BVB - Taktik-Thread
20.01.2006 - 12:09 Uhr
12.07.2012 - 21:11 Uhr
@ all Vielen, vielen Dank für das positive Feedback und die Wertungen! :)
Da hier grad eine Diskussion am Laufen ist wie wir wohl nächste Saison spielen, muss ich jetzt etwas enttäuschen dass ich noch einmal mich auf die letzte Saison beziehe, da ich noch mehrere Sachen loswerden möchte, zudem möchte ich mich auf diese Sachen im (geplanten) Post zur nächsten Saison beziehen.
Daher zuerst einmal etwas zum Raum und insbesondere was unsere glorreiche Borussia anders macht als so viele andere Teams.
Angriffsspiel:
Wie so oft angeschnitten, kann man mmn auch hier eine klare Entwicklung unseres Spiels und unserer Spielart im Verlauf der Saison erkennen. Bleiben wir bei der Einteilung des Spielfeldes in Drittel, so ist mir insbesondere in der letzten Saison und zu Beginn dieser Saison aufgefallen, dass das erste Drittel (von unserem Tor aus gesehen) bei eigenem Ballbesitz als Sperrgebiet galt. Man konnte das insbesondere bei so manchem Einwurf von Pisczu oder Schmelle in der letzten Rückrunde (2010/2011) sehen: Hier standen die Gegner gerne tiefer um nicht durch einen langen Einwurf der beiden ausgehebelt zu werden, diese Einwürfe waren ja schon in der Hinrunde eine gefährliche Waffe. Anstatt jetzt aber den Ball zu unseren IV´s einzuwerfen, welche massig platz und Zeit am Ball hätten, wählten die beiden bewusst immer den Einwurf nach vorne. Das hat sicher zum einen damit zu tun, dass wir dann wieder gegenpressen und eventuell den Ball eroberen konnten, hat jedoch auch andere Gründe. Im Spiel gegen Lwiw, das 4:3 auswärts, wurde Hummels durch einen Rückpass (kein Einwurf, das Prinzip ist das selbe) unter Druck gesetzt, machte den Fehler und wir kassierten das 3:2 (?,weiss ich leider nichtmehr so genau). Als Klopp eben darauf in einem Interview nach dem Lwiw Spiel angesprochen wurde, hat er diese Szene gleich kritisiert und (ungefähr gesagt): Ja, das ist natürlich ein individueller Fehler, aber dass er da überhaupt so gefordert wird, wollen wir NIE sehen. Nachdem mir dieses Einwerfen einmal aufgefallen ist habe ich es bei gefühlt 99% aller Einwürfe gesehen, lediglich Sahin bot sich ab und an relativ nah an der Außenlinie an. Eben dieses von Klopp angesprochene Aufbauspiel, sprich dem eigenen Defensivbereich so wenig Druck wie möglich zuzumuten, führt aber auch zu Nachteilen. Insbesondere die Einwürfe und das ständige schnelle nach vorne Schlagen bei gegnerischem aggressiven Angriffspressing, führte in vielen Spielen zu einem ständigen Hin und Her (fast wie das englische Kick and Rush) und teilweise richtigen „Pressingorgien“.
Ich versuche mir beim Fußballgucken stets zu vergewissern, was in den letzten 5-10 Minuten an Passstaffetten, Torchancen und Ähnlichem aufgefallen ist. Ich musste in vielen Spielen (auch in dieser Saison) erstaunt feststellen, dass es sich dabei um 5-6 Einwürfe ins Halbfeld mit eben jenem Pressing, sowieso 5-10 langen Bällen ausgelöst durch eigenes Pressing (der Gegner also) und eigene Risikovermeidung(die eigenen Bälle). Sicher ist dies eine Möglichkeit durch Gegenpressing den Gegner unter Druck zu setzen, nur basiert eben jenes Prinzip darauf, dass der Gegner mehr Fehler macht als man selber. Durch unsere zahlreichen, exzellenten Pressingspieler reichte in den meisten Spielen eben jenes zusammen mit ein paar guten Pässen von Sahin aus, jedoch gab es in der Rückrunde immer mehr Spiele in denen wir so Probleme bekamen (Stuttgart Rückrunde/Saison 2011/2012). Eben dieses Prinzip der eigenen Risikovermeidung, hat Klopp jedoch noch weiter umgesetzt. Da schon die IVs von jenem Druck befreit waren (welche sich im Ende des ersten, Anfang des zweiten Drittels befinden), wurde auch bewusst versucht das zweite Drittel mit wenigen Pässen zu überbrücken, um so die Überzahl die sich dann im letzten Drittel befand, zu nutzen.
Im Laufe dieser Hinrunde und auch insbesondere der Rückrunde dieser Saison (2011/2012) haben wir uns langsam und stetig weiterentwickelt und auch unser Aufbauspiel variabler gestalten können. Nach dem Verkauf von Sahin (wie zuvor irgendwann bereits geschildert) wurde Hummels mit vielen Spieleröffnungsaufgaben betraut, Gündogan übernahm eine höhere Rolle suchte jedoch auch immer die Bindung zur offensiven Dreierreihe, wie dieser Dreierreihe (in Form von Götze und Kagawa) zu ihm. Nach dem enttäuschenden Saisonstart rückte mmn eher die (im letzten Post beschriebene) dominante Spielweise und Spielgestaltung an sich (Wann spiele ich quer? Wann steil? Wo muss ich mich hinbewegen?) in den Fokus. Es war das Auswärtsspiel in Augsburg, das vermeintlich einfachste Auswärtsspiel, der Meister, gegen den vermeintlich Schwächsten, was in vielerlei Hinsicht besonders war: Zuerst der Einsatz der Augsburger, die uns (was mir spontan bei keiner Mannschaft sonst einfällt) über 90 Minuten im Gegenpressing absolut gleichwertig waren, über lange Einwürfe sowie exzessive Gegenpressingsituationen in den Halbräumen oder den Außenbahnen des letzten Drittels, konnten wir also diese Augsburger nicht gefährden. Dazu die totale Umstellung auf flaches Aufbauspiel, was annähernd 90 Minuten durchgezogen wurde. Ich war damals sicher, das spätestens zur 60. Umgestellt wird und wir auf unsere langen Bälle (Kick n Rush) vertrauen (mit der Einwechslung Barrios für Shinji). Dass wir damals dabei geblieben sind hat mich zuerst gestört, finde ich in der Nachbetrachtung aber richtig. So scheint ja auch Klopp das eingeordnet zu haben, der nach dem Spiel nicht wirklich genervt wirkte und klarstellte, dass man einen Punkt in Augsburg gewonnen habe. Neben dieser bewussten Umstellung, welche durch die beweglichen Sechser ( und unter Umständen sogar IV´s) weiterverfolgt wurde, ließen sich immer wieder die Spieler der offensiven Dreierreihe (oder, wenn wir vom 4-4-2 ausgehen: die beiden Flügelspieler, sowie dem „Stürmer“ Kagawa) zurückfallen, um flach angespielt zu werden. Hier erwies sich insbesondere dieses extreme dauerhafte Flachpasseröffnungsspiel (was für ein Wort) als schädlich, schließlich wurde Kagawa Hosogai als Manndecker zugeteilt, der ihm dann stets folgte und bei der Ballannahme mit dem Rücken zum Tor stören konnte. Ebenso leicht konnten die gegnerischen Flügelspieler unsere einrückenden und zurückfallenden Flügelspieler aufnehmen und sie sofort unter Druck setzen, was sich in zahlreichen Ballverlusten unsererseits äußerte. Wenn jedoch sich der Spieler bei der Ballannahme lösen konnte durch seine individuelle Klasse oder einen schlafenden Gegenspieler, foulten die Augsburger konsequent, bevor sich zB Kagawa komplett drehen und Fahrt aufnehmen konnte, geschweige denn den Ball vernünftig weiterleiten konnte. Hier zeigte sich erneut die schreckliche Schwäche nach Standards, welche für ein, zwei Halbchancen führte, jedoch insgesamt in so einem knappen Spiel bis dato keine Möglichkeit für uns darstellten und darstellen.
Eben diese Probleme zeigten sich im Auswärtsspiel gegen Hertha BSC noch deutlicher, da zum einen Shinji fehlte und zum anderen der Rasen in einem schrecklichen Zustand war. Durch Kagawas Fehlen wurde Lewy auf der „10“ und Lucas als MS eingesetzt, wobei ersteres problematischer war. Lewandowski ist für einen Mittelstürmer technisch stark und besitzt große Qualitäten mit dem Rücken zum Tor, das Prallen lassen der Bälle auf die nachrückenden Mittelfeldspieler oder das Verlängern auf die durchstartenden Spieler der Offensivreihe. In dem Spiel gegen Hertha traten aber oben genannte Probleme aus Augsburg wieder auf, wodurch er bei der Ballannahme gestört wurde und Probleme hatte, sich direkt zu lösen um den Ball weiterzuleiten, was –im Gegensatz zu Kagawa- nicht seine Stärke ist. Trotz dieser „Rückschläge“ hielt auch Klopp an diesem neuen, flachen Aufbauspiel fest, so betonte (und betont) er ja auch stets, dass Entwicklung nicht unbedingt heißt, dass es bergauf geht, sondern es auch mal Rückschläge zu verkraften gilt. Mit dem Bremenspiel, dem zurückfallenden Kagawa, sowie beweglichen Gündogan und Kehl war uns dann auch (es ist mir hier zum ersten Mal so deutlich geworden) mühelos möglich, eine Überzahl im zweiten Drittel herzustellen. Dieses Überzahlspiel im zweiten Drittel erfordert jedoch- wie so ziemlich alles- ein richtiges Abwägen, bzw. richtige Laufwege und Entscheidungen. Inbesondere gegen Bremen hat man merken können, dass durch die schlechte Pressingarbeit der Bremer Stürmer, sowie die tiefspielende Mittelfeldkette, hatten unsere Innenverteidiger sowie Gündogan und Kehl durch relativ einfache Laufwege viel Zeit und Raum, welcher jedoch durch den zurückfallenden Kagawa und das bewusste Bilden dieser Überzahl, nicht so gut wie in späteren Spielen genutzt werden konnte. Während des Spiels habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass im Mittelfeld gar so ballverliebt kombiniert wurde, dass zT der Zug zum Tor verlorenging, weil Kehl und Gündogan mit Rochaden beschäftigt war und Kagawa zT damit zufrieden war horizontal zu verschieben und auf den Flügeln Überzahl herzustellen. Eben jenes variables Mittelfeldspiel zeigte sich auch gegen Gladbach (Rückrunde, zuhause).
Durch das sehr tief stehende Sturmduo Reus/Hanke, versucht Favre ja zumindest in Teilen eine möglichen Unterzahl im Zentrum (2 zentrale Mittelfeldspieler vs. 2 ZM+ 1 10er) entgegenzuwirken. Die Kehrseite sah man ganz klar beim Spiel in Dortmund, als sich kaum Möglichkeiten nach vorne boten, was daran lag dass die Stürmer zu tief standen um Raum für nachrückende Mittelfeldspieler beim Kontern zu öffnen, und so selbst die IV und die 6er weit aufrücken konnten um jeden Ball gleich gegen zu pressen. Gegen Gladbach zeigte sich jedoch (wie am letzten Spieltag gegen Freiburg) eine weitere „Neuerung“, welche so jedoch nur gegen bestimmte Gegner zum Tragen kommt. So bauten wir bei hohem Pressing von Gladbach das Spiel in einer unglaublichen Tiefe auf, wie man es sonst nur bei Spanien/Barca/ oder anderen spanischen Teams sieht. Hier stehen beide Innenverteidiger sehr breit, ebenso wie die AVs tief stehen, um zusammen mit den 6ern dem Torwart 6 mögliche Anspielstationen zu bieten, und somit selbst im eigenen ersten Drittel /Strafraum ein ruhiges Aufbauspiel zu betreiben. Hier stach auch gegen Freiburg insbesondere Weidenfeller hervor, der (ja, der so fürchterlich altmodische Weidenfeller) immer wieder stark zur Seite verschob, um für IVs und AVs eine sichere Anspielmöglichkeit zu bieten und so im Ballbesitz zu bleiben und den Ball nicht nur rauszudreschen und dann zu pressen. (als Beispiel kann man „Borussia Dortmund Teamplay“ auf youtube suchen, wo gleich zu Beginn ein wirklich starker Spielzug ausgehend von Weidenfeller gezeigt wird). Hier zeigt sich Weidenfeller ebenso technisch verbessert, wobei dies sicher noch nicht allerhöchstes Niveau hat, eventuell steigert er sich jedoch da auch noch. (Dieses Jahr ist mir persönlich nicht mehr das Herz in die Hose gerutscht wenn er versucht hat Flanken/Ecken abzufangen.) Neben Weidenfeller ist mir hier im Verlauf der Rückrunde (passend zu seiner ansteigenden Form) Schmelle sehr positiv aufgefallen. Auch wenn ich ihn vorher als technisch zu schwach eingestuft hätte, hat er auch hier oft ruhig und sicher weitergespielt und auch in dieser Drucksituation keine größeren Schwächen offenbart. Als Beispiel (wenn auch nicht hier haargenau passend) sei da die Vorlage vor dem 2:0 gegen Gladbach zu nennen, da schickt er Lewy mit einem starken Steilpass die Linie entlang, ich hätte im letztes Jahr noch einen langen Schlag zugetraut, man möge mir verzeihen ;) . Dieses unglaublich tiefe Aufbauspiel ist jedoch nur möglich, solange der Gegner sich bereit erklärt so hoch zu pressen, da es ansonsten stark an Sinn verliert. Nur dann kann man die erste Pressinglinie überspielen um anschließend viel Raum vorzufinden um Angriffe zu initiieren.
Dieses flexiblere Angriffsspiel wird zudem von einem flexiblen Pressing ergänzt, worauf ich jedoch kürzer eingehen möchte. Das von mir oftmals zitierte Hamburg-spiel (5:1 auswärts) zeigte schon partiell unglaublich hohes Pressing, gegen Gladbach hat man ähnlich spielen können. Durch die ruhig eröffnenden IV von Gladbach, sowie die sich tief anbietenden Sechser hatte Gladbach einen unglaublich hohen Ballbesitzanteil in dem eigenen ersten Drittel, wodurch wir (wie im selben Spiel Gladbach) extrem hoch in einem 4-2-4 pressten und so insbesondere die Vertikalpässe von Gladbach sehr gut unterbanden.
Das einzige, was mir bei unserer flexiblen Defensive eventuell Sorgen macht, ist das eigene Verteidigen im ersten Drittel und die Aggressivität des Pressings. So entstanden die meisten unserer Probleme und Gegentreffer, wenn einer unserer Spieler zu spät im Gegenpressing war, oder sich ein Gegner per Einzelaktion gegen 2-3 Mann durchsetzen konnte. So kann selbst Augsburg zu einer großen Gefahr werden, da wir ab und an extrem hohes Risiko im Gegenpressing gehen, was insbesondere in der CL kompliziert werden könnte. Ein eher passiveres Verteidigen ( Chelsea Style als extrem, oder wie manche Mannschaften das in der EM einstreuten) kann ich mir momentan nicht vorstellen, würde sich aber gegen diese Einzelaktionen ,welche in der CL noch häufiger vorkommen, noch besser machen, ggf reicht hier jedoch auch ein besseres eher passiveres Einsteigen beim Gegenpressing, mehr dazu eventuell im nächsten Post .
Wie immer freue ich mich über Feedback und Anregungen,
Mfg,Dreiecksspiel
Da hier grad eine Diskussion am Laufen ist wie wir wohl nächste Saison spielen, muss ich jetzt etwas enttäuschen dass ich noch einmal mich auf die letzte Saison beziehe, da ich noch mehrere Sachen loswerden möchte, zudem möchte ich mich auf diese Sachen im (geplanten) Post zur nächsten Saison beziehen.
Daher zuerst einmal etwas zum Raum und insbesondere was unsere glorreiche Borussia anders macht als so viele andere Teams.
