Arminen-Interviews
29.09.2005 - 14:51 Uhr
22.02.2007 - 07:20 Uhr
"Irgendwann ist Schluss mit dem Schmusekurs"
DAS INTERVIEW: Arminias Torwart und Kapitän Mathias Hain ist mit seiner Geduld kurz vor dem Ende
Bielefeld. Die ernste Miene von Mathias Hain (34) hellt sich erst auf, als seine Frau Ulrike mit dem kleinen Sonnenschein namens Ida (10 Monate) auf dem Trainingsgelände vorfährt, um ihren Mann nach getaner Arbeit abzuholen. Privat ist es das pure Glück, das die Hains mit ihrem Töchterchen erleben. "Die Kleine lacht den ganzen Tag", sagt der stolze Papa. Dienstlich liegt dagegen für den Torwart und Mannschaftskapitän des DSC Arminia Bielefeld vieles im Argen, wie er im Gespräch mit Torsten Ziegler schildert.
Herr Hain, täuscht der Eindruck, dass sich Arminia seit einigen Wochen selbst im Weg steht?
MATHIAS HAIN: Wir machen uns durch die vielen individuellen Fehler kaputt, was wir zuvor aufgebaut haben. Insofern ist der Eindruck nicht falsch.
Haben Sie eine Erklärung, warum gerade in der Frühphase der Spiele nach der Winterpause jeweils so schwerwiegende Patzer unterliefen?
HAIN: Auffällig ist zunächst einmal, dass wir in einer Phase sind, wo jeder unserer Fehler bestraft wird. Wenn wir als Beispiel das 3:1 der Bochumer nehmen, hat Markus Schuler da natürlich einen kapitalen Bock geschossen. Das weiß er selber. Aber die Entstehung zeigt, dass uns derzeit auch ein Stück Cleverness abgeht. Wir hatten ja unmittelbar davor Freistoß. Mit etwas Glück macht Artur Wichniarek dabei vielleicht ein Tor des Jahres. Stattdessen laufen wir in einen Konter. Da hätte sich jemand von uns auf Kosten einer Gelben Karte opfern müssen. Ein taktische Foul, wir hätten uns ordnen können und wären im Spiel geblieben.
Lässt solches Verhalten darauf schließen, dass die Mannschaft sich insgesamt immer noch zu sicher fühlt, weil 23 Punkte zur Winterpause fast schon als der sichere Klassenerhalt empfunden wurden?
HAIN: Das kann sein, dass diese Ausbeute zu einem Gefühl der Sicherheit führte. Verständnis hätte ich dafür nicht. Das wäre die vollkommen falsche Einstellung. Wenn ich zehn Siege hintereinander habe, muss ich den elften unbedingt wollen. Von der Herangehensweise gibt es da keinen Unterschied zu unserer jetzigen Situation: Wir haben zehn Spiele ohne Sieg hinter uns und wollen diese Serie am Samstag in Cottbus unbedingt beenden.
Wie bedrohlich schätzen Sie die Situation ein?
HAIN: Das sieht mit Platz zwölf tabellarisch noch ganz gut aus, aber auch nur deshalb, weil wir ein relativ gutes Torverhältnis haben. So eng wie es im Keller zugeht, kann es schnell mal sehr brenzlig für uns werden. Unsere gute Ausgangslage haben wir uns jedenfalls total versaut. Das ist wirklich ärgerlich. Wir hätten die 23 Punkte als Chance sehen müssen, eine Saison zu spielen, die Arminia in Bereiche führt, wo wir vorher noch nie waren.
Legen die vielen individuellen Fehler nicht den Verdacht nahe, dass insgesamt ein wenig Leichtfertigkeit eingezogen ist?
HAIN: Das zu erklären, ist ganz schwer für mich. Es können Konzentrationsschwächen sein, es kann aber auch sein, dass man eine Situation gedanklich unterschätzt. Man kann in den Kopf des Einzelnen nicht hineinschauen. Ich appelliere immer, das jeder ständig seine Leistung hinterfragen muss. Egal, ob man verliert oder gewinnt.
