem Westen. Ein Mädchen schrieb mit Heiko-Füller aus der DDR, ich weiß noch, wie biestig sie da ausgelacht wurde.

Elternsprecher waren damals das Elternaktiv. Das waren drei Personen, und die blieben das auch in der Regel bis zur 10. Klasse. Papa war da auch drin.
Elternsprechtage gab es in der Form nicht, das waren nur regelmäßige Elternversammlungen. Da war nichts mit Datenschutz, alle persönlichen Probleme wurden öffentlich behandelt. Das war für die betroffenen Elternteile peinlich.

Und in der DDR machte ein Klassenlehrer einen Hausbesuch. Da lerne man sich besser kennen, hieß es. Dabei durften wir Kinder aber nicht anwesend sein. Mein letzter Klassenlehrer legte immer sehr viel Wert darauf, dass wir häusliche Pflichten übernehmen. Machen wir die Stube sauber, waschen wir ab, putzen wir die Fenster? Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Da gab es sogar Mütter, die im Betrieb immer die Besten sein wollten: Ihre Kinder arbeiten mehr wie andere, waren sie der Meinung.
Zweimal im Schuljahr gab es Zeugnisse, sitzen bleiben konnte man aber erst zum Schuljahresende. Im unteren Bereich zog man schwache Schüler aber auch gern mal mit durch. Eine von meinen drei Dorfzicken erwischte es aber in der 7. Klasse, da ließ man sie sitzen. Noten gab es von 1 bis 5, Sechsen gab es nicht in der DDR. Eine Eins musste man sich aber hart erarbeiten, die bekam man nicht geschenkt.
Es gab eine schöne Zeugnismappe.

Religionsunterricht gab es nicht an Schulen. Christliche Kinder wie ich mussten dafür einen Nachmittag pro Woche ins Pfarrheim. In der Unterstufe unterrichtete dort die Pfarrköchin, die Oberstufe übernahm der Pfarrer. Es gab aber Bücher dazu in der DDR. Und unser Pfarrer leitete einen Nachmittag pro Woche immer die Kindermesse in der Kirche. Das machte er zur Pflicht, die zu besuchen und führte Strichlisten der Anwesenheit. Zur Kommunion ging ich in der 2. Klasse. Später wurde das auf die 3. Klasse verschoben. Da bekam ich viele Geschenke. Mein Kleid nähte eine Schneiderin hier im Dorf. Auch die anderen Mädchen hatten solche Kleider von selbstständigen Schneiderinnen. Aus dem Westen hatte nur ein Junge eine Fliege. Bei den Fotos war es wie bei der Einschulung. Wir mussten ins Fotostudio mit der Kommunionkerze in der Hand und wurden in schwarz weiß abgelichtet.
Wir sollten dann den Blumenteppich für Fronleichnam legen. Das sollten aber nur die Mädchen machen. Ich hätte das gern gemacht, aber da war so ein Zickenzoff, dass ich da später nicht mehr mitmachte.

Erst sollte ich in der Schule mitessen. Das Essen kam wie vorgeschrieben aus einem Betrieb, aber da konnte scheinbar keiner kochen. Ich erinnere mich z. B. noch an diesen gequetschten Spinat, der überhaupt nicht schmeckte. Und den klecksten die Frauen, die das Essen ausgaben, auch noch über die Eier, die man noch essen konnte. Aufsicht hatte eine Hortnerin. Und obwohl ich nicht im Hort war, zischte sie mich an, ich hätte das aufzuessen. So lange habe ich sitzen zu bleiben. Ich wusste aber, dass die uns nicht zurücklassen durfte. Ich aß nicht, mehrere andere auch nicht. Am Ende beschimpfte uns die Hortnerin, wir seien Schlappschwänze und forderte uns auf, aufzustehen. Eine Essenmarke kostete 55 Pfennig. Später aß ich dann nicht mehr mit, ich hatte nämlich immer Hunger, wenn ich zu Oma nach Hause kam. Und Oma kochte ja sowieso.

Und wir besuchten auch die Armee, die NVA, in der nächstgelegenen Kaserne. Da bekamen wir sogar Werbemittel mit.