Angriffsspiel:
Wie so oft angeschnitten, kann man mmn auch hier eine klare Entwicklung unseres Spiels und unserer Spielart im Verlauf der Saison erkennen. Bleiben wir bei der Einteilung des Spielfeldes in Drittel, so ist mir insbesondere in der letzten Saison und zu Beginn dieser Saison aufgefallen, dass das erste Drittel (von unserem Tor aus gesehen) bei eigenem Ballbesitz als Sperrgebiet galt. Man konnte das insbesondere bei so manchem Einwurf von Pisczu oder Schmelle in der letzten Rückrunde (2010/2011) sehen: Hier standen die Gegner gerne tiefer um nicht durch einen langen Einwurf der beiden ausgehebelt zu werden, diese Einwürfe waren ja schon in der Hinrunde eine gefährliche Waffe. Anstatt jetzt aber den Ball zu unseren IV´s einzuwerfen, welche massig platz und Zeit am Ball hätten, wählten die beiden bewusst immer den Einwurf nach vorne. Das hat sicher zum einen damit zu tun, dass wir dann wieder gegenpressen und eventuell den Ball eroberen konnten, hat jedoch auch andere Gründe. Im Spiel gegen Lwiw, das 4:3 auswärts, wurde Hummels durch einen Rückpass (kein Einwurf, das Prinzip ist das selbe) unter Druck gesetzt, machte den Fehler und wir kassierten das 3:2 (?,weiss ich leider nichtmehr so genau). Als Klopp eben darauf in einem Interview nach dem Lwiw Spiel angesprochen wurde, hat er diese Szene gleich kritisiert und (ungefähr gesagt): Ja, das ist natürlich ein individueller Fehler, aber dass er da überhaupt so gefordert wird, wollen wir NIE sehen. Nachdem mir dieses Einwerfen einmal aufgefallen ist habe ich es bei gefühlt 99% aller Einwürfe gesehen, lediglich Sahin bot sich ab und an relativ nah an der Außenlinie an. Eben dieses von Klopp angesprochene Aufbauspiel, sprich dem eigenen Defensivbereich so wenig Druck wie möglich zuzumuten, führt aber auch zu Nachteilen. Insbesondere die Einwürfe und das ständige schnelle nach vorne Schlagen bei gegnerischem aggressiven Angriffspressing, führte in vielen Spielen zu einem ständigen Hin und Her (fast wie das englische Kick and Rush) und teilweise richtigen „Pressingorgien“.
Ich versuche mir beim Fußballgucken stets zu vergewissern, was in den letzten 5-10 Minuten an Passstaffetten, Torchancen und Ähnlichem aufgefallen ist. Ich musste in vielen Spielen (auch in dieser Saison) erstaunt feststellen, dass es sich dabei um 5-6 Einwürfe ins Halbfeld mit eben jenem Pressing, sowieso 5-10 langen Bällen ausgelöst durch eigenes Pressing (der Gegner also) und eigene Risikovermeidung(die eigenen Bälle). Sicher ist dies eine Möglichkeit durch Gegenpressing den Gegner unter Druck zu setzen, nur basiert eben jenes Prinzip darauf, dass der Gegner mehr Fehler macht als man selber. Durch unsere zahlreichen, exzellenten Pressingspieler reichte in den meisten Spielen eben jenes zusammen mit ein paar guten Pässen von Sahin aus, jedoch gab es in der Rückrunde immer mehr Spiele in denen wir so Probleme bekamen (Stuttgart Rückrunde/Saison 2011/2012). Eben dieses Prinzip der eigenen Risikovermeidung, hat Klopp jedoch noch weiter umgesetzt. Da schon die IVs von jenem Druck befreit waren (welche sich im Ende des ersten, Anfang des zweiten Drittels befinden), wurde auch bewusst versucht das zweite Drittel mit wenigen Pässen zu überbrücken, um so die Überzahl die sich dann im letzten Drittel befand, zu nutzen.
Im Laufe dieser Hinrunde und auch insbesondere der Rückrunde dieser Saison (2011/2012) haben wir uns langsam und stetig weiterentwickelt und auch unser Aufbauspiel variabler gestalten können. Nach dem Verkauf von Sahin (wie zuvor irgendwann bereits geschildert) wurde Hummels mit vielen Spieleröffnungsaufgaben betraut, Gündogan übernahm eine höhere Rolle suchte jedoch auch immer die Bindung zur offensiven Dreierreihe, wie dieser Dreierreihe (in Form von Götze und Kagawa) zu ihm. Nach dem enttäuschenden Saisonstart rückte mmn eher die (im letzten Post beschriebene) dominante Spielweise und Spielgestaltung an sich (Wann spiele ich quer? Wann steil? Wo muss ich mich hinbewegen?) in den Fokus. Es war das Auswärtsspiel in Augsburg, das vermeintlich einfachste Auswärtsspiel, der Meister, gegen den vermeintlich Schwächsten, was in vielerlei Hinsicht besonders war: Zuerst der Einsatz der Augsburger, die uns (was mir spontan bei keiner Mannschaft sonst einfällt) über 90 Minuten im Gegenpressing absolut gleichwertig waren, über lange Einwürfe sowie exzessive Gegenpressingsituationen in den Halbräumen oder den Außenbahnen des letzten Drittels, konnten wir also diese Augsburger nicht gefährden. Dazu die totale Umstellung auf flaches Aufbauspiel, was annähernd 90 Minuten durchgezogen wurde. Ich war damals sicher, das spätestens zur 60. Umgestellt wird und wir auf unsere langen Bälle (Kick n Rush) vertrauen (mit der Einwechslung Barrios für Shinji). Dass wir damals dabei geblieben sind hat mich zuerst gestört, finde ich in der Nachbetrachtung aber richtig. So scheint ja auch Klopp das eingeordnet zu haben, der nach dem Spiel nicht wirklich genervt wirkte und klarstellte, dass man einen Punkt in Augsburg gewonnen habe. Neben dieser bewussten Umstellung, welche durch die beweglichen Sechser ( und unter Umständen sogar IV´s) weiterverfolgt wurde, ließen sich immer wieder die Spieler der offensiven Dreierreihe (oder, wenn wir vom 4-4-2 ausgehen: die beiden Flügelspieler, sowie dem „Stürmer“ Kagawa) zurückfallen, um flach angespielt zu werden. Hier erwies sich insbesondere dieses extreme dauerhafte Flachpasseröffnungsspiel (was für ein Wort) als schädlich, schließlich wurde Kagawa Hosogai als Manndecker zugeteilt, der ihm dann stets folgte und bei der Ballannahme mit dem Rücken zum Tor stören konnte. Ebenso leicht konnten die gegnerischen Flügelspieler unsere einrückenden und zurückfallenden Flügelspieler aufnehmen und sie sofort unter Druck setzen, was sich in zahlreichen Ballverlusten unsererseits äußerte. Wenn jedoch sich der Spieler bei der Ballannahme lösen konnte durch seine individuelle Klasse oder einen schlafenden Gegenspieler, foulten die Augsburger konsequent, bevor sich zB Kagawa komplett drehen und Fahrt aufnehmen konnte, geschweige denn den Ball vernünftig weiterleiten konnte. Hier zeigte sich erneut die schreckliche Schwäche nach Standards, welche für ein, zwei Halbchancen führte, jedoch insgesamt in so einem knappen Spiel bis dato keine Möglichkeit für uns darstellten und darstellen.
Eben diese Probleme zeigten sich im Auswärtsspiel gegen Hertha BSC noch deutlicher, da zum einen Shinji fehlte und zum anderen der Rasen in einem schrecklichen Zustand war. Durch Kagawas Fehlen wurde Lewy auf der „10“ und Lucas als MS eingesetzt, wobei ersteres problematischer war. Lewandowski ist für einen Mittelstürmer technisch stark und besitzt große Qualitäten mit dem Rücken zum Tor, das Prallen lassen der Bälle auf die nachrückenden Mittelfeldspieler oder das Verlängern auf die durchstartenden Spieler der Offensivreihe. In dem Spiel gegen Hertha traten aber oben genannte Probleme aus Augsburg wieder auf, wodurch er bei der Ballannahme gestört wurde und Probleme hatte, sich direkt zu lösen um den Ball weiterzuleiten, was –im Gegensatz zu Kagawa- nicht seine Stärke ist. Trotz dieser „Rückschläge“ hielt auch Klopp an diesem neuen, flachen Aufbauspiel fest, so betonte (und betont) er ja auch stets, dass Entwicklung nicht unbedingt heißt, dass es bergauf geht, sondern es auch mal Rückschläge zu verkraften gilt. Mit dem Bremenspiel, dem zurückfallenden Kagawa, sowie beweglichen Gündogan und Kehl war uns dann auch (es ist mir hier zum ersten Mal so deutlich geworden) mühelos möglich, eine Überzahl im zweiten Drittel herzustellen. Dieses Überzahlspiel im zweiten Drittel erfordert jedoch- wie so ziemlich alles- ein richtiges Abwägen, bzw. richtige Laufwege und Entscheidungen. Inbesondere gegen Bremen hat man merken können, dass durch die schlechte Pressingarbeit der Bremer Stürmer, sowie die tiefspielende Mittelfeldkette, hatten unsere Innenverteidiger sowie Gündogan und Kehl durch relativ einfache Laufwege viel Zeit und Raum, welcher jedoch durch den zurückfallenden Kagawa und das bewusste Bilden dieser Überzahl, nicht so gut wie in späteren Spielen genutzt werden konnte. Während des Spiels habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass im Mittelfeld gar so ballverliebt kombiniert wurde, dass zT der Zug zum Tor verlorenging, weil Kehl und Gündogan mit Rochaden beschäftigt war und Kagawa zT damit zufrieden war horizontal zu verschieben und auf den Flügeln Überzahl herzustellen. Eben jenes variables Mittelfeldspiel zeigte sich auch gegen Gladbach (Rückrunde, zuhause).
Durch das sehr tief stehende Sturmduo Reus/Hanke, versucht Favre ja zumindest in Teilen eine möglichen Unterzahl im Zentrum (2 zentrale Mittelfeldspieler vs. 2 ZM+ 1 10er) entgegenzuwirken. Die Kehrseite sah man ganz klar beim Spiel in Dortmund, als sich kaum Möglichkeiten nach vorne boten, was daran lag dass die Stürmer zu tief standen um Raum für nachrückende Mittelfeldspieler beim Kontern zu öffnen, und so selbst die IV und die 6er weit aufrücken konnten um jeden Ball gleich gegen zu pressen. Gegen Gladbach zeigte sich jedoch (wie am letzten Spieltag gegen Freiburg) eine weitere „Neuerung“, welche so jedoch nur gegen bestimmte Gegner zum Tragen kommt. So bauten wir bei hohem Pressing von Gladbach das Spiel in einer unglaublichen Tiefe auf, wie man es sonst nur bei Spanien/Barca/ oder anderen spanischen Teams sieht. Hier stehen beide Innenverteidiger sehr breit, ebenso wie die AVs tief stehen, um zusammen mit den 6ern dem Torwart 6 mögliche Anspielstationen zu bieten, und somit selbst im eigenen ersten Drittel /Strafraum ein ruhiges Aufbauspiel zu betreiben. Hier stach auch gegen Freiburg insbesondere Weidenfeller hervor, der (ja, der so fürchterlich altmodische Weidenfeller) immer wieder stark zur Seite verschob, um für IVs und AVs eine sichere Anspielmöglichkeit zu bieten und so im Ballbesitz zu bleiben und den Ball nicht nur rauszudreschen und dann zu pressen. (als Beispiel kann man „Borussia Dortmund Teamplay“ auf youtube suchen, wo gleich zu Beginn ein wirklich starker Spielzug ausgehend von Weidenfeller gezeigt wird). Hier zeigt sich Weidenfeller ebenso technisch verbessert, wobei dies sicher noch nicht allerhöchstes Niveau hat, eventuell steigert er sich jedoch da auch noch. (Dieses Jahr ist mir persönlich nicht mehr das Herz in die Hose gerutscht wenn er versucht hat Flanken/Ecken abzufangen.) Neben Weidenfeller ist mir hier im Verlauf der Rückrunde (passend zu seiner ansteigenden Form) Schmelle sehr positiv aufgefallen. Auch wenn ich ihn vorher als technisch zu schwach eingestuft hätte, hat er auch hier oft ruhig und sicher weitergespielt und auch in dieser Drucksituation keine größeren Schwächen offenbart. Als Beispiel (wenn auch nicht hier haargenau passend) sei da die Vorlage vor dem 2:0 gegen Gladbach zu nennen, da schickt er Lewy mit einem starken Steilpass die Linie entlang, ich hätte im letztes Jahr noch einen langen Schlag zugetraut, man möge mir verzeihen ;) . Dieses unglaublich tiefe Aufbauspiel ist jedoch nur möglich, solange der Gegner sich bereit erklärt so hoch zu pressen, da es ansonsten stark an Sinn verliert. Nur dann kann man die erste Pressinglinie überspielen um anschließend viel Raum vorzufinden um Angriffe zu initiieren.
Dieses flexiblere Angriffsspiel wird zudem von einem flexiblen Pressing ergänzt, worauf ich jedoch kürzer eingehen möchte. Das von mir oftmals zitierte Hamburg-spiel (5:1 auswärts) zeigte schon partiell unglaublich hohes Pressing, gegen Gladbach hat man ähnlich spielen können. Durch die ruhig eröffnenden IV von Gladbach, sowie die sich tief anbietenden Sechser hatte Gladbach einen unglaublich hohen Ballbesitzanteil in dem eigenen ersten Drittel, wodurch wir (wie im selben Spiel Gladbach) extrem hoch in einem 4-2-4 pressten und so insbesondere die Vertikalpässe von Gladbach sehr gut unterbanden.
Das einzige, was mir bei unserer flexiblen Defensive eventuell Sorgen macht, ist das eigene Verteidigen im ersten Drittel und die Aggressivität des Pressings. So entstanden die meisten unserer Probleme und Gegentreffer, wenn einer unserer Spieler zu spät im Gegenpressing war, oder sich ein Gegner per Einzelaktion gegen 2-3 Mann durchsetzen konnte. So kann selbst Augsburg zu einer großen Gefahr werden, da wir ab und an extrem hohes Risiko im Gegenpressing gehen, was insbesondere in der CL kompliziert werden könnte. Ein eher passiveres Verteidigen ( Chelsea Style als extrem, oder wie manche Mannschaften das in der EM einstreuten) kann ich mir momentan nicht vorstellen, würde sich aber gegen diese Einzelaktionen ,welche in der CL noch häufiger vorkommen, noch besser machen, ggf reicht hier jedoch auch ein besseres eher passiveres Einsteigen beim Gegenpressing, mehr dazu eventuell im nächsten Post .
Wie immer freue ich mich über Feedback und Anregungen,
Mfg,Dreiecksspiel
13.07.2012 - 10:10 Uhr
Hui danke, Dreiecksspiel, spannende Beobachtungen, die hier noch lange nicht alle thematisiert wurden. edit: natürlich wie immer toll zu lesen - könnt ich werten... ;)
Erstmal für den Moment etwas zum Einwurfverhalten - in einem späteren Posting werde ich nochmal ausführlich auf die letzte Saison eingehen und versuchen, Entwicklungen im BVB Spiel anzudeuten, die nicht nur Reus/Götze für Kagawa setzen, mit der off. Dreierreihe personell spielen und dann überlegen, was dabei herauskommt. Ich glaube schon, dass das BVB spiel weit mehr Optionen bekommt als bisher zu sehen ist. Um mal etwas schönes zu prophezeien: Wenn man noch 1-2 Jahre wartet und die Mannschaft insgesamt gehalten werden kann, weil die Erfolge zunehmen, man bei Durststrecken (womöglich in der nächsten Saison national) nicht ausrastet und die Spieler nicht vereins-wahnsinnig werden: heja bvb! ;)
Einwürfe haben sich für die einwerfende Mannschaft nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen zum Vorteil entwickelt:
- Man kann sehr schnell (ich würde schätzen innerhalb von 5-7 Sekunden) einwerfen, bevor sich der Gegner sortiert hat und dann in Nähe des Einwurfortes mit Einwerfendem und einem weiteren Spieler zwei gegen eins gewinnen.
- Man kann den Einwurf als Einwurfflanke auf Höhe des gegnerischen 16ers werfen.
- Der Einwurf ist 5-10m vor Höhe der Mittellinie, im 'Niemandsland' der eigenen Hälfte, idealerweise noch nach der 70. Minute die Kräfte beim Gegner anfangen nachzulassen.
- Der Einwurf folgt auf einen Befreiungssschlag der Gegner.
