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Wie ordnet man eine Zebraherde - der Taktikthread!

14.08.2013 - 19:39 Uhr
Ich finde die kontroversen Meinungen über Aufstellung, Taktik und Spielertypen in den Spieltagsthreads hochinteressant und lebhaft wir nie, weswegen ich dachte, wir eröffnen mal wieder einen Taktikthread.

Ich freue mich auf die Diskussionen...

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Die Mannschaftstaktik erzeugt Situationen, die gruppentaktisch interpretiert werden müssen, wobei individualtaktische Werkzeuge angewendet werden.

Martin Rafelt
Ich mache mal selbst den Anfang und beziehe mich dabei hauptsächlich auf die letzten zwei Spiele, seitdem Pierre de Wit in unsere Mannschaft spielt:

Die Spielidee, die ich in dort gesehen habe, hat mir sehr gefallen und ich war überrascht wie gut die Mannschaft sie umsetzt. Die Grundidee dabei ist relativ simpel, aber durchaus modern. Die Grundformation und Anordnung unterscheidet stark zwischen eigenem Ballbesitz und Ballbesitz des Gegners. Da die Anforderungen an diese beiden Spielsituationen ziemlich unterschiedlich sind, ist diese Überlegung mehr als einleuchtet, wurde aber beim MSV selten so konsequent gespielt.

Im Umschaltmoment ist somit zwangsläufig viel Bewegung im Spiel, zum einen natürlich erwünscht, um das Spiel flexibler und weniger statisch zu machen, zum anderen birgt das aber auch gewisse Gefahren. Dazu später mehr.

Bei Ballbesitz des Gegner spielen wir eigentlich ein 4-4-2.

---------------------Ratajczak-------------------
-Ofusu-Ayeh-----Bollmann-----Bajic----Dum-
-Gardawski---Öztürk---Feisthammel---Wolze-
--------------Onuegbu---de Wit-----------------

Die Aufgabe der "Stürmer" de Wit und Onuegbu ist es dabei die Passwege zuzustellen, die gegnerischen Sechser in den Deckungsschatten zu nehmen und den Spielaufbau des Gegners in eine bestimmte Zone zu leiten, um ggf. das Pressing einzuleiten.

Die vier Mittelfeldspieler verhalten sich eigentlich wie eine defensive Viererkette. Die ballfernen Außen verschieben ballorientiert, die ballnahen Außen spielen aber stark mannorientiert und verfolgen ihre direkten Gegenspieler wesentlich konsequenter als z.B. unter Reck. Regelmäßig gehen sie mit bis an den eigenen Strafraum, um dem Gegner keine Überzahl auf den Flügel zu gestatten. Das ist/war z.B. auch der Grund wieso unter Reck die AV grundsätzlich schlecht aussahen. Sie mussten viel zu oft große Räume in Unterzahl verteidigen. Einem Wolze würde ich deswegen jetzt durchaus zutrauen, den LV passabel zu spielen ;)

Durch die zwei Viererketten hat man eine saubere horizontale Staffelung und deckt die Spielfeldbreite gut ab. Bei Ballbesitz ist diese Anordnung aber nicht erwünscht. Vier Spieler in letzter Reihe sind einfach viel, wenn der Gegner konsequent hinter den Ball schiebt. Man muss so (Torwart eingerechnet) in eine 6:11-Unterzahl-Zone spielen. Für den Gegner ist es so leicht durch kompakte Spielweise unser Spiel zu kontrollieren bzw. zu unterdrücken.

Also löst man diese Anordnung auf, fächert weit auf, bildet eine zusätzliche vierte Linie (die das vertikale Spiel und das schnelle Umschalten erleichtert) und stellt sich in ein 2-4-3-1, ggf. in ein 3-3-3-1 wenn ein Sechser sich zum Spielaufbau fallen lässt (war bis jetzt aber kaum nötig, da unsere IV von Paderborn und Regensburg nicht gepresst/angelaufen wurden).

----------------------Ratajczak------------------
---------Bollmann------------------Bajic--------
-Ofusu-Ayeh---Öztürk---Feisthammel---Dum-
---------Gardawski---de Wit---Wolze-----------
----------------------Onuegbu--------------------

Die IV schieben breit, die AV schieben hoch auf Höhe der Sechser (oder noch höher). Die offensiven Außenspieler verhalten sich flexibel, Hauptaufgabe ist aber das Stärken und Überladen des Zentrums.

Ich möchte an dieser Stelle vermuten, dass das Spiel konsequent auf die Stärken von de Wit zugeschnitten ist. Kaum ein Spieler in der dritten Liga kann Bälle in so engen Räumen behaupten bzw. verarbeiten, sich aus Drucksituationen befreien und Schnittstellenpässe spielen. Die Idee ist ihm in alle Richtungen Anspielstationen und Optionen zu schaffen. In der horizontalen sind das die Außenspieler, in der Vertikalen die hinterlaufenden AV, im Zentrum Onuegbu und im Rücken die zwei Sechser.