Im Musikunterricht sangen wir neben alten deutschen Liedern auch kommunistische. "Soldaten sind vorbeimarschiert im gleichen Schritt und Tritt, wir Pioniere kennen sie und laufen fröhlich mit, juchhe - und wenn wir groß sind wollen wir Soldat sein so wie sie, juchhe". Heut wird von DDR-Schönrednern gern die "Kleine weiße Friedenstaube" erwähnt. Das Lied schrieb eine Frau hier aus Nordhausen. Es gab aber auch Liederbücher mit alten deutschen Volksliedern zu kaufen.
Es gab auch kleine Kinder-Plattenspieler mit kleinen Schallplatten zu kaufen.

Schulmilch gab es umsonst - sogar in verschiedenen Sorten. Ich erinnere mich an Schoko und Erdbeere.

Sehr gefeiert wurden damals die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau. Das war u. a. Thema beim Pioniernachmittag, der einmal pro Monat Pflicht war für alle. Da sprach man über Politik und den guten Sozialismus und den bösen Westen, der die Menschen nur ausbeutet. Das glaubte eh keiner.
Es wurden auch immer Wandzeitungen gestaltet. Das war oft über Politik, aber auch über die sehr beliebte Friedensfahrt der Radfahrer. Da gab es immer in der Zeitung Junge Welt einen Etappenplan, der hang in unserer Klasse dort. Da klebte man jeden Tag den Etappensieger mit Foro ein, das Bild wurde auch in der Zeitung veröffentlicht. Am Ende bekam ein Schüler diesen Etappenplan, der sich als Erster meldete. Das war nie ich.

Der Klassenlehrer musste auch immer von Zeit zu Zeit mit uns über Politik reden. Dazu verwendete er seine Unterrichtszeit. Aber die wenigsten Lehrer waren Kommunisten. Von meinen drei Klassenlehrern im Laufe der 10 Jahre war das keiner.

Ich staune selber, wie viel mir zu diesem Thema eingefallen ist.

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Ich wünsche mir hier faire Gespräche und einen fachkundigen Austausch von Meinungen.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von CocoBall am 18.02.2025 um 21:16 Uhr bearbeitet
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#537
18.02.2025 - 21:34 Uhr
Zitat von Bumbewassazong

Es geht bei all dieser Diskussion ja nicht um eine einzelne Sendung, es geht darum, dass sich Anhänger bestimmter Parteien von den Inhalten und der Aufmachung vom ÖRR ungenügend vertreten fühlen.
Spontan fällt mir hier die kürzliche Debatte "Schlagabtausch" ein, in der offenbar die einzigen Parteien, denen Applaus gespendet wurde, die der Linken und Grünen waren. Bei CSU, BSW, FDP und AFD schienen sich scheinbar wenige bis garkeine Unterstützer im Publikum zu befinden.

Auch das war nur eine einzelne Sendung, aber auch der ÖRR wird von keiner "neutralen" KI mit Inhalten gefüllt, sondern von Menschen. Dasselbe gilt natürlich ebenso für private Medienformate, Youtube oder Social Media. Das Internet und Social Media (damit meine ich auch dieses Forum) bieten nie dagewesene Möglichkeiten für Menschen, sich international und umfassend mit Themen zu beschäftigen. Das war früher anders, als man sich darauf verlassen musste, dass die deutsche Darstellung rund um ARD, ZDF, BILD, Spiegel etc. dem entspricht, wie es auch in anderen Regionen des Landes oder der Welt empfunden wird.

Dass man in einer "Bubble" landet, indem man ausschließlich linke, rechte oder sonstwelche Formate konsumiert oder Influencern folgt, diese Gefahr ist sicher vorhanden. Wobei diese Gefahr früher erst Recht bestand, weil das, was man in etablierten Medien konsumieren konnte, einer Vorfilterung unterlag. Kann gut sein, dass man nicht auf wirkliche Fehlmeldungen herein fiel, kann aber auch schlecht sein, weil man nie über das bestehende, etablierte System herauszudenken lernte, es vllt. sogar hinterfragt. Klingt jetzt ein wenig verschwörerisch, aber soll es überhaupt nicht sein.


Hier sind einige wirklich interessante Punkte dabei. Da könnte man bestimmt seitenlang eine bereichernde Debatte führen. Vielen Dank für diese Anregungen.

