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BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#3471
22.11.2016 - 17:36 Uhr
Hallo zusammen,
ich habe zuletzt häufiger beobachtet das unsere Verteidiger bei gegnerischen Freistössen (20m-40m vor unserem Tor) extrem hoch stehen. Somit rennen im Grunde genommen zum Zeitpunkt des Schusses, alle gleichzeitig in Richtung des Tores. Kann mir hier jemand erläutern was der Vorteil sein soll, hoch zu stehen? Ich blicke das nicht. Ich würde als Trainer lieber tief stehen lassen.
VIelen Dank im Voraus
BVB - Taktik-Thread |#3472
22.11.2016 - 18:02 Uhr
Zitat von Toootti
Hallo zusammen,
ich habe zuletzt häufiger beobachtet das unsere Verteidiger bei gegnerischen Freistössen (20m-40m vor unserem Tor) extrem hoch stehen. Somit rennen im Grunde genommen zum Zeitpunkt des Schusses, alle gleichzeitig in Richtung des Tores. Kann mir hier jemand erläutern was der Vorteil sein soll, hoch zu stehen? Ich blicke das nicht. Ich würde als Trainer lieber tief stehen lassen.
VIelen Dank im Voraus


Wenn man tief steht, haben die gegnerischen Angreifer den Vorteil, nahe am gegnerischen Tor sein zu dürfen. Je näher man am gegnerischen Tor ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kontakt reicht, um das Tor zu erzielen. Wenn man hoch steht, dann wird ein Kontakt selten ausreichen, um ein Tor zu erzielen. Dass heißt, man hat als verteidigende Mannschaft mindestens 2 Gelegenheiten, um das Tor zu verhindern, was besser ist, als nur eine Gelegenheit beim 1vs1 zu haben.
Des Weiteren kann man natürlich auch viel leichter eine Abseitsstellung der gegnerischen Angreifer provozieren.
BVB - Taktik-Thread |#3473
22.11.2016 - 20:00 Uhr
Wenn man tief steht, haben die gegnerischen Angreifer den Vorteil, nahe am gegnerischen Tor sein zu dürfen. Je näher man am gegnerischen Tor ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kontakt reicht, um das Tor zu erzielen. Wenn man hoch steht, dann wird ein Kontakt selten ausreichen, um ein Tor zu erzielen. Dass heißt, man hat als verteidigende Mannschaft mindestens 2 Gelegenheiten, um das Tor zu verhindern, was besser ist, als nur eine Gelegenheit beim 1vs1 zu haben.
Des Weiteren kann man natürlich auch viel leichter eine Abseitsstellung der gegnerischen Angreifer provozieren.

Ich habe aber beobachtet das genau das, welches du als Vorteil bezeichnest, in realität ein Nachteil ist. Spielt nämlich der Freistossschütze den ball ungefähr zum Elfmeterpunkt, und der Gegner ist vorher am Ball, so reicht genau diese eine kleine Berührung um den Torwart zu schlagen. Ausserdem, sollte unser Verteidiger vorher am Ball sein, so bleibt ihm fast nichts anderes übrig als denn Ball zum Eckstoss zu befördern weil alle anderen auf ihn zustürmen und er mit dem Rücken zum Spielfeld steht und nicht sieht wohin er denn Ball sonst befreien soll. Ich denke das ein Verteidiger im 1vs1 im Kopfball eigentlich stärker sein sollte als der Stürmer.
BVB - Taktik-Thread |#3474
22.11.2016 - 20:44 Uhr
Zitat von Toootti
Wenn man tief steht, haben die gegnerischen Angreifer den Vorteil, nahe am gegnerischen Tor sein zu dürfen. Je näher man am gegnerischen Tor ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kontakt reicht, um das Tor zu erzielen. Wenn man hoch steht, dann wird ein Kontakt selten ausreichen, um ein Tor zu erzielen. Dass heißt, man hat als verteidigende Mannschaft mindestens 2 Gelegenheiten, um das Tor zu verhindern, was besser ist, als nur eine Gelegenheit beim 1vs1 zu haben.
Des Weiteren kann man natürlich auch viel leichter eine Abseitsstellung der gegnerischen Angreifer provozieren.