In so gut wie allen anderen Fällen hat die einwerfende Mannschaft einen Nachteil: Sie hat einen Feldspieler weniger auf dem Platz. Hier wird das relevant, weil der einwerfende Spieler ja nicht angelaufen werden kann und sich ja auch nicht selbst den Ball einwerfen kann. Man läuft also in vielen Situationen Gefahr, den Ball über gegnerisches Pressing und eigene Unterzahl direkt im Anschluss an den Einwurf zu verlieren.
- Wirft man - oft der Außenverteidiger - den vermeintlich sicheren Ball nach hinten zum Innenverteidiger, kann der Gegner als taktische Variante, um darauf zu antworten, zwei Spieler auf beide Innenverteidiger ansetzen: Der erste IV wird angelaufenen und kann nur noch zum Torwart spielen, da der zweite IV und über aufrückende Außenspieler auch der einwerfende AV unter Druck gesetzt wird. Wenn der Ball ungünstig springt, nicht perfekt geworfen wird, der IV eine ungünstige Bewegung macht, funktioniert auch der Rückpass zum Torwart nicht (etwa, weil der Ball zu hoch ist und der Gegenspieler schon am Mann), man muss zwingend in den Zweikampf. Passiert nicht häufig, passiert aber. Dieses Risiko will Klopp umgehen.
- Also wirft der BVB in aller Regel nach vorne ein: Hier läuft man Gefahr, den Ball direkt zu verlieren. Theoretisch droht nun ein Konter.
Aber: Erstens stehen dann viele Dortmunder Spieler in Ballnähe und müssen erst im Zweikampfspiel oder über schnelles Direktspiel überwunden werden.
Zweitens können diese vielen Dortmunder hervorragend gegenpressen.
Drittens sind diese vielen Dortmunder im Regelfall technisch wie im Kurzpassspiel ausgeprägt stark, in dieser Hinsicht in der Bundesliga wohl am stärksten.
Viertens: Wenn der Einwurf ankommt, weil etwa in der Spielsituation vorher Bewegung vorhanden war und ein Spieler des Gegners nicht herausrückt und für Überzahl sorgt oder die Zuteilung nicht stimmt, dann kommen gefährlicher Angriffe zustande: Man kann 'schräg' auf den 16er des Gegners zulaufen...
So fiel etwa das Tor gegen Wolfsburg von Götze - und noch min. ein Tor fiel in dieser Saison so, habe aber leider vergessen, welches. Übrigens trainiert Klopp exakt diese Situationen: Das Wolfsburg-Tor war ganz offensichtlich eine trainierte Spielsituation: http://www.youtube.com/watch?v=bDfyp7eWDBs Minute 3:05 und ich meine der Szene in 3:46 ging auch ein Einwurf voraus; sehr schön in beiden Szenen auch die prinzipielle Strategie zu erkennen, die Klopp im gesamten Offensivbereich konsequent spielen lässt udn die auf Dauer sehr schwer zu verteidigen ist: Fast immer besetzen Spieler sofort die entscheidenden offensiven Räume: Wenn ein Spieler aus dem offensiven Raum herausrückt, geht im Regelfall die ersten 5-10m der Gegenspieler mit: Sonst könnte der kurze Pass kommen, der Spieler sich drehen, der Druck würde größer. Jetzt rennt in diesen Situationen aber sofort - meist im Sprint oder im schnellen Lauf - ein eigener Spieler in diesen Raum hinein, in den Szenen ist es zunächst Kagawa der in die Tiefe des von Götze freigemachten Raumes läuft, und der einen Gegenspieler mit sich zieht, worauf dann sofort Götze wiederum in den nun endgültig freigewordenen Raum aus dem Kagawa kommt startet; im zweiten Beispiel ist es Bender, der in den Raum, aus dem Lewandowski kommt, startet, worauf Lewandowski sofort in die Mitte zurückläuft, um dort die Hereingabe zu verwerten.
Einerseits nimmt also die Gefahr eines Ballverlustes bei Einwurf nach vorne deutlich zu, auch wenn sich die Gefahr eines Ballverlustes auch bei Einwurf zum IV eben nicht komplett verhindern lässt; andererseits ässt sich also die Gefahr minimieren, nach Ballverlust in einen Konter zu laufen, der bei Ballverlust/schlecht laufendem Zweikampf des IV sofort höchst gefährlich wäre.
Im Wissen sehr stark pressen zu können, nimmt Klopp auch mal in Kauf, kurz Ping-Pong spielen zu lassen: Wenn keiner seiner Spieler das Gefühl hat, einen Ball unter Kontrolle bringen zu können und er nicht vorher weiß, wohin er den Ball direkt weiterleiten kann, wird er einfach wieder in den gefährlichen Raum gespielt, um diese Situation in der Schwebe zu halten: Die Gefahr, dass sich der Gegner doch noch 'er-pressen' lässt, ist so nach wie vor vorhanden und das ist nich unbedingt schlechter als wenn der Ball angenommen werden würde: Mit der Gefahr im Zweikampf zu landen und den Ball zu verlieren und in einen Konter zu rennen.
Man kann also schon am Einwurfverhalten des BVB ablesen, welche Philosophie Klopp und Buvac verfolgen.
Erstmal für den Moment etwas zum Einwurfverhalten - in einem späteren Posting werde ich nochmal ausführlich auf die letzte Saison eingehen und versuchen, Entwicklungen im BVB Spiel anzudeuten, die nicht nur Reus/Götze für Kagawa setzen, mit der off. Dreierreihe personell spielen und dann überlegen, was dabei herauskommt. Ich glaube schon, dass das BVB spiel weit mehr Optionen bekommt als bisher zu sehen ist. Um mal etwas schönes zu prophezeien: Wenn man noch 1-2 Jahre wartet und die Mannschaft insgesamt gehalten werden kann, weil die Erfolge zunehmen, man bei Durststrecken (womöglich in der nächsten Saison national) nicht ausrastet und die Spieler nicht vereins-wahnsinnig werden: heja bvb! ;)
Einwürfe haben sich für die einwerfende Mannschaft nur noch unter ganz bestimmten Bedingungen zum Vorteil entwickelt:
- Man kann sehr schnell (ich würde schätzen innerhalb von 5-7 Sekunden) einwerfen, bevor sich der Gegner sortiert hat und dann in Nähe des Einwurfortes mit Einwerfendem und einem weiteren Spieler zwei gegen eins gewinnen.
- Man kann den Einwurf als Einwurfflanke auf Höhe des gegnerischen 16ers werfen.
- Der Einwurf ist 5-10m vor Höhe der Mittellinie, im 'Niemandsland' der eigenen Hälfte, idealerweise noch nach der 70. Minute die Kräfte beim Gegner anfangen nachzulassen.
- Der Einwurf folgt auf einen Befreiungssschlag der Gegner.
In so gut wie allen anderen Fällen hat die einwerfende Mannschaft einen Nachteil: Sie hat einen Feldspieler weniger auf dem Platz. Hier wird das relevant, weil der einwerfende Spieler ja nicht angelaufen werden kann und sich ja auch nicht selbst den Ball einwerfen kann. Man läuft also in vielen Situationen Gefahr, den Ball über gegnerisches Pressing und eigene Unterzahl direkt im Anschluss an den Einwurf zu verlieren.
- Wirft man - oft der Außenverteidiger - den vermeintlich sicheren Ball nach hinten zum Innenverteidiger, kann der Gegner als taktische Variante, um darauf zu antworten, zwei Spieler auf beide Innenverteidiger ansetzen: Der erste IV wird angelaufenen und kann nur noch zum Torwart spielen, da der zweite IV und über aufrückende Außenspieler auch der einwerfende AV unter Druck gesetzt wird. Wenn der Ball ungünstig springt, nicht perfekt geworfen wird, der IV eine ungünstige Bewegung macht, funktioniert auch der Rückpass zum Torwart nicht (etwa, weil der Ball zu hoch ist und der Gegenspieler schon am Mann), man muss zwingend in den Zweikampf. Passiert nicht häufig, passiert aber. Dieses Risiko will Klopp umgehen.
- Also wirft der BVB in aller Regel nach vorne ein: Hier läuft man Gefahr, den Ball direkt zu verlieren. Theoretisch droht nun ein Konter.
Aber: Erstens stehen dann viele Dortmunder Spieler in Ballnähe und müssen erst im Zweikampfspiel oder über schnelles Direktspiel überwunden werden.
Zweitens können diese vielen Dortmunder hervorragend gegenpressen.
Drittens sind diese vielen Dortmunder im Regelfall technisch wie im Kurzpassspiel ausgeprägt stark, in dieser Hinsicht in der Bundesliga wohl am stärksten.
Viertens: Wenn der Einwurf ankommt, weil etwa in der Spielsituation vorher Bewegung vorhanden war und ein Spieler des Gegners nicht herausrückt und für Überzahl sorgt oder die Zuteilung nicht stimmt, dann kommen gefährlicher Angriffe zustande: Man kann 'schräg' auf den 16er des Gegners zulaufen...
So fiel etwa das Tor gegen Wolfsburg von Götze - und noch min. ein Tor fiel in dieser Saison so, habe aber leider vergessen, welches. Übrigens trainiert Klopp exakt diese Situationen: Das Wolfsburg-Tor war ganz offensichtlich eine trainierte Spielsituation: http://www.youtube.com/watch?v=bDfyp7eWDBs Minute 3:05 und ich meine der Szene in 3:46 ging auch ein Einwurf voraus; sehr schön in beiden Szenen auch die prinzipielle Strategie zu erkennen, die Klopp im gesamten Offensivbereich konsequent spielen lässt udn die auf Dauer sehr schwer zu verteidigen ist: Fast immer besetzen Spieler sofort die entscheidenden offensiven Räume: Wenn ein Spieler aus dem offensiven Raum herausrückt, geht im Regelfall die ersten 5-10m der Gegenspieler mit: Sonst könnte der kurze Pass kommen, der Spieler sich drehen, der Druck würde größer. Jetzt rennt in diesen Situationen aber sofort - meist im Sprint oder im schnellen Lauf - ein eigener Spieler in diesen Raum hinein, in den Szenen ist es zunächst Kagawa der in die Tiefe des von Götze freigemachten Raumes läuft, und der einen Gegenspieler mit sich zieht, worauf dann sofort Götze wiederum in den nun endgültig freigewordenen Raum aus dem Kagawa kommt startet; im zweiten Beispiel ist es Bender, der in den Raum, aus dem Lewandowski kommt, startet, worauf Lewandowski sofort in die Mitte zurückläuft, um dort die Hereingabe zu verwerten.
Einerseits nimmt also die Gefahr eines Ballverlustes bei Einwurf nach vorne deutlich zu, auch wenn sich die Gefahr eines Ballverlustes auch bei Einwurf zum IV eben nicht komplett verhindern lässt; andererseits ässt sich also die Gefahr minimieren, nach Ballverlust in einen Konter zu laufen, der bei Ballverlust/schlecht laufendem Zweikampf des IV sofort höchst gefährlich wäre.
Im Wissen sehr stark pressen zu können, nimmt Klopp auch mal in Kauf, kurz Ping-Pong spielen zu lassen: Wenn keiner seiner Spieler das Gefühl hat, einen Ball unter Kontrolle bringen zu können und er nicht vorher weiß, wohin er den Ball direkt weiterleiten kann, wird er einfach wieder in den gefährlichen Raum gespielt, um diese Situation in der Schwebe zu halten: Die Gefahr, dass sich der Gegner doch noch 'er-pressen' lässt, ist so nach wie vor vorhanden und das ist nich unbedingt schlechter als wenn der Ball angenommen werden würde: Mit der Gefahr im Zweikampf zu landen und den Ball zu verlieren und in einen Konter zu rennen.
Man kann also schon am Einwurfverhalten des BVB ablesen, welche Philosophie Klopp und Buvac verfolgen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Harlekin am 13.07.2012 um 10:28 Uhr bearbeitet
23.07.2012 - 09:26 Uhr
Zitat von Box2Box_Playmaker:
moin, ohne die vorherigen diskussionen abwürgen zu wollen, will ich trotzdem mal eben reingrätschen und meine gerade spontan eingefallene idee posten:
ich bin ja ein ganz arger gegner der raute, aber beim bvb wäre das doch ein wirklich interessanter ansatz, da gerade die vorstöße unserer außenverteidiger dafür super geeignet wären. kehl, der das spiel aus der defensiven zentrale aufbaut, wird von den beiden riesenzockern gündogan und leitner im b2b-stil flankiert. davor spielt mario das freie radikal:
-------lewy-----reus------
-----------götze----------
--gündogan-----leitner----
------------kehl----------
schmelle-mats-neven-piszu
-----------weide----------
iwie fänd ich das geil, leider würde man dann kuba nicht mehr gebrauchen können, weswegen die idee kaum praxisnahe relevanz hat. je nachdem wie reus und götze sich bewegen, könnte daraus offensiv wohl schnell ein 343 werden. sollte halt nur mal so als hypothetische möglichkeit in die runde geworfen werden...
auf jeden fall eine überlegung wert. die raute gehört mit den flexibelsten systemen. jedoch hat klopp bei der frage nach einem zweiten stürmer bereits anklingen lassen, dass man weiterhin auf das 4-2-3-1 setzen möchte, weil man in diesem system am besten die taktischen maßnahmen umsetzen kann.
bei der raute sind die beiden außenbahnen im mittelfeld offen gehalten um den außenverteidigern die gelegenheit zu geben mit nach vorne zu gehen. dies hat aber widerrum den nachteil, dass man dem gegnerischen außenverteidiger bei ballbesitz zu wenig druck beim anlaufen entgegensetzen kann. damit hätte diese beiden spieler zu viel zeit bei ballbesitz ihr spiel mit einem genauen pass aufzubauen. gerade das soll beim bvb ja unterbunden werden. jeder gegenspieler wird angelaufen, so dass weniger zeit zur ballverarbeitung und weiterleitung bleibt. so wird der gegner zu einem fehler oder einem langen ball nach vorne gezwungen. durch unsere großgewachsenen innenverteidiger würden solche bälle schnell wieder in unserer reihe gelangen.
moin, ohne die vorherigen diskussionen abwürgen zu wollen, will ich trotzdem mal eben reingrätschen und meine gerade spontan eingefallene idee posten:
ich bin ja ein ganz arger gegner der raute, aber beim bvb wäre das doch ein wirklich interessanter ansatz, da gerade die vorstöße unserer außenverteidiger dafür super geeignet wären. kehl, der das spiel aus der defensiven zentrale aufbaut, wird von den beiden riesenzockern gündogan und leitner im b2b-stil flankiert. davor spielt mario das freie radikal:
-------lewy-----reus------
-----------götze----------
--gündogan-----leitner----
------------kehl----------
schmelle-mats-neven-piszu
-----------weide----------
iwie fänd ich das geil, leider würde man dann kuba nicht mehr gebrauchen können, weswegen die idee kaum praxisnahe relevanz hat. je nachdem wie reus und götze sich bewegen, könnte daraus offensiv wohl schnell ein 343 werden. sollte halt nur mal so als hypothetische möglichkeit in die runde geworfen werden...
auf jeden fall eine überlegung wert. die raute gehört mit den flexibelsten systemen. jedoch hat klopp bei der frage nach einem zweiten stürmer bereits anklingen lassen, dass man weiterhin auf das 4-2-3-1 setzen möchte, weil man in diesem system am besten die taktischen maßnahmen umsetzen kann.
bei der raute sind die beiden außenbahnen im mittelfeld offen gehalten um den außenverteidigern die gelegenheit zu geben mit nach vorne zu gehen. dies hat aber widerrum den nachteil, dass man dem gegnerischen außenverteidiger bei ballbesitz zu wenig druck beim anlaufen entgegensetzen kann. damit hätte diese beiden spieler zu viel zeit bei ballbesitz ihr spiel mit einem genauen pass aufzubauen. gerade das soll beim bvb ja unterbunden werden. jeder gegenspieler wird angelaufen, so dass weniger zeit zur ballverarbeitung und weiterleitung bleibt. so wird der gegner zu einem fehler oder einem langen ball nach vorne gezwungen. durch unsere großgewachsenen innenverteidiger würden solche bälle schnell wieder in unserer reihe gelangen.
03.08.2012 - 11:41 Uhr
Ich habe leider die letzten Seiten nicht vollständig gelesen, von daher werde ich hier wohl so einiges wiederholen. Ich wollte trotzdem, nachdem ich zuletzt immer wieder hin und her überlegt habe, wie unser System aussehen könnte, nun auch mal meine Vorstellung präsentieren und hoffe auf euer Feedback.
