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Peter Bosz
Geburtsdatum 21.11.1963
Alter 62
Nat. Niederlande  Niederlande
Funktion Trainer
Akt. Verein PSV Eindhoven

Peter Bosz [Trainer]

06.06.2017 - 13:06 Uhr
Peter Bosz [Trainer] |#1651
27.08.2017 - 11:35 Uhr
Zitat von Spike09



Ich teile deine Meinung, habe aber auch gewisses Verständnis für kritische Stimmen gegenüber Tuchel. Ich mochte Tuchel eigentlich immer und war von seiner Leistung meist angetan. Egal ob Umbruch, Anschlag oder der Gewinn des Pokals, hier sollte man schon lobende Worte finden. Dennoch hat der Taktiknerd auch immer wieder Fehlentscheidungen getroffen und diese oftmals zur Halbzeit korrigieren müssen, wir haben zwar überwiegend erfolgreich gespielt, aber manche Spiele waren pure Langeweile. Ideenlosigkeit, Geschiebe und hoffen, dass Auba, Dembele oder Reus durch individuelle Klasse den Unterschied machen.

Das betrifft aber (und an dieser Stelle finde ich die Bewertung Tuchels geringfügig unfair), vorwiegend auf die zweite Tuchel-Saison zu. Etwas exotischetaktische Ideen und Wechsel hat es unter Tuchel zwar immer gegeben, wenn man aber die Zeitspanne, in der Tuchel hier Trainer war als ganzes nimmt, relativiert sich das doch etwas, denn die erste Saison war alles andere als ideenloses Geschiebe, jedenfalls von meinem Standpunkt aus.
In der letzten Saison kamen damit, dass der Abwehrchef und die zwei kreativen Stützen des Teams gleichzeitig abgingen, die Nachfolger aber erst zeitversetzt (Bartra) oder über die ganze Saison gar nicht (Schürrle, Götze) in Erscheinung treten konnten und man zudem verletzungstechnisch die Seuche am Schlappen hatte einfach Unwägbarkeiten hinzu, für die man den Trainer nicht verantwortlich machen kann.
Nun, wenn man keine 2 Wochen am Stück mit der selben Mannschaft trainieren oder spielen kann, weil sich die Zusammensetzung von einsatzfähigem Kader und Lazarett wöchentlich und mitunter schwerwiegend ändern, sind personelle und damit auch systematische Diskontinuitäten, die zwangsläufig dazu führen müssen, dass auf dem Platz mehr oder minder alles Stückwerk ist, an der Tagesordnung.
Ob man mit Tuchel zum jetztigen, frühen Zeitpunkt der Saison ähnlich darstünde, wie jetzt muss Spekulation bleiben und ist daher nicht sinnvoll zu erwägen, was Tuchel mit einem intakten Kader anzustellen wusste, hat er indes in seiner ersten Saison hier bewiesen, so dass man seine sportlichen Fähigkeiten sicher nicht kleinreden braucht, wie das einige hier tun, für die gegebene Rahmensituation war das vollkommen in Ordnung und ist ja von Watzke und Zorc auch so anerkannt worden, was es angesichts des Stresses, den es intern gegeben haben muss, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht würde, wäre man damit nicht vollauf zufrieden gewesen.

Ohne Bosz die bisher (wobei es natürlich noch 8-10 Liga-Spieltage zu früh ist, für ein vernünftiges Zwischenresumeé) geleistete Arbeit absprechen zu wollen, die ich auch meinerseits bis dato sehr wohlwollend betrachte, sollte es doch möglich sein, Tuchels sportliche Leistung anzuerkennen (seine Verfehlungen neben dem Platz stehen auf einem anderen Blatt) und ebenso die Rahmenbedingungen, unter denen diese geleistet wurden.
Das scheint hier in letzter Zeit vielen abzugehen, auch finde ich es irritierend, wenn nach den Entwicklungen des Sommers zu diesem Zeitpunkt noch mit Begriffen wie "Tucheljünger" um sich geworfen wird.
Das mag im April-Mai die Position einer bestimmten Fraktion innerhalb des Fanlagers einigermaßen treffend umschrieben haben, aber die Verlautbarungen nach der Entlassung Tuchels waren wohl doch dazu geeignet eben diesem Standpunkt weitgehend den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Gefolge dessen verteidigt wohl kaum noch jemand Tuchels damalige Position auf und außerhalb des Platzes vollumfänglich, so dass dieser Begriff meiner Ansicht nach unangebracht ist.
Bleiben die sportlichen Belange und bis zum Ende der letzten Saison (man sieht, der Fußball ist verdammt schnellebig) haben selbst die Tuchel-Skeptiker in der Mehrheit seinen sportlichen Wert für den Verein durchweg anerkannt. Das, wenn man einen erfolgreichen Trainer, aus anderen, nachvollziehbaren Gründen entlässt und anschließend einen eher unbekannten Kopf als Nachfolger Präsentiert erstmal eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der sportlichen Belange und ein gewisses, negatives Ressentiment gegenüber dieser Entscheidung entsteht, ist doch nur zu natürlich, zumal die Vorbereitung ja auch etwas rumpelig war (was sie meistens ist, aber ohne Trainerwechsel, gibt man da natürlich auch deutlich weniger darauf).
Ohne den Schwarzmahler spielen zu wollen (ich halte unter den Bedingungen dieser Saison, mindestens, wenn man nun noch einen einigermaßen passenden Ersatz für Dembélé an Land ziehen kann Platz 2 für eine relativ sichere Angelegenheit und einen Angriff auf die Bayern zummindest für gut möglich) wird mir das System Bosz auch etwas voreilig in den Himmel gelobt.
Man hat im Supercup angedeutet, dass man auch weiterhin mit nominell stärkeren Gegnern durchaus auf Augenhöhe aggieren kann, die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal souverän gelöst, in den ersten beiden Spielen Wolfsburg und Berlin geschlagen.
Daran gibt es erstmal nichts auszusetzen, wie die Siege gegen Wolfsburg und Berlin letztlich zu bewerten sind, wird sich Anhand der Leistung der beiden Teams über die Saison aber erst noch weisen müssen. Die Hertha war in der letzten Saison zwar stark, wenn man ehrlich ist, aber doch etwas über den eigentlichen Möglichkeiten des Kaders, Wolfsburg in der letzten Runde sicherlich stark darunter. Ich persönlich gehen davon aus, dass beide Teams, so leistungsmäßig auf Normallevel irgendwo im gesicherten Mittelfeld landen und in der Lage sind um den EL-Einzug mitzuspielen.
Auch wenn das etwas hochnäsig klingen mag, aber Teams die um die Plätze 6-10 mitspielen sollte, sollten für eine Mannschaft, deren eigentlicher Anspruch mindestens Platz 3 aufwärts, eigentlich aber mindestens Platz zwei sein muss kein allzugroßes Problem darstellen.
Dabei will ich nicht Boszs Leitung als Trainer schmählern, die ist noch gar nicht völlig abzusehen und bislang sind alle relevanten Aufgaben (den Suercup zähle ich nicht dazu und selbst da hatte man letztlich einfach Pech, kurz vor Abpfiff noch so ein dämliches Ding eingeschenkt zu bekommen) souverän gelöst worden.
Aber wegen zwei Siegen in der BL gegen Teams, die mehr was mit der EL-Qualifikation zu tun haben sollten, auch wenn sie schön anzusehen waren gleich wer weiß welches Loblied auf Bosz anzustimmen und Tuchel in Grund und Boden zu reden entbehrt für mich stand jetzt (im Bezug auf die sportliche Bewertung Tuchels auch zukünftig) einer soliden Grundlage. Damit kann man anfangen, wenn man nach 10-12 Spieltagen immernoch Tabellenführer oder in Schlagdistanz zu selbigem ist und/oder gegen Schalke und Leverkusen bzw. die übrigen Kaliber aus der Kategorie "mindestens EL-Quali, idealer Weise CL-Quali" ähnlich dominant auftritt.