Zitat von Bumbewassazong

P.S.: Du wirst deine Kollegen auf Arbeit wahrscheinlich nie dazu bewegen können, dämliche Aussagen von Weidel zu hinterfragen, genauso wie du vielleicht bei Habeck/Baerbock nur schwer eingestehen könntest, wenn da dämliche Aussagen kommen. Ich halte es da ganz einfach: Ich misstraue einfach erstmal jedem Politiker. 😁


Ich bin da überhaupt nicht dogmatisch. Solange es nicht diffamierend wird, kann ich mit sehr vielen Aussagen zu Politikern leben. Da ich auch bisher nie, auf eine Partei oder eine bestimmte Person festgelegt war. Ich halte es ähnlich wie du 😇 Mir ging es hier schlicht um eine Doppelmoral, die einige bei sich selbst nicht erkennen. Mein Eindruck war, dass Frau Weidel durchweg in allen Formaten bisher den schwächsten Eindruck hinterlassen hat und das lag schlicht nur an ihr. Nicht an den Fragen, dem Publikum, der Moderation oder der Reaktion des Publikum.

Zitat von Bumbewassazong

In deiner Aussage, dass EEs günstiger sind als Atomkraft, gehe ich mit.
Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.


Ist eine gute Frage. Der aktuelle Kurs geht schon in die richtige Richtung, allerdings müssen alle an einen Strang ziehen. In kurzer Zeit, das ist mMn utopisch. Man hat sich bereits unabhängig von russischen Gas gemacht und das war schon undenkbar gewesen. Die Preise scheinen mittlerweile stabil. Von daher, macht es wenig Sinn wieder auf teure AKWs zu setzen, die erheblich Steuersubventioniert werden müssten, die man erst noch bauen muss, Brennstäbe besorgen etc. auch das würde dauern, wäre teurer und am Ende hat man immer noch haufenweise Probleme (Endlager, Betreiber, sonstige Unsicherheiten). Auch hier bestehen große Abhängigkeiten. Die man bei den EEs nicht in dieser Form hätte.

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HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#538
19.02.2025 - 08:22 Uhr
Zitat von Bumbewassazong
Zitat von de_Lek

Zitat von Bumbewassazong

Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.


Das Kernproblem ist, dass die Energie vom windstarken Norden zum Industriestarken Süden kommen muss. Und solange aus ideologischen Gründen Stromtrassen im Norden Bayerns blockiert werden, wird sich da nichts ändern.


Das Problem ist ja außerdem, dass erstmal genügend Energie generiert werden muss, dass die Energie speicherbar bzw. abrufbar sein muss. Machen wir uns nix vor, das ist eine Herkulesaufgabe.
Meine Punkte der Skepsis beziehen sich nicht darauf, dass ich einer von denen bin, die EEs als "ökologischer Unfug" bezeichnen oder die der Meinung sind, dass Windräder die Umwelt verschandeln.

Meine größten Punkte sind die zentralen politischen Versuche, punktgenaue Zielerreichungsstufen für ein derart gigantisches Projekt festzulegen, bei dem kein Mensch realistisch absehen kann, was das kostet, wie schnell die Ressourcen beschafft und installiert werden können, und ob bzw. bis wann das skalierbar sein wird. Mit der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung, bis zum Transport, der Speicherung und dem flächendeckenden Vorhandensein der kompatiblen Abnehmer an elektrifizierten Endgeräten.

Kein Ausbau von Solar oder Windkraft sollte durch politische (bürokratische) Maßnahmen erschwert werden. Niemandem sollten Knüppel zwischen die Beine gelegt werden, wenn er sich 5, 10 oder 50 kWp aufs Dach oder den Balkon installieren will. Es muss ein natürlicher, von den Menschen des Landes mitgetragener Prozess sein, die einen sind schneller dafür zu begeistern, die anderen brauchen länger.

Weder in die eine oder in die andere Richtung sollte da politisch zu stark interveniert werden. Zu oft in der Geschichte wurden da Nachtspeicher, Gas- oder Pelletheizungen beworben oder sogar gefördert, um dann einige Jahre später umzuschwenken, weil es eben doch nicht wirklich nachhaltig oder skalierbar sein würde.

Wir sind da auf der Suche nach einer eierlegenden Wollmilchsau, mit der wir glauben, schnell, günstig und nachhaltig alle Probleme auf einmal zu lösen. Nach allem, worüber ich mich hier so informiert habe, komme ich für mich zu dem Schluss, dass wir für viele Jahrzehnte eben auch unliebsame Zwischenlösungen brauchen, bis wir an einem Punkt angelangt sind, an dem es nur durch EEs funktioniert.