----------------------------Lewy--------------
------------------Reus------------------------
---------Götze-----------------------Kuba---
----------------------------Günni-------------
-Schmelle--------Kehl-----------------Piszu-
-----------Hummels----------Subo----------
--------------------Weide---------------------
----------------Lewy--------------------------
--------------------------Reus----------------
----Perisic--------------------Götze----------
-----------------Günni------------------------
-Schmelle---------------Manni--------Piszu-
-----------Hummels-------------Tele---------
---------------------Weide--------------------
(Prämisse: Wenn Götze fit ist, ist er gesetzt.)
Ich habe mal versucht die mir vorschwebende Asynchronität in unserem Spiel schematisch zu verdeutlichen.
Es folgt meine Vorstellung in Worten.
Angriffszentrum:
- Lewy und Reus spielen fast auf einer Linie. Beide können sich gut fallen lassen und Bälle behaupten und verteilen um dann wieder in die Spitze zu starten oder den Flügel zu unterstützen. Sind sich gar nicht so unähnlich, die beiden und können beide die Stürmerrolle horizontal und vertikal interpretieren. Ich hoffe auf eine Art Wechselspiel zwischen den beiden, wobei es natürlich unterschiedliche Interpretationen der beiden geben wird. Lewy käme dann eher über seine Physis, Reus über die Schnelligkeit.
- Dass die beiden ca. auf einer Linie spielen hätte dann auch Vorteile bei der Balleroberung. Besonders effektiv war unser Pressing in der letzten Saison, wenn Kagawa neben Lewy gepresst hat. Es wird spannend sein zu beobachten, ob Reus die Räume ähnlich intelligent zu machen kann.
Offensive Außenspieler
- Götze sehe ich als spielgestaltenden Außen, der zentraler und zurückgezogener als sein Pendant auf der anderen Seite spielt. Als Rechtsfuß spielt er invers, zieht also nach innen, allerdings weniger um den Abschluss zu suchen, sondern um Gegner auf sich zu ziehen und dann Bälle durchzustecken oder Platz für den aufrückenden ballnahen Außenverteidiger zu schaffen.
- Auf der anderen Seite spielt dann ein Flügelstürmer, der phasenweise die Seitenlinie beackert, teilweise aber auch zum dritten Stürmer mutieren kann. Letzteres konnte man bei Kuba in der letzten Saison schon regelmäßig beobachten. Auch Perisic bring die perfekten Anlagen dafür mit.
- Bei der geordneten Ballrückerobereung nehmen die Außen ihr klassischen Positionen in der Mittelfeld-Viererkette ein.
Zentrales Mittelfeld
- Gündogan als Box2Box-Playmaker rückt in der Vorwärtbewegung in das Vakuum zwischen Götze und dem zweiten Außenstürmer auf (in meiner Vorstellung haben wir ja keinen 10er) und gibt dort die zweite spielgestaltende Kraft.
- Kehl oder Manni dagegen geben, wie immer wieder in den Testspielen zu sehen, den abkippenden 6er. Regelmäßig werden sie sich im Spielaufbau zwischen die beiden Innenverteidiger fallen lassen. Normalerweise tut das der abkippende 6er um als Deep-Lying-Playmaker mehr Zeit und Raum zum agieren zu bekommen. In unserem Fall ist diese dritte spielgestaltende allerdings Hummels. Durch das Abkippen des 6ers tun sich allerdings mehrere Anspielstationen beim Beginn des Spielaufbaus auf, sodass auch Hummels durch diese Maßnahme regelmäßig mehr Platz haben wird.
- Bei der geordneten Ballrückerobereung nehmen die zentralen Mittelfeldspieler ihre klassischen Positionen in der Mittelfeld-Viererkette ein, wobei sich durch die Position Gündogans zwischen den offensiven Außen sinnvollerweise automatisch ergibt, dass der zweikampfstärkere 6er (Kehl oder Manni) auf der Seite von Götze spielt, den ich in der Rückwärtsbewegung als etwas schwächer als das jeweilige Pendant einschätze.
Außenverteidiger
- Grundsätzlich ist ihre Rolle das dauerhafte beackern der Seitenlinie. Je nachdem ob Götze oder der andere Außenstümer auf der eigenen Seite spielt, gestaltet sich die offensive Rolle etwas anders.
- Spielt der Außenverteidiger auf Götzes Seite, heißt es die oben im Götze-Absatz genannten Räume zu nutzen. Es ist hier unbedingt wichtig, dass es sich nicht um einen inversen Außenverteidiger handelt. GK auf links sehe ich in diesem Fall nicht als Option, zumal ich glaube, dass Schmelzer mit diesem Platz auch einiges anfangen könnte. Schwächen im Offensivspiel zeigt er eher dann, wenn es wenig Raum gibt, zumal es mit einem GK an seiner Seite (dessen Laufstärke und Spielintelligenz in allen Ehren) auch schwer ist, Räume zu kreieren.
- Spielt der Außenverteidiger nicht auf Götzes Seite, wird das Kombinationsspiel mit dem Außenstürmer und mit Gündogan und das Hinterlaufen des Außenstürmers das Offensivspiel des Außenverteidigers kennzeichnen. Hier wäre ein inverser Außenverteidiger denkbar, weil auch der Außenstürmer vermehrt zur Grundlinie gehen könnte. GK oder auch Kirch auf links wäre hier zumindest eine vorstellbare Option. Ob ein GK tatsächlich die Anlagen zu solch einer Rolle hätte kann hier wahrscheinlich keiner sagen. Ich will mich aber hier noch einmal wiederholen: Mit einem GK ist ein solches Kombinationsspiel schwerer als mit einem Perisic. Ich trau Schmelzer diese Rolle nicht nur zu, sondern glabe auch, dass man nur schwer und für sehr viel Geld einen geeigneteren Spieler findet.
Innenverteidiger
- Im Aufbauspiel wird Hummels, wie schon erwähnt, unser dritter Spielgestalter. Begünstigt wird das durch die abkippende 6. Ein regelmäßiges, tendenzielles Aufrücken in das Vakuum hinter Götze oder Günni scheint mir hier wahrscheinlich.
- Tele oder Subotic werden auf der anderen Seite sehr weit nach außen rücken. Piszu kann somit schon im Spielaufbau weiter nach vorn gehen, ohne isoliert zu werden.
Im Endeffekt bedeutet das, dass wir bei der geordneten Ball Rückeroberung im klassischen 4-4-2 agieren. Das hat letztes Jahr schon super geklappt.
Beim ballbesitzorienterten Angriffsspiel könnte ich mir regelmäßig das 3-4-3 vorstellen, dass bei den oben gezeigten Grundformationen dann wie folgt schematisch dargestellt werden kann:
------Reus-------Lewy-------Kuba------
-------------------------------------------
--Schmelle--Götze--Günni----Piszu---
-------------------------------------------
------Hummels---Kehl-----Subo--------
-------------------------------------------
------------------Weide------------------
bzw.
-----Perisic------Lewy-------Reus------
-------------------------------------------
--Schmelle--Günni--Götze----Piszu---
-------------------------------------------
------Hummels--Manni-----Tele--------
-------------------------------------------
------------------Weide------------------
Die große Schwäche dieses ganzen Gebildes steht schon sehr weit oben in diesem Beitrag. Die Prämisse ist, Götze ist fit. Das System steht und fällt mit ihm, der in diesem den spielgestaltenden offensiven Außenspieler geben soll. Fällt er aus, gibt es für diese Rolle wohl keinen adäquaten Ersatz, perspektivisch vielleicht Bittencourt. Und leider ist Götze bis jetzt noch nicht durch Verletzungsunanfälligkeit aufgefallen. Das heißt, man brauch definitiv einen Plan B, für den mir jetzt aber die Zeit und die Muße fehlt. Wäre wohl auch etwas viel.
Soweit also meine Gedanken.
PS:
Ausgangspunkt meiner Überlegung war übrigens die Frage, wie man Reus und Götze, die ihre Stärken beide am ehesten in der Zentrale haben, zusammen auflaufen lassen könnte, ohne sie eben jener Stärken zu berauben.
----------------------------Lewy--------------
------------------Reus------------------------
---------Götze-----------------------Kuba---
----------------------------Günni-------------
-Schmelle--------Kehl-----------------Piszu-
-----------Hummels----------Subo----------
--------------------Weide---------------------
----------------Lewy--------------------------
--------------------------Reus----------------
----Perisic--------------------Götze----------
-----------------Günni------------------------
-Schmelle---------------Manni--------Piszu-
-----------Hummels-------------Tele---------
---------------------Weide--------------------
(Prämisse: Wenn Götze fit ist, ist er gesetzt.)
Ich habe mal versucht die mir vorschwebende Asynchronität in unserem Spiel schematisch zu verdeutlichen.
Es folgt meine Vorstellung in Worten.
Angriffszentrum:
- Lewy und Reus spielen fast auf einer Linie. Beide können sich gut fallen lassen und Bälle behaupten und verteilen um dann wieder in die Spitze zu starten oder den Flügel zu unterstützen. Sind sich gar nicht so unähnlich, die beiden und können beide die Stürmerrolle horizontal und vertikal interpretieren. Ich hoffe auf eine Art Wechselspiel zwischen den beiden, wobei es natürlich unterschiedliche Interpretationen der beiden geben wird. Lewy käme dann eher über seine Physis, Reus über die Schnelligkeit.
- Dass die beiden ca. auf einer Linie spielen hätte dann auch Vorteile bei der Balleroberung. Besonders effektiv war unser Pressing in der letzten Saison, wenn Kagawa neben Lewy gepresst hat. Es wird spannend sein zu beobachten, ob Reus die Räume ähnlich intelligent zu machen kann.
Offensive Außenspieler
- Götze sehe ich als spielgestaltenden Außen, der zentraler und zurückgezogener als sein Pendant auf der anderen Seite spielt. Als Rechtsfuß spielt er invers, zieht also nach innen, allerdings weniger um den Abschluss zu suchen, sondern um Gegner auf sich zu ziehen und dann Bälle durchzustecken oder Platz für den aufrückenden ballnahen Außenverteidiger zu schaffen.
- Auf der anderen Seite spielt dann ein Flügelstürmer, der phasenweise die Seitenlinie beackert, teilweise aber auch zum dritten Stürmer mutieren kann. Letzteres konnte man bei Kuba in der letzten Saison schon regelmäßig beobachten. Auch Perisic bring die perfekten Anlagen dafür mit.
- Bei der geordneten Ballrückerobereung nehmen die Außen ihr klassischen Positionen in der Mittelfeld-Viererkette ein.
Zentrales Mittelfeld
- Gündogan als Box2Box-Playmaker rückt in der Vorwärtbewegung in das Vakuum zwischen Götze und dem zweiten Außenstürmer auf (in meiner Vorstellung haben wir ja keinen 10er) und gibt dort die zweite spielgestaltende Kraft.
- Kehl oder Manni dagegen geben, wie immer wieder in den Testspielen zu sehen, den abkippenden 6er. Regelmäßig werden sie sich im Spielaufbau zwischen die beiden Innenverteidiger fallen lassen. Normalerweise tut das der abkippende 6er um als Deep-Lying-Playmaker mehr Zeit und Raum zum agieren zu bekommen. In unserem Fall ist diese dritte spielgestaltende allerdings Hummels. Durch das Abkippen des 6ers tun sich allerdings mehrere Anspielstationen beim Beginn des Spielaufbaus auf, sodass auch Hummels durch diese Maßnahme regelmäßig mehr Platz haben wird.
- Bei der geordneten Ballrückerobereung nehmen die zentralen Mittelfeldspieler ihre klassischen Positionen in der Mittelfeld-Viererkette ein, wobei sich durch die Position Gündogans zwischen den offensiven Außen sinnvollerweise automatisch ergibt, dass der zweikampfstärkere 6er (Kehl oder Manni) auf der Seite von Götze spielt, den ich in der Rückwärtsbewegung als etwas schwächer als das jeweilige Pendant einschätze.
Außenverteidiger
- Grundsätzlich ist ihre Rolle das dauerhafte beackern der Seitenlinie. Je nachdem ob Götze oder der andere Außenstümer auf der eigenen Seite spielt, gestaltet sich die offensive Rolle etwas anders.
- Spielt der Außenverteidiger auf Götzes Seite, heißt es die oben im Götze-Absatz genannten Räume zu nutzen. Es ist hier unbedingt wichtig, dass es sich nicht um einen inversen Außenverteidiger handelt. GK auf links sehe ich in diesem Fall nicht als Option, zumal ich glaube, dass Schmelzer mit diesem Platz auch einiges anfangen könnte. Schwächen im Offensivspiel zeigt er eher dann, wenn es wenig Raum gibt, zumal es mit einem GK an seiner Seite (dessen Laufstärke und Spielintelligenz in allen Ehren) auch schwer ist, Räume zu kreieren.
- Spielt der Außenverteidiger nicht auf Götzes Seite, wird das Kombinationsspiel mit dem Außenstürmer und mit Gündogan und das Hinterlaufen des Außenstürmers das Offensivspiel des Außenverteidigers kennzeichnen. Hier wäre ein inverser Außenverteidiger denkbar, weil auch der Außenstürmer vermehrt zur Grundlinie gehen könnte. GK oder auch Kirch auf links wäre hier zumindest eine vorstellbare Option. Ob ein GK tatsächlich die Anlagen zu solch einer Rolle hätte kann hier wahrscheinlich keiner sagen. Ich will mich aber hier noch einmal wiederholen: Mit einem GK ist ein solches Kombinationsspiel schwerer als mit einem Perisic. Ich trau Schmelzer diese Rolle nicht nur zu, sondern glabe auch, dass man nur schwer und für sehr viel Geld einen geeigneteren Spieler findet.
Innenverteidiger
- Im Aufbauspiel wird Hummels, wie schon erwähnt, unser dritter Spielgestalter. Begünstigt wird das durch die abkippende 6. Ein regelmäßiges, tendenzielles Aufrücken in das Vakuum hinter Götze oder Günni scheint mir hier wahrscheinlich.
- Tele oder Subotic werden auf der anderen Seite sehr weit nach außen rücken. Piszu kann somit schon im Spielaufbau weiter nach vorn gehen, ohne isoliert zu werden.
Im Endeffekt bedeutet das, dass wir bei der geordneten Ball Rückeroberung im klassischen 4-4-2 agieren. Das hat letztes Jahr schon super geklappt.
Beim ballbesitzorienterten Angriffsspiel könnte ich mir regelmäßig das 3-4-3 vorstellen, dass bei den oben gezeigten Grundformationen dann wie folgt schematisch dargestellt werden kann:
------Reus-------Lewy-------Kuba------
-------------------------------------------
--Schmelle--Götze--Günni----Piszu---
-------------------------------------------
------Hummels---Kehl-----Subo--------
-------------------------------------------
------------------Weide------------------
bzw.
-----Perisic------Lewy-------Reus------
-------------------------------------------
--Schmelle--Günni--Götze----Piszu---
-------------------------------------------
------Hummels--Manni-----Tele--------
-------------------------------------------
------------------Weide------------------
Die große Schwäche dieses ganzen Gebildes steht schon sehr weit oben in diesem Beitrag. Die Prämisse ist, Götze ist fit. Das System steht und fällt mit ihm, der in diesem den spielgestaltenden offensiven Außenspieler geben soll. Fällt er aus, gibt es für diese Rolle wohl keinen adäquaten Ersatz, perspektivisch vielleicht Bittencourt. Und leider ist Götze bis jetzt noch nicht durch Verletzungsunanfälligkeit aufgefallen. Das heißt, man brauch definitiv einen Plan B, für den mir jetzt aber die Zeit und die Muße fehlt. Wäre wohl auch etwas viel.
Soweit also meine Gedanken.
