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Untere Klassen

22.06.2011 - 16:19 Uhr
Untere Klassen |#951
27.10.2012 - 15:05 Uhr
Zitat von Paul-K2:
ein Retter steht doch angeblich bereit


Die Frage wird sein für wie lange? Die Probleme sind schon fast chronisch. Ohne den Wiederaufstieg sehe ich da für die nächsten Jahre schwarz.
Untere Klassen |#952
27.10.2012 - 15:13 Uhr
Zitat von Cookie_Monster:
Zitat von Paul-K2:
ein Retter steht doch angeblich bereit


Die Frage wird sein für wie lange? Die Probleme sind schon fast chronisch. Ohne den Wiederaufstieg sehe ich da für die nächsten Jahre schwarz.


Bevor man so 'n Traditonsverein vor die Hunde gehen läßt muß schon viel passieren.

•     •     •

Ohne Wein und Weiber holt der Teufel unsre Leiber.
Untere Klassen |#953
27.10.2012 - 17:31 Uhr
Nserekos Vertrag wurde schon vor ein paar Wochen aufgelöst.

http://www.bild.de/sport/fussball/savio-nsereko/in-thailand-festgenommen-26909610.bild.html
Untere Klassen |#954
29.10.2012 - 19:29 Uhr
In Aachen wird wohl der Clubpräsident die Schulden vorläufig übernehmen. Nach seinem Privatvermögen von etwa 300 Mio Euro zu urteilen, weiß der jetzt auch nicht unbedingt, wo im Arbeitsamt die Toiletten sind.

Dazu einige bewusst polemische Anmerkungen, die mal die Standardargumentation ein bisschen aufgabeln sollen:
"Man muss die Schulden am Umsatz messen. Insofern sind die Schulden Aachens nicht als wirtschaftlich problematisch anzusehen". Logisch. Der Aachener Präsident, der eine Schuldensumme von mehreren Millionen; die Stadt Aachen, die noch dieses Jahr 18Mio Euro in den Verein gesteckt haben: Sie beurteilen die Schulden am Umsatz, denn im Grunde waren die wirtschaftlichen Aussichten des damaligen Zweitliga und jetzigen Drittligavereins glänzend: Trotz eines Etats jenseits der 7 Mio., trotz guten Standings in der Fernsehgeldtabelle und ganz ohne die Streits und Odonkors hat man es dort in die Miesen geschafft. Dass es letztlich 18Mio Euro Miese sind, erklärt sich allein durch den schlechten Zuschauerschnitt. Man hatte in Aachen vermutlich mit etwas über 95000 Zuschauern gerechnet. Was sind 20 Mio Euro? Man wird doch davon ausgehen, dass Aachen diese Millionen zu Lebzeiten meiner Urenkel wieder erwirtschaftet. Da bekommt jeder noch so dumpfe Geschäftsmann rote Ohren.
Und welch ein Unglück. Die Aachener erhalten früh den monatlichen Kontoauszug, auf dem im Oktober auf einmal bis zu 4Mio Euro fehlen. So ganz plötzlich. Auch logisch. Hamse vergessen die Pfandflaschen wegzubringen, nehm ich mal an. Problem gelöst? Na, nicht ganz. Der Präsident rät zum vier Augen Gespräch. Weil die Sachlage heikel ist, wählt man einen Ort, dessen Klang schon von der Abstinzenz weltlicher Verführungen zeugt - auf dass sich alle auf die Sache konzentrieren: Mallorca. "Na! Es gibt ja nicht nur den Ballermann dort!". Gewiss.

"Und die Steuern? Alemannia Aachen erwirtschaftet ein Vielfaches an dem Steuervolumen, was man da reinbuttert. Die Stadt Aachen gewinnt in jedem Falle. Wenigstens die 18Mio sind doch gut angelegt". Auch logisch. Fans und Sponsoren würden das Geld andernfalls vermutlich verbrennen. Steuern, die anfallen, wenn man dieselbe Menge Geld verteilt, in dem sich einige das Auto reparieren lassen, andere sich Fernseher, Waschmaschinen oder Bücher kaufen, sind in jedem Fall nicht zu betrachten.

