Erich Meidert zurückgetreten
11.10.2010 - 16:21 Uhr
15.10.2010 - 10:47 Uhr
Geheimnisvoller Geldgeber
Eine Mitteilung am Rand: Die SpVgg Unterhaching hat offenbar schon im Juli einen millionenschweren Großsponsor gefunden
Unterhaching - Trainer Klaus Augenthalers Ausführungen zur sportlichen Lage bei der SpVgg Unterhaching folgte eine kleine Regierungserklärung. Vereinschef Engelbert Kupka hatte seine Teilnahme an der wöchentlichen Pressekonferenz angekündigt, er sprach über dies und das, den Rücktritt des Managers Erich Meidert zu Wochenbeginn, die finanziellen Zwangslagen eines Fußball-Drittligisten - und ganz nebenbei erwähnte er, dass der Verein im Juli einen neuen Sponsorenvertrag abgeschlossen habe.
'Eine Investmentgruppe, die weitläufig tätig ist - in Europa und darüber hinaus' wolle seinen Verein unterstützen, 'wir hoffen, dass wir auf der Basis dieser Verträge finanziell Land sehen.' Auf Nachfrage ergänzte der CSU-Politiker, dass das Abkommen den Ausfall des jahrelangen Hauptsponsors Generali 'ausgleichen' würde. Ganz schön viele Informationen für einen Nebensatz, der fast wie ein 'Ach, übrigens...' daherkam: über einen Vertrag, der offenbar schon vor drei Monaten unterzeichnet wurde und der das Überleben des Klubs sichern soll. Generali, das zum Sommer 2011 die jahrelange Zusammenarbeit aufkündigte, hat - ach, übrigens - bislang eine Million Euro pro Jahr überwiesen.
Zum angekündigten Hauptthema, Meiderts Rücktritt, trug Kupka wenig Klärendes bei. Er blieb bei der offiziellen Version, der Manager sei wegen der Doppelbelastung aus Fußball und seiner Firma zurückgetreten. Er habe von der SpVgg auch nur Auslagenerstattungen bekommen, und nun würden Meiderts Aufgaben eben intern aufgeteilt. Kupka referierte über die Not der Drittligisten, dass die Fernseheinnahmen nicht einmal die Pflichtausgaben decken würden. '800000 Euro sind lächerlich', schimpfte er; man sei auf eine Vielzahl von Geldgebern angewiesen, um zu überleben.
Augenthaler hingegen erzählte, dass er in dieser Woche viel Spaß mit der Mannschaft gehabt habe. 'Wir spielen am Wochenende gegen den Tabellenführer, das ist eine Aufgabe, die jedem Spieler Spaß machen muss.'
Die sportliche Situation wäre an sich schon aufregend genug. Wenn am Samstag (14 Uhr, Sportpark) der Anstoß gegen Kickers Offenbach erfolgt, geht es für die SpVgg Unterhaching darum, den Anschluss an die Spitze zu halten, der gerade erst hergestellt wurde. Allerdings muss der Trainer auch diesmal improvisieren. Zwar könne Robert Zillner höchstwahrscheinlich spielen, nachdem er sich im Testspiel gegen Wacker Innsbruck (1:2) leicht verletzt hatte. Hinter dem Einsatz von Tim Jerat stehe allerdings ein dickes Fragezeichen. 'Ich habe eigentlich eine Stammelf im Kopf, aber das Problem ist, dass ja immer noch ständig Spieler verletzt sind.' Denkbar ist, dass für Jerat mal wieder Roman Tyce spielt. Zumindest hat Augenthaler gute Erinnerungen an Offenbach: Als er im März die SpVgg übernahm, gewann sie gegen die Kickers und schaffte hernach die Wende im Abstiegskampf. Diesmal wäre es eine Wende hin zum Aufstiegskampf.
A. Liebmann/C. Leischwitz
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.239, Freitag, den 15. Oktober 2010 , Seite 20
Eine Mitteilung am Rand: Die SpVgg Unterhaching hat offenbar schon im Juli einen millionenschweren Großsponsor gefunden
Unterhaching - Trainer Klaus Augenthalers Ausführungen zur sportlichen Lage bei der SpVgg Unterhaching folgte eine kleine Regierungserklärung. Vereinschef Engelbert Kupka hatte seine Teilnahme an der wöchentlichen Pressekonferenz angekündigt, er sprach über dies und das, den Rücktritt des Managers Erich Meidert zu Wochenbeginn, die finanziellen Zwangslagen eines Fußball-Drittligisten - und ganz nebenbei erwähnte er, dass der Verein im Juli einen neuen Sponsorenvertrag abgeschlossen habe.
'Eine Investmentgruppe, die weitläufig tätig ist - in Europa und darüber hinaus' wolle seinen Verein unterstützen, 'wir hoffen, dass wir auf der Basis dieser Verträge finanziell Land sehen.' Auf Nachfrage ergänzte der CSU-Politiker, dass das Abkommen den Ausfall des jahrelangen Hauptsponsors Generali 'ausgleichen' würde. Ganz schön viele Informationen für einen Nebensatz, der fast wie ein 'Ach, übrigens...' daherkam: über einen Vertrag, der offenbar schon vor drei Monaten unterzeichnet wurde und der das Überleben des Klubs sichern soll. Generali, das zum Sommer 2011 die jahrelange Zusammenarbeit aufkündigte, hat - ach, übrigens - bislang eine Million Euro pro Jahr überwiesen.