PS:
Ausgangspunkt meiner Überlegung war übrigens die Frage, wie man Reus und Götze, die ihre Stärken beide am ehesten in der Zentrale haben, zusammen auflaufen lassen könnte, ohne sie eben jener Stärken zu berauben.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von dermarci am 03.08.2012 um 12:01 Uhr bearbeitet
29.08.2012 - 19:00 Uhr
ich bin auch nicht so der fan von spielverlagerung.de
nicht unbedingt inhaltlich, sondern weil auch mein eindruck oft in die von taicoon geäußerte richtung geht. es gibt im fußball nicht DIE eine wahrheit. nirgends und zu keiner zeit! das wird auf dieser seite aber unheimlich gern impliziet im subtext postuliert. --> stichwort: "die haben die weisheit mit löffeln gefressen"
zur verdeutlichung:
selbst beim bvb, wo man öffentlich ja schon den eindruck hat, dass krawitz, buvac und klopp ein herz und eine seele sind, wird stundenlang über die selben szenen diskutiert und bei den dreien gibt es quasi vier meinungen zu den selben sachverhalten.
damit will ich sagen, dass es nahezu nie richtig oder falsch gibt, sondern dass es sich immer um spielphilosophische fragen und antworten handelt.
das bleibt zumindest für mich bei spielverlagerung immer auf der strecke, so dass ich meistens nach wenigen absätzen das lesen einstelle, weil mich die meisten texte nicht zufriedenstellen.
ich finde sie oft schlecht strukturiert, vermisse rote fäden, es werden mehr fragen aufgeworfen als beantwortet, stilistisch ist das auch nichts besonderes (vllt mal ein lektor einstellen) und dann schwingt bei dem ganzen zum überfluss mMn immer die professoren attitude mit. kurz: unsympathisch. ich brauch die seite nicht.
mir ist klar, dass ich diese meinung relativ exklusiv haben dürfte, aber who cares...
was die "spezialbegriffe" angeht:
damit hab ich null probleme. geht wahrscheinlich auf trendsetter wie zonalmarking zurück und die englischen ausdrücke sind einfach eingänglich und prägnant. dass sich bei verwissentschaftlichungen jedweder thematiken irgendwann eine sprache als führend durchsetzt, ist nunmal usus. früher war die weltsprache der chemie auch deutsch (kp ob das heute immer noch so ist; nur als vergleich). im bereich fußball-taktik ist es eben die englische sprache. das muss man einfach als weltweiten code ansehen, so dass man auch in fernost weiß, was mit b2b-player gemeint ist. das erleichtert den wissensaustausch einfach ungemein...
soviel von mir dazu...
nicht unbedingt inhaltlich, sondern weil auch mein eindruck oft in die von taicoon geäußerte richtung geht. es gibt im fußball nicht DIE eine wahrheit. nirgends und zu keiner zeit! das wird auf dieser seite aber unheimlich gern impliziet im subtext postuliert. --> stichwort: "die haben die weisheit mit löffeln gefressen"
zur verdeutlichung:
selbst beim bvb, wo man öffentlich ja schon den eindruck hat, dass krawitz, buvac und klopp ein herz und eine seele sind, wird stundenlang über die selben szenen diskutiert und bei den dreien gibt es quasi vier meinungen zu den selben sachverhalten.
damit will ich sagen, dass es nahezu nie richtig oder falsch gibt, sondern dass es sich immer um spielphilosophische fragen und antworten handelt.
das bleibt zumindest für mich bei spielverlagerung immer auf der strecke, so dass ich meistens nach wenigen absätzen das lesen einstelle, weil mich die meisten texte nicht zufriedenstellen.
ich finde sie oft schlecht strukturiert, vermisse rote fäden, es werden mehr fragen aufgeworfen als beantwortet, stilistisch ist das auch nichts besonderes (vllt mal ein lektor einstellen) und dann schwingt bei dem ganzen zum überfluss mMn immer die professoren attitude mit. kurz: unsympathisch. ich brauch die seite nicht.
mir ist klar, dass ich diese meinung relativ exklusiv haben dürfte, aber who cares...
was die "spezialbegriffe" angeht:
damit hab ich null probleme. geht wahrscheinlich auf trendsetter wie zonalmarking zurück und die englischen ausdrücke sind einfach eingänglich und prägnant. dass sich bei verwissentschaftlichungen jedweder thematiken irgendwann eine sprache als führend durchsetzt, ist nunmal usus. früher war die weltsprache der chemie auch deutsch (kp ob das heute immer noch so ist; nur als vergleich). im bereich fußball-taktik ist es eben die englische sprache. das muss man einfach als weltweiten code ansehen, so dass man auch in fernost weiß, was mit b2b-player gemeint ist. das erleichtert den wissensaustausch einfach ungemein...
soviel von mir dazu...
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Box2Box_Playmaker am 29.08.2012 um 19:03 Uhr bearbeitet
29.08.2012 - 19:34 Uhr
@Taicoon und Box2Box:
Das wurde doch aber teilweise schon hier erklärt, wie das zustande kommt.
Diese Analysen werden halt von einer Einzelperson verfasst, dementsprechend ist es auch seine Sicht der Dinge. Das wird eingenltich auch immer wieder betont. Des Weiteren gibt es in den Kommentaren zu den Artikeln immer wieder Diskussionen wo auch Verbesserungsvorschläge angenommen werden.
Wenn man es so auffasst, dass es eine rundherum perfekte Analyse eines kompletten Spiels geben soll, ist man natürlich nicht zufrieden, weil es immer verschiedene Beurteilungen verschiedener Spielsituationen gibt und.
Ihr seht in dieser Seite etwas, was sie eigentlich gar nicht sein will. Sie will Anstöße und Diskussionspotenzial geben. Nicht umsonst denkt man intensiv über die Einrichtung eines Forums nach, um die Interaktion verstärken zu können.
Das wurde doch aber teilweise schon hier erklärt, wie das zustande kommt.
Diese Analysen werden halt von einer Einzelperson verfasst, dementsprechend ist es auch seine Sicht der Dinge. Das wird eingenltich auch immer wieder betont. Des Weiteren gibt es in den Kommentaren zu den Artikeln immer wieder Diskussionen wo auch Verbesserungsvorschläge angenommen werden.
Wenn man es so auffasst, dass es eine rundherum perfekte Analyse eines kompletten Spiels geben soll, ist man natürlich nicht zufrieden, weil es immer verschiedene Beurteilungen verschiedener Spielsituationen gibt und.
Ihr seht in dieser Seite etwas, was sie eigentlich gar nicht sein will. Sie will Anstöße und Diskussionspotenzial geben. Nicht umsonst denkt man intensiv über die Einrichtung eines Forums nach, um die Interaktion verstärken zu können.
06.10.2012 - 13:42 Uhr
So.
Ich habe mir jetzt, wenn ich mal ein paar Minuten Zeit hatte, einige Tage Gedanken gemacht über die Spielweise des BVB gegen Manchester City und muss sagen: hei. Geil.
Das spannende scheint mir vor allem zu sein, dass die Aufstellung des BVB komplett unterschiedlich aufgefasst wurde: 4-3-3, 4-5-1, 4-1-4-1, dass es Eigentümlichkeiten gab: Kuba spielte weiter innen als Götze (auch wenn beide gefühlt häufig rotierten und sich abwechselten). Während einige bekannte Eigenschaften des BVB Spiels zu sehen waren (weswegen verschiedene Zeitungen auch davon schrieben, dass ‚endlich das typische BVB Spiel auch in Europa funktionierte) wie das Umschaltspiel und in gewisser Weise das Pressing und Doppeln, Anlaufen von Gegenspielern, aber auch die recht gute Ballkontrolle auf durchaus auch mal engem Raum ohne den Zug zum Gegentor ganz preiszugeben – alles Dinge, für die man den BVB kennt, waren auch sehr ungewohnte Dinge zu beobachten: Die Ballbesitzidee der letzten Saison auch in der CL wurde fallen gelassen, dass hohe Pressing wurde fallengelassen, die Innenverteidiger haben sich kaum noch mit nach vorne eingeschaltet (nur einmal ging Hummels mit), anders als noch gegen Ajax und anders als in der letzten CL Saison – in der die IV häufiger mit marschiert sind als in der Bundesliga, um ein Übergewicht im MZF zu erzeugen; über Lewandowski lief deutlich weniger als sonst: man hatte bereits im Vorfeld erkannt, dass Lewandowski als Prellbock, der hohe Bälle festmacht, gegen City Probleme bekommen würde, und einiges mehr.
Daher halte ich dieses Spiel für taktisch hochspannend und ganz sicher kann man es nicht direkt und mit unserem a begrenzten Sachverstand und der b begrenzten zur Verfügung stehenden Technik nicht völlig entschlüsseln. Ich möchte aber mal einen Anfang versuchen, auch wenn ich das Spiel bisher nur in kurzen Ausschnitten noch einmal genauer angeschaut habe und ich sicherlich noch einiges falsch sehe:
Taktik und Aufstellung:
Defensivverhalten
Klopp hat nach Ballverlust City tiefer empfangen lassen als das für den BVB üblich ist: Nämlich en gros erst ab der Mittellinie. In dieser Hinsicht erinnerte das BVB Spiel an Spiele gegen Bayern. Aber anders als das übliche 4-4-2 oder 4-4-1-1 im Defensivverhalten gegen die Bundesligateams mit zwei zentralen Spielern, die die gegnerische IV anlaufen, hat Klopp das gestrichen: Die Spieleröffnung bei City läuft für meinen Eindruck (so selten ich City insgesamt gesehen habe) kaum über die IV, sondern eher über die Achse Toure und Silva. Dem hat er entgegengewirkt, indem er nur noch Lewandowski sich hat im Raum aufstellen lassen, der auf Umschaltsituationen und Fehlpässe gelauert hat. Das Mittelfeld hat sich enorm intelligent verhalten – für mich war das eine Reifeprüfung in Sachen taktischem Verhalten (und deswegen vermutet hier jeder zweite auch eine andere taktische Aufstellung): Prinzipiell haben die Dortmunder Spieler eine Fünferkette gebildet, die das Mittelfeld dicht gemacht hat und zwar durchaus relativ hoch für eine Fünferkette. Erinnert man sich an das CL Finale und das Abwehrverhalten von Chelsea, dann waren deren Ketten noch weit tiefer gestanden (und nach dem Spiel jetzt am Mittwoch war durchaus mehrfach in engl. Blättern/Foren zu lesen, dass City es nicht gewohnt ist, gegen einen so hoch und aktiv verteidigenden Gegner zu spielen – die Analogie könnte also schon passen). Ganz im Gegensatz dazu hat der BVB einerseits die Viererkette nicht zu weit nach vorne geschoben bei gegnerischem Ballbesitz und andererseits die „Fünferkette“ nicht zu weit nach hinten verschoben. Eigentlich hätten sich zwischen den beiden Ketten Räume ergeben müssen für City und in der ersten Hälfte, insbesondere der Anfangsphase, hat die Abstimmung auch noch nicht so perfekt funktioniert, so dass Silva mehrfach mit dem Ball am Fuß zwischen die Linien gekommen ist und gefährliche Situationen einleiten konnte.
Diese Abstimmung hat nun dahingehend, so meine ich zu beobachten, funktioniert, dass Bender einen Pass zwischen die Ketten antizipiert hat und sich hat fallen lassen (oder sofort nach vorne Yaya Toure angelaufen ist und den Rückpass zu den IV provoziert hat) und dass Gündogan und Kuba sowie der jeweilige Außenspieler – Reus bzw. Götze – die Passgeber aus dem Mittelfeld von City – meist Yaya Toure oder die Außenverteidiger – schnell angelaufen haben und somit Zeit genommen haben. Das Kernproblem scheint mir bei City – zmd. in dem Spiel – zu sein, dass die IV das Spiel nur schlecht eröffnen kann, dass man deswegen im ZM weniger „freie“ Spieler zur Verfügung hat, weil einer der sonst möglichen Anspielpartner nun den Ball führen muss – damit macht City in der Spielanlage bereits das Spielfeld eng und hat zweitens einen Anspielpartner weniger (was, afaik, grob gesagt der Grund ist, dass die IV immer stärker das Spiel gestalten muss, sofern kein „deep lying playmaker“ wie Alonso oder Sahin auf dem Platz steht). Zudem ‚fehlt‘ City ein (offensiver) Mittelfeldspieler, da sie ja mit zwei Stürmern auftreten. Grundsätzlich scheinen mir 4-4-2 Systeme sich für Konter- und Umschaltfußball zu eignen, aber nicht für spieldominantes Verhalten (weswegen sie auch bei den ‚großen‘ Mannschaften relativ selten gespielt werden). Die sehr „fluide“, weil nach hinten oder vorne sich auflösende, Fünferkette von Dortmund hat den Raum derart verengt, dass man kaum durchkombinieren konnte: Es waren praktisch immer mehr Dortmunder als Citizens in Ballnähe, wenn der Ball die Mittellinie passiert hatte.
http://this11.com/boards/abDuCRgafe.jpg
Hier sind schön die Räume zu erkennen, die in der Defensive Manchester Citys entstanden sein dürften (sofern meine Skizze nicht völliger Müll ist) und wie gut Dortmund die zwei Mannschaftshälften von City separiert hat. Das entscheidende dabei ist, immer ganz schnell auf den Ball führenden Mittelfeldspieler draufzuschieben und zweitens, dass Bender immer an die Räume hinter sich denkt.
Aus diesem Grund wurden die hohen Bälle von City auch immer etwas gefährlicher als das Kombinationsspiel: Ganz vorne entsteht dann schnell ein eins gegen eins, wenn der Stürmer den Ball festmachen kann, und wenn Silva oder der zweite Stürmer sich gut in Position bringt, dann entsteht eine sehr gefährliche Situation: Man hat das recht hoch stehende Mittelfeld des BVB dann überbrückt und insbesondere die zentralen DM müssen erst zurückeilen. Wie hoch der BVB stand, sieht man gut daran, dass Bender in der Mitte des Felds gethront hat: Wenn man sich die UEFA Statistik im Thread anschaut, dann stand Bender im Spiel auf dem Anstoßpunkt, während z.B. Toure immer ein wenig weiter hinten aufgestellt war – übrigens ziemlich beeindruckend, dass die Zentrale vom BVB beherrscht wurde. Das gilt übrigens für das gesamte Spiel: Ein wenig wie gegen Argentinien im WM Viertelfinale 2010 haben die Dortmunder nun gegen City Abwehr/DM vom OM/Sturm trennen können und damit die entscheidende Achse Toure-Silva-Stürmer verhindert, was auch wunderbar in dieser UEFA Statistik deutlich wird (http://de.uefa.com/newsfiles/ucl/2013/2009510_tl.pdf)
Ganz spannend finde ich die Unwucht im Spiel, die der BVB provoziert hat: Götze und Kuba haben lange – siehe die UEFA Statistik – praktisch ‚denselben‘ Aktionsradius gehabt, haben den Raum links enorm verengt. Spannend finde ich dabei, dass man City – wie auch immer – spätestens ab Hälfte zwei, großteils auch in Hälfte eins, auf diese Seite gebracht hat. Wahrscheinlich stand Silva nach der Abstimmung im Mittelfeld des BVB zu hoch, um gut angespielt zu werden und wurde gut im Team von Schmelzer, Reus und Gündogan bearbeitet. Diese Anlage kam dem gesamten BVB Spiel entgegen: Reus hat Platz für seine Tempoläufe bekommen (zum Preis der Unauffälligkeit im Gesamtspiel) und die kombinatorisch starken „wuseligen“ Götze und Kuba, die zudem beide sicher mit Piszczek harmonieren, konnten nach Ballgewinnen die Bälle in die Spitze bringen und über die Nähe vieler Spieler zum Ball waren auch Ballverluste dann nicht so tragisch, weil ausreichend Personal in nächster Nähe Druck aufbauen konnte und den Gegenstoß verhindern. Grundsätzlich habe ich die Funktionsweise dieses (zmd. gefühlten Schwerpunktes) auf der rechten Dortmunder Seite im gesamten Spiel – auch von City – noch nicht verstanden. Ich weiß z.B. nicht, ob City immer über die Seite aufbaut; und bin generell noch nicht wirklich schlau daraus geworden.
Nach Ballgewinnen kam dann meist das zum Tragen, was Klopp nach dem Spiel mit 4-3-3 angedeutet hat: Lewandowski hat versucht, nicht „allzusteil“ zu gehen, um das Aufrücken des Mittelfelds ohne zu riesige Lücken zu ermöglichen, Reus und Götze oder Kuba (die sich quasi abgewechselt haben) sind mit nach vorne gestoßen und haben versucht, Druck zu erzeugen. Durch die grundsätzliche Spielanlage, nach Ballgewinn zügig umzuschalten und die Räume dicht zu machen, hatte der BVB aber insgesamt zu wenig Ballbesitz, um eine Dominanz im Angriffsspiel auszustrahlen, die man jetzt lang und breit analysieren könnte, bzw. die massive Unterschiede gegeben hätte: Das 4-5-1 (oder wie man es nennen will) hat sich dann schnell zu einem 4-3-3 aufgelöst, dass ungefähr dem üblichen 4-2-3-1 ähnlich war.