Der neue Trainer Frank Geideck baut auf sachlichen Dialog mit den Spielern und auf fachliche Überzeugungskraft. Wann sehen Sie als Kapitän und Führungsspieler den Zeitpunkt gekommen, wo Ruhe nicht mehr weiterhilft und Sie intern auf den Tisch hauen müssen?
HAIN: Ich habe Probleme damit, wenn so etwas von außen gefordert wird. Das wird mir zu schnell mit dem Etikett Krisensitzung bestückt. Es gibt jetzt aber keinen Grund zur Panik, das wäre das Schlimmste. Und wir setzen uns sowieso gelegentlich zusammen, zum Beispiel bei Champions-League-Abenden mit einem Bierchen in unserer Kabine.
Reicht das zum Wachrütteln?
HAIN: Fakt ist: Irgendwann ist auch bei mir Schluss mit dem Schmusekurs. Ich bin zwar älter und ruhiger geworden, kann jedoch auch nicht immer nur gut zureden. Wer mich vor zehn Jahren erlebt hat, der weiß, dass ich früher längst anders zur Sache gegangen wäre. Früher haben die jüngeren Spieler von den älteren einen Tritt in den Hintern bekommen und zwar mit den ganz langen Stollen im Schuh. Danach wussten sie, was Sache war. Heute benötigen die jungen Leute eine andere Ansprache, man muss für alles noch ne Erklärung hinterherschicken. Ich will das gar nicht beklagen. Es ist eben so.
Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld wünschte sich zu seinem Einstand, Oliver Kahn möge malwieder eine Kabinentür eintreten, weil ihm die Truppe offenbar zu ruhig und brav erschien. Wäre das ein Vorbild für Sie?
HAIN: Ich kann jedenfalls keinem versprechen, dass ich nicht ausraste. Diese Worte, die Oliver Kahn nach der Bayern-Niederlage am Samstag in Aachen via ARD-Sportschau an seine Kollegen richtete, haben mir absolut aus dem Herzen gesprochen. Wir haben sehr gute Trainingsbedingungen und die Chance, uns in der Ersten Liga zu präsentieren. Nicht nur bei Bayern, auch bei uns sollte sich jeder vor Augen führen, was der Verein uns gibt und welche Verantwortung der Spieler gegenüber dem Verein daraus erwächst.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
DAS INTERVIEW: Arminias Torwart und Kapitän Mathias Hain ist mit seiner Geduld kurz vor dem Ende
Bielefeld. Die ernste Miene von Mathias Hain (34) hellt sich erst auf, als seine Frau Ulrike mit dem kleinen Sonnenschein namens Ida (10 Monate) auf dem Trainingsgelände vorfährt, um ihren Mann nach getaner Arbeit abzuholen. Privat ist es das pure Glück, das die Hains mit ihrem Töchterchen erleben. "Die Kleine lacht den ganzen Tag", sagt der stolze Papa. Dienstlich liegt dagegen für den Torwart und Mannschaftskapitän des DSC Arminia Bielefeld vieles im Argen, wie er im Gespräch mit Torsten Ziegler schildert.
Herr Hain, täuscht der Eindruck, dass sich Arminia seit einigen Wochen selbst im Weg steht?
MATHIAS HAIN: Wir machen uns durch die vielen individuellen Fehler kaputt, was wir zuvor aufgebaut haben. Insofern ist der Eindruck nicht falsch.
Haben Sie eine Erklärung, warum gerade in der Frühphase der Spiele nach der Winterpause jeweils so schwerwiegende Patzer unterliefen?