Mit Bosz selbst bin ich bislang vollauf zufrieden
Peter Bosz [Trainer] |#1652
27.08.2017 - 12:10 Uhr
Zitat von Pfostenkracher
Zitat von Spike09

Ich teile deine Meinung, habe aber auch gewisses Verständnis für kritische Stimmen gegenüber Tuchel. Ich mochte Tuchel eigentlich immer und war von seiner Leistung meist angetan. Egal ob Umbruch, Anschlag oder der Gewinn des Pokals, hier sollte man schon lobende Worte finden. Dennoch hat der Taktiknerd auch immer wieder Fehlentscheidungen getroffen und diese oftmals zur Halbzeit korrigieren müssen, wir haben zwar überwiegend erfolgreich gespielt, aber manche Spiele waren pure Langeweile. Ideenlosigkeit, Geschiebe und hoffen, dass Auba, Dembele oder Reus durch individuelle Klasse den Unterschied machen.

Das betrifft aber (und an dieser Stelle finde ich die Bewertung Tuchels geringfügig unfair), vorwiegend auf die zweite Tuchel-Saison zu. Etwas exotischetaktische Ideen und Wechsel hat es unter Tuchel zwar immer gegeben, wenn man aber die Zeitspanne, in der Tuchel hier Trainer war als ganzes nimmt, relativiert sich das doch etwas, denn die erste Saison war alles andere als ideenloses Geschiebe, jedenfalls von meinem Standpunkt aus.
In der letzten Saison kamen damit, dass der Abwehrchef und die zwei kreativen Stützen des Teams gleichzeitig abgingen, die Nachfolger aber erst zeitversetzt (Bartra) oder über die ganze Saison gar nicht (Schürrle, Götze) in Erscheinung treten konnten und man zudem verletzungstechnisch die Seuche am Schlappen hatte einfach Unwägbarkeiten hinzu, für die man den Trainer nicht verantwortlich machen kann.
Nun, wenn man keine 2 Wochen am Stück mit der selben Mannschaft trainieren oder spielen kann, weil sich die Zusammensetzung von einsatzfähigem Kader und Lazarett wöchentlich und mitunter schwerwiegend ändern, sind personelle und damit auch systematische Diskontinuitäten, die zwangsläufig dazu führen müssen, dass auf dem Platz mehr oder minder alles Stückwerk ist, an der Tagesordnung.
Ob man mit Tuchel zum jetztigen, frühen Zeitpunkt der Saison ähnlich darstünde, wie jetzt muss Spekulation bleiben und ist daher nicht sinnvoll zu erwägen, was Tuchel mit einem intakten Kader anzustellen wusste, hat er indes in seiner ersten Saison hier bewiesen, so dass man seine sportlichen Fähigkeiten sicher nicht kleinreden braucht, wie das einige hier tun, für die gegebene Rahmensituation war das vollkommen in Ordnung und ist ja von Watzke und Zorc auch so anerkannt worden, was es angesichts des Stresses, den es intern gegeben haben muss, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht würde, wäre man damit nicht vollauf zufrieden gewesen.