Fair ist, wenn alle Vereine nach denselben Kriterien bewertet werden. Selbst wenn es bedeutet, einen Verein, der in fünf Jahren von der Infrastruktur eines heutigen Landesligisten zu einem Großklub aufsteigen muss, mit einem Verein zu vergleichen, dessen Infrastruktur seit 50 Jahren professionell ausgebaut wurde. Fair ist, wenn solch ein Verein mit dem Mitteln eines Kreisligisten versuchen Stars an sich zu binden. Dynamo hätte ja auch Yeboah, Binz und Labbadia, Berthold und Klinsmann holen können. An denen war man auch dran, aber zwei kostenlose Portas-Treppenliftinstallationen waren schlicht zu wenig. Da hat nur der Klinsmann kurz überlegt, aber seinen Extrawunsch nach einem Buddah wurde mit einem Streichfett verwechselt. Dynamo hatte dieselbe Chance wie auch alle anderen Vereine. Aber nach 40 Jahren Sozialismus hat sich eben keiner der vielen tausend DDR-Millionäre bereit gefunden, die Schulden des Vereins zu tilgen. Der Lizenzentzug folgerichtig.
In Aachen wirtschaftet man schlecht. Zwar anders schlecht als damals in Dresden, nämlich ein besseres schlecht, vertrauenswürdiger schlecht aber immerhin schlecht. Der Verein darf auf Hilfe eines Millionärs hoffen. Dynamo hoffte auf den Zwegat: "Elf Mann, die alle dasselbe machen. Muss das wirklich sein?!"

Was wirklich daraus zu ziehen ist, ist aber beängstigend: Duisburg, Aachen, Bielefeld, Bochum auch 1860. Du kannst lange Zeit alles richtig machen, immer oben mitspielen, Talente hervorbringen. Ein beschissenes Jahr und du bist erledigt.
Untere Klassen |#955
30.10.2012 - 15:32 Uhr
Zitat von DD-Baden:

[...] muss ich doch etwas Inhalt in den Dunst werfen: [...]


Baden, schon klar. Mein Ziel war keine lückenlose, in sich konsistente Argumentation. Was ich sagen will, ist, dass es für einen Zweit- oder Drittligisten, ja gewöhnlich sogar für einen Erstligisten keinen wirtschaftlichen Grund für eine Rettung gibt. Ich hatte übrigens insgeheim gehofft, dass noch andere in die Diskussion einsteigen (daher die doch etwas streitbare Wortwahl), aber es scheinen gerade andere Dinge im Vordergrund zu stehen.

Es gibt politische Gründe, die dann in jedem Falle zweifelhaft sind, weil nicht der wirtschaftliche sondern der persönliche oder parteibezogene politische Erfolg im Vordergrund steht.
Es gibt persönliche Gründe, die man bei einer Mehrzahl von Mitbürgern nicht vorfindet.

Im Übrigen ist es völlig klar, dass man einen Verein, der mit 18 Mio Euro bezuschusst wird, bessere Kreditkonditionen erwarten kann. Das gilt immer. Es ist auch unerheblich wofür dieser Posten steht - ob nun Stadionkosten oder Naturdung.
Ist diese Bezuschussung aus Sicht des Gläubigers rational? Ich meine, sie ist es nicht. Läuft alles normal bekommt die Stadt diese 18Mio nicht zurück.

Ich kann verstehen, dass man als Anhänger des Vereins versuchen will, die Rettung zu begründen. Gelingt das, darf man hoffen, dass diese Sichtweise objektiv impliziert werden kann und vor der allgemeinen öffentlichen Meinungsschwankung gefeit ist.