Zum angekündigten Hauptthema, Meiderts Rücktritt, trug Kupka wenig Klärendes bei. Er blieb bei der offiziellen Version, der Manager sei wegen der Doppelbelastung aus Fußball und seiner Firma zurückgetreten. Er habe von der SpVgg auch nur Auslagenerstattungen bekommen, und nun würden Meiderts Aufgaben eben intern aufgeteilt. Kupka referierte über die Not der Drittligisten, dass die Fernseheinnahmen nicht einmal die Pflichtausgaben decken würden. '800000 Euro sind lächerlich', schimpfte er; man sei auf eine Vielzahl von Geldgebern angewiesen, um zu überleben.
Augenthaler hingegen erzählte, dass er in dieser Woche viel Spaß mit der Mannschaft gehabt habe. 'Wir spielen am Wochenende gegen den Tabellenführer, das ist eine Aufgabe, die jedem Spieler Spaß machen muss.'
Die sportliche Situation wäre an sich schon aufregend genug. Wenn am Samstag (14 Uhr, Sportpark) der Anstoß gegen Kickers Offenbach erfolgt, geht es für die SpVgg Unterhaching darum, den Anschluss an die Spitze zu halten, der gerade erst hergestellt wurde. Allerdings muss der Trainer auch diesmal improvisieren. Zwar könne Robert Zillner höchstwahrscheinlich spielen, nachdem er sich im Testspiel gegen Wacker Innsbruck (1:2) leicht verletzt hatte. Hinter dem Einsatz von Tim Jerat stehe allerdings ein dickes Fragezeichen. 'Ich habe eigentlich eine Stammelf im Kopf, aber das Problem ist, dass ja immer noch ständig Spieler verletzt sind.' Denkbar ist, dass für Jerat mal wieder Roman Tyce spielt. Zumindest hat Augenthaler gute Erinnerungen an Offenbach: Als er im März die SpVgg übernahm, gewann sie gegen die Kickers und schaffte hernach die Wende im Abstiegskampf. Diesmal wäre es eine Wende hin zum Aufstiegskampf.
A. Liebmann/C. Leischwitz
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.239, Freitag, den 15. Oktober 2010 , Seite 20
15.10.2010 - 11:48 Uhr
OK, sie - diesmal in Gestalt des Frühstücksdirektors Kupka - verkaufen uns weiterhin für dumm.
Statt reinem Wein wird einem nicht mal klares Wasser eingeschenkt, überdies wird auf einmal ein ominöser Investor aus Grünwald in einem Nebensatz vorgestellt. Was kommt als nächstes? :angry
Mein Gott, wo steuert der Verein eigentlich hin? Und warum, verdammt nochmal, nimmt er seine Fans nicht mit??? Lange schaue ich mir das nicht mehr an. Aber vielleicht kommen ja bald ganz viele Grünwalder ins Stadion - müssen halt noch ein paar Logen gebaut werden...
Statt reinem Wein wird einem nicht mal klares Wasser eingeschenkt, überdies wird auf einmal ein ominöser Investor aus Grünwald in einem Nebensatz vorgestellt. Was kommt als nächstes? :angry
Mein Gott, wo steuert der Verein eigentlich hin? Und warum, verdammt nochmal, nimmt er seine Fans nicht mit??? Lange schaue ich mir das nicht mehr an. Aber vielleicht kommen ja bald ganz viele Grünwalder ins Stadion - müssen halt noch ein paar Logen gebaut werden...
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Bimmi am 15.10.2010 um 11:50 Uhr bearbeitet
15.10.2010 - 11:51 Uhr
Ein Investor aus Waldkraiburg namens Werner L. :D
15.10.2010 - 16:23 Uhr
So, jetzt wird's aber rein spekulativ!
http://www.xing.com/profile/Franco_Levis
Sagt mir jetzt gar nix und hat vllt auch nichts mit Haching zu tun. Hab nur ein paar Schreibweisen gegoogelt.
http://www.xing.com/profile/Franco_Levis
Sagt mir jetzt gar nix und hat vllt auch nichts mit Haching zu tun. Hab nur ein paar Schreibweisen gegoogelt.
15.10.2010 - 17:04 Uhr
Über den bin ich auch gestolpert. Kann schon sein, dass er der ominöse Mr. X ist. Warum sollten wir hier nicht spekulieren, werden ja vom Verein durch seine Öffentlichkeitsvertreibungsarbeit quasi dazu gezwungen. Russischkenntnisse hat er auch. Kann ja toll was werden.
15.10.2010 - 17:35 Uhr
Zitat von Bimmi:
OK, sie - diesmal in Gestalt des Frühstücksdirektors Kupka - verkaufen uns weiterhin für dumm.
Statt reinem Wein wird einem nicht mal klares Wasser eingeschenkt, überdies wird auf einmal ein ominöser Investor aus Grünwald in einem Nebensatz vorgestellt. Was kommt als nächstes? :angry
Mein Gott, wo steuert der Verein eigentlich hin? Und warum, verdammt nochmal, nimmt er seine Fans nicht mit??? Lange schaue ich mir das nicht mehr an. Aber vielleicht kommen ja bald ganz viele Grünwalder ins Stadion - müssen halt noch ein paar Logen gebaut werden...