Interessant ist finde ich der Ansatz mit Götze und Kuba auf dem Feld, die interessante Laufwege hatten: Für mein Gefühl haben die beiden gerne gekreuzt, Götze ist nach innen gezogen, Kuba nach außen, was zur Folge hatte, dass man Räume erlaufen hat – banales Beispiel: Der Pfostenschuss von Götze, den Kuba durch seinen Laufweg ermöglicht. Derartiges Kreuzen verwirrt schon im DM den Gegner, weil ein Spieler sich plötzlich zwei sprintenden Gegenspielern gegenübersieht. In den Taktiktafeln der UEFA sieht man schön den relativ großen Raum auf dieser ManCity Seite. Und kreuzende Spieler im Mann gegen Mann haben fast notwendig offene Räume zur Folge.
Soweit mal einige Eindrücke von meiner Seite, bin auf Rückmeldungen gespannt…
Ich habe mir jetzt, wenn ich mal ein paar Minuten Zeit hatte, einige Tage Gedanken gemacht über die Spielweise des BVB gegen Manchester City und muss sagen: hei. Geil.
Das spannende scheint mir vor allem zu sein, dass die Aufstellung des BVB komplett unterschiedlich aufgefasst wurde: 4-3-3, 4-5-1, 4-1-4-1, dass es Eigentümlichkeiten gab: Kuba spielte weiter innen als Götze (auch wenn beide gefühlt häufig rotierten und sich abwechselten). Während einige bekannte Eigenschaften des BVB Spiels zu sehen waren (weswegen verschiedene Zeitungen auch davon schrieben, dass ‚endlich das typische BVB Spiel auch in Europa funktionierte) wie das Umschaltspiel und in gewisser Weise das Pressing und Doppeln, Anlaufen von Gegenspielern, aber auch die recht gute Ballkontrolle auf durchaus auch mal engem Raum ohne den Zug zum Gegentor ganz preiszugeben – alles Dinge, für die man den BVB kennt, waren auch sehr ungewohnte Dinge zu beobachten: Die Ballbesitzidee der letzten Saison auch in der CL wurde fallen gelassen, dass hohe Pressing wurde fallengelassen, die Innenverteidiger haben sich kaum noch mit nach vorne eingeschaltet (nur einmal ging Hummels mit), anders als noch gegen Ajax und anders als in der letzten CL Saison – in der die IV häufiger mit marschiert sind als in der Bundesliga, um ein Übergewicht im MZF zu erzeugen; über Lewandowski lief deutlich weniger als sonst: man hatte bereits im Vorfeld erkannt, dass Lewandowski als Prellbock, der hohe Bälle festmacht, gegen City Probleme bekommen würde, und einiges mehr.
Daher halte ich dieses Spiel für taktisch hochspannend und ganz sicher kann man es nicht direkt und mit unserem a begrenzten Sachverstand und der b begrenzten zur Verfügung stehenden Technik nicht völlig entschlüsseln. Ich möchte aber mal einen Anfang versuchen, auch wenn ich das Spiel bisher nur in kurzen Ausschnitten noch einmal genauer angeschaut habe und ich sicherlich noch einiges falsch sehe:
Taktik und Aufstellung:
Defensivverhalten
Klopp hat nach Ballverlust City tiefer empfangen lassen als das für den BVB üblich ist: Nämlich en gros erst ab der Mittellinie. In dieser Hinsicht erinnerte das BVB Spiel an Spiele gegen Bayern. Aber anders als das übliche 4-4-2 oder 4-4-1-1 im Defensivverhalten gegen die Bundesligateams mit zwei zentralen Spielern, die die gegnerische IV anlaufen, hat Klopp das gestrichen: Die Spieleröffnung bei City läuft für meinen Eindruck (so selten ich City insgesamt gesehen habe) kaum über die IV, sondern eher über die Achse Toure und Silva. Dem hat er entgegengewirkt, indem er nur noch Lewandowski sich hat im Raum aufstellen lassen, der auf Umschaltsituationen und Fehlpässe gelauert hat. Das Mittelfeld hat sich enorm intelligent verhalten – für mich war das eine Reifeprüfung in Sachen taktischem Verhalten (und deswegen vermutet hier jeder zweite auch eine andere taktische Aufstellung): Prinzipiell haben die Dortmunder Spieler eine Fünferkette gebildet, die das Mittelfeld dicht gemacht hat und zwar durchaus relativ hoch für eine Fünferkette. Erinnert man sich an das CL Finale und das Abwehrverhalten von Chelsea, dann waren deren Ketten noch weit tiefer gestanden (und nach dem Spiel jetzt am Mittwoch war durchaus mehrfach in engl. Blättern/Foren zu lesen, dass City es nicht gewohnt ist, gegen einen so hoch und aktiv verteidigenden Gegner zu spielen – die Analogie könnte also schon passen). Ganz im Gegensatz dazu hat der BVB einerseits die Viererkette nicht zu weit nach vorne geschoben bei gegnerischem Ballbesitz und andererseits die „Fünferkette“ nicht zu weit nach hinten verschoben. Eigentlich hätten sich zwischen den beiden Ketten Räume ergeben müssen für City und in der ersten Hälfte, insbesondere der Anfangsphase, hat die Abstimmung auch noch nicht so perfekt funktioniert, so dass Silva mehrfach mit dem Ball am Fuß zwischen die Linien gekommen ist und gefährliche Situationen einleiten konnte.
Diese Abstimmung hat nun dahingehend, so meine ich zu beobachten, funktioniert, dass Bender einen Pass zwischen die Ketten antizipiert hat und sich hat fallen lassen (oder sofort nach vorne Yaya Toure angelaufen ist und den Rückpass zu den IV provoziert hat) und dass Gündogan und Kuba sowie der jeweilige Außenspieler – Reus bzw. Götze – die Passgeber aus dem Mittelfeld von City – meist Yaya Toure oder die Außenverteidiger – schnell angelaufen haben und somit Zeit genommen haben. Das Kernproblem scheint mir bei City – zmd. in dem Spiel – zu sein, dass die IV das Spiel nur schlecht eröffnen kann, dass man deswegen im ZM weniger „freie“ Spieler zur Verfügung hat, weil einer der sonst möglichen Anspielpartner nun den Ball führen muss – damit macht City in der Spielanlage bereits das Spielfeld eng und hat zweitens einen Anspielpartner weniger (was, afaik, grob gesagt der Grund ist, dass die IV immer stärker das Spiel gestalten muss, sofern kein „deep lying playmaker“ wie Alonso oder Sahin auf dem Platz steht). Zudem ‚fehlt‘ City ein (offensiver) Mittelfeldspieler, da sie ja mit zwei Stürmern auftreten. Grundsätzlich scheinen mir 4-4-2 Systeme sich für Konter- und Umschaltfußball zu eignen, aber nicht für spieldominantes Verhalten (weswegen sie auch bei den ‚großen‘ Mannschaften relativ selten gespielt werden). Die sehr „fluide“, weil nach hinten oder vorne sich auflösende, Fünferkette von Dortmund hat den Raum derart verengt, dass man kaum durchkombinieren konnte: Es waren praktisch immer mehr Dortmunder als Citizens in Ballnähe, wenn der Ball die Mittellinie passiert hatte.
http://this11.com/boards/abDuCRgafe.jpg
Hier sind schön die Räume zu erkennen, die in der Defensive Manchester Citys entstanden sein dürften (sofern meine Skizze nicht völliger Müll ist) und wie gut Dortmund die zwei Mannschaftshälften von City separiert hat. Das entscheidende dabei ist, immer ganz schnell auf den Ball führenden Mittelfeldspieler draufzuschieben und zweitens, dass Bender immer an die Räume hinter sich denkt.
Aus diesem Grund wurden die hohen Bälle von City auch immer etwas gefährlicher als das Kombinationsspiel: Ganz vorne entsteht dann schnell ein eins gegen eins, wenn der Stürmer den Ball festmachen kann, und wenn Silva oder der zweite Stürmer sich gut in Position bringt, dann entsteht eine sehr gefährliche Situation: Man hat das recht hoch stehende Mittelfeld des BVB dann überbrückt und insbesondere die zentralen DM müssen erst zurückeilen. Wie hoch der BVB stand, sieht man gut daran, dass Bender in der Mitte des Felds gethront hat: Wenn man sich die UEFA Statistik im Thread anschaut, dann stand Bender im Spiel auf dem Anstoßpunkt, während z.B. Toure immer ein wenig weiter hinten aufgestellt war – übrigens ziemlich beeindruckend, dass die Zentrale vom BVB beherrscht wurde. Das gilt übrigens für das gesamte Spiel: Ein wenig wie gegen Argentinien im WM Viertelfinale 2010 haben die Dortmunder nun gegen City Abwehr/DM vom OM/Sturm trennen können und damit die entscheidende Achse Toure-Silva-Stürmer verhindert, was auch wunderbar in dieser UEFA Statistik deutlich wird (http://de.uefa.com/newsfiles/ucl/2013/2009510_tl.pdf)
Ganz spannend finde ich die Unwucht im Spiel, die der BVB provoziert hat: Götze und Kuba haben lange – siehe die UEFA Statistik – praktisch ‚denselben‘ Aktionsradius gehabt, haben den Raum links enorm verengt. Spannend finde ich dabei, dass man City – wie auch immer – spätestens ab Hälfte zwei, großteils auch in Hälfte eins, auf diese Seite gebracht hat. Wahrscheinlich stand Silva nach der Abstimmung im Mittelfeld des BVB zu hoch, um gut angespielt zu werden und wurde gut im Team von Schmelzer, Reus und Gündogan bearbeitet. Diese Anlage kam dem gesamten BVB Spiel entgegen: Reus hat Platz für seine Tempoläufe bekommen (zum Preis der Unauffälligkeit im Gesamtspiel) und die kombinatorisch starken „wuseligen“ Götze und Kuba, die zudem beide sicher mit Piszczek harmonieren, konnten nach Ballgewinnen die Bälle in die Spitze bringen und über die Nähe vieler Spieler zum Ball waren auch Ballverluste dann nicht so tragisch, weil ausreichend Personal in nächster Nähe Druck aufbauen konnte und den Gegenstoß verhindern. Grundsätzlich habe ich die Funktionsweise dieses (zmd. gefühlten Schwerpunktes) auf der rechten Dortmunder Seite im gesamten Spiel – auch von City – noch nicht verstanden. Ich weiß z.B. nicht, ob City immer über die Seite aufbaut; und bin generell noch nicht wirklich schlau daraus geworden.
Nach Ballgewinnen kam dann meist das zum Tragen, was Klopp nach dem Spiel mit 4-3-3 angedeutet hat: Lewandowski hat versucht, nicht „allzusteil“ zu gehen, um das Aufrücken des Mittelfelds ohne zu riesige Lücken zu ermöglichen, Reus und Götze oder Kuba (die sich quasi abgewechselt haben) sind mit nach vorne gestoßen und haben versucht, Druck zu erzeugen. Durch die grundsätzliche Spielanlage, nach Ballgewinn zügig umzuschalten und die Räume dicht zu machen, hatte der BVB aber insgesamt zu wenig Ballbesitz, um eine Dominanz im Angriffsspiel auszustrahlen, die man jetzt lang und breit analysieren könnte, bzw. die massive Unterschiede gegeben hätte: Das 4-5-1 (oder wie man es nennen will) hat sich dann schnell zu einem 4-3-3 aufgelöst, dass ungefähr dem üblichen 4-2-3-1 ähnlich war.
Interessant ist finde ich der Ansatz mit Götze und Kuba auf dem Feld, die interessante Laufwege hatten: Für mein Gefühl haben die beiden gerne gekreuzt, Götze ist nach innen gezogen, Kuba nach außen, was zur Folge hatte, dass man Räume erlaufen hat – banales Beispiel: Der Pfostenschuss von Götze, den Kuba durch seinen Laufweg ermöglicht. Derartiges Kreuzen verwirrt schon im DM den Gegner, weil ein Spieler sich plötzlich zwei sprintenden Gegenspielern gegenübersieht. In den Taktiktafeln der UEFA sieht man schön den relativ großen Raum auf dieser ManCity Seite. Und kreuzende Spieler im Mann gegen Mann haben fast notwendig offene Räume zur Folge.
Soweit mal einige Eindrücke von meiner Seite, bin auf Rückmeldungen gespannt…
15.11.2012 - 12:20 Uhr
Derzeit spielt der BVB auf dem Boden nicht derart erfolgreich wie in den Jahren zuvor. Das liegt an Verschiedenem: Zuviel 'klein-klein', zu wenig Vertikalspiel, ggf. auch der Umgewöhnung nach dem Abgang Kagawas und dem Einbau von Reus sowie dem Ausfall von Kuba, aber auch an entweder sehr tiefstehenden Gegnern national oder herausragend guten Gegnern international.
Stattdessen hat der BVB derzeit sehr häufig Erfolg über lange hohe Bälle - oft sogar von Weidenfeller und nicht von der IV geschlagen - auf Lewandowski, der über seine herausragenden körperlichen Fähigkeiten den Ball verarbeitet, weiterleitet und Tore so vorbereitet. Das hat einerseits zur Folge, dass er nicht mehr so viele Tore selbst schießt: Nimmt er den Ball derart an und leitet ihn weiter, dann kommen eher andere Spieler - vor allem Reus, aber auch Götze, Kuba oder sogar Gündogan zum Abschluss (bzw. die anderen Spieler im OM).
Zuletzt entstanden viele Chancen und entscheidende Tore (u.a. beide Rückspiel Tore gegen Real) auf diese Art und Weise.
Lewandowski wird hier aber nicht mehr als Mittelstürmer gebraucht, sondern als Vorbereiter, der Bälle festmacht, wie folgende Grafik zeigt: http://this11.com/boards/abDI7fOamK.jpg
Nun droht Lewandowski abzugehen. Damit verlöre der BVB nicht nur den einzigen aktuellen Stoßstürmer von internationalem Format (auch wenn ich von Schieber viel halte und mir gut vorstellen kann, dass er wie viele andere Spieler zuvor bei Klopp auch im zweiten Jahr seinen Durchbruch schafft - aktuell 'weiß' man es nicht; und auch wenn, dann liefert Schieber etwas andere Qualitäten als Lewandowski - Bälle in dessen Qualität festmachen kann er wahrscheinlich nicht).
Falls Lewandowski gehen sollte, fände ich neben einem Stürmer - etwa Barrios - einen Transfer von Fellaini nach wie vor spannend: Fellaini würde körperlich die im Mittelfeld relativ kleingewachsene Dortmunder Mannschaft perfekt ergänzen und hätte exakt die Fertigkeiten, die man mit Lewandowski quasi unersetzbar verlöre. Gerade die Fähigkeiten Fellainis ergänzen - finde ich - die polyvalenten 'wusligen' Mittelfeldspieler beim BVB perfekt: Man spielt entweder weiterhin mit einem Stoßstürmer (Schieber, Barrios-Rückkehr, oder Person X) oder spielt sogar ohne richtigen Stoßstürmer und lässt beispielsweise Reus (oder etwa einen Perisic) - der ja gerade im Abschluss bombig stark ist - in den gefährlichen Momenten vorne rein sprinten; mit Fellaini könnte man noch mehr Variabilität in der ganzen Spielstruktur erzeugen und hätte en passant einen Kehl-Nachfolger in Sachen körperlicher Präsenz gefunden: Fellaini könnte DM spielen, kann ZM und kann ZOM, zudem kann er eben die Lewandowski Aufgabe erfüllen und hohe Bälle verarbeiten, er hat ein sehr gutes Auge, einen grandiosen Kopfball und strahlt ungemeine Präsenz aus.
