TSV 1860 München TSV 1860 München
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Lustvoller Schwarzsehen

14.05.2009 - 17:09 Uhr
Lustvoller Schwarzsehen |#51
03.08.2022 - 09:03 Uhr
Zitat von Loewenmaul
Zitat von ScottishLion
Zitat von Loewenmaul

Thread für hemmungsloses Schwarzsehen - Ohne irgendwelche Tabus. Wer unbedingt seine darkest fantasies zum TSV dringend rauslassen muss, kann das alles hier reinkippen... Cool

Okay. Du hast es ja nicht anders gewollt. Dann mache ich mal einen Zeitsprung in den Juni 2023. Dort erwartet euch folgender Zeitungsartikel:
Quo vadis, TSV 1860 München?
...

Wow. Wie lange hast Du denn DARAN geschrieben? - Oder träumst Du solche Albträume nachts und musst Sie dann nur noch morgens in Dein automatisch transkribierendes Textgerät sprechen? oops

Die Idee einer total verkorksten Saison, kam mir ganz spontan am Sonntag abend. Und dann hab' ich kurz nach 21:00 Uhr mit dem Tippen angefangen. Eigentlich - wie so oft bei mir - sollte der Beitrag gar nicht so lang werden. Aber wenn ich einmal in einem kreativen Flow bin, dann fällt mir unter dem Schreiben immer wieder etwas Neues ein. Abgesetzt habe ich den Post dann um 0:49 und danach bis 1:15 Uhr noch Korrekturen (in erster Linie zu viele Wortwiederholungen hintereinander sowie Rechtschreibfehler) vorgenommen. Alles in allem waren das dann rund 4 Stunden.

Mein Gedanke war, ein- vor allem aus sportlicher Sicht - absolutes "Worst-Case-Szenario" (Erneuter Absturz in die RL Bayern) zu entwerfen. Ursprünglich wollte ich die Löwen sogar sportlich absteigen lassen. Aber das habe ich dann doch nicht übers Herz gebracht. Und so mussten am Ende unser Mehrheitsgesellschafter sowie die Bayrische (die so etwas in der Form in echt NIE machen würde), als Sündenböcke für die Viertklassigkeit herhalten.

Deshalb endet die Story auch am Ende mit einem Scherbenhaufen und der Frage: Quo vadis 1860?". Allerdings muss ich auch zugeben dass es mich ganz gewaltig in den Fingern gejuckt hätte, die Story weiterzuspinnen. Und zwar in der Form, dass Hunderte von unseren Fans nach der PK am Trainingsgelände auftauchen um "Einmal Löwe, immer Löwe" zu skandieren und den Song "Mit Leib und Seele anstimmen" um somit dem Verein in dieser schweren Stunde auch weiterhin ihre unerschütterliche Treue zu versichern. Sowie natürlich, dass der Klub niemals untergehen wird und danach richtig befreit durchstartet. Anschliessend würde sich dann innerhalb weniger Tage ein neuer Investor melden der schon von Kindesbeinen Löwenfan ist und über die finanziellen Möglichkeiten verfügt, dass wir doch noch die Lizenz für die Dritte Liga bekommen usw. Aber so eine Aufbruchstimmung wollte ich im Thread "Lustvolles Schwarzsehen" nicht aufkommen lassen. tongue

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🤍🩵TSV 1860 München: DM: 1966🤍🩵
Pokalsieger: 1942,1964,1996 (HP), 2020 (LP)
💙🤍1. FC Magdeburg: EP-Sieger: 08. Mai 1974 💙🤍
DDR-Meister: 1972,1974,1975
Pokalsieger: 7x, LP-Sieger: 11x, Drittligameister: 2018, 2022

Dieser Beitrag wurde zuletzt von ScottishLion am 03.08.2022 um 09:09 Uhr bearbeitet
Lustvoller Schwarzsehen |#52
03.08.2022 - 09:32 Uhr
Zitat von ScottishLion
Zitat von Loewenmaul

Thread für hemmungsloses Schwarzsehen - Ohne irgendwelche Tabus. Wer unbedingt seine darkest fantasies zum TSV dringend rauslassen muss, kann das alles hier reinkippen... Cool

Okay. Du hast es ja nicht anders gewollt. Dann mache ich mal einen Zeitsprung in den Juni 2023. Dort erwartet euch folgender Zeitungsartikel:

Quo vadis, TSV 1860 München?