Hey Bimmi nicht alle Grünwalder sind Bonzen :( und ich schau schon noch zwischendurch mal im Stadion vorbei, also ein Grünwalder kommt gerne ;)
OK, sie - diesmal in Gestalt des Frühstücksdirektors Kupka - verkaufen uns weiterhin für dumm.
Statt reinem Wein wird einem nicht mal klares Wasser eingeschenkt, überdies wird auf einmal ein ominöser Investor aus Grünwald in einem Nebensatz vorgestellt. Was kommt als nächstes? :angry
Mein Gott, wo steuert der Verein eigentlich hin? Und warum, verdammt nochmal, nimmt er seine Fans nicht mit??? Lange schaue ich mir das nicht mehr an. Aber vielleicht kommen ja bald ganz viele Grünwalder ins Stadion - müssen halt noch ein paar Logen gebaut werden...
Hey Bimmi nicht alle Grünwalder sind Bonzen :( und ich schau schon noch zwischendurch mal im Stadion vorbei, also ein Grünwalder kommt gerne ;)
16.10.2010 - 08:47 Uhr
Die SZ widmet dem massiven Problem heute eine ganze Seite!!
Es schaut echt sch.... aus - the end is near.
Ich poste mal einen Artikel nach dem anderen:
Ganz im Vertrauen
Die SpVgg Unterhaching setzt in ihrer Not auf einen geheimnisvollen Investor - doch bis jetzt wartet der Verein offenbar auf das erhoffte Geld
Von Andreas Liebmannund Christoph Leischwitz[ORTSMARKE]
und Christoph Leischwitz
Unterhaching - Es wird wohl das Geheimnis von Engelbert Kupka bleiben, wieso er am Donnerstag vor laufender Kamera den Namen Franco Levis aussprach. Beiläufig, obwohl doch seit Juli nichts an die Öffentlichkeit gedrungen war. Am Donnerstag erwähnte der Präsident des Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching bei einer Pressekonferenz, dass sein Klub mit einem gewissen Franco Levis Verträge unterzeichnet habe. Über Millionen. Vor fast drei Monaten.
Franco Levis. Es sollte nicht lange dauern, da meldeten sich andere, die etwas über Levis erzählen wollten. Über jenen Mann, dessen Firma Depro Group nach eigenen Angaben Niederlassungen in Österreich, Italien, Tschechien, der Ukraine und Zypern unterhält, der sich auf Investoren aus der Ukraine, aus Israel oder Armenien beruft, auf Projekte zum Beispiel mit dem Unternehmen von Viktor Pintschuk, dem Schwiegersohn des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma. Es meldet sich der Münchner Textilunternehmer S. Im Beisein seines Anwalts erzählt er, wie seine Frau Levis vor knapp einem Jahr kennengelernt habe, wie sie mit ihm eine GmbH gegründet habe, um eine Charity-Veranstaltung zu organisieren - und das Ehepaar S. dann auf den Kosten von rund 100000 Euro sitzen blieb. Sie haben in München Zivilklage gegen Levis eingereicht.
Wer ist dieser Mann, über den Kupka sagt, er vertrete eine Investmentgruppe, die europaweit und darüber hinaus tätig sei und die sich in einem Maß bei der Spielvereinigung engagieren werde, dass es den für 2011 beschlossenen Ausstieg des Hauptsponsors Generali ausgleichen würde? Generali hat bislang jährlich eine Million Euro an Haching überwiesen.
Es ist schwer herauszufinden. Schon weil Kupka sich weigert, Fragen zum Thema Levis zu beantworten. 'Ich habe dazu nichts zu sagen', antwortet der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete, der seit 37 Jahren an der Spitze der SpVgg Unterhaching steht. 'Wir werden über Franco Levis keine Auskunft geben.' Levis immerhin bestätigt: 'Es ist richtig, wir werden Partner.' Nicht mit der Depro Group, sondern anderen Investoren, mehr wolle er nicht sagen. 'Wir werden damit gemeinsam vor die Presse treten', verspricht er. Über die Höhe der vereinbarten Summe schweigt er bislang ebenso wie über andere Vorwürfe, die nun gegen ihn laut geworden sind.Auf schriftliche Fragen der SZ haben weder Kupka noch Levis am Freitag geantwortet.
Von Levis" Anwalt erreichte die Redaktion am Freitagabend ein Schreiben, demzufolge sein Mandant sich Anfang kommender Woche äußern werde. Die SpVgg Unterhaching verschickte zudem am Freitagabend eine knappe, fünfzeilige Presseerklärung, in der Verein und Investor noch einmal versicherten, sie hätten einen Sponsorenvertrag abgeschlossen. 'Herr Levis bestätigt hiermit nochmal ausdrücklich und nachhaltig, dass diese Verträge von der von ihm vertretenten Investorengruppe erfüllt werden', heißt es in der Pressemitteilung. Über den Inhalt der Verträge habe man 'Vertraulichkeit vereinbart'.
Vermutlich handelt es sich bei der mit Haching vereinbarten Summe um jene bis zu fünf Millionen Euro, die Levis auch Jahn Regensburg versprochen hat. Ein Funktionär des Drittliga-Rivalen bestätigt, dass Levis Kontakt mit seinem Verein aufgenommen habe. Man habe Levis und seine Unternehmen prüfen wollen. 'Das war alles zu undurchsichtig', sagt der Funktionär - man habe sich deshalb gegen die Kooperation entschieden. Beim ersten Treffen in einem Münchner Hotel vor vier Wochen habe Levis den Vertrag mit Haching nicht erwähnt, allerdings angebliche Kontakte zum Erstligisten Eintracht Frankfurt. Dort, versichert Vorstand Heribert Bruchhagen, kenne man keinen Franco Levis.