Das spannende - und deswegen poste ich das im Takik-Thread - wäre, dass die gesamte zentrale Achse fluider würde: Götze beherrscht notfalls auch das ZM, Gündogan mittlerweile das DM, Leitner und Gündogan OM, Kehl kann auch ZM, usw. Man könnte also nicht nur in der OM Reihe rotieren, sondern je nach Situation auch in der zentralen Vertikalen besser und situativ angepasst. So wäre beispielsweise ein Positionstausch zwischen dem ZOM (etwa Götze) und einem Fellaini im ZM direkt vor einem langen Ball Weidenfellers kaum zu verteidigen, es entstünden schon dabei kleine Räume und man könnte die Situationen, in denen Lewandowski unersetzbar scheint, so auch ohne ihn erzeugen. Zudem wäre er nicht unbedingt deutlich teurer als Lewandowski und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er Dortmund - je nach Entwicklung in diesem Jahr - nicht völlig uninteressant findet.
Einzige Problematik wäre der fehlende Stoßstürmer, den ich wie erwähnt entweder mit einer false 9 besetzen würde oder mit einem "Vollstrecker" wie Barrios - und diese Rolle traue ich Schieber wiederum auch zu (aber eben eher nicht dieses Verarbeiten von hohen Bällen in der Qualität Lewandowskis).
Ich könnte den Post auch in den Spekulationen ohne Quelle verbreiten, finde aber, das die taktischen Überlegungen fast noch interessanter als die Personalie Fellainis sind - bzw. finde, dass Taktik und Personal immer auch Hand in Hand gehen müssen - man stellt sein Spiel eben 'etwas' um, aber nicht radikal.
Stattdessen hat der BVB derzeit sehr häufig Erfolg über lange hohe Bälle - oft sogar von Weidenfeller und nicht von der IV geschlagen - auf Lewandowski, der über seine herausragenden körperlichen Fähigkeiten den Ball verarbeitet, weiterleitet und Tore so vorbereitet. Das hat einerseits zur Folge, dass er nicht mehr so viele Tore selbst schießt: Nimmt er den Ball derart an und leitet ihn weiter, dann kommen eher andere Spieler - vor allem Reus, aber auch Götze, Kuba oder sogar Gündogan zum Abschluss (bzw. die anderen Spieler im OM).
Zuletzt entstanden viele Chancen und entscheidende Tore (u.a. beide Rückspiel Tore gegen Real) auf diese Art und Weise.
Lewandowski wird hier aber nicht mehr als Mittelstürmer gebraucht, sondern als Vorbereiter, der Bälle festmacht, wie folgende Grafik zeigt: http://this11.com/boards/abDI7fOamK.jpg
Nun droht Lewandowski abzugehen. Damit verlöre der BVB nicht nur den einzigen aktuellen Stoßstürmer von internationalem Format (auch wenn ich von Schieber viel halte und mir gut vorstellen kann, dass er wie viele andere Spieler zuvor bei Klopp auch im zweiten Jahr seinen Durchbruch schafft - aktuell 'weiß' man es nicht; und auch wenn, dann liefert Schieber etwas andere Qualitäten als Lewandowski - Bälle in dessen Qualität festmachen kann er wahrscheinlich nicht).
Falls Lewandowski gehen sollte, fände ich neben einem Stürmer - etwa Barrios - einen Transfer von Fellaini nach wie vor spannend: Fellaini würde körperlich die im Mittelfeld relativ kleingewachsene Dortmunder Mannschaft perfekt ergänzen und hätte exakt die Fertigkeiten, die man mit Lewandowski quasi unersetzbar verlöre. Gerade die Fähigkeiten Fellainis ergänzen - finde ich - die polyvalenten 'wusligen' Mittelfeldspieler beim BVB perfekt: Man spielt entweder weiterhin mit einem Stoßstürmer (Schieber, Barrios-Rückkehr, oder Person X) oder spielt sogar ohne richtigen Stoßstürmer und lässt beispielsweise Reus (oder etwa einen Perisic) - der ja gerade im Abschluss bombig stark ist - in den gefährlichen Momenten vorne rein sprinten; mit Fellaini könnte man noch mehr Variabilität in der ganzen Spielstruktur erzeugen und hätte en passant einen Kehl-Nachfolger in Sachen körperlicher Präsenz gefunden: Fellaini könnte DM spielen, kann ZM und kann ZOM, zudem kann er eben die Lewandowski Aufgabe erfüllen und hohe Bälle verarbeiten, er hat ein sehr gutes Auge, einen grandiosen Kopfball und strahlt ungemeine Präsenz aus.
Das spannende - und deswegen poste ich das im Takik-Thread - wäre, dass die gesamte zentrale Achse fluider würde: Götze beherrscht notfalls auch das ZM, Gündogan mittlerweile das DM, Leitner und Gündogan OM, Kehl kann auch ZM, usw. Man könnte also nicht nur in der OM Reihe rotieren, sondern je nach Situation auch in der zentralen Vertikalen besser und situativ angepasst. So wäre beispielsweise ein Positionstausch zwischen dem ZOM (etwa Götze) und einem Fellaini im ZM direkt vor einem langen Ball Weidenfellers kaum zu verteidigen, es entstünden schon dabei kleine Räume und man könnte die Situationen, in denen Lewandowski unersetzbar scheint, so auch ohne ihn erzeugen. Zudem wäre er nicht unbedingt deutlich teurer als Lewandowski und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass er Dortmund - je nach Entwicklung in diesem Jahr - nicht völlig uninteressant findet.
Einzige Problematik wäre der fehlende Stoßstürmer, den ich wie erwähnt entweder mit einer false 9 besetzen würde oder mit einem "Vollstrecker" wie Barrios - und diese Rolle traue ich Schieber wiederum auch zu (aber eben eher nicht dieses Verarbeiten von hohen Bällen in der Qualität Lewandowskis).
Ich könnte den Post auch in den Spekulationen ohne Quelle verbreiten, finde aber, das die taktischen Überlegungen fast noch interessanter als die Personalie Fellainis sind - bzw. finde, dass Taktik und Personal immer auch Hand in Hand gehen müssen - man stellt sein Spiel eben 'etwas' um, aber nicht radikal.
18.12.2012 - 17:21 Uhr
Meiner Meinung nach konnte man aus taktischer Sicht in der Hinrunde folgende Phänomene beobachten:
Es gab klare Unterschiede zwischen Bundesliga und Championsleague, was die taktische Grundordnung und die spielerische Herangehensweise betrifft.
In der Bundesliga gab es, bis auf das Spiel in München und jetzt in Hoffenheim, das altbekannte 4-2-3-1 mit klar Ballbesitzorientiertem Spiel.
In der Championsleague fast ausschließlich ein 4-3-3 bzw 4-5-1 (Der Übergang ist da meines Erachtens nach fließend) mit dem Hauptaspekt auf schnelles Umschaltspiel.
Meine Beobachtung dabei war, dass wir ein teilweise extremes Problem mit ballbesitzorientiertem Spiel haben. Es fehlt an Kreativität und damit einhergehend spielen wir uns zu wenig Chancen heraus. Zudem fehlt oft die Absicherung gegen gegnerische Konter.
Häufig konnte man folgende situative Anordnung erkennen:
http://this11.com/boards/abDU9kVap0.jpg
Das Problem: Die 4 offensivsten Spieler stehen bei uns ziemlich oft auf einer Linie, dahinter entsteht ein Kreativitätsvskuum.
Götze muss dabei oft eine zweiteilige Aufgabe übernehmen:
1. Sich zurückfallenlassen, um für Kreativität und Pässe für die vorderen Spieler zu sorgen
2. In vorderster Linie mit den anderen Offensivspielern für eine Überladung sorgen
Zusätzlich wird dieses Kreativitätsvakuum dadurch verstärkt, dass Götze und Reus oft die Positionen wechseln, sodass Reus das Zentrum besetzt. Leider wird immer dann besonders deutlich, dass sein Spiel mit dem Ball und die Ideen, die er hat, nicht gerade seine Stärken sind.
Gündogan alleine kann dieses Vakuum nicht füllen. Wenn Leitner statt Bender spielt, sieht es etwas besser aus, aber Leitner hat seine Stärken eher in den Pässen über die Mittel- und Langdistanz meiner Meinung nach.
Götzes offensivere Position hat natürlich auch seine Vorteile: Seine individuelle Klasse, vor allem im Abschluss, bescheren ihm und uns 6 Saisontore in der Bundesliga - jetzt schon seine persönliche Bestmarke.
Was die Offensive angeht also zusammengefasst: Wir haben nur bedingt weniger Tore geschossen als in den vergangenen Jahren, was aber vor allem an der relativ effizienten Chancenverwertung und der individuellen Klasse unserer Offensivakteure liegt.
Wir haben hingegen deutlich mehr Gegentore kasssiert.
Den Grund dafür habe ich schon teilweise angesprochen: Meiner Meinung nach kommt die Absicherung bei eigenem Ballbesitz bei uns zu kurz. Ich kann mich täuschen, aber mein Eindruck ist, dass wir die meisten Gegentore durch die 1. oder 2. Welle bekomen haben (also Konter oder schnelles Umschaltspiel des Gegners).
Hinzukommt ein Einstellungsproblem: Man sieht selten das (Gegen-)Pressing, was uns in der Vergangenheit so auszeichnete, vor allem gegen die "0815-Gegner" aus der Bundesliga.
Dass wir dazu in der Lage sind, gegen die besten Offensivspieler der Welt im Positionsspiel hervorragend zu verteidigen, haben wir in der CL und gegen Bayern eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Spiel in Manchester war dahingehend, wie Klopp es schon oft sagte, eines der besten BVB-Spiele aller Zeiten.
Aus diesen Gedanken möchte ich meine Überlegungen für die Zukunft ableiten:
Ich plane, auch wenn sich das in den oben genannten Ausführungen erstmal negativ anhört, grundsätzlich Götze auch in Zukunft offensiver ein.
Grund dafür ist einfach seine enorme Abschlussstärke und der kühle Kopf, den er auch im Strafraum noch behält.
Eine zukünftige Ausrichtung ist natürlich auch von der Personalie Lewandowski abhängig.
Da ich davon ausgehe, dass er nach dieser Saison geht, plädiere ich dafür, keinen neuen Wandspieler zu holen (Dzeko wäre eh der einzige, der Lewandowski dahingehend per sofort 1:1 ersetzen könnte) und stattdessen ein System voranzutreiben, welches keine klare Sturmspitze vorsieht und zusätliche Kreativspieler zu integrieren, um das Ballbesitzspiel effektiver zu gestalten.
Das könnte dann zum Beispiel so aussehen:
http://this11.com/boards/abDU9Slale.jpg (Hab mal die Hauptbewegungsradien der für die Offensive wichtigen Akteure mit eingezeichnet.
Spieler XY wäre hierbei ein weiterer Kreativspieler, der Götzes Position im Zentrum übernimmt, wenn dieser in die Spitze stößt. Götze und Reus stellen hier zwei false9 dar, die immer wieder in die Spitze stoßen; Götze zentral und Reus diagonal.
Wer könnte dieser Spieler sein? Paradelösung wären natürlich Spieler wie Eriksen oder Isco, eine kleinere Lösung wäre Rode. Intern könnte aber auch Leinter diese Position übernehmen, dafür muss er sich allerdings in bestimmten Bereichen noch weiterentwickeln.
Weiter im taktischen Diskurs: Zunehmend wichtiger werden Überladung bestimmter Spielfeldzonen. Auch das wäre mit dieser Formation und mit diesem Spielermaterial gut machbar. Man kann quasi den kompletten Dreierblock Götze, XY, Gündogan nach rechts oder links verschieben und dort eine Überladung mit den AV erzeugen, oder aber auch das Zentrum verdichten.
In den ersten beiden Fällen stünden dann auf der ballfernen Seite die jeweilige AV und Reus bzw Kuba für schnelle, diagonale Spielverlagerungen bereit.
Zusammengefasst sehe ich den Lewandowskiabgang als Chance, ein 4-3-3 zu etablieren und auf ein System ohne Wandspieler zu setzen, was uns meiner Meinung nach im Ballbesitz unausrechenbarer und somit stärker macht.
Es gab klare Unterschiede zwischen Bundesliga und Championsleague, was die taktische Grundordnung und die spielerische Herangehensweise betrifft.
In der Bundesliga gab es, bis auf das Spiel in München und jetzt in Hoffenheim, das altbekannte 4-2-3-1 mit klar Ballbesitzorientiertem Spiel.
In der Championsleague fast ausschließlich ein 4-3-3 bzw 4-5-1 (Der Übergang ist da meines Erachtens nach fließend) mit dem Hauptaspekt auf schnelles Umschaltspiel.
Meine Beobachtung dabei war, dass wir ein teilweise extremes Problem mit ballbesitzorientiertem Spiel haben. Es fehlt an Kreativität und damit einhergehend spielen wir uns zu wenig Chancen heraus. Zudem fehlt oft die Absicherung gegen gegnerische Konter.
Häufig konnte man folgende situative Anordnung erkennen:
http://this11.com/boards/abDU9kVap0.jpg
Das Problem: Die 4 offensivsten Spieler stehen bei uns ziemlich oft auf einer Linie, dahinter entsteht ein Kreativitätsvskuum.
Götze muss dabei oft eine zweiteilige Aufgabe übernehmen:
1. Sich zurückfallenlassen, um für Kreativität und Pässe für die vorderen Spieler zu sorgen
2. In vorderster Linie mit den anderen Offensivspielern für eine Überladung sorgen
Zusätzlich wird dieses Kreativitätsvakuum dadurch verstärkt, dass Götze und Reus oft die Positionen wechseln, sodass Reus das Zentrum besetzt. Leider wird immer dann besonders deutlich, dass sein Spiel mit dem Ball und die Ideen, die er hat, nicht gerade seine Stärken sind.
Gündogan alleine kann dieses Vakuum nicht füllen. Wenn Leitner statt Bender spielt, sieht es etwas besser aus, aber Leitner hat seine Stärken eher in den Pässen über die Mittel- und Langdistanz meiner Meinung nach.
Götzes offensivere Position hat natürlich auch seine Vorteile: Seine individuelle Klasse, vor allem im Abschluss, bescheren ihm und uns 6 Saisontore in der Bundesliga - jetzt schon seine persönliche Bestmarke.
Was die Offensive angeht also zusammengefasst: Wir haben nur bedingt weniger Tore geschossen als in den vergangenen Jahren, was aber vor allem an der relativ effizienten Chancenverwertung und der individuellen Klasse unserer Offensivakteure liegt.
Wir haben hingegen deutlich mehr Gegentore kasssiert.
Den Grund dafür habe ich schon teilweise angesprochen: Meiner Meinung nach kommt die Absicherung bei eigenem Ballbesitz bei uns zu kurz. Ich kann mich täuschen, aber mein Eindruck ist, dass wir die meisten Gegentore durch die 1. oder 2. Welle bekomen haben (also Konter oder schnelles Umschaltspiel des Gegners).
Hinzukommt ein Einstellungsproblem: Man sieht selten das (Gegen-)Pressing, was uns in der Vergangenheit so auszeichnete, vor allem gegen die "0815-Gegner" aus der Bundesliga.
Dass wir dazu in der Lage sind, gegen die besten Offensivspieler der Welt im Positionsspiel hervorragend zu verteidigen, haben wir in der CL und gegen Bayern eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Spiel in Manchester war dahingehend, wie Klopp es schon oft sagte, eines der besten BVB-Spiele aller Zeiten.
Aus diesen Gedanken möchte ich meine Überlegungen für die Zukunft ableiten:
Ich plane, auch wenn sich das in den oben genannten Ausführungen erstmal negativ anhört, grundsätzlich Götze auch in Zukunft offensiver ein.
Grund dafür ist einfach seine enorme Abschlussstärke und der kühle Kopf, den er auch im Strafraum noch behält.
Eine zukünftige Ausrichtung ist natürlich auch von der Personalie Lewandowski abhängig.
Da ich davon ausgehe, dass er nach dieser Saison geht, plädiere ich dafür, keinen neuen Wandspieler zu holen (Dzeko wäre eh der einzige, der Lewandowski dahingehend per sofort 1:1 ersetzen könnte) und stattdessen ein System voranzutreiben, welches keine klare Sturmspitze vorsieht und zusätliche Kreativspieler zu integrieren, um das Ballbesitzspiel effektiver zu gestalten.
Das könnte dann zum Beispiel so aussehen:
http://this11.com/boards/abDU9Slale.jpg (Hab mal die Hauptbewegungsradien der für die Offensive wichtigen Akteure mit eingezeichnet.