Eigentlich hatte die abgelaufene Spielzeit richtig gut für den TSV 1860 München begonnen. Am ersten Spieltag besiegten die Löwen auswärts mit 3:4 Dynamo Dresden, einen der vermeintlich größten Konkurrenten. Kurz darauf gab es mit einem 7:0 über den SV Rödelmaier ein weiß-blaues Fußballfest mit dem zweiten Anzug im Bayerischen Landespokal. Alles schien auf eine richtig gute Saison für den Deutschen Meister von 1966 hinzudeuten. Doch dann kam jener verhängnisvolle 29. Juli 2022, der fast ein Jahr später als der "Zweite Schwarze Freitag" in die Geschichtsbücher des TSV eingehen wird. Auf Giesings Höhen erwartete die Mannschaft den CL-Sieger von 1996 und vorjährigen Vizemeister der 1. Bundesliga, Borussia Dortmund. Die 0:3 Niederlage tat zwar weh, kam aber aufgrund des Klassenunterschiedes nicht unerwartet. Viel schlimmer trafen nach dem Spiel den Verein und seine Anhänger der längere Ausfall von Marcel Bär. Dazu kam noch eine Verletzung von Semi Belkahia, die sich dieser im Training zugezogen hatte. Dennoch glaubten viele Anhänger, dass man aufgrund des auch in der Breite gut verstärkten Kaders, ein Wort um den Aufstieg mitreden könnte. So fieberte man dem ersten Heimspiel am darauffolgenden Samstag gegen den ehemaligen Zweitligisten und Newcomer in der Dritten Liga, dem VfB Oldenburg entgegen. Doch einen Tag vor der Partie ereilte die Fans die nächste Schreckensnachricht. Bei einem Zusammenprall im Abschlusstraining zwischen Torwart Marco Hiller und Fynn Lakenmacher, verletzten sich beide so schwer, dass sofort klar war, dass sie bis zum Saisonende ausfallen werden. Obwohl Tom Kretzschmar in der Vergangenheit immer eine sehr gute Vertretung für Marco im Löwentor abgegeben hatte, gingen er und die komplette Mannschaft nach dieser Hiobsbotschaft komplett verunsichert in die Partie gegen die Niedersachsen. Der VfB - der zuvor im Landespokal den SV Meppen mit 5:0 überrollt hatte - nutzte das eiskalt aus. Ehe sich die Löwen versahen, lagen sie nach 10 Minuten durch zwei Kopfballtore des Abwehrspielers Leon Deichmann mit 0:2 in Rückstand. In der Stehhalle wurde dies von einigen Fans mit den ungläubigen Worten "Deichmann, ausgerechnet Deichmann!", quittiert. Von diesem Schock erholte sich der TSV nicht mehr und musste am Ende sogar eine 0:5 Klatsche hinnehmen. Der absolut negative Höhepunkt war dabei ein Eigentor von Yannick Deichmann, der sich zuvor aufopferungsvoll als einer der wenigen Spieler in der Mannschaft, gegen die sich früh abzeichnende Niederlage gestemmt hatte.

