BVB - Taktik-Thread
20.01.2006 - 12:09 Uhr
17.03.2012 - 21:59 Uhr
Zu dem heutigen Spiel gegen Bremen, ein Kommentar von mir, da ich relativ interessante Neuigkeiten entdeckt habe. Im Gegensatz zu dem allgemeinen Tenor (es kommt mir jedenfalls so vor) habe ich heute ein tolles Spiel gesehen, warum, erkläre ich im Folgenden.
Letzte Woche gegen Augsburg setzten wir bewusst auf ein flaches Aufbauspiel, auffächernde Innenverteidiger, weit vorstoßende AV´s sowie zurückfallende Sechser. Damit verbunden stand unsere offensive Dreierreihe relativ hoch. Weil wir durch die Besetzung unserer Doppelsechs Bender und Kehl, hatten wir in der Mitte Probleme Kontrolle zu bekommen, da nur einer unserer Sechser den Bereich deckte. Zusammen mit der Manndeckung, sowie kompakt stehenden Augsburgern kamen die flachen Vertikal oder auch Diagonalpässe zwar an, jedoch mussten sich unsere Spieler dann mit dem Rücken zum Tor durchsetzen, sich umdrehen und den Ball weiterleiten. Wir hatten dementsprechend sicher Passoptionen in unserer Dreierkette, sowie auf den Außenbahnen (die AVs), sowie riskantere Optionen, nämlich die Offensivreihe oder gar Lewandowski. Hier machte es Augsburg auch einfach gut, sie spielten, falls sich Kagawa, Kuba oder Kevin fallen ließen konsequent Foul und waren einfach nah am Mann. Wir hatten dementsprechend Übergewicht im letzten Drittel, im ersten Drittel unsere Dreierkette, im zweiten Drittel jedoch Unterzahl, wegen des Zurückfallenden Sechsers und der aufrückenden Offensivreihe sowie dem manngedeckten Kagawa.
Gegen Bremen haben wir dieses flache Aufbauspiel fortgeführt, jedoch in komplett anderer Ausführung. Wie vor einigen Wochen schon von mir angedacht setzten wir viel mehr auf Überlegenheit im zweiten Drittel, unsere beiden Sechser ließen sich immer wieder neben, zwischen und direkt vor die IV´s fallen. Shinji spielte zudem tiefer, dadurch hatten wir im vorderen Teil des zweiten Drittels (direkt hinter der Mittellinie) kompletten Zugriff und konnten risikofrei, den Ball zirkulieren lassen, was zu einer für unsere Verhältnisse unglaubliche Dominanz im zweiten Drittel führte. Zusammen mit der schlechten Raumaufteilung der Bremer hatten wir besonders in der ersten Halbzeit leichtes Spiel: Unsere zentralen Akteure hatten viel zu viel Zeit am Ball, Gündogan durfte im Prinzip sich 3 mal drehen um dann weiterzuleiten. All das führte zu einem extrem flüssigen und gut anzuschauenden Kurzpassspiel im zweiten Drittel. Manchmal fehlte uns beim letzten Pass die Konsequenz, manchmal passten die Laufwege nicht ganz oder wir haben die Chancen einfach verballert. Besonders bemerkenswert finde ich, dass ab und an unser zentrales Mittelfeld bei langen Bällen nicht schnell genug nach hinten eilte, woraufhin wir die Kopfballabwehr unserer Innenverteidiger nicht richtig klären konnten (so entstand ja auch der Ekici Schuss den Roman prallen lassen musste). Auf der anderen Seite war diese Überlegenheit anscheindend selber für unsere Jungs nicht so natürlich, da wir manchmal nicht die richtige Balance zwischen ( Stehenbleiben und den Ball wiederbekommen oder Freilaufen) nach einem Pass bekommen haben, so fehlte uns zwischendurch ein wenig der Zug zum Tor (das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit). Diese beiden Probleme sind jedoch nicht verwunderlich, da wir erst seit letztem Mal so einen extremen Fokus auf das Flachpassspiel legen.
In Halbzeit zwei steigerte sich Bremen dann, was zu mehreren Problemen führte. Zum einen klappte die Raumaufteilung besser und unsere zentralen Akteure konnten schneller unter Druck gesetzt werden, das führte zu häufigeren Fehlpässen, die im zweiten Drittel verdammt gefährlich sind. (Das ist ja nebenbei auch der Grund für die Probleme der Bayern (wenn man keine Dominanz im zweiten Drittel hat, schiebt man den Ball entweder nach hinten/zur Seite oder man riskiert einen gefährlichen Ballverlust. Unter van Gaal wars es im Zweifel letzteres unter Heynckes andersrum.) Deswegen sah sich unsere Mannschaft einem Problem gegenüber: Bleibt man in der „neuen“ Flachpassanordnung und diesen Laufwegen oder läuft man sich für lange Bälle in die Tiefe frei. Dies führte zu einigen gefährlichen Ballverlusten und Kontersituationen. Hier muss man erneut unsere Überragende Defensivarbeit im Kollektiv loben! Auch wenn unsere gesamte Viererkette in direkten Zweikämpfen (wie die meisten Verteidiger) Probleme hat, sind sie im Zusammenziehen bzw. im Verhindern dieser Kontersituationen absolute Spitzenklasse. ( Liegt auch daran das sie genau das immer trainiert haben unter Klopp, da man bei fehlgeschlagenem Gegenpressing sonst Probleme bekommt.
Desweiteren hatten wir Probleme bis zur 70. Minute, da Bremen mit nur einer Spitze spielte und so die Lücken die sich nach Ballverlust ergaben effektiver nutzen konnte (besonders Ekici ist hier gemeint, aber den Punkt mit Dribbling und direktem Zweikampfverhalten hab ich oben schon erwähnt). Bender zu bringen fand ich von Klopp wichtig und auch taktisch gesehen schlüssig (ich weiß allerdings nicht, ob er ihn nicht sowieso gebracht hätte). Durch die geringere Zeit im Aufbauspiel und den vielen Ballverlusten, haben wir uns mehr aufs Verteidigen konzentriert, Bremen angreifen lassen und dann einfach im Pressing den Ball erobert, letzteres ist wohl die Paradedisziplin von Manni.
Auf der anderen Seite fand ich Schaafs (bei Liga Total gelobten) Wechsel nicht so sinnvoll: Man wechselt einen Kreativen Dribbler der bei Ballgewinnen Gold wert ist aus, und bringt einen Stürmer. Man hat somit einen mehr der vorne drin rum steht und nur durch Halbfeldflanken gefüttert wird, somit also auch nicht wirklich einen Mehrwert bringt. Ich halte reines Kick and Rush allgemein für nicht so sinnvoll, insbesondere gegen unsere Mannschaft in der Schlussphase halte ich es für völlig sinnfrei. Unsere Innenverteidiger sind genauso wie die Sechser drauf gepolt, nach dem Pressing ins Kopfballduell zu gehen um den Ball zu erobern. Das machen sie praktisch 90% der Zeit, da wir stark gegenpressen sowie aggressives Pressing spielen. Ob man da durch Halbfeldflanken zu Ziel kommen kann, darf bezweifelt werden.
Zuletzt möchte ich noch einmal auf Klopp zu sprechen kommen: Dieses neue Flachpassspiel zu implementieren mitten in der Saison halte ich für gewagt, jedoch bietet es zusätzliche Optionen und unser starkes kollektives Defensivkonzept kann etwaige Probleme zumindest teilweise ausbügeln. Gespannt bin ich, ob Klopp auch nach dem Augsburgspiel einsah, dass man so ein Dominanzsystem mit starken Kontrolle im zweiten Drittel aufgrund des Zeitdrucks nur mit technisch starken Spielern machen kann oder warum er sonst Bender draußen ließ. Sonst hatte Klopp ja nicht wirklich Bedenken angeschlagene Spieler reinzuwerfen, vielleicht hat ihn das suboptimale Auftreten von Hummels gegen Hertha davon abgehalten oder Gündogan hat im Training so sehr geglänzt.
Diese weitergehende Entwicklung unserer taktischen Möglichkeiten und Angriffsmöglichkeiten halte ich für sinnvoll und auch unheimlich spannend, mal schauen wie es gegen Köln aussieht.
Wie immer freue ich mich über Feedback!
Mfg,
Dreiecksspiel
Letzte Woche gegen Augsburg setzten wir bewusst auf ein flaches Aufbauspiel, auffächernde Innenverteidiger, weit vorstoßende AV´s sowie zurückfallende Sechser. Damit verbunden stand unsere offensive Dreierreihe relativ hoch. Weil wir durch die Besetzung unserer Doppelsechs Bender und Kehl, hatten wir in der Mitte Probleme Kontrolle zu bekommen, da nur einer unserer Sechser den Bereich deckte. Zusammen mit der Manndeckung, sowie kompakt stehenden Augsburgern kamen die flachen Vertikal oder auch Diagonalpässe zwar an, jedoch mussten sich unsere Spieler dann mit dem Rücken zum Tor durchsetzen, sich umdrehen und den Ball weiterleiten. Wir hatten dementsprechend sicher Passoptionen in unserer Dreierkette, sowie auf den Außenbahnen (die AVs), sowie riskantere Optionen, nämlich die Offensivreihe oder gar Lewandowski. Hier machte es Augsburg auch einfach gut, sie spielten, falls sich Kagawa, Kuba oder Kevin fallen ließen konsequent Foul und waren einfach nah am Mann. Wir hatten dementsprechend Übergewicht im letzten Drittel, im ersten Drittel unsere Dreierkette, im zweiten Drittel jedoch Unterzahl, wegen des Zurückfallenden Sechsers und der aufrückenden Offensivreihe sowie dem manngedeckten Kagawa.
Gegen Bremen haben wir dieses flache Aufbauspiel fortgeführt, jedoch in komplett anderer Ausführung. Wie vor einigen Wochen schon von mir angedacht setzten wir viel mehr auf Überlegenheit im zweiten Drittel, unsere beiden Sechser ließen sich immer wieder neben, zwischen und direkt vor die IV´s fallen. Shinji spielte zudem tiefer, dadurch hatten wir im vorderen Teil des zweiten Drittels (direkt hinter der Mittellinie) kompletten Zugriff und konnten risikofrei, den Ball zirkulieren lassen, was zu einer für unsere Verhältnisse unglaubliche Dominanz im zweiten Drittel führte. Zusammen mit der schlechten Raumaufteilung der Bremer hatten wir besonders in der ersten Halbzeit leichtes Spiel: Unsere zentralen Akteure hatten viel zu viel Zeit am Ball, Gündogan durfte im Prinzip sich 3 mal drehen um dann weiterzuleiten. All das führte zu einem extrem flüssigen und gut anzuschauenden Kurzpassspiel im zweiten Drittel. Manchmal fehlte uns beim letzten Pass die Konsequenz, manchmal passten die Laufwege nicht ganz oder wir haben die Chancen einfach verballert. Besonders bemerkenswert finde ich, dass ab und an unser zentrales Mittelfeld bei langen Bällen nicht schnell genug nach hinten eilte, woraufhin wir die Kopfballabwehr unserer Innenverteidiger nicht richtig klären konnten (so entstand ja auch der Ekici Schuss den Roman prallen lassen musste). Auf der anderen Seite war diese Überlegenheit anscheindend selber für unsere Jungs nicht so natürlich, da wir manchmal nicht die richtige Balance zwischen ( Stehenbleiben und den Ball wiederbekommen oder Freilaufen) nach einem Pass bekommen haben, so fehlte uns zwischendurch ein wenig der Zug zum Tor (das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit). Diese beiden Probleme sind jedoch nicht verwunderlich, da wir erst seit letztem Mal so einen extremen Fokus auf das Flachpassspiel legen.
In Halbzeit zwei steigerte sich Bremen dann, was zu mehreren Problemen führte. Zum einen klappte die Raumaufteilung besser und unsere zentralen Akteure konnten schneller unter Druck gesetzt werden, das führte zu häufigeren Fehlpässen, die im zweiten Drittel verdammt gefährlich sind. (Das ist ja nebenbei auch der Grund für die Probleme der Bayern (wenn man keine Dominanz im zweiten Drittel hat, schiebt man den Ball entweder nach hinten/zur Seite oder man riskiert einen gefährlichen Ballverlust. Unter van Gaal wars es im Zweifel letzteres unter Heynckes andersrum.) Deswegen sah sich unsere Mannschaft einem Problem gegenüber: Bleibt man in der „neuen“ Flachpassanordnung und diesen Laufwegen oder läuft man sich für lange Bälle in die Tiefe frei. Dies führte zu einigen gefährlichen Ballverlusten und Kontersituationen. Hier muss man erneut unsere Überragende Defensivarbeit im Kollektiv loben! Auch wenn unsere gesamte Viererkette in direkten Zweikämpfen (wie die meisten Verteidiger) Probleme hat, sind sie im Zusammenziehen bzw. im Verhindern dieser Kontersituationen absolute Spitzenklasse. ( Liegt auch daran das sie genau das immer trainiert haben unter Klopp, da man bei fehlgeschlagenem Gegenpressing sonst Probleme bekommt.
Desweiteren hatten wir Probleme bis zur 70. Minute, da Bremen mit nur einer Spitze spielte und so die Lücken die sich nach Ballverlust ergaben effektiver nutzen konnte (besonders Ekici ist hier gemeint, aber den Punkt mit Dribbling und direktem Zweikampfverhalten hab ich oben schon erwähnt). Bender zu bringen fand ich von Klopp wichtig und auch taktisch gesehen schlüssig (ich weiß allerdings nicht, ob er ihn nicht sowieso gebracht hätte). Durch die geringere Zeit im Aufbauspiel und den vielen Ballverlusten, haben wir uns mehr aufs Verteidigen konzentriert, Bremen angreifen lassen und dann einfach im Pressing den Ball erobert, letzteres ist wohl die Paradedisziplin von Manni.
Auf der anderen Seite fand ich Schaafs (bei Liga Total gelobten) Wechsel nicht so sinnvoll: Man wechselt einen Kreativen Dribbler der bei Ballgewinnen Gold wert ist aus, und bringt einen Stürmer. Man hat somit einen mehr der vorne drin rum steht und nur durch Halbfeldflanken gefüttert wird, somit also auch nicht wirklich einen Mehrwert bringt. Ich halte reines Kick and Rush allgemein für nicht so sinnvoll, insbesondere gegen unsere Mannschaft in der Schlussphase halte ich es für völlig sinnfrei. Unsere Innenverteidiger sind genauso wie die Sechser drauf gepolt, nach dem Pressing ins Kopfballduell zu gehen um den Ball zu erobern. Das machen sie praktisch 90% der Zeit, da wir stark gegenpressen sowie aggressives Pressing spielen. Ob man da durch Halbfeldflanken zu Ziel kommen kann, darf bezweifelt werden.
Zuletzt möchte ich noch einmal auf Klopp zu sprechen kommen: Dieses neue Flachpassspiel zu implementieren mitten in der Saison halte ich für gewagt, jedoch bietet es zusätzliche Optionen und unser starkes kollektives Defensivkonzept kann etwaige Probleme zumindest teilweise ausbügeln. Gespannt bin ich, ob Klopp auch nach dem Augsburgspiel einsah, dass man so ein Dominanzsystem mit starken Kontrolle im zweiten Drittel aufgrund des Zeitdrucks nur mit technisch starken Spielern machen kann oder warum er sonst Bender draußen ließ. Sonst hatte Klopp ja nicht wirklich Bedenken angeschlagene Spieler reinzuwerfen, vielleicht hat ihn das suboptimale Auftreten von Hummels gegen Hertha davon abgehalten oder Gündogan hat im Training so sehr geglänzt.
Diese weitergehende Entwicklung unserer taktischen Möglichkeiten und Angriffsmöglichkeiten halte ich für sinnvoll und auch unheimlich spannend, mal schauen wie es gegen Köln aussieht.
Wie immer freue ich mich über Feedback!
Mfg,
Dreiecksspiel
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Dreiecksspiel am 17.03.2012 um 21:59 Uhr bearbeitet
31.03.2012 - 17:53 Uhr
Beim gestrigen Spiel konnte man ganz gut die in meinen Augen größte taktische Fehlinterpretation unser aktuellen Zeit live sehen. Und zwar ist eine Mannschaft mit mehr Defensivspielern lange nicht eher dazu in der Lage eine Führung über die Zeit zu retten. Mit dem Wechsel Bender für Gündogan hat Klopp hier einen großen Fehler begangen und die Spielkontrolle damit mehr oder weniger aus der Hand gegeben.
Man hat richtig den Bruch im Spielaufbau erkennen können und man operierte, trotz der sensationell funktionierende Spielweise mit flachem Aufbauspiel auf einmal mit langen Bällen und der Hoffnung auf ein Kontertor. Mit einem pass- und ballsicheren Spieler wie eben Gündogan im Mittelfeld hätten wir einfach weiter unseren Stiefel runtergespielt und nichts wäre passiert.
Gestern konnte man sehr schön (bzw. nicht schön für uns) sehen, dass Bender und Kehl einfach kein sinnvoll harmonierendes Duo im zentralen Mittelfeld darstellen. Natürlich haben wir auch schon den ein oder anderen Sieg mit diesem Duo errungen, aber das war zumeist gegen ohnehin spielerisch arg unterlegen Gegner. Jedesmal wenn der Gegner selbst Druck auf unsere "Doppel-Sechs" ausgeübt hat, kamen diese beiden zusammen immer schön ins Schwimmen.
Daher bin ich davon überzeugt, dass gerade gegen spielstarke Gegner eben nicht zwei "Zerstörer" vor der Abwehr die Lösung darstellen, sondern mindestens ein pass- und ballsicherer Spieler wie eben Gündogan oder gerne auch Leitner oder Götze. Nur so kann man auf gegnerisches Pressing sinnvoll reagieren.
Man hat richtig den Bruch im Spielaufbau erkennen können und man operierte, trotz der sensationell funktionierende Spielweise mit flachem Aufbauspiel auf einmal mit langen Bällen und der Hoffnung auf ein Kontertor. Mit einem pass- und ballsicheren Spieler wie eben Gündogan im Mittelfeld hätten wir einfach weiter unseren Stiefel runtergespielt und nichts wäre passiert.
Gestern konnte man sehr schön (bzw. nicht schön für uns) sehen, dass Bender und Kehl einfach kein sinnvoll harmonierendes Duo im zentralen Mittelfeld darstellen. Natürlich haben wir auch schon den ein oder anderen Sieg mit diesem Duo errungen, aber das war zumeist gegen ohnehin spielerisch arg unterlegen Gegner. Jedesmal wenn der Gegner selbst Druck auf unsere "Doppel-Sechs" ausgeübt hat, kamen diese beiden zusammen immer schön ins Schwimmen.
Daher bin ich davon überzeugt, dass gerade gegen spielstarke Gegner eben nicht zwei "Zerstörer" vor der Abwehr die Lösung darstellen, sondern mindestens ein pass- und ballsicherer Spieler wie eben Gündogan oder gerne auch Leitner oder Götze. Nur so kann man auf gegnerisches Pressing sinnvoll reagieren.
03.04.2012 - 14:24 Uhr
Zitat von Perca:
Ich denke, es passt am ehesten hier rein.
Laut dieser Seite hier:
http://www.whoscored.com/Statistics
Sind wir das fairste Team Europas!
Weitere Daten, die auch die Taktik widerspiegeln:
Schüsse pro Spiel auf Platz 7 (hinter ManCity, Real, Juve, Tottenham, Chelsea und Barca, Bayern auf Platz 12, ManU Platz 10)
Ballbesitz "nur" auf Platz 19 mit 54,4% (1. Barca 69,1%, 2. Bayern 64,4%, 20. Gladbach 53,9%)
Was mich ein wenig überrascht:
Passquote Platz 38! Und damit hinter dem HSV, Werder, Bayer, Gladbach und Bayern, gleichauf mit dem VFB.
Kleine Randnotiz, die interessant ist:
Von den Teams mit den meisten Karten der großen Ligen kommen 16 der ersten 20 aus Spanien!
Von den fairsten kommen 17 von 20 aus Deutschland oder England (die anderen 3 Frankreich)
Spricht dafür, dass wir schnell in die Spitze spielen, gerne auch mit riskanten Pässen und uns viele Chancen erarbeiten und nicht lange die Lücke suchen.
So ist es!
Jetzt müssen wir „nur noch“ an der Chancenauswertung (Cleverness und Ruhe)* und an dem Switch zum Ballbesitzspiel ab einer 2/3-Tore-Führung arbeiten. Wenn uns dies gelingt, bin ich sicher, dass wir auch mal wieder europäisch überwintern werden und ab dann ist uns, aufgrund unseres Teamspirits, alles zuzutrauen.
* das hängt natürlich stark mit unserem sehr aufwendigen Spiel zusammen. Oftmals fehlt uns in entscheidenden Momenten (letzter Pass/Torschuss) das letzte Quäntchen Konzentration.