Ohne Bosz die bisher (wobei es natürlich noch 8-10 Liga-Spieltage zu früh ist, für ein vernünftiges Zwischenresumeé) geleistete Arbeit absprechen zu wollen, die ich auch meinerseits bis dato sehr wohlwollend betrachte, sollte es doch möglich sein, Tuchels sportliche Leistung anzuerkennen (seine Verfehlungen neben dem Platz stehen auf einem anderen Blatt) und ebenso die Rahmenbedingungen, unter denen diese geleistet wurden.
Das scheint hier in letzter Zeit vielen abzugehen, auch finde ich es irritierend, wenn nach den Entwicklungen des Sommers zu diesem Zeitpunkt noch mit Begriffen wie "Tucheljünger" um sich geworfen wird.
Das mag im April-Mai die Position einer bestimmten Fraktion innerhalb des Fanlagers einigermaßen treffend umschrieben haben, aber die Verlautbarungen nach der Entlassung Tuchels waren wohl doch dazu geeignet eben diesem Standpunkt weitgehend den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Gefolge dessen verteidigt wohl kaum noch jemand Tuchels damalige Position auf und außerhalb des Platzes vollumfänglich, so dass dieser Begriff meiner Ansicht nach unangebracht ist.
Bleiben die sportlichen Belange und bis zum Ende der letzten Saison (man sieht, der Fußball ist verdammt schnellebig) haben selbst die Tuchel-Skeptiker in der Mehrheit seinen sportlichen Wert für den Verein durchweg anerkannt. Das, wenn man einen erfolgreichen Trainer, aus anderen, nachvollziehbaren Gründen entlässt und anschließend einen eher unbekannten Kopf als Nachfolger Präsentiert erstmal eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der sportlichen Belange und ein gewisses, negatives Ressentiment gegenüber dieser Entscheidung entsteht, ist doch nur zu natürlich, zumal die Vorbereitung ja auch etwas rumpelig war (was sie meistens ist, aber ohne Trainerwechsel, gibt man da natürlich auch deutlich weniger darauf).
Ohne den Schwarzmahler spielen zu wollen (ich halte unter den Bedingungen dieser Saison, mindestens, wenn man nun noch einen einigermaßen passenden Ersatz für Dembélé an Land ziehen kann Platz 2 für eine relativ sichere Angelegenheit und einen Angriff auf die Bayern zummindest für gut möglich) wird mir das System Bosz auch etwas voreilig in den Himmel gelobt.
Man hat im Supercup angedeutet, dass man auch weiterhin mit nominell stärkeren Gegnern durchaus auf Augenhöhe aggieren kann, die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal souverän gelöst, in den ersten beiden Spielen Wolfsburg und Berlin geschlagen.
Daran gibt es erstmal nichts auszusetzen, wie die Siege gegen Wolfsburg und Berlin letztlich zu bewerten sind, wird sich Anhand der Leistung der beiden Teams über die Saison aber erst noch weisen müssen. Die Hertha war in der letzten Saison zwar stark, wenn man ehrlich ist, aber doch etwas über den eigentlichen Möglichkeiten des Kaders, Wolfsburg in der letzten Runde sicherlich stark darunter. Ich persönlich gehen davon aus, dass beide Teams, so leistungsmäßig auf Normallevel irgendwo im gesicherten Mittelfeld landen und in der Lage sind um den EL-Einzug mitzuspielen.
Auch wenn das etwas hochnäsig klingen mag, aber Teams die um die Plätze 6-10 mitspielen sollte, sollten für eine Mannschaft, deren eigentlicher Anspruch mindestens Platz 3 aufwärts, eigentlich aber mindestens Platz zwei sein muss kein allzugroßes Problem darstellen.
Dabei will ich nicht Boszs Leitung als Trainer schmählern, die ist noch gar nicht völlig abzusehen und bislang sind alle relevanten Aufgaben (den Suercup zähle ich nicht dazu und selbst da hatte man letztlich einfach Pech, kurz vor Abpfiff noch so ein dämliches Ding eingeschenkt zu bekommen) souverän gelöst worden.
Aber wegen zwei Siegen in der BL gegen Teams, die mehr was mit der EL-Qualifikation zu tun haben sollten, auch wenn sie schön anzusehen waren gleich wer weiß welches Loblied auf Bosz anzustimmen und Tuchel in Grund und Boden zu reden entbehrt für mich stand jetzt (im Bezug auf die sportliche Bewertung Tuchels auch zukünftig) einer soliden Grundlage. Damit kann man anfangen, wenn man nach 10-12 Spieltagen immernoch Tabellenführer oder in Schlagdistanz zu selbigem ist und/oder gegen Schalke und Leverkusen bzw. die übrigen Kaliber aus der Kategorie "mindestens EL-Quali, idealer Weise CL-Quali" ähnlich dominant auftritt.

Mit Bosz selbst bin ich bislang vollauf zufrieden


Die erste Saison von Tuchel war bis auf Liverpool völlig überragend, keine Frage. Die Kritik zielte eben auf sein letztes Jahr und dort war es teilweise spielerischer Zerfall, wurde dennoch mit einem Titel belohnt. Da kann man nur lobende Worte finden, dafür Danke ich Tuchel auch. Bei der Bewertung von Bosz muss man natürlich nicht vorsichtig sein, aber bis dato ist es durchweg positiv und ich hatte ihm so ein Guten Start total gewünscht. Seine ganze Art ist bisher sehr beruhigend, volles Lob bis hier.
Peter Bosz [Trainer] |#1653
27.08.2017 - 12:29 Uhr
Zitat von Spike09
Zitat von Pfostenkracher

Zitat von Spike09

Ich teile deine Meinung, habe aber auch gewisses Verständnis für kritische Stimmen gegenüber Tuchel. Ich mochte Tuchel eigentlich immer und war von seiner Leistung meist angetan. Egal ob Umbruch, Anschlag oder der Gewinn des Pokals, hier sollte man schon lobende Worte finden. Dennoch hat der Taktiknerd auch immer wieder Fehlentscheidungen getroffen und diese oftmals zur Halbzeit korrigieren müssen, wir haben zwar überwiegend erfolgreich gespielt, aber manche Spiele waren pure Langeweile. Ideenlosigkeit, Geschiebe und hoffen, dass Auba, Dembele oder Reus durch individuelle Klasse den Unterschied machen.