Nach diesem Debakel fehlten selbst dem wortgewaltigen Michael Köllner auf der Pressekonferenz die Worte. Diese ging deshalb mit nur 4 Minuten als mit am Abstand kürzeste in der Ära des Trainers beim TSV ein. Auch die Fans waren konsterniert. Während in einem bekannten Blog bereits die ersten Köpfe gefordert wurden, stand ein Großteil der Anhänger - so wie immer - zu ihrem Verein. Insgeheim hoffte man, dass die Mannschaft am darauffolgenden Dienstag beim nächsten Heimauftritt gegen den SV Meppen, eine entsprechende Reaktion zeigen würde. Und wieder pilgerten 15.000 Fans in das Grünwalder Stadion, um ihr Team nach vorne zu brüllen. Durch die Ausfälle von Bär und Lakenmacher lag es nun an Skenderovic, die Rolle des Torjägers auszufüllen. Und der "Rödelmaier-Schreck" ging auch voll motiviert in die Partie. 1860 war in diesem Spiel nicht wieder zu erkennen und drängte auf die Führung. Allein in der ersten Halbzeit gab der Löwe 21 Schüsse auf das Gehäuse des Gegners ab, doch kein einziger Ball landete im Tor der Gäste. Auch nach der Pause liess der TSV nicht nach und spielte mit Unterstützung der frenetischen Fans Vollgasfußball der Extra-Klasse. Doch der Ball wollte einfach nicht über die Torlinie. Der Magenta-Reporter erläuterte den verblüfften Zuschauern, dass das Torschussverhältnis nach 80 Minuten bei unfassbaren 38:0 lag. Langsam aber sicher erlahmten die Kräfte der zuvor ununterbrochen anstürmenden Löwen. Dennoch warf man in der Nachspielzeit noch mal alles nach vorne und nahm den Emsländern förmlich die Luft zum Atmen. In der 93. Minute flankte Erik Tallig den Ball in den Strafraum des SV. Doch statt bei einem Löwenspieler, landete der Ball bei Steffen Puttkammer und dieser drosch das Spielgerät nach vorne. Christoph Hemlein stürmte auf das Tor der Löwen zu und spielte dann einen Zuckerpass in die Mitte auf Marvin Pourie, der mit voller Wucht abzog. Der Ball klatschte an die Querlatte, fiel nach unten, prallte vom Rücken von Tom Kretzschmar ab und landete im Tor von 1860. Der SV hatte mit dem einzigen Torschuss in der 95. Minute dieses Spiel völlig überraschend für sich entschieden. Die Löwenspieler schlichen nach dem Abpfiff wie geprügelte Hunde zu den Fans die versuchten, die Spieler wieder aufzubauen. Doch das war beim besten Willen nicht möglich. Am vierten Spieltag ging es nach Verl. Und auch dort gab es für den TSV nichts zu holen. Die Gastgeber gewannen in einem ereignisarmen Spiel mit 1:0. Danach stand die 2. Runde im Bayerischen Landespokal auf dem Programm. Dort wartete mit dem TuS Feuchtwangen der letzte noch im Wettbewerb verbliebene Kreissieger auf die Löwen. Die TuS - die in Runde eins schon die SpVgg Unterhaching besiegt hatte - war hochmotiviert und das kleine Stadion platzte aus allen Nähten. Wie groß die Verunsicherung der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt bereits war zeigte sich daran, dass die Gastgeber bis zur 90. Minute ein 0:0 hielten und es deshalb zu einem Elfmeterschiessen kam. In der Vorsaison war man im Halbfinale des Wettbewerbes gegen den TSV Aubstadt nach einem verlorenen Duell vom Punkt ausgeschieden. Und dementsprechend gingen viele Spieler auch mit einem extrem mulmigen Gefühl in diesen Showdown. Noch dazu nach dem bisherigen Saisonverlauf in der Liga. So kam es, wie es kommen musste. Zahlreiche Löwenspieler waren dem mentalen Druck nicht gewachsen und vergaben - teilweise kläglich - ihre Elfmeter. Aber auf der LInie stand an diesem Tag mit der Krake Tom Kretzschmar ein Torhüter von einem anderen Stern, der seine Mannschaft durch zahlreiche abgewehrte Elfer des Gegners im Spiel hielt. Beim Stand von 22:22 trat er schliesslich selbst zum Elfmeter an und hämmerte den Ball kompromisslos in das rechte Kreuzeck. Danach schritt der nächste Schütze der TuS zum Punkt. Sein Schuss war extrem platziert, aber trotzdem fischte Kretzschmar den Ball mit einer absolut unfassbaren Parade aus dem linken unteren Toreck. Die Löwenspieler sowie die Fans stürmten vor Begeisterung den Platz und trugen den Elfmeterhelden auf den Schultern aus dem Stadion. Im anschliessenden Interview war Michael Köllner sichtlich erleichtert und sicher, dass dieses Erfolgserlebnis den Wendepunkt in der Saison darstellen würde.