Ich habe aber beobachtet das genau das, welches du als Vorteil bezeichnest, in realität ein Nachteil ist. Spielt nämlich der Freistossschütze den ball ungefähr zum Elfmeterpunkt, und der Gegner ist vorher am Ball, so reicht genau diese eine kleine Berührung um den Torwart zu schlagen. Ausserdem, sollte unser Verteidiger vorher am Ball sein, so bleibt ihm fast nichts anderes übrig als denn Ball zum Eckstoss zu befördern weil alle anderen auf ihn zustürmen und er mit dem Rücken zum Spielfeld steht und nicht sieht wohin er denn Ball sonst befreien soll. Ich denke das ein Verteidiger im 1vs1 im Kopfball eigentlich stärker sein sollte als der Stürmer.


Als Verteidiger kannst man aber bei Standards nicht pauschal sagen, dass der Verteidiger in der Luft stärker ist, da der Stürmer immer seine Vorteile hat, indem er der agierende Akteur ist. Dazuhin wird es in der gesamten Defensive immer wieder Missmatches geben - gerade die sieht man bei uns zuletzt jedenfalls relativ häufig.

Durch eine hohe Verteidigungslinie versucht man deswegen Abschlusssituationen so weit weg vom Tor wie nur irgendwie möglich zu erreichen - wie es der Vorredner im Prinzip schon dargestellt hat. Eine Flanke zum Elfmeterpunkt hin, muss schließlich erst mal vom Angreifer erreicht werden. Je höher man steht, desto schwieriger wird das vom Timing bzw. der Erreichbarkeit der Position. Ein Kopfball vom Elfmeterpunkt muss zudem noch kein 100%er sein, der aber mit jedem Meter näher zum Tor wahrscheinlicher wird.

Würde man tiefer stehen kommen zudem noch gegenläufige Bewegungen dazu, die schwieriger zu verteidigen sind, da dann auch aus dem Rückraum (gegen den Lauf der Verteidiger) gute Einschussmöglichkeiten entstehen können - oder zumindest eine Station vor der Einschussmöglichkeit, die die Abwehr auseinander reißt. D.h. man hat nicht nur den Raum vor sich (Blick Verteidiger) zu verteidigen, sondern auch den Raum im Rücken, womit man an Kompaktheit verliert.

Eine hohe Verteidigungslinie versucht also ein möglichst kompaktes und geradliniges (damit also einfaches) Abwehrverhalten zu unterstützen sowie dem Gegner möglichst wenig Raum in direkter Tornähe zu gestatten.

Dazu ist die Abseitsfalle - wie schon geschrieben wurde - ein wichtiges Mittel, dem man sich beraubt, je tiefer man steht.
BVB - Taktik-Thread |#3475
26.11.2016 - 19:25 Uhr
Ist euch auch aufgefallen, dass wir beim 4-1-4-1 oft starke Probleme im Spielaufbau haben?

Heute wurden wir dabei stark von Frankfurt gepresst.


-----------Sokratis--------------Ginter------------
...................SGE...................SGE..................
------------------------Weigl------------------------
..............................SGE.................................
......SGE................SGE........................SGE
Pischu----------------------------------Schmelzer
--------------Castro-----------Götze----Schürrle
SGE...........SGE......Auba........SGE......SGE....


Oft gabs für die Abwehrspieler und Weigl keine einzige sinnvoll anspielbare Anspielstation, da man mit im Grunde 3-gegen-3 gegen die pressenden Angreifer war und die AVs auch gestört wurden. Man musste also oft den "Schnittstellen?" Ball auf Götze oder Castro suchen - aber unter Druck, was nicht gut gelungen ist.

Ich denke, das Problem ist, dass man beim 4-1-4-1 zu leicht im Aufbauspiel gestört werden kann. Ich wünsche mir da das 3-2-5 zurück, das sah viel besser aus diese und letzte Saison.

Sowohl gegen die Eintracht als auch diverse Vorbereitungsspiele und gegen Leipzig hat man einfach super schlecht ausgesehen mit dem 4-1-4-1.

Ich wundere mich, dass man trotz der Probleme am 4-1-4-1 festhält, zumal man ja situativ (wie gegen Bayern) schon mit Dreierkette gespielt hat.