Das betrifft aber (und an dieser Stelle finde ich die Bewertung Tuchels geringfügig unfair), vorwiegend auf die zweite Tuchel-Saison zu. Etwas exotischetaktische Ideen und Wechsel hat es unter Tuchel zwar immer gegeben, wenn man aber die Zeitspanne, in der Tuchel hier Trainer war als ganzes nimmt, relativiert sich das doch etwas, denn die erste Saison war alles andere als ideenloses Geschiebe, jedenfalls von meinem Standpunkt aus.
In der letzten Saison kamen damit, dass der Abwehrchef und die zwei kreativen Stützen des Teams gleichzeitig abgingen, die Nachfolger aber erst zeitversetzt (Bartra) oder über die ganze Saison gar nicht (Schürrle, Götze) in Erscheinung treten konnten und man zudem verletzungstechnisch die Seuche am Schlappen hatte einfach Unwägbarkeiten hinzu, für die man den Trainer nicht verantwortlich machen kann.
Nun, wenn man keine 2 Wochen am Stück mit der selben Mannschaft trainieren oder spielen kann, weil sich die Zusammensetzung von einsatzfähigem Kader und Lazarett wöchentlich und mitunter schwerwiegend ändern, sind personelle und damit auch systematische Diskontinuitäten, die zwangsläufig dazu führen müssen, dass auf dem Platz mehr oder minder alles Stückwerk ist, an der Tagesordnung.
Ob man mit Tuchel zum jetztigen, frühen Zeitpunkt der Saison ähnlich darstünde, wie jetzt muss Spekulation bleiben und ist daher nicht sinnvoll zu erwägen, was Tuchel mit einem intakten Kader anzustellen wusste, hat er indes in seiner ersten Saison hier bewiesen, so dass man seine sportlichen Fähigkeiten sicher nicht kleinreden braucht, wie das einige hier tun, für die gegebene Rahmensituation war das vollkommen in Ordnung und ist ja von Watzke und Zorc auch so anerkannt worden, was es angesichts des Stresses, den es intern gegeben haben muss, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht würde, wäre man damit nicht vollauf zufrieden gewesen.

Ohne Bosz die bisher (wobei es natürlich noch 8-10 Liga-Spieltage zu früh ist, für ein vernünftiges Zwischenresumeé) geleistete Arbeit absprechen zu wollen, die ich auch meinerseits bis dato sehr wohlwollend betrachte, sollte es doch möglich sein, Tuchels sportliche Leistung anzuerkennen (seine Verfehlungen neben dem Platz stehen auf einem anderen Blatt) und ebenso die Rahmenbedingungen, unter denen diese geleistet wurden.
Das scheint hier in letzter Zeit vielen abzugehen, auch finde ich es irritierend, wenn nach den Entwicklungen des Sommers zu diesem Zeitpunkt noch mit Begriffen wie "Tucheljünger" um sich geworfen wird.
Das mag im April-Mai die Position einer bestimmten Fraktion innerhalb des Fanlagers einigermaßen treffend umschrieben haben, aber die Verlautbarungen nach der Entlassung Tuchels waren wohl doch dazu geeignet eben diesem Standpunkt weitgehend den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Gefolge dessen verteidigt wohl kaum noch jemand Tuchels damalige Position auf und außerhalb des Platzes vollumfänglich, so dass dieser Begriff meiner Ansicht nach unangebracht ist.
Bleiben die sportlichen Belange und bis zum Ende der letzten Saison (man sieht, der Fußball ist verdammt schnellebig) haben selbst die Tuchel-Skeptiker in der Mehrheit seinen sportlichen Wert für den Verein durchweg anerkannt. Das, wenn man einen erfolgreichen Trainer, aus anderen, nachvollziehbaren Gründen entlässt und anschließend einen eher unbekannten Kopf als Nachfolger Präsentiert erstmal eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der sportlichen Belange und ein gewisses, negatives Ressentiment gegenüber dieser Entscheidung entsteht, ist doch nur zu natürlich, zumal die Vorbereitung ja auch etwas rumpelig war (was sie meistens ist, aber ohne Trainerwechsel, gibt man da natürlich auch deutlich weniger darauf).
Ohne den Schwarzmahler spielen zu wollen (ich halte unter den Bedingungen dieser Saison, mindestens, wenn man nun noch einen einigermaßen passenden Ersatz für Dembélé an Land ziehen kann Platz 2 für eine relativ sichere Angelegenheit und einen Angriff auf die Bayern zummindest für gut möglich) wird mir das System Bosz auch etwas voreilig in den Himmel gelobt.
Man hat im Supercup angedeutet, dass man auch weiterhin mit nominell stärkeren Gegnern durchaus auf Augenhöhe aggieren kann, die Pflichtaufgabe im DFB-Pokal souverän gelöst, in den ersten beiden Spielen Wolfsburg und Berlin geschlagen.
Daran gibt es erstmal nichts auszusetzen, wie die Siege gegen Wolfsburg und Berlin letztlich zu bewerten sind, wird sich Anhand der Leistung der beiden Teams über die Saison aber erst noch weisen müssen. Die Hertha war in der letzten Saison zwar stark, wenn man ehrlich ist, aber doch etwas über den eigentlichen Möglichkeiten des Kaders, Wolfsburg in der letzten Runde sicherlich stark darunter. Ich persönlich gehen davon aus, dass beide Teams, so leistungsmäßig auf Normallevel irgendwo im gesicherten Mittelfeld landen und in der Lage sind um den EL-Einzug mitzuspielen.
Auch wenn das etwas hochnäsig klingen mag, aber Teams die um die Plätze 6-10 mitspielen sollte, sollten für eine Mannschaft, deren eigentlicher Anspruch mindestens Platz 3 aufwärts, eigentlich aber mindestens Platz zwei sein muss kein allzugroßes Problem darstellen.
Dabei will ich nicht Boszs Leitung als Trainer schmählern, die ist noch gar nicht völlig abzusehen und bislang sind alle relevanten Aufgaben (den Suercup zähle ich nicht dazu und selbst da hatte man letztlich einfach Pech, kurz vor Abpfiff noch so ein dämliches Ding eingeschenkt zu bekommen) souverän gelöst worden.
Aber wegen zwei Siegen in der BL gegen Teams, die mehr was mit der EL-Qualifikation zu tun haben sollten, auch wenn sie schön anzusehen waren gleich wer weiß welches Loblied auf Bosz anzustimmen und Tuchel in Grund und Boden zu reden entbehrt für mich stand jetzt (im Bezug auf die sportliche Bewertung Tuchels auch zukünftig) einer soliden Grundlage. Damit kann man anfangen, wenn man nach 10-12 Spieltagen immernoch Tabellenführer oder in Schlagdistanz zu selbigem ist und/oder gegen Schalke und Leverkusen bzw. die übrigen Kaliber aus der Kategorie "mindestens EL-Quali, idealer Weise CL-Quali" ähnlich dominant auftritt.