Bereits drei Tage später wartete in der Liga der Hallesche FC auf die Löwen. Und natürlich hofften die Fans nun umso mehr auf den zweiten Saisonsieg. Noch dazu vor eigenem Publikum. Doch erneut schienen sich sämtliche Fußballgötter gegen die Löwen verschworen zu haben. Denn bereits 6 Minuten nach dem Anpfiff auf Giesings Höhen verletzte sich Tom Kretzschmar so sehr, dass er ausgewechselt werden musste. Und somit kam der dritte Torhüter Julian Schmid zum Einsatz. Er gab sein bestes, aber leider reichte das an diesem Tag nicht aus. Die Gäste aus Sachsen-Anhalt erwischten einen absoluten Sahnetag und demontierten die Löwen mit 4:0. Auch in den weiteren Begegnungen gab es für den TSV nicht viel zu holen und so kam es am 17. Spieltag an 14.11.2022, zu einem absoluten Kellerduell. Rot-Weiss Essen - dass als Aufsteiger mit vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet war - gastierte als Vorletzter beim punktgleichen Schlusslicht, dem TSV. Magentsport hatte sich für dieses Spiel die Dienste von Sascha Mölders als Experten gesichert und dieser zeigte sich vor der Partie schwer getroffen von dem bis zu diesem Zeitpunkt der Saison desaströsen Abschneiden seiner beiden Herzensvereine, mit dem er - nach eigenen Aussagen - nie im Leben gerechnet hätte. Von Anfang an merkte man beiden Mannschaften an, dass sie komplett verunsichert waren. Selbst mit sehr viel Wohlwollen konnte man in der Nachbetrachtung nur von einer Partie zwischen Not und Elend sprechen. Dementsprechend stand am Ende auch ein 0:0 und beiden Teams sah man an dass sie froh waren, dass nun - wegen der WM in Katar - bereits die Winterpause auf dem Programm stand. Das nächste Ligaspiel der Löwen war erst für den 14.01.2023 terminiert. WM hin oder her: Die meisten Löwenfans interessierte das herzlich wenig. Noch dazu in Katar und schon gar nicht, wenn der eigene Verein sportlich am Abgrund steht.

Zwei Monate sind eine lange Zeit und in den Sozialen Medien ging nun die Post ab. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für Löwenverhältnisse trotz des unerwarteten Absturzes beinahe unfassbar ruhig geblieben und keiner der beiden Gesellschafter hatte Michael Köllner als Trainer in Frage gestellt. Noch immer genoss der Coach das Vertrauen was aber sicherlich auch daran lag, dass man in dieser verrücktesten Spielzeit der Dritten Liga aller Zeiten, als Tabellenletzter nur einen Punkt vom zehnten Platz und fünf Punkte vom dritten Platz entfernt lag. Von Flensburg bis Konstanz rätselten sämtliche Fußballexperten darüber, wie so eine enge tabellarische Konstellation überhaupt möglich sein konnte. Und selbst Markus Lanz beschäftigte sich in seiner Talk-Sendung ausführlich mit diesem Thema. Einer der Gäste war dabei Ewald Lienen. Doch auch er fand - trotz intensiven Studiums seiner in einem Order gesammelten Zettel zum bisherigen Saisonverlauf in Liga 3 - keine befriedigende Antwort.

Am 14.01.2023 wurde der Spielbetrieb fortgesetzt. Der TSV musste beim Tabellendritten Waldhof Mannheim antreten. Da der Abstand - wie bereits gesagt - nur fünf Punkte betrug, sprach Michael Köllner von einem "Alles oder Nichts"-Spiel in Sachen Aufstiegsambitionen. Die Konkurrenz zeigte sich überrascht davon, dass der aktuelle Träger der Roten Laterne scheinbar immer noch davon träumte, am Ende der Saison doch noch in die 2. Bundesliga aufzusteigen. In den letzten beiden Wochen hatten die Löwen personell etwas Hoffnung geschöpft, da Tom Kretzschmar fast wieder komplett fit war. Die zwei Monate Pause hatten dem TSV dahingehend in die Karten gespielt. Doch beim Aussteigen aus dem Mannschaftsbus in Mannheim stolperte der Torhüter so unglücklich, dass seine alte Verletzung wieder aufbrach. Dementsprechend geschockt und kreidebleich stand die Mannschaft in der Kabine. Christian Neidhart hatte den Waldhof perfekt auf 1860 eingestellt. Und nach einigen durchaus erfolgversprechenden Angriffen der Löwen, ging Mannheim in der 15. Minute mit dem ersten Abschluss mit 1:0 in Führung. Am Ende gewann der SV mit 2:0 und der Löwe ging erneut geschlagen vom Platz. Als auch das nächste Heimspiel gegen den FSV Zwickau durch einen Treffer der Gäste in der 93. Minute verloren ging, gab es auf der anschliessenden Pressekonferenz extrem bewegende Szenen. Ein völlig in Tränen aufgelöster Michael Köllner erklärte von sich aus seinen Rücktritt als Trainer des TSV 1860 München. In diesem Moment hätte man in dem Presseraum eine Stecknadel fallen hören. "Ich wollte immer nur das Beste für diesen absolut großartigen Verein, der mir in den letzten Jahren richtig ans Herz gewachsen ist. Aber jetzt bin ich leider am Ende meiner Reise mit den Löwen angekommen. Ich kann dem TSV 1860 München nur noch weiterhelfen in dem ich die Reissleine ziehe und einem anderen die Trainerbank überlasse. Mein größter Wunsch ist es, dass dieser tolle Verein am Ende doch noch den Klassenerhalt schafft." Mit den Worten "Einmal Löwe, immer Löwe" erhob er sich von seinem Platz und verschwand. Zurück blieben die völlig verblüfften und ratlosen Medienvertreter, die genauso wie Günter Gorenzel völlig von diesem Statement überrascht wurden.