Es gibt viele Aspekte, die hellhörig machen an dieser Geschichte. Auch Erich Meidert als Manager der SpVgg Unterhaching muss es so gegangen sein. Nachdem sein Verein vergeblich auf Geld gewartet hatte, habe er 'laut Zweifel geäußert' am Investor, sagt Meidert, 'mein Rücktritt am Montag steht damit in Zusammenhang'. Bisher hatten er und der Verein lediglich erklärt, die doppelte Belastung als Manager und Firmeninhaber sei der Grund für den Rücktritt gewesen. 'Es geht nun darum, Schaden vom Verein abzuwenden', sagt Meidert.
Für die SpVgg Unterhaching könnte die Sache existenzbedrohend werden. Nachdem die Verträge mit Levis unterzeichnet waren, hatte der Verein teure Spieler zugekauft, offenbar im Vertrauen darauf, der neue Investor werde das Minus ausgleichen. Nichts geschah. In einem Schreiben vom 29. September, in das die Süddeutsche Zeitung Einblick hatte, forderte der Verein Levis 'letztmalig' auf, ausstehende Zahlungen auf ein Treuhandkonto zu leisten. Trotz mehrerer mündlicher Zusagen sei noch kein Geldfluss festgestellt worden, 'unser Anwalt hat die insolvenzrechtlichen Konsequenzen für den Verein dargestellt', heißt es. Das Minus der SpVgg Unterhaching soll sich bis Saisonende auf mehr als zwei Millionen Euro belaufen, falls die Zahlungen ausbleiben. Und bis zum 31. Oktober müssen Vereine, die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unter Zulassungsauflagen gestellt wurden, unter anderem ihre Liquidität nachweisen.
Am Tag nach seinem Rücktritt bestätigte sich für Meidert sein zuvor gehegter Verdacht. Ein befreundeter Steuerberater und Unternehmer rief an, um ihn vor dem neuen Investor zu warnen. Er selbst habe schon über dreistellige Millionenbeträge mit Levis verhandelt, erzählt er, sich aber nach Zweifeln zurückgezogen. Er warnte also Meidert, und Meidert wiederum hat, wie er sagt, mit den neuen Erkenntnissen die SpVgg Unterhaching gewarnt. Zwei Tage später trat Kupka bei der Pressekonferenz auf.
Mit dem Wissen über den säumigen Investor nehmen Kupkas Äußerungen einen anderen Klang an. 'Wir haben einen entsprechenden Sponsorenvertrag unterzeichnet, der nun erfüllt werden muss', sagt er da am Donnerstag. 'Wir hoffen, dass wir aufgrund der Basis der Erfüllung dieser Verträge dann auch finanziell Land sehen.' Bislang stand im Zweifel Mäzen Anton Schrobenhauser, der Bauunternehmer und Schatzmeister des Vereins, für Defizite gerade. Ob er dies auch diesmal kann? Auch Schrobenhauser wollte auf schriftliche Fragen nicht antworten.
Die Firmen von Franco Levis jedenfalls hätten in Kupka, dem Juristen, Misstrauen wecken müssen. Auf der Homepage der Depro Group fehlen Handelsregisternummer, Steuernummer und ein Impressum - Indizien, die bei Jahn Regensburg offenbar besser wahrgenommen wurden. Das Schreiben vom 29. September richtet sich an ein Unternehmen namens 'Saperlo Limited'. Über diese Firma ist rein gar nichts herauszufinden.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Samstag, den 16. Oktober 2010 , Seite 46
Es schaut echt sch.... aus - the end is near.
Ich poste mal einen Artikel nach dem anderen:
Ganz im Vertrauen
Die SpVgg Unterhaching setzt in ihrer Not auf einen geheimnisvollen Investor - doch bis jetzt wartet der Verein offenbar auf das erhoffte Geld
Von Andreas Liebmannund Christoph Leischwitz[ORTSMARKE]
und Christoph Leischwitz
Unterhaching - Es wird wohl das Geheimnis von Engelbert Kupka bleiben, wieso er am Donnerstag vor laufender Kamera den Namen Franco Levis aussprach. Beiläufig, obwohl doch seit Juli nichts an die Öffentlichkeit gedrungen war. Am Donnerstag erwähnte der Präsident des Fußball-Drittligisten SpVgg Unterhaching bei einer Pressekonferenz, dass sein Klub mit einem gewissen Franco Levis Verträge unterzeichnet habe. Über Millionen. Vor fast drei Monaten.
Franco Levis. Es sollte nicht lange dauern, da meldeten sich andere, die etwas über Levis erzählen wollten. Über jenen Mann, dessen Firma Depro Group nach eigenen Angaben Niederlassungen in Österreich, Italien, Tschechien, der Ukraine und Zypern unterhält, der sich auf Investoren aus der Ukraine, aus Israel oder Armenien beruft, auf Projekte zum Beispiel mit dem Unternehmen von Viktor Pintschuk, dem Schwiegersohn des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma. Es meldet sich der Münchner Textilunternehmer S. Im Beisein seines Anwalts erzählt er, wie seine Frau Levis vor knapp einem Jahr kennengelernt habe, wie sie mit ihm eine GmbH gegründet habe, um eine Charity-Veranstaltung zu organisieren - und das Ehepaar S. dann auf den Kosten von rund 100000 Euro sitzen blieb. Sie haben in München Zivilklage gegen Levis eingereicht.