Mit Bosz selbst bin ich bislang vollauf zufrieden


Die erste Saison von Tuchel war bis auf Liverpool völlig überragend, keine Frage. Die Kritik zielte eben auf sein letztes Jahr und dort war es teilweise spielerischer Zerfall, wurde dennoch mit einem Titel belohnt. Da kann man nur lobende Worte finden, dafür Danke ich Tuchel auch. Bei der Bewertung von Bosz muss man natürlich nicht vorsichtig sein, aber bis dato ist es durchweg positiv und ich hatte ihm so ein Guten Start total gewünscht. Seine ganze Art ist bisher sehr beruhigend, volles Lob bis hier.


Es gab schon viele die sich nach 10 Spieltagen auf dem Weg zur Champions League wähnten. Man muss abwarten. Ich muss aber auch sagen, dass seine ruhige und aufgeräumte Art mir in den PKs ganz gut gefällt. Hoffen wir dass es auf und neben dem Platz so weiter geht. Bosz hat ja gestern in der PK gesagt, dass er mit der Spielweise noch nicht zufrieden war - zu viele leichte Ballverluste. Im Spieltagsthread haben ja einige behauptet, das sei Absicht bzw. wird einkalkuliert. Das ist dementsprechend wohl falsch. Wir haben das Spiel demnach nicht gewonnen, weil Boszs Matchplan optimal umgesetzt wurde, sondern trotzdem. Warten wir mal ab, wie es ist wenn die Mannschaft so spielt, wie Bosz das will. Mir ging es übrigens auch gegen Wolfsburg schon so, dass die Mannschaft nicht aus ihrem Reflex rauskommt, zu früh vertikal zu spielen und Risiko zu suchen, statt den Ball und den Gegner erstmal laufen zu lassen. Und die einfachen Ballverluste ohne großen Druck kann man sicher auch noch verringern. Das hat die Mannschaft auch unter Tuchel oft nicht gut hinbekommen und dann gab es Gebolze. Wäre ja schon eine Leistung, wenn Bosz der Mannschaft diese Ungeduld etwas austreibt.

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// insert random smart statement here //
Peter Bosz [Trainer] |#1654
27.08.2017 - 13:07 Uhr
Ich glaube schon, dass Bosz die Mannschaft vertikal spielen lassen will. Ich glaube, dass ihm vorne aber Präzision, Laufwege und Verständnis noch nicht passen.

Dazu gehört natürlich auch, nicht 'blind' den Ball nach vorne zu spielen, sondern Situationen nach vorne hin auszulösen. Das passiert schon sehr häufig, aber noch zu wenig kommt zum auslösen auch ein auflösen. Also ein Torabschluss oder ein 'abdrehen'. Interessant auch die Äußerung 'Nuri und war der freie Mann heute'. Das impliziert, dass Bosz davon ausgeht, dass die Mannschaft einen der drei Mittelfeldspieler im Regelfall frei kriegen dürfte. Das erscheint mir auch schlüssig. Spielt der Gegner 4-4-2 oder gar 5-3-2 gegen den Ball, können nicht drei zentrale und recht hoch stehende Spieler zugestellt werden. Entweder Castro oder Sahin oder Götze haben Räume.

Ich gehe also davon aus, dass Bosz diesen freien Mann häufiger angespielt sehen will. Der hat vergleichsweise Zeit und kann klare, ruhige Bälle in die Schnittstellen oder auf die Außen ansetzen. Oder eben ne neue Zirkulation aufziehen. Wenn der nicht gefunden wird, wird es unruhiger mit mehr Ballverlusten...

Hab hier im Urlaub keine Gelegenheit, das Spiel nochmal zu schauen. Aber das wäre meine erste Vermutung.

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"der alte Gaukler namens 'Don Quijote'" (mit Dank an Czerkus und THE-GAME)
Peter Bosz [Trainer] |#1655
27.08.2017 - 13:15 Uhr
Zitat von Harlekin
Ich glaube schon, dass Bosz die Mannschaft vertikal spielen lassen will. Ich glaube, dass ihm vorne aber Präzision, Laufwege und Verständnis noch nicht passen.