Die fortwährende Entwicklung jedes einzelnen Spielers der Borussia stimmt mich sehr positiv. Wenn dieser Trend annähernd fortbesteht, werden wir uns zwangsläufig zu einer europäischen Spitzenmannschaft entwickeln.
Langfristig (2-5 Jahre) würde ich gerne sehen, dass wir, neben der Konservierung unserer seit Jahren konstanten Ergebnisse, an den letzten verbliebenen Details arbeiten*:
- Standards (defensiv [insb. was das anschließende Konterspiel betrifft], als auch und vor allem offensiv)
- Abgeklärtheit (vor allem offensiv [Effizienz/Chancenverwertungsquote], sowie im Passspiel [Balance zw. sicher und riskant/Souveränität]
- Der Switch zwischen den Spielweisen (während eines Spiels, aber vielleicht zukünftig auch mal von Spiel zu Spiel [mal ein 4-2-3-1 Umschaltspiel, dann mal ein 4-2-4-0/3-3-4 Ballbesitzspiel (vielleicht auch mal ohne 9er und mit einem OA wie Perisic zusätzlich [?])
- Die linke Seite (auch wenn Schmelzers Formkurve steigend verläuft, halte ich es mit Tobi Deluxe, der in der Kaderschmiede Jansen als Piszczek-Klon zur Diskussion stellte*)
- Die Implementierung eines Switch IV* (in Augsburg wurde das mit Bender vermehrt versucht)
*das Spiel gegen den Ball sehe ich weitestgehend als perfektioniert an. Das Pressing, das Verschieben, das aktive Verteidigen unserer IV etc. Das gesamt Defensivspiel ist verdammt gut.
*ob es unbedingt Jansen sein muss?!?
Ich war bisher auch kein Jansen-Freund und wie es mit seinem Gehalt aussieht kann ich auch nur erahnen (ich vermute versaut [Bayern/HSV]), aber ganz unähnlich sind sich Jansen und Piszczek - was die Dynamik angeht - nun nicht. Sollte Klopp ihn hinkriegen, wäre er sicher ein Upgrade. Alternativ denkt Euch jemand anders, der als Piszczek-Klon in Frage kommt.
*so stark ich Bender im Spiel gegen den Ball auch sehen, so wenig gefällt er mir – trotz seiner Verbesserung – im Spiel mit dem selbigen. Hier wünsche ich mir einfach, dass Julian Koch an seine alte Leistungsstärke gelangt. Er würde dann einige Leute überraschen und könnte die Ideallösung für die „6“ sein, da er diese Position, modern (box2box), mit den Anlagen eines IV, mit Dynamik und mit Offensivgeist – komplett! – im Stile eines modernen Liberos, interpretieren könnte. Sozusagen der Rijkaard des BVB.
Ferner würde ich gern die Verpflichtung eines modernen/aktiven Weidenfellernachfolgers sehen (ob Langerak das ist, vermag ich nicht zu beurteilen; perfekt wäre sicherlich ter Stegen).
Wenn man – jetzt geht es schon in Richtung Kaderschmiede – Santana bei gleichzeitigem Subotic-Verkauf davon überzeugen kann, hier zu bleiben, sollte man solch eine Deal durchziehen und mit den wahrscheinlichen Kuba-Millionen versuchen eine Knipser a la Dzeko (max 5 Mio. Gehalt) zu bekommen (zusätzlich finanziert durch Barrios- und Lewy-Abgang). Das wäre natürlich nur optional und keinesfalls notwendig, wenn sich so etwas aber realisieren ließe, würde sich die Mannschaft abermals verbessern (Santana=Subotic, Dzeko>Lewy). Dann wäre die Truppe wohl reif für den CL-Sieg 2014.
Schematisch kann ich mir eine dominante Borussia folgendermaßen vorstellen (allgemein gehalten, da wir so viele Spieler haben, die die folgenden Rollen ausfüllen könne, so dass sich jeder Leser sein eigenes Lieblingsteam denke kann):
Grundaufstellung:
-------------------------------false 9er------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
--------LOM-----------------false 10er----------------ROM--------
-----------------------------------------------------------------------
-------------------------8er--------------6er-------------------------
-----------------------------------------------------------------------
-----LV----------------LIV---------------RIV----------------RV-----
-----------------------------------------------------------------------
---------------------------moderner TW----------------------------
Ballbesitz:
-------------------------------false 9er------------------------------
------------------------------false 10er-----------------------------
-------------LOM---------------------------------ROM--------------
--LOV----------------------Playmaker----------------------ROV --
-----------------------------------------------------------------------
--------LIV---------------Libero/SwitchIV--------------RIV--------
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
---------------------------moderner TW----------------------------
Denfensiv:
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
----------------------false 9er------false 10er---------------------
-----------------------------------------------------------------------
-------------LOM---------8er--------6er----------ROM-------------
----------LV--------------LIV--------RIV--------------RV-----------
-----------------------------------------------------------------------
---------------------------moderner TW----------------------------
Mein Traum wäre:
-----------------------------------------Dzeko-------------------------------------------
-------------------------------(Schieber/Reus/Perisic)---------------------------------
------------------------------------------Reus--------------------------------------------
---------------------------(Kagawa/Götze/Perisic/Schieber)--------------------------
----------------------Götze---------------------------------Kagawa---------------------
-(Kagawa/Reus/Gündogan/Leitner)-----------(Götze/Reus/Gündogan/Leitner)---
---------Jansen-----------------------Gündogan--------------------Piszczek----------
-(Schmelzer/Sakai/Prib)-----------(Leitner/Prib)---------------(Sakai/Koch)--------
---------------------Hummels-------Koch/Bender--------Santana---------------------
-(Kirchhoff/Sakai/Koch/Günter)-(Kehl/Kirchhoff)-(Kirchhoff/Sakai/Koch/Günter)-
----------------------------------ter Stegen/Langerak-----------------------------------
---------------------------------(Langerak/ alter Hase)---------------------------------
Die Jungs sind so polyvalent, dass es eine wahre Freude ist. Das wären 21 Mann + Roleplayer Großkreutz, sowie das ein oder andere vielversprechende zusätzliche Talent (Amini, Bittencourt etc.), so dass man im Endeffekt auf 25-28 Mann kommen sollte.
Ein Wahnsinnskader!
Sollte solch eine Entwicklung sowohl taktisch/spielweisentechnisch als auch personell, dem BVB wirklich gelingen, man stelle sich diese Team in 2 Jahren vor:
-------------------------------Dzeko--------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
--------------------------------Reus---------------------------------
----------------Götze------------------------Kagawa---------------
--Jansen-------------------Gündogan------------------Piszczek--
-----------------------------------------------------------------------
---------Hummels (©)-------Koch--------Santana---------------
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------ter Stegen-----------------------------
Bank: TW, Sakai, Bender, Leitner, Perisic, Großkreutz, Schieber
Tribüne: Kehl (sollte er solange mitmachen), Kirchhoff, Günter, Schmelzer, Prib, Amini, Bittencourt
Ich denke, es passt am ehesten hier rein.
Laut dieser Seite hier:
http://www.whoscored.com/Statistics
Sind wir das fairste Team Europas!
Weitere Daten, die auch die Taktik widerspiegeln:
Schüsse pro Spiel auf Platz 7 (hinter ManCity, Real, Juve, Tottenham, Chelsea und Barca, Bayern auf Platz 12, ManU Platz 10)
Ballbesitz "nur" auf Platz 19 mit 54,4% (1. Barca 69,1%, 2. Bayern 64,4%, 20. Gladbach 53,9%)
Was mich ein wenig überrascht:
Passquote Platz 38! Und damit hinter dem HSV, Werder, Bayer, Gladbach und Bayern, gleichauf mit dem VFB.
Kleine Randnotiz, die interessant ist:
Von den Teams mit den meisten Karten der großen Ligen kommen 16 der ersten 20 aus Spanien!
Von den fairsten kommen 17 von 20 aus Deutschland oder England (die anderen 3 Frankreich)
Spricht dafür, dass wir schnell in die Spitze spielen, gerne auch mit riskanten Pässen und uns viele Chancen erarbeiten und nicht lange die Lücke suchen.
So ist es!
Jetzt müssen wir „nur noch“ an der Chancenauswertung (Cleverness und Ruhe)* und an dem Switch zum Ballbesitzspiel ab einer 2/3-Tore-Führung arbeiten. Wenn uns dies gelingt, bin ich sicher, dass wir auch mal wieder europäisch überwintern werden und ab dann ist uns, aufgrund unseres Teamspirits, alles zuzutrauen.
* das hängt natürlich stark mit unserem sehr aufwendigen Spiel zusammen. Oftmals fehlt uns in entscheidenden Momenten (letzter Pass/Torschuss) das letzte Quäntchen Konzentration.
Die fortwährende Entwicklung jedes einzelnen Spielers der Borussia stimmt mich sehr positiv. Wenn dieser Trend annähernd fortbesteht, werden wir uns zwangsläufig zu einer europäischen Spitzenmannschaft entwickeln.
Langfristig (2-5 Jahre) würde ich gerne sehen, dass wir, neben der Konservierung unserer seit Jahren konstanten Ergebnisse, an den letzten verbliebenen Details arbeiten*:
- Standards (defensiv [insb. was das anschließende Konterspiel betrifft], als auch und vor allem offensiv)
- Abgeklärtheit (vor allem offensiv [Effizienz/Chancenverwertungsquote], sowie im Passspiel [Balance zw. sicher und riskant/Souveränität]
- Der Switch zwischen den Spielweisen (während eines Spiels, aber vielleicht zukünftig auch mal von Spiel zu Spiel [mal ein 4-2-3-1 Umschaltspiel, dann mal ein 4-2-4-0/3-3-4 Ballbesitzspiel (vielleicht auch mal ohne 9er und mit einem OA wie Perisic zusätzlich [?])
- Die linke Seite (auch wenn Schmelzers Formkurve steigend verläuft, halte ich es mit Tobi Deluxe, der in der Kaderschmiede Jansen als Piszczek-Klon zur Diskussion stellte*)
- Die Implementierung eines Switch IV* (in Augsburg wurde das mit Bender vermehrt versucht)
*das Spiel gegen den Ball sehe ich weitestgehend als perfektioniert an. Das Pressing, das Verschieben, das aktive Verteidigen unserer IV etc. Das gesamt Defensivspiel ist verdammt gut.
*ob es unbedingt Jansen sein muss?!?
Ich war bisher auch kein Jansen-Freund und wie es mit seinem Gehalt aussieht kann ich auch nur erahnen (ich vermute versaut [Bayern/HSV]), aber ganz unähnlich sind sich Jansen und Piszczek - was die Dynamik angeht - nun nicht. Sollte Klopp ihn hinkriegen, wäre er sicher ein Upgrade. Alternativ denkt Euch jemand anders, der als Piszczek-Klon in Frage kommt.
*so stark ich Bender im Spiel gegen den Ball auch sehen, so wenig gefällt er mir – trotz seiner Verbesserung – im Spiel mit dem selbigen. Hier wünsche ich mir einfach, dass Julian Koch an seine alte Leistungsstärke gelangt. Er würde dann einige Leute überraschen und könnte die Ideallösung für die „6“ sein, da er diese Position, modern (box2box), mit den Anlagen eines IV, mit Dynamik und mit Offensivgeist – komplett! – im Stile eines modernen Liberos, interpretieren könnte. Sozusagen der Rijkaard des BVB.
Ferner würde ich gern die Verpflichtung eines modernen/aktiven Weidenfellernachfolgers sehen (ob Langerak das ist, vermag ich nicht zu beurteilen; perfekt wäre sicherlich ter Stegen).
Wenn man – jetzt geht es schon in Richtung Kaderschmiede – Santana bei gleichzeitigem Subotic-Verkauf davon überzeugen kann, hier zu bleiben, sollte man solch eine Deal durchziehen und mit den wahrscheinlichen Kuba-Millionen versuchen eine Knipser a la Dzeko (max 5 Mio. Gehalt) zu bekommen (zusätzlich finanziert durch Barrios- und Lewy-Abgang). Das wäre natürlich nur optional und keinesfalls notwendig, wenn sich so etwas aber realisieren ließe, würde sich die Mannschaft abermals verbessern (Santana=Subotic, Dzeko>Lewy). Dann wäre die Truppe wohl reif für den CL-Sieg 2014.
Schematisch kann ich mir eine dominante Borussia folgendermaßen vorstellen (allgemein gehalten, da wir so viele Spieler haben, die die folgenden Rollen ausfüllen könne, so dass sich jeder Leser sein eigenes Lieblingsteam denke kann):
Grundaufstellung:
-------------------------------false 9er------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
--------LOM-----------------false 10er----------------ROM--------
-----------------------------------------------------------------------
-------------------------8er--------------6er-------------------------
-----------------------------------------------------------------------
-----LV----------------LIV---------------RIV----------------RV-----
-----------------------------------------------------------------------
---------------------------moderner TW----------------------------
Ballbesitz:
-------------------------------false 9er------------------------------
------------------------------false 10er-----------------------------
-------------LOM---------------------------------ROM--------------
--LOV----------------------Playmaker----------------------ROV --
-----------------------------------------------------------------------
--------LIV---------------Libero/SwitchIV--------------RIV--------
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
---------------------------moderner TW----------------------------
Denfensiv:
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
----------------------false 9er------false 10er---------------------
-----------------------------------------------------------------------
-------------LOM---------8er--------6er----------ROM-------------
----------LV--------------LIV--------RIV--------------RV-----------
-----------------------------------------------------------------------
---------------------------moderner TW----------------------------
Mein Traum wäre:
-----------------------------------------Dzeko-------------------------------------------
-------------------------------(Schieber/Reus/Perisic)---------------------------------
------------------------------------------Reus--------------------------------------------
---------------------------(Kagawa/Götze/Perisic/Schieber)--------------------------
----------------------Götze---------------------------------Kagawa---------------------
-(Kagawa/Reus/Gündogan/Leitner)-----------(Götze/Reus/Gündogan/Leitner)---
---------Jansen-----------------------Gündogan--------------------Piszczek----------
-(Schmelzer/Sakai/Prib)-----------(Leitner/Prib)---------------(Sakai/Koch)--------
---------------------Hummels-------Koch/Bender--------Santana---------------------
-(Kirchhoff/Sakai/Koch/Günter)-(Kehl/Kirchhoff)-(Kirchhoff/Sakai/Koch/Günter)-
----------------------------------ter Stegen/Langerak-----------------------------------
---------------------------------(Langerak/ alter Hase)---------------------------------
Die Jungs sind so polyvalent, dass es eine wahre Freude ist. Das wären 21 Mann + Roleplayer Großkreutz, sowie das ein oder andere vielversprechende zusätzliche Talent (Amini, Bittencourt etc.), so dass man im Endeffekt auf 25-28 Mann kommen sollte.
Ein Wahnsinnskader!
Sollte solch eine Entwicklung sowohl taktisch/spielweisentechnisch als auch personell, dem BVB wirklich gelingen, man stelle sich diese Team in 2 Jahren vor:
-------------------------------Dzeko--------------------------------
-----------------------------------------------------------------------
--------------------------------Reus---------------------------------
----------------Götze------------------------Kagawa---------------
--Jansen-------------------Gündogan------------------Piszczek--
-----------------------------------------------------------------------
---------Hummels (©)-------Koch--------Santana---------------
-----------------------------------------------------------------------
-----------------------------ter Stegen-----------------------------
Bank: TW, Sakai, Bender, Leitner, Perisic, Großkreutz, Schieber
Tribüne: Kehl (sollte er solange mitmachen), Kirchhoff, Günter, Schmelzer, Prib, Amini, Bittencourt
29.04.2012 - 23:44 Uhr
Puh, also bei den ganzen Namen, die derzeit als mögliche Kagawa-Ersatz-Personalien im Spiel sind, inklusive der KeineweitereverpflichtungimOM-Option, fehlt mir ehrlich gesagt insgesamt dann der Überblick, zumal ich mich bei Spielern wie Martin oder Belhanda auch auf Einschätzungen von anderen verlassen muss.
Aber grundsätzlich sehe ich die "gängigen" Spielsysteme wie folgt bezogen auf den BVB:
4-3-3:
Das offensivste der derzeit gespielten Systeme. Man spielt mit 5 Offensivkräften und kann die Räume insgesamt weniger gut dicht machen. Der Nachteil in einem 4-3-3 ist die Positionsbewegung im Defensivverhalten: Mit drei Leuten im Sturm/ weit außen auf den Flanken hat man Ballverlust im Umschalten auf Defensive Probleme, wie die Bayern in der vergangenen Saison zur Genüge gezeigt haben. Das Spiel wird tendenziell sehr breit - und tendenziell ist das Mittelfeld am "schmalsten", ein gut umschaltender Gegner kann die sehr weit auf außen stehenden Außenstürmer und einen offensiv helfenden ZM sowie ggf. sogar den nach vorne hin als Anspielstation bereitstehenden AV mit einem Pass, ggf. zweien, aushebeln. Den Bayern ist das sehr oft passiert. Das System ist für den BVB vielleicht spielbar, wenn man im ZM mit Gündogan, Kehl, Bender spielen würde - dann wäre wahrscheinlich gerade so ausreichend Defensivstabilität vorhanden. Dann hätte man aber keinen Offensivspieler gewonnen und kann imo das bekannte 4-2-3-1 beibehalten. Grundsätzlich taugt ein 4-3-3 dann, wenn man es erstens lange übt (Holland, Ajax) oder zweitens viel offensiven Druck ausüben will auf der gesamten Spielfeldbreite ohne die Viererkette aufzulösen. Dafür gibt man eben die Kontrolle im zentralen Mittelfeld preis - wo plötzlich nur noch ein Spieler steht und auch vertikal kein anderer (wie z.B. ne klassische 10) sich zurückfallen lassen kann.
4-3-2-1:
Das vermeintlich defensivstärkste System, mit dem etwa Barca in dieser Saison häufiger mal Probleme bekommen hat. Man stellt seine Offensivbemühungen fast gänzlich ein, um hinten die 0 stehen zu haben. Vom BVB einmal praktiziert, beim 1:0 gegen Piräus zuhause. Wenig ansehnlich und auch ermüdend zu spielen, weil man weite Teile des Mittelfelds preisgibt. Vor allem auf die eigenen AV kommt sehr viel Druck: Durch das dichte Zentrum (das ja nicht nur mit 3 DM sondern auch mit 2 OM und 1 MS zugestellt ist) werden die Gegner auf außen gedrängt. Dort wartet erstmal nur ein AV, was heißt, dass das DM verdammt viel verschieben muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei drei DM Spielern (gegenüber 4 MF zb im 4-4-2) und dem sehr tiefen Stehen doch mal der Gegner auf außen nicht gedoppelt werdne kann, durchkommt und eine Flanke vors Tor bringt, halte ich persönlich für zu hoch - und auch der BVB ist da ja geschwommen.
Viele Trainer halten das System für am defensivstärksten - imo ist es das allerdings nur, wenn man defensiv bombenstarke AVs hat. Sollte nicht zur Diskussion stehen beim Offensivpotential des BVB.
4-4-2:
Halte ich für sehr sinnvoll für den BVB. Entspricht der sicheren Aufstellung bei gegnerischem Ballbesitz, aus der man sich erstens sicher in der eigenen Hälfte aufstellen und Räume dichtmachen kann und zweitens über die äußeren Mittelfeldspieler und die beiden "Stürmer" (beim BVB macht das dann die 10 mit) schnell Pressingdruck speziell auf die Außenverteidiger entwickeln (da macht Pressing etwas mehr Sinn, weil der zentrale Stürmer den Torwart anlaufen, der zweite die Passwege zu den IVs und der äußere MF frontal den gegnerischen AV anlaufen kann. Dafür muss dann der eigene AV den off. MF auf außen beim Gegner zustellen (weswegen sich Kuba und oder Götze auch so gut wie immer (!) kurz umschauen, bevor sie voll auf den gegnerischen AV gehen). Generell ein hervorragendes System in der Defensive und auch offensiv dann tauglich, wenn man über die Grundlinie mit Flanken in die Mitte agieren möchte und man ein schnelles Umschaltspiel bevorzugt. Wird der BVB mit Reus, Lewandowski und einem dritten Stürmer (barrios/xxx) sicher im Repertoire haben in der nächsten Saison. Als reines Defensivsystem wird es sowieso meist gespielt werden mit der 10 als zweitem Stürmer. Gerade für die CL halte ich es aber auch für ggf. das passendste für den BVB, weil man so nicht Gefahr läuft, zu viel nach vorne zu spielen und sich auf das Umschaltspiel konzentriert. Würde das ehrlich gesagt für die CL fast präferieren und habe deswegen auch positiv auf die Dzeko Überlegungen im Forum reagiert, der die perfekte Ergänzung für ein 4-4-2 bei einem Barriosabgang wäre (wenngleich natürlich weit zu teuer).
