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Wolles Risiko! Plaudern wie der Trainer.

20.06.2022 - 18:33 Uhr
Investor will vor allem Geld machen und ist kein guter Onkel mit fettem Geldbeutel, der einfach in seinen Lieblingsverein investiert. Dietmar Hopp, der einen ordentlichen Batzen Geld in seinen VfB Krieschow investierte, ist hier eine Ausnahme, die leider nur die Regel bestätigt.

Empfehlenswert ist auch die Geschichte des asiatischen Investors vom FC Valencia.

Peter Lim ist seit 2014 Besitzer des FC Valencia und bei vielen Fans verhasst, weil sie ihm den sportlichen und strukturellen Niedergang des Vereins vorwerfen. Kritisiert werden zahlreiche Trainer- und Personalwechsel, der regelmäßige Verkauf wichtiger Spieler ohne einen adäquaten Ersatz sowie Entscheidungen, die eher seinen wirtschaftlichen als sportlichen Interessen des Vereins dienen (na klar, Herr Lim will Geld verdienen). Besonders das jahrzehntelang unfertige neue Mestalla (seit 2009!!!) und Lims große Distanz zum Verein (besuchte zuletzt 2018 das Spiel "seines" Teams) verschärfen den Frust. Zwar war Valencia bereits vor seiner Übernahme finanziell angeschlagen (spielte dennoch regelmäßig international) und Lim investierte zunächst, doch die anfänglichen Hoffnungen wurden bitter enttäuscht. Seit Jahren fordern Fans deshalb lautstark seinen Rückzug und protestieren gegen seine Eigentümerschaft.

Wenn jemand sich das bei uns wünscht, kann gerne träumen, die Träumereien kosten zunächst nichts.

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„Die Tradition ist so ein komplexes Phänomen, dass man es schon nicht auf das Gründungsjahr reduzieren kann. Da kommen viele Dinge zusammen. Tradition ist so etwas wie ein Fundus an Grundwerten, an gemeinsamen Erfahrungen, an Ritualen, die für viele Menschen bewusstseinsstiftend wirken, die viele Menschen als Teil ihres Lebens und ihrer eigenen Vergangenheit verstehen." - Hansi Küpper
Zitat von Loewe06
Zitat von Ovidiu_Burca

Zitat von Loewe06

Frag doch mal in Portsmouth, Wigan, Sunderland, Reading, Derby County oder Sheffield (Wednesday) nach, was es heißt, wenn der Investor keinen Bock mehr auf den Club hat und dieser ins Bodenlose stürzt. 🫠😉 Es gibt übrigens noch weitere Beispiele.

Leicester City geriet zum Beispiel ebenso in finanzielle Schieflage, weil das Unternehmen des Investors in eine schwere Krise stürzte. Leicester wurde übrigens vor genau 10 Jahren englischer Meister und spielt heute in der League One. 😉
Oder ich frage einfach dich. Was genau ist denn in jedem Fall geschehen? Ich nehme nämlich sämtliche Aussagen á la „die hatten keinen Bock mehr“ nicht für voll. Das ist nämlich in der Regel äußerst grob vereinfacht.


Lieber OB,

da du so nett nachfragst, möchte ich dir natürlich eine Antwort liefern. Ich konzentriere mich dabei auf den Anfang deines Textes, da dieser mich direkt anspricht. Du hast nach konkreten Beispielen gefragt, welche ich geliefert habe.

Des Weiteren hoffe ich inständig, dass es ok für dich ist, dass ich lediglich auf drei Beispiele konkreter eingehe, da meine Zeit doch begrenzt ist:

Sheffield Wednesday:

Der thailändische Investor kaufte den Verein 2015 auf. In der Folge verpulverte er Unmengen an Geld, was dazu führte, dass er in den Konflikt mit den in GB geltenden Finanzregeln gerat. Daraufhin erntete er eine Menge Kritik von Seiten der Fans, was in Protesten mündete. Diese Kritik weckte das innere Rumpelstilzchen in ihm, woraufhin er sich fortan weigerte, Rechnungen zu zahlen. Weiterhin hielt er Spielergehälter zurück und drohte öffentlich, kein Geld mehr in den Verein zu stecken, wenn die Prostete nicht enden. Long story short: aufgrund massiver Verstöße gegen die Finanzregeln wurde der Verein mit einem Punktabzug belegt, stieg ab und landete in der Insolvenz.