HAIN: Auffällig ist zunächst einmal, dass wir in einer Phase sind, wo jeder unserer Fehler bestraft wird. Wenn wir als Beispiel das 3:1 der Bochumer nehmen, hat Markus Schuler da natürlich einen kapitalen Bock geschossen. Das weiß er selber. Aber die Entstehung zeigt, dass uns derzeit auch ein Stück Cleverness abgeht. Wir hatten ja unmittelbar davor Freistoß. Mit etwas Glück macht Artur Wichniarek dabei vielleicht ein Tor des Jahres. Stattdessen laufen wir in einen Konter. Da hätte sich jemand von uns auf Kosten einer Gelben Karte opfern müssen. Ein taktische Foul, wir hätten uns ordnen können und wären im Spiel geblieben.
Lässt solches Verhalten darauf schließen, dass die Mannschaft sich insgesamt immer noch zu sicher fühlt, weil 23 Punkte zur Winterpause fast schon als der sichere Klassenerhalt empfunden wurden?
HAIN: Das kann sein, dass diese Ausbeute zu einem Gefühl der Sicherheit führte. Verständnis hätte ich dafür nicht. Das wäre die vollkommen falsche Einstellung. Wenn ich zehn Siege hintereinander habe, muss ich den elften unbedingt wollen. Von der Herangehensweise gibt es da keinen Unterschied zu unserer jetzigen Situation: Wir haben zehn Spiele ohne Sieg hinter uns und wollen diese Serie am Samstag in Cottbus unbedingt beenden.
Wie bedrohlich schätzen Sie die Situation ein?
HAIN: Das sieht mit Platz zwölf tabellarisch noch ganz gut aus, aber auch nur deshalb, weil wir ein relativ gutes Torverhältnis haben. So eng wie es im Keller zugeht, kann es schnell mal sehr brenzlig für uns werden. Unsere gute Ausgangslage haben wir uns jedenfalls total versaut. Das ist wirklich ärgerlich. Wir hätten die 23 Punkte als Chance sehen müssen, eine Saison zu spielen, die Arminia in Bereiche führt, wo wir vorher noch nie waren.
Legen die vielen individuellen Fehler nicht den Verdacht nahe, dass insgesamt ein wenig Leichtfertigkeit eingezogen ist?
HAIN: Das zu erklären, ist ganz schwer für mich. Es können Konzentrationsschwächen sein, es kann aber auch sein, dass man eine Situation gedanklich unterschätzt. Man kann in den Kopf des Einzelnen nicht hineinschauen. Ich appelliere immer, das jeder ständig seine Leistung hinterfragen muss. Egal, ob man verliert oder gewinnt.
Der neue Trainer Frank Geideck baut auf sachlichen Dialog mit den Spielern und auf fachliche Überzeugungskraft. Wann sehen Sie als Kapitän und Führungsspieler den Zeitpunkt gekommen, wo Ruhe nicht mehr weiterhilft und Sie intern auf den Tisch hauen müssen?
HAIN: Ich habe Probleme damit, wenn so etwas von außen gefordert wird. Das wird mir zu schnell mit dem Etikett Krisensitzung bestückt. Es gibt jetzt aber keinen Grund zur Panik, das wäre das Schlimmste. Und wir setzen uns sowieso gelegentlich zusammen, zum Beispiel bei Champions-League-Abenden mit einem Bierchen in unserer Kabine.
Reicht das zum Wachrütteln?
HAIN: Fakt ist: Irgendwann ist auch bei mir Schluss mit dem Schmusekurs. Ich bin zwar älter und ruhiger geworden, kann jedoch auch nicht immer nur gut zureden. Wer mich vor zehn Jahren erlebt hat, der weiß, dass ich früher längst anders zur Sache gegangen wäre. Früher haben die jüngeren Spieler von den älteren einen Tritt in den Hintern bekommen und zwar mit den ganz langen Stollen im Schuh. Danach wussten sie, was Sache war. Heute benötigen die jungen Leute eine andere Ansprache, man muss für alles noch ne Erklärung hinterherschicken. Ich will das gar nicht beklagen. Es ist eben so.
Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld wünschte sich zu seinem Einstand, Oliver Kahn möge malwieder eine Kabinentür eintreten, weil ihm die Truppe offenbar zu ruhig und brav erschien. Wäre das ein Vorbild für Sie?
