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Eure Kaderanalyse

02.06.2008 - 14:45 Uhr
Eure Kaderanalyse |#531
17.08.2016 - 23:20 Uhr
3 Jahre Pep sind vorüber… Zeit für ein Fazit und einen Ausblick. Das Ganze ist so eine Art Gesamtbetrachtung mit allen möglichen Themen geworden; ich stelle es einfach mal an dieser Stelle rein, da die Kaderanalyse eigentlich den größten Teil ausmacht. Keine Ahnung, ob sich jemand den ganzen Kram tatsächlich durchliest... smile

Meine Grundthesen, die ich im weiteren Verlauf dann begründen werde, stelle ich mal voran


- Die Zeit unter Pep war eine Erfolgsgeschichte
- Erwartung für nächste Saison: Spitzenfussball auf höchsten Niveau, die Champions League kann weiterhin bei optimalen Verlauf erreicht werden

- Nächste Saison sollten wir den Fokus auf die Champions League ausrichten, insbesondere sollten wir alles daran setzen, die Spieler für April/Mai frisch und in Top-Form zu haben

- Im Spiel erwarte ich besonders eine Verbesserung der Standards sowie eine Steigerung der Effektivität

- Wir haben Bedarf an einem weiteren IV, der in Abhängigkeit der Veletzungssituation von Martinez entweder ein Akteur mit Stammplatzambitionen oder ein Kaderspieler sein sollte

- Auf den Außenverteidigerpositionen ist mittelfristig eine Verpflichtung eines Klassespielers für rechts als Lahm-Ersatz nötig; ein sofortiger Bedarf besteht allerdings derzeit nicht.

- Wir brauchen einen starken Götze-Ersatz noch in dieser Wechselperiode

- Ein weiterer Offensiv-Zugang ist dagegen nicht zwingend erforderlich

- Der Erfolg der Jugendarbeit ist letztlich besser als vielfach thematisiert; natürlich kann und muss man sich noch weiter steigern


Vor ca. 3 Jahren:
Die Bestätigung, dass Pep übernimmt, platzt herein. Schon vor dem Triple stand fest, dass er Jupps Nachfolger wird. Wer hier war nicht begeistert, als er von der Verpflichtung erfuhr? Der große Taktiker von Barca, der es geschafft hat, mit diesem Team eine neue Art Fußball zu etablieren, die allen anderen Teams offensichtlich überlegen war. Wir hofften auf großen Fußball, eine ebenso große Ära wie unter Barca und der Traum vom Champions-League-Titel wurde nochmal realer. Und zack… plötzlich haben wir den Riesen-Erfolg dann schon unter Jupp gefeiert.
Klar haben wir uns erträumt, dies nochmal bestätigen zu können. Aber diese absolute Gier, endlich diesen Titel (Champions League) zu holen war ja glücklicherweise erstmal gestillt. Ob Pep selbst damit gerechnet hat, als er hier unterschrieb?

3 Jahre später… Was haben wir erlebt?
Zunächst mal 3 Meisterschaften. Die Bundesliga dominieren wir wie noch nie. Kein Team hat es bislang geschafft, 4 mal in Folge die Meisterschaft zu erringen. Die kurze Aufmuckphase der Borussen ist vorbei. Wir thronen ganz weit oben über dem Rest. Gegnerische Fans klagen das Leid der Unterlegenen und wehklagen, wie wir uns permanent noch weiter verbessern und die anderen schwächen.
Grund für unsere Überlegenheit ist sicher auch der von Pep eingeführte Fußballstil in Verbindung mit der individuellen Überlegenheit unserer Spieler und des Kaders. Während wir es früher teilweise nicht geschafft haben die besten Spieler auch in das beste System zu integrieren bzw. die besten/passenden Spieler das richtige System spielen zu lassen, hat sich dies gewandelt.

Bereits unter van Gaal haben wir die Anfänge gemacht, unter Jupp kamen dann auch Elemente des vom BVB vorgemachten Gegenpressings (der Kloppo hats erfunden smile) hinzu, unter Pep haben wir, jedenfalls wenn wir die Bundesliga betrachten, Fussball in Vollendung gespielt. Perfekte Abstimmung, fantastisches Passspiel, planvoller Fussball mit Erfolg. Man hatte eigentlich jedes Mal das Gefühl, dass wir gewinnen werden; die nahezu an einer Hand abzählbaren Niederlagen gab es nur, wenn schlechte Form und Pech zusammenkamen.

Aber was ist mit den Gegnern?
Der BVB stellte in meinen Augen internationale Klasse dar. Nur in der letzten Hinrunde unter Klopp lief dann auf einmal gar nichts zusammen. Ansonsten wird dort – das muss man mal anerkennen – fantastische Arbeit geleistet, obwohl die unsere (finanziellen) Möglichkeiten natürlich nicht haben.

Und der Rest?
Von einfach nur peinlich (HSV, Wolfsburg) bis unkonstant (Leverkusen) ist alles dabei. Gute Arbeit ist das jedenfalls nicht. Klar kann man sich beschweren, dass Bayern vielleicht unerreichbar ist. Aber wo ist der hier der Verein, der mal in der Europa League so richtig aufhorchen lässt? Warum holt dort FC Sevilla dreimal hintereinander den Titel und die Bundesliga hat seit Ewigkeiten nicht mal mehr im Finale gestanden? Wo waren denn die deutschen Vertreter dieses Mal wieder international?
Die anderen Bundesligisten zeigten insgesamt einfach ein bemitleidenswertes Niveau…anstatt über Bayern zu lamentieren sollten sie sich an die eigenen Nasen fassen und endlich anfangen, das vielfach vorhandene Potential auszunutzen. Man kann sich natürlich auch weiter von Mainz, Augsburg, Ingolstadt etc. auf der Nase herumtanzen lassen.


Dann der DFB-Pokal: 2 Titel in 3 Jahren. Einmal Halbfinal-Aus in einem Slapstick-Elfmeterschießen… Keine schlechte Bilanz!
Das letzte Finale ist uns natürlich noch allen in guter Erinnerung. Aber man hat auch wieder gesehen, welch hartnäckigen Gegner wir mit dem BVB haben. Trotz Vorteilen für uns musste die Lotterie des Elfmeterschießens entscheiden.
Insgesamt ist der DFB-Pokal natürlich der kleinste Titel. Und seien wir ehrlich: Das Herumreiten auf dem Triple ist doch eine Medienerfindung. Eigentlich wollen wir vor allem eins für die Fan-Glückseligkeit:


Die Champions League!

Die besten Mannschaften Europas gegeneinander. Die besten Spieler. Diverse Teams auf Augenhöhe. Barca, Real, PSG, Juve, (ManU J)

3 Halbfinals hintereinander, immer gescheitert.
Der große Wurf ist leider nicht geglückt.

Die Umstände waren jedes Mal anders:
Bei der Niederlage gegen Real gibt Pep ja zu, gegen seine Überzeugung agiert zu haben. Nach knapper Niederlage auswärts wollte man zuhause vielleicht zu viel und hat eine Packung kassiert. Es ist aber auch viel gegen uns gelaufen. Direkt zwei Standardgegentore und alles war vorbei. Allerdings war auch unsere Spielanlage nicht so berauschend.

Gegen Barca im zweiten Jahr war von vorn herein nichts zu holen. Aufgrund unseres Verletzungspechs hatten wir keine Gelegenheit, Tempofussball zu entwickeln. Barca dagegen befand sich in Top-Form. Quasi die umgekehrten Voraussetzungen von 2013.

Zuletzt die Enttäuschung gegen Atletico. Hier war jetzt viel Pech dabei. Grade das Rückspiel war herausragend und bei besserer Chancenverwertung hätten wir die sogar deklassieren können. Was wir uns vorwerfen müssen, ist natürlich die erste halbe Stunde in Madrid. Hier haben wir zögerlich, ängstlich und ohne Überzeugung agiert. Das Gegentor war dann quasi symptomatisch. Statt vernünftig in den Zweikampf zu gehen oder zu dem hier nötigen Foul zu greifen, spaziert dieser Saul durch die gesamte Abwehr wie es sonst bei Hobbyfussballspielen zwischen Thekentruppen oder beim Pausenkick auf dem Schulhof zu beobachten ist. Allerdings wurde es nach einer halben Stunde dann besser und auch die zweite Halbzeit war gut. Wie in München war der Fussballgott aber nicht auf unserer Seite… Oder das Glück war nach dem Juve-Spiel aufgebraucht…

Apropos Juve… richtig überzeugend war das von uns auch nicht.
Aber diese Spiele sind nun mal eng und keiner wird im Vorfeld erwarten, dass wir die souverän und ohne Probleme platt machen. Viele skeptische Kommentare waren hier im Vorfeld des Spiels zu lesen, viele waren der Meinung, dass es ein 50:50-Spiel wäre.
Dann kann man sich natürlich nicht danach hinstellen und beklagen, dass es tatsächlich ein 50:50-Spiel gewesen ist.

Die hier häufig zu lesende Kritik an Pep bezieht sich insbesondere auf die Auftritte in den CL-KO-Runden. Schwache Auswärtsspiele haben sich mit überragenden Heimauftritten abgewechselt. Mir ist auch unklar, wieso es immer wieder zu diesen vergleichsweise schwachen Auswärtsspielen gekommen ist, zumal man dann ja zuhause gezeigt hat, dass es besser geht. Und letztlich hat man es ja auch bis zum Halbfinale immer noch rumgerissen.

Auch wenn uns der große Triumpf verwehrt blieb… ich finde, dass mit der dreimaligen Halbfinalteilnahme und der Etablierung in der absoluten Spitze Europas letztlich die positiven Dingen überwiegen. Das Ausscheiden erfolgte in 50:50-Spielen gegen Spitzenclubs und ist jedenfalls gegen Atletico auch erheblich auf fehlendes Schlachtenglück zurückzuführen.

Richtig ist meiner Meinung nämlich das oft zitierte „Der CL-Sieg ist nicht planbar“. Nur wenn neben der Leistung die nötige Portion Glück hinzutritt, kann man diesen Titel holen. Real hat auch wieder die Elfer-Lotterie bemühen müssen.

Highlights in den drei Jahren waren sicherlich unsere Auswärtsspiele gegen ManCity und Rom sowie die Heimspiele gegen Porto, Donezk. Dazu das Duell mit Juve als emotionales Highlight.

Was bleibt sonst in der Erinnerung?
Den europäischen Supercup und den Weltpokal haben wir geholt.
Auch die Weltmeisterschaft 2014 mit vielen unserer Spieler darf sicher nicht unerwähnt bleiben.



Als Fazit muss daher aus meiner Sicht zwingend von einer erfolgreichen Zeit unter Pep gesprochen werden.


Da aber natürlich nicht alles Gold sein kann, sollen die negativen Dinge hier nicht unter den Teppich gekehrt werden.
Ich habe den Eindruck, dass letztens Endes Vielen Pep langsam überdrüssig wurde, insbesondere aufgrund seiner Art.