4-2-3-1:
Das absolute Stammsystem beim BVB. Vor- und Nachteile sind ja ausgiebig diskutiert. Generell hat sich das System ja durchgesetzt, weil man das Zentrum defensiv gegen gegnerisches Umschaltenabsichert, man mit zentralem Stürmer spielt und so eine Ausgewogenheit zwischen Off. und Def. hinkriegt. Voraussetzung ist die enorm hohe Laufbereitschaft aller vier Außenspieler: AV sowie L/ROM. Hier geht zwar mit Kagawa eine Figur dieser Saison, mit Götze oder Reus warten aber bereits zwei Hochkaräter auf die Position von Kagawa, falls der geht. Mit möglichen Neuzugängen wie Belhanda würde man die zentrale Spielmacherposition weiter stärken. Auf den außen hat man bereits vier starke Spieler mit GK, Perisic, Kuba und Götze/Reus. Dazu Talente wie Bittencourt
Alles weitere entwickelt sich derzeit, vor allem Varianten mit nur 3 Verteidigern bei Ballbesitz oder dringend benötigtem Tor. Vorreiter hier scheint mir Barcelona zu sein. Insgesamt scheint mir folgendes die aktuelle taktische Entwicklung zu sein: Immer mehr Spieler sind "polyvalent", können also verschiedene Rollen annähernd gleich gut ausfüllen. Viele AV beispielsweise können gut im ZM spielen, wären gute OMs auf Außen - Alaba ist da nur ein aktuelles anschauliches Beispiel. Ähnliches gilt für ZM/OM Spieler, Stürmer, etc. In diesen neuen Entwicklungen - die auch Klopp forciert - geht es darum, je nach Spielsituation nicht bespielte Flächen des Spielfelds zu räumen, ohne dass man die Kontrolle vollends preisgibt (soll heißen: eigene Spieler sind im Zweifelsfall näher am Ball als der nächste Gegner). Befindet man sich also in Ballbesitz und der Ball wird auf rechts gespielt, kann ein Schmelzer einen Platz im linken Mittelfeld einnehmen, was dem LOM ermöglicht, sich freier auf dem Platz zu bewegen und entweder in den Raum oder in Richtung Ballnähe zu starten.
So kommen dann Ballbesitzsystem wie ein 4-2-4 oder 3-2-2-3 zustande.
Generell glaube ich, dass der BVB in der nächsten Saison mit einem 4-2-3-1 die meisten Ligaspiele bestreiten wird und etwa die Hälfte der CL mit 4-2-3-1 und die andere mit einem 4-4-2 - je nach spielerischer Stärke des Gegners (Auslosungsabhängig), vllt sogar nur 4-4-2.
Die Ballbestzsysteme wird Klopp immer stärker einüben, da er den Kern des Kaders ja nun seit Jahren beisammen hat, kann er hier auch nun ins letzte Detail gehen, alle üblichen Laufwege und Positionen sind ja bekannt.
Tendenziell wird in diesen Fällen dann ein AV aufgelöst und rückt ins Mittelfeld vor. Wie man das genau bezeichnet, ist sehr situationsabhängig und äußerst fluid. Aber wichtig ist, dass Positionen immer stärker raumbezogen verstanden werden und immer weniger spielerbezogen. Räume müssen besetzt sein von Spielern, die diese Räume besetzen können. Wenn man einen Raum freimacht, dann nur, weil dort keine Gefahr droht und man den Raum etwa über ein Einrücken des anderen AVs und verschieben der Abwehr zumachen kann.
Ich tippe also auf Detailarbeit am System, das im Kern bei den eingespielten Varianten bleibt - alles andere scheint mri a in der Theorie - auch gerade was das Umstellen auf die für die BVB-Verteidigung bestmögliche Aufstellung im 4-4-2 bei gegnerischem Ballbesitz angeht - zu schwach zu sein und b zu lange Einarbeitung zu benötigen.
Soweit erstmal von mir - auch wenn das eher allgemeine Überlegungen waren - wie das je nach Kader dann genau aussieht, kann man auch noch diskutieren, aber ob man nun Belhanda verpflichtet oder Dzeko oder keinen oder Martin oder Boateng oder sonstwen hat meines Erachtens keine entscheidenden Auswirkungen auf das BVB-System - höchstens kleinere, das ein System etwas öfter gespielt wird als ein anderes.
Harlekin
Aber grundsätzlich sehe ich die "gängigen" Spielsysteme wie folgt bezogen auf den BVB:
4-3-3:
Das offensivste der derzeit gespielten Systeme. Man spielt mit 5 Offensivkräften und kann die Räume insgesamt weniger gut dicht machen. Der Nachteil in einem 4-3-3 ist die Positionsbewegung im Defensivverhalten: Mit drei Leuten im Sturm/ weit außen auf den Flanken hat man Ballverlust im Umschalten auf Defensive Probleme, wie die Bayern in der vergangenen Saison zur Genüge gezeigt haben. Das Spiel wird tendenziell sehr breit - und tendenziell ist das Mittelfeld am "schmalsten", ein gut umschaltender Gegner kann die sehr weit auf außen stehenden Außenstürmer und einen offensiv helfenden ZM sowie ggf. sogar den nach vorne hin als Anspielstation bereitstehenden AV mit einem Pass, ggf. zweien, aushebeln. Den Bayern ist das sehr oft passiert. Das System ist für den BVB vielleicht spielbar, wenn man im ZM mit Gündogan, Kehl, Bender spielen würde - dann wäre wahrscheinlich gerade so ausreichend Defensivstabilität vorhanden. Dann hätte man aber keinen Offensivspieler gewonnen und kann imo das bekannte 4-2-3-1 beibehalten. Grundsätzlich taugt ein 4-3-3 dann, wenn man es erstens lange übt (Holland, Ajax) oder zweitens viel offensiven Druck ausüben will auf der gesamten Spielfeldbreite ohne die Viererkette aufzulösen. Dafür gibt man eben die Kontrolle im zentralen Mittelfeld preis - wo plötzlich nur noch ein Spieler steht und auch vertikal kein anderer (wie z.B. ne klassische 10) sich zurückfallen lassen kann.
4-3-2-1:
Das vermeintlich defensivstärkste System, mit dem etwa Barca in dieser Saison häufiger mal Probleme bekommen hat. Man stellt seine Offensivbemühungen fast gänzlich ein, um hinten die 0 stehen zu haben. Vom BVB einmal praktiziert, beim 1:0 gegen Piräus zuhause. Wenig ansehnlich und auch ermüdend zu spielen, weil man weite Teile des Mittelfelds preisgibt. Vor allem auf die eigenen AV kommt sehr viel Druck: Durch das dichte Zentrum (das ja nicht nur mit 3 DM sondern auch mit 2 OM und 1 MS zugestellt ist) werden die Gegner auf außen gedrängt. Dort wartet erstmal nur ein AV, was heißt, dass das DM verdammt viel verschieben muss. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei drei DM Spielern (gegenüber 4 MF zb im 4-4-2) und dem sehr tiefen Stehen doch mal der Gegner auf außen nicht gedoppelt werdne kann, durchkommt und eine Flanke vors Tor bringt, halte ich persönlich für zu hoch - und auch der BVB ist da ja geschwommen.
Viele Trainer halten das System für am defensivstärksten - imo ist es das allerdings nur, wenn man defensiv bombenstarke AVs hat. Sollte nicht zur Diskussion stehen beim Offensivpotential des BVB.
4-4-2:
Halte ich für sehr sinnvoll für den BVB. Entspricht der sicheren Aufstellung bei gegnerischem Ballbesitz, aus der man sich erstens sicher in der eigenen Hälfte aufstellen und Räume dichtmachen kann und zweitens über die äußeren Mittelfeldspieler und die beiden "Stürmer" (beim BVB macht das dann die 10 mit) schnell Pressingdruck speziell auf die Außenverteidiger entwickeln (da macht Pressing etwas mehr Sinn, weil der zentrale Stürmer den Torwart anlaufen, der zweite die Passwege zu den IVs und der äußere MF frontal den gegnerischen AV anlaufen kann. Dafür muss dann der eigene AV den off. MF auf außen beim Gegner zustellen (weswegen sich Kuba und oder Götze auch so gut wie immer (!) kurz umschauen, bevor sie voll auf den gegnerischen AV gehen). Generell ein hervorragendes System in der Defensive und auch offensiv dann tauglich, wenn man über die Grundlinie mit Flanken in die Mitte agieren möchte und man ein schnelles Umschaltspiel bevorzugt. Wird der BVB mit Reus, Lewandowski und einem dritten Stürmer (barrios/xxx) sicher im Repertoire haben in der nächsten Saison. Als reines Defensivsystem wird es sowieso meist gespielt werden mit der 10 als zweitem Stürmer. Gerade für die CL halte ich es aber auch für ggf. das passendste für den BVB, weil man so nicht Gefahr läuft, zu viel nach vorne zu spielen und sich auf das Umschaltspiel konzentriert. Würde das ehrlich gesagt für die CL fast präferieren und habe deswegen auch positiv auf die Dzeko Überlegungen im Forum reagiert, der die perfekte Ergänzung für ein 4-4-2 bei einem Barriosabgang wäre (wenngleich natürlich weit zu teuer).
4-2-3-1:
Das absolute Stammsystem beim BVB. Vor- und Nachteile sind ja ausgiebig diskutiert. Generell hat sich das System ja durchgesetzt, weil man das Zentrum defensiv gegen gegnerisches Umschaltenabsichert, man mit zentralem Stürmer spielt und so eine Ausgewogenheit zwischen Off. und Def. hinkriegt. Voraussetzung ist die enorm hohe Laufbereitschaft aller vier Außenspieler: AV sowie L/ROM. Hier geht zwar mit Kagawa eine Figur dieser Saison, mit Götze oder Reus warten aber bereits zwei Hochkaräter auf die Position von Kagawa, falls der geht. Mit möglichen Neuzugängen wie Belhanda würde man die zentrale Spielmacherposition weiter stärken. Auf den außen hat man bereits vier starke Spieler mit GK, Perisic, Kuba und Götze/Reus. Dazu Talente wie Bittencourt
Alles weitere entwickelt sich derzeit, vor allem Varianten mit nur 3 Verteidigern bei Ballbesitz oder dringend benötigtem Tor. Vorreiter hier scheint mir Barcelona zu sein. Insgesamt scheint mir folgendes die aktuelle taktische Entwicklung zu sein: Immer mehr Spieler sind "polyvalent", können also verschiedene Rollen annähernd gleich gut ausfüllen. Viele AV beispielsweise können gut im ZM spielen, wären gute OMs auf Außen - Alaba ist da nur ein aktuelles anschauliches Beispiel. Ähnliches gilt für ZM/OM Spieler, Stürmer, etc. In diesen neuen Entwicklungen - die auch Klopp forciert - geht es darum, je nach Spielsituation nicht bespielte Flächen des Spielfelds zu räumen, ohne dass man die Kontrolle vollends preisgibt (soll heißen: eigene Spieler sind im Zweifelsfall näher am Ball als der nächste Gegner). Befindet man sich also in Ballbesitz und der Ball wird auf rechts gespielt, kann ein Schmelzer einen Platz im linken Mittelfeld einnehmen, was dem LOM ermöglicht, sich freier auf dem Platz zu bewegen und entweder in den Raum oder in Richtung Ballnähe zu starten.
So kommen dann Ballbesitzsystem wie ein 4-2-4 oder 3-2-2-3 zustande.
Generell glaube ich, dass der BVB in der nächsten Saison mit einem 4-2-3-1 die meisten Ligaspiele bestreiten wird und etwa die Hälfte der CL mit 4-2-3-1 und die andere mit einem 4-4-2 - je nach spielerischer Stärke des Gegners (Auslosungsabhängig), vllt sogar nur 4-4-2.
Die Ballbestzsysteme wird Klopp immer stärker einüben, da er den Kern des Kaders ja nun seit Jahren beisammen hat, kann er hier auch nun ins letzte Detail gehen, alle üblichen Laufwege und Positionen sind ja bekannt.
Tendenziell wird in diesen Fällen dann ein AV aufgelöst und rückt ins Mittelfeld vor. Wie man das genau bezeichnet, ist sehr situationsabhängig und äußerst fluid. Aber wichtig ist, dass Positionen immer stärker raumbezogen verstanden werden und immer weniger spielerbezogen. Räume müssen besetzt sein von Spielern, die diese Räume besetzen können. Wenn man einen Raum freimacht, dann nur, weil dort keine Gefahr droht und man den Raum etwa über ein Einrücken des anderen AVs und verschieben der Abwehr zumachen kann.
Ich tippe also auf Detailarbeit am System, das im Kern bei den eingespielten Varianten bleibt - alles andere scheint mri a in der Theorie - auch gerade was das Umstellen auf die für die BVB-Verteidigung bestmögliche Aufstellung im 4-4-2 bei gegnerischem Ballbesitz angeht - zu schwach zu sein und b zu lange Einarbeitung zu benötigen.
Soweit erstmal von mir - auch wenn das eher allgemeine Überlegungen waren - wie das je nach Kader dann genau aussieht, kann man auch noch diskutieren, aber ob man nun Belhanda verpflichtet oder Dzeko oder keinen oder Martin oder Boateng oder sonstwen hat meines Erachtens keine entscheidenden Auswirkungen auf das BVB-System - höchstens kleinere, das ein System etwas öfter gespielt wird als ein anderes.
Harlekin
30.04.2012 - 11:57 Uhr
Danke fürs Lesen ;)
zum 4-4-2: Natürlich spielt der BVB das bisher in der Defensive und wird das auch weiter tun: Die Raumaufteilung ist einfach defensiv zu gut und ermöglicht Zustellen von Passwegen, doppeln von Spielern und das offensive Pressen insbesondere der AVs. Die Gründe, warum der BVB das spielt, habe ich ja kurz exemplarisch am Pressen des gegnerischen AVs zu erklären versucht. Beim BVB spielt dann die 10 den zweiten Stürmer beim Defensivpressen, während die äußeren OM die äußeren Mittelfeldpositionen einnehmen und den Raum abdecken bzw. sich zum doppeln der gegnerischen äußeren OM bereit machen oder eben bei sicherem Stehen beginnen den Gegner durch Anlaufen unter Druck zu setzen.
Zum 4-2-1-3 von Real: Halte ich für schwach. Das ist letztlich ein verkapptes 4-3-3 und zieht ähnliche Nachteile, die imo auch im Spiel gegen Bayern zu sehen waren: Nach Ballverlust kann der Gegner extrem fix die gesamte Offensivabteilung überspielen und steht nur noch 6 Gegnern gegenüber, im Regelfall mit 5 eigenen Spielern (MS, 3OM plus einem DM, der den ersten Schnittstellenpass in Empfang nimmt). Mit etwas Glück bzw. je nach Spielsituation kann man sogar in eine Gleichzahlsituation gehen, ins 1 gegen 1 Dribbling oder über Doppelpässe den Gegner bedrohen. Problem dieser 4-3-3-artigen Systeme ist auch, dass der Gegner recht oft mit recht hohem Tempo auf den eigenen Kasten zulaufen kann, weil fast das gesamte Mittelfeld relatv brach liegt (wie Du ja schreibst, stehen die beiden DM in der Real-Variante tendeziell sehr tief, wobei einer der beiden meist sogar noch gut aufgerückt ist und so noch mehr Platz entsteht). Man denke auch an das Dribbling von Lahm zum Hinspielsiegtor von Gomez - auch hier waren die Außenspieler defensiv nicht aktiv genug. Erst in der zweiten Hälfte des Rückspiels hat Real das in den Griff gekriegt, indem Ronaldo und DiMaria als defensivere OM und nicht mehr als Außenstürmer agiert haben - weswegen dann wiederum der Angriffsschwung des extrem auf einen langen Ball nach Ballgewinn angelegten Umschaltspiels von Madrid verloren gegangen ist und das Team harmlos wurde, wohingegen die Bayern neben dem Kontern auch den Ballbesitzfußball bekanntermaßen beherrschen.
Gegen Barca ist das nicht so zum Tragen gekommen, weil Barca weniger gut im Umschaltspiel ist - das Dreiecksspiel verhindert relativ oft den direkten Pass durch die Schnittstellen und die zwei Sekunden Zeitverlust reichen dann schon aus, dass zumindest der zweite DM sich wieder positionieren kann und ggf. einer der vier Offensivleute nochmal eingreifen kann. Übrigens war der Madrid-Sieg gegen Barca nicht unverdient aber auch nicht ganz unglücklich - man denke an den Elfmeter etc. Das hätte auch zumindest ein Unentschieden werden können.
Letztlich ist das Problem eines jeden Systems mit drei Stürmern, dass man entweder das Zentrum aufgibt (Positionierung der drei DM wie beim Tannenbaum) oder man die Schnittstelle zwischen Abwehr und DM offen lässt - oder eben beides ein bischen praktiziert. Man hat quasi immer die Situation, dass nach einem Ballgewinn des Gegners die gegnerischen OM (angenommen, der Gegner spielt ein Standard-4-2-3-1) sowie der MS schnell hinter die Linien des eigenen Mittelfeldes kommen müssen, da das schon perfekt stehen muss, um mit drei Mann alle Passwege zumachen zu können - zumal, wenn ein mitspielender und ballhaltender/ -verteilender Stürmer wie Lewandowski etwa auch den kurzen Passweg anbietet und so eine weitere Gasse zugestellt werden muss. Das kann funktionieren und tut es auch recht oft, weil man ja auch weiter min. 5 Spieler hinter dem Ball haben sollte direkt nach Ballverlust, aber bei einem Vollgasumschalten des Gegners - der BVB sprintet etwa schonmal mit 7 Mann voll Richtung gegnerisches Tor nach Ballgewinn - läuft man in 90 Minuten schon 3-4 Mal ins offene Messer. Schöne Beispiele sind da die Gladbacher Tore gegen die Bayern zum Rückrundenauftakt. Um Druck zu machen, rücken die AV (Lahm!) auf, das DM muss auch eingreifen und sich vorne als Anspielstation anbieten und prompt sind nur noch 3 Abwehrspieler plus ein DM hinter dem Ball, wovon einer - der AV auf der anderen Flanke - sich um den freien Raum hinter sich kümmern muss (durchstartender gegnerischer AV oder OM) und nicht Richtung Ball verschieben kann.
Ich habe mal überlegt, ob man das grafisch veranschaulichen kann, vielleicht mach ich das mal mit einem Spielfeld umrandet aus _ und | und mit Spielerteams aus X und O sowie einem o-Ball ;).
Ein 4-3-3 funktioniert unter ganz bestimmten Voraussetzungen bei Ballbesitz: Wenn man es hinkriegt, die beiden Außenstürmer sofort nach Ballverlust zu rechten und linken MF zu machen (also z.B. Götze und Kuba), die beiden äußeren MF aus der Dreierreihe zu klassischen DM (etwa Bender und Kehl) und den zentralen MF der Dreierreihe zu einem 10er mutieren zu lassen (sehr spielerabhängig, mit einem Boateng wäre das z.B. gut möglich). Dann hat man erstens zwei Abfangjäger im DM stehen und einen robusten Spielmacher im Zentrum. Dann könnte man wieder - so man den Konter unterbindet - das klassische defensive 4-4-2 einnehmen mit dem zentralen MF als quasi zweitem Stürmer.
Übrigens spielt fast genau das der BVB für meinen Eindruck durchaus manchmal in eigenen Spielen mti allerdings nur 3 Abwehrspielern - wenngleich man diese fluiden Positionswechsel teils nur schwer in Systembezeichnungen pressen kann: Mittlerweile ist ja diverse Mal Schmelzer oder Piszczek bei eigenem Ballbesitz auf Höhe der DMs auf- und etwas eingerückt, während der andere AV sich fast auf Höhe der IV zurückfallen lässt und ebenfalls etwas in die zur Seite des aufgerückten AVs hin verschiebenden IV einrückt.
grob also:
x-x-x-x
--x--x--
zu:
-x-x-x-
-x-x-x-
Das hat den Vorteil, dass man defensiv jederzeit drei Passoptionen hat, die der Gegner kaum alle zustellen kann, wenn sich die eigenen Spieler etwas bewegen (im 4-4-2 haben die AVs nur zwei Stationen im Spielfeld und die DM sind leichter unter Druck zu setzen bzw zuzustellen, weswegen man da gut pressen kann und mindestens einen Rückpass provozieren). Das wiederum erzeugt den insgesamt immer sichereren Ballbesitz des BVB, wenn das Team den Ball halten will. Und es hat den Vorteil, dass man davor noch eine dreierreihe kleistern kann oder der 10er zum HS aufrückt oder oder oder. Man hat also vorne einen freien Spieler dazugewonnen.