Dazu gehört natürlich auch, nicht 'blind' den Ball nach vorne zu spielen, sondern Situationen nach vorne hin auszulösen. Das passiert schon sehr häufig, aber noch zu wenig kommt zum auslösen auch ein auflösen. Also ein Torabschluss oder ein 'abdrehen'. Interessant auch die Äußerung 'Nuri und war der freie Mann heute'. Das impliziert, dass Bosz davon ausgeht, dass die Mannschaft einen der drei Mittelfeldspieler im Regelfall frei kriegen dürfte. Das erscheint mir auch schlüssig. Spielt der Gegner 4-4-2 oder gar 5-3-2 gegen den Ball, können nicht drei zentrale und recht hoch stehende Spieler zugestellt werden. Entweder Castro oder Sahin oder Götze haben Räume.

Ich gehe also davon aus, dass Bosz diesen freien Mann häufiger angespielt sehen will. Der hat vergleichsweise Zeit und kann klare, ruhige Bälle in die Schnittstellen oder auf die Außen ansetzen. Oder eben ne neue Zirkulation aufziehen. Wenn der nicht gefunden wird, wird es unruhiger mit mehr Ballverlusten...

Hab hier im Urlaub keine Gelegenheit, das Spiel nochmal zu schauen. Aber das wäre meine erste Vermutung.


Habe die Aussage von Bosz (freier Mann Sahin) schon gestern Abend hier genauso interpretiert....

gegen WOB war Götze wohl der Spieler der die meisten Freiräume hatte, gestern Sahin (ich vermute weil Dardai Götze bewusst zustellen wollte)....

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HR 25/26: I1I3I3I3I3I1I0I3I3I1I1I3I3I1I3I1I3I = 36 P
RR 25/26: I3I3I3I3I3I1I0I3I3I3I3I0I0I3I0I3I3I = 37 P
Peter Bosz [Trainer] |#1656
27.08.2017 - 13:17 Uhr
Ich fand Nuris Aussage interessant, dass er vor seinem Tor nur deshalb dort gewesen sei, wo er war, weil es sonst Ärger mit dem Trainer gegeben hätte. Es sei nicht mit aufgerückt, um aufs Tor zu schießen, seine Aufgabe sei vielmehr gewesen, den "Rebound" zu sichern. Da wird Jule noch einiges lernen müssen. Und es ist erstaunlich, wie gut die Mannschaft Bosz' Konzept schon nach vier Pflichtspielen umsetzt.

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Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt (Wilhelm Busch)

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Ben13 am 27.08.2017 um 13:17 Uhr bearbeitet
Peter Bosz [Trainer] |#1657
27.08.2017 - 13:27 Uhr
Zitat von Harlekin
Ich glaube schon, dass Bosz die Mannschaft vertikal spielen lassen will. Ich glaube, dass ihm vorne aber Präzision, Laufwege und Verständnis noch nicht passen.

Dazu gehört natürlich auch, nicht 'blind' den Ball nach vorne zu spielen, sondern Situationen nach vorne hin auszulösen. Das passiert schon sehr häufig, aber noch zu wenig kommt zum auslösen auch ein auflösen. Also ein Torabschluss oder ein 'abdrehen'. Interessant auch die Äußerung 'Nuri und war der freie Mann heute'. Das impliziert, dass Bosz davon ausgeht, dass die Mannschaft einen der drei Mittelfeldspieler im Regelfall frei kriegen dürfte. Das erscheint mir auch schlüssig. Spielt der Gegner 4-4-2 oder gar 5-3-2 gegen den Ball, können nicht drei zentrale und recht hoch stehende Spieler zugestellt werden. Entweder Castro oder Sahin oder Götze haben Räume.

Ich gehe also davon aus, dass Bosz diesen freien Mann häufiger angespielt sehen will. Der hat vergleichsweise Zeit und kann klare, ruhige Bälle in die Schnittstellen oder auf die Außen ansetzen. Oder eben ne neue Zirkulation aufziehen. Wenn der nicht gefunden wird, wird es unruhiger mit mehr Ballverlusten...

Hab hier im Urlaub keine Gelegenheit, das Spiel nochmal zu schauen. Aber das wäre meine erste Vermutung.


Ich hoffe doch sehr, dass er vertikal spielen lassen will. Sonst kommt ja nix bei raus. Es geht halt ums Timing und da ist der BVB seit Jahren wieder und wieder nach guten Phasen in ungeduldige Muster zurückgefallen. Bosz hat nach der PK gesagt, er wollte verlagern und den Gegner laufen lassen. Das ist eigentlich genau das, was ich bisher am häufigsten von bzw. über ihn gehört habe - und bei einem so defensiven Gegner ist es auch sinnvoll. Ich denke, die richtigen Momente zu finden und kollektiv auszunutzen (Stellungsspiel und Passspiel von mindestens 3 Leuten muss dafür passen) ist die größte Baustelle für jeden Trainer der so vorgehen will. Tuchel hat dazu das perfekte Material in seiner ersten Saison, in der zweiten Saison meinte er, dass das nicht mehr der Fall wäre und nun, nach einer langen Gewöhnungsphase ohne Miki, Gündogan, Hummels versucht sich Bosz wieder daran. Für mich ist da weiterhin Dahoud der Schlüsselspieler, ein fitter Götze notwendig und ein fitter Weigl wird mMn. in den meisten Spielen vor Sahin stehen.
Was mir am meisten Hoffnung macht, dass es gut klappen könnte ist das Gefühl, das Situationen inzwischen wieder stärker kollektiv gelöst werden. Das war letzte Saison oft nicht so gut der Fall und die Abhängigkeit von 1-2 Spielern war unangenehm groß.

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// insert random smart statement here //
Peter Bosz [Trainer] |#1658
27.08.2017 - 14:13 Uhr
Zitat von Pfostenkracher

Auch wenn das etwas hochnäsig klingen mag, aber Teams die um die Plätze 6-10 mitspielen sollte, sollten für eine Mannschaft, deren eigentlicher Anspruch mindestens Platz 3 aufwärts, eigentlich aber mindestens Platz zwei sein muss kein allzugroßes Problem darstellen.