Fußballfantum ist nun mal irrational emotional während das Fussballgeschäft das Gegenteil ist.
Aus Sicht der Profifussballer und Geschäftemacher ist es relativ egal, für welchen Club sie spielen; ihnen geht es üblicherweise primär darum, viel Geld zu verdienen, sich selbst zu vermarkten und vielleicht auch Titel zu gewinnen. Dort wo sie die für sie besten Bedingungen vorfinden, heuern sie an oder wechseln dorthin.
Der Fan denkt natürlich anders… stellt euch vor, ihr wärt so gut wie Messi. Für welchen Club würdet ihr auflaufen? Natürlich nur der FCB. Niemals würde ich wechseln! Da würde es mich doch nicht die Bohne jucken, wenn mir irgend so ein Scheich 20 Millionen im Jahr bieten würde, obwohl ich eh schon ausgesorgt hab.

Ein kleiner Charakterisierungsversuch von Pep in diesem Zusammenhang:
Er ist offensichtlich ein Fussballverrückter, der eine ganz besondere Verbindung zu diesem Spiel hat. Welche Taktik ist die richtige? Wie muss der Ball laufen? Wie wird dieses Spiel in den verschiedensten Ländern gespielt?
Seine auf Barca folgenden Trainerstationen begreift er wahrscheinlich als Projekte zur eigenen Horizonterweiterung. Welche Fussball-DNA hat Bayern München? Wie wird in England gespielt? Wie kann ich meine eigenen Überzeugungen und das eigene Verständnis von Fussball dort umsetzen?
Dass er nach drei Jahren nun weiterzieht, ist aus dieser Sicht nur folgerichtig.

Mit dieser Sichtweise können wir als Fans natürlich nichts anfangen. Und auch sonst konnte er dem Fan nicht das bieten, was dieser sich wünscht. Und es gelang ihm auch nicht, wenigstens diese Illusion aufzubauen. Fan-Nähe oder Presse-Nähe war seine Sache nicht.
Ich will ihm das eigentlich auch gar nicht so groß zum Vorwurf machen; dennoch will man diese Illusion als Fan irgendwo haben. Selbst wenn man kein Götze-Judas-schreiender Borusse ist… Fußball ist halt auch Showgeschäft.

Jetzt kommt ja mit Ancelotti einer, der dies beherrschen soll. Und auch sonst bin ich guter Hoffnung. Seine Erfolge sind groß und die Ex-Spieler begeistert. Er ist sicher der internationale Top-Trainer Nr. 2 hinter Pep, wenn man mal eine grobe Einstufung vornimmt.

Daher möchte ich mich nun der Zukunft widmen.
Welche Entwicklung oder Erfolge erwarte ich?
Wie ist der Kader zu bewerten?
Welche Stellschrauben sind aus Laiensicht zu drehen?

Die Frage nach der Erwartungshaltung ist relativ einfach zu beantworten. Ich will sehen, dass der eingeschlagene Weg weitergegangen wird. Es soll Spitzen-Fussball gespielt werden. Als Nonplusultra sollte als Ziel der Gewinn der Champions League angepeilt werden; hier erwarte ich mir Konkurrenzfähigkeit auf allerhöchstem Niveau. Aber, wie schon gesagt... ob es letztlich klappt oder nicht bleibt weiterhin unplanbar. Ich sehe uns auf einer Stufe mit den allergrößten Clubs. Darüber befinden wir uns nicht.

Weiter bin ich sehr gespannt, wie Acelotti die Mannschaft taktisch einstellen wird. Er gilt ja als Pragmatiker, der sich anpasst bzw. die Stärken der Spieler auf das System ausrichtet…
Werden wir wieder etwas defensiver auftreten mit tiefer stehender Abwehr? Möglich wäre es.
Grundsätzlich denke ich aber, dass keine Revolution beabsichtigt sein wird, sondern dass es einfach weitergeht mit dem bisher gespielten Ballbesitzfussball. Ich will auch mangels Kompetenz gar nicht erst versuchen, hier mit taktischen Detail-Überlegungen anzufangen; da gibt es in diesem Forum andere User, deren Ausführungen immer sehr interessant sind…
Die grundsätzliche Idee erscheint mir allerdings weiterhin erfolgsversprechend und es sollten lediglich Detailänderungen vorgenommen werden.

Wo sind Verbesserungen in unserem Spiel möglich?
Da, wie bereits gesagt, die Spielanlage als solche aus meiner Sicht passt, will ich diese nicht weiter kritisieren. Mir sind aber letzte Saison (und auch schon davor) besonders zwei Punkte aufgefallen.

1.
Standards:
Pep vermittelt des öfteren, den Eindruck, dass Standards unbedeutend und profan seien. Unsere Standardverteidigung kritisiere ich nicht; sie war in Ordnung. Aber die eigenen Standards genießen offenbar schon seit Jahren ein Schattendasein. Da werden dann Ecken gar nicht mehr ausgespielt, sondern Rückpässe gespielt, um wieder neu aufzubauen… für mich unverständlich.
Schaut euch doch mal an, wie viele Spiele letztlich durch Standards entschieden werden; insbesondere auch die absoluten Spitzenbegegnungen.
Madrid hat uns im ersten Pep-Jahr mit zwei Standards fertig gemacht.
Tiki-Taka-Spanien hat damals 2010 mit einem simplen Puyol-Kopfball Deutschland rausgehauen.
Drogba hat uns so die CL dahoam versaut.
Sieg von Deutschland gegen Frankreich 2014 durch Hummels-Kopfball nach Ecke
usw. usw.

Zudem kann man Standards auf effektive Weise ohne viel Krafteinsatz trainieren. Klare Absprachen, verschiedene Varianten usw.
Sehr genial wäre es im Übrigen auch, wenn man mal einen Einwurfspezialisten wie die Isländer hätte. Die haben sich wirklich viele gefährliche Aktionen durch dieses simple Mittel herausgearbeitet bei der EM. Warum trainiert das nicht mal einer unserer Spieler?
Grade in 50/50-Spielen, in denen man sich taktisch und aufgrund der individuellen Stärken der Spieler quasi neutralisiert, sollte man doch die Standard-Karte nicht vollkommen ungenutzt lassen!

2.
Effektivität:
Ist es nicht auffällig, wie oft wir x Chancen hatten, kein Tor erzielten und dann kommt der Gegner einmal (!!!) nach vorne und gleich scheppert es? Diverse Male haben wir das erlebt und noch umdrehen können, im entscheidenden Moment (Atletico-Rückspiel) war das der Grund des Scheiterns.
Ganz genau kann ich es auch nicht einordnen, aber viel scheint mir Kopfsache zu sein. Vielleicht herrscht die Einstellung: „Nicht schlimm, wenn der jetzt vorbei geht, die nächste Chance kommt bestimmt“. Man spielt gut, offensiv und macht dann doch den Sack nicht zu…
Ich vermisse manchmal die Gier auf den erfolgreichen Abschluss, den 100%-igen Willen die Torchance zu nutzen, die Gnadenlosigkeit.
Wie das am Besten zu trainieren ist, weiß ich aber auch nicht so recht…


Kadersituation

Etwas mehr Raum möchte ich nun der Kadersituation widmen. Grundsätzlich stellt der Kader weiterhin Spitzenniveau dar und sollte den höchsten Ansprüchen genügen. Ich denke allerdings auch, dass wir den Kader im Hinblick auf die körperliche Situation/Verletzungsanfälligkeit einzelner Spieler ausrichten müssen, grade weil wir viele Spieler haben, bei denen in dieser Hinsicht Fragezeichen entstehen.

Eine Grundsatzfrage ist die der richtigen Kadergröße. Insbesondere die optimale Zahl der Stammkandidaten. Man muss für den Fall von Verletzungen gewappnet sein, man muss rotieren, man muss auf Formtiefs reagieren können. Gleichzeitig muss das ganze finanzierbar bleiben, die Spieler müssen – auch in den wichtigen Spielen – ihre Einsätze bekommen.

Vielleicht wäre ein Grund-Prinzip „3 für 2“ ideal, d.h. 3 nicht übermäßig verletzungsanfällige Top-Spieler pro Position, von denen 2 jeweils immer spielen.

Das würde dann natürlich variieren je nach Spielsystem. Bei unserem derzeitigen System könnte man dann unterteilen in IV, Außenverteidiger, ZM, Außenspieler und offensive Zentrumsspieler.

Dann käme man (Torwart ausgeklammer) auf 5x3=15 Top-Spieler, der Rest könnte durch Kaderspieler (auch Talente, sofern bereits jetzt bundesligatauglich) aufgefüllt werden.


Dabei kann es sich natürlich zunächst mal nur um eine Grundüberlegung handeln. Weitere Überlegungen, die einzubeziehen sind, sind z.B.: Was ist mit besonders verletzungsanfälligen Spielern? Sind zwei verletzungsanfällige Spieler vielleicht wie ein Top-Spieler zu werten? Oder haben wir Spieler im Kader die zwei verschiedene Positionen spielen können und daher vielleicht gleichzeitig unter die Rubrik Außenspieler und offensiver Zentrumsspieler fallen? Ich werde darauf bei der Besprechung der einzelnen Mannschaftsteile näher eingehen.

Bei der Wahl der Aufstellung darf auch aus meiner Sicht die notwendige Regeneration nicht außer Acht gelassen werden. Wir haben es zuletzt häufig erlebt. Grade nach Verletzungen dürfte eine - auch öffentlich so von Pep propagierte - Ungeduld kaum förderlich sein. Ich bin zwar kein Mediziner, allerdings ist es doch offensichtlich, dass die erneuten Verletzungen von Ribery, Badstuber und jetzt aktuell auch Boateng aufgetreten sind, nachdem diese direkt wieder mehrfach und ohne Pause eingesetzt wurden.
So ärgere ich mich ziemlich, dass Jogi gegen die Slowakei Boateng brachte. Warum wird der nicht geschont und steht uns dann gegen Frankreich fit(ter) zur Verfügung? Sind Höwedes/Hummels kein Duo, welches gegen die international zweitklassigen Slowaken eine passable Innenverteidigung gewährleisten kann?

Wir müssen uns insbesondere darauf ausrichten, die Spieler im April/Mai frisch und in Topform zu haben. Gefühlt brillierten wir zuletzt immer in der Hinrunde, wogegen die Rückrunden schwächer waren. Erinnert ihr euch, wie Douglas Costa zu Saisonbeginn aufspielte? Die hier mittlerweile überwiegende Meinung, es reiche bei ihm nicht zum höchsten Niveau, war da noch nicht Thema. Alle waren begeistert und erstaunt über das (vergleichsweise) Schnäppchen.
Das Gegenbeispiel heißt Vidal. Während er in der Vorrunde allenfalls solide agierte, drehte er dann grade in den wichtigen Spielen richtig auf und war in den entscheidenden Partien der Beste!