Weder Rostock noch Aachen sollen meiner Meinung nach vor die Hunde gehen. Aber nicht weil sich eine Rettung rentiert, das tut sie nämlich nicht, sondern weil diese Vereine fetzen.
Untere Klassen |#956
30.10.2012 - 16:07 Uhr
Zitat von Abbelgorn:
Weder Rostock noch Aachen sollen meiner Meinung nach vor die Hunde gehen. Aber nicht weil sich eine Rettung rentiert, das tut sie nämlich nicht, sondern weil diese Vereine fetzen.

Kitas und Krankenhäuser rentieren sich auch nicht. Trotzdem "fetzen" sie auf Ihre eigene Weise. Der Langzeitnutzen ist wohl ebenfalls unbestritten. Nun sollte das Geld nicht lieber ins Soziale/Schuldentilgung fließen? In meinen Alu-Augen sollten die Mitglieder dafür da sein, dass so ein Hafer nicht passiert. Den Karren voll gegen den Baum semmeln und dann nach der öffentlichen Hand schreien. Mitglied nur der Karten wegen und ja keine Pflichten wahrnehmen, dann muss ich mich auch nicht wundern, wenn der BWL-Heini Mist baut.
Untere Klassen |#957
30.10.2012 - 16:15 Uhr
Geh ich absolut mit, Alu. Man kann sehen, wie angreifbar eine persönliche Meinung zu einem Verein ist, wenn alleinig an dieser die Rettung des Vereins anhand öffentlicher Gelder festmachen sollte. Sie ist eben nicht ohne Weiteres abstrahierbar und auf andere Bereiche anwendbar (oder gerade - und dann sieht man wie schnell man Schiffbruch leidet).

Was also bleibt übrig, wenn es nicht die Fans selbst sind, die dafür aufkommen und für die es zudem noch rational ist, nicht zu zahlen (aber so zu tun), wenn der eigene Beitrag unerheblich gering ist?

Leider fahr ich gleich zu den Hannis, sonst wären es ein paar Zeilen mehr.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Abbelbeebe am 30.10.2012 um 16:20 Uhr bearbeitet
Untere Klassen |#958
30.10.2012 - 17:09 Uhr
Klar kann auf der einen Sejte das Geld woanders besser gebraucht werden. Auf der anderen Seite hat die Stadt allerdings das Problemeines leerstehenden Stadions, sowie der eventuelle Verlust aller Schulden am Verein bei einer Insolvenz.
Daher ist die Stadt Aachen dazu genötigt zuverhindern, dass der Verein ganz abstürzt.
Untere Klassen |#959
30.10.2012 - 17:18 Uhr
Zitat von Cookie_Monster:
Klar kann auf der einen Sejte das Geld woanders besser gebraucht werden. Auf der anderen Seite hat die Stadt allerdings das Problemeines leerstehenden Stadions, sowie der eventuelle Verlust aller Schulden am Verein bei einer Insolvenz.
Daher ist die Stadt Aachen dazu genötigt zuverhindern, dass der Verein ganz abstürzt.


Und ausbleibende Steuern.

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Du siehst gut aus. Heute schon gekotzt?
Untere Klassen |#960
30.10.2012 - 17:27 Uhr
Zitat von Lucavi:
Zitat von Cookie_Monster:
Klar kann auf der einen Sejte das Geld woanders besser gebraucht werden. Auf der anderen Seite hat die Stadt allerdings das Problemeines leerstehenden Stadions, sowie der eventuelle Verlust aller Schulden am Verein bei einer Insolvenz.
Daher ist die Stadt Aachen dazu genötigt zuverhindern, dass der Verein ganz abstürzt.


Und ausbleibende Steuern.


Wobei eine Kommune i.d.R. Ausgaben nicht von einem Festgeldkonto abhebt, sondern Kredite aufnimmt, sich also dafür selbst verschuldet und Zinsen zahlt. Mehrausgaben entsprechen also entweder erhöhter Neuverschuldung oder werden durch Kürzungen in anderen Bereichen ausgeglichen. In beiden Fällen müsste man abwägen, welche Entscheidung ein besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweist. Aber dies unterstellt, dass politische Akteure ökonomisch rational handeln, was Abbel oben ja bereits zurecht angezweifelt hat.
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