Gerade die Außen der offensiven Dreierreihe haben eine wichtige Rolle, umso fluider, flexibler und polyvalenter sie die Rolle spielen, desto unberechenbarer werden wir. Deswegen sind in meinen Augen auch Wolze und Aycicek als Mitspieler erste Wahl. Zoundi und Dum spielen linearer und werden eher über ihren Speed gefährlich und sollten mehr aus der Tiefe kommen. Gardawaski und Tsourakis sind wohl Mischformen beider Spielertypen und auch gut geeignet.

Wird der Ball nun über die Außen oder die Halbräume nach vorne getragen, rückt der ballferne Außen fast immer ein, um sich als Kombinationspartner anzubieten. Der ballnahe Außen erzeugt entweder mit dem AV eine Überzahl/Gleichzahl auf dem Flügel oder rückt situativ ein, um ggf. Gegenspieler mitzuziehen und Räume für den nachrückenden AV zu schaffen. Diese bleiben konsequente breit und beackern die Außenlinie. Hier brauchen wir zwingend Tempo-Dribbler und schnelle Spieler, weswegen ich z.B. Kühne auch nur für zweite Wahl halte.

Das Spiel durchs Zentrum besteht meistens aus vertikalen Bällen auf Wandspieler Onuegbu, der diese hält und der Mannschaft gestattet nachzurücken. Auch de Wit lässt sich öfters fallen, um Verbindungen herzustellen, fehlt dann aber natürlich vorne selbst.

Kritisch ist bei dieser ganze Taktik natürlich der Zeitpunkt des Ballverlustes, vor allem auf den Flügeln ist man durch die hochgezogenen AV anfällig. Im schlimmsten Fall steht man hinten bei schnellen und effektiven Umschalten sogar in Unterzahl. Die logische Konsequenz, um diese Gefahr möglichst gering zu halten ist das Gegenpressing. Da man in Ballnähe sowieso schon viele Spieler hat, kann man diese auch nutzen, um den Ball schnellstmöglich zurückzuerobern. Sollte dies gelingen, hat man einen kurzen Weg zum Tor und erwischt den Gegner vielleicht in einem relativ offenen Zustand, da dieser nach Ballgewinn ja ebenfalls dem Spiel Breite geben will.

Viele Gegner werden deswegen schon instinktiv nach Ballgewinnen zu langen Bällen greifen, um die Pressing-Linie schnell zu überspielen. Deswegen brauchen wir hinten und auf der Sechs kopfball- und zweikampfstarke Spieler und auch physisch präsente Spieler, um die zweiten Bälle zu sichern.

Auch die Doppel-Sechs ist mit dieser Spielidee eng verknüpft. Für einen alleinigen Sechser wären die Wege in der Horizontalen viel zu weit, da wir durch die hohe AV und die vertikale Spreizung gerade in der Breite anfällig sind. Ein 4-1-4-1 würde also nur mit defensiveren AV funktionieren, womit aber die ganze Spielidee ad absurdum geführt würde.

Insgesamt finde ich das Spielsystem für unseren Kader ausgesprochen gut gewählt. Es sieht für mich fast so aus, als Spieler und Taktik bewusst zusammengeführt wurden, was einem Ritterschlag von Grlic, Baumann und Gruev gleich käme. Die einzige Schwäche ist derzeit noch das tiefe Aufbauspiel aus dem Zentrum heraus, da Öztürk noch nicht die Präsenz und Pressingresistenz eines Sukalo mitbringt und Feisthammel leider nur begrenzte Ballfertigkeiten besitzt. Mit dem ballsicheren Bajic, der auch lange Bälle mit zufriedenstellender Genauigkeit spielen kann, kann man aber zumindest aus der IV heraus präzise aufbauen.

Wenn die Mannschaft sich in dieser Konstellation einspielt, gehört sich mit Sicherheit zu den Top-Teams in der Liga, gerade auch aus taktischer Sicht. Trotzdem bleibt natürlich die Frage wie z.B. ein Ausfall von Schlüsselspieler de Wit kompensiert wird, ob ein Plan B vorhanden ist und wie schnell sich die Mannschaft umstellen kann.

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Die Mannschaftstaktik erzeugt Situationen, die gruppentaktisch interpretiert werden müssen, wobei individualtaktische Werkzeuge angewendet werden.

Martin Rafelt

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Schimanski am 14.08.2013 um 22:56 Uhr bearbeitet
Kannst du gleich wieder schließen, Christoph. Mit deinem Beitrag ist alles gesagt! :D
Toller Beitrag, Schimmi. Da kann man echt was lernen.