Dabei könnten wir nächstes Saison auch folgendes in die Überlegungen einbeziehen:
Wir sind jetzt (historisch einmalig) viermal in Folge Meister geworden. Natürlich will ich auch nächstes Jahr den Titel.
Aber mal ganz nüchtern gesehen:
Für die Attraktivität der Liga wäre ein neuer Meister zur Abwechslung sicher nicht völlig verkehrt.
Für die Attraktivität der Liga wäre auch ein spannendes Meisterrennen bis zum letzten Spieltag nicht verkehrt.
Das Größte für uns ist zudem die Champions League.

Falls wir also aufgrund einer Fokussierung auf die Champions League es diesmal nicht schaffen sollten, wäre das zwar schade, allerdings sicher kein Weltuntergang.


Deshalb:
Schonung und regelmäßige Pausen für alle Spieler, insbesondere bei sich ankündigenden gesundheitlichen Problemen.
Behutsames und langsames Aufbauen nach Verletzungen.



Ich gehe dann mal die einzelnen Mannschatsteile durch:


Tor:

Hier haben wir mit Neuer den wohl weltbesten Torhüter. Er ist im besten Alter, große Verletzungssorgen gibt es nicht. Dahinter mit Ulreich einen bundesligaerfahrenen Mann, der für mich durchschnittliche Qualität verkörpert. Dahinter noch mit Starke ein Routinier. Alles super!



Innenverteidigung

Hier drückte letzte Saison der Schuh. Boateng-Ausfall, Badstuber-Verletzung, Benatia-Situation. Zeitweise spielten wird mit Alaba und Kimmich und damit ohne gelernte Verteidiger. Mit Tasci wusste Pep nichts anzufangen, so dass viele ihn als Missverständnis einordnen.

Ich finde, dass Alaba und Kimmich ihren Job zwar gut erledigten. Als gelernte Mittelfeldspieler ist die Spieleröffnung bzw. das Spielerische natürlich ihr Metier. Gleichzeitig sind sie aber eben keine gelernten IV, was grade in der konkreten Zweikampfsituation vor dem Tor deutlich wird. Paradebeispiel ist hier Kimmich im Juve-Hinspiel. Ich sehe zudem Alaba als unseren Top-LV, der diese Position auch regelmäßig spielen soll. Dann kommt er höchstens als Not-IV (oder Not-ZM) in Betracht, was allenfalls in unplanbaren Katastrophen-Szenarien eine Rolle spielen sollte.

Kimmich ist für mich ebenfalls kein IV (zu seiner Position später mehr).

Es bleiben also Boateng, Hummels, Martinez und Badstuber übrig.

An dieser Stelle ein Wort zu Benatia, der uns ja verlassen hat:
Grundsätzlich finde ich ihn gut. Zweikampfstark, ausreichend schnell, erfahren, spielerisch auch ok. Immerhin der beste IV der Serie A als wir ihn holten. Vielleicht im Gesamtpaket hinter Boa, Hummels und Martinez einzuordnen. Trotzdem mit internationaler Klasse.
ABER: Seine gesundheitliche Situation ist einfach Mist. Ständige Ausfälle mit Muskelverletzungen in seiner gesamten Zeit hier. Von daher kann man nachvollziehen, dass er - wie von vielen hier ja auch angeregt - abgegeben wurde. Grade im Hinblick auf die Verletzungsmisere in der IV (Martinez, Badstuber) wäre ein weiterer verletzungsgeplagter Akteur einfach nicht mehr sinnvoll.


Mit Boateng-Hummels haben wir jetzt das Innenverteidigerduo schlechthin, besser gehts eigentlich nicht.

Aber wie sieht es dahinter aus?
Entsprechend obiger Einordnung (3 für 2) wäre Martinez der weitere Top-Spieler. Grundsätzlich, nämlich im Hinblick auf seine theoretische Leistungsfähigkeit, würde das passen.
Aber:
Ist er gesundheitlich voll einplanbar? Die Kreuzband-OP ist bei ihm offensichtlich nicht optimal gelaufen, jedenfalls war er unglaublich lange weg und danach hat es auch immer irgendwelche Probleme gegeben. Hier muss kritisch analysiert werden, wie die Situation nunmehr ist. Sind Anzeichen vorhanden, die einen baldigen erneuten Ausfall wahrscheinlich machen? Ist er voll belastbar? Wird er vielleicht von Ancelotti sogar als DM gesehen und (auch) dort eingeplant?
All dies wären Gründe, um eine IV-Verstärkung als notwendig anzusehen.

Insbesondere da Badstuber aufgrund seiner Verletzungshistorie überhaupt nicht eingeplant und lediglich als möglicher Bonus gesehen werden sollte. Zwar war er nach Rückkehr leistungsmäßig immer direkt gleich wieder auf Stand. Dennoch sollte man jetzt mit absoluter Behutsamkeit vorgehen. Selbst wenn er wieder einsatzfähig wäre, sollte er zunächst nur sporadisch zum Einsatz kommen. Keinesfalls wie zuletzt mit mehreren Startelfeinsätzen hintereinander.
Ich halte aber auch nichts davon, Badstuber zu verleihen. Bei einem solchen Vorgehen würde er mit größter Wahrscheinlichkeit direkt verheizt, da den leihenden Klub die Langfristigkeit sicher nicht interessiert.
Hier sollte sich keiner Druck machen, weder der Spieler noch der Verein. Schauen wir doch in aller Ruhe, wie es weitergeht.
Ich würde sogar mit ihm nach Vertragsauslauf verlängern. Er ist Eigengewächs, äußerst beliebt und man kann sicherlich eine Konstellation schaffen, die dem Verein und ihm nicht weh tut (leistungsbezogener Vertrag etc.). Badstuber selbst braucht sich ja hoffentlich auch selbst keinen Druck zu machen. Finanziell sollte er ausgesorgt und bereits jetzt ein vielfaches von dem verdient haben, was wir Normalos im Verlauf unseres ganzen Lebens so anhäufen werden.

Da Badstuber also ganz bewusst in Planungen nicht einbezogen werden sollte, ist also festzustellen, dass wir mit Boateng, Hummels und Martinez mit drei IV besetzt sind. Sonstige Spieler will ich eigentlich nicht wieder auf dieser Position sehen. Weder Alonso (zu langsam, wird im DM gebraucht), noch Alaba (unserer unangefochtener Stamm-LV), noch Kimmich (kein IV, sollte im MF und ggfs. RV spielen).
Das bedeutet allerdings, dass der Kader an dieser Stelle etwas dünn ist. Nach meinem Empfinden sollte hier - unter besonderer Berücksichtigung der Martinez-Situation - reagiert werden. Sofern Martinez tatsächlich fraglich sein sollte oder die (finanziellen) Möglichkeiten günstig sind, dürfte ruhig etwas mehr Geld in die Hand genommen werden und ein weiterer potentieller Stammspieler (mögliche Kandidaten: Koscielny, Koulibaly, Tah, Süle?) geholt werden. Ansonsten würde es auch u.U. ein Routinier, der anders als Tasci auch ein gewisse Alternative sein müsste, in Betracht kommen (z.B. so einer wie Naldo).
In der Vorbereitung gefällt mir übrigens Feldhahn ziemlich gut. Aber der soll mal lieber unsere Amateure voranbringen.

Kleiner Einschub, nachdem ich jetzt erstmals Namen von potentiell interessanten Spielern erwähnt habe: Ich finde, dass ich relativ viel Fussball schaue, aber z.B. Spieler aus Mannschaften der zweiten Tabellenhälfte der Serie A, La Liga etc. sind mir eigentlich unbekannt. Ich kenne auch keinen Gabriel Jesus (mittlerweile ja kein Thema mehr) und könnte dessen Potential irgendwie einordnen. Deshalb kann ich auch nicht sagen, ob uns solche Leute weiterhelfen würden und ob man sie holen sollte. Einige im Forum scheinen zwar echte Experten mit fundierten Kenntnissen zu sein, bei vielen anderen habe ich aber den Eindruck, dass eine Schein-Kompetenz bei tatsächlicher Ahnungslosigkeit vorgegaukelt wird. Ich hoffe hier auf den das ganze professionell betreibenden Reschke.


Außenverteidigung

Hier sind bei mir Lahm auf RV und Alaba auf LV gesetzt.

Über Lahm muss nicht viel geschrieben werden. Ich gehe davon aus, dass er die nächsten zwei Jahre auf bekannt hohen Niveau agieren wird. Ich würde ihn auch fest auf RV und keiner anderen Position einplanen. Angesichts seines Alters dürften vereinzelte Ruhepausen sinnvoll sein.

Als Ersatz stünde dann Rafinha parat. Nachdem dieser unter Heynckes (eigentlich unverständlich) überhaupt nicht zum Einsatz kam, mauserte er sich in den vergangenen drei Jahren zu einem soliden Back-Up. Mit 30 Jahren ist er ein erfahrener, gestandener und solider Akteur mit gehobenen Bundesliga-Niveau. Ich ordne ihn nicht bei den Top-Spielern ein, gleichwohl kann er Lahm die notwendigen Ruhepausen verschaffen und sollte grade in der Bundesliga gegen mittlere und schwächere Mannschaften problemlos agieren können.

Als weitere Alternative ist Kimmich zu nennen, die RV-Entdeckung der EM. Ein junger Spieler mit bemerkenswerten Talent, dem viele hier noch eine ganz große Entwicklung zutrauen und der unbedingt weiter gefördert werden muss.
Da stellt sich zunächst auch noch nicht die Frage der fixen Position, da ein solch junges Talent zunächst überall auf dem Spielfeld Erfahrung sammeln kann. Ich halte ihn, wie bereits geschrieben, nicht für einen IV und letztlich auch nicht für den optimalen RV.
Kimmichs hervorragendste Eigenschaft ist die Fähigkeit der Spielorganisation. Er agiert mit einer unglaublichen Ruhe am Ball und kann sowohl präzise Kurzpässe als auch sehr präzise lange Bälle spielen. Auch im Zweikampf ist er bereits ausreichend bissig, so dass er eigentlich der optimale ZM-Spieler sein dürfte.
Dagegen geht ihm die Flinkheit und Leichtfüßigkeit, die ein junger Lahm und Alaba haben und die meines Erachtens ein perfekter Außenverteidiger aufweisen sollte, etwas ab. Grade bei unserer Spielanlage sollte der AV die Linie hoch- und runterwetzen, vorne bei Lücken vorstoßen, lange Diagonalbälle verarbeiten und präzise flanken können (Gegenbeispiel wie es nicht aussehen sollte: Hector bei der EM, der trotz unglaublicher Räume keine Gefahr kreieren konnte).
Dazu noch defensiv stabil und richtig stehen: Kein Wunder, dass es so schwierig ist, Top-AVs zu finden.

Links haben wir Alaba, den ich nächste Saison in alter Topform erwarte und der daher zunächst auch in keiner Weise infrage zu stellen ist.