Letztlich ist der Vorteil dieser Positionierung bei eigenem Ballbesitz, dass man die Räume schon in der gegnerischen Hälfte extrem eng macht, man stelle sich vor:
-x-x-x-
-x-x-x-
-x-x-x-
---x----
Wenn da der Ballverloren gegangen ist, können immer (!) drei Spieler voll pressen. Mit dieser Aufstellung übt man auf weite Teile des Platzes gleichmäßig hohen Druck aus, den man jederzeit intensivieren kann. Einzig die Flanken sind etwas ungeschützt, hier ist wichtig, dass der äußere der drei IVs jeweils den Ball schneller erlaufen kann als der gegnerische OM auf außen oder MS. Von diesen langen Bällen auf außen abgesehen, eignet sich diese Aufstellung perfekt für Gegenpressing.
Und diese Aufstellung ist es im Prinzip auch, die Barca so stark macht: Insbesondere Dani Alves spielt ja nur bei gegnerischem Ballbesitz AV, sonst meist mindestens außen im MF, wenn nicht gar ROM.
Zudem lässt sich ein 3-3-3-1 oder 3-3-4 (wie das bei Barca dann bezeichnet werden würde, man kann auch 3-2-4-1 sagen, wenn einer der AV zur Grundlinie durchzieht - beim BVB zu sehen, wenn plötzlich 4 Mann den Strafraum stürmen und auf die Flanke von außen warten) wunderbar schnell in andere Systeme transferieren, wobei da mehrere Mannschaftsteile sich neu positionieren müssen, so dass man dazu eine sehr sehr gut eingespielte Mannschaft braucht. Die Zeit, umzustellen, erkauft man sich über ein zumindest kurzes intensives Gegenpressing, dass den anderen 7-8 Spielern die Reorganisation ermöglicht. Wenn der Ball direkt wiedergewonnen wird, wie das Barca ja meist gelingt, kann man sich sofort wieder wie gehabt aufstellen.
Das ist übrigens auch die Entwicklung, die ich längerfristig beim BVB sehe, Klopp scheint mir ziemlich genau das anzustreben - weswegen er auch mit einem großen AV auf rechts plant (Piszczek, Owomoyela, Koch) und einem wendigen, aber zweikampfstarken auf links (schmelzer, Löwe). Rechts kann besser einrücken und links aber bei einem Aufrücken des RV mit seiner Robustheit dagegenhalten (siehe Schmelzer gegen Reus meine ich vor einer Woche). Dazu sind die beiden Stamm-AV sehr offensivstark und beides ehemalige Offensivspieler. Das gesamte zentrale und offensive Mittelfeld wird mit ballsicheren, gedankenschnellen und kreativen Spielern bestückt, die die technischen Möglichkeiten besitzen, Schnittstellenpässe oder Dribblings anzusetzen.
Andere taktische Möglichkeiten, wie den hohen Hummels-Pass auf Lewandowski, der den Ball hält und ablegt, sind dem natürlich unbenommen - die bereichern einfach das imo bereits reichhaltige taktische Repertoire des BVB schon länger. Dieses - ich sag einfach mal 3-3-3-1 - wird aber die neue Stufe des BVB-Fußballs sein.
Soweit - schon wieder so lang - gnarf ;)
PS: Es sollte erwähnt werden, dass man gegen spielerisch sehr gute Mannschaften mti einem 3-3-3-1 nach Ballverlust oä durchaus Probleme kriegen kann, wenngleich ich sie nicht ganz so groß einschätze wie mit einem 4-2-3-1 und Ballverlust bei gleichzeitigem Gegenpressing der eigenen Mannschaft in beiden Spielweisen. Nach einem Ballgewinn des Gegners werden in den ersten Sekunden nur selten mehr als zwei Gegner ganz vorne zu finden sein, wofür 3 Verteidiger ausreichen. Der zusätzliche MF kann dann die Räume weiter verengen, was der kleine Vorteil dieser Aufstellung gegenüber dem Gegenpressing im 4-2-3-1 wäre. Etwas engere Räume im MF, wodurch dem Gegner der Konter etwas schwerer gemacht wird.
PPS: Übrigens muss man immer mit einer Art "Verzerrung" der Aufstellung rechnen in Richtung des Balles, die "Achse" des Spiels liegt quasi nicht immer vertikal von Tor zu Tor, sondern verschiebt sich durchaus auch mal um einige Grad Richtung Eckfahne, je nach Position des Balles.... hoffe, das ist verständlich.
zum 4-4-2: Natürlich spielt der BVB das bisher in der Defensive und wird das auch weiter tun: Die Raumaufteilung ist einfach defensiv zu gut und ermöglicht Zustellen von Passwegen, doppeln von Spielern und das offensive Pressen insbesondere der AVs. Die Gründe, warum der BVB das spielt, habe ich ja kurz exemplarisch am Pressen des gegnerischen AVs zu erklären versucht. Beim BVB spielt dann die 10 den zweiten Stürmer beim Defensivpressen, während die äußeren OM die äußeren Mittelfeldpositionen einnehmen und den Raum abdecken bzw. sich zum doppeln der gegnerischen äußeren OM bereit machen oder eben bei sicherem Stehen beginnen den Gegner durch Anlaufen unter Druck zu setzen.
Zum 4-2-1-3 von Real: Halte ich für schwach. Das ist letztlich ein verkapptes 4-3-3 und zieht ähnliche Nachteile, die imo auch im Spiel gegen Bayern zu sehen waren: Nach Ballverlust kann der Gegner extrem fix die gesamte Offensivabteilung überspielen und steht nur noch 6 Gegnern gegenüber, im Regelfall mit 5 eigenen Spielern (MS, 3OM plus einem DM, der den ersten Schnittstellenpass in Empfang nimmt). Mit etwas Glück bzw. je nach Spielsituation kann man sogar in eine Gleichzahlsituation gehen, ins 1 gegen 1 Dribbling oder über Doppelpässe den Gegner bedrohen. Problem dieser 4-3-3-artigen Systeme ist auch, dass der Gegner recht oft mit recht hohem Tempo auf den eigenen Kasten zulaufen kann, weil fast das gesamte Mittelfeld relatv brach liegt (wie Du ja schreibst, stehen die beiden DM in der Real-Variante tendeziell sehr tief, wobei einer der beiden meist sogar noch gut aufgerückt ist und so noch mehr Platz entsteht). Man denke auch an das Dribbling von Lahm zum Hinspielsiegtor von Gomez - auch hier waren die Außenspieler defensiv nicht aktiv genug. Erst in der zweiten Hälfte des Rückspiels hat Real das in den Griff gekriegt, indem Ronaldo und DiMaria als defensivere OM und nicht mehr als Außenstürmer agiert haben - weswegen dann wiederum der Angriffsschwung des extrem auf einen langen Ball nach Ballgewinn angelegten Umschaltspiels von Madrid verloren gegangen ist und das Team harmlos wurde, wohingegen die Bayern neben dem Kontern auch den Ballbesitzfußball bekanntermaßen beherrschen.
Gegen Barca ist das nicht so zum Tragen gekommen, weil Barca weniger gut im Umschaltspiel ist - das Dreiecksspiel verhindert relativ oft den direkten Pass durch die Schnittstellen und die zwei Sekunden Zeitverlust reichen dann schon aus, dass zumindest der zweite DM sich wieder positionieren kann und ggf. einer der vier Offensivleute nochmal eingreifen kann. Übrigens war der Madrid-Sieg gegen Barca nicht unverdient aber auch nicht ganz unglücklich - man denke an den Elfmeter etc. Das hätte auch zumindest ein Unentschieden werden können.
Letztlich ist das Problem eines jeden Systems mit drei Stürmern, dass man entweder das Zentrum aufgibt (Positionierung der drei DM wie beim Tannenbaum) oder man die Schnittstelle zwischen Abwehr und DM offen lässt - oder eben beides ein bischen praktiziert. Man hat quasi immer die Situation, dass nach einem Ballgewinn des Gegners die gegnerischen OM (angenommen, der Gegner spielt ein Standard-4-2-3-1) sowie der MS schnell hinter die Linien des eigenen Mittelfeldes kommen müssen, da das schon perfekt stehen muss, um mit drei Mann alle Passwege zumachen zu können - zumal, wenn ein mitspielender und ballhaltender/ -verteilender Stürmer wie Lewandowski etwa auch den kurzen Passweg anbietet und so eine weitere Gasse zugestellt werden muss. Das kann funktionieren und tut es auch recht oft, weil man ja auch weiter min. 5 Spieler hinter dem Ball haben sollte direkt nach Ballverlust, aber bei einem Vollgasumschalten des Gegners - der BVB sprintet etwa schonmal mit 7 Mann voll Richtung gegnerisches Tor nach Ballgewinn - läuft man in 90 Minuten schon 3-4 Mal ins offene Messer. Schöne Beispiele sind da die Gladbacher Tore gegen die Bayern zum Rückrundenauftakt. Um Druck zu machen, rücken die AV (Lahm!) auf, das DM muss auch eingreifen und sich vorne als Anspielstation anbieten und prompt sind nur noch 3 Abwehrspieler plus ein DM hinter dem Ball, wovon einer - der AV auf der anderen Flanke - sich um den freien Raum hinter sich kümmern muss (durchstartender gegnerischer AV oder OM) und nicht Richtung Ball verschieben kann.
Ich habe mal überlegt, ob man das grafisch veranschaulichen kann, vielleicht mach ich das mal mit einem Spielfeld umrandet aus _ und | und mit Spielerteams aus X und O sowie einem o-Ball ;).
Ein 4-3-3 funktioniert unter ganz bestimmten Voraussetzungen bei Ballbesitz: Wenn man es hinkriegt, die beiden Außenstürmer sofort nach Ballverlust zu rechten und linken MF zu machen (also z.B. Götze und Kuba), die beiden äußeren MF aus der Dreierreihe zu klassischen DM (etwa Bender und Kehl) und den zentralen MF der Dreierreihe zu einem 10er mutieren zu lassen (sehr spielerabhängig, mit einem Boateng wäre das z.B. gut möglich). Dann hat man erstens zwei Abfangjäger im DM stehen und einen robusten Spielmacher im Zentrum. Dann könnte man wieder - so man den Konter unterbindet - das klassische defensive 4-4-2 einnehmen mit dem zentralen MF als quasi zweitem Stürmer.
Übrigens spielt fast genau das der BVB für meinen Eindruck durchaus manchmal in eigenen Spielen mti allerdings nur 3 Abwehrspielern - wenngleich man diese fluiden Positionswechsel teils nur schwer in Systembezeichnungen pressen kann: Mittlerweile ist ja diverse Mal Schmelzer oder Piszczek bei eigenem Ballbesitz auf Höhe der DMs auf- und etwas eingerückt, während der andere AV sich fast auf Höhe der IV zurückfallen lässt und ebenfalls etwas in die zur Seite des aufgerückten AVs hin verschiebenden IV einrückt.
grob also:
x-x-x-x
--x--x--
zu:
-x-x-x-
-x-x-x-
Das hat den Vorteil, dass man defensiv jederzeit drei Passoptionen hat, die der Gegner kaum alle zustellen kann, wenn sich die eigenen Spieler etwas bewegen (im 4-4-2 haben die AVs nur zwei Stationen im Spielfeld und die DM sind leichter unter Druck zu setzen bzw zuzustellen, weswegen man da gut pressen kann und mindestens einen Rückpass provozieren). Das wiederum erzeugt den insgesamt immer sichereren Ballbesitz des BVB, wenn das Team den Ball halten will. Und es hat den Vorteil, dass man davor noch eine dreierreihe kleistern kann oder der 10er zum HS aufrückt oder oder oder. Man hat also vorne einen freien Spieler dazugewonnen.
Letztlich ist der Vorteil dieser Positionierung bei eigenem Ballbesitz, dass man die Räume schon in der gegnerischen Hälfte extrem eng macht, man stelle sich vor:
-x-x-x-
-x-x-x-
-x-x-x-
---x----
Wenn da der Ballverloren gegangen ist, können immer (!) drei Spieler voll pressen. Mit dieser Aufstellung übt man auf weite Teile des Platzes gleichmäßig hohen Druck aus, den man jederzeit intensivieren kann. Einzig die Flanken sind etwas ungeschützt, hier ist wichtig, dass der äußere der drei IVs jeweils den Ball schneller erlaufen kann als der gegnerische OM auf außen oder MS. Von diesen langen Bällen auf außen abgesehen, eignet sich diese Aufstellung perfekt für Gegenpressing.
Und diese Aufstellung ist es im Prinzip auch, die Barca so stark macht: Insbesondere Dani Alves spielt ja nur bei gegnerischem Ballbesitz AV, sonst meist mindestens außen im MF, wenn nicht gar ROM.
Zudem lässt sich ein 3-3-3-1 oder 3-3-4 (wie das bei Barca dann bezeichnet werden würde, man kann auch 3-2-4-1 sagen, wenn einer der AV zur Grundlinie durchzieht - beim BVB zu sehen, wenn plötzlich 4 Mann den Strafraum stürmen und auf die Flanke von außen warten) wunderbar schnell in andere Systeme transferieren, wobei da mehrere Mannschaftsteile sich neu positionieren müssen, so dass man dazu eine sehr sehr gut eingespielte Mannschaft braucht. Die Zeit, umzustellen, erkauft man sich über ein zumindest kurzes intensives Gegenpressing, dass den anderen 7-8 Spielern die Reorganisation ermöglicht. Wenn der Ball direkt wiedergewonnen wird, wie das Barca ja meist gelingt, kann man sich sofort wieder wie gehabt aufstellen.
Das ist übrigens auch die Entwicklung, die ich längerfristig beim BVB sehe, Klopp scheint mir ziemlich genau das anzustreben - weswegen er auch mit einem großen AV auf rechts plant (Piszczek, Owomoyela, Koch) und einem wendigen, aber zweikampfstarken auf links (schmelzer, Löwe). Rechts kann besser einrücken und links aber bei einem Aufrücken des RV mit seiner Robustheit dagegenhalten (siehe Schmelzer gegen Reus meine ich vor einer Woche). Dazu sind die beiden Stamm-AV sehr offensivstark und beides ehemalige Offensivspieler. Das gesamte zentrale und offensive Mittelfeld wird mit ballsicheren, gedankenschnellen und kreativen Spielern bestückt, die die technischen Möglichkeiten besitzen, Schnittstellenpässe oder Dribblings anzusetzen.
Andere taktische Möglichkeiten, wie den hohen Hummels-Pass auf Lewandowski, der den Ball hält und ablegt, sind dem natürlich unbenommen - die bereichern einfach das imo bereits reichhaltige taktische Repertoire des BVB schon länger. Dieses - ich sag einfach mal 3-3-3-1 - wird aber die neue Stufe des BVB-Fußballs sein.
Soweit - schon wieder so lang - gnarf ;)
PS: Es sollte erwähnt werden, dass man gegen spielerisch sehr gute Mannschaften mti einem 3-3-3-1 nach Ballverlust oä durchaus Probleme kriegen kann, wenngleich ich sie nicht ganz so groß einschätze wie mit einem 4-2-3-1 und Ballverlust bei gleichzeitigem Gegenpressing der eigenen Mannschaft in beiden Spielweisen. Nach einem Ballgewinn des Gegners werden in den ersten Sekunden nur selten mehr als zwei Gegner ganz vorne zu finden sein, wofür 3 Verteidiger ausreichen. Der zusätzliche MF kann dann die Räume weiter verengen, was der kleine Vorteil dieser Aufstellung gegenüber dem Gegenpressing im 4-2-3-1 wäre. Etwas engere Räume im MF, wodurch dem Gegner der Konter etwas schwerer gemacht wird.
PPS: Übrigens muss man immer mit einer Art "Verzerrung" der Aufstellung rechnen in Richtung des Balles, die "Achse" des Spiels liegt quasi nicht immer vertikal von Tor zu Tor, sondern verschiebt sich durchaus auch mal um einige Grad Richtung Eckfahne, je nach Position des Balles.... hoffe, das ist verständlich.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Harlekin am 30.04.2012 um 12:04 Uhr bearbeitet
30.04.2012 - 23:42 Uhr
Dein Posting, Jurist81, passt hervorragend zu einer Analyse des 4-4-2 beim BVB. Dabei projiziere ich die Personallage mal auf eine der derzeit wahrscheinlichen Aufstellungen in der nächsten Saison. Ob da nun Götze und Kuba oder Perisic und Großkreutz im OM spielen ist mir relativ schnuppe und auch ob Bender oder Kehl spielt bzw. Leitner statt Gündogan. Die Aufgaben im BVB Spiel sind positions- und nicht spielerabhängig. Da der Reus Zugang fix ist, stelle ich Reus im 4-4-2 mal als HS vor, was er in Gladbach herausragend gespielt hat, Lewandowski als MS. Natürlich könnte man dasselbe auch mit Lewandowski und Dzeko spielen und Reus könnte auf Außen rücken. Zur Dzeko-Option aber später mehr, zunächst 4-4-2.
Hier einmal eine Standardaufstellung, wenn der Gegner Ballbesitz hat und der Ball hinter der Mittellinie in der gegnerischen Abwehr gespielt wird:
http://this11.com/boards/abCy7dcakY.jpg
Dabei ist zu beachten, dass diese Laufwege und diese Aufstellung im Prinzip absolut Standard in dieser Saison waren, nur meist mit Großkreutz statt Götze links, ggf. anderer DM Besetzung und Kagawa statt Reus. Insbesondere das Spielfeld wird – mit der Abseitsfaller der Viererkette – extrem verengt, so dass der bespielte Platz sehr gering ist (was etwa die PL nicht immer macht (Chelsea kanns ;) ), wie ich gerade am taktisch nicht bundesliga-niveau-haltenden Duell zwischen ManCity und ManU beobachte – da wird einem direkt klar, warum beide Teams in Europa nicht weit gekommen sind… :ugly). Ich habe das mal mit den Flaggen verdeutlicht.
Zentral ist, dass die OM sich taktisch geschickt und laufbereit verhalten und die Stürmer müssen beginnen zu pressen. Wenn dann alles halbwegs zugestellt wird, dann wartet man auf einen Pass zum AV, der einen anderen Winkel zum Spiel hat, weswegen er gerne risikolos angespielt wird – der Gegner muss etwas verschieben.
In diesem Moment ist ein typischer BVB-Pressing Moment zu beobachten, im Bild:
http://this11.com/boards/abCy7zoadh.jpg
Kuba prüft, ob Piszczek seinen Mann hat und läuft dann den gegnerischen AV an, Lewandowski und Götze bewegen sich zwischen den gegnerischen AV und LIV (Lewand.) oder in Richtung der Gasse zwischen beiden IVs (Götze), wobei zweiterer Weg nur selten voll ausgelaufen wird, weil Götze den RAV des Gegners nicht vergessen darf. Das DM rückt ebenfalls nach und stellt die Passwege zu – im Bild sind die typischen Bewegungen mit Pfeilen markiert, die absichernden Laufwege mit gestrichelten Pfeilen. Der gegnerische AV kommt fast notwendig in die Bredoullie – im Optimalfall kann er nur noch zum Keeper passen oder muss den Flankenwechsel zum anderen AV oder den ganz langen Diagonalball auf den eigenen ROM wagen (was z.B. die Bayern im Hinspiel gegen den BVB einige Male schön gezeigt haben). Übrigens habe ich einen Pfeil von Götze in die Zentrale vergessen und den Pfeil nach vorne zu lang gemacht… Nur wenn die gegnerischen IVs sich nach hinten fallen lassen und der Gegner so das Spielfeld wieder vergrößert, also eigenen Druck ablässt, um sichere Ballkontrolle zu erhalten, kann ganz sicherer Ballbesitz in der Abwehrkette gewahrt werden. Die Passoptionen und Laufwege der Gegner sind die Linien ohne Pfeil durchgängig bzw. gestrichelt.
Eine zweite gängige Defensiv-Situation hat man in jedem Spiel gegen die Bayern gut gesehen:
http://this11.com/boards/abCy7VNajV.jpg
Der Ball kommt auf den äußeren OM, entweder über den AV oder über einen der DM. Auch hier – wie generell im BVB Defensivverhalten – ist das Ziel, dem Gegner die Passwege zuzustellen. Gelingt das doppelt man den LOM wie im Bild sehr schnell mit Shmelzer und Götze, stellt über Bender und Reus die Passwege ins DM zu und über Bender und Hummels den flachen Pass auf den MS. Dazu muss aber Subotic einrücken, wodurch dann auch Piszczek einrücken muss und die Flanken etwas bloßlegen.
Hier gilt – wie ebenfalls generell gilt – : Nicht bespielter Raum kann solange frei gelassen werden wie man rechtzeitig den Gegner nach einem langen Ball unter Druck setzen kann, so dass im vorliegenden eine kontrollierte Flanke nicht mehr möglich ist - oder man sogar dem Gegner den Ball vor Besitz ablaufen kann.
Letztlich wird der Gegner meistens – man erinnere sich an die Bayernspiele – den Rückwärtsgang einlegen und die Situation über Pässe zum AV und beiden IV den Spielzug neu ansetzen – hier im Bild über die gelben Linien gezeigt.