Wer ist dieser Mann, über den Kupka sagt, er vertrete eine Investmentgruppe, die europaweit und darüber hinaus tätig sei und die sich in einem Maß bei der Spielvereinigung engagieren werde, dass es den für 2011 beschlossenen Ausstieg des Hauptsponsors Generali ausgleichen würde? Generali hat bislang jährlich eine Million Euro an Haching überwiesen.
Es ist schwer herauszufinden. Schon weil Kupka sich weigert, Fragen zum Thema Levis zu beantworten. 'Ich habe dazu nichts zu sagen', antwortet der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete, der seit 37 Jahren an der Spitze der SpVgg Unterhaching steht. 'Wir werden über Franco Levis keine Auskunft geben.' Levis immerhin bestätigt: 'Es ist richtig, wir werden Partner.' Nicht mit der Depro Group, sondern anderen Investoren, mehr wolle er nicht sagen. 'Wir werden damit gemeinsam vor die Presse treten', verspricht er. Über die Höhe der vereinbarten Summe schweigt er bislang ebenso wie über andere Vorwürfe, die nun gegen ihn laut geworden sind.Auf schriftliche Fragen der SZ haben weder Kupka noch Levis am Freitag geantwortet.
Von Levis" Anwalt erreichte die Redaktion am Freitagabend ein Schreiben, demzufolge sein Mandant sich Anfang kommender Woche äußern werde. Die SpVgg Unterhaching verschickte zudem am Freitagabend eine knappe, fünfzeilige Presseerklärung, in der Verein und Investor noch einmal versicherten, sie hätten einen Sponsorenvertrag abgeschlossen. 'Herr Levis bestätigt hiermit nochmal ausdrücklich und nachhaltig, dass diese Verträge von der von ihm vertretenten Investorengruppe erfüllt werden', heißt es in der Pressemitteilung. Über den Inhalt der Verträge habe man 'Vertraulichkeit vereinbart'.
Vermutlich handelt es sich bei der mit Haching vereinbarten Summe um jene bis zu fünf Millionen Euro, die Levis auch Jahn Regensburg versprochen hat. Ein Funktionär des Drittliga-Rivalen bestätigt, dass Levis Kontakt mit seinem Verein aufgenommen habe. Man habe Levis und seine Unternehmen prüfen wollen. 'Das war alles zu undurchsichtig', sagt der Funktionär - man habe sich deshalb gegen die Kooperation entschieden. Beim ersten Treffen in einem Münchner Hotel vor vier Wochen habe Levis den Vertrag mit Haching nicht erwähnt, allerdings angebliche Kontakte zum Erstligisten Eintracht Frankfurt. Dort, versichert Vorstand Heribert Bruchhagen, kenne man keinen Franco Levis.
Es gibt viele Aspekte, die hellhörig machen an dieser Geschichte. Auch Erich Meidert als Manager der SpVgg Unterhaching muss es so gegangen sein. Nachdem sein Verein vergeblich auf Geld gewartet hatte, habe er 'laut Zweifel geäußert' am Investor, sagt Meidert, 'mein Rücktritt am Montag steht damit in Zusammenhang'. Bisher hatten er und der Verein lediglich erklärt, die doppelte Belastung als Manager und Firmeninhaber sei der Grund für den Rücktritt gewesen. 'Es geht nun darum, Schaden vom Verein abzuwenden', sagt Meidert.
Für die SpVgg Unterhaching könnte die Sache existenzbedrohend werden. Nachdem die Verträge mit Levis unterzeichnet waren, hatte der Verein teure Spieler zugekauft, offenbar im Vertrauen darauf, der neue Investor werde das Minus ausgleichen. Nichts geschah. In einem Schreiben vom 29. September, in das die Süddeutsche Zeitung Einblick hatte, forderte der Verein Levis 'letztmalig' auf, ausstehende Zahlungen auf ein Treuhandkonto zu leisten. Trotz mehrerer mündlicher Zusagen sei noch kein Geldfluss festgestellt worden, 'unser Anwalt hat die insolvenzrechtlichen Konsequenzen für den Verein dargestellt', heißt es. Das Minus der SpVgg Unterhaching soll sich bis Saisonende auf mehr als zwei Millionen Euro belaufen, falls die Zahlungen ausbleiben. Und bis zum 31. Oktober müssen Vereine, die vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unter Zulassungsauflagen gestellt wurden, unter anderem ihre Liquidität nachweisen.
Am Tag nach seinem Rücktritt bestätigte sich für Meidert sein zuvor gehegter Verdacht. Ein befreundeter Steuerberater und Unternehmer rief an, um ihn vor dem neuen Investor zu warnen. Er selbst habe schon über dreistellige Millionenbeträge mit Levis verhandelt, erzählt er, sich aber nach Zweifeln zurückgezogen. Er warnte also Meidert, und Meidert wiederum hat, wie er sagt, mit den neuen Erkenntnissen die SpVgg Unterhaching gewarnt. Zwei Tage später trat Kupka bei der Pressekonferenz auf.