Mal zum Vergleich mit Dreierkette:


-------Ginter---------Sokratis----------Bartra-------
.....................SGE...................SGE.......................
------------------Castro---------Weigl------------------
SGE....................SGE......SGE........................SGE
Pischu-------Ramos-----------Götze-----Schmelzer
..SGE..............SGE.....Auba......SGE..........:.SGE

Man sieht, dass es viel schwerer ist für Frankfurt, dabei den Aufbau zu stören, weil man 3 vs 2, bzw 5v4 Im Aufbauspiel hat.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Gooble am 26.11.2016 um 19:31 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#3476
27.11.2016 - 13:11 Uhr
Bei deiner Ausgangshypothese gehe ich absolut mit, allerdings habe ich gestern dann doch ein paar Dinge noch mal etwas anders wahrgenommen:

Zum Einen hat Frankfurt mit einer 3er Kette gespielt und war dabei relativ fluide in den Systemen. Zwischen 3-4-3, 5-2-3 und 3-5-2 war da so ziemlich alles dabei, wobei ich eigentlich kein Pressing im eigentlichen Sinne gesehen habe. In den allermeisten Fällen hat man bspw. auf Gegenpressing verzichtet, sondern direkt versucht in sein defensives System zurückzukehren, um die Kompaktheit zu halten.

Das sah meistens dann so aus:

---------Sokratis--------------Ginter----------------
-------------------------SGE----------------------------- Meier hat sich meistens sogar neben Weigl fallen lassen
-------------SGE-----Weigl------SGE----------------Die Außen haben dann entsprechend der Ballseite verschoben
Pischu----------------------------------Schmelzer
--------------Castro-----------Götze----------------
SGE----------SGE--------------SGE-------------SGE
------Ramos---------------------------Schürrle----
--------SGE---------Auba--------------SGE----------
-----------------------SGE-------------------------------

Wichtigstes Mittel war dabei - wie schon bei den Spielen gegen Leverkusen und Leipzig - die Mann-Raum-Deckung über fast alle Positionen. Meier wurde in den Raum rund um Weigl zurückgezogen und Frankfurt hat hier - je nach Ballseite - die Außen auch noch nach Innen gezogen, womit sich direkt 2 Spieler um unseren 6er gekümmert und den Raum für Anspiele sehr gering gehalten haben, sodass es situativ sogar eine Manndeckung war und auf alle Fälle nur sehr wenig Zeit nötig war, um Druck auf die 6 auszuüben. Ähnlich sah es gegen Götze und Castro aus, die von Hasebe und Huszti per Mann-Raum-Deckung verteidigt wurden und relativ wenig Platz bekamen - vor allem in den hohen Räumen. Die Offensivreihe um Aubameyang, Schürrle und Ramos wurde sogar über das gesamte Spiel vom jeweiligen Mann in der 3er Kette in Manndeckung genommen. Unsere IV hat man jedoch bewusst einfach spielen lassen, da man ansonsten ja 10gg8 stand - womit man es sich eben immer noch erlauben konnte, mindestens 2 Mann allein auf den 6er abzustellen. D.h. - wie schon in den anderen beiden besagten Spielen - im Aufbau wird man vor allem in der IV schon mal nicht großartig ernst genommen.

Das liegt sicher daran, dass Aubameyang an der Mittellinie selten mal einen Ball ablegt und lange Bälle damit so oder so kaum zu unserem Spiel gehören. Gestern hat er dort aber sogar relativ viele Duelle gewonnen und Ramos - der bei langen Bällen ja durchaus ein taktisch effizientes Mittel bietet - hat dahingehend quasi keine Rolle spielte. Da frage ich mich dann warum Ramos aufgestellt wurde, zumal die IV eben auch vergleichsweise sehr viel Zeit und Platz hatten, um das Spiel auszulösen, um solche Bälle einigermaßen sauber zu spielen (so sauber es bei der Distanz eben geht - Restrisiko bleibt da natürlich trotzdem). Insbesondere Ginter ist in der Beziehung gestern sehr enttäuschend gewesen, da man von ihm im Aufbau doch mehr erwarten kann, als von Sokratis - die Freigabe von Tuchel dürfte er haben. Das hat sich jetzt aber wiederholt auf gleichem Niveau bewegt. Bartra hat noch Probleme in der Konstanz und will noch eher das Gegenteil von Ginter im Aufbau: zu viel. Im Aufbau wäre aber wieder ein Mittelmaß aus Risiko und Sicherheit notwendig, für das auch Hummels lange benötigt hat, um hier das richtige Feintuning zu finden. Es ist also nicht ganz einfach, aber dennoch etwas enttäuschend, dass unser Aufbau hier schon so einfach aus dem Spiel genommen werden kann. Dadurch, dass das diese Woche von Ginter jetzt wieder 2 schlechte Spiele am Stück waren, bekommt man in die IV natürlich auch generell keine Konstanz!