Aber da kann ja jeder anderer Meinung sein. In 20 Jahren sehen wir, wohin wir es geschafft haben.


Wir haben Gas, wir haben Kohle. Von welchen unliebsamen Zwischenlösungen sprichst du denn noch?

Warum nicht aufs Tempo drücken und die billigste Variante (sagst jetzt ja sogar du!) fördern? Warum nochmal 20 Jahre warten und vor allem worauf? Warum wird weltweit zugebaut, aber wir schauen mal was passiert, weil es nicht abschätzbar ist, ob es skalierbar ist und was es kostet? Häh?

Schau nach China, die haben natürlich noch einen extremen Anteil an Kohle und bauen auch Kern, aber was ist sonst noch passiert? Massiver Ausbau des Netzes, massive Unterstützung der EE und damit jetzt so weit, dass es sich von selbst rechnet und somit ohne Unterstützung weiter zugebaut wird. All das hätten wir seit 2011 auch machen können, aber wir wollten ja nicht zu viel produzieren oder vllt sogar die Solarparks in Griechenland aufbauen, weil dort mehr Sonnenstunden sind. Man kann in der Hinsicht wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln.

So kann man übrigens auf fast alle Länder gucken. Selbst Ungarn bekommt es hin und setzt extrem auf Solar, aber wir warten mal ab und legen dafür niemanden Steine in den Weg, der sich eine PV Anlage aufs Dach oder Balkon setzen will? Das ist tatsächlich ein ganz toller und innovativer Plan. augen-zuhalten

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Bin anscheinend hardcore Jule Brandt-Supporter in diesem Forum ;)
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#539
19.02.2025 - 14:26 Uhr
Zitat von Sandman1982
Zitat von Bumbewassazong

Zitat von de_Lek

Zitat von Bumbewassazong

Die viel schwierigere Frage ist, wie so ein Prozess in der Praxis aussehen würde, wenn man so eine riesige, energiehungrige Volkswirtschaft wie Deutschland in vergleichsweise kurzer Zeit auf EEs umstellt, ohne alternative (teurere) Energieträger zu berücksichtigen.


Das Kernproblem ist, dass die Energie vom windstarken Norden zum Industriestarken Süden kommen muss. Und solange aus ideologischen Gründen Stromtrassen im Norden Bayerns blockiert werden, wird sich da nichts ändern.


Das Problem ist ja außerdem, dass erstmal genügend Energie generiert werden muss, dass die Energie speicherbar bzw. abrufbar sein muss. Machen wir uns nix vor, das ist eine Herkulesaufgabe.
Meine Punkte der Skepsis beziehen sich nicht darauf, dass ich einer von denen bin, die EEs als "ökologischer Unfug" bezeichnen oder die der Meinung sind, dass Windräder die Umwelt verschandeln.

Meine größten Punkte sind die zentralen politischen Versuche, punktgenaue Zielerreichungsstufen für ein derart gigantisches Projekt festzulegen, bei dem kein Mensch realistisch absehen kann, was das kostet, wie schnell die Ressourcen beschafft und installiert werden können, und ob bzw. bis wann das skalierbar sein wird. Mit der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung, bis zum Transport, der Speicherung und dem flächendeckenden Vorhandensein der kompatiblen Abnehmer an elektrifizierten Endgeräten.

Kein Ausbau von Solar oder Windkraft sollte durch politische (bürokratische) Maßnahmen erschwert werden. Niemandem sollten Knüppel zwischen die Beine gelegt werden, wenn er sich 5, 10 oder 50 kWp aufs Dach oder den Balkon installieren will. Es muss ein natürlicher, von den Menschen des Landes mitgetragener Prozess sein, die einen sind schneller dafür zu begeistern, die anderen brauchen länger.

Weder in die eine oder in die andere Richtung sollte da politisch zu stark interveniert werden. Zu oft in der Geschichte wurden da Nachtspeicher, Gas- oder Pelletheizungen beworben oder sogar gefördert, um dann einige Jahre später umzuschwenken, weil es eben doch nicht wirklich nachhaltig oder skalierbar sein würde.

Wir sind da auf der Suche nach einer eierlegenden Wollmilchsau, mit der wir glauben, schnell, günstig und nachhaltig alle Probleme auf einmal zu lösen. Nach allem, worüber ich mich hier so informiert habe, komme ich für mich zu dem Schluss, dass wir für viele Jahrzehnte eben auch unliebsame Zwischenlösungen brauchen, bis wir an einem Punkt angelangt sind, an dem es nur durch EEs funktioniert.