HAIN: Ich kann jedenfalls keinem versprechen, dass ich nicht ausraste. Diese Worte, die Oliver Kahn nach der Bayern-Niederlage am Samstag in Aachen via ARD-Sportschau an seine Kollegen richtete, haben mir absolut aus dem Herzen gesprochen. Wir haben sehr gute Trainingsbedingungen und die Chance, uns in der Ersten Liga zu präsentieren. Nicht nur bei Bayern, auch bei uns sollte sich jeder vor Augen führen, was der Verein uns gibt und welche Verantwortung der Spieler gegenüber dem Verein daraus erwächst.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
27.02.2007 - 17:23 Uhr
"Die Stimmung ist gereizt"
Fanbeauftragter Venghaus schließt Eskalation aus / Aktionen für Nürnberg-Spiel geplant
Bielefeld (pep). Die Situation ist kritisch. Der Frust der DSC-Fans über den rasanten Fall auf einen Abstiegsplatz entlud sich im Fanblock in Cottbus. Beim DSC und den Medien gehen e-mails und Leserbriefe ein. Arminias Fan-Beauftragter Christian Venghaus möchte Fans und Mannschaft vor dem wichtigen Spiel gegen Nürnberg einen.
Wie war die Stimmung im Fanblock nach dem 1:2 in Cottbus?
CHRISTIAN VENGHAUS: Sie war gereizt und es herrschte Unverständnis über unsere Situation, nachdem die Mannschaft im Herbst höhere Erwartungen geweckt hatte. Ganz Bielefeld macht sich große Sorgen. Überall ist die Abstiegsgefahr das Thema Nummer eins.
Glauben tatsächlich viele Fans, dass die Spieler im Abstiegskampf zu wenig kämpfen?
VENGHAUS: Der Satz ,Wir wolln euch kämpfen sehn` ist ein gängiger Schlachtgesang. Viele meinen wohl eher, dass sie die Mannschaft siegen sehen wollen. Aber der Frust unter den Fans ist schon groß. Vielen hat das Trainer-Theater viel zu lange gedauert. Für die Fans ist es das Schlimmste, wenn sich jemand nicht mit dem Verein identifiziert, oder das sogar auf dem Platz so rüberkommt.
In Gladbach und Köln hat es beim Training Ausschreitungen gegeben. Ist damit auch in Bielefeld zu rechnen?
VENGHAUS: Im Moment gehe ich nicht davon aus, dass es zu Eskalationen kommt. Da waren auch in Cottbus einige, die zum Training wollten - allerdings, um mit den Spielern zu sprechen. Deshalb habe ich auch in Absprache mit Trainer Frank Geideck und der Mannschaft für heute Abend ein Treffen arrangiert. Meine Aufgabe ist es, wieder Einigkeit und Verständnis zwischen Fans und Mannschaft herzustellen. Mit den unterschiedlichsten Fans wollen wir uns austauschen.
Was erwarten Sie vom Treffen?
VENGHAUS: Im Abstiegskampf können wir nur zusammen bestehen. Wenn der Funke von der Mannschaft überspringt, brennt das Stadion am Samstag. Wir haben einige Aktionen in Vorbereitung, die den Zusammenhalt stärken sollen.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
Fanbeauftragter Venghaus schließt Eskalation aus / Aktionen für Nürnberg-Spiel geplant
Bielefeld (pep). Die Situation ist kritisch. Der Frust der DSC-Fans über den rasanten Fall auf einen Abstiegsplatz entlud sich im Fanblock in Cottbus. Beim DSC und den Medien gehen e-mails und Leserbriefe ein. Arminias Fan-Beauftragter Christian Venghaus möchte Fans und Mannschaft vor dem wichtigen Spiel gegen Nürnberg einen.
Wie war die Stimmung im Fanblock nach dem 1:2 in Cottbus?
CHRISTIAN VENGHAUS: Sie war gereizt und es herrschte Unverständnis über unsere Situation, nachdem die Mannschaft im Herbst höhere Erwartungen geweckt hatte. Ganz Bielefeld macht sich große Sorgen. Überall ist die Abstiegsgefahr das Thema Nummer eins.