Back-Up ist Bernat. Auch noch jung und mit einem starken ersten Jahr hier, stagnierte dieser zuletzt. Man hatte den Eindruck, dass er einfach einen gewissen Stiefel runterspielt ohne Raffinesse oder dem gewissen Etwas. Vielleicht ist unter Ancelotti noch eine Steigerung möglich; derzeit würde ich ihn aber eher als Kaderspieler einordnen.

Folglich haben wir hier nur 2 Top-Spieler, was angesichts der Eingangsüberlegung zu wenig wäre. Allerdings erscheint das Prinzip grade die AV betreffend schwierig umzusetzen. Zwar sind auch AV immer wieder auf beiden Seiten eingesetzt worden (Lahm, Höwedes), grundsätzlich hat aber nahezu jeder Spieler einen starken Fuß, der dann die Seite (rechts oder links) vorgibt. Lahm hat zwar auch als LV sehr gute Spiele abgeliefert, letztlich ist aber RV seine Paradeposition geworden. Und es ist sehr misslich, wenn ein AV auf der falschen Seite keine vernünftigen Flanken anbringen kann.

Ein absolut akuter Bedarf besteht aufgrund der zwei Back-Ups Rafinha und Bernat derzeit auch nicht. Gleichwohl gilt es hier die Augen offen zu halten und intensiv zu scouten. Grade aufgrund des Alters von Lahm ist kurz- oder mittelfristig die Verpflichtung eines Top-Spielers (auf RV) erforderlich. Wer hier geeignet ist, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Einer wie Carvajal wäre ein Traum; wenn er denn zu bekommen wäre.


Zentrale

Nachdem die hier lange Zeit agierenden Schweini und Kroos weg sind, hat sich natürlich einiges geändert. Schweini ist und bleibt für mich Fussballgott, Identifikationsfigur und Legende. Er steht über den normalen Beurteilungskriterien und mir ist es auch gleich, ob er hier vielleicht nur einen kurzen Zeitraum auf allerhöchsten Niveau agierte. Er ist neben Lahm das Gesicht der größten Zeit der Vereinsgeschichte inklusive WM-Titel (mindestens gleichauf mit den 70ern) und damit zu Recht in die Annalen des Fussballs eingegangen. Was jetzt in Manchester passiert ist eine absolute Frechheit und unwürdig. Ich hoffe, dass wir niemals so handeln werden und trotz der Gegebenheiten des Geschäfts Stil und Anstand wahren.

Kroos kann da natürlich nicht mithalten, obschon er ein genialer Fussballer ist, in Madrid weiter reifte und derzeit auch für uns eine Verstärkung wäre. Na ja, so läuft es im Fussball... Im Nachhinein muss man sagen, dass er wohl zurecht forderte, in Gehaltssphären eines Götze, Alaba etc. aufzurücken.

Zurück ins Jetzt:
Derzeit sind wir mit Vidal, Alonso, Thiago, Kimmich und Neuzugang Sanches besetzt.

Unangefochten ist zunächst Vidal, der in den entscheidenden Spielen letzte Saison klar bester Mann war.

Thiago konnte zuletzt nicht ganz so überzeugen, hat sich dafür aber gesundheitlich wieder stabilisiert. Seine Technik ist unglaublich, zudem gelingt es ihm auch immer wieder, einen Gegenspieler auszuwackeln und aussichtsreiche Situationen zu kreieren. Bei ihm hoffe ich auf eine Steigerung und auf ein Ausschöpfen seines Potentials nächste Saison; ich würde ihn daher als Top-Spieler einordnen und hoffe, dass an Gerüchten bzgl. eines Wechsels nichts dran ist.

Dann Alonso als Routinier. Aufgrund seiner Leistungen halte ich ihn ebenfalls für einen potentiellen Stammspieler, dem allerdings aufgrund seines Alters die nötigen Ruhepausen gewährt werden sollten. Bei ihm bin ich immer wieder beeindruckt, mit welcher Souveränität er auftritt. Er strahlt unglaubliche Autorität im Mittelfeld und die Aura einer absoluten Persönlichkeit aus. Grade die jungen Spieler sollten sich das angucken und lernen.

Schließlich Sanches, unser 18-jähriger Neuzugang. Nach der EM das Talent schlechthin in Europa und daher trotz des Preises eine sinnvolle Verpflichtung. Sollte er wirklich Weltfussballer werden hätte ich auch keine Probleme weiter nachzuzahlen.
Trotz seines Alters ist er bereits jetzt Top-Spieler, der auf höchsten Niveau agieren kann, was er gegen uns in der CL sowie bei der EM ja auch klar nachgewiesen hat.

Zuletzt noch Kimmich, den ich wie bereits geschrieben, grundsätzlich als ZM sehe. Aufgrund seiner Passfähigkeiten ist er für die Alonso- bzw. Kroos-Position prädestiniert. Ihm würde ich noch eine Lernkurve zutrauen, insbesondere auch das Abstellen gelegentlicher Konzentrationsfehler. Schon jetzt sehe ich ihn zumindest als potentiellen Stammspieler, der weiterhin regelmäßig zum Einsatz kommen sollte.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass wir in diesem Mannschaftsteil derzeit optimal besetzt sind. Selbst wenn es Alonos letztes Jahr hier sein sollte, steht der Nachfolger mit Kimmich bereits in den Startlöchern, wobei seine weitere Entwicklung natürlich genau zu beachten ist.




Offensives Zentrum:

Unter diesem Begriff fasse ich Lewandowski und Müller zusammen, da sie beide als absolute Stammspieler der letzten Saison zentral aufliefen. Entsprechend viele Tore haben beide auch erzielt; streitig bleibt, ob dies – wie auch mehrfach hier gelesen – den Rest hemmte und ob beispielsweise ein kreativer 10er anstelle von Müller auf seiner letztjährigen Position besser wäre.
Dagegen spricht natürlich das Atletico-Spiel. Im Hinspiel versuchten wir es ohne Müller und hatten Schwierigkeiten, im Rückspiel haben wir mit ihm fantastisch gespielt.

Entscheidend ist jetzt, ob Carlo so weiter machen will oder ob es vielleicht eher Richtung 4-3-3 gehen soll. Dann hat man natürlich irgendwo ein Problem, da Müller in diesem Fall entweder fest auf Außen müsste oder es zu einer Rotation Lewy-Müller kommen würde. Angesichts der Kadersituation, des positiven Atletico-Rückspiels, der kolportierten Ancelotti-Aussagen (er möchte unbedingt sowohl Müller als auch Lewa als Fixpunkte haben) und des Standings der beiden gehe ich davon aus, dass es so weiter geht wie letzte Saison. Ich halte das auch letztlich für richtig, da ich Müller ebenfalls als Fixpunkt im Team sehe und er zentral in seiner Raumdeuter-Rolle einfach am besten ist.

Zu Lewy:
Er ist sicher ein Weltklasse-Stürmer und wir sollten weiterhin auf ihn setzen. Negativ fällt mir lediglich auf, dass er den absoluten Killer-Instinkt eine Stürmers zeitweise vermissen lässt. Einfach mal aus dem Nichts ein Tor erzielen oder knallhart und effektiv die Chancen nutzen… da kann er meines Erachtens noch besser werden. Natürlich spielt er sich manchmal in einen Rausch und netzt dann gleich 5 Mal. Er hat allerdings auch öfters Situationen liegen gelassen.
Zu seinen ständigen Kokettieren mit dem Vereinswechsel:
Wir können da doch völlig locker sein. Bei Vertragsende ist er (fast?) 31 Jahre alt und damit kein perspektivischer Transfer für einen absoluten Top-Club. Daher hätte ich auch überhaupt keine Bauchschmerzen, wenn wir es einfach laufen lassen würden. Einfach die weitere Entwicklung abwarten. Grade bei dem nervigen Spiel seiner Berater – er selbst setzt dem ja auch kein Ende – würde ich mir überlegen, ob eine Verlängerung einschließlich Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll wäre. Am Besten jedes Mal etwas von einer möglichen angedachten Gehalts-Erhöhung runtergehen, wenn Bartel/Kucharsky oder wie die heißen, wieder labern…

Zu Götze:
Er war der dritte Mann in meinem „3 für 2“ Prinzip, da er sowohl auf der Müller- als auch auf der Lewy-Position agiert, kein Außenspieler und auch kein 8er war, obwohl er grundsätzlich die 8er-Skills eigentlich haben müsste. Letztlich haben letzte Saison Lewy und Müller auch gefühlt durchgespielt; entsprechend haben sie sich dann bei der EM präsentiert. Mit ein Grund war dafür natürlich auch die Verletzungssituation bei Götze.
Ich halte Götze für einen technisch perfekten Fussballer mit unglaublicher Ballfertigkeit und hatte bei seinem Wechsel große Hoffnungen, dass er über Jahre unser Spiel prägen wird. Er ist natürlich kein Messi; ich war mir aber fast sicher, dass er hier auf seine Art Weltklasse-Leistungen zeigen wird. Das ist letztlich nicht geschehen und der Grund dafür liegt für mich einzig und allein in der nicht vorhandenen Athletik bzw. Spritzigkeit. Ich kenne die genaue Ursache nicht (Trainingsfaulheit?, gesundheitliche Problematiken?, fehlende Fokussierung auf den Sport?), aber es ist ganz offensichtlich, dass es hier haperte. Jeder Offensivspieler braucht die Fähigkeit, mal einen überraschenden Sprint anziehen zu können, einen Gegenspieler durch Tempo oder Tricks stehen lassen zu können und so Räume zu öffnen. Von Götze kam in dieser Hinsicht bei seinen Einsätzen viel zu wenig und genau deshalb wurde er in den wichtigen Spielen logischerweise nicht gebracht. Als Gegenbeispiel fällt mir da Thiago ein (obwohl der letzte Saison ja auch nicht top war). Der ist aber auch kein Sprinter, wackelt aber an den Gegnern irgendwie vorbei.

Selbst ohne diese Spritzigkeit ist Götze natürlich noch ein passabler Spieler, der grade gegen mittelmäßige bzw. normale Gegner immer zu Scorern in der Lage ist und sicher auch für den BVB wertvoll sein wird. Nur für das allerhöchste Niveau wird es so natürlich nichts, was unsere Verantwortlichen auch schon recht zeitnah (bereits letztes Jahr sollte er weg) unumstößlich so entschieden hatten.

Jetzt ist er weg… Brauchen wir Ersatz?
Meiner Meinung nach ein klares Ja. Ich glaube bzw. hoffe auch, dass wir auf der Suche sind und hier noch jemanden präsentieren werden. An den diversen Aussage („bin mit dem Kader zufrieden“ etc.) kann man rein gar nichts festmachen; dies ist das übliche Geplänkel. Sanches und Hummels kamen auch ohne Hinweise.
Denn: Bereits letztes Jahr waren Lewy und Müller überspielt. Ein weiterer Spieler zur Schonung der beiden, als Ersatz bei Verletzungen und als Alternative bei Formschwankungen etc. ist nötig. Grade im Offensivbereich müssen auch Joker-Alternative her, falls sich die anderen aufgerieben haben und ein anderes Element zum Knacken einer Abwehrmauer nötig wird.