Aber da kann ja jeder anderer Meinung sein. In 20 Jahren sehen wir, wohin wir es geschafft haben.


Diese Erkenntnisse sind seit den 70ern im öffentlichen Bewusstsein... Worauf genau sollen wir nochmal warten? 50 Jahre warten haben nichts gebracht, aber lass uns mal ruhig noch 20 Jahre Stillstand aushalten, bis auch die letzten verstanden haben, dass die Zeit drängt.

Dass es darüber immer noch "andere Meinungen" geben darf/soll macht mich offen gesagt fassungslos.


Beinhaltet dann aber auch dass ich nicht am Bewerten festhalte und nicht jeden der heult sofort befriedige. Das Ruhrgebiet hat den Strukturwandel I weg von Kohl/Stahl auch durchlebt, mit vielen Arbeitslosen und Verlusten auch in der Zulieferung und teilw. Regionen geschaffen die im Volksmund jetzt No-Go-Areas heißen.
Jetzt wird widerum die Karte gezogen, dass die Wind- Solar und Co nicht die erforderlichen Leistungen bringe, bzw. immer was passiert wenn ich Strom brauche und es scheint keine Sonne und der Wind ist auch weg. Dazu werden auf dem III Strommarkt dann wieder Strom eingekauft, aus anderen Ländern die aus Kohle, Gas und Kern gewonnen haben. Darauf bauen sich dann wieder ganze Parteiprogramme aus um die erneuerbaren als grünes Hirngespinst abstempeln und damit die Boulevard Nachrichten, selbst die Windräder haben es in den Wortschatz von Donald Trump geschafft, der darüber sich auslässt.
Mein Kollegen und ich meiner Wohnung in der Woche Nahe Hamburg zahle schon lange eine Umlage, ohne das was passiert.

Der politische Willen hört am Wahlkreis auf. Über die Stromautobahn Deutschland brauchen wir nicht zu reden. Da ist dann eben so wie es ist und es passiert: NICHTS.
Jetzt hatten wir ja ein Gesetz von Habeck, dass schon zerredet worden ist, bevor es raus war. Das ging über Partein bis hin zu sonst was, die Idee dahinter war mMn der Zeit angemessen; nach gefühlt 10 Experten die anderer Meinung war, ging es sofort zurück zur Ausgangslage: Es kostet zuviel Geld und lieber noch 20 Jahre (nehme die Zahl mal auf) anders. Genau das was man immer hört...>>>wird analog mit den Verbrennerautos so gemacht, da man hier auch etwas finden wird um es zu verlängern.
Man muss massiv in diese Infrastruktur investieren und auch sich Zielvorgaben halten. Das kostet Geld ist aber eine Investition in die Zukunft, sind wir das nicht unseren Kinder schuldig?

Man könnte auch, die Idee ist glaube ich nur für mich existent, sehr viel mehr Geld in Forschung stecken, dass man die Stormspeicherung, wenn Sonne und Wind ideal sind, speichern kann und so weiter.
Ja ich weiß kostet Geld.

Das sollte alle Parteien aber bewusst sein, dass man auch investieren muss, und wer es nicht verstanden hat und es darauf schiebt dass es den Klimawandel, oder wie es ich nenne Klimaveränderungen nicht noch befeuern, sondern abschwächt, der wird vom Leben bestraft.

Eventuell gibt es ja auch Lösungen die CO2 speichern um das abzuschwächen, das wäre für mich die Zwischenlösung um dort mal Einhalt zu gebieten, ich denke wenn die Forschung ausgebaut wird, gibt es da auch sinnvolle Methoden.

An den anderen Punkten was Heizung und Co betrifft sollte man nicht abweichen und es durchziehen. Das ist aber ein Wunschtraum, da das Geld fehlt für Autobahnen wo ich dann mit einem Auto eben ein Bisschen mehr CO2 wieder ausstoßen kann.

Es bleibt unausgewogen und man sieht es in diesem Wahlkampf, Migration steht oben, anderes steht unten.
Man kann durchaus mal in andere Länder fahren und sich umschauen wie man etwas lösen kann, bzw. was die anders machen. Sicherlich ist 1 zu 1 auf Deutschland nicht zu 100% möglich, aber man kann einiges umsetzen. Machen die meisten insticktiv sowieso im richtigen Leben automatisch.