Fünf Tage später stand zu Hause der Rückrundenauftakt gegen Dynamo Dresden auf dem Programm. Wenig überraschend hatte der bisherige Assistent Stefan Reisinger übergangsweise den Trainerposten übernommen. Doch auch mit ihm lief es nicht wirklich besser. Der TSV verlor zu Hause mit 0:2 durch einen Doppelpack von Manuel Schäffler gegen die Sachsen, die nach dem 20. Spieltag mit inzwischen 8 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten SV 07 Elversberg die Liga anführten. In der Folge gelang dem TSV zwar der ein oder andere Sieg und auch einige Unentschieden. Doch bei den meisten Spielen verliess man den Platz als Verlierer. Und so kam es - wie schon in der Vorrunde - am 36. Spieltag zu einem Abstiegsduell mit einer anderen ehemaligen Größe im Deutschen Fußball, Rot-Weiss Essen. Dieses mal trafen die beiden Mannschaften - die immer noch gemeinsam das Tabellenende "zierten" - an der ausverkauften Hafenstrasse aufeinander. Und auch dieses mal gab es ein torloses Unentschieden. "Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel", gaben beide Trainer in der anschliessenden Pressekonferenz unisono zu Protokoll. Das beide Teams zu diesem Zeitpunkt immer noch eine Chance auf den Klassenerhalt hatten lag einzig und allein daran, dass der Abstand bis zum zehnten Platz nach wie vor sehr gering war. Die Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte lagen teilweise nur getrennt durch die Tordifferenz auf ihren jeweiligen Plätzen. Und am 38. Spieltag kam es dann zum absoluten Showdown. Das Kuriose daran war, dass von Platz 10 bis 20 noch jede Mannschaft absteigen konnte. Und mittlerweile fragte sich nicht nur Fußballdeutschland sondern ganz Europa, wie so eine Konstellation überhaupt möglich war. Der TSV 1860 musste am letzten Spieltag beim FSV Zwickau antreten. Und die Ausgangslage war klar: Nur mit einem Auswärtssieg gab es noch die Chance auf den Klassenerhalt. Selbst bei einem Unentschieden wäre man sicher abgestiegen. Dem FSV dagegen würde ein Remis reichen um in der Liga zu bleiben.