Wigan Athletic:

Der Club wurde von einem Konsortium aus Hongkong übernommen. Wenige Woche nach der offiziellen Übernahme und dem zuvor bestandenen Eigentümer-Test der Liga erklärte der neue Besitzer ganz straight, dass er kein neues Geld mehr überweisen werde. Infolgedessen meldete er direkt Insolvenz an. Der Zahlungsstopp zog auch hier einen Punktabzug nach sich, was im direkten Abstieg des Vereins mündete. Der Verein musste seine Engelhardt und Cigercis verrammschen, um überhaupt irgendwie den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Reading FC:

Auch hier, Einstieg eines Investors (hier aus China), der nach anfänglichen Großinvestitionen von heute auf morgen Zahlungen einstellte, sowie Rechnungen, Steuerschulden und Spielergehälter einfach so ignorierte. Gleichzeitig weigerte er sich jahrelang, den Club für einen realistischen Preis zu verkaufen und schlug immer wieder seriöse Angebote aus. Folge: Punktabzug und Absturz in die Drittklassigkeit.

Quelle: Google

Eins möchte ich vorwegnehmen: meine Aussage, dass der Investor keinen Bock mehr auf den Club hatte, war eine daher gesagte Floskel, um die Gleichgültigkeit des Investors am Projekt zu unterstreichen. Du kannst sie auch durch "kein Interesse mehr am Spielzeug" oder durch die von EiserneEnergie verwendete Aussage ersetzen. 😉
Ich hoffe tatsächlich, dass wir jetzt nicht über Definitionen von "kein Bock mehr haben" oder "den Investoren geht der Verein und die Fans am A.... vorbei" diskutieren müssen!


Wer es noch etwas dramatischer möchte, sollte mal nach Belgien schauen, genauer zum KV Oostende. Oostende ließ sich 2020 vom Multi-Club-Ownership-Konstrukt Pacific Media Group (PMG), (die auch knapp 10% der Anteile bei Kaiserslautern besitzten) kaufen und wurde von diesem in den Ruin getrieben. Der Club wirft dem Ex-Klubboss und PMG-Geschäftsführer Paul Conway u.A. vor, sich nicht an Absprachen gehalten, Verhandlungen blockiert, exorbitante Zinsen aufgerufen und monatelang die Buchführung nicht gemacht zu haben.
So wurde man beispielsweise von PMG gezwungen, den Spieler Mickael Biron von Nancy, einem weiteren Club des Konstrukts, für fünf Millionen Euro zu kaufen und diesen dann sofort wieder nach Nancy zu verleihen.

Diese Misswirtschaft zwang den ehemaligen Erstligisten und Teilnehmer an der Qualifikation zur Europa League 2024 Insolvenz anzumelden, in dessen Folge der Verein aufgelöst und aus dem belgischen Vereinsregister gelöscht wurde.

Besagter Paul Conway wurde 2025 übrigens wegen Betrugsvorwürfen rund um Oostende inhaftiert (wie uns ob das Ganze ausgegangen ist, dazu hab ich leider nichts gefunden).

Immerhin konnte Oostende sich mit dem Verein KSV Diksmuide zusammentun und spielt jetzt als neugegründeter Verein unter dem Namen KV Diksmuide Oostende in der vierten Liga.
Ich packe noch einen drauf 😉

Schon von Gérard López gehört?

Mouscron in Belgien

Bei Mouscron war die Sache relativ schnell vorbei. Der Verein war schon vorher klamm, wurde aber stark vom López-Netzwerk rund um Lille abhängig gemacht (durch dubiose Leihen und Tranfers wie zwischen den RB-Filialen). Als López in Lille vor die Tür gesetzt wurde, war plötzlich auch ein wichtiger Geldhahn für die Belgier weg. Mouscron stieg ab, war 2022 pleite und wurde gänzlich aufgelöst.

Boavista Porto

Boavista ist ein noch größeres Drama. Auch dort gab es schon vor López jede Menge Altlasten. Aber unter seiner Führung ging es rasant bergab: offene Rechnungen für Strom und Wasser, Probleme mit Gehältern und Transfers, weitere Schulden ohne Ende. 2024 flog Boavista aus der ersten Liga, 2026 war der Verein praktisch am Ende. Der Betrieb wurde eingestellt und das vereinseigene Stadion Bessa behördlich geschlossen. Fans und Mitglieder mussten anschließend selbst Geld sammeln, damit der Klub überhaupt in der 5. portugiesischen Liga weitermachen konnte. Giesing lässt grüßen.