Kurze Anspielstationen hatte man aufgrund der Deckung der Frankfurter sowieso nur wenig, weil Weigl gut zugestellt wurde und sofort von 2 Seiten unter Druck gesetzt wurde, womit der Aufbau insgesamt schon zum erliegen kommt - vor allem wenn Weigl dann auch selbst nicht gerade seinen besten Tag hat. Deswegen muss da von Castro und Götze insgesamt viel mehr kommen, indem sie sich häufiger fallen lassen und nicht diese hohe Position halten, auf der die Anspielbarkeit (auch hier wegen der Deckung) nicht gegeben ist und der Gegner nicht auseinandergezogen wird (an der Statik ändert sich so beim Gegner ja nichts, weswegen keine größeren Räume an anderer Stelle entstehen). Ist die Deckung so eng, wie gestern, hat man jedenfalls gestern zum 3. Mal in dieser Saison seine aktuellen Grenzen aufgezeigt bekommen, wie man taktisch ausgekontert werden kann und individuelle Qualität keine Rolle mehr spielt. Das darf bei der Qualität von Götze und auch Castro aber eigentlich nicht passieren, dass sie mit dem Spielen aufhören, sobald es etwas unangenehmer wird!

Der große Unterschied zur letzten Saison besteht meines Erachtens in der Besetzung des ZM. Gündogan ist weg und es zeigt sich nun immer mehr, dass man mit dem Wort Weltklasse in Zusammenhang Gündogan viel zu sparsam umgegangen ist. Gündogan hat seine Position im ZM immer sehr beweglich (nicht nur von der Dynamik) interpretiert und permanent die höhe der Position geändert, um den Gegner immer wieder vor unterschiedliche Probleme zu stellen. Mal hat er den 6er gegeben, um den tiefen Spielaufbau zu unterstützen. Mal war er eher 8er und dann auch wieder 10er, der ganz vorne reingeht. Damit hat er dem Gegner immer wieder aufgezwungen, dass er Räume freigibt, die entweder er selber oder eben ein Mitspieler bekommt. Spielerisch hat es für ihn sowieso keinen Unterschied gemacht, welche Position er spielt, da er sie alle beherrscht. Die Fähigkeit ist aktuell im Weltfussball dermaßen selten, weswegen Gündogan natürlich nur sehr schwer zu ersetzen ist, aber eben besser ersetzt werden muss als mit Rode und - in der Form von gestern - Götze. Für mich war Gündogan jedenfalls immer der schwerwiegendeste Abgang und ist es auch immer noch - auch wenn Hummels, wie weiter oben schon dargestellt, ebenfalls schwer wiegt und die Kombination dieser beiden Abgänge extrem problematisch ist. Castro hat in der letzten Rückrunde konstant an seinem persönlichen Limit gespielt und mit seinen Mitteln durchaus Wege gefunden Gündogan - mit dem Gesamtkonstrukt (u.a. auch Miki) - sehr gut zu ersetzen. Diese Konstanz fehlt ihm gerade allerdings komplett.

Unabhängig davon (um wieder auf die aktuelle Situation zurückzukommen), frage ich mich allerdings, was die Mannschaft daran hindert im ZM dauerhaft diese großen Abstände zu halten. Ich verstehe ja, dass man möglichst nah am gegnerischen Tor agieren möchte, allerdings wird das eben auch maßgeblich dadurch bestimmt, von wo man aufbau, was wiederrum vom Gegner bestimmt wird. Von dem her gibt es für mich nur 3 Gründe:

1.) Die Spieler können in den tiefen Räumen nicht (mit ausreichend Dominanz) spielen
2.) Tuchel möchte es genau so, fordert aber mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch in die der Mitspieler
3.) Eine Kombination aus den beiden obigen Gründen - leider nicht die unwahrscheinlichste Variante

Ich denke 1.) dürfte relativ klar sein. Bei 2.) meine ich in dem Sinne, dass man im Aufbau mehr darauf vertrauen soll, dass die ZM die Bälle verarbeitet bekommen und daraus auch Aktionen generieren können, die direkt näher am gegnerischen Tor stattfinden. Gestern – bzw. allgemein in den unangenehmen Spielen, mit weniger Platz – waren das natürlich vor allem Rückpässe, zurück zum Absender. Allerdings gehören auch die dazu, bis der Gegner einen Fehler macht. Genau dahin kommen wir aktuell aber überhaupt nicht, weil wir die Station im ZM viel zu selten finden und dazuhin auch aus der IV heraus schon mutlos agieren, sobald mal etwas weniger Platz da ist. Dementsprechend würde 2. bedeuten, dass Tuchel seine Spieler taktisch überfordert. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann man schließlich nicht einfordern, sondern muss man entwickeln. Letztendlich glaube ich aber eben eher sogar an 3.), dass die Spieler für die tieferen Positionen nicht ansatzweise so gut geeignet sind, wie man es benötigt (weswegen sie dort auch keine Präsenz entwickeln) und Tuchel eben auch noch seinen Teil dazu beiträgt, indem er entsprechend aufstellt. Das begründet sich u.a. darin, dass Castro auf der tiefen Position, die er nach der Hereinnahme von Rode gespielt hat, auch nicht präsenter wurde und beide ZM zuvor ja auch durchaus mal tiefer die Bälle abgeholt haben – grundsätzlich verboten erscheint es mir daher nicht.