Du hast damit recht. Nur war die Souveränität in der letzten Saison so nicht vorhanden.

Klar hatte man viele Verletzte, die hat Bosz aber mit Weigl, Raphael, Schmelle, Reus und Schürrle auch. Dazu noch das Dembele-Theater, das noch einen weiteren Baustein kurz- bis mittelfristig fehlen lässt. Trotzdem hatte man eher selten Spiele wie gestern, wo der Gegner allenfalls zu einer bis zwei richtig guten Chancen kam.

Man hatte immer sehr viele Lösungen mit Ball, sogar mehr als zur Zeit, nur war das Gegenpressing schlicht nicht existent. Das bedeutet aber bei einer Ballbesitzmannschaft immer Gefahr durch Konter, erst recht in einer Liga wie der Bundesliga. Dadurch waren Teams wie Hertha immer im Spiel und haben beim Zuschauer und noch wichtiger beim Gegner auch den Eindruck hinterlassen noch was bewegen zu können. Und da man selbst in Defensivformation am Strafraum nur phasenweise sicher Stand, hatte man als BVB-Fan immer eine gewisse Anspannung. Die fehlt heute.

Auch weil man als Fan eines Ruhrgebietsklubs immer wieder mit diesen Balleroberungen im Mittelfeld oder in Gegenpressingmomenten belohnt wird. Wir sind alle geprägt durch die Malocher Kultur des Klubs und die Klopp-Jahre wirken noch nach, dass dieser Rock'n Roll Ansatz im Defensivspiel einfach elektrisiert. Ich balle in solchen Momenten allzu häufig die Faust und denke mir : Jawoll!

Das ist alles eine Momentaufnahme. Aber diese zeigt in die richtige Richtung.

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Zitat von El_Jogi:
Der Alchemist Löw hatte 2010 den Plan, aus dem Mittelfeld Torgold herbeizuzaubern, und war damit erfolgreich; aber ohne wirklich zu verstehen, was dabei die Formel war.
Peter Bosz [Trainer] |#1659
27.08.2017 - 16:43 Uhr
Zitat von MattesSammer
Zitat von Pfostenkracher

Auch wenn das etwas hochnäsig klingen mag, aber Teams die um die Plätze 6-10 mitspielen sollte, sollten für eine Mannschaft, deren eigentlicher Anspruch mindestens Platz 3 aufwärts, eigentlich aber mindestens Platz zwei sein muss kein allzugroßes Problem darstellen.


Du hast damit recht. Nur war die Souveränität in der letzten Saison so nicht vorhanden.

Klar hatte man viele Verletzte, die hat Bosz aber mit Weigl, Raphael, Schmelle, Reus und Schürrle auch. Dazu noch das Dembele-Theater, das noch einen weiteren Baustein kurz- bis mittelfristig fehlen lässt. Trotzdem hatte man eher selten Spiele wie gestern, wo der Gegner allenfalls zu einer bis zwei richtig guten Chancen kam.


Natürlich sind auch im Augenblick verletzte vorhanden. Der Unterschied besteht aber einfach darin, dass in diesem Jahr nicht vorher das halbe Mannschaftsgefüge aus wirtschaftlichen Gründen auseinandergerissen wurde.

Schmelle wird in absehbarer Zeit wieder auf dem Damm sein, Weigl, Guerreiro und Schürrle mittelfristig auch, so dass diese Situation in den nächsten 4-6 Wochen schon wieder gänzlich anders aussehen wird und wie gesagt, wir haben bis auf Dembélé in diesem Jahr keine nennenswerten Abgänge zu verzeichnen, die wirklich essentiell für unser Spiel in der letzten Saison gewesen wären. Ginter und Bender sind sicher nach wie vor gute Fußballer, in ihrer Bedeutung für die Mannschaft aber nicht mit dem zu vergleichen, was Hummels, Mkhitaryan und Günndogan in dieser Hinsicht für den BVB darstellten.
In der letzten Saison hingen wir zwar mächtig davon ab, dass die Combo Dembélé-Aubameyang funktionierte, wie sie funktionierte, dabei darf man aber nicht übersehen, dass man davon weit weniger abhängig gewesen wäre, wenn man zu gegebener Zeit über Götze, Schürrle, Kagawa auf deren normalem Leistungsstand verfügt hätte und eben da liegt der Unterschied.
Sicher hat im Moment weder Götze noch Philipp die Form, die Dembélé in der letzten Saison zu Stande gebracht hat. Da man aber diesemal nicht das Mannschaftsgefüge komplett auseinander nehmen musste, kann man das bisher über das Kollektiv ganz gut kompensieren uns genau da war das Problem der letzten Saison.

Erst sind drei wichtige Stützen der Mannschaft weggebrochen, dann konnten Nachfolger nicht rechtzeitig eingebunden werden, danach fingen die Verletzungen an, die dafür sorgten, das weitere bewärte Kräfte ihre Automatismen nicht mehr einbringen konnten und darüber hinaus mitunter die Alternativen zur sportlichen Entlastung fehlten.
Hier muss man einfach einmal anerkennen, dass das für Kader und Mannschaft eine absolute Extremsituation dargestellt hat. 3 schwerwiegende Abgänge gleichzeitig über das Kollektiv zu kompensieren, während die Nachfolger langsam in die Rolle hineinwachsen ist für sich schon abenteuerlich, wenn dann das halbe Kollektiv noch ausfällt oder formtechnisch neben der Spur ist, wie soll das gehen?