Girondins Bordeaux

Das Beste kommt zum Schluss, einer der größten Traditionsvereine Frankreichs. Vor einigen Jahren übernommen von López noch in der ersten Liga...und ebenfalls ging es sportlich und wirtschaftlich weiter bergab. Erst Abstieg in die zweite, später in die dritte und last but not least in die 4. Liga. Durch immense Schulden und Berge an Verbindlichkeiten folgte der Verlust des Profistatus und der Absturz in den Amateurfußball, Stand heute 6. Liga.

Wegen der Uhrzeit nur eine kurze Zusammenfassung, kann jeder gerne im Google nachrecherchieren.

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„Die Tradition ist so ein komplexes Phänomen, dass man es schon nicht auf das Gründungsjahr reduzieren kann. Da kommen viele Dinge zusammen. Tradition ist so etwas wie ein Fundus an Grundwerten, an gemeinsamen Erfahrungen, an Ritualen, die für viele Menschen bewusstseinsstiftend wirken, die viele Menschen als Teil ihres Lebens und ihrer eigenen Vergangenheit verstehen." - Hansi Küpper
Ich glaube die Diskussion geht-wie übrigens meistens bei diesem Thema- wieder in die völlig falsche Richtung.
Es geht NICHT darum, ob das mitgliedergeführte oder das investorgeführte Modell für Fußballvereine das bessere ist. Da kann man unendlich gern Für und Wider austauschen. Es geht bei 50+1 ausschließlich darum, wer das für einen entscheiden darf.
Wenn sich jetzt bei einem Verein XY eine Mehrheit der Fans entscheiden würde, einem Investor die Mehrheit der Anteile/Stimmrechte zu verkaufen, das sollte das ausschließlich deren Sache sein. Was geht das mich als Cottbuser an, wie die in Dresden, Leipzig, Luckenwalde ihren Verein organisieren (und umgekehrt)? Was geht es mich als Vereinsmitglied des FCE an, wie viele Mitglieder die bei RB haben und wo die mitbestimmen dürfen? Ich bin mir sicher, sollte sich jemals bei unserem Verein die Frage stellen, würde eine große Mehrheit dafür plädieren, das alles in der Struktur so bleibt wie es ist (und da bin ich auch dabei).

Nee, diese Entscheidungen gehören einzig und allein in die Hände des jeweiligen Vereines (und nicht des Verbandes oder der Liga), dann kann jeder für sich Chancen und Risiken selbst bewerten. Der eine wird sich dann vielleicht durch Investorübernahme im Profifußball etablieren aus dem nichts (wie RBL), der andere wird in die Insolvenz gehen. Das Risiko sollte jeder für sich selbst tragen. Ausschließlich darum geht es bei 50+1.

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"Ich kann jetzt nicht verstehen warum die Schärfe hier reinkommt." Waldemar Hartmann
Zitat von El_Burro

Nee, diese Entscheidungen gehören einzig und allein in die Hände des jeweiligen Vereines (und nicht des Verbandes oder der Liga), dann kann jeder für sich Chancen und Risiken selbst bewerten. Der eine wird sich dann vielleicht durch Investorübernahme im Profifußball etablieren aus dem nichts (wie RBL), der andere wird in die Insolvenz gehen. Das Risiko sollte jeder für sich selbst tragen. Ausschließlich darum geht es bei 50+1.


Wie bereits geschrieben, diese Entscheidungsfreiheit ist eine Illusion. Wenn Investoren ungehindert Geld in eine Liga pumpen können, betrifft das alle Vereine und verändert den Wettbewerb per se. Es verändert, wie andere Vereine wirtschaften müssen und welche Preise aufgerufen werden. Es sorgt dafür, dass der sportliche Wettbewerb zu einem "Wer findet den reichsten Milliardär/die reichste Diktatur" verkommt. Um den Sport selbst zu beschützen, muss die Liga gegen Investoren vorgehen.

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Die Tabelle ist kalt und hässlich.