Mit dem Wissen über den säumigen Investor nehmen Kupkas Äußerungen einen anderen Klang an. 'Wir haben einen entsprechenden Sponsorenvertrag unterzeichnet, der nun erfüllt werden muss', sagt er da am Donnerstag. 'Wir hoffen, dass wir aufgrund der Basis der Erfüllung dieser Verträge dann auch finanziell Land sehen.' Bislang stand im Zweifel Mäzen Anton Schrobenhauser, der Bauunternehmer und Schatzmeister des Vereins, für Defizite gerade. Ob er dies auch diesmal kann? Auch Schrobenhauser wollte auf schriftliche Fragen nicht antworten.
Die Firmen von Franco Levis jedenfalls hätten in Kupka, dem Juristen, Misstrauen wecken müssen. Auf der Homepage der Depro Group fehlen Handelsregisternummer, Steuernummer und ein Impressum - Indizien, die bei Jahn Regensburg offenbar besser wahrgenommen wurden. Das Schreiben vom 29. September richtet sich an ein Unternehmen namens 'Saperlo Limited'. Über diese Firma ist rein gar nichts herauszufinden.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Samstag, den 16. Oktober 2010 , Seite 46
16.10.2010 - 08:49 Uhr
Wie ein Dorf in Gallien
Der Schrecken der Großen ist Haching schon lange nicht mehr
Unterhaching - Es gab Zeiten, da war die SpVgg Unterhaching für den Fußball so wichtig wie Asterix für die Römer. Am 20. Mai 2000 schlug Haching am letzten Bundesliga-Spieltag Bayer Leverkusen im Sportpark mit 2:0 und machte damit den FC Bayern zum Meister. Später ließen die Hachinger die Fans des TSV 1860 regelmäßig verzweifeln. Im Dezember 2005 zum Beispiel gewannen sie mit 4:1 in der Fröttmaninger Arena, die Löwen waren vorübergehend nur noch die fußballerische Nummer drei in der Stadt. Unterhaching hatte das sympathische Image eines kleinen Dorfes, das zumindest immer fähig ist, die da oben zu ärgern. Stürmer Francisco Copado gab mit seinen Toren den Obelix, und Präsident Engelbert Kupka, das war Miraculix, der es irgendwie immer schaffte, eine gelungene Mannschaftsmischung zusammenzustellen.
Doch nun ist die SpVgg Unterhaching in der dritten Liga gefangen, und mittlerweile ist die Nähe zur Großstadt München ein Fluch geworden. Zwar gelingt es dem Verein immer wieder, ehemalige und aktuelle Größen für neue Aufgaben zu gewinnen, weil diese es in München so schön finden, dass sie einfach nicht weg wollen - auch wenn es in Unterhaching nicht viel zu verdienen gibt. Weltmeister Klaus Augenthaler ist hier nun Trainer, Champions-League-erfahrene Spieler wie Miroslav Stevic ließen hier ihre aktive Karriere ausklingen.
Doch schon vor der Ankündigung des Hauptsponsors vor einem Jahr war Unterhaching oft gezwungen gewesen, seine besten Spieler abzugeben. So wechselte Abwehrspieler Stefan Buck zunächst zum FC Augsburg, nun ist er bei 1860 gelandet; Torwart Philipp Heerwagen spielt nun für den VfL Bochum. Bestes und aktuellstes Beispiel ist Anton Fink, der als Torschützenkönig der dritten Liga zum Karlsruher SC wechselte. Und Robert Zillner spielt nur noch in Unterhaching, weil er sich gegen Ende der vergangenen Saison verletzt hatte und so seinen Marktwert senkte.
Das Dorf ist immer ein Dorf geblieben, und von außen war die eingeschworene Gemeinschaft stets schwer einsehbar. Meistens hatten dort Menschen das Sagen, die im öffentlichen Leben seltsam unsichtbar blieben. So gelangten auch die finanziellen Probleme des Vereins nur ganz langsam ans Licht, doch mittlerweile sind sie nicht mehr zu übersehen.
Im Moment ist Unterhaching Siebter der dritten Liga, mit acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Der Kader wurde für diese Saison ganz erheblich vergrößert - ein riskanter, diesmal sportlicher Versuch, Unterhaching wieder zu jenem gallischen Dorf von einst zu machen. Und vielleicht der letzte Versuch überhaupt. cal
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Samstag, den 16. Oktober 2010 , Seite 46
Der Schrecken der Großen ist Haching schon lange nicht mehr
Unterhaching - Es gab Zeiten, da war die SpVgg Unterhaching für den Fußball so wichtig wie Asterix für die Römer. Am 20. Mai 2000 schlug Haching am letzten Bundesliga-Spieltag Bayer Leverkusen im Sportpark mit 2:0 und machte damit den FC Bayern zum Meister. Später ließen die Hachinger die Fans des TSV 1860 regelmäßig verzweifeln. Im Dezember 2005 zum Beispiel gewannen sie mit 4:1 in der Fröttmaninger Arena, die Löwen waren vorübergehend nur noch die fußballerische Nummer drei in der Stadt. Unterhaching hatte das sympathische Image eines kleinen Dorfes, das zumindest immer fähig ist, die da oben zu ärgern. Stürmer Francisco Copado gab mit seinen Toren den Obelix, und Präsident Engelbert Kupka, das war Miraculix, der es irgendwie immer schaffte, eine gelungene Mannschaftsmischung zusammenzustellen.