Wer kommt in Betracht? Schwer zu sagen… Gabriel Jesus ist zu City gewechselt. Draxler, dessen Potential im Gegensatz zu den überwiegend gezeigten Leistungen tatsächlich unglaublich ist, kommt diese Wechselperiode ebenfalls nicht mehr in Betracht. Vielleicht James, obwohl wahrscheinlich zu teuer? Mario Gomez hat bei Wolfsburg angeheuert smile Wobei ein reiner Zentrumsspieler natürlich nicht auf den Außen aushelfen könnte.

Dagegen sollten wir nicht auf Julian Green setzen. Natürlich kann man immer hoffen, dass er einen Sprung macht und ich freue mich auch über die Tore gegen Inter. Aber ansonsten hat er noch rein gar nichts gezeigt, was für gehobenes bzw. hohes Niveau erforderlich ist. Angesichts unserer Ziele können wir nicht mit Leuten planen, die allenfalls sicheres Zweitliga-Niveau nachgewiesen haben und diesen dann bei uns die Rolle eines potentiellen Stammspielers zuweisen.


Außenspieler

Robbery sind in die Jahre gekommen und haben im Verlauf ihrer Karriere einen kraftraubenden Vollgasstil gespielt. Beide sind in Top-Form absolute Ausnahmekönner und wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir sie einfach so ersetzen können. Das wird nicht möglich sein, genauso wenig wie man Messi oder Ronaldo ersetzen kann. Wahrscheinlich wird hier lange Zeit niemand mehr agieren, der die Klasse von Robben und Ribery zur ihrer absoluten Glanzzeit hat. Aber wer weiß...

Ich denke, dass beide theoretisch noch zu Klasse-Leistungen in der Lage sind. Ribery spielt ja jetzt schon länger wieder und diese seltsame Geschichte aus dem Donezk-Spiel ist hoffentlich überwunden. Er wirkt für mich grade ziemlich spritzig und spielfreudig, so dass ich hoffe, dass wir ihn diese Saison in zahlreichen Spielen sehen werden.

Dafür macht Robben derzeit Sorgen. Die Adduktoren scheinen seine Achillesferse zu sein und die Verletzungen treten zuletzt immer öfter auf. Auch er ist in Topform weiterhin eine Verstärkung. Aber wie viele hier ja auch immer wieder anmerken: Eine Planung mit beiden über die ganze Saison wäre natürlich höchst fahrlässig.

Dann haben wir mit Coman und Costa zwei weitere Spieler, die auf den Außen spielen werden. Bereits letztes Jahr sind sie in vielen Spielen zum Einsatz gekommen; so wird es wohl auch diesmal wieder aussehen.

Costa hat letztes Jahr unglaublich stark begonnen. Sein Antritt ist atemberaubend und dadurch kann er sich immer etwas Raum verschaffen. Typisch waren dann seine wilden Hereingaben, die oft verpufften; gleichwohl auch diverse Male zum Erfolg führten. Der genialen Hinrunde folgte dann aber eine Verletzung und eine viel schwächere Rückrunde. Grade im entscheidenden Saisonabschnitt war er nicht wirklich in Form; aktuell ist er ja auch wieder verletzt. Bereits zum Ende der Hinrunde war er, offenbar weil man feststellte, dass irgendwas nicht stimmte, geschont worden. Ob es hier ein größeres Problem gibt, müssen die Verantwortlichen wissen; ich hoffe natürlich, dass dies nicht der Fall ist.
Ansonsten sehe ich ihn vielleicht nicht so euphorisch wie zu Beginn, aber auch nicht so negativ, wie es zuletzt oft hier zu lesen war. Grade der Antritt ist eine echte Waffe, dem viele Verteidiger zunächst mal nichts entgegenzusetzen haben. Zudem hat er auch ein paar schöne Distanzschüsse gezeigt. Ein kompletter Weltklassespieler wie Robben oder Ribery zu Glanzzeiten ist er natürlich logischerweise nicht; gleichwohl ein Akteur von internationaler Klasse mit dem Antritt als Alleinstellungsmerkmal.

Dann Coman... ein Spitzentalent. Er bringt alles mit... unglaubliches Tempo, Dribblingskills etc. Logisch, dass wir ihn fest verpflichten müssen für einen – mittlerweile – wirklich guten Preis. Bei ihm hat man das Gefühl, dass er im Vergleich zu Costa die kompletteren Anlagen mitbringt; es scheint sogar möglich, dass er bei entsprechender Weiterentwicklung so gut wie Robbery werden könnte. Dies kann man natürlich nicht mit Sicherheit voraussehen, bereits jetzt ist er als potentieller Stammspieler und für mich höher als ein reiner Back-Up anzusehen.


Vielfach ist zu lesen, dass wir noch weitere Außenspieler als Verstärkung brauchen. Tatsächlich sprechen diverse Argumente, insbesondere natürlich die Verletzungsanfälligkeit von Robbery dafür. Zudem ist Götze jetzt weg; er ist zwar kein Außenspieler, kam allerdings auch mehrfach in diesem Bereich zum Einsatz. Müller sehe ich als Zentrumsspieler.
Andererseits muss man natürlich auch irgendwie Robbery einplanen. Legt man das bereits eingeführte Prinzip 3 für 2 zugrunde, hat man hier auf dem Papier ganze 4 Top-Spieler. Rechnet man dann Robbery zusammen als einen Spieler, würde es mit 3 für 2 passen. Ein (schwächerer) Back-Up fehlt dann noch (mögicherweise auch denkbar Bernat, Sanches, Müller).
Letztlich sollte man Robbery auch nicht – wie Badstuber – völlig aus der Planung rausnehmen. Ribery ist derzeit fit; Robben wird auch wieder zurückkommen.
Natürlich sind Neuzugänge/Verstärkungen immer wünschenswert; aus meiner Sicht sollten wir uns in dieser Transferperiode noch auf den Götze-Ersatz fokussieren, der primär für das Zentrum eingeplant werden sollte.

Häufig diskutiert wird hier, ob man nochmals mit Robbery verlängern sollte. Ich würde hier abwarten, wie die Saison so läuft. Welche Leistungen zeigen die beiden? Wie entwickelt sich ihre Verletzungssituation? Auch als reine Stand-By-Profis hätten sie ggfs. noch einen großen Nutzen, wobei man dann natürlich schauen muss, ob man die Verträge so gestaltet kriegt, dass es preis-leistungsmäßig noch im Verhältnis steht. Insgesamt muss man die Augen nach möglichen Nachfolgern natürlich offen halten, wobei in diesem Zusammenhang natürlich auch die weitere Entwicklung von Coman von besonderer Bedeutung ist. Letztlich könnte man hier den Spielern angesichts ihrer Verdienste durchaus etwas entgegenkommen, sofern es insgesamt vertretbar ist.

In diesem Zusammenhang als kleiner Einschub:
Teilweise bin ich etwas entsetzt, wie manche hier über unsere Spieler schreiben, grade über die, die über Jahre hier zu Identifikationsfiguren und zum Gesicht der derzeitigen Bayern-Ära geworden sind. Ribery, Robben, Schweini... "Schweini hatte hier nur 3 gute Jahre und war ansonsten einen Pfeife" etc. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ist das die typisch deutsche Meckermentalität?


Soviel zur Kadersituation.

Zuletzt noch ein paar Gedanken zu diversen Bereichen:


Jugendarbeit

Oft wird sie – in gewisser Weise wohl auch zu Recht schlecht gemacht – aber wenn man mal ganz nüchtern überlegt, wie viele absolute Spitzenspieler wir in den letzten Jahren hervorgebracht haben, ist die Bilanz schon stark. Ich weiß jedenfalls nicht, ob andere Vereine da mithalten können.

Schweini, Lahm, Hummels, Müller, Kroos, Alaba, Badstuber, (Can): mehr als ein halbes Dutzend derzeit noch aktiver Spieler, die absolut den allerhöchsten Ansprüchen genügen.

Derzeit sieht es natürlich etwas mau aus, insbesondere ist keiner dabei, den man mit Sicherheit den Sprung in den Bereich der Genannten zutrauen würde.

Zudem fällt auf, dass wir in der Breite verhältnismäßig wenig Spieler hervorbrachten und insbesondere die Erfolge im Nachwuchsbereich (auch bei den Amateuren) ausbleiben.

Mit dem neuen NLZ haben wir die längst überfälligen infrastrukturellen Bedingungen hoffentlich geschaffen. Bei den derzeitigen Transferpreisen scheint es sich auch lohnen, in Steine zu investieren, wenn man mal bedenkt, dass ein Topspieler allein mittlerweile schon so viel kostet wie der gesamte Bau.
Unser Anspruchsdenken muss naturgemäß auch sein, in den nächsten Jahren im Nachwuchsbereich auch Erfolge einzufahren. Es erscheint mir auch sinnvoll, außergewöhnliche Talente von extern zu verpflichten, um ihnen hier den Feinschliff zu verpassen und sie sich auch zu einem Zeitpunkt zu sichern, in dem sie noch bezahlbar sind.

Und ich denke, dass wir auch ein Pfund haben, mit dem wir wuchern können:
Grade das Beispiel der oben Genannten zeigt doch, dass Spieler, die sich tatsächlich bei uns durchsetzen, zu den Allerbesten werden. Hier reicht eben kein Mittelmaß, wir brauchen absolutes Topniveau und darauf wird die Ausbildung ausgerichtet. Schon im Training können sie das – häufig trainieren einige Talente ja auch mit der Profimannschaft – hautnah und aus erster Hand erfahren und lernen. Dies haben andere (mittelmäßige) Clubs eben nicht zu bieten.
Und selbst wenn es eben doch nicht ganz reichen sollte, kann man ja immer noch wechseln und eine Ausbildung beim FC Bayern wäre dann sicherlich kein Makel sein.

Bei unseren derzeitigen Talenten (häufig genannt: Dorsch, Benko, Tillmann, Green) muss man natürlich sehen, dass diese derzeit noch kein Bundesliga-Niveau nachgewiesen haben und nach meinen Kurzeindrücken auch noch nicht haben. Das sieht man am Gesamtverhalten auf dem Platz; das Tempo können sie noch nicht mitgehen, die Entscheidungsfindung ist noch nicht ausreichend ausgereift. Gleiches gilt auch für den derzeit verliehenen Gaudino, obwohl ich den letzten Stand und seine weitere Entwicklung jetzt nicht verfolgt habe. Daher können wir solche Spieler natürlich nicht als Kaderspieler einplanen. Sie kommen allenfalls zur Kaderauffüllung in Betracht und könnten hin und wieder mal sporadisch eingesetzt werden. Natürlich kann sich das immer ändern, Leistungssprünge könnten schnell erfolgen. Entscheidend muss hier sein, einen sinnvollen Plan für jeden Einzelnen zu entwickeln (Stamm bei den Amateuren, Training mit den Profis, ggfs. Kurzeinsätze, Leihen usw.)