"Jedoch - es ist Zeit, dass wir gehen: ich, zum sterben, und ihr, zu Energie Cottbus. Wer aber von uns beiden das bessere Los gezogen habe, das ist allen verborgen außer Gott." - Apologie des Sokrates
Zitat von Kuhru
Zitat von El_Burro

Nee, diese Entscheidungen gehören einzig und allein in die Hände des jeweiligen Vereines (und nicht des Verbandes oder der Liga), dann kann jeder für sich Chancen und Risiken selbst bewerten. Der eine wird sich dann vielleicht durch Investorübernahme im Profifußball etablieren aus dem nichts (wie RBL), der andere wird in die Insolvenz gehen. Das Risiko sollte jeder für sich selbst tragen. Ausschließlich darum geht es bei 50+1.


Wie bereits geschrieben, diese Entscheidungsfreiheit ist eine Illusion. Wenn Investoren ungehindert Geld in eine Liga pumpen können, betrifft das alle Vereine und verändert den Wettbewerb per se. Es verändert, wie andere Vereine wirtschaften müssen und welche Preise aufgerufen werden. Es sorgt dafür, dass der sportliche Wettbewerb zu einem "Wer findet den reichsten Milliardär/die reichste Diktatur" verkommt. Um den Sport selbst zu beschützen, muss die Liga gegen Investoren vorgehen.


Ok, ist sicherlich eine prinzipielle Auffassungsfrage, in etwa so wie Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft. Der jetzige Modis Vivendi ist sicherlich in einer Weise ein Schutz, auf der anderen Seite aber auch Besitzstandswahrung, die es nahezu verhindert, dass neue Vereine in Deutschland sich auf Dauer ganz ganz oben etablieren können.
Solange man Argumente sachlich austauscht ist ja alles auch in Ordnung -was mir aber z.B. gerade beim Thema RB nicht überall und immer der Fall zu sein scheint. Die haben genau die gleiche Existenzberechtigung wie wir - ohne dass ich persönlich deren Geschäftsmodell zustimmen muss. Leben und leben lassen. Aber sei´s drum .

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"Ich kann jetzt nicht verstehen warum die Schärfe hier reinkommt." Waldemar Hartmann
Zitat von El_Burro
Ich glaube die Diskussion geht-wie übrigens meistens bei diesem Thema- wieder in die völlig falsche Richtung.
Es geht NICHT darum, ob das mitgliedergeführte oder das investorgeführte Modell für Fußballvereine das bessere ist. Da kann man unendlich gern Für und Wider austauschen. Es geht bei 50+1 ausschließlich darum, wer das für einen entscheiden darf.
Wenn sich jetzt bei einem Verein XY eine Mehrheit der Fans entscheiden würde, einem Investor die Mehrheit der Anteile/Stimmrechte zu verkaufen, das sollte das ausschließlich deren Sache sein. Was geht das mich als Cottbuser an, wie die in Dresden, Leipzig, Luckenwalde ihren Verein organisieren (und umgekehrt)? Was geht es mich als Vereinsmitglied des FCE an, wie viele Mitglieder die bei RB haben und wo die mitbestimmen dürfen? Ich bin mir sicher, sollte sich jemals bei unserem Verein die Frage stellen, würde eine große Mehrheit dafür plädieren, das alles in der Struktur so bleibt wie es ist (und da bin ich auch dabei).

Nee, diese Entscheidungen gehören einzig und allein in die Hände des jeweiligen Vereines (und nicht des Verbandes oder der Liga), dann kann jeder für sich Chancen und Risiken selbst bewerten. Der eine wird sich dann vielleicht durch Investorübernahme im Profifußball etablieren aus dem nichts (wie RBL), der andere wird in die Insolvenz gehen. Das Risiko sollte jeder für sich selbst tragen. Ausschließlich darum geht es bei 50+1.


Nicht ganz,
50+1 ist eine allgemein vereinbarte Regel. Die kann man als Verein nicht einfach „für sich“ aussetzen. Sonst braucht es die Regel halt auch nicht mehr. Wenn jeder für sich allein entscheidet/entscheiden soll. Dann sind wir halt 1 zu 1 in England. Kann man wollen, ist dann nur nicht mehr 50+1.

Denn genau das hat RB ja getan, indem sie ihren Verein abgeriegelt haben und sonstige Mitglieder (Fördermitglieder) keine Stimmrechte erhalten.
Die könnten oder konnten niemals dafür oder dagegen entscheiden. Es war schon fest als RB alles in der Hand hatte.

Und selbstverständlich wirkt sich die Existenz von RB in dieser Form im Wettbewerb auf andere aus.