Bei Ballgewinn passiert im 4-4-2 ein direktes Umschalten:
http://this11.com/boards/abCy79yabn.jpg
Hier im Beispiel gewinnen Schmelzer und Götze den Ball, spielen Hummels an, der 11er schaltet nach dem Ballverlust kurz ab (was die allermeisten Stürmer machen, sonst gibt’s eben Götze statt Hummels oder Schmelzer in Ballbesitz, kommt auf fast dasselbe). Alle potentiell offensiven Spieler starten durch. Das bewirkt zweierlei: Der Gegner muss (!) eigentlich geschlossen nach hinten marschieren. Wenn er das nicht tut, bekommt der BVB mit der Geschwindigkeit schnell mal mindestens Gleichzahlsituationen (man denke an die Umschaltspiele mit vier Strafraumspielern). Dabei gibt es die Optionen, den frei gewordenen AV (nach einem Zweikampfgewinn hat man allermeist den Positionsvorteil gegenüber dem Zweikampfverlierer) im Zusammenspiel mit dem OM nach vorne zu ziehen. Alternativ kann der Pass zu dem nach links gehende Gündogan kommen, während Bender eher absichert. Dazu läuft rechts Piszczek in vollem Tempo nach vorne, zieht seinen LOM des Gegners mit und davor rückt Kuba etwas nach innen, um einen weiten von Lewandowski angenommenen Ball in Empfang nehmen zu können. Reus sprintet aus gleichem Grund entweder nach rechts oder links durch (siehe Götzes Tor nach Lewandowski Ablage gegen Kaiserslautern) oder nach Spiel über den Flügel als kurze Anspielstation auf außen. Zuletzt könnte auch Gündogan den Ball direkt diagonal weiter in Richtung Kuba spielen, der dann auf Piszczek verlagern kann – denn der gegnerische linke AV muss einrücken, da ja die gegnerische IV ebenfalls nach rechts rücken muss, um die dort anlaufenden Gegner in Empfang zu nehmen – so ist auf der Diagonale gern mal etwas mehr Platz (ganz typisches Bild bei Kontern, dass auf der gegenüberliegenden Seite alles frei ist und manchmal ein Spieler des konternden Teams winkt und winkt und winkt…). Das passiert dann, wenn der Gegner nach dem Ballverlust Gegenpressing versucht und eben mit der Mannschaft Richtung Ball verschiebt. Dabei muss ein DM helfen, der zweite dessen Aufgabe mit übernehmen und dafür auch der LOM hier im Schaubild einrücken. Das ganze muss man sich leider vorstellen, bin zu faul für weitere Bilder ;)
Nun zu Dzeko: Ich halte Dzeko für passend, weil er mehreres leistet: Er ist sicher auf ungefähr dem Level von Lewandowski anzusiedeln, wäre also ein herausragender Barrios-Ersatz, so dieser geht. Zweitens beherrscht Dzeko ebenso wie Lewandowski meiner Einschätzung nach das Spiel als Halbstürmer. Die beiden könnten also auch beide auf dem Platz stehen und (!) rochieren. Er ist enorm abschlussstark und sieht den Nebenmann. Gerade für die CL würde ich persönlich auf ganz schnelles Umschaltspiel und kompaktes Stehen achten (erst recht, wenn ich das Anrennen in DEM PL-Spiel gesehen habe: Richtig gutes taktisches Verhalten war selten und wenn, dann von City praktiziert). Damit wird man sicher ballverluste des Gegners provozieren (siehe Real-Bayern), woraus Umschaltmöglichkeiten entstehen. Mit einem Dzeko würde man drei hochklassige Spieler für die MS und HS Position in einem 4-4-2 haben, wovon für beide Positionen sogar alle 3 verfügbar wären (Reus läuft ja bei Gladbach, meine ich, oft auch auf die MS Position durch, wenn Hanke den Spielgestalter mimt). Dazu kämen Spieler wie Perisic hintendran. Ein 4-4-2 könnte dann also auch mit Verletzungssorgen gespielt werden.
Während ein Spieler vom Typ Kagawa eben bereits mit Götze auf seinem Niveau im BVB Kader zu finden ist. Zählt man die Talente mit Pass-Blick wie Leitner oder den Neuzugang Bittencourt mit, denkt man an den ebenfalls technisch beschlagenen Außenspieler Kuba und den dynamischen Gündogan mit, hat man fast eine ganze Armada an Wuslern in Kagawa-Richtung – wenngleich natürlich mit teils anderen Positionen (wobei alle mal die 10 gespielt haben ;) ).
Meines Erachtens würden dem BVB Kader in der Zukunft hochklassige Spieler wie ein Reus helfen, Spieler die eine eigene Facette ins Spiel bringen, so dass Klopp mehr Optionen zur Verfügung hat für taktische Feinheiten. Das BVB-Spiel funktioniert jetzt (nach der womöglich besten jemals gespielten BuLiSaison darf man das sagen…) Ob diese Personalien dann Dzeko heißen oder K.P. Boateng ist unerheblich. Natürlich würde auch ein 1zu1-Ersatz wie Belhanda dem BVB weiterhelfen – und auch ohne Ersatz könnte man leben imo.
Dzeko finde ich einfach spannend, weil er das 4-4-2 beim BVB endgültig dem 4-2-3-1 ebenbürtig machen könnte. Und damit wäre der BVB im Vorfeld eines Spiels, sofern nicht zu viele Leute verletzt sind, kaum auszurechnen, denn die Laufwege im 4-2-3-1 sind doch nochmal andere, man spielt auf mehr Ballkontrolle ausgerichtet und kombiniert sich eher durch die Reihen – wunderbar gegen Kaiserslautern zu sehen, als unzählige Schnittstellenpässe gegen die zu schwach verschiebende und abgestimmte Lauterer Mittelfeldreihe durchkamen.
Deinen Argumenten @Jurist81 kann man natürlich en gros zustimmen. Realistisch betrachtet wird es ihn als Transfer nicht geben. Eine Summe auch von 25 mio kann man zwar stemmen nach einem Barrios, Santana und Kagawa Abgang, aber ob man mit solchen Summen hantieren will, ist fraglich. Die knapp 20Mio halte ich für einen einzelnen Transfer beim BVB für die aktuelle Messlatte. Dabei geht es weniger um die Wirtschaftlichkeit als um die externe und vor allem interne Wirkung: „Es ist sehr/zu viel Geld da, dann werden wir zu schlecht bezahlt“.
Soviel zum 4-4-2, mal schauen, wann ich wieder Bock auf ne neue Runde Taktiktafeln hab. Zu geniales Tool :D
Hier einmal eine Standardaufstellung, wenn der Gegner Ballbesitz hat und der Ball hinter der Mittellinie in der gegnerischen Abwehr gespielt wird:
http://this11.com/boards/abCy7dcakY.jpg
Dabei ist zu beachten, dass diese Laufwege und diese Aufstellung im Prinzip absolut Standard in dieser Saison waren, nur meist mit Großkreutz statt Götze links, ggf. anderer DM Besetzung und Kagawa statt Reus. Insbesondere das Spielfeld wird – mit der Abseitsfaller der Viererkette – extrem verengt, so dass der bespielte Platz sehr gering ist (was etwa die PL nicht immer macht (Chelsea kanns ;) ), wie ich gerade am taktisch nicht bundesliga-niveau-haltenden Duell zwischen ManCity und ManU beobachte – da wird einem direkt klar, warum beide Teams in Europa nicht weit gekommen sind… :ugly). Ich habe das mal mit den Flaggen verdeutlicht.
Zentral ist, dass die OM sich taktisch geschickt und laufbereit verhalten und die Stürmer müssen beginnen zu pressen. Wenn dann alles halbwegs zugestellt wird, dann wartet man auf einen Pass zum AV, der einen anderen Winkel zum Spiel hat, weswegen er gerne risikolos angespielt wird – der Gegner muss etwas verschieben.
In diesem Moment ist ein typischer BVB-Pressing Moment zu beobachten, im Bild:
http://this11.com/boards/abCy7zoadh.jpg
Kuba prüft, ob Piszczek seinen Mann hat und läuft dann den gegnerischen AV an, Lewandowski und Götze bewegen sich zwischen den gegnerischen AV und LIV (Lewand.) oder in Richtung der Gasse zwischen beiden IVs (Götze), wobei zweiterer Weg nur selten voll ausgelaufen wird, weil Götze den RAV des Gegners nicht vergessen darf. Das DM rückt ebenfalls nach und stellt die Passwege zu – im Bild sind die typischen Bewegungen mit Pfeilen markiert, die absichernden Laufwege mit gestrichelten Pfeilen. Der gegnerische AV kommt fast notwendig in die Bredoullie – im Optimalfall kann er nur noch zum Keeper passen oder muss den Flankenwechsel zum anderen AV oder den ganz langen Diagonalball auf den eigenen ROM wagen (was z.B. die Bayern im Hinspiel gegen den BVB einige Male schön gezeigt haben). Übrigens habe ich einen Pfeil von Götze in die Zentrale vergessen und den Pfeil nach vorne zu lang gemacht… Nur wenn die gegnerischen IVs sich nach hinten fallen lassen und der Gegner so das Spielfeld wieder vergrößert, also eigenen Druck ablässt, um sichere Ballkontrolle zu erhalten, kann ganz sicherer Ballbesitz in der Abwehrkette gewahrt werden. Die Passoptionen und Laufwege der Gegner sind die Linien ohne Pfeil durchgängig bzw. gestrichelt.
Eine zweite gängige Defensiv-Situation hat man in jedem Spiel gegen die Bayern gut gesehen:
http://this11.com/boards/abCy7VNajV.jpg
Der Ball kommt auf den äußeren OM, entweder über den AV oder über einen der DM. Auch hier – wie generell im BVB Defensivverhalten – ist das Ziel, dem Gegner die Passwege zuzustellen. Gelingt das doppelt man den LOM wie im Bild sehr schnell mit Shmelzer und Götze, stellt über Bender und Reus die Passwege ins DM zu und über Bender und Hummels den flachen Pass auf den MS. Dazu muss aber Subotic einrücken, wodurch dann auch Piszczek einrücken muss und die Flanken etwas bloßlegen.
Hier gilt – wie ebenfalls generell gilt – : Nicht bespielter Raum kann solange frei gelassen werden wie man rechtzeitig den Gegner nach einem langen Ball unter Druck setzen kann, so dass im vorliegenden eine kontrollierte Flanke nicht mehr möglich ist - oder man sogar dem Gegner den Ball vor Besitz ablaufen kann.
Letztlich wird der Gegner meistens – man erinnere sich an die Bayernspiele – den Rückwärtsgang einlegen und die Situation über Pässe zum AV und beiden IV den Spielzug neu ansetzen – hier im Bild über die gelben Linien gezeigt.
Bei Ballgewinn passiert im 4-4-2 ein direktes Umschalten:
http://this11.com/boards/abCy79yabn.jpg
Hier im Beispiel gewinnen Schmelzer und Götze den Ball, spielen Hummels an, der 11er schaltet nach dem Ballverlust kurz ab (was die allermeisten Stürmer machen, sonst gibt’s eben Götze statt Hummels oder Schmelzer in Ballbesitz, kommt auf fast dasselbe). Alle potentiell offensiven Spieler starten durch. Das bewirkt zweierlei: Der Gegner muss (!) eigentlich geschlossen nach hinten marschieren. Wenn er das nicht tut, bekommt der BVB mit der Geschwindigkeit schnell mal mindestens Gleichzahlsituationen (man denke an die Umschaltspiele mit vier Strafraumspielern). Dabei gibt es die Optionen, den frei gewordenen AV (nach einem Zweikampfgewinn hat man allermeist den Positionsvorteil gegenüber dem Zweikampfverlierer) im Zusammenspiel mit dem OM nach vorne zu ziehen. Alternativ kann der Pass zu dem nach links gehende Gündogan kommen, während Bender eher absichert. Dazu läuft rechts Piszczek in vollem Tempo nach vorne, zieht seinen LOM des Gegners mit und davor rückt Kuba etwas nach innen, um einen weiten von Lewandowski angenommenen Ball in Empfang nehmen zu können. Reus sprintet aus gleichem Grund entweder nach rechts oder links durch (siehe Götzes Tor nach Lewandowski Ablage gegen Kaiserslautern) oder nach Spiel über den Flügel als kurze Anspielstation auf außen. Zuletzt könnte auch Gündogan den Ball direkt diagonal weiter in Richtung Kuba spielen, der dann auf Piszczek verlagern kann – denn der gegnerische linke AV muss einrücken, da ja die gegnerische IV ebenfalls nach rechts rücken muss, um die dort anlaufenden Gegner in Empfang zu nehmen – so ist auf der Diagonale gern mal etwas mehr Platz (ganz typisches Bild bei Kontern, dass auf der gegenüberliegenden Seite alles frei ist und manchmal ein Spieler des konternden Teams winkt und winkt und winkt…). Das passiert dann, wenn der Gegner nach dem Ballverlust Gegenpressing versucht und eben mit der Mannschaft Richtung Ball verschiebt. Dabei muss ein DM helfen, der zweite dessen Aufgabe mit übernehmen und dafür auch der LOM hier im Schaubild einrücken. Das ganze muss man sich leider vorstellen, bin zu faul für weitere Bilder ;)
Nun zu Dzeko: Ich halte Dzeko für passend, weil er mehreres leistet: Er ist sicher auf ungefähr dem Level von Lewandowski anzusiedeln, wäre also ein herausragender Barrios-Ersatz, so dieser geht. Zweitens beherrscht Dzeko ebenso wie Lewandowski meiner Einschätzung nach das Spiel als Halbstürmer. Die beiden könnten also auch beide auf dem Platz stehen und (!) rochieren. Er ist enorm abschlussstark und sieht den Nebenmann. Gerade für die CL würde ich persönlich auf ganz schnelles Umschaltspiel und kompaktes Stehen achten (erst recht, wenn ich das Anrennen in DEM PL-Spiel gesehen habe: Richtig gutes taktisches Verhalten war selten und wenn, dann von City praktiziert). Damit wird man sicher ballverluste des Gegners provozieren (siehe Real-Bayern), woraus Umschaltmöglichkeiten entstehen. Mit einem Dzeko würde man drei hochklassige Spieler für die MS und HS Position in einem 4-4-2 haben, wovon für beide Positionen sogar alle 3 verfügbar wären (Reus läuft ja bei Gladbach, meine ich, oft auch auf die MS Position durch, wenn Hanke den Spielgestalter mimt). Dazu kämen Spieler wie Perisic hintendran. Ein 4-4-2 könnte dann also auch mit Verletzungssorgen gespielt werden.
Während ein Spieler vom Typ Kagawa eben bereits mit Götze auf seinem Niveau im BVB Kader zu finden ist. Zählt man die Talente mit Pass-Blick wie Leitner oder den Neuzugang Bittencourt mit, denkt man an den ebenfalls technisch beschlagenen Außenspieler Kuba und den dynamischen Gündogan mit, hat man fast eine ganze Armada an Wuslern in Kagawa-Richtung – wenngleich natürlich mit teils anderen Positionen (wobei alle mal die 10 gespielt haben ;) ).
Meines Erachtens würden dem BVB Kader in der Zukunft hochklassige Spieler wie ein Reus helfen, Spieler die eine eigene Facette ins Spiel bringen, so dass Klopp mehr Optionen zur Verfügung hat für taktische Feinheiten. Das BVB-Spiel funktioniert jetzt (nach der womöglich besten jemals gespielten BuLiSaison darf man das sagen…) Ob diese Personalien dann Dzeko heißen oder K.P. Boateng ist unerheblich. Natürlich würde auch ein 1zu1-Ersatz wie Belhanda dem BVB weiterhelfen – und auch ohne Ersatz könnte man leben imo.
Dzeko finde ich einfach spannend, weil er das 4-4-2 beim BVB endgültig dem 4-2-3-1 ebenbürtig machen könnte. Und damit wäre der BVB im Vorfeld eines Spiels, sofern nicht zu viele Leute verletzt sind, kaum auszurechnen, denn die Laufwege im 4-2-3-1 sind doch nochmal andere, man spielt auf mehr Ballkontrolle ausgerichtet und kombiniert sich eher durch die Reihen – wunderbar gegen Kaiserslautern zu sehen, als unzählige Schnittstellenpässe gegen die zu schwach verschiebende und abgestimmte Lauterer Mittelfeldreihe durchkamen.
Deinen Argumenten @Jurist81 kann man natürlich en gros zustimmen. Realistisch betrachtet wird es ihn als Transfer nicht geben. Eine Summe auch von 25 mio kann man zwar stemmen nach einem Barrios, Santana und Kagawa Abgang, aber ob man mit solchen Summen hantieren will, ist fraglich. Die knapp 20Mio halte ich für einen einzelnen Transfer beim BVB für die aktuelle Messlatte. Dabei geht es weniger um die Wirtschaftlichkeit als um die externe und vor allem interne Wirkung: „Es ist sehr/zu viel Geld da, dann werden wir zu schlecht bezahlt“.
Soviel zum 4-4-2, mal schauen, wann ich wieder Bock auf ne neue Runde Taktiktafeln hab. Zu geniales Tool :D
22.05.2012 - 11:25 Uhr
finde solbakkens kritik am BVB in der cl zwar interessant aber nicht zutreffend.
zum einen ist das aushelfen des innenverteidigers nicht standard (wurde hier ja auch schon angesprochen) und zum anderen fielen die gegentore nicht in solchen situationen, sondern fast ausschließlich nach individuellen fehlern bzw. unglücklichen situationen.
Zitat von Harlekin:
Einschränkend würde ichs agen, dass dieses Ausrücken der IV auf Außen nicht gilt, wenn der BVB sich zurückziehen konnte, was er gegen starke Mannschaften ja meist macht (Siege gegen Bayern sind da beispielhaft). Dann helfen immer OM und ggf. DM aus, nicht der IV. Insofern bezieht sich Solbakken auf bestimmte Spielsituationen (Positionsspiel allgemein und Umschaltspiel nach Ballgewinn des Gegners)
genau das meine ich.
das es eben nicht standard ist kann man auch hervorragend daran erkennen, dass dortmund im schnitt nur 8,5 torschüsse pro spiel zu ließ aber insgesamt 12 gegentore also 2 im schnitt kassierte (in der bl 0,74 im schnitt).
d.h. bei 6 partien und 12 gegentoren hatten die gegner eine absolut unnormale quote von 12 toren aus 51 schüssen = 23,5 prozent! (in der bundesliga laut wahretabelle.de 325 gegnerische schüsse (9,5 pro spiel) mit 25 gegentoren = 7,7 prozent!)
dortmund hat also sogar 1 schuss weniger pro spiel zugelassen als in der liga und trotzdem mehr tore kassiert. mir kann keiner erzählen, dass dieser riesige unterschied durch ein höheres niveau in der cl oder fehlende erfahrung zu begründen ist. deswegen find ich es auch heute noch so nervig, wenn "argumentiert" wird, dass dortmund so schlecht gespielt hat in der cl und das dies u.a. taktisch begründet war.
es waren einfach einige gebrauchte tage mit fast allem pech der welt. vor allem defensiv. wenn man so will das cl-finale der bayern mal 5 (das soll natürlich kein aufwiegen eines vorrundenausscheidens mit dem verlorenen heimfinale darstellen).
nichts destotrotz kann man dadurch natürlich nicht alles erklären. in der neuen saison wird klopp wahrscheinlich defensiver anfangen und versuchen nicht so häufig in konter zu laufen.
denn das ist immernoch die größte schwachstelle in unserem spielsystem. klappt das gegenpressing nicht, kann der gegner, sofern er es clever anstellt (marseille im hinspiel), gefährlich kontern, da dann die iv im prinzip alleine gegen die aufrückenden stürmer stehen, da die av ja sehr aktiv am gegenpressing beteiligt sind und nicht immer klären/foulen können.
wie gesagt einige interessante ansätze bei solbakken aber nicht präzise genug bzw. nicht 100 prozent passend.
zum einen ist das aushelfen des innenverteidigers nicht standard (wurde hier ja auch schon angesprochen) und zum anderen fielen die gegentore nicht in solchen situationen, sondern fast ausschließlich nach individuellen fehlern bzw. unglücklichen situationen.