Spieler XY wäre hierbei ein weiterer Kreativspieler, der Götzes Position im Zentrum übernimmt, wenn dieser in die Spitze stößt. Götze und Reus stellen hier zwei false9 dar, die immer wieder in die Spitze stoßen; Götze zentral und Reus diagonal.
Wer könnte dieser Spieler sein? Paradelösung wären natürlich Spieler wie Eriksen oder Isco, eine kleinere Lösung wäre Rode. Intern könnte aber auch Leinter diese Position übernehmen, dafür muss er sich allerdings in bestimmten Bereichen noch weiterentwickeln.
Weiter im taktischen Diskurs: Zunehmend wichtiger werden Überladung bestimmter Spielfeldzonen. Auch das wäre mit dieser Formation und mit diesem Spielermaterial gut machbar. Man kann quasi den kompletten Dreierblock Götze, XY, Gündogan nach rechts oder links verschieben und dort eine Überladung mit den AV erzeugen, oder aber auch das Zentrum verdichten.
In den ersten beiden Fällen stünden dann auf der ballfernen Seite die jeweilige AV und Reus bzw Kuba für schnelle, diagonale Spielverlagerungen bereit.
Zusammengefasst sehe ich den Lewandowskiabgang als Chance, ein 4-3-3 zu etablieren und auf ein System ohne Wandspieler zu setzen, was uns meiner Meinung nach im Ballbesitz unausrechenbarer und somit stärker macht.
18.12.2012 - 22:55 Uhr
Ich habe zwar keine Zeit und bin hundemüde, aber:
Erstens: Ich glaube nicht, dass das fehlende Gegenpressing und die zeitweise extrem zunehmenden (und bis vor ein paar Wochen auch erfolgreichen) langen Bälle an ‚fehlender Einstellung‘ (wie BVB rockz nahegelegt hat) liegen. Das Gegenpressing des BVB funktioniert dann, wenn der Gegner halbwegs aufgerückt ist bzw. zumindest nicht extrem defensiv massiert steht. Zwei eng stehende und zueinander auch in der Tiefe verschiebende Viererketten (Klopp hat das in Bezug auf eigene Schwächen in HZ1 gegen Hoffenheim ‚Tiefenstaffelung‘ genannt) plus ein gut verschiebender Offensivspieler reichen, um fast immer Überzahl in Ballnähe zu haben. Gegenpressing nach Ballverlust zeitigt so extrem erhöhte Kontergefahr. Im Prinzip gerät der BVB derzeit in genau die Gefahr der Bayern in der letzten Saison: Man muss viele Spieler in Ballnähe bringen (bzw. bei Bayern: die Mannschaft musste in den Positionen aufrücken), um Überlegenheit in Ballbesitz und im etwaigen Gegenpressing zu erzeugen. Wenn der Gegner zu tief steht, dann ist das kaum noch möglich, wenn Bälle verloren gehen, hat der Gegner im Regelfall immer die Möglichkeit, den Passweg aus der Pressingfalle zu finden. Daher gab es zu Saisonbeginn derart viele Kontergegentore, daher funktioniert das immer noch situativ versuchte (Gegen-)Pressing immer weniger. Deswegen und nicht etwa aus Faulheit wird weniger Gegenpressing betrieben und deswegen klappt das in der CL besser: Dort stehen die Mannschaften deutlich offensiver, mitspielender, weniger abwartend und zeigen sich weit williger, selbst zu agieren. Daher bringt dort das Gegenpressing etwas.
Als Resultat steht Dortmund erstens generell höher, lässt auch Hummels häufiger an den Offensivaktionen aktiv teilnehmen (um entstehende Räume zu nutzen, weil er als IV weniger im offensiven MF erwartet wird und so häufig relativ hohe Gefahr entsteht; gleichzeitig sichert dann ein MF als kurzer Ersatz-IV ab), versucht über längeres Bälle verschieben und Kreativideen zum Zug zu kommen – und hier sind natürlich Absenzen von Götze und Gündogan (bei dem die Versetzung ins reine DM als absoluter 6er völlig ausreicht, um im die Möglichkeit zu nehmen, kreativ zu arbeiten; siehe Barca, die eben auch einen Busquets oä. Eigtl. immer auf dem Platz haben, um Xavi Luft zu geben) fatal. Daher braucht es Kreativität und Spieler wie Eriksen sind eine Möglichkeit (aber nicht die einzige imo).
Zweitens kopieren Mannschaften – wie bereits diskutiert – den Dortmunder Spielstil und pressen natürlich auch Dortmund immer häufiger. Das hat nicht nur Real Madrid gemacht, das machen auch viele kleinere Teams in der BuLi. Mit langen Bällen auf Lewandowski kann man Gegenpressing herausragend – im wörtlichen Sinn – überspielen. Lewandowski kann mehr Bälle als üblich irgendwie verarbeiten, Hummels, Gündogan und Subotic spielen vergleichsweise genaue lange Pässe, so dass die prozentuale Erfolgschance ausreichend vorhanden ist (was mich – natürlich augenzwinkernd – an den Trainer Norwegens von vor etwa einem Jahrzehnt erinnert, Name vergessen, der die Theorie verfolgte, dass es statistisch egal ist, wer in Ballbesitz ist und wie der Ball in die gefährlichen Räume gespielt wurde (also auch hoch und weit), sondern dass einzig entscheidend ist, DASS er dort hineingespielt wird). Jetzt hat dann nämlich das gegnerische Team das Problem, dass die gegenpressenden Spieler für die Raumdeckung hinten fehlen, die schnellen Dortmunder Offensivspieler vertikal durchsprinten können und in der Folge Tore wie gegen Real Madrid entstehen.
Letztlich resultieren die Dortmunder Probleme also nur aus der Anpassung des Spielstils der Gegner in der Bundesliga und genau deswegen beherrscht der BVB im Moment auch die CL Mannschaften (die allein aus ihrem Selbstverständnis heraus auf Jahre hinweg sich taktisch kaum nach dem BVB richten dürften, so lang der nicht Seriensieger der CL wird, was nicht passieren dürfte).
Zweitens: Ich glaube, dass es taktisch einige Spieler-Optionen im Fall eines möglichen Lewandowski-Abgangs gäbe und dass in jedem Fall der Kader in die Breite verstärkt werden muss: Eriksen als Exempel für die offensive, polyvalente, kreative und spielgestaltende Rolle; Sahin als Exempel für den zusätzlichen Kreativposten im Spielaufbau; ein Spieler wie Dzeko als eins zu eins Ersatz oder ein Fellaini (immer noch meine – sicher teure – Lieblingsoption ;) ) als zwar offensiver, aber nicht MS-lastiger und polyvalenter Lewandowski-Ersatz. Gleichzeitig müsste man einen weiteren Stürmer verpflichten und würde Reus/Schieber in die Positionen schieben oder Götze die false 9 spielen lassen. Zu den taktischen Möglichkeiten zwischen mehr Kreativität, einem 3-5-2 (wie bei Juve) oder einer false 9, also letztlich einem 4-6-0, schreib ich beizeiten nochmal was. Ich persönlich kann mir da einiges als Lösungsansätze vorstellen und ich vermute, dass Klopp und Buvac da auch bereits ausführlich tüfteln.
Drittens zur false 9: Übrigens glaube ich nicht, dass Götze in der N11 eine false 9 gespielt hat. Der hat einen Mittelstürmer gespielt und sollte sich eben nicht tief fallen lassen. Genau hier lag auch ein weiterer Aspekt seit Jahresanfang 2012, der mich weiter an Löw zweifeln lässt (und jeder der hier rege liest, weiß, dass ich bis Jahresanfang sehr oft bis fast immer voll bei Löw war in seinen Entscheidungen und auch bis zur EM das ganze als ‚Vor-EM-Krischen‘ abgetan hatte). Die Zeichen taktischer Missverständnisse häufen sich allerdings: Löw hatte explizit gesagt, dass Götze den Ball mit dem Rücken zum Tor verarbeiten sollte. Er sollte also kurz kommen und die Bälle ablegen auf die schnellen Außen oder den Fernschussspieler Kroos. Genau so baldowert man funktionierende Abwehrketten, die Passwege zustellen und am Mann stehen aber nicht aus. Unruhe kommt in Abwehrreihen nicht über Rückpässe/Ablagen und auch nur ganz selten über Ballannahmen mit dem Rücken zum Tor (auch wenn Götze diese tatsächlich am besten von den deutschen N11-Spielern beherrscht), sondern von vertikalen Läufen und Pässen, die nicht frontal auf das gegnerische Tor laufen, sondern einen Winkel dazu haben. Genau das erreicht Barca durch das Auflösen des MS in Messi (oder fakultativ Iniesta etc pp), der dann immer in einem Winkel anläuft, Doppelpässe sucht oder den Ball in den Raum bzw. die Gasse spielt – auch im Regelfall vertikal, aber wiederum mit Winkel, was dann auch wieder den Abschluss erleichtert.
Soweit erstmal, ich hoffe auch ohne Taktikbildchen verständlich. ;)
Erstens: Ich glaube nicht, dass das fehlende Gegenpressing und die zeitweise extrem zunehmenden (und bis vor ein paar Wochen auch erfolgreichen) langen Bälle an ‚fehlender Einstellung‘ (wie BVB rockz nahegelegt hat) liegen. Das Gegenpressing des BVB funktioniert dann, wenn der Gegner halbwegs aufgerückt ist bzw. zumindest nicht extrem defensiv massiert steht. Zwei eng stehende und zueinander auch in der Tiefe verschiebende Viererketten (Klopp hat das in Bezug auf eigene Schwächen in HZ1 gegen Hoffenheim ‚Tiefenstaffelung‘ genannt) plus ein gut verschiebender Offensivspieler reichen, um fast immer Überzahl in Ballnähe zu haben. Gegenpressing nach Ballverlust zeitigt so extrem erhöhte Kontergefahr. Im Prinzip gerät der BVB derzeit in genau die Gefahr der Bayern in der letzten Saison: Man muss viele Spieler in Ballnähe bringen (bzw. bei Bayern: die Mannschaft musste in den Positionen aufrücken), um Überlegenheit in Ballbesitz und im etwaigen Gegenpressing zu erzeugen. Wenn der Gegner zu tief steht, dann ist das kaum noch möglich, wenn Bälle verloren gehen, hat der Gegner im Regelfall immer die Möglichkeit, den Passweg aus der Pressingfalle zu finden. Daher gab es zu Saisonbeginn derart viele Kontergegentore, daher funktioniert das immer noch situativ versuchte (Gegen-)Pressing immer weniger. Deswegen und nicht etwa aus Faulheit wird weniger Gegenpressing betrieben und deswegen klappt das in der CL besser: Dort stehen die Mannschaften deutlich offensiver, mitspielender, weniger abwartend und zeigen sich weit williger, selbst zu agieren. Daher bringt dort das Gegenpressing etwas.
Als Resultat steht Dortmund erstens generell höher, lässt auch Hummels häufiger an den Offensivaktionen aktiv teilnehmen (um entstehende Räume zu nutzen, weil er als IV weniger im offensiven MF erwartet wird und so häufig relativ hohe Gefahr entsteht; gleichzeitig sichert dann ein MF als kurzer Ersatz-IV ab), versucht über längeres Bälle verschieben und Kreativideen zum Zug zu kommen – und hier sind natürlich Absenzen von Götze und Gündogan (bei dem die Versetzung ins reine DM als absoluter 6er völlig ausreicht, um im die Möglichkeit zu nehmen, kreativ zu arbeiten; siehe Barca, die eben auch einen Busquets oä. Eigtl. immer auf dem Platz haben, um Xavi Luft zu geben) fatal. Daher braucht es Kreativität und Spieler wie Eriksen sind eine Möglichkeit (aber nicht die einzige imo).
Zweitens kopieren Mannschaften – wie bereits diskutiert – den Dortmunder Spielstil und pressen natürlich auch Dortmund immer häufiger. Das hat nicht nur Real Madrid gemacht, das machen auch viele kleinere Teams in der BuLi. Mit langen Bällen auf Lewandowski kann man Gegenpressing herausragend – im wörtlichen Sinn – überspielen. Lewandowski kann mehr Bälle als üblich irgendwie verarbeiten, Hummels, Gündogan und Subotic spielen vergleichsweise genaue lange Pässe, so dass die prozentuale Erfolgschance ausreichend vorhanden ist (was mich – natürlich augenzwinkernd – an den Trainer Norwegens von vor etwa einem Jahrzehnt erinnert, Name vergessen, der die Theorie verfolgte, dass es statistisch egal ist, wer in Ballbesitz ist und wie der Ball in die gefährlichen Räume gespielt wurde (also auch hoch und weit), sondern dass einzig entscheidend ist, DASS er dort hineingespielt wird). Jetzt hat dann nämlich das gegnerische Team das Problem, dass die gegenpressenden Spieler für die Raumdeckung hinten fehlen, die schnellen Dortmunder Offensivspieler vertikal durchsprinten können und in der Folge Tore wie gegen Real Madrid entstehen.
Letztlich resultieren die Dortmunder Probleme also nur aus der Anpassung des Spielstils der Gegner in der Bundesliga und genau deswegen beherrscht der BVB im Moment auch die CL Mannschaften (die allein aus ihrem Selbstverständnis heraus auf Jahre hinweg sich taktisch kaum nach dem BVB richten dürften, so lang der nicht Seriensieger der CL wird, was nicht passieren dürfte).
Zweitens: Ich glaube, dass es taktisch einige Spieler-Optionen im Fall eines möglichen Lewandowski-Abgangs gäbe und dass in jedem Fall der Kader in die Breite verstärkt werden muss: Eriksen als Exempel für die offensive, polyvalente, kreative und spielgestaltende Rolle; Sahin als Exempel für den zusätzlichen Kreativposten im Spielaufbau; ein Spieler wie Dzeko als eins zu eins Ersatz oder ein Fellaini (immer noch meine – sicher teure – Lieblingsoption ;) ) als zwar offensiver, aber nicht MS-lastiger und polyvalenter Lewandowski-Ersatz. Gleichzeitig müsste man einen weiteren Stürmer verpflichten und würde Reus/Schieber in die Positionen schieben oder Götze die false 9 spielen lassen. Zu den taktischen Möglichkeiten zwischen mehr Kreativität, einem 3-5-2 (wie bei Juve) oder einer false 9, also letztlich einem 4-6-0, schreib ich beizeiten nochmal was. Ich persönlich kann mir da einiges als Lösungsansätze vorstellen und ich vermute, dass Klopp und Buvac da auch bereits ausführlich tüfteln.
Drittens zur false 9: Übrigens glaube ich nicht, dass Götze in der N11 eine false 9 gespielt hat. Der hat einen Mittelstürmer gespielt und sollte sich eben nicht tief fallen lassen. Genau hier lag auch ein weiterer Aspekt seit Jahresanfang 2012, der mich weiter an Löw zweifeln lässt (und jeder der hier rege liest, weiß, dass ich bis Jahresanfang sehr oft bis fast immer voll bei Löw war in seinen Entscheidungen und auch bis zur EM das ganze als ‚Vor-EM-Krischen‘ abgetan hatte). Die Zeichen taktischer Missverständnisse häufen sich allerdings: Löw hatte explizit gesagt, dass Götze den Ball mit dem Rücken zum Tor verarbeiten sollte. Er sollte also kurz kommen und die Bälle ablegen auf die schnellen Außen oder den Fernschussspieler Kroos. Genau so baldowert man funktionierende Abwehrketten, die Passwege zustellen und am Mann stehen aber nicht aus. Unruhe kommt in Abwehrreihen nicht über Rückpässe/Ablagen und auch nur ganz selten über Ballannahmen mit dem Rücken zum Tor (auch wenn Götze diese tatsächlich am besten von den deutschen N11-Spielern beherrscht), sondern von vertikalen Läufen und Pässen, die nicht frontal auf das gegnerische Tor laufen, sondern einen Winkel dazu haben. Genau das erreicht Barca durch das Auflösen des MS in Messi (oder fakultativ Iniesta etc pp), der dann immer in einem Winkel anläuft, Doppelpässe sucht oder den Ball in den Raum bzw. die Gasse spielt – auch im Regelfall vertikal, aber wiederum mit Winkel, was dann auch wieder den Abschluss erleichtert.
Soweit erstmal, ich hoffe auch ohne Taktikbildchen verständlich. ;)
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