Es wäre ja enorm spannend gewesen, wie RB den deutschen Markt angegangen wäre, wenn sie nicht dieses Schlupfloch gefunden hätten. Wäre man dann auch bei einem so „kleinen“ Verein eingestiegen?
Zitat von El_Burro
Ich glaube die Diskussion geht-wie übrigens meistens bei diesem Thema- wieder in die völlig falsche Richtung.
Es geht NICHT darum, ob das mitgliedergeführte oder das investorgeführte Modell für Fußballvereine das bessere ist. Da kann man unendlich gern Für und Wider austauschen. Es geht bei 50+1 ausschließlich darum, wer das für einen entscheiden darf.
Wenn sich jetzt bei einem Verein XY eine Mehrheit der Fans entscheiden würde, einem Investor die Mehrheit der Anteile/Stimmrechte zu verkaufen, das sollte das ausschließlich deren Sache sein. Was geht das mich als Cottbuser an, wie die in Dresden, Leipzig, Luckenwalde ihren Verein organisieren (und umgekehrt)? Was geht es mich als Vereinsmitglied des FCE an, wie viele Mitglieder die bei RB haben und wo die mitbestimmen dürfen? Ich bin mir sicher, sollte sich jemals bei unserem Verein die Frage stellen, würde eine große Mehrheit dafür plädieren, das alles in der Struktur so bleibt wie es ist (und da bin ich auch dabei).

Nee, diese Entscheidungen gehören einzig und allein in die Hände des jeweiligen Vereines (und nicht des Verbandes oder der Liga), dann kann jeder für sich Chancen und Risiken selbst bewerten. Der eine wird sich dann vielleicht durch Investorübernahme im Profifußball etablieren aus dem nichts (wie RBL), der andere wird in die Insolvenz gehen. Das Risiko sollte jeder für sich selbst tragen. Ausschließlich darum geht es bei 50+1.


Und genau das ist doch der riesige Schlamassel, was RBL betrifft. Laut Google haben die mittlerweile ca. 1.200 Vereinsmitglieder, wovon 23 stimmberechtigt sind. Der Rest hat keinerlei Stimmrecht. Dadurch bewegen sie sich gesetzlich in einer Grauzone.
Interessant hierbei ist, das genau diese 23 Mitglieder komplett aus dem Umfeld des Brause-Mutterkonzerns stammen. Warum nur lassen sie denn seit Jahren nicht zu, dass alle Mitglieder stimmberechtigt sind? Warum verdoppelt man beispielsweise den Anteil an stimmberechtigten Personen nicht einfach und legt dabei nur fest, dass diese weiteren Personen NICHT aus dem Mutterkonzern kommen dürfen?

Die Antwort kann ich dir direkt darauf geben. Sie tricksen bewusst und haben quasi eine Art Kuckucksei gelegt. Die RasenBallsport Leipzig GmbH gehört zu 99% der Red Bull GmbH und zu 1% dem RasenBallsport Leipzig e.V. Der Trick hierbei ist, das in den Gesellschafterverträgen genau verankert ist, dass der e.V. trotz seines 1 Prozent-Anteils bei Beschlüssen über mehr als 50% der Stimmrechte verfügt. Dadurch erfüllt man formal die Anforderungen der DFL, sodass auch 50+1 greift und "erfüllt" scheint. Durch diese Struktur schaffen sie es in meinen Augen ganz bewusst, dass Vereinsmitglieder aus dem e.V. bei Abstimmungen nicht gegen sie stimmen können. Dieses Szenario gab es bei 1860 München. Der Ausgang sollte uns allen klar sein. Der eigentliche Mutterverein wird also klar kontrolliert.
Durch diese Verflechtungen und den 23 stimmberechtigten Mitgliedern aus dem Mutterkonzern bzw. aus deren Umfeld wird doch resultierend nur im Sinne des Konzerns entscheiden.

Und damit es zu keiner "feindlichen" Übernahme des Vereins durch Fans kommen kann, hat man extra die Vereinssatzung geändert und nahezu unüberwindbaren Hürden eingebaut.

Ich kann da jetzt nur für mich sprechen. Aber ich finde dieses systematische Vorgehen im Grunde seit Tag eins ziemlich perfide und fragwürdig.
Zu den Beispielen, die immer noch nicht die Fälle von Insolvenzen Vereine ohne Investor decken, lässt sich im Grunde doch nur eins sagen.