Vor der Saison wollte man eigentlich Ende Mai in Westsachen die große Aufstiegsfeier abhalten. Doch nun stand purer Überlebenskampf auf dem Programm. Aufgrund der Ausgangssituation hatte der FSV Zwickau Beton angerührt. Die Löwen liefen 90 Minuten erfolglos an. Natürlich hatte auch die katastrophale Spielzeit deutliche Spuren hinterlassen. Der von vielen schon als zukünftiger Bundesligaspieler gehandelte Leo Morgalla war mittlerweile komplett untergetaucht, was in seinem Alter aber auch nicht wirklich verwunderlich war. Und der Ausfall zahlreicher Leistungsträger (im Laufe der Saison waren noch Vrenezi, Skenderovic und Lang dazu gekommen), war einfach nicht mehr zu kompensieren. Auch ein Yannick Deichmann hatte sich mittlerweile komplett für die Mannschaft aufgerieben. Bis zur 88. Minute stand es 0:0. Doch dann warfen die Löwen in einem letzten verzweifelten Versuch noch einmal alles nach vorne. Yannick Deichmann flankte den Ball von rechts in den Strafraum und Erik Tallig erzielte mit einem Fallrückzieher a la Klaus Fischer das 0:1 für die Löwen. In diesem Moment explodierte das Stadion dass zur Hälfte mit Löwenfans besetzt war, die sich zuvor über alle möglichen Kanäle mit Karten für diesen Showdown eingedeckt hatten. "Erik Tallig! Erik Tallig! schallte es durch das Stadion. Aber noch war das Spiel nicht zu Ende. Der SR hatte aus unerfindlichen Gründen 6 Minuten Nachspielzeit angezeigt was vom Anhang des TSV mit einem schallenden Pfeifkonzert honoriert wurde. Und tatsächlich gelang es den absolut harmlosen Westsachsen noch einmal in den Strafraum der Löwen vorzustossen. Der ehemalige Jugendspieler des TSV, Noah Shawn Agbaje, liess zwei Abwehrspieler des TSV ganz alt aussehen und konnte letztlich nur noch mit einem Foul von Lannert am Torabschluss gehindert werden. Der SR zeigte sofort auf den Punkt und es gab auch keinerlei Proteste von den Löwen. Den Ball schnappte sich der erfahrene Ronny König, der in dieser Saison bereits 10 Tore für den FSV erzielt hatte. Im Stadion wurde es mucksmäuschenstill. Beide Fanlager wußten, dass diese letzte Aktion des Spiels über die sportliche Zukunft der beiden Vereine entscheiden würde. Denn nach den bereits bekannten Zwischenständen aus den anderen Stadien stand fest, dass Zwickau im Fall einer Niederlage absteigen würde. Die Spannung auf dem Platz und den Tribünen war förmlich mit den Händen greifbar. Ronny Köng lief an und drosch den Ball mit voller Wucht in Richtung Löwentor. Doch Julius Schmid war in der richtigen Ecke und verhinderte somit den Ausgleich. Danach pfiff der SR die Partie ab. Und während die Spieler des FSV wie vom Blitz getroffen zu Boden sanken, wurde Torhüter Schmid von seinen Mitspielern unter sich begraben. Im Fanblock des TSV skandierten die Anhänger "Julius Schmid - Fußballgott" und der gesamten Mannschaft war nach dieser Saison die Erleichterung anzusehen. Nachdem der Druck von der Mannschaft abgefallen war, feierte man nach der Rückkehr in München bis in die frühen Morgenstunden mit den Fans den Klassenerhalt, den man nur aufgrund des besseren Torvehältnis erreicht hatte. Dafür mussten neben dem FSV Zwickau, dem VfB Oldenburg und Halle auch noch die Schanzer den bitteren Gang in die jeweiligen Regionalligen antreten. RW Essen hatte sich - genauso wie der TSV - durch einen 1:0 Heimsieg über den SC Verl im allerletzten Moment noch gerettet.

Doch damit war die Saison für den TSV noch nicht zu Ende. Denn im Landespokal hatte sich die Mannschaft nach Siegen über den SV Rödelmaier, Tus Feuchtwangen, DJK Vilzing, SpVgg Bayreuth und den Würzburger Kickers für das Landespokalfinale qualifziert. Dort wartete mit dem TSV 1882 Landsberg die Überraschungsmannschaft der Toto-Pokalsaison auf die Löwen. Und mit ihr, deren Spieltertrainer Sascha Mölders. Die Partie wurde am bundesweiten "Tag der Amateure" ausgespielt. Und die Landsberger lieferten den Löwen einen echten Pokalfight. Die Löwen führten zur Halbzeit nach Toren von Boyamaba, Deichmann und dem von der zweiten Mannschaft zurückgeholten Kevin Goden mit 3:0 und sahen sich schon auf der Siegerstrasse. Doch sie hatten die Rechnung ohne den früheren Torschützenkönig der Dritten Liga, Sascha Mölders, gemacht. Zur Halbzeit wechselte sich der im Vorfeld leicht angeschlagene Sturmtank ein und lief noch einmal zur absoluten Hochform auf. Zwischen der 80. und 90. Minute erzielte er einen lupenreinen Hattrick und so musste am Ende ein Elfmeterschiessen über den Gewinn des Toto-Pokals entscheiden. Nachdem die Löwen in der 2. Runde gegen den TuS Feuchtwangen noch mit mehr Glück als Verstand und letztlich nur dank des herausragenden Tom Kretzschmar gewonnen hatten, liessen sie dieses mal nichts anbrennen und gewannen am Ende mit 7:6. Die Spieler lagen sich nach dieser komplett verkorksten Saison in der Dritten Liga freudetrunken in den Armen und die mitgereisten Fans skandierten: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!". Im anschliessenden Interview nach dem Spiel erklärte Kapitän Stefan Lex unter Tränen sein Karriereende.Und am Abend wurde nicht nur dieser Erfolg gefeiert sondern auch die Tatsache, dass man in der Dritten Liga im allerletzten Moment doch noch den absoluten sportlichen Supergau abgewendet hatte.