Zitat von Harlekin:
Einschränkend würde ichs agen, dass dieses Ausrücken der IV auf Außen nicht gilt, wenn der BVB sich zurückziehen konnte, was er gegen starke Mannschaften ja meist macht (Siege gegen Bayern sind da beispielhaft). Dann helfen immer OM und ggf. DM aus, nicht der IV. Insofern bezieht sich Solbakken auf bestimmte Spielsituationen (Positionsspiel allgemein und Umschaltspiel nach Ballgewinn des Gegners)
genau das meine ich.
das es eben nicht standard ist kann man auch hervorragend daran erkennen, dass dortmund im schnitt nur 8,5 torschüsse pro spiel zu ließ aber insgesamt 12 gegentore also 2 im schnitt kassierte (in der bl 0,74 im schnitt).
d.h. bei 6 partien und 12 gegentoren hatten die gegner eine absolut unnormale quote von 12 toren aus 51 schüssen = 23,5 prozent! (in der bundesliga laut wahretabelle.de 325 gegnerische schüsse (9,5 pro spiel) mit 25 gegentoren = 7,7 prozent!)
dortmund hat also sogar 1 schuss weniger pro spiel zugelassen als in der liga und trotzdem mehr tore kassiert. mir kann keiner erzählen, dass dieser riesige unterschied durch ein höheres niveau in der cl oder fehlende erfahrung zu begründen ist. deswegen find ich es auch heute noch so nervig, wenn "argumentiert" wird, dass dortmund so schlecht gespielt hat in der cl und das dies u.a. taktisch begründet war.
es waren einfach einige gebrauchte tage mit fast allem pech der welt. vor allem defensiv. wenn man so will das cl-finale der bayern mal 5 (das soll natürlich kein aufwiegen eines vorrundenausscheidens mit dem verlorenen heimfinale darstellen).
nichts destotrotz kann man dadurch natürlich nicht alles erklären. in der neuen saison wird klopp wahrscheinlich defensiver anfangen und versuchen nicht so häufig in konter zu laufen.
denn das ist immernoch die größte schwachstelle in unserem spielsystem. klappt das gegenpressing nicht, kann der gegner, sofern er es clever anstellt (marseille im hinspiel), gefährlich kontern, da dann die iv im prinzip alleine gegen die aufrückenden stürmer stehen, da die av ja sehr aktiv am gegenpressing beteiligt sind und nicht immer klären/foulen können.
wie gesagt einige interessante ansätze bei solbakken aber nicht präzise genug bzw. nicht 100 prozent passend.
24.05.2012 - 14:53 Uhr
So man glaubt es kaum, nachdem ich vor gefühlt einem halben Jahr hier ein paar Posts angekündigt habe kommt nun tatsächlich einer dieser zu unserem glorreichen BVB bzw. dessen Taktik. Ich habe ständig noch andere Ideen bekommen und konnte irgendwie das nie richtig verfassen, deswegen kommts jetzt in mehreren Posts die sich inhaltlich eventuell überschneiden, aber sonst wäre das zuviel.
So zum Harlekin Post über Formationen sowie die Spielerei über mir:
Zu ersteinmal finde ich (wie man in meine Posts sicher erkennen kann) diese Bezeichnung in Systemen als extrem unspezifisch. Wie mittlerweile mmn. offensichtlich wird, unterscheiden sich ein 4-4-2, ein 4-4-1-1, ein 4-2-3-1, ein 4-3-3, ein 4-1-4-1, ein 4-2-1-3, ein 4-1-2-3 oder gar ein 4-1-2-2-1 wie ich es ab und an gelesen habe, so gering, dass man sie kaum auseinander halten kann. Wenn wir unser 4-4-2 Mittelfeldpressing-spielen und der Ball wandert zum AV des Gegners, schließt Kagawa den Passweg zum Sechser und Lewandowski zum nächsten Innenverteidiger. Jetzt befindet sich Kagawa hinter Lewandowski, ist das jetzt ein 4-4-1-1? Grundsätzlich sind die "Systeme" für die makrotaktischen Erklärungen sinnvoll benötigen jedoch einer genaueren Erklärung. Hier muss man meiner Meinung nach insbesondere auf die Spielertypen eingehen: Oft lese ich: Gustavo ein viel besserer 6er als Busquets! (nur als beispiel). Das es sich um komplett verschiedene Spielertypen handelt wird unterschlagen, weil Busquets auf dem Papier als defensivster erscheint, ist das für viele der 6er.
Nun zum Herrn Solbakken:
Ich habs jetzt mehrmals durchgelesen, vielleicht hab ich nen Blackout aber er sagt doch: In köln sollten die offensiven Flügelspieler dem AV helfen, in Dortmund machen das die Innenverteidiger. Wenn er das so meint wundere ich mich darüber, schließlich sind unsere beiden Flügelspieler stets für ihr konsequentes Defensivverhalten und das Doppen der gegnerischen Außen bekannt. Was aber wirklich interessant ist und auch der Grund für die Problematik in der CL war, geht mmn relativ tief und gerät ein bisschen ins theoretische (noch mehr als sonst!) und das trifft auch noch die Posts über die Fluidität von aktuellen Systemen. Deswegen packe ich das jetzt in einen größeren Text, hoffentlich kommen alle Gründe und Erkenntnisse einigermaßen strukturiert hervor:
Was ist Fußball? (Ja ich sagte doch, etwas sehr theoretisch). Die Autoren des Buches "Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann" finden darauf eine extrem knappe und präzise Antwort: Im modernen Fußball geht es nur noch darum, Überzahl herzustellen. Im Angriff wie in der Verteidigung, so kreiert man Spielzüge, so gewinnt man den Ball. Nehmen wir das und die Äußerungen jenes Arrigo Sacchi den MattesSammer schon zuvor zitierte: "In der Defensivphase hatten alle unsere Spiele vier Bezugspunkte: den Ball, den Raum, den Gegner und die eigenen Mitspieler". Gehen wir von einem ganzen Team aus, fällt der letzte Punkt weg. Ein Team orientiert sich also am Ball, dem Raum und dem Gegner. Dies erscheint ja durchaus sinnvoll und beschreibt das Phänomen "Überzahlsituationen" genauer: Wo brauche ich Überzahl? Wo ich den Ball gewinnen will, wo ich den Angriff des Gegners zum Stocken bringen will oder wo ich den eigenen Angriff zum Laufen bekommen will. Wo soll also die Überzahl geschaffen werden? Wo soll ein einzelner Spieler hinlaufen? Und das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem von uns in der Hinrunde gewesen, in der CL und der Bundesliga: In der Defensive erscheint es ja noch relativ logisch, überzahl am besten vorm eigenen Tor, sodass man jegliche Abschlüsse verhindern kann. Nur dann spielen wir ohne Pressing, wie Chelsea gegen Bayern. Das dem Gegner zeitlassen erscheint aber nur bedingt sinnvoll (komme ich später drauf zurück). Also müssen die offensiven rausrücken und die Verteidiger auch, man muss in Ballnähe Überzahl bekommen, um eben jenen zu erobern. Dabei versucht der Gegner jedoch auch eben dieses Pressing und diese Überzahl zu umspielen, woraufhin man wieder wo anders Überzahl schaffen muss: Doch dieses "woanders" ist genau das Problem! Dieser Faktor hängt von Gegner, Tagesform, Spielstand, Fitnesszustand usw. ab, die Spieler bekommen jedoch eine grobe Orientierung, die Taktik. Das Problem dazu ist der Gegner. Offensichtlich wird das , wenn der Gegner eine große Anzahl von Leuten in die offensive aufrücken lässt, oder beispeilsweise anfängt die Offensiven "zocken" zu lassen. In einem eigentlich wichtigen Bereich gerät man in haushohe Überzahl, im anderen jedoch in Gleichzahl. Was tun also? Auch hier hilft der Trainer: Bestes Beispiel sei unser 5:1 in Hamburg, wo Klopp dieses "Pressingmonstrum" (Spielverlagerung.de) perfekt auf den Gegner eingestellt hat. Nun hat man also grob den modernen Fußball definiert, doch was hat das mit Borussia Dortmund zu tun? Auch in dieser Saison konnte man sehen: Wir spielen modernen Fußball: Ob abkippen der 6er, 3-er Kettenbildung man konnte vieles "Neues" bei uns bestaunen. Obige "Definition" von Fußball, wirkt sich aber auch auf diese groben Zahlenschemata aus. Ein 4-2-3-1 ist nicht ein 4-2-3-1 sonder eine grobe Anordnung die sich obigen 3 Punkten anpassen MUSS.
Anpassungen sind aber in allen hinsichten nötig. Wie MattesSammer bereits wunderbar erläutert hat, ist ebenjene Fluidität bei jeder "großen" Mannschaft zu finden. Interessant wird es jedoch, wenn man das bei unserer Borussia mal genauer unter die Lupe nimmt:
Kagawa und Lewandowski- das moderne Sturmduo; oder : Die Spiegelbilder der Saison
Fangen wir mit dem zweiten Teil der Überschrift an: Kagawa kam von einem Mittelfußbruch zurück, Lewandowski sollte aufgrund von Barrios Verletzung die ersten Spiele nacheinander ohne druck von hinten absolvieren können. Obwohl viele warnten, dass Shinji genausoviel Zeit zur kompletten Regeneration benötigen würde, wie die Verletzung dauerte, zauberte unser Sushi-Bomber in der Vorbereitung was das Zeug hielt. Jedoch sah man in der Hinrunde oft, lasche Abschlüsse und insbesondere manchen sinnlosen Sololauf. Bei Lewandowski blieb die Erwartung die ganze Saison durch schwierig: Er traf zu Beginn selten doch dann folgte die Befreiung gegen Augsburg. Insgesamt erstaunlich wieviel besser er wahrgenommen wurde, als er auch ab und an einfach mal aus 3 Metern ins halbleere Tor schiessen durfte ( 5:0 gegen Köln, 2 Buden die Selbstvertrauen geben jedoch kaum als Nachweis seiner Qualitäten dienen). Mit der Zeit lief es bei ihm auch besser doch auch er hatte Phasen von „Torflaute“ wo der Ruf nach einem Top-Torjäger (nur bei manchen) laut wurde, jedoch haben beide noch bestimmte Schwächen und genau wie der BVB als solche, Potential nach oben. (mag jetzt etwas wirr erscheinen, mir schien es nur irgendwie passend :p ).
Das moderne Sturmduo. Was ist denn an den beiden modern? Ein großgewachsener Zentrumsstürmer und einen um ihn herumspielenden wuseligen Dribbler ist wahrlich keine Erfindung des BVB. Interessant wird es jedoch wenn man den Aufgaben bereich der beiden abseits dieses Rahmens sieht. zuerst zu Shinji: In der Rückrunde meiner Meinung nach DER überragende Spieler unseres BVB. Technisch, im Abschluss, seine Pässe, seine Ballannahmen zuweilen klappte alles. Was macht ihn aber besonders? Seine Vielseitigkeit. Shinji nimmt immer verschiedene Rollen an, so spielte er gegen Wolfsburg und Bremen manchmal tief, lief den Raum vor unserer Abwehr an um mit Pässen und Dribblings unser Spiel mitzuprägen. Gegen gladbach zu Hause spielte er hauptsächlich als hängende Spitze, verschob viel auf die Flügel und ackerte vertikal insbesondere im Pressing und als Anspielstation im offensiven Mittelfeld. Sein Aktionsradius verschob sich also eher nach vorne.
Lewandowski bezeichne ich als kompletten Stürmer bzw. er besitzt die Anlagen dazu, das letzte fehlt ihm noch. Er glänzt stets als unglaublich physisch starker Wandstürmer, mit guten Pässen, einer sehr guten Technik und zuweilen mit starkem Abschluss. Sein Wirkungsbereich ist nicht der Strafraum, er rochiert hauptsächlich vertikal mit Kagawa, manchmal auch horizontal mit unseren beiden Flügelstürmern. Auf der anderen Seite verleiht er in manchen Spielen unserem Spiel eine große Tiefe, um den Gegner ausseinanderzuziehen, als Beispiel sei hier das DFB-Pokalfinale gegen Bayern zu sehen, z.B. die Szene vor dem 3:1. Hier holt sich Pische den Ball von Weidenfeller ab und durch Lewandowskis horizontalen Laufweg (er steht relativ hoch) reißt er die Bayerndeckung insbesondere deren defensives Mittelfeld auf. Das dabei die Innenverteidiger nicht so gut aussehen, trägt maßgeblich zum Tor bei, die Möglichkeit entsteht jedoch erst durch genau diese Wege. Dazu sei jedoch auch noch gesagt, dass er mich manchmal mit seinem Abschluss tierisch aufregt, doch das teilt er sich mit dem Rest des Teams. Man kann die Tore an der Hand abzählen, an denen (wie Perisic gegen Köln auswärts) unsere Offensivleute einfach mal den Kopf hochnehmen um zu schauen was der Torwart macht um dann in eine Ecke einzuschieben. Wie gegen Wolfsburg (erste chance) schließt Lewy auch so oft ab, dies ist jedoch ein Witz im Vergleich zu seinen umfassenden Stärken.
Nun zum spiel gegen den Ball: Wie harlekin bereits treffend formuliert hat, geht es heutzutage nicht um Systeme und starre Formationen. So gestaltet sich neben unserem Offensivspiel auch unser Defensivspiel, welches bei Lewandowski und Shinji beginnt. In unseren Mittelfeldpressing-Phasen spielen wir zu Beginn ein 4-4-2, wenn der Ball bei den gegnerischen IV´s ist. Wenn der Ball zu den AV´s wandert, deckt Shinji die gegnerischen Sechser ab. Soweit so gut, interessant ist, dass Shinji sich fallen lässt, wenn wir im ZM in Unter-oder Gleichzahl sind, da unsere Sechser zT stark auf die Seiten verschieben, würden wir Kompaktheit verlieren. Im Gegensatz zu Gladbach macht Lewy das kaum und wenn dann nur in „Notfällen“, da er wie oben beschrieben unter anderem für Tiefe sorgen soll, damit es uns nicht geht wie Gladbach am 32. Spieltag. Durch die tiefstehenden und mitarbeitenden Stürmer ist es gegen ein gutes Gegenpressing saumäßig schwer, beinahe unmöglich konstruktive Konter und Gegenangriffe zu initiieren.
Inwiefern stehen diese beiden nun für unsere Saison? Während der Beginn der Hinrunde völlig verkorkst war (bis aufs Hamburg Spiel) lief es bei ihnen wie bei uns nicht gut, ihr und unser wahres Potential konnte man dann in der Rückrunde bestaunen. Sowohl die Flexibilität als auch die taktische Cleverness der beiden, prägt unser Spiel maßgeblich, in der Offensive wie Defensive stehen diese überragenden Leistungen für unser Spiel und auch für den BVB sowie dessen Saison.
Um auf Harlekin zurückzukommen, bzw. MattesSammer: Die taktische Fluidität hat über die Jahre weiter zugenommen, insbesondere im offensiven Bereich. Ich erinnere nur mal an die Aussagen des Vorstoppers von England beim 6:3 gegen Ungarn 1963 in seiner Autobiografie:“Für mich lag die Tragödie in der totalen Hilflosigkeit…, darin, nichts an der schrecklichen Situation ändern zu können.“ Er spielte damals gegen Hidegkuti, welcher sich immer zurückfallen ließ (wie heut zB die False-nine), er würde also entweder ein Loch in der Verteidigung lassen oder Hidegkuti konnte schalten und walten wie er wollte. Hidegkuti traf 3 mal, die Schmach war perfekt. Natürlich ist diese Aussage stark von der damaligen Manndeckung beeinflusst, nur zeigen diese Aussagen sehr gut, was die Probleme einer verteidigenden Mannschaft sind, wenn sich einer oder mehrere Spieler in ständiger Bewegung finden. Übergeben, Räume zustellen, Pressen und das alles in Höchsttempo. Das möchte ich nicht näher beleuchten, MattesSammer hat dazu schon etwas passendes gesagt, vielleicht komme ich wann anders darauf zurück.
Interessant wird das ganze wenn man diese Fluidität auch eine „Reihe“ dahinter ausprobiert und übt, da die Offensivspieler in mittlerweile jedem Team rochieren und sich ständig über den gesamten Platz freilaufen (Tiefe und Breite). Hier komme ich jetzt zu unserer Borussia: Gegen Bremen, Augsburg und auch gegen Gladbach in der Rückrunde konnte man das große Phänomen dieser und unter anderem, auch letzter Saison sehen: Abkippende Sechser. Hierbei lassen sich die 6er hinter die aufrückenden AV´s fallen, um mehr Raum und Zeit am Ball zu haben. Nun muss der zugeteilte Gegenspieler rausrücken, um ihn zu pressen und ihm nicht zuviel Platz und insbesondere Raum zu lassen, da er dann präzise lange Bälle perfekt timen könnte sowie den Pass in die Tiefe nahezu ungestört suchen könnte. Manch einer wird erkennen, Sahin spielte letzte Saison auch ab und an diesen abkippenden Sechser um ungestört unser Offensiven mit Pässen zu versorgen. Spannend wird dies, wenn man es mit dem Zwischen die IV´s fallenden Sechser verbindet (wie es letzte Saison schon Barcelona spielte, diese Saison extrem zb der HSV oder Athletico Bilbao. Nun hat man 2 6er die sich frei um die Gegner herum bewegen und immer neue Aufgaben und Pressinglaufwege für die Gegenspieler erfordern. Wer viel neues oder verschiedenes macht mehr Fehler und wer weniger Fehler macht gewinnt, frei nach Johan Cruyff. Besonders spannend wird dass, wenn man die Pflichten der IV´s lockert. Vorerst in vorbestimmten Maßen, zB dass Hummels nach vorne dribbeln kann und sich ein Sechser zurückfallen lässt. Ich glaube es war gegen Bremen, da hatte sich Kehl hinter Pische begeben und bekam den Ball von Subotic. Als daraufhin er den Ball zurückprallen ließ und sich wieder richtung ZM begab, rückte Neven fast an die Außenlinie. Nun mag ein mancher sagen, toll was bringt uns das denn? Grundsätzlich ist dieses Aufrücken der IV´s auf den Flügel zusammen mit dem Verschieben des anderen IV nur die Herstellung von Überzahl. Der Gegner reagiert also, oder wir haben Platz für unser Spiel. Wenn er reagiert, zieht evtl der ballferne Außenstürmer in die Mitte und den AV mit. Nun haben wir die ideale Situation für einen dieser schönen langen Bälle die unsere IV´s so gut praktizieren, insbesondere Hummels da. Hier marschiert der AV nach vorne und findet Platz eine Flanke zu schlagen, oder unsere 6er anzuspielen. Diese „Defensivfluidität“ bei eigenem Ballbesitz ist sicher noch nicht so ausgereift und erst zaghaft zu erkennen. Doch ich denke, hier zeigt sich die Richtung des Fußballs, wie es zuvor schön beschrieben wurde. Vorerst in geordneten Bahnen, da ein Idealzustand von sich frei bewegenden Spielern die trotzdem genug Absicherung und Durchschlagskraft im Angriff haben, de facto noch nicht erreicht wurde. Hier bietet man ihnen Hilfestellung durch bestimmte Spielzüge und Laufwege, die das Ziel, die Verwirrung des Gegners zumindest in Teilen erreichen. (Apropos modern: Abkippende Sechser spielten diese Saison (was mir aufgefallen ist): Real Madrid, Bayern München, Bor. M´Gladbach, Wir, Barcelona und noch viele mehr…)
Nun zu den Problemen unserer Spieler in so manchen Spielen, wie unglaublich schlecht ausgespielten Kontern: Oben genanntes Raumdenken fordert die Spieler unglaublich. Dieses simple „Bezugssystem“ von Sacchi setzt ständige Konzentration voraus, deswegen hilft die Taktik des Trainers auch durch Spielzüge. Eben hier, sah ich das Problem und die jetzige Stärke des BVB (auch in der CL, bezogen aufs Problem): Die Spieler müssen sich stets im Raum orientieren, nur hat eine Kontermannschaft (wie wir letzte Saison) ganz andere Räume wie eine dominierende Mannschaft (wie wir diese Saison). Zudem muss man mit den Räumen auch anders umgehen: Als konterndes Team geht es schnell nach vorne, immer vertikal, so wenig horizontal wie möglich und dann der Abschluss. Als dominierendes Team müssen wir es erstmal schaffen in Überzahl zu sein, und die räume auch entsprechend zu nutzen. Hierbei MUSS man in einem vermeintlich unwichtigen Bereich Unterzahl riskieren, um im anderen Bereich überlegen zu sein. Hierbei dient das spiel gegen Mainz in der Rückrunde als gutes Beispiel: Mitte der 1. HZ standen unsere AV´s extrem hoch , lediglich die IV´s und Gündogan blieb hinten, es bildete sich eine Art 2-1 Stellung. Hier sah sich Gündogan stets 2 oder 3 pressenden Mainzern gegenüber. So konnten wir aber durch seine starke Passgenauigkeit angriffe in diesen Bereich initiieren, in dem wir dauerhaft große Überzahl besaßen. Als Bonbon gabs defensive Stabilität durch Luftzweikämpfe von Hummels und Subotic gegen Mo Zidan. Dieses riskante Spiel geht nur gut, wenn zB Gündogan so gut wie keinen Fehlpass spielt. Eben hier zeichnet sich der BVB besonders aus: Die Konsequenz. Wir sind beinahe brutal konsequent in unserer Spielweise, unsere Chancenauswertung dürfte das gerne werden. Alle verteidigen, alle greifen an. Was erstmal sinnvoll klingt, hat weitreichende Folgen: Schaltet sich bspw. Kehl mit in einen Angriff an, um für Flanken einen weiter kopfballstarken Abnehmer zu haben (siehe 1:0 von Shinji gegen Stuttgart in der RR), muss Gündogan das erkennen. Wenn jetzt die Flanke kommt und abgewehrt wird, müssen wir Gegenpressen können, sonst laufen wir in einen Konter. Eventuell reichen hier Sekundenbruchteile wo Gündogan „pennt“ eventuell hat der Gegner hier einen Spieler mehr „zocken“ lassen, (vorm Strafraum) und prompt läuft der Konter. Bei der Chancenauswertung unserer Gegner kassieren wir dann 3 Stück in Marseille und jeder spricht von einer Blamage. Eben dieses zuweilen riskante Spiel muss richtig getimt und funktioniert sein, dann ist es eine beinahe unschlagbare Waffe. Dieser Umgang mit Räumen muss auch bei Kontern stets anders funktionieren wie bei „normalem“ Ballbesitzspiel. Die Laufwege gehen wieder mehr in die Tiefe, eventuelles kreuzen. Wenn hier noch Ungeduld dazu kommt, sowie schlampig gespielte Pässe und die Angst des Gegners vor Kontern (mehr absicherung) spielen wir mitunter richtige Grottenkonter. Negativer höhepunkt in der Hinsicht der Konter gegen Stuttgart in der RR wo Hummels einen 4 gegen 2 Konter verbaselt (wobei das Spiel eh besonders war).