Augen auf bei der Investorwahl. Das selbe gilt übrigens auch bei der Trainerwahl, Sportdirektorwahl, Spielerwahl. Holt man dort die falschen Leute, geht’s mal schnell nach unten. Ist das ne News? 🤷‍♂️

Meinem Kenntnisstand nach existieren alle hier genannten Vereine immer noch, kaum einer zählte in seinem jeweiligen Herkunftsland zur Elite und muss nun in den Abgründen des Amateurfußballs leiden. Die meisten Vereine haben ihren „natürlichen“ Zustand wiederhergestellt. Wigan, Reading nix davon ist Premiere League royalty.

Wenn die Bundesliga irgendwann vor meinem Tod nochmal den Status erreichen wird, dass ich mich dafür interessiere, dass es neben Bayern noch 4-5 andere Vereine gibt, die dauerhaft auf diesem Niveau mitspielen können und dass die halbe Liga nicht von einem Ipswich gekauft werden kann, wäre ich sofort bereit ein Augsburg oder Mönchengladbach dafür zu opfern. Sollen halt ein paar Vereine durch falsche Investorenwahl mal paar Jahre 3. Liga spielen, oder auch mal RL.

Und vielleicht kommt man so auch mal in den Genuss wieder ein paar Ostvereine oben zu sehen, oder generell mal andere Clubs. Denn mit den aktuellen Richtlinien wird das nix mehr. RB Leipzig m u s s t e diesen Weg gehen. Ein den Fans genehmer Weg würde bedeuten, erstmal 80 Jahre in der Oberliga kleben, dann darf man vielleicht mal ein bisschen Geld investieren. Alles andere wäre ja unfair gegenüber den älteren Vereinen, die eh schon massive Vorteile genießen.

Kurzgesagt: für mich ist das 90% Angstmacherei. Wenn’s krachen geht ist man halt wieder auf Null. Und diese Null liegt immer noch weit vor vielen anderen Vereinen.
Zitat von El_Burro

Zitat von Kuhru

Wie bereits geschrieben, diese Entscheidungsfreiheit ist eine Illusion. Wenn Investoren ungehindert Geld in eine Liga pumpen können, betrifft das alle Vereine und verändert den Wettbewerb per se. Es verändert, wie andere Vereine wirtschaften müssen und welche Preise aufgerufen werden. Es sorgt dafür, dass der sportliche Wettbewerb zu einem "Wer findet den reichsten Milliardär/die reichste Diktatur" verkommt. Um den Sport selbst zu beschützen, muss die Liga gegen Investoren vorgehen.


Ok, ist sicherlich eine prinzipielle Auffassungsfrage, in etwa so wie Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft. Der jetzige Modis Vivendi ist sicherlich in einer Weise ein Schutz, auf der anderen Seite aber auch Besitzstandswahrung, die es nahezu verhindert, dass neue Vereine in Deutschland sich auf Dauer ganz ganz oben etablieren können.
Solange man Argumente sachlich austauscht ist ja alles auch in Ordnung -was mir aber z.B. gerade beim Thema RB nicht überall und immer der Fall zu sein scheint. Die haben genau die gleiche Existenzberechtigung wie wir - ohne dass ich persönlich deren Geschäftsmodell zustimmen muss. Leben und leben lassen. Aber sei´s drum .


Es ist weniger "Marktwirtschaft vs. Planwirtschaft" als "Neoliberalismus vs. Ordoliberalismus", wenn wir bei dem Vergleich bleiben. Dass die Akkumulation von Kapital einen Wettbewerb weniger frei macht, ist glaube ich nicht strittig. Und dieser weniger freie Wettbewerb ist dann auch diese "Besitzstandwahrung", vor der du warnst. Es ist ja auch kein Zufall, dass die Zeit, in der RB in der Bundesliga spielt, die mit Abstand einseitigste der deutschen Fußballgeschichte ist. Das war vor Investoren noch sehr, sehr viel ausgeglichener.
Es geht dabei auch gar nicht um Existenzberechtigung per se, sondern darum, dass die Modelle RB, Bayer etc. den Deutschen Fußball, sowohl kulturell, finanziell als auch als Wettbewerb, schlechter machen.

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Die Tabelle ist kalt und hässlich.

"Jedoch - es ist Zeit, dass wir gehen: ich, zum sterben, und ihr, zu Energie Cottbus. Wer aber von uns beiden das bessere Los gezogen habe, das ist allen verborgen außer Gott." - Apologie des Sokrates

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Kuhru am 14.08.2026 um 10:13 Uhr bearbeitet
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