Im Ergebnis denke ich, dass wir im Bereicht der Jugendarbeit insgesamt auf einem vernünftigen Weg sind und erhoffe mir zukünftig so einiges.


Dann noch ein paar Gedanken zur grundlegenden Lage unseres Vereins:

In den letzten Jahren haben wird den Sprung zu den absoluten Top-Vereinen geschafft und uns auch etabliert. Anders als in den 00er-Jahren kann uns derzeit kein Spieler mehr mit dem Argument verlassen, woanders die Champions League gewinnen zu wollen (wie seinerzeit Ballack). Wir sind als einziger Bundesligist Global Player und stehen quasi auf einer Stufe mit Real, Barca, ManU etc.
Entsprechend verfolgen wir auch Strategien, um dieses Standing zu behalten. Fortschreitende Internationalisierung, Einnahmensteigerung, Bedeutung des Marketings etc. etc.
Fussball ist Showbiz, Sport und Wirtschaft gleichzeitig.
Natürlich könnten wir nicht da stehen, wo wir stehen, wenn wir die Regeln des Geschäfts nicht mitspielen würden. Audi und Adidas als Anteilseigner, Wirtschaftsmanager im Aufsichtsrat… Das Ganze hat mit der ursprünglichen Idee vom Fussball (zwei Tore, ein Ball, 11 Mann die alles geben) wenig gemein.
Aber wenn wir dann im CL-Halbfinale stehen, die Spannung sich über Tage aufbaut, der Anstoß naht … ist das alles egal

Dennoch:
Ich finde, dass wir uns weiterhin bemühen sollten, trotz der fortschreitenden Internationalisierung gewisse – ich nenne es mal – Grundtugenden zu erhalten und zu transportieren und dies auch ggfs. zur Abgrenzung zu anderen Vereinen positiv einzusetzen. Als da wären zum Beispiel:

- kein Mäzen-Verein, sondern ein Fussballverein, der sich nicht in finanzielle Abhängigkeit von Einzelpersonen begibt, deren Interessen egoistisch ausgerichtet sind

-   Betonung der positiven Vereinsgeschichte

-    Familiäre Atmosphäre statt instinktlos, kühl kalkulierender Großkonzern (in diesem Zusammenhang auch: Rückkehr vom Uli nach verbüßter Strafe)

-    Stil im Umgang (keine Ausbootungen, Akzeptanz von Verträgen)

- Dankbarkeit und Respekt für große Leistungen (Schweini, Robbery, Scholl, Matthäus…)


So, das war das Wort zum Sonntag und gleichzeitig das Ende meiner kleinen Abhandlung smile
Eure Kaderanalyse |#532
18.08.2016 - 01:41 Uhr
Zitat von Schildi

...
Keine Ahnung, ob sich jemand den ganzen Kram tatsächlich durchliest... smile
...


Nö, ganz sicher nicht. Cool
Eure Kaderanalyse |#533
09.02.2017 - 21:25 Uhr
im Lahm-Thread gibt's gerade ne Neben-Diskussion um die Kaderzusammenstellung 2007 + Folgejahre.

Mich würde mal folgendes interessieren: Hat die Mannschaft um die Jahrtausendwende, die 3 Jahre lang (1998-01) ganz oben in Europa mit dabei war, diese Erfolge auch deshalb erzielt, weil die Kaderzusammenstellung so stimmig war - bzw. falls nicht, ob das dann nicht bedeuten würde, dass die Passgenauigkeit von Spielerprofilen hier als Erfolgsfaktor überschätzt ist zwinker

Ich leiste mal die Vorarbeit:

Kader-Kern:
Kahn
Dreher
Kuffour
Linke
Lizarazu
Tarnat
Jeremies
Fink
Effenberg
Salihamidzic
Scholl
Elber
Jancker
Zickler

partiell dabei:
Scheuer (2 Jahre)
Wessels (2)
Babbel (2)
Helmer (1)
Andersson (2)
Matthäus (1,5)
Strunz (2,5)
Sagnol (1)
Sforza (1)
Basler (1)
Hargreaves (1)
Wiesinger (2)
Sergio (2)
Santa Cruz (2)
Daei (1)

auf Leute wie Wojchiechowski, die hier keine Rolle gespielt haben, hab ich mal verzichtet

Interessant wäre dabei natürlich auch der Vergleich mit Teams wie Barca, Milan, Inter oder Lazio, die in diesem Zeitraum nicht mit uns mithalten konnten.
Ich übergebe ab hier an die, die sich da ne rückwirkende Bewertung zutrauenCool

edit: mir fällt da bei der Kaderstellung gleich noch die Unwucht auf, dass wir in der CL-Sieg-Saison nur 3 IV im Kader hatten, die zum Ende der Saison auch noch allesamt immer gespielt haben. Sowie die Alternativlosigkeit von Strunz als RV (obwohl er von Trap & Rehhagel noch als Mittelfeldspieler eingesetzt wurde) in der ersten Phase.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von username am 09.02.2017 um 21:33 Uhr bearbeitet
Eure Kaderanalyse |#534
09.02.2017 - 23:44 Uhr
Das ist eine Frage, wo man jetzt extrem weit ausholen müßte. Kurzantwort wäre wohl: „Profile“ waren auch damals wichtig, aber ihre Bedeutung hat seither noch deutlich zugenommen.

Zuerst muß man sehen: Der Fußball war damals ein anderer. Viel lockerer, weniger athletisch, weniger kollektiv orientiert. Glaube auch kaum, daß es damals groß Datenscouts, Videoanalysten und Ernährungsberater gab. Natürlich verändert sich der Fußball immer, aber in den letzten 20 Jahren hat er sich imho in kürzerer Zeit und dramatischer verändert als zuvor. Seit Pep, Simeone (durch den vielleicht am wenigsten) und Klopp, auf deutscher Ebene noch van Gaal bei Bayern, Rangnick (der war etwas früher), Tuchel, Slomka, Favre hat die Bedeutung des Kollektivspiels noch einmal massiv zugenommen, mit dem lockeren Heroenfußball, der auf Wille, Psychologie und individuelle Qualität setzt, ist es endgültig vorbei. Früher gab es auch klare Philosophie- und Kollektivteams (Ajax, Happel-Mannschaften, Sacchis Milan, van Gaals Ajax), aber das waren noch individuelle Phänomene. Seit 2009 ff. ist das ein Massenphänomen. Alle bewegen sich lauf- oder sprintintensiv in exakt abgestimmten Choreographien über den Platz und verdichten genau dafür vorgesehene Zonen. Wie eine Schablone mit 10 aufgemalten Punkten in exakten Abständen. So sah das ja bei Mainz unter Tuchel aus. Im Vergleich dazu ist selbst das legendäre Spiel zwischen Milan und Bukarest Spaßfußball in Zeitlupe. Je wichtiger das Kollektiv und die Taktik werden, desto wichtiger werden imho Profile.

Dann muß man sich in Erinnerung rufen, was der Umbau des Bayern-Kaders, der diesem Erfolg vorausging, für damalige Verhältnisse eine Revolution war. Jahrelang hatte man auf die Crème de la Crème der Liga und der N11 gesetzt (Leute wie Lerby, Matthäus, Kohler, Reuter, Laudrup, Effenberg, Jorginho, Helmer, Sforza, Klinsmann, Kahn, Basler, No-Brainer sozusagen), auf Leute aus dem eigenen Nachwuchs (Pflügler, Kögl, Flick, Eder, … Hamann, Nerlinger, Frey, Kuffour, Babbel …) sowie vereinzelte alternde Weltstars, wobei das meist schiefgegangen ist (Papin). Und auf Sternchen vom KSC oder von Nürnberg (Sutter, Sternkopf, Scholl …). Zusammengepaßt hat das eigentlich nie so richtig.

Und dann kaufen die plötzlich überraschend billige und unprominente Leute ein, die total eingeschlagen haben. Man muß sich klarmachen, daß man damals ernsthaft überrascht war über diesen Kurswechsel. Los gegangen war das mit Zickler, dann innerhalb relativ kurzer Zeit Linke, Brazzo, Jeremies, Tarnat, Jancker, Fink …. Und genau die richtigen Leute aus anderen Kategorien, Andersson, Sergio, Elber und Effenberg waren etablierte Stars, Liza hatte man im Uefa-Cup-Endspiel 1996, entdeckt. Sagnol war sensationelles Scouting.

Im Vergleich zu davor war das Profil-mäßig ein Quantensprung, weil man nicht länger teuer für etablierte Qualität oder kurzfristige Prominenz bezahlt, sondern tatsächlich nach Position gekauft hat. Und das Verhältnis zwischen Häuptlingen und Indianern hat gestimmt. Und einige Spieler waren sogar polyvalent: Zickler MS, RA und RM, Brazzo LAV, RAV, RM, LM, RA, LA, Babbel RAV und IV, Tarnat LAV, LM und ZM (und Tor).
In einer anderen Fußball-Ära war das schon ziemlich smart. Smarter jedenfalls als davor und danach. Keine Ahnung, woher dieses Ereignis kam. Ob das an Beckenbauer und diesem Roland-Berger-Typen lag, an Hitzfeld … Fragezeichen. Aber es war eindeutig anders.

Hitzfeld selbst ist mir dabei bis heute ein Rätsel. Bei vielen anderen Trainern, die den Landesmeister-Cup mit zwei Teams gewonnen haben oder kurz davor standen, ist klar, wofür die stehen. Happel für Pressing, Michels, Cruyff, van Gaal und Guardiola für raumverdichtenden Offensivfußball mit schnellem Flachpaßspiel und Flügelfokus, Lobanowski, Happel und Sacchi (und Rangnick) für Mittelfeldpressing, 4:4:2-flach und Athletik, Mourinho und Simeone für defensiv perfekt organisierten Kraftfußball. (Heynckes für eine physische und etwas pragmatischere Variante des holländischen Stils.)

Und dann gibt es große Trainer, wo man nicht so genau sagen kann, wofür sie stehen. Die großen, teils rätselhaften Pragmatiker: (Heynckes), Lattek, Benitez, SAF, Ancelotti – und Hitzfeld. Die gehen die Sache nicht ganz so ideologisch an, setzen auf Basis-Qualität, Psychologie, individuelle Qualität im ZM - vor allem spielerisch-strategisch: (Kroos, Schweinsteiger, Martinez, Matthäus, Effenberg, Redondo, Guerrero bei Heynckes,) Sammer und Sousa, Effenberg und Fink (Hitzfeld), Keane und Scholes (SAF), Alonso (Benitez und Ancelotti), Pirlo, Seedorf, Rui Costa, Verratti, Modric (Ancelotti) – und wissen, daß immer alles auch vom Schlachtenglück abhängt. Von Hitzfeld stammt ja das Wort. Das sind keine Nerds, die den Zufall im Fußball minimieren möchten, das sind handwerklich sehr gute Fatalisten. Kein Wunder, daß hier Spitznamen dominieren wie „Der Kellner“ oder „Der Busfahrer“. (Umso überraschender Hitzfelds Falten, Heynckes' Gesichtsfarbe und Carlettos Kaugummi.)