Glauben tatsächlich viele Fans, dass die Spieler im Abstiegskampf zu wenig kämpfen?
VENGHAUS: Der Satz ,Wir wolln euch kämpfen sehn` ist ein gängiger Schlachtgesang. Viele meinen wohl eher, dass sie die Mannschaft siegen sehen wollen. Aber der Frust unter den Fans ist schon groß. Vielen hat das Trainer-Theater viel zu lange gedauert. Für die Fans ist es das Schlimmste, wenn sich jemand nicht mit dem Verein identifiziert, oder das sogar auf dem Platz so rüberkommt.
In Gladbach und Köln hat es beim Training Ausschreitungen gegeben. Ist damit auch in Bielefeld zu rechnen?
VENGHAUS: Im Moment gehe ich nicht davon aus, dass es zu Eskalationen kommt. Da waren auch in Cottbus einige, die zum Training wollten - allerdings, um mit den Spielern zu sprechen. Deshalb habe ich auch in Absprache mit Trainer Frank Geideck und der Mannschaft für heute Abend ein Treffen arrangiert. Meine Aufgabe ist es, wieder Einigkeit und Verständnis zwischen Fans und Mannschaft herzustellen. Mit den unterschiedlichsten Fans wollen wir uns austauschen.
Was erwarten Sie vom Treffen?
VENGHAUS: Im Abstiegskampf können wir nur zusammen bestehen. Wenn der Funke von der Mannschaft überspringt, brennt das Stadion am Samstag. Wir haben einige Aktionen in Vorbereitung, die den Zusammenhalt stärken sollen.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
03.03.2007 - 10:20 Uhr
Nürnberg - Seit dem 12. Februar 2007 ist Frank Geideck Coach von Arminia Bielefeld. Der 40-Jährige, der mehrere Jahre als Co-Trainer bei seinem Lieblingsverein arbeitete und in dieser Funktion schon viermal den Bundesliga-Aufstieg feierte, steht nun, schon zu Beginn seiner Karriere als Cheftrainer, vor seiner wohl größten Prüfung: den Abstieg des DSC zu verhindern.
Bedrohlich ist die Situation für die Arminia, nachdem ein kontinuierlicher Abwärtstrend, angefangen am 16. Spieltag, in einen Abstiegsplatz mündete. fcn.de unterhielt sich mit Geideck und fragte nach den Gründen für die Misere.
fcn.de: Herr Geideck, trotz einer 1:0-Führung und beinahe 60-minütiger Überlegenheit hat Bielefeld am vergangenen Samstag in Cottbus den zum Greifen nahen Sieg noch aus der Hand gegeben. Wie tief sitzt in der Mannschaft die Enttäuschung über das 1:2?
Frank Geideck: Direkt nach dem Spiel war die Enttäuschung sehr groß, weil wir den Sieg einfach weggeschenkt und uns um den verdienten Lohn unserer Bemühungen gebracht haben. Ich kann mich nach solchen Momenten relativ schnell wieder motivieren. Die Spieler hatten den Sonntag Zeit, um das Spiel zu verarbeiten. Von Montag bis Mittwoch haben wir ein Trainingslager bezogen.
Nach der Begegnung haderten Spieler, Verantwortliche und Fans gemeinsam über die vergebenen Chancen in der ersten Hälfte. War die mangelhafte Torausbeute der Knackpunkt des Spiels?
Geideck: Ja, ganz klar. Wir haben uns in den ersten 45 Minuten und auch noch zu Beginn der zweiten Halbzeit ausreichend Möglichkeiten erspielt, erarbeitet und erzwungen. Es fehlte die letzte Konsequenz, um die Führung beruhigender zu gestalten.
In Cottbus war es die schlechte Chancenverwertung, in den Partien zuvor führten einige Male individuelle Fehler die Entscheidung herbei. Täuscht der Eindruck, oder steht sich die Arminia seit einigen Wochen selbst im Weg?