Präsenz ist allgemein eines der wichtigen Themen im ZM. Gestern hatte man im DM/ZM insgesamt wieder gerade mal 210 Ballkontakte. Castro kam mit 68 knapp unter sein Normalmaß, das auch schon etwas zu gering ausfällt. Götze mit 48 erreicht auch nahezu sein Normalmaß, was aber natürlich viel zu wenig ist – insbesondere bei 68% Ballbesitz. Die Summe hat Gündogan, nicht gerade selten, allein hinbekommen – bei einem Schnitt von 110 Ballaktionen/90 Minuten. Auch das zeigt nochmals, wie gewichtig die Probleme im ZM sind und legt nahe, dass es eben nicht nur Tuchel ist, der von seinen Spielern mehr will als sie können, sondern auch die Spieler weniger können als nötig wäre. Mir erscheint es zumindest so, dass Tuchel die Mannschaft für dominant genug hält, damit man die Spieler nahe ihrer Optimalzonen agieren lassen kann. Sollte das der Fall sein, haben das aber mittlerweile schon mindestens 3 Gegner durchschaut, wodurch die Dominanz effektiv nicht mehr vorhanden ist, sondern sich nur noch in Ballbesitz in ungefährlichen Zonen ausdrückt (IV des BVB) – also ist es tatsächlich keine Dominanz. Damit unterläge Tuchel also einem Trugschluss.

Was ist jetzt aber die Lösung?
Anfang der Saison (die Probleme sind schließlich auch schon in anderen Spielen dagewesen, nur wurden sie eben nur in 3 Spielen extrem präsent) hat man im Aufbau noch viel über die AV aufgebaut – vor allem über Schmelzer. Das funktioniert so aber nicht in dem Maße, da man sich so in den „Angriffsvektoren“ selbst limitiert, indem man sich schließlich so schon auf eine Seite festlegt und damit einer Spielrichtung als Option beraubt. Zudem generierte man so nicht mehr Anspielstationen, weswegen der Aufbau über die AV insgesamt als ineffektiv bezeichnet werden muss!

Eine 3er Kette hat man zuletzt gegen Hamburg und die Bayern gespielt. Beide Spiele hatten allerdings ihre Defizite. Gegen den HSV war man Defensiv nicht sonderlich stabil, was sich auch nicht nur auf die Rotation schieben lässt und gegen die Bayern war man natürlich kaum mal am Ball, hat Glück gehabt, dass man das 1:0 macht und bis zum Schluss eine hohe Kompaktheit halten konnte. Personell kann man das sicher anders spielen, wie man es in diesen beiden Spielen gemacht hat, allerdings muss man dabei eben hinterfragen, was sich im Vergleich zur 4er Kette genau ändert, was davon Sinn macht und was davon mehr Optionen schafft, die man effektiv nutzt.

Dementsprechend will ich mal noch 2 3er Ketten skizzieren, die wir aktuell beherrschen würden und wie Fraknfurt dagegen gespielt hätte (taktische Möglichkeiten zur Umstellung hatten die ja nicht wirklich):

(1)
---------Ginter----Sokratis----Bartra------------
-------------------------SGE-----------------------------
-------------SGE-----Weigl------SGE----------------
Pischu----------------------------------Schmelzer
--------------Castro-----------Götze----------------
SGE----------SGE--------------SGE-------------SGE
----------------Auba------------Schürrle------------
--------SGE-----------SGE-------------SGE-----------
(2)
---------Ginter----Sokratis----Bartra-------------
---------SGE----------SGE----------SGE--------------
Pischu-------Weigl--------Götze-------Schmelzer
SGE----------SGE--------------SGE-------------SGE
-----Ramos-----------Auba------------Schürrle----
--------SGE-----------SGE-------------SGE-----------