Doch nun ist die SpVgg Unterhaching in der dritten Liga gefangen, und mittlerweile ist die Nähe zur Großstadt München ein Fluch geworden. Zwar gelingt es dem Verein immer wieder, ehemalige und aktuelle Größen für neue Aufgaben zu gewinnen, weil diese es in München so schön finden, dass sie einfach nicht weg wollen - auch wenn es in Unterhaching nicht viel zu verdienen gibt. Weltmeister Klaus Augenthaler ist hier nun Trainer, Champions-League-erfahrene Spieler wie Miroslav Stevic ließen hier ihre aktive Karriere ausklingen.
Doch schon vor der Ankündigung des Hauptsponsors vor einem Jahr war Unterhaching oft gezwungen gewesen, seine besten Spieler abzugeben. So wechselte Abwehrspieler Stefan Buck zunächst zum FC Augsburg, nun ist er bei 1860 gelandet; Torwart Philipp Heerwagen spielt nun für den VfL Bochum. Bestes und aktuellstes Beispiel ist Anton Fink, der als Torschützenkönig der dritten Liga zum Karlsruher SC wechselte. Und Robert Zillner spielt nur noch in Unterhaching, weil er sich gegen Ende der vergangenen Saison verletzt hatte und so seinen Marktwert senkte.
Das Dorf ist immer ein Dorf geblieben, und von außen war die eingeschworene Gemeinschaft stets schwer einsehbar. Meistens hatten dort Menschen das Sagen, die im öffentlichen Leben seltsam unsichtbar blieben. So gelangten auch die finanziellen Probleme des Vereins nur ganz langsam ans Licht, doch mittlerweile sind sie nicht mehr zu übersehen.
Im Moment ist Unterhaching Siebter der dritten Liga, mit acht Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz. Der Kader wurde für diese Saison ganz erheblich vergrößert - ein riskanter, diesmal sportlicher Versuch, Unterhaching wieder zu jenem gallischen Dorf von einst zu machen. Und vielleicht der letzte Versuch überhaupt. cal
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Samstag, den 16. Oktober 2010 , Seite 46
16.10.2010 - 08:49 Uhr
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel
Aus eigener Kraft können Fußballvereine in der dritten Liga praktisch nicht existieren - sie sind sehr häufig von einzelnen Sponsoren abhängig
Von Christoph Leischwitz
Unterhaching - Klaus Augenthaler verabschiedet sich aus dem Presseraum, Präsident Engelbert Kupka übernimmt. Er klopft dem Trainer seiner SpVgg Unterhaching auf die Schulter und sagt: 'Viel Glück, Klaus.' Am Samstag empfängt die Spielvereinigung den Tabellenführer der dritten Liga, Kickers Offenbach. Der Unterhachinger Start in die Saison war verkorkst, deshalb ist es ein ungemein wichtiges Spiel. Der Abstand zur Spitze darf nicht zu groß werden. Sportlich gesehen wäre ein Aufstieg ungemein wichtig. Finanziell ist er mittlerweile aber schon überlebenswichtig.
Mittlerweile läuft die dritte Saison der neuen dritten Fußball-Liga, und viele Vereine sehen in ihr nichts anderes als einen Durchlauferhitzer, eine Möglichkeit zum Sprung in den wahren Profifußball, der in der zweiten Bundesliga beginnt, mit dem vielen Fernsehgeld. Auf Dauer aber könne man in der dritten nicht überleben, und einer, der das seit der Einführung regelmäßig gesagt hat, ist eben Engelbert Kupka.
Doch nun ist einiges passiert in Unterhaching. Früher, da hat Schatzmeister Anton Schrobenhauser seinem Herz einen Ruck gegeben und Unterhaching unterstützt, wenn es nötig war. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein, aus welchen Gründen auch immer. Deshalb hat sich der Verein nun mit einem fremden Investor eingelassen, bei dem fraglich ist, ob er zahlt. Und so hören sich Kupkas Sätze plötzlich an wie Rechtfertigungen: 'Das ist nun mal nicht anders zu machen.' Und: 'Zählen Sie doch mal nach, wie viele Bundesligisten dahin gekommen sind durch große Investitionen Einzelner.' Das sei eben nicht mehr aus Fan- und Sponsorenpotential gewachsen. Da helfe auch die Aufstockung der Fernsehgelder nichts, momentan sind es 800000 Euro pro Verein. 'Die Fernsehgelder sind lächerlich. Sie decken nicht einmal die Pflichtausgaben, die wir gegenüber dem DFB aufbringen müssen', sagt Kupka.
Für ihn spricht, dass nun mit Rot Weiß Ahlen sogar ein Traditionsverein in dieser Woche ein Insolvenzverfahren eröffnen musste - so wie er es schon lange prophezeit hatte. Es handelt sich also beileibe nicht nur um ein Unterhachinger Problem, in der dritten Liga zu bestehen. Doch manche haben es eben schwerer. 'Es ist nachvollziehbar, dass ein Verein wie Unterhaching sich in der Nachbarschaft des FC Bayern und 1860 München schwer tut, die nötigen Ressourcen zu finden', sagt etwa der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, Rainer Koch. Gerade weil viele Vereine das Gefühl haben, in der dritten Liga ein unsicheres Leben zu führen, gehen sie noch mehr Risiko ein, um sich den Aufstieg zu erkaufen. 'Es spielen nicht nur Fußballer gegeneinander, sondern auch Bilanzen', nennt Kupka das. Deshalb sind es die kleinen Geschichten am Rande, die ersten Symptome, die aufhorchen lassen sollten. Ehrenamtliche Mitarbeiter werden plötzlich nicht mehr zum Oktoberfest eingeladen, wie in Unterhaching einmal geschehen, Jahn Regensburg wird im eigenen Stadion vorübergehend der Strom abgestellt. Hier und da bekommt man zu hören, wie horrend gering manche Spieler- und Angestelltengehälter sind.