Geideck: Auf jeden Fall haben wir eine komfortable Ausgangssituation leichtfertig verschenkt. Ob wir uns dabei selbst im Wege standen oder der jeweilige Gegner ist im Moment egal.
Wie erklären Sie sich das?
Geideck: Die Mannschaft hat die Qualität, dies hat sie in vielen Spielen bewiesen, auch wenn selbst die erfolgreiche Hinrunde keine durchgängige Erfolgsgeschichte war. In den psychologischen Bereich kann man alles hinein interpretieren. Zu wenig Druck, weil man vordergründig gesichert ist. Zu viel Druck, weil die Erwartungshaltung plötzlich steigt usw. Das ist jetzt unwichtig. Wir müssen die aktuelle Situation annehmen.
Zum Rückrundenauftakt war die Ausgangslage für Bielefeld mit Platz acht und 22 Punkten komfortabel. Inzwischen belegt Ihr Verein nach elf Partien ohne Sieg zum ersten Mal seit dem 3. Spieltag wieder einen Abstiegsplatz. Wie bedrohlich ist die Situation?
Geideck: Ein Blick auf die Tabelle dürfte für jeden ausreichen, die Situation zu erkennen.
Sie sind bereits seit 1972 Vereinsmitglied der Arminia und damit trotz Ihres jungen Alters ein "Urgestein" bei den Ostwestfalen. Was macht den Klub für Sie so besonders?
Geideck: Wenn ich mein Leben lang Fußballfan bin, habe ich natürlich eine besondere Beziehung zu meinem Heimatverein. In dem Moment, wo ich den Cheftrainerposten übernehme, muss ich mir aber bewusst sein, dass eine neue Zeitrechnung beginnt. Ich liebe diesen Verein, aber ich muss Erfolge und Punkte holen und da ist es vollkommen egal, ob ich in Bielefeld oder Timbuktu geboren bin.
Den ersehnten Umschwung konnten Sie in Bielefeld bislang noch nicht einleiten. Die ersten beiden Partien unter Ihrer Regie gingen verloren. Wo müssen Sie nun als neuer Chef-Trainer den Hebel ansetzen?
Geideck: Es gibt so viele Möglichkeiten Einfluss zu nehmen und Hebel anzusetzen, personell, spieltaktisch, psychologisch. Dabei kann man es so kompliziert machen. Wir sind mit dem Cottbus-Spiel auf dem richtigen Weg, und da haben wir uns vorgenommen, es in schwierigen Situationen einfach zu halten.
Am Samstag kommt der 1. FC Nürnberg in die Schüco-Arena. Der Club war zur Winterpause nur einen Zähler und einen Tabellenplatz besser als Bielefeld, hat danach aber die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen und belegt zurzeit einen UEFA-Cup-Platz. Was hat in der Rückrunde den Unterschied zwischen dem 1.FCN und der Arminia ausgemacht?
Geideck: Über unsere Situation habe ich genug gesagt, und es steht mir nicht zu, eine Bewertung des 1.FCN vorzunehmen.
Im Abstiegskampf zählt für Ihre Mannschaft am Samstag sicherlich nur ein "Dreier". Was für eine Partie erwarten Sie?
Geideck: Nürnberg hat, für mich, von hinten heraus die beste Spieleröffnung aller Bundesligamannschaften und eine klare Spielstruktur. Dazu stehen im offensiven Bereich Spieler mit individuellen Stärken. Unter anderen Umständen würde ich von meiner Mannschaft eine erfolgreiche Partie erwarten, die auch darin bestehen kann, dass wir eine ähnlich gut strukturierte Spielweise an den Tag legen, um von dem reinen Ergebnisdenken weg zu kommen. Aber Sie haben Recht, in dieser Situation zählt für uns nur der Sieg.
Vielen Dank, dass Sie sich für fcn.de Zeit genommen haben, Herr Geideck!