Bei (1) wird ein Offensivmann geopfert, um den Aufbau aus der Abwehr heraus zu verbessern. Grundsätzlich hat Frankfurt dadurch aber nicht mehr Probleme vor dem Tor, da man so dort nun nicht mehr Mann gegen Mann spielt, sondern sogar noch eine zusätzliche Absicherung bekommt. An der Neutralisierung des DM/ZM ändert sich gar nichts. Im Prinzip muss der Aufbau der 3er Kette daher als genau das spielen, was man sich bei 2 IV schon nicht getraut oder nicht geschafft hat. Kann klappen, da man natürlich selbst eine Absicherung mehr hat und damit sicher etwas mehr Risiko rechtfertigen kann (wenn etwas schief geht) und damit auch gewagt wird - Tuchel hat von Hummels explizit das Risiko gefordert hat, weswegen ich nicht glaube, dass er Ginter und Bartra nun etwas verbietet, das umso wichtiger geworden ist, sondern vor allem Ginter sich hier zu wenig traut. Ich sehe insgesamt also nur eine potenzielle Chance, um den Aufbau zu verstärken, aber dafür auch mehr Probleme, um in Abschlusssituationen zu kommen, die ja das eigentliche Ziel sind. Daher fraglich, ob man so tatsächlich besser aufgestellt wäre.

Bei (2) ändert sich im Vergleich zu gestern eigentlich gar nicht viel. Frankfurt bekommt nur noch mal einen Mann mehr hinter den Ball, da sie ganz einfach die 3er Kette weiterhin spielen lassen, die nun aber einen Mann weniger als Anspielstation hat (ein ZM wird für den 3. IV schließlich geopfert). Ich sehe hierin also keinen Mehrwert, sondern noch mehr Neutralisierung beider Mannschaften!

Bei einem gegnerischen 4-4-2, wie du es skizziert hast, spielt man ebenso 10gg7 und damit vor der 3er Kette in konstanter Unterzahl.

Tuchel hat dazuhin in der Vorbereitung schon mit einer 3er Kette experimentiert, bei der die AIV ins DM schieben. So weit ist man dort spielerisch allerdings nicht. Bartra ist defensiv noch nicht vollständig integriert und spielt teils noch zu fehlerbehaftet. Ginter ist nicht konstant und im Aufbau meistens noch nicht so präsent, dass man hier den konstanten Mehrwert unter mehr Druck erwarten kann. Für Sokratis würde sich als Libero bei Ballbesitz eigentlich nichts großartig ändern. Für diese Aufstellung muss man jedenfalls mit mehr Mut spielen, als man es bislang tut. Kurz: die Basics reichen noch nicht – vielleicht zur Rückrunde!

Ein zweiter klarer 6er hilft uns auch nur bedingt, da ich nicht das notwendige Personal dafür im Kader sehe. Rode hat bislang nicht Fuß fassen können und wird es wohl auch kaum noch schaffen – zwischendurch hatte ich bei seiner Verpflichtung ja durchaus einen Sinn gesehen, allerdings bin ich da wohl dem Trugschluss erlegen, dass er doch mehr können muss als man vermutet und es Sinn macht, seine Fähigkeitenkombination in den Kader aufzunehmen, wenn unsere Verantwortlichen ihn verpflichten. Castro ist in meinen Augen genauso ein 10er, wie es Götze und Kagawa sind. Sie unterscheidet spielerisch und athletisch natürlich sehr viel, aber rein taktisch sind sie auf der 10 am besten aufgehoben, weil sie von dort Torgefahr entwickeln und ihre Qualitäten ohne Abstriche ausspielen können. Auf den tieferen Positionen fehlt ihnen allesamt etwas, bzw. merkt man mehr oder weniger, dass sie sich nicht so wohl fühlen und vor allem nicht den Anforderungen (Präsenz, als Aufbaustation, die Defensive und Offensive statisch und dynamisch verbindet) entsprechen. Guerreiro hat seine Spiele im ZM fast ausnahmslos überzeugt, ist allerdings auch kein Stratege. Kann er auch noch nicht sein, wenn man bedenkt, dass er seine Karriere bislang vornehmlich auf der linken Außenbahn verbracht hat, wo man ihn auch beim BVB dringend benötigt. Sahin spielt mit sehr viel Licht und sehr viel Schatten, da er beim BVB keinen optimalen Nebenmann mehr hat und zu Weigl als inkompatibel eingestuft werden muss. Merino, Mangala und Burnic spielen (noch) keine Rolle. Man muss also feststellen, dass es keinen echten zweiten 6er gibt, der Weigl (oder Sahin) ergänzen kann.