Die offiziellen Zuschauerzahlen, die in Unterhaching während eines Spiels vom Stadionsprecher durchgesagt werden, ernten meist ein lautes Lachen jener, die gekommen und für den Verein nicht einmal mehr der letzte Strohhalm sind. Dafür sind es einfach zu wenige.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Samstag, den 16. Oktober 2010 , Seite 46
Aus eigener Kraft können Fußballvereine in der dritten Liga praktisch nicht existieren - sie sind sehr häufig von einzelnen Sponsoren abhängig
Von Christoph Leischwitz
Unterhaching - Klaus Augenthaler verabschiedet sich aus dem Presseraum, Präsident Engelbert Kupka übernimmt. Er klopft dem Trainer seiner SpVgg Unterhaching auf die Schulter und sagt: 'Viel Glück, Klaus.' Am Samstag empfängt die Spielvereinigung den Tabellenführer der dritten Liga, Kickers Offenbach. Der Unterhachinger Start in die Saison war verkorkst, deshalb ist es ein ungemein wichtiges Spiel. Der Abstand zur Spitze darf nicht zu groß werden. Sportlich gesehen wäre ein Aufstieg ungemein wichtig. Finanziell ist er mittlerweile aber schon überlebenswichtig.
Mittlerweile läuft die dritte Saison der neuen dritten Fußball-Liga, und viele Vereine sehen in ihr nichts anderes als einen Durchlauferhitzer, eine Möglichkeit zum Sprung in den wahren Profifußball, der in der zweiten Bundesliga beginnt, mit dem vielen Fernsehgeld. Auf Dauer aber könne man in der dritten nicht überleben, und einer, der das seit der Einführung regelmäßig gesagt hat, ist eben Engelbert Kupka.
Doch nun ist einiges passiert in Unterhaching. Früher, da hat Schatzmeister Anton Schrobenhauser seinem Herz einen Ruck gegeben und Unterhaching unterstützt, wenn es nötig war. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein, aus welchen Gründen auch immer. Deshalb hat sich der Verein nun mit einem fremden Investor eingelassen, bei dem fraglich ist, ob er zahlt. Und so hören sich Kupkas Sätze plötzlich an wie Rechtfertigungen: 'Das ist nun mal nicht anders zu machen.' Und: 'Zählen Sie doch mal nach, wie viele Bundesligisten dahin gekommen sind durch große Investitionen Einzelner.' Das sei eben nicht mehr aus Fan- und Sponsorenpotential gewachsen. Da helfe auch die Aufstockung der Fernsehgelder nichts, momentan sind es 800000 Euro pro Verein. 'Die Fernsehgelder sind lächerlich. Sie decken nicht einmal die Pflichtausgaben, die wir gegenüber dem DFB aufbringen müssen', sagt Kupka.
Für ihn spricht, dass nun mit Rot Weiß Ahlen sogar ein Traditionsverein in dieser Woche ein Insolvenzverfahren eröffnen musste - so wie er es schon lange prophezeit hatte. Es handelt sich also beileibe nicht nur um ein Unterhachinger Problem, in der dritten Liga zu bestehen. Doch manche haben es eben schwerer. 'Es ist nachvollziehbar, dass ein Verein wie Unterhaching sich in der Nachbarschaft des FC Bayern und 1860 München schwer tut, die nötigen Ressourcen zu finden', sagt etwa der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes, Rainer Koch. Gerade weil viele Vereine das Gefühl haben, in der dritten Liga ein unsicheres Leben zu führen, gehen sie noch mehr Risiko ein, um sich den Aufstieg zu erkaufen. 'Es spielen nicht nur Fußballer gegeneinander, sondern auch Bilanzen', nennt Kupka das. Deshalb sind es die kleinen Geschichten am Rande, die ersten Symptome, die aufhorchen lassen sollten. Ehrenamtliche Mitarbeiter werden plötzlich nicht mehr zum Oktoberfest eingeladen, wie in Unterhaching einmal geschehen, Jahn Regensburg wird im eigenen Stadion vorübergehend der Strom abgestellt. Hier und da bekommt man zu hören, wie horrend gering manche Spieler- und Angestelltengehälter sind.
Die offiziellen Zuschauerzahlen, die in Unterhaching während eines Spiels vom Stadionsprecher durchgesagt werden, ernten meist ein lautes Lachen jener, die gekommen und für den Verein nicht einmal mehr der letzte Strohhalm sind. Dafür sind es einfach zu wenige.
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.240, Samstag, den 16. Oktober 2010 , Seite 46
16.10.2010 - 11:10 Uhr
Zitat von hachingfotos:
Eine Ratte verlässt das sinkende Schiff - ihr werdet euch an meine Worte erinnern... :angry
Da hast Du wohl voll ins Schwarze getroffen ...
Sieht so aus als wäre Schrobenhauser mal wieder der letzte Rettungsanker.
Eine Ratte verlässt das sinkende Schiff - ihr werdet euch an meine Worte erinnern... :angry
Da hast Du wohl voll ins Schwarze getroffen ...
Sieht so aus als wäre Schrobenhauser mal wieder der letzte Rettungsanker.
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