Insofern hab ich auch bis heut nicht endgültig verstanden, worin der eigentliche Grund des damaligen Erfolges liegt. Ich tippe auf eine Mischung: einmalige Spielerpersönlichkeiten (Kahn, Andersson, Liza, Effenberg, Brazzo, Elber), relativ gutes Scouting (Profile) und ein sehr guter Trainer. Und darauf, daß das damals noch eine andere Fußballwelt war, das Herozoikum, sozusagen. Jetzt sind wir im Kollektozän.

•     •     •

Lieblingsmannschaft der letzten 20 Jahre: Neuer; Lizarazu, Alaba, Anderson, Kimmich; Lahm, Kroos, Vidal; Müller, Pizarro, Robben
Traummannschaft für die nächsten 10 Jahre: Urbig; Davies, Schlotterbeck, Stanisic, Kimmich; Pavlovic, Stiller; Musiala, Bischof, Olise, Havertz

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Trumoi am 10.02.2017 um 00:00 Uhr bearbeitet
Eure Kaderanalyse |#535
10.02.2017 - 00:54 Uhr
Zitat von Trumoi

Das ist eine Frage, wo man jetzt extrem weit ausholen müßte. Kurzantwort wäre wohl: „Profile“ waren auch damals wichtig, aber ihre Bedeutung hat seither noch deutlich zugenommen.

(...)
erstmal danke für Deine ausführliche Antwort.

Was ich so raus höre, teilst Du ja meine Vermutung, dass der Kader (auch schon) nicht derart zusammengestellt war, dass alles widerspruchsfrei auf ein System ausgerichtet war.

Ich skizziere mal die Formationen, wie ich sie in Erinnerung hab:


98/99:

--Scholl-------Elber--------------Basler
(Brazzo)-(Jancker/Daei)----(Zickler)

---------------Effenberg-----------------


Lizarazu----Jeremies---------Strunz
(Tarnat)------(Fink)

Kuffour----Matthäus----------Babbel
(Helmer)--------------------------(Linke)

----------------Kahn---------------
----------(Scheuer/Dreher)---------


99/00:

---------Elber-------------------Sergio----
-(Jancker/Santa Cruz)--(Zickler)---

----------Scholl-----Effenberg----------


Lizarazu------Jeremies-------Brazzo
(Tarnat)------(Fink)---(Strunz/Wiesinger)

Kuffour------Matthäus------Babbel
(Andersson)-------------------(Linke)

----------------Kahn--------------------------
------(Scheuer/Dreher/Wessels)-----



00/01:

Scholl---------Elber-----------Brazzo
(Zickler)-(Jancker/Santa Cruz)-(Sergio/Wiesinger)

------------------Effenberg--------------


Lizarazu------Jeremies-------Sagnol
(Tarnat)--(Fink/Hargreaves)

Kuffour------Andersson------Linke
-------------------(Sforza)----------------

----------------Kahn-----------------------
--------(Wessels/Dreher)-------------



Bei sowas (Nicht-Ersatz für Effenberg, IV in 2001, RV-Alternativen Babbel bzw. Brazzo) würdest Du heute die Hände über dem Kopf zusammen schlagen zwinker

Der Auslöser für die von Dir geschilderten Veränderungen waren für mich zum Einen das Verstärken in die Breite ab 1997 (Fink & Tarnat quasi von vorneherein als Bankspieler geholt; das gab's zumindest in der Planung für solche Kaliber vorher nicht), wo's vorher immer auf ne klare Stammelf ausgelegt war

Und zum Anderen natürlich Hitzfeld - würde mich schon wundern, wenn seine Ankunft und die der relativ vielen Neuzugänge (auch hier wieder die Breite stärkend: Effenberg zusätzlich zu und nicht statt Scholl/Basler, Linke als Bankspieler, mit Daei/Santa Cruz nen 5. Stürmer) nur zufällig zusammen fielen. Weil er natürlich relativ klare Vorstellungen von dem hatte, was er sich vorstellte und es natürlich auch damals wichtig war, dass der Kader aus Spielern bestand, die für seine Spielweise taugen (-> Spielerprofile Zunge raus).

Mein Schluss daraus ist aber, dass FB/KHR/UH im Verbund mit einem Trainer in der Lage waren, einen Titel-Kader zusammen zu stellen, ohne dass UH dafür "King of Spielerprofile" hätte sein müssen Lachend (Nebenbei ist für mich auch die Erklärung für die schwache Transferperiode 2008/09, dass Klinsmann eben keinen Input dafür gab, sondern sich mit dem Kader zufrieden gab, wie er war).
Und auch, dass ein Kader mit Unwucht (ein Effenberg-Ausfall war damals sicher nicht einfacher aufzufangen, als einer von Thiago heute) kein Erfolgsverhinderer sein muss.

edit: jetzt mal Spekulation von mir zu Transferphase 2010/11 - die war ja noch passiver als 2008/09:
Uli (?) hat ja öffentlich geklagt, dass LvG keine Anstalten mache, den Kader verstärken zu wollen. Hier im Forum gab's damals auch Interpretationen von wegen, was soll er auch mit Vorschlägen wie Rafinha od. van der Wiel anfangen, wenn er Lahm nicht nach links ziehen will. Vllt. waren unsere Oberen vom Trainer auch mehr Zuarbeit gewohnt, als dass sie selbst liefern & er ablehnt. Vllt. war LvG bockig von wg. "wenn ihr letztlich drüber entscheidet, dann leistet auch das Scouting anhand von Stellenbeschreibungen", vllt. war er bessere Zuarbeit gewohnt.
Jedenfalls haben wir uns in dem Bereich ja inzwischen gut aufgestellt & wenn ein Trainer nur ein Profil zeichnet statt konkreten Personalvorschlägen, sind wir da nicht von KHR/UH abhängig.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von username am 10.02.2017 um 01:13 Uhr bearbeitet
Eure Kaderanalyse |#536
10.02.2017 - 03:11 Uhr
1. Wiederaufstieg 1996

Der Wiederaufstieg Bayern Münchens begann bereits, nachdem man eingesehen hatte, dass der reine Jugendstil, den man noch 1994/1995 propagierte, gescheitert war.


2. Folgejahre und Umorientierung bei Transfers

Bereits in der Folgephase war man durchaus bereit Leute aus dem Ausland zu holen (z.B. Kostadinov, Klinsmann oder Papin). Belohnt wurde das zeitnah mit dem Sieg im Uefa-Cup 1996, der damals nicht schwächer besetzt war, als die Champions League.


3. Auf der Suche nach einem System

In den folgenden beiden Jahren hat man den Kader Schritt für Schritt ergänzt (Basler, Fink, Tarnat, Elber oder Jancker stammen alle aus der Zeit), aber noch keinen so richtigen Plan. Auch durch häufigere Trainerwechsel. Hinzu kam, dass sich von den Unmengen an aktuellen und ehemaligen Jugendspielern (z.B. Bentil, Gerster, Jarolim, Johannson, Kuffour, Wiblishauser, Hamann, Nerlinger, Saba, Leitl, Bugera, Babbel) nur wenige durchsetzen konnten. Insgesamt war der Kader nicht optimal besetzt.


4. Gezielter Aufbau ab 1998/199

Der große Umschwung kam tatsächlich mit Hitzfeld 1998/1999. Der größte Teil der untauglichen Jugendspieler wurde aussortiert und dafür kamen gezielte Verstärkungen: Linke, Lizerazu, Effenberg, Salihamidzic und Jeremies kamen in einer Transferperiode. Der hier genannte Thomas Strunz war dagegen nur ein Ersatzspieler, der überhaupt keine große Rolle mehr spielte.


5. 1999/2000

Dass das kein Zufall war, zeigte sich ein Jahr später. Für Basler konnte man bereits in Sergio eine idealen Ersatz präsentieren. Patrick Anderson ersetzte den alternden Helmer und war, bei einem Matthäus-Abschied auch als neuer Abwehrchef eingeplant. Im Sturm hatte man mit Roque Santa Cruz ein vermutetes Mega-Talent verpflichtet


6. 2000/2001

Auch die nächste Saison zeigte, dass punktegenau ergänzt wurde: Nachdem Matthäus-Abgang stellte man endgültig auf Viererkette um und verpflichtete gezielt Rechtsverteidiger Sagnol. Als Backup kam schließlich Routine Sforza zurück. Das Endergebnis mit dem CL-Sieg ist ja bekannt.


7. 2002/2003

2002 war der Kader durchaus noch gut, aber zu viele Spieler waren über 30 und ein wenig satt. Hinzu kamen immer mehr Verletzungsprobleme (Salihamidzic, Scholl, Effenberg oder Jeremies machten in dem Jahr unter 20 BL-Spiele). Aus dem Grund bekamen Ergänzungsspieler wie Nico Kovac zu viel Spielzeit, was aber auch für junge Spieler wie Hargreaves galt. Der Tausch Anderson/Kovac erwies sich als wenig gelungen, die Verpflichtung von Pizarro dagegen als Volltreffer. Alles in allem wäre mehr drin gewesen, wenn die Stammkräfte immer zur Verfügung gestanden hätten.


8. Auf den Weg in die Krise

Wie hat man darauf 2002/2003 reagiert? Grundsätzlich gut. Im Mittelfeld verpflichtete man mit Ballack und Ze Roberto zwei Weltstars, sowie mit Deisler ein Jahrtausendtalent. Hinzu kamen die (so dachte man damals) Jahrhunderttalente Misimovic und Trochowski.
Auf den ersten Blick hatte man toll reagiert und der Kader liest sich wirklich top. Leider blieben zahlreiche Spieler extrem verletzungsanfällig oder wurden es (Hasan Salihamidzic, Scholl, Sagnol usw..). Zudem war man hinten zu dünn besetzt.

Spätestens nach dieser Saison hätte man aber reagieren müssen:
Zahlreiche Spieler waren 33+ (Tarnat, Fink, Linke, Lizerazu, Scholl, Kahn), zumindest schon 30 (Jeremies, Zickler, Elber, Kovac) oder es deuteten sich Dauerverletzungen- und Ausfälle bereits an (Deisler, Sagnol, Kuffout, Hargreaves usw..).

Nimmt man mal Kahn raus, dann war die Hälfte der Mannschaft mit einem Fragezeichen versehen. Und die andere Hälfte bestand aus Jugend- oder sehr jungen Spielern (Feulner, Görlitz, Lahm, Schweinsteiger, Trochowski, Misimovic, Lell, Demichelis, Guerro, Santa Cruz, Rensing, Schlösser).

Vermutlich war diese Zeit für die wenigen nicht-verletzten Stars wie Kahn, Ballack oder Ze Roberto recht unangenehm.