Wir werden weiter abwarten und die 8te Zwischenlösung einbauen und 2034 kommt Diskussionen um den Verbrennermotor hoch.

Theoretisch wäre eine Möglichkeit vorhanden das Habeckgesetzt (falls es wirklich top ist) über Jahre durchzuziehen, für mich immer die Frage, ob es vielen Politikern wichtig ist, das zu fördern, oder es abzulehnen weil es ja von den Grünen kam.

Ich denke die meisten die in der Schule zugehört haben, kennen Problematiken was passiert und welche Auswirkungen es auf die sensible Natur haben kann. Sollte bekannt sein, wie Du sagst seit den 70zigern.

"Ich bin da stark optimistisch, erst wird die Migration gelöst, jeder abgelehnte Bewerber hinterlässt in Deutschland auch keinen CO2 Abdruck und wird klimaneutral zurückgeflogen.
Nach der Jahrtausendflut III September 2025 findet man dann auch wieder raus, dass Starkregen zugenommen hat und gem. Statistik noch stärker wird, allerdings sind dann alle in der Welt schuld und nicht nur Deutschland alleine. So kann man wieder nicht anfangen, weil ja nicht alle mitmachen und es kostet zuviel Geld. So geht das dann weiter und weiter.
Dann kommt der Wahlkampf 2028 und Thema Nummer 1 dann wieder Klima und jeder übertrifft sich selber mit Maßnahmen was man machen kann (ich denke je mehr Menschen dann abgelehnt sind und weniger Bürgergeld man dann ausgegeben hat, desto mehr steckt man dann in Hochwasserschutzanlagen am Rhein). Vielleicht kommt dann jemand auch auf die Idee, er wir brauchen mehr PV und vielleicht noch Windräder..." Ironie aus

Ja wir brauchen mehr Zwischenlösungen und vor allem brauchen wir Verbrennungsmotoren bis 2040 damit die Wirtschaft sich drauf vorbereiten kann.

Immer das Gleiche und Änderungen gibt es nicht. Warum soll man denn in Deutschland anfangen, das bringt ja nichts...und die Norweger haben es eben leichter, die verdienen mehr und haben uns vieles voraus.

In 10 Jahren dann...

•     •     •

Kobel(C)-Beier-Schlotterbeck-Gadou-Reggiani-Nmecha-Bellingham-Konstantelias-Silva-Karetsas-Inacio
Subs: Svensson, Anton, Ryersson, Chuck, Lerma, Kaba, Albert, Veerman, Kaua
C: Nicht Kovac
Verkauf: Gui,Sabitzer,Couto,Bense
Pro: Nur weil alle sagen, es ist falsch, ist es nicht so / Freie Meinung gegen den Strom // Contra: Feststellen was schlecht ist, ohne zu sagen was besser ist / Nicht alles was grün aussieht, ist auch grün

Go Habs Go...

BVB: Tradition verpflichtet//RB: Tradition vernichtet.
Gib mich die Kirsche! Der Talkthread |#540
19.02.2025 - 14:35 Uhr
Zitat von Sandman1982

Diese Erkenntnisse sind seit den 70ern im öffentlichen Bewusstsein... Worauf genau sollen wir nochmal warten? 50 Jahre warten haben nichts gebracht, aber lass uns mal ruhig noch 20 Jahre Stillstand aushalten, bis auch die letzten verstanden haben, dass die Zeit drängt.

Dass es darüber immer noch "andere Meinungen" geben darf/soll macht mich offen gesagt fassungslos.


Wo bin ich denn einer "anderen Meinung"?

Ich schreibe doch, dass ich es einen energetischen Wandel als richtig und logisch erachte.
Ich behaupte nur, dass es kontraproduktiv sein kann, eine so weitreichende und komplexe Umstellung politisch fest auf ein bestimmtes Jahr zu fixieren und mit aller Macht zu versuchen, ein so großes und energiehungriges Land wie Deutschland um jeden Preis daraufhin auszurichten.

Wir müssen schauen, was möglich ist, ohne bewusst Maßnahmen zu ergreifen, wie wir dieser stetigen Entwicklung politisch entgegenstehen. Alles darauffolgende ist ein Wandel, die jeder private Haushalt, jede Region, jedes Unternehmen anteilig für sich gehen muss.
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