Dieses mal haben wir einen schwerwiegenden Abgang, eine ausreichende Vorbereitungszeit und auf den entsprechenden Positionen einsatzfähige Alternativen oder eben andere Spieler die die Rolle gut übernehmen können (kreativen Part auf Götze, Sahin, ggf. Kagawa umlegen), um das abzufangen, so dass das Einzige, was im Moment wirklich weh tut die langfristige Verletzung von Reus ist, vorrausgesetzt für Dembélé wird noch jemand nachgelegt.


Zitat von MattesSammer

Man hatte immer sehr viele Lösungen mit Ball, sogar mehr als zur Zeit, nur war das Gegenpressing schlicht nicht existent. Das bedeutet aber bei einer Ballbesitzmannschaft immer Gefahr durch Konter, erst recht in einer Liga wie der Bundesliga. Dadurch waren Teams wie Hertha immer im Spiel und haben beim Zuschauer und noch wichtiger beim Gegner auch den Eindruck hinterlassen noch was bewegen zu können. Und da man selbst in Defensivformation am Strafraum nur phasenweise sicher Stand, hatte man als BVB-Fan immer eine gewisse Anspannung. Die fehlt heute.


Meinem Empfinden nach hatten wir in der letzten Saison (eigentlich aber seit Jahren, auch wenn es früher nicht ganz so krass auffällig war) generell ein vollkommen instabiles defensives Zentrum, was zwar latent vorher vorhanden war, sich durch die nur teilweise kompensierten Abgänge von Hummels und Günndogan so wie die Tatsache, das man auch Rode und Bender über weite Strecken nicht einsätzen konnte/in Form bekam, nochmal sehr verstärkt wurde.
Weiterhin haut deine Diagnose, wenn du sie weiter denkst, nämlich dahingehend, dass vernünftiges Gegenpressing nur in einem sauber eingespielten und gut durchorganisierten Kollektiv funktionieren kann, ganz in die gleiche Kerbe haut.
Wenn man aber im Vergleich zum Vorjahr auf 3 Stammspieler verzichten und nebenher, neben den Dauerverletzten Neuverpflichtungen dauernd zwischen 2-3 weitere Spieler in wechselnder Konstellation ersetzen musste, bedeutet dass, das aus dem erweiterten Kreis der Stammspieler dauerhaft bis zu 6 fehlten, während gleichzeitig noch Neue herangeführt werden mussten. Wie soll da das starke Kollektiv zu Stande kommen, dass ein organisiertes Gegenpressing auf die Reihe kriegt?

Zitat von MattesSammer

Auch weil man als Fan eines Ruhrgebietsklubs immer wieder mit diesen Balleroberungen im Mittelfeld oder in Gegenpressingmomenten belohnt wird. Wir sind alle geprägt durch die Malocher Kultur des Klubs und die Klopp-Jahre wirken noch nach, dass dieser Rock'n Roll Ansatz im Defensivspiel einfach elektrisiert. Ich balle in solchen Momenten allzu häufig die Faust und denke mir : Jawoll!

Das ist alles eine Momentaufnahme. Aber diese zeigt in die richtige Richtung.


Natürlich zeigt das alles in die richtige Richtung und ich bin auch froh darum, dass dem so ist, denn ich fand es in der letzten Saison, gerade auch weil der Defensivverbund eben einigermaßen istabil war auch streckenweise recht grausam anzusehen (auch wenn das sicherlich Jammern auf höchstem Niveau ist) und es fiehle mir nicht ein, den dahingehenden Fortschritt zu bestreiten oder abzulehnen.
Lediglich, wie ich das sehe, ist diese Saison vom organisatorischen Aufwand her, da weniger gewachsene Strukturen innerhalb der Mannschaft zerstört wurden und dieses mal die Alternativen gegeben scheinen, nicht annähernd so eine Mamutaufgabe wie die letzte Saison.
Diese Annahme beeinflusst sowohl meine Bewertung von Tuchels Arbeit, als auch meine Erwartungshaltung in diese Saison sehr deutlich (für eine fundierte Bewertung von Bosz ist es wie gesagt noch viel zu früh) und ich lasse mich auch gerne auf diese Aussage festnageln.
Peter Bosz [Trainer] |#1660
27.08.2017 - 16:50 Uhr
Zitat von Harlekin

Ich gehe also davon aus, dass Bosz diesen freien Mann häufiger angespielt sehen will. Der hat vergleichsweise Zeit und kann klare, ruhige Bälle in die Schnittstellen oder auf die Außen ansetzen. Oder eben ne neue Zirkulation aufziehen. Wenn der nicht gefunden wird, wird es unruhiger mit mehr Ballverlusten...


Bosz hat es in Bezug auf die recht hohen Stürmer Kalou und Ibesivic gesagt. Er meinte, dass hinter diesen beiden Nuri ab und an frei war und hätte anspielen müssen.

Wobei ich mir da nicht ganz so sicher bin. An sich schon eine korrerkte Beobachtung, nur könnte das auch teilweise durch das fehlende hohe Presing in der holländischen Liga einen einfachen Eindruck machen, doch die beiden Herthaner standen meist eng und es ist schwierig Nuri dann anzuspielen. Zumal dann die Herthaner rückwärt pressen und Nuri attackieren. Soviel Zeit hätte ein Sechser dann nicht. Zumindest weniger als in der Eredivisie.

Aber dass er einige Probleme im Ballbesitz sieht und Verbesserungen im Blick hat ist schon mal sehr gut. Auch wenn diese Lösungen auf den ersten Blick nicht so fancy sind wie unter Tuchel, einem Sarri oder Guardiola. Die breiten Flügelspieler sind doch sehr holländisch.

•     •     •

Zitat von El_Jogi:
Der Alchemist Löw hatte 2010 den Plan, aus dem Mittelfeld Torgold herbeizuzaubern, und war damit erfolgreich; aber ohne wirklich zu verstehen, was dabei die Formel war.
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