Dementsprechend fällt diese Option in meinen Augen weg, weswegen man nur noch versuchen kann, dass die offensiven 8er/10er, endlich tiefer aufbauen, sich häufiger fallen lassen und vor allem präsenter zu werden (insbesondere wenn es mal schwieriger wird). Das bedeutet eben auch, dass Tuchel diese Spieler nicht in ihrer Komfortzone agieren lassen darf und die Spieler auch selbst aus dieser Komfortzone ausbrechen müssen! Andernfalls wird es in dieser Hinrunde noch 2-3 Gegner geben, die für Probleme sorgen werden. Hoffenheim wird sich das Spiel gestern sehr genau angeschaut haben und die Strategie nahezu kopieren. Köln wird seine Anleihen bei Leipzig und Leverkusen suchen und finden. Gladbach wird aus all diesen Spielen am Ende das für sich passende raussuchen, da sie flexibel genug sind, um mit 4er oder 3er Kette zu spielen. Es muss sich beim BVB also sehr schnell etwas ändern, ansonsten wird man nicht nur in Richtung Platz 2 den Anschluss verlieren.

In meinen Augen wäre bei der Aufstellung gestern Ramos mit langen Bällen zu versorgen, um das Mittelfeld zu überbrücken und mehr Fehler der Frankfurter IV (die gab es schließlich durchaus) zu provozieren, ein guter Weg gewesen. Da man diesen Weg nicht genutzt hat, war Ramos eine Fehlbesetzung, an dessen Stelle ein Dembele oder Reus mehr Sinn gemacht hätten (und Mor im Kader gefehlt hat), da man eben mit den 1gg1 durchkam und sofort Freiräume und Abschlüsse hatte. Da hat Frankfurt also auch Glück gehabt, dass man diesen Weg nicht kontinuierlich gegangen ist, gehen konnte oder was auch immer. Damit hätte Frankfurt sich überlegen müssen, ob sie nicht doch stellenweise doppeln und damit wieder an anderen Stellen Freiräume lassen. Außerdem eben tiefer agierende ZM, die mit mehr Mut die Bälle fordern, mit Dynamik das 1gg1 suchen und damit für eine kollabierende Manndeckung sorgen, wodurch Räume frei werden und/oder Überzahlsituationen entstehen – das können die IV nicht leisten und die Offensive sowieso nicht, wenn sie gar nicht erst an den Ball kommt. Das Mittelfeld kann deswegen eben auch nicht permanent überspielt werden. Mehr Mut und Tempo gilt außerdem auch für die IV bei deren Bällen.

Taktisch finde ich das 4-1-4-1 daher nicht verkehrt, aber ich sehe extrem viele Defizite in der Umsetzung und auch einige Defizite in den dafür zur Verfügung stehenden Personalien. Gerade im ZM fehlt ein entscheidender Spielertyp.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 27.11.2016 um 13:17 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#3477
27.11.2016 - 13:54 Uhr
Trotz allem bleibt für mich unsere Verteidigung das Hauptproblem. Wir haben zwei AV die Offensiv nicht stattfinden, die in der Abwehrarbeit sehr hoch stehen und wenn sie hinten verteidigen oft zur Mitte einrücken und die Außen für den Gegner freigeben und einen IV wie Ginter, der einfach viel zu weit weg von seinen Gegenspieler ist. Es ist Defensiv Null Ordnung zu erkennen, man geht nach dem Leitsatz " Nimm du ihn, ich hab ihn sicher" vor. Das mit den Einrücken der AV in die IV passiert sehr häufig und das obwohl wir dort oft eine zahlenmäßige Überlegenheit haben, ich kann mir das nur so erklären, dass man meint von außen geht ja eh nicht so viel Gefahr aus, wir müssen das Tor absichern. Die desaströsen Abwehrleistungen waren bereits in Hamburg, aber besonders gegen Warschau zu erkennen und anscheinend hat man diese in den Trainingstagen bis zum Frankfurt Spiel nicht in den Griff bekommen, anders kann ich mir die Kritik von TT an die Trainingsleistungen nicht erklären. Für eine Mannschaft die national der zweite Leuchtturm sein will und international die großen ärgern will, sind 8 !!! Gegentore gegen Hamburg, Warschau und Frankfurt mindestens 7 zu viel.
BVB - Taktik-Thread |#3478
27.11.2016 - 14:02 Uhr
Zitat von Vero-amore
Trotz allem bleibt für mich unsere Verteidigung das Hauptproblem. Wir haben zwei AV die Offensiv nicht stattfinden, die in der Abwehrarbeit sehr hoch stehen und wenn sie hinten verteidigen oft zur Mitte einrücken und die Außen für den Gegner freigeben und einen IV wie Ginter, der einfach viel zu weit weg von seinen Gegenspieler ist. Es ist Defensiv Null Ordnung zu erkennen, man geht nach dem Leitsatz " Nimm du ihn, ich hab ihn sicher" vor. Das mit den Einrücken der AV in die IV passiert sehr häufig und das obwohl wir dort oft eine zahlenmäßige Überlegenheit haben, ich kann mir das nur so erklären, dass man meint von außen geht ja eh nicht so viel Gefahr aus, wir müssen das Tor absichern. Die desaströsen Abwehrleistungen waren bereits in Hamburg, aber besonders gegen Warschau zu erkennen und anscheinend hat man diese in den Trainingstagen bis zum Frankfurt Spiel nicht in den Griff bekommen, anders kann ich mir die Kritik von TT an die Trainingsleistungen nicht erklären. Für eine Mannschaft die national der zweite Leuchtturm sein will und international die großen ärgern will, sind 8 !!! Gegentore gegen Hamburg, Warschau und Frankfurt mindestens 7 zu viel.