So, meine ersten Gedanken. Relativ wirr und unstrukturiert, sowie sicher unvollständig. Falls jemandem etwas ergänzendes einfällt, bin ich sehr froh, ich versuche jedoch noch ein paar Posts nachzuschieben.
Mfg,Dreiecksspiel
So zum Harlekin Post über Formationen sowie die Spielerei über mir:
Zu ersteinmal finde ich (wie man in meine Posts sicher erkennen kann) diese Bezeichnung in Systemen als extrem unspezifisch. Wie mittlerweile mmn. offensichtlich wird, unterscheiden sich ein 4-4-2, ein 4-4-1-1, ein 4-2-3-1, ein 4-3-3, ein 4-1-4-1, ein 4-2-1-3, ein 4-1-2-3 oder gar ein 4-1-2-2-1 wie ich es ab und an gelesen habe, so gering, dass man sie kaum auseinander halten kann. Wenn wir unser 4-4-2 Mittelfeldpressing-spielen und der Ball wandert zum AV des Gegners, schließt Kagawa den Passweg zum Sechser und Lewandowski zum nächsten Innenverteidiger. Jetzt befindet sich Kagawa hinter Lewandowski, ist das jetzt ein 4-4-1-1? Grundsätzlich sind die "Systeme" für die makrotaktischen Erklärungen sinnvoll benötigen jedoch einer genaueren Erklärung. Hier muss man meiner Meinung nach insbesondere auf die Spielertypen eingehen: Oft lese ich: Gustavo ein viel besserer 6er als Busquets! (nur als beispiel). Das es sich um komplett verschiedene Spielertypen handelt wird unterschlagen, weil Busquets auf dem Papier als defensivster erscheint, ist das für viele der 6er.
Nun zum Herrn Solbakken:
Ich habs jetzt mehrmals durchgelesen, vielleicht hab ich nen Blackout aber er sagt doch: In köln sollten die offensiven Flügelspieler dem AV helfen, in Dortmund machen das die Innenverteidiger. Wenn er das so meint wundere ich mich darüber, schließlich sind unsere beiden Flügelspieler stets für ihr konsequentes Defensivverhalten und das Doppen der gegnerischen Außen bekannt. Was aber wirklich interessant ist und auch der Grund für die Problematik in der CL war, geht mmn relativ tief und gerät ein bisschen ins theoretische (noch mehr als sonst!) und das trifft auch noch die Posts über die Fluidität von aktuellen Systemen. Deswegen packe ich das jetzt in einen größeren Text, hoffentlich kommen alle Gründe und Erkenntnisse einigermaßen strukturiert hervor:
Was ist Fußball? (Ja ich sagte doch, etwas sehr theoretisch). Die Autoren des Buches "Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann" finden darauf eine extrem knappe und präzise Antwort: Im modernen Fußball geht es nur noch darum, Überzahl herzustellen. Im Angriff wie in der Verteidigung, so kreiert man Spielzüge, so gewinnt man den Ball. Nehmen wir das und die Äußerungen jenes Arrigo Sacchi den MattesSammer schon zuvor zitierte: "In der Defensivphase hatten alle unsere Spiele vier Bezugspunkte: den Ball, den Raum, den Gegner und die eigenen Mitspieler". Gehen wir von einem ganzen Team aus, fällt der letzte Punkt weg. Ein Team orientiert sich also am Ball, dem Raum und dem Gegner. Dies erscheint ja durchaus sinnvoll und beschreibt das Phänomen "Überzahlsituationen" genauer: Wo brauche ich Überzahl? Wo ich den Ball gewinnen will, wo ich den Angriff des Gegners zum Stocken bringen will oder wo ich den eigenen Angriff zum Laufen bekommen will. Wo soll also die Überzahl geschaffen werden? Wo soll ein einzelner Spieler hinlaufen? Und das ist meiner Meinung nach das Hauptproblem von uns in der Hinrunde gewesen, in der CL und der Bundesliga: In der Defensive erscheint es ja noch relativ logisch, überzahl am besten vorm eigenen Tor, sodass man jegliche Abschlüsse verhindern kann. Nur dann spielen wir ohne Pressing, wie Chelsea gegen Bayern. Das dem Gegner zeitlassen erscheint aber nur bedingt sinnvoll (komme ich später drauf zurück). Also müssen die offensiven rausrücken und die Verteidiger auch, man muss in Ballnähe Überzahl bekommen, um eben jenen zu erobern. Dabei versucht der Gegner jedoch auch eben dieses Pressing und diese Überzahl zu umspielen, woraufhin man wieder wo anders Überzahl schaffen muss: Doch dieses "woanders" ist genau das Problem! Dieser Faktor hängt von Gegner, Tagesform, Spielstand, Fitnesszustand usw. ab, die Spieler bekommen jedoch eine grobe Orientierung, die Taktik. Das Problem dazu ist der Gegner. Offensichtlich wird das , wenn der Gegner eine große Anzahl von Leuten in die offensive aufrücken lässt, oder beispeilsweise anfängt die Offensiven "zocken" zu lassen. In einem eigentlich wichtigen Bereich gerät man in haushohe Überzahl, im anderen jedoch in Gleichzahl. Was tun also? Auch hier hilft der Trainer: Bestes Beispiel sei unser 5:1 in Hamburg, wo Klopp dieses "Pressingmonstrum" (Spielverlagerung.de) perfekt auf den Gegner eingestellt hat. Nun hat man also grob den modernen Fußball definiert, doch was hat das mit Borussia Dortmund zu tun? Auch in dieser Saison konnte man sehen: Wir spielen modernen Fußball: Ob abkippen der 6er, 3-er Kettenbildung man konnte vieles "Neues" bei uns bestaunen. Obige "Definition" von Fußball, wirkt sich aber auch auf diese groben Zahlenschemata aus. Ein 4-2-3-1 ist nicht ein 4-2-3-1 sonder eine grobe Anordnung die sich obigen 3 Punkten anpassen MUSS.
Anpassungen sind aber in allen hinsichten nötig. Wie MattesSammer bereits wunderbar erläutert hat, ist ebenjene Fluidität bei jeder "großen" Mannschaft zu finden. Interessant wird es jedoch, wenn man das bei unserer Borussia mal genauer unter die Lupe nimmt:
Kagawa und Lewandowski- das moderne Sturmduo; oder : Die Spiegelbilder der Saison
Fangen wir mit dem zweiten Teil der Überschrift an: Kagawa kam von einem Mittelfußbruch zurück, Lewandowski sollte aufgrund von Barrios Verletzung die ersten Spiele nacheinander ohne druck von hinten absolvieren können. Obwohl viele warnten, dass Shinji genausoviel Zeit zur kompletten Regeneration benötigen würde, wie die Verletzung dauerte, zauberte unser Sushi-Bomber in der Vorbereitung was das Zeug hielt. Jedoch sah man in der Hinrunde oft, lasche Abschlüsse und insbesondere manchen sinnlosen Sololauf. Bei Lewandowski blieb die Erwartung die ganze Saison durch schwierig: Er traf zu Beginn selten doch dann folgte die Befreiung gegen Augsburg. Insgesamt erstaunlich wieviel besser er wahrgenommen wurde, als er auch ab und an einfach mal aus 3 Metern ins halbleere Tor schiessen durfte ( 5:0 gegen Köln, 2 Buden die Selbstvertrauen geben jedoch kaum als Nachweis seiner Qualitäten dienen). Mit der Zeit lief es bei ihm auch besser doch auch er hatte Phasen von „Torflaute“ wo der Ruf nach einem Top-Torjäger (nur bei manchen) laut wurde, jedoch haben beide noch bestimmte Schwächen und genau wie der BVB als solche, Potential nach oben. (mag jetzt etwas wirr erscheinen, mir schien es nur irgendwie passend :p ).
Das moderne Sturmduo. Was ist denn an den beiden modern? Ein großgewachsener Zentrumsstürmer und einen um ihn herumspielenden wuseligen Dribbler ist wahrlich keine Erfindung des BVB. Interessant wird es jedoch wenn man den Aufgaben bereich der beiden abseits dieses Rahmens sieht. zuerst zu Shinji: In der Rückrunde meiner Meinung nach DER überragende Spieler unseres BVB. Technisch, im Abschluss, seine Pässe, seine Ballannahmen zuweilen klappte alles. Was macht ihn aber besonders? Seine Vielseitigkeit. Shinji nimmt immer verschiedene Rollen an, so spielte er gegen Wolfsburg und Bremen manchmal tief, lief den Raum vor unserer Abwehr an um mit Pässen und Dribblings unser Spiel mitzuprägen. Gegen gladbach zu Hause spielte er hauptsächlich als hängende Spitze, verschob viel auf die Flügel und ackerte vertikal insbesondere im Pressing und als Anspielstation im offensiven Mittelfeld. Sein Aktionsradius verschob sich also eher nach vorne.
Lewandowski bezeichne ich als kompletten Stürmer bzw. er besitzt die Anlagen dazu, das letzte fehlt ihm noch. Er glänzt stets als unglaublich physisch starker Wandstürmer, mit guten Pässen, einer sehr guten Technik und zuweilen mit starkem Abschluss. Sein Wirkungsbereich ist nicht der Strafraum, er rochiert hauptsächlich vertikal mit Kagawa, manchmal auch horizontal mit unseren beiden Flügelstürmern. Auf der anderen Seite verleiht er in manchen Spielen unserem Spiel eine große Tiefe, um den Gegner ausseinanderzuziehen, als Beispiel sei hier das DFB-Pokalfinale gegen Bayern zu sehen, z.B. die Szene vor dem 3:1. Hier holt sich Pische den Ball von Weidenfeller ab und durch Lewandowskis horizontalen Laufweg (er steht relativ hoch) reißt er die Bayerndeckung insbesondere deren defensives Mittelfeld auf. Das dabei die Innenverteidiger nicht so gut aussehen, trägt maßgeblich zum Tor bei, die Möglichkeit entsteht jedoch erst durch genau diese Wege. Dazu sei jedoch auch noch gesagt, dass er mich manchmal mit seinem Abschluss tierisch aufregt, doch das teilt er sich mit dem Rest des Teams. Man kann die Tore an der Hand abzählen, an denen (wie Perisic gegen Köln auswärts) unsere Offensivleute einfach mal den Kopf hochnehmen um zu schauen was der Torwart macht um dann in eine Ecke einzuschieben. Wie gegen Wolfsburg (erste chance) schließt Lewy auch so oft ab, dies ist jedoch ein Witz im Vergleich zu seinen umfassenden Stärken.
Nun zum spiel gegen den Ball: Wie harlekin bereits treffend formuliert hat, geht es heutzutage nicht um Systeme und starre Formationen. So gestaltet sich neben unserem Offensivspiel auch unser Defensivspiel, welches bei Lewandowski und Shinji beginnt. In unseren Mittelfeldpressing-Phasen spielen wir zu Beginn ein 4-4-2, wenn der Ball bei den gegnerischen IV´s ist. Wenn der Ball zu den AV´s wandert, deckt Shinji die gegnerischen Sechser ab. Soweit so gut, interessant ist, dass Shinji sich fallen lässt, wenn wir im ZM in Unter-oder Gleichzahl sind, da unsere Sechser zT stark auf die Seiten verschieben, würden wir Kompaktheit verlieren. Im Gegensatz zu Gladbach macht Lewy das kaum und wenn dann nur in „Notfällen“, da er wie oben beschrieben unter anderem für Tiefe sorgen soll, damit es uns nicht geht wie Gladbach am 32. Spieltag. Durch die tiefstehenden und mitarbeitenden Stürmer ist es gegen ein gutes Gegenpressing saumäßig schwer, beinahe unmöglich konstruktive Konter und Gegenangriffe zu initiieren.
Inwiefern stehen diese beiden nun für unsere Saison? Während der Beginn der Hinrunde völlig verkorkst war (bis aufs Hamburg Spiel) lief es bei ihnen wie bei uns nicht gut, ihr und unser wahres Potential konnte man dann in der Rückrunde bestaunen. Sowohl die Flexibilität als auch die taktische Cleverness der beiden, prägt unser Spiel maßgeblich, in der Offensive wie Defensive stehen diese überragenden Leistungen für unser Spiel und auch für den BVB sowie dessen Saison.
Um auf Harlekin zurückzukommen, bzw. MattesSammer: Die taktische Fluidität hat über die Jahre weiter zugenommen, insbesondere im offensiven Bereich. Ich erinnere nur mal an die Aussagen des Vorstoppers von England beim 6:3 gegen Ungarn 1963 in seiner Autobiografie:“Für mich lag die Tragödie in der totalen Hilflosigkeit…, darin, nichts an der schrecklichen Situation ändern zu können.“ Er spielte damals gegen Hidegkuti, welcher sich immer zurückfallen ließ (wie heut zB die False-nine), er würde also entweder ein Loch in der Verteidigung lassen oder Hidegkuti konnte schalten und walten wie er wollte. Hidegkuti traf 3 mal, die Schmach war perfekt. Natürlich ist diese Aussage stark von der damaligen Manndeckung beeinflusst, nur zeigen diese Aussagen sehr gut, was die Probleme einer verteidigenden Mannschaft sind, wenn sich einer oder mehrere Spieler in ständiger Bewegung finden. Übergeben, Räume zustellen, Pressen und das alles in Höchsttempo. Das möchte ich nicht näher beleuchten, MattesSammer hat dazu schon etwas passendes gesagt, vielleicht komme ich wann anders darauf zurück.
Interessant wird das ganze wenn man diese Fluidität auch eine „Reihe“ dahinter ausprobiert und übt, da die Offensivspieler in mittlerweile jedem Team rochieren und sich ständig über den gesamten Platz freilaufen (Tiefe und Breite). Hier komme ich jetzt zu unserer Borussia: Gegen Bremen, Augsburg und auch gegen Gladbach in der Rückrunde konnte man das große Phänomen dieser und unter anderem, auch letzter Saison sehen: Abkippende Sechser. Hierbei lassen sich die 6er hinter die aufrückenden AV´s fallen, um mehr Raum und Zeit am Ball zu haben. Nun muss der zugeteilte Gegenspieler rausrücken, um ihn zu pressen und ihm nicht zuviel Platz und insbesondere Raum zu lassen, da er dann präzise lange Bälle perfekt timen könnte sowie den Pass in die Tiefe nahezu ungestört suchen könnte. Manch einer wird erkennen, Sahin spielte letzte Saison auch ab und an diesen abkippenden Sechser um ungestört unser Offensiven mit Pässen zu versorgen. Spannend wird dies, wenn man es mit dem Zwischen die IV´s fallenden Sechser verbindet (wie es letzte Saison schon Barcelona spielte, diese Saison extrem zb der HSV oder Athletico Bilbao. Nun hat man 2 6er die sich frei um die Gegner herum bewegen und immer neue Aufgaben und Pressinglaufwege für die Gegenspieler erfordern. Wer viel neues oder verschiedenes macht mehr Fehler und wer weniger Fehler macht gewinnt, frei nach Johan Cruyff. Besonders spannend wird dass, wenn man die Pflichten der IV´s lockert. Vorerst in vorbestimmten Maßen, zB dass Hummels nach vorne dribbeln kann und sich ein Sechser zurückfallen lässt. Ich glaube es war gegen Bremen, da hatte sich Kehl hinter Pische begeben und bekam den Ball von Subotic. Als daraufhin er den Ball zurückprallen ließ und sich wieder richtung ZM begab, rückte Neven fast an die Außenlinie. Nun mag ein mancher sagen, toll was bringt uns das denn? Grundsätzlich ist dieses Aufrücken der IV´s auf den Flügel zusammen mit dem Verschieben des anderen IV nur die Herstellung von Überzahl. Der Gegner reagiert also, oder wir haben Platz für unser Spiel. Wenn er reagiert, zieht evtl der ballferne Außenstürmer in die Mitte und den AV mit. Nun haben wir die ideale Situation für einen dieser schönen langen Bälle die unsere IV´s so gut praktizieren, insbesondere Hummels da. Hier marschiert der AV nach vorne und findet Platz eine Flanke zu schlagen, oder unsere 6er anzuspielen. Diese „Defensivfluidität“ bei eigenem Ballbesitz ist sicher noch nicht so ausgereift und erst zaghaft zu erkennen. Doch ich denke, hier zeigt sich die Richtung des Fußballs, wie es zuvor schön beschrieben wurde. Vorerst in geordneten Bahnen, da ein Idealzustand von sich frei bewegenden Spielern die trotzdem genug Absicherung und Durchschlagskraft im Angriff haben, de facto noch nicht erreicht wurde. Hier bietet man ihnen Hilfestellung durch bestimmte Spielzüge und Laufwege, die das Ziel, die Verwirrung des Gegners zumindest in Teilen erreichen. (Apropos modern: Abkippende Sechser spielten diese Saison (was mir aufgefallen ist): Real Madrid, Bayern München, Bor. M´Gladbach, Wir, Barcelona und noch viele mehr…)
Nun zu den Problemen unserer Spieler in so manchen Spielen, wie unglaublich schlecht ausgespielten Kontern: Oben genanntes Raumdenken fordert die Spieler unglaublich. Dieses simple „Bezugssystem“ von Sacchi setzt ständige Konzentration voraus, deswegen hilft die Taktik des Trainers auch durch Spielzüge. Eben hier, sah ich das Problem und die jetzige Stärke des BVB (auch in der CL, bezogen aufs Problem): Die Spieler müssen sich stets im Raum orientieren, nur hat eine Kontermannschaft (wie wir letzte Saison) ganz andere Räume wie eine dominierende Mannschaft (wie wir diese Saison). Zudem muss man mit den Räumen auch anders umgehen: Als konterndes Team geht es schnell nach vorne, immer vertikal, so wenig horizontal wie möglich und dann der Abschluss. Als dominierendes Team müssen wir es erstmal schaffen in Überzahl zu sein, und die räume auch entsprechend zu nutzen. Hierbei MUSS man in einem vermeintlich unwichtigen Bereich Unterzahl riskieren, um im anderen Bereich überlegen zu sein. Hierbei dient das spiel gegen Mainz in der Rückrunde als gutes Beispiel: Mitte der 1. HZ standen unsere AV´s extrem hoch , lediglich die IV´s und Gündogan blieb hinten, es bildete sich eine Art 2-1 Stellung. Hier sah sich Gündogan stets 2 oder 3 pressenden Mainzern gegenüber. So konnten wir aber durch seine starke Passgenauigkeit angriffe in diesen Bereich initiieren, in dem wir dauerhaft große Überzahl besaßen. Als Bonbon gabs defensive Stabilität durch Luftzweikämpfe von Hummels und Subotic gegen Mo Zidan. Dieses riskante Spiel geht nur gut, wenn zB Gündogan so gut wie keinen Fehlpass spielt. Eben hier zeichnet sich der BVB besonders aus: Die Konsequenz. Wir sind beinahe brutal konsequent in unserer Spielweise, unsere Chancenauswertung dürfte das gerne werden. Alle verteidigen, alle greifen an. Was erstmal sinnvoll klingt, hat weitreichende Folgen: Schaltet sich bspw. Kehl mit in einen Angriff an, um für Flanken einen weiter kopfballstarken Abnehmer zu haben (siehe 1:0 von Shinji gegen Stuttgart in der RR), muss Gündogan das erkennen. Wenn jetzt die Flanke kommt und abgewehrt wird, müssen wir Gegenpressen können, sonst laufen wir in einen Konter. Eventuell reichen hier Sekundenbruchteile wo Gündogan „pennt“ eventuell hat der Gegner hier einen Spieler mehr „zocken“ lassen, (vorm Strafraum) und prompt läuft der Konter. Bei der Chancenauswertung unserer Gegner kassieren wir dann 3 Stück in Marseille und jeder spricht von einer Blamage. Eben dieses zuweilen riskante Spiel muss richtig getimt und funktioniert sein, dann ist es eine beinahe unschlagbare Waffe. Dieser Umgang mit Räumen muss auch bei Kontern stets anders funktionieren wie bei „normalem“ Ballbesitzspiel. Die Laufwege gehen wieder mehr in die Tiefe, eventuelles kreuzen. Wenn hier noch Ungeduld dazu kommt, sowie schlampig gespielte Pässe und die Angst des Gegners vor Kontern (mehr absicherung) spielen wir mitunter richtige Grottenkonter. Negativer höhepunkt in der Hinsicht der Konter gegen Stuttgart in der RR wo Hummels einen 4 gegen 2 Konter verbaselt (wobei das Spiel eh besonders war).