Zu deiner berechtigten Frage, was passiert, wenn de Wit ausfällt. Möglicherweise weicht man dann vom taktischen Konzept zunächst erstmal gar nicht groß ab und lässt auf der Position einen "Lehrling" spielen. Wolze scheint mir jemand zu sein, der sich aufgrund seiner Technik und Kreativität durchaus in dieser Saison in diese Richtung entwickeln kann. Die nächste Spiele an der Seite von de Wit werden ihn sicher weiter bringen, mal sehen, wie weit.
Jo,ich seh das wie der Kommissar :D :o

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MSV Duisburg ein Leben lang!
Der MSV hat den falschen Trainer.... ;)

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Mein Leben ist wie eine Baustelle.... baggern... Rohr verlegen.... zuschütten.. :)
Zitat von gnadenteufel02:
Kannst du gleich wieder schließen, Christoph. Mit deinem Beitrag ist alles gesagt! :D


Danke!

Aber ich habe ja nur den IST-Zustand skizziert. Vielleicht läuft`s in Leipzig ja ganz anders, vielleicht sehen wir neue Varianten, vielleicht spielt Feisthammel irgendwann doch nicht mehr auf der Sechs, vielleicht verletzen sich Spieler, vielleicht haben andere User andere Ideen,...

Schaun wa ma!

Zitat von tomcat:
Zu deiner berechtigten Frage, was passiert, wenn de Wit ausfällt. Möglicherweise weicht man dann vom taktischen Konzept zunächst erstmal gar nicht groß ab und lässt auf der Position einen "Lehrling" spielen. Wolze scheint mir jemand zu sein, der sich aufgrund seiner Technik und Kreativität durchaus in dieser Saison in diese Richtung entwickeln kann. Die nächste Spiele an der Seite von de Wit werden ihn sicher weiter bringen, mal sehen, wie weit.


Wenn ich de Wit richtig einschätze ist eine seiner größten Stärken das hohe Ballgefühl, verbunden mit einer sehr guten Körperbalance und -wendigkeit. Also ein Spieler, der auf engstem Raum kombinieren kann, ähnlich wie vielleicht Özil oder Iniesta. Das kann Wolze nicht so gut. Er hat zwar auch eine gute Technik und ist handlungsschnell, aber nicht so wendig. Seine Stärke ist eher die Ballführung bei hohem Tempo, weniger auf kleinstem Raum.

Deswegen würde ich der zentrumlastige Taktik mit Wolze eher sekptisch gegenüber stehen. Da würde vielleicht ein System besser passen, wo man für Wolze Räume schafft, statt sie mit eigenen Leuten zu verengen, wobei die Übergänge natürlich fließend sind.

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Die Mannschaftstaktik erzeugt Situationen, die gruppentaktisch interpretiert werden müssen, wobei individualtaktische Werkzeuge angewendet werden.

Martin Rafelt
Zitat von Hollgi:
Der MSV hat den falschen Trainer.... ;)


Ahja und wer wäre der richtige deiner Meinung nach ?
Bedenke die kürze der Zeit in der alles passieren musste.

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Brima!
Ich mag viele Vereine, aber das Herz gehört nach Duisburg.
Zitat von TjIsPhantom:
Zitat von Hollgi:
Der MSV hat den falschen Trainer.... ;)


Ahja und wer wäre der richtige deiner Meinung nach ?
Bedenke die kürze der Zeit in der alles passieren musste.

Das sollte m.E. ein Witz sein. Aber es stimmt schon, Christoph wäre in der kurzen Zeit schon eine Nummer zu groß für uns gewesen... :D

Es wäre übrigens vielleicht besser gewesen, den Beitrag etwas später zu schreiben, Christoph. Jetzt traut sich keiner mehr. :p
Dieser Beitrag wurde zuletzt von MSV_Fan_HT am 15.08.2013 um 12:14 Uhr bearbeitet
Der Pate hat mit seinem Beitrag die Messlatte sehr hoch gelegt. Ich kann auf diesem Niveau leider nichts vergleichbar Wertvolles beitragen und enthalte mich demütig. :)

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Zebras in die Zwo!
Zitat von flingern-zebra:
Der Pate hat mit seinem Beitrag die Messlatte sehr hoch gelegt. Ich kann auf diesem Niveau leider nichts vergleichbar Wertvolles beitragen und enthalte mich demütig. :)


Ich auch besser .

Habe in meinem ganzen Leben noch nie mit jemandem über Taktik gesprochen , auch früher im Verein gab es sowas nicht .

Früher war , als Deutschland immer Welt- und Europameister wurde....
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