Die Betrachtung kommt sicher auch noch dazu, wenn das Offensivspiel direkt so scheitert, bzw. neutralisiert wird.

Mich ärgert hier vor allem, dass es eigentlich immer die gleichen Tore sind, die wir bekommen. Immer steht oder läuft man im Rückraum falsch, wenn der Gegner über die Außen durchbricht und ist dort überhaupt nicht mannorientiert. Teils wirkt das so, als spekuliert man einfach nur auf gefährliche Räume, ohne dabei zu bedenken, dass sicher der Gegner diese Räume so erst recht aussuchen kann.

Dennoch bin ich mir sicher, dass man mit einem sauberen Offensivspiel auch direkt weniger Probleme in der Defensive hätte. Kann natürlich auch gut sein, dass das eine das andere hemmt und man genau wegen der schlechten Rückwärtsbewegung im Aufbau viel zu zögerlich und risikoarm agiert, wodurch man aber erst recht anfällig wird.
BVB - Taktik-Thread |#3479
27.11.2016 - 14:45 Uhr
Für mich sehen unsere Spiele momentan so aus:
(Grob beschrieben)

Typisches BvB-Aufbauspiel von hinten.
Entweder durch Bartra, Sokratis oder idr. durch Weigl.
Der Gegner attackiert den jeweiligen Passgeber in unserer Häfte mit 1-2 Spielern.
Unsere Spieler im Mittelfeld werden vom Gegner zugestellt, somit bieten sich für Weigl und co. keine Anspielmöglichkeiten an, dazu noch der pressende Gegner.
Dies führt zu Fehlern im Aufbauspiel.

Oft versucht der BvB es dann durch lange/hohe Bälle, für die jedoch die meisten unserer Spieler körperlich zu klein und/oder zu schmächtig sind.

Sollte der Ball doch in der Häfte des Gegners landen, zieht dieser sich weit zurück und stellt unsere Spieler weiter zu.
Der BvB passt den Ball hin und her, in der Hoffnung dass sich doch noch irgendwo eine Lücke finden lässt.
Somit gibt zwar enorm viel Ballbesitz und eine Traumhafte Passquote, jedoch gibt es weder Tempo, noch Lücken.
Nun lauert der Gegner auf einen schlampigen Pass oder einen gewonnen Zweikampf um umzuschalten.

Tuchel muss schnellstmöglich nach Lösungen suchen.

•     •     •

-------Ballspielverein Borussia--------

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Fortes am 27.11.2016 um 14:47 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#3480
27.11.2016 - 16:19 Uhr
Ich würde im nächsten Spiel mal etwas ganz anderes versuchen:

..........................Bonmann
Passlack......Subotic......Sokratis...Guerreiro
..........................Sahin
Dembele...Mor...........Kagawa...Pulisic
.......................Aubameyang


Diese Umstellung würde ich vornehmen,
da die Abwehr zuletzt komplett schwach war.
Daher würde ich gerne Bonmann, Subotic,
Passlack, Sahin und Guerreiro sehen.

Vorne würde ich auf die jungen Spieler setzen
und Kagawa weitere Einsatzzeit geben.
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