9. In die Katastrophe

Nach dem man den Umbruch jahrelang hinausgezögert hatte und Teile des Kaders von Halb-Invaliden besetzt war, war der Qualitätsverlust 2004/2005 unübersehbar. Zwar bekam man mit Lucio noch einen guten Mann, aber die ganz große Qualität war weg und es sollte Jahre dauern, bis man sich wieder aufraffen konnte.





Zitat von username
im Lahm-Thread gibt's gerade ne Neben-Diskussion um die Kaderzusammenstellung 2007 + Folgejahre.

Mich würde mal folgendes interessieren: Hat die Mannschaft um die Jahrtausendwende, die 3 Jahre lang (1998-01) ganz oben in Europa mit dabei war, diese Erfolge auch deshalb erzielt, weil die Kaderzusammenstellung so stimmig war - bzw. falls nicht, ob das dann nicht bedeuten würde, dass die Passgenauigkeit von Spielerprofilen hier als Erfolgsfaktor überschätzt ist zwinker

Ich leiste mal die Vorarbeit:

Kader-Kern:
Kahn
Dreher
Kuffour
Linke
Lizarazu
Tarnat
Jeremies
Fink
Effenberg
Salihamidzic
Scholl
Elber
Jancker
Zickler

partiell dabei:
Scheuer (2 Jahre)
Wessels (2)
Babbel (2)
Helmer (1)
Andersson (2)
Matthäus (1,5)
Strunz (2,5)
Sagnol (1)
Sforza (1)
Basler (1)
Hargreaves (1)
Wiesinger (2)
Sergio (2)
Santa Cruz (2)
Daei (1)

auf Leute wie Wojchiechowski, die hier keine Rolle gespielt haben, hab ich mal verzichtet

Interessant wäre dabei natürlich auch der Vergleich mit Teams wie Barca, Milan, Inter oder Lazio, die in diesem Zeitraum nicht mit uns mithalten konnten.
Ich übergebe ab hier an die, die sich da ne rückwirkende Bewertung zutrauenCool

edit: mir fällt da bei der Kaderstellung gleich noch die Unwucht auf, dass wir in der CL-Sieg-Saison nur 3 IV im Kader hatten, die zum Ende der Saison auch noch allesamt immer gespielt haben. Sowie die Alternativlosigkeit von Strunz als RV (obwohl er von Trap & Rehhagel noch als Mittelfeldspieler eingesetzt wurde) in der ersten Phase.
Eure Kaderanalyse |#537
10.02.2017 - 09:26 Uhr
Anzahl der Weltklasse-Spieler:

Sturm: 1 (Lewa)
Mittelfeld: 2 (Vidal + Thiago)
Abwehr: 4 (Lahm, Boa, Hummels, Javi)


Alaba und Müller könnte man - sofern sie denn mal wieder spielen würden, wie vor ihrer VVL - noch dazunehmen. Aktuell aber nicht.

Man sieht, wie extrem dünn die Top-Klasse geworden ist. Mit Robbery und BS31 sind uns im Vgl zu 2013 allein im MF drei WK Spieler weggebrochen

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"Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen."

In Gedenken an MarkvanBommel (Beiträge 9008, RIP. 07.11.2008)

"Gestern....mit Monsieur Rummenigge, Uli Önes, Monsieur Opfner, Monsieur Nerlinger...ich hab gemacht 5 Jahre mehr" (Franck Ribery, 23.05.2010)

I, I follow...I follow you FC Bayern
Eure Kaderanalyse |#538
10.02.2017 - 10:46 Uhr
Zitat von Mehlwurm
1. Wiederaufstieg 1996



9. In die Katastrophe

Nach dem man den Umbruch jahrelang hinausgezögert hatte und Teile des Kaders von Halb-Invaliden besetzt war, war der Qualitätsverlust 2004/2005 unübersehbar. Zwar bekam man mit Lucio noch einen guten Mann, aber die ganz große Qualität war weg und es sollte Jahre dauern, bis man sich wieder aufraffen konnte.


Anhand dieser Beschreibung könnte man durchaus einen Zyklus annehmen, der sich in den gut 10 Jahren "danach" wiederholte.

Wäre dann die Frage, ob Stufe 9 bereits eingetreten ist oder nächste Saison erfolgt.

Würde weiterhin Schlimmes für die nächsten Jahre bedeuten.

In dieser Hinsicht also gute Entscheidung von Lahm, dieses Herauszögern zumindest für seinen Teil zu unterbinden?!
Eure Kaderanalyse |#539
10.02.2017 - 11:39 Uhr
Die Verantwortlichen sollen sich jetzt halt mal äußern für welche Art von Fußball der FCB in Zukunft stehen soll. Momentan ist der Kader ein reines Wirrwarr. Will man einen auf Barca/Ajax oder eher einen auf Chelsea machen? Die aktuelle Entwicklung sagt eher Chelsea. Bin kein Fan davon.
Eure Kaderanalyse |#540
10.02.2017 - 11:42 Uhr
Zitat von Mehlwurm

4. Gezielter Aufbau ab 1998/199

Der große Umschwung kam tatsächlich mit Hitzfeld 1998/1999. Der größte Teil der untauglichen Jugendspieler wurde aussortiert und dafür kamen gezielte Verstärkungen: Linke, Lizerazu, Effenberg, Salihamidzic und Jeremies kamen in einer Transferperiode. Der hier genannte Thomas Strunz war dagegen nur ein Ersatzspieler, der überhaupt keine große Rolle mehr spielte.


5. 1999/2000

Dass das kein Zufall war, zeigte sich ein Jahr später. Für Basler konnte man bereits in Sergio eine idealen Ersatz präsentieren. Patrick Anderson ersetzte den alternden Helmer und war, bei einem Matthäus-Abschied auch als neuer Abwehrchef eingeplant. Im Sturm hatte man mit Roque Santa Cruz ein vermutetes Mega-Talent verpflichtet


6. 2000/2001

Auch die nächste Saison zeigte, dass punktegenau ergänzt wurde: Nachdem Matthäus-Abgang stellte man endgültig auf Viererkette um und verpflichtete gezielt Rechtsverteidiger Sagnol. Als Backup kam schließlich Routine Sforza zurück. Das Endergebnis mit dem CL-Sieg ist ja bekannt.


7. 2002/2003

2002 war der Kader durchaus noch gut, aber zu viele Spieler waren über 30 und ein wenig satt. Hinzu kamen immer mehr Verletzungsprobleme (Salihamidzic, Scholl, Effenberg oder Jeremies machten in dem Jahr unter 20 BL-Spiele). Aus dem Grund bekamen Ergänzungsspieler wie Nico Kovac zu viel Spielzeit, was aber auch für junge Spieler wie Hargreaves galt. Der Tausch Anderson/Kovac erwies sich als wenig gelungen, die Verpflichtung von Pizarro dagegen als Volltreffer. Alles in allem wäre mehr drin gewesen, wenn die Stammkräfte immer zur Verfügung gestanden hätten.
ein paar Anmerkungen zu diesen Punkten:

  • Lizarazu kam bereits 1997, also noch unter Trap. Ist aber nicht weiter relevant

  • Thomas Strunz hat in der ersten Hitzfeld-Saison sehr wohl ne Rolle gespielt. Hat ein vielbeachtetes Comeback gefeiert (durch seine Leistungen bei uns auch in der N11) - er war ja auch der einzige ansatzweise "gelernte" RV/RM im Kader. Hat sich dann glaube ich mal zwischendurch verletzt und im Finale erschien es Hitzfeld wohl die sicherere Variante zu sein, da Verteidiger Babbel aufzustellen. Das mit dem fehlenden gelernten RV wurde übrigens erst im 3. Jahr mit Sagnol behoben.

  • Die ganze Situation in der Abwehr hab ich als recht chaotisch in Erinnerung - die zentrale Frage der Matthäus-Nachfolge mehr als Test im Betrieb, denn als Umsetzung eines zuvor ausgetüftelten Plans: Wenn Matthäus ausgefallen ist od. geschont wurde, hat meist Jens Jeremies den Libero gegeben - so ja auch nach Matthäus' Auswechlung im Finale gegen ManU (wird Hitzfeld oft vorgeworfen, wurde aber die gesamte Saison über praktiziert). Für die 2 IV-Positionen vor dem Libero standen mit Babbel (die meiste Zeit der ersten Saison), Linke, Kuffour & Helmer 4 Mann zur Verfügung.

  • Zur Saison 99/00 wurde dann Andersson für Helmer geholt, wobei Andersson der Ruf vorauseilte, 4er-Kette "zu können" (was nach dem Matthäus-Abgang endlich mal angegangen werden sollte). Andersson wurde aber wenn dann als IV vor dem Libero eingesetzt und nach dem Matthäus-Abgang gab Jens Jeremies den Libero. Die Umstellung auf 4er-Kette war noch nicht gelungen (wenn auch nachvollziehbar, weil Matthäus wirklich mitten in der Saison ging).
  • Zur Saison 2000/01 ging dann Babbel & es kam Sforza - also ein IV weniger bei einer zusätzlichen Option für eine evtl. Libero-Position. Für mein Verständnis hat man damals ne Art Parallelplanung betrieben: Entweder mit Libero (Sforza/Jeremies) & 2 IV (2 aus Linke/Kuffour/Andersson) od. mit 4er-Kette (für die dann nur 3 echte IV, sowie der bedingt geeignete Sforza zur Verfügung standen). Den Großteil der Saison wurde tatsächlich mit 4er-Kette gespielt, aber Sforza bekam keinen Fuß auf den Boden & auch Andersson war wie in der ersten Saison nur Ersatzspieler. Zudem war den größeren Teil der Saison über die Mannschaft nicht besonders stabil (Meister mit 63 Punkten...) und erst gegen Ende hat Hitzfeld das mit ner 5er-Abwehrkette (Liza, Linke, Andersson, Kuffour, Sagnol) hinbekommen. (Die Formation für die 5er-Kette war für die 3 inneren Positionen übrigens alternativlos, weil alle dafür in Frage kommenden Kaderspieler eingesetzt wurden).

  • Zur Saison 01/02 ließ man Andersson (der 3/4 seiner Bayern-Zeit nur Ersatzspieler war) ohne großen Widerstand gehen & holte R. Kovac. Der ihn, wenn man nicht nur die letzten Wochen der 01er-Saison als Andersson-Maßstab betrachtet, sehr wohl ersetzen konnte. In meinen Augen war das sogar das erste Mal seit dem Matthäus-Abgang, dass da ein klarer Kaderplan für die Abwehr bestand, der dann auch so durchgezogen wurde (R. Kovac, Linke & Kuffour als IV-Optionen für ne 4er-Kette).

Für mich ergibt sich daraus, dass ein gut austarierter Kader zwar vorteilhaft ist, aber im Nichtfall kein zwingender Erfolgsverhinderer ist. Siehe auch der WM-Titel 2014 mit den vielen IV, der zwar präsenter sein dürfte, aber als Bsp. als nicht vergleichbar angesehen werden könnte
Dieser Beitrag wurde zuletzt von username am 10.02.2017 um 11:54 Uhr bearbeitet
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