So, meine ersten Gedanken. Relativ wirr und unstrukturiert, sowie sicher unvollständig. Falls jemandem etwas ergänzendes einfällt, bin ich sehr froh, ich versuche jedoch noch ein paar Posts nachzuschieben.
Mfg,Dreiecksspiel
27.06.2012 - 18:56 Uhr
der thread ist viel zu schade, um auf hinteren seiten zuzustauben, deshalb hoch mit ihm!
in der kaderschmiede und anderen threads kam es ja in den vergangenen tagen/wochen immer häufiger zum thema "wer spielt anstelle kagawas zukünftig als 10er (ZOM/HS/false 10, oder wie auch immer man diese position hinter Lewy nennen möchte): reus oder götze (ich nehme zumindest an, dass bei klopp nur diese beiden namen in der verlosung sind)?
ich bin eigentlich ein fan davon, götze auf diese posi zu stellen, da ich mir erhoffe, dass er dort noch dominanter aufspielen kann. von den anlagen hat er eigentlich alles, was es dafür braucht. ballgefühl, -an und -mitnahme (genialer first touch), sowie sein gefühl für zeit, raum und mitspieler prädestinieren ihn eigentlich zu 100% für diese rolle.
vom spielertyp her ist er mir auch einem kagawa wesentlich ähnlicher, als es ein reus ist. mMn hat götze auf der 10 den vorteil, dass er mit seiner spielintelligenz, seinem fallenlassen und antreten, rocharden, doppel- und schnittstellenpässe, ein riesiger unruheherd ist, der, um vom gegner in den griff zu bekommen, verstärkt gedoppelt werden müsste (ich sehe in ihm immer so eine art mini-iniesta - ob er aber genug "stürmer" ist, um den kagawa 1:1 zu geben, vermag ich (noch) nicht so richtig einzuschätzen). diese dadurch auftretenden räume könnten abschlussspieler mit enormer dynamik wie reus und perisic, aber auch vorlagengeber wie kuba super nutzen und von piszu, gündogan oder besagtem götze super eingesetzt werden.
hier dürften mir wohl nahezu alle zustimmen. soweit so gut. das war das thema "spiel mit dem ball"...
was mich aber momentan so beschäftigt und grund für den post, ist eben, "das spiel gegen den ball":
dies ist der nukleus des bvb-erfolgs und gerade vor dem hinblick des 442s bzw. des 4411 in situationen gegnerischen spielaufbaus, erscheint es mir wiederum wesentlich besser reus den "kagawa" spielen zu lassen. er ist ein enrom starker pressingspieler, sehr flink und agil. kann ball und gegner super anlaufen und zu fehlern zwingen und durch die zentraloffensivere positionierung (im gegensatz zu einem der äußeren mittelfeldspieler in der sich bildenden 4er kette), käme er schnell zum abschluss (wenn ihm selber ein steal gelingt) oder aber er kann schnell und gradlinig per pass eingesetzt werden (wenn nicht er selber stealt sondern ein gegnerischer ballverlust durch mittelfeldpressing generiert wird).
diese überlegungen veranlassen mich zu folgenden fragen:
- wie seht ihr meinen post bis hierher?
- im spiel mit ball, eher götze als reus auf die 10?
- im spiel gegen den ball eher reus als götze als HS?
- oder geht gar beides? ist es möglich die aufgaben so zu verteilen, dass phasenabhängig (und das umschaltspiel - modern ausgeprägt - führt nun mal zu immer kürzer werdenden zeitabständen zwischen ballbesitz und verteidigung) geswitched wird (reus "deffensivdenkend" die position besetzt und götze "offensivdenkend" [von der begrifflichkeit nicht in die irre führen lassen; mir fällt es unheimlich schwer so zu posten, dass für lesende "dritte" präzise klar wird, was ich aussagen möchte]...
Ich versuche es mal mit hilfe des tools:
reus „defensivdenkend“ auf dieser position --> http://this11.com/boards/abCT5pvaf4.jpg
götze „offensivdenkend“ auf dieser position --> http://this11.com/boards/abCT5B8abB.jpg
(die pfeile sind mir jetzt nicht allzu gut gelungen, aber es sollte zur veranschaulichung ausreichen)
frage also nochmal:
ist es überhaupt praktizierbar, dass man in zeiten immer kürzerer spiel-mit-dem-ball- bzw. spiel-gegen-den-ball-zyklen in dem tempo, so häufig die aufgaben zwischen defensive und offensive grundlegend anders zwischen zwei akteuren aufteilt, so dass es zu einer konstanten spezialisierung kommt (reus gegen den ball auf die 10 / götze mit dem ball auf die 10)? oder wäre der gedankengang ineffizient, da beim „wege-gehen“, um die positionen spielsituationsbedingt einnehmen zu können, das spiel die gewünschte ordnung verliert?
in der kaderschmiede und anderen threads kam es ja in den vergangenen tagen/wochen immer häufiger zum thema "wer spielt anstelle kagawas zukünftig als 10er (ZOM/HS/false 10, oder wie auch immer man diese position hinter Lewy nennen möchte): reus oder götze (ich nehme zumindest an, dass bei klopp nur diese beiden namen in der verlosung sind)?
ich bin eigentlich ein fan davon, götze auf diese posi zu stellen, da ich mir erhoffe, dass er dort noch dominanter aufspielen kann. von den anlagen hat er eigentlich alles, was es dafür braucht. ballgefühl, -an und -mitnahme (genialer first touch), sowie sein gefühl für zeit, raum und mitspieler prädestinieren ihn eigentlich zu 100% für diese rolle.
vom spielertyp her ist er mir auch einem kagawa wesentlich ähnlicher, als es ein reus ist. mMn hat götze auf der 10 den vorteil, dass er mit seiner spielintelligenz, seinem fallenlassen und antreten, rocharden, doppel- und schnittstellenpässe, ein riesiger unruheherd ist, der, um vom gegner in den griff zu bekommen, verstärkt gedoppelt werden müsste (ich sehe in ihm immer so eine art mini-iniesta - ob er aber genug "stürmer" ist, um den kagawa 1:1 zu geben, vermag ich (noch) nicht so richtig einzuschätzen). diese dadurch auftretenden räume könnten abschlussspieler mit enormer dynamik wie reus und perisic, aber auch vorlagengeber wie kuba super nutzen und von piszu, gündogan oder besagtem götze super eingesetzt werden.
hier dürften mir wohl nahezu alle zustimmen. soweit so gut. das war das thema "spiel mit dem ball"...
was mich aber momentan so beschäftigt und grund für den post, ist eben, "das spiel gegen den ball":
dies ist der nukleus des bvb-erfolgs und gerade vor dem hinblick des 442s bzw. des 4411 in situationen gegnerischen spielaufbaus, erscheint es mir wiederum wesentlich besser reus den "kagawa" spielen zu lassen. er ist ein enrom starker pressingspieler, sehr flink und agil. kann ball und gegner super anlaufen und zu fehlern zwingen und durch die zentraloffensivere positionierung (im gegensatz zu einem der äußeren mittelfeldspieler in der sich bildenden 4er kette), käme er schnell zum abschluss (wenn ihm selber ein steal gelingt) oder aber er kann schnell und gradlinig per pass eingesetzt werden (wenn nicht er selber stealt sondern ein gegnerischer ballverlust durch mittelfeldpressing generiert wird).
diese überlegungen veranlassen mich zu folgenden fragen:
- wie seht ihr meinen post bis hierher?
- im spiel mit ball, eher götze als reus auf die 10?
- im spiel gegen den ball eher reus als götze als HS?
- oder geht gar beides? ist es möglich die aufgaben so zu verteilen, dass phasenabhängig (und das umschaltspiel - modern ausgeprägt - führt nun mal zu immer kürzer werdenden zeitabständen zwischen ballbesitz und verteidigung) geswitched wird (reus "deffensivdenkend" die position besetzt und götze "offensivdenkend" [von der begrifflichkeit nicht in die irre führen lassen; mir fällt es unheimlich schwer so zu posten, dass für lesende "dritte" präzise klar wird, was ich aussagen möchte]...
Ich versuche es mal mit hilfe des tools:
reus „defensivdenkend“ auf dieser position --> http://this11.com/boards/abCT5pvaf4.jpg
götze „offensivdenkend“ auf dieser position --> http://this11.com/boards/abCT5B8abB.jpg
(die pfeile sind mir jetzt nicht allzu gut gelungen, aber es sollte zur veranschaulichung ausreichen)
frage also nochmal:
ist es überhaupt praktizierbar, dass man in zeiten immer kürzerer spiel-mit-dem-ball- bzw. spiel-gegen-den-ball-zyklen in dem tempo, so häufig die aufgaben zwischen defensive und offensive grundlegend anders zwischen zwei akteuren aufteilt, so dass es zu einer konstanten spezialisierung kommt (reus gegen den ball auf die 10 / götze mit dem ball auf die 10)? oder wäre der gedankengang ineffizient, da beim „wege-gehen“, um die positionen spielsituationsbedingt einnehmen zu können, das spiel die gewünschte ordnung verliert?
28.06.2012 - 09:42 Uhr
Zitat von Box2Box_Playmaker:
vom spielertyp her ist er mir auch einem kagawa wesentlich ähnlicher, als es ein reus ist.
Also ich sehe das nicht ganz so wesentlich wie Du. Obwohl sich Götze und Reus recht deutlich voneinander trennen lassen, haben beide Attribute, die ein Kagawa in sich vereinte. Reus ist dabei eher die torgefährliche Hälfte Kagawas, während Götze die kreative Hälfte darstellt. Mit anderen Worten: Wenn Kagawa eine 9,5 war, ist Götze mehr 10er und Reus mehr 9er. Letzten Endes kommen beide Kagawa in bestimmten Bereichen sehr nah und haben auch gegenseitig Berührungspunkte. Ich kann mich daher nicht so deutlich wie Du darauf festlegen, wer ihm ähnlicher ist.
Zitat von Box2Box_Playmaker:
was mich aber momentan so beschäftigt und grund für den post, ist eben, "das spiel gegen den ball":
dies ist der nukleus des bvb-erfolgs und gerade vor dem hinblick des 442s bzw. des 4411 in situationen gegnerischen spielaufbaus, erscheint es mir wiederum wesentlich besser reus den "kagawa" spielen zu lassen. er ist ein enrom starker pressingspieler, sehr flink und agil. kann ball und gegner super anlaufen und zu fehlern zwingen und durch die zentraloffensivere positionierung (im gegensatz zu einem der äußeren mittelfeldspieler in der sich bildenden 4er kette), käme er schnell zum abschluss (wenn ihm selber ein steal gelingt) oder aber er kann schnell und gradlinig per pass eingesetzt werden (wenn nicht er selber stealt sondern ein gegnerischer ballverlust durch mittelfeldpressing generiert wird).
diese überlegungen veranlassen mich zu folgenden fragen:
- wie seht ihr meinen post bis hierher?
- im spiel mit ball, eher götze als reus auf die 10?
- im spiel gegen den ball eher reus als götze als HS?
Inhaltlich stimme ich Deinen Ausführungen absolut zu. Ich sehe Reus als Doppelspitze mit Lewy im verteidigenden 4-4-2 auch stärker. Du hast ja eigentlich schon all seine Stärken aufgezählt. Ergänzen könnte man höchstens noch (wobei Du es mit "gradlinig per pass eingesetzt werden" schon ansatzweise genannt hast), welch exzellenter Konterspieler er ist. Es ist daher sinnvoll, wenn er bei Ballgewinn in der eigenen Hälfte auf höchstmöglicher schematischer Position steht, um steil zu gehen. Mit Hummels, Gündogun & Co. haben wir auch die richtigen Spieler, um ihn letzten Endes entsprechend in Szene setzen zu können mit einem präzisen Ball in die Spitze.
Es fällt mir hingegen schwer abzuschätzen, wie er sich als 10er respektive 9,5er bei Ballbesitz im geordneten Angriffsspiel schlagen würde. Der größte Unterschied gegenüber Gladbach wird der fehlende Platz sein. Die Gegner werden wesentlich tiefer und gestaffelter stehen. Zwar bringt er durchaus die nötige Spielintelligenz, Technik, Beweglichkeit und Handlungsschnelligkeit sowohl physisch als auch psychisch mit, um auf dieser Position bestehen zu können. Aber man müsste einfach mal schauen, ob es funktioniert. Bei Götze mache ich mir da überhaupt keine Sorgen. Wie gesagt, Reus bringt die nötigen Anlagen mit, aber fraglich ist die Umsetzung.
Abgesehen davon könnten Reus und Götze ständig rochieren (auch mit den Linksaußen) und unsere offensive Dreierreihe zu einem ultrafluiden, zugriffsresistenten Gebilde machen, das der starren Positionsfixierung entsagt. Diese Vorstellung gefällt mir jedenfalls ;)
Zitat von Box2Box_Playmaker:
frage also nochmal:
ist es überhaupt praktizierbar, dass man in zeiten immer kürzerer spiel-mit-dem-ball- bzw. spiel-gegen-den-ball-zyklen in dem tempo, so häufig die aufgaben zwischen defensive und offensive grundlegend anders zwischen zwei akteuren aufteilt, so dass es zu einer konstanten spezialisierung kommt (reus gegen den ball auf die 10 / götze mit dem ball auf die 10)? oder wäre der gedankengang ineffizient, da beim „wege-gehen“, um die positionen spielsituationsbedingt einnehmen zu können, das spiel die gewünschte ordnung verliert?
Das habe ich mir auch schon überlegt und es wäre wohl ein möglicher Kompromiss. Etwas ähnliches meine ich bei Gladbach beobachtet zu haben als Herrmann verletzt war und Reus zeitweilig wieder über rechts gekommen ist. Dort hat dann auch Hanke rechts in der Viererkette verteidigt, während Reus in der Spitze agierte. Allerdings sehe ich auch diese Praktikabilitätsprobleme, wie Du sie schilderst. Bei uns sind sie erheblich größer als bei Gladbach, weil letztere bei Ballverlust tendenziell schnell hinter den Ball kommen und ein tiefes, kompaktes 4-4-2 formieren wollen, während wir ein ausgeprägtes Gegenpressing spielen, das naturgemäß zu Unordnung führt und perfekt einstudiert sein muss. Wenn Du dann in der 70 Minute schon fast auf dem Zahnfleisch kriechst und auch noch an Gegenpressingmechanismen und darauffolgende Positionswechsel denken musst, wird's kritisch. Aber gut möglich, dass unser Trainerteam auch das unter Kontrolle kriegen könnte.
vom spielertyp her ist er mir auch einem kagawa wesentlich ähnlicher, als es ein reus ist.
Also ich sehe das nicht ganz so wesentlich wie Du. Obwohl sich Götze und Reus recht deutlich voneinander trennen lassen, haben beide Attribute, die ein Kagawa in sich vereinte. Reus ist dabei eher die torgefährliche Hälfte Kagawas, während Götze die kreative Hälfte darstellt. Mit anderen Worten: Wenn Kagawa eine 9,5 war, ist Götze mehr 10er und Reus mehr 9er. Letzten Endes kommen beide Kagawa in bestimmten Bereichen sehr nah und haben auch gegenseitig Berührungspunkte. Ich kann mich daher nicht so deutlich wie Du darauf festlegen, wer ihm ähnlicher ist.
Zitat von Box2Box_Playmaker:
was mich aber momentan so beschäftigt und grund für den post, ist eben, "das spiel gegen den ball":
dies ist der nukleus des bvb-erfolgs und gerade vor dem hinblick des 442s bzw. des 4411 in situationen gegnerischen spielaufbaus, erscheint es mir wiederum wesentlich besser reus den "kagawa" spielen zu lassen. er ist ein enrom starker pressingspieler, sehr flink und agil. kann ball und gegner super anlaufen und zu fehlern zwingen und durch die zentraloffensivere positionierung (im gegensatz zu einem der äußeren mittelfeldspieler in der sich bildenden 4er kette), käme er schnell zum abschluss (wenn ihm selber ein steal gelingt) oder aber er kann schnell und gradlinig per pass eingesetzt werden (wenn nicht er selber stealt sondern ein gegnerischer ballverlust durch mittelfeldpressing generiert wird).
diese überlegungen veranlassen mich zu folgenden fragen:
- wie seht ihr meinen post bis hierher?
- im spiel mit ball, eher götze als reus auf die 10?
- im spiel gegen den ball eher reus als götze als HS?
Inhaltlich stimme ich Deinen Ausführungen absolut zu. Ich sehe Reus als Doppelspitze mit Lewy im verteidigenden 4-4-2 auch stärker. Du hast ja eigentlich schon all seine Stärken aufgezählt. Ergänzen könnte man höchstens noch (wobei Du es mit "gradlinig per pass eingesetzt werden" schon ansatzweise genannt hast), welch exzellenter Konterspieler er ist. Es ist daher sinnvoll, wenn er bei Ballgewinn in der eigenen Hälfte auf höchstmöglicher schematischer Position steht, um steil zu gehen. Mit Hummels, Gündogun & Co. haben wir auch die richtigen Spieler, um ihn letzten Endes entsprechend in Szene setzen zu können mit einem präzisen Ball in die Spitze.
Es fällt mir hingegen schwer abzuschätzen, wie er sich als 10er respektive 9,5er bei Ballbesitz im geordneten Angriffsspiel schlagen würde. Der größte Unterschied gegenüber Gladbach wird der fehlende Platz sein. Die Gegner werden wesentlich tiefer und gestaffelter stehen. Zwar bringt er durchaus die nötige Spielintelligenz, Technik, Beweglichkeit und Handlungsschnelligkeit sowohl physisch als auch psychisch mit, um auf dieser Position bestehen zu können. Aber man müsste einfach mal schauen, ob es funktioniert. Bei Götze mache ich mir da überhaupt keine Sorgen. Wie gesagt, Reus bringt die nötigen Anlagen mit, aber fraglich ist die Umsetzung.
Abgesehen davon könnten Reus und Götze ständig rochieren (auch mit den Linksaußen) und unsere offensive Dreierreihe zu einem ultrafluiden, zugriffsresistenten Gebilde machen, das der starren Positionsfixierung entsagt. Diese Vorstellung gefällt mir jedenfalls ;)
Zitat von Box2Box_Playmaker:
frage also nochmal:
ist es überhaupt praktizierbar, dass man in zeiten immer kürzerer spiel-mit-dem-ball- bzw. spiel-gegen-den-ball-zyklen in dem tempo, so häufig die aufgaben zwischen defensive und offensive grundlegend anders zwischen zwei akteuren aufteilt, so dass es zu einer konstanten spezialisierung kommt (reus gegen den ball auf die 10 / götze mit dem ball auf die 10)? oder wäre der gedankengang ineffizient, da beim „wege-gehen“, um die positionen spielsituationsbedingt einnehmen zu können, das spiel die gewünschte ordnung verliert?
Das habe ich mir auch schon überlegt und es wäre wohl ein möglicher Kompromiss. Etwas ähnliches meine ich bei Gladbach beobachtet zu haben als Herrmann verletzt war und Reus zeitweilig wieder über rechts gekommen ist. Dort hat dann auch Hanke rechts in der Viererkette verteidigt, während Reus in der Spitze agierte. Allerdings sehe ich auch diese Praktikabilitätsprobleme, wie Du sie schilderst. Bei uns sind sie erheblich größer als bei Gladbach, weil letztere bei Ballverlust tendenziell schnell hinter den Ball kommen und ein tiefes, kompaktes 4-4-2 formieren wollen, während wir ein ausgeprägtes Gegenpressing spielen, das naturgemäß zu Unordnung führt und perfekt einstudiert sein muss. Wenn Du dann in der 70 Minute schon fast auf dem Zahnfleisch kriechst und auch noch an Gegenpressingmechanismen und darauffolgende Positionswechsel denken musst, wird's kritisch. Aber gut möglich, dass unser Trainerteam auch das unter Kontrolle kriegen könnte.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von themiNo am 28.06.2012 um 09:46 Uhr bearbeitet
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