Für den heutigen Freitag, den 16. Juni 2023, hatte der TSV 1860 München eine Pressekonferenz anberaumt. Viele Anhänger vermuteten, dass dort der Nachfolger für den Interimscoach Stefan Reisinger vorgestellt werden sollte, der zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Saisonvorbereitung begonnen hatte. Er sollte nach dem Klassenerhalt wieder ins zweite Glied rücken. Es waren zwar im Vorfeld viele Namen gehandelt worden, aber bis zu diesem Zeitpunkt war nicht durchgesickert, wer denn nun den TSV 1860 München übernehmen sollte. Die Pk wurde dieses mal sogar im Livestream übertragen. Und neben Günther Gorenzel saß überraschenderweise auch der Präsident des e.V. , Robert Reisinger, auf dem Podium. "Heute möchten wir zunächst unseren Gesellschafter Hasan Isamik zu Wort kommen lassen", eröffnete Pressesprecher Rainer Kmeth die Veranstaltung. Doch von HI fehlte zunächst jede Spur. Das sollte sich jedoch schnell ändern. Denn er wurde auf einer Großleinwand per Video zugeschaltet. Neben ihm saß ein Dolmetscher um seine Aussagen zu übersetzen. Nach einem kurzen Rückblick auf die abgelaufene Saison kam er zu seinem eigentlichen Anliegen. "Seit meinem Einstieg am 30. Mai 2011 beim TSV 1860 München sind mittlerweile 12 Jahre vergangen. Und vor dieser Saison hatte ich große Hoffnungen, dass der Klub endlich die Rückkehr in die 2. Bundesliga schafft. Dieser Traum ist nicht in Erfüllung gegangen. Im Gegenteil: Der TSV ist krachend gescheitert. Und nach reiflicher Überlegung bin ich nun zu dem Schluss gekommen, mein Engagement für die Löwen mit sofortiger Wirkung zu beenden. Den Präsidenten Robert Reisinger habe ich bereits vorab informiert. Ich wünsche dem TSV für die Zukunft alles Gute." Nach diesen Worten wurde die Übertragung von Ismaik beendet. Nun wandte sich Rorbert Reisinger an die anwesenden Journalisten. "Wir haben selbst erst vor wenigen Stunden erfahren, dass Herr Ismaik sich als Gesellschafter komplett zurückziehen wird. Und leider muss ich ihnen - Stand jetzt - mitteilen, dass der Gesellschaft damit die Insvolvenz droht. Zumal uns auch noch die Bayrische - wie mir Herr Gräfer gestern mitgeteilt hat- als Sponsor wegen Perspektivlosigkeit den Rücken kehren wird. Ob und wie diese noch abgewendet werden kann, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend beantworten. Allerdings steht bereits heute fest, dass wir für die nächste Spielzeit keine Lizenz für die Dritte Liga erhalten werden. Im besten Fall wird unsere Mannschaft also in der kommenden Saison in der RL Bayern an den Start gehen. Das war es auch schon für's Erste. Ich bitte sie um Verständnis, dass wir heute auch keinerlei Fragen beantworten werden. Dafür müssen wir uns erst einmal einen Überblick über die Situation verschaffen." Nach diesem Statement erklärte Kmeth die Pressekonferenz für beendet und verliess zusammen mit Reisinger und Gorenzel den Raum. Und so steht der TSV 1860 wieder einmal vor einem riesigen Scherbenhaufen und keiner kann aktuell seriös beantworten, wie es mit diesem großen Traditionsverein weitergehen wird. Quo vadis, TSV 1860 München?


Absolut fantastisch. Hoffe du verdienst dein Geld als Autor/Journalist. Das ist großes Kino

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