Quelle: http://www.fcn.de/index.php?id=13549
Bedrohlich ist die Situation für die Arminia, nachdem ein kontinuierlicher Abwärtstrend, angefangen am 16. Spieltag, in einen Abstiegsplatz mündete. fcn.de unterhielt sich mit Geideck und fragte nach den Gründen für die Misere.
fcn.de: Herr Geideck, trotz einer 1:0-Führung und beinahe 60-minütiger Überlegenheit hat Bielefeld am vergangenen Samstag in Cottbus den zum Greifen nahen Sieg noch aus der Hand gegeben. Wie tief sitzt in der Mannschaft die Enttäuschung über das 1:2?
Frank Geideck: Direkt nach dem Spiel war die Enttäuschung sehr groß, weil wir den Sieg einfach weggeschenkt und uns um den verdienten Lohn unserer Bemühungen gebracht haben. Ich kann mich nach solchen Momenten relativ schnell wieder motivieren. Die Spieler hatten den Sonntag Zeit, um das Spiel zu verarbeiten. Von Montag bis Mittwoch haben wir ein Trainingslager bezogen.
Nach der Begegnung haderten Spieler, Verantwortliche und Fans gemeinsam über die vergebenen Chancen in der ersten Hälfte. War die mangelhafte Torausbeute der Knackpunkt des Spiels?
Geideck: Ja, ganz klar. Wir haben uns in den ersten 45 Minuten und auch noch zu Beginn der zweiten Halbzeit ausreichend Möglichkeiten erspielt, erarbeitet und erzwungen. Es fehlte die letzte Konsequenz, um die Führung beruhigender zu gestalten.
In Cottbus war es die schlechte Chancenverwertung, in den Partien zuvor führten einige Male individuelle Fehler die Entscheidung herbei. Täuscht der Eindruck, oder steht sich die Arminia seit einigen Wochen selbst im Weg?
Geideck: Auf jeden Fall haben wir eine komfortable Ausgangssituation leichtfertig verschenkt. Ob wir uns dabei selbst im Wege standen oder der jeweilige Gegner ist im Moment egal.
Wie erklären Sie sich das?
Geideck: Die Mannschaft hat die Qualität, dies hat sie in vielen Spielen bewiesen, auch wenn selbst die erfolgreiche Hinrunde keine durchgängige Erfolgsgeschichte war. In den psychologischen Bereich kann man alles hinein interpretieren. Zu wenig Druck, weil man vordergründig gesichert ist. Zu viel Druck, weil die Erwartungshaltung plötzlich steigt usw. Das ist jetzt unwichtig. Wir müssen die aktuelle Situation annehmen.
Zum Rückrundenauftakt war die Ausgangslage für Bielefeld mit Platz acht und 22 Punkten komfortabel. Inzwischen belegt Ihr Verein nach elf Partien ohne Sieg zum ersten Mal seit dem 3. Spieltag wieder einen Abstiegsplatz. Wie bedrohlich ist die Situation?
Geideck: Ein Blick auf die Tabelle dürfte für jeden ausreichen, die Situation zu erkennen.
Sie sind bereits seit 1972 Vereinsmitglied der Arminia und damit trotz Ihres jungen Alters ein "Urgestein" bei den Ostwestfalen. Was macht den Klub für Sie so besonders?
Geideck: Wenn ich mein Leben lang Fußballfan bin, habe ich natürlich eine besondere Beziehung zu meinem Heimatverein. In dem Moment, wo ich den Cheftrainerposten übernehme, muss ich mir aber bewusst sein, dass eine neue Zeitrechnung beginnt. Ich liebe diesen Verein, aber ich muss Erfolge und Punkte holen und da ist es vollkommen egal, ob ich in Bielefeld oder Timbuktu geboren bin.
Den ersehnten Umschwung konnten Sie in Bielefeld bislang noch nicht einleiten. Die ersten beiden Partien unter Ihrer Regie gingen verloren. Wo müssen Sie nun als neuer Chef-Trainer den Hebel ansetzen?
Geideck: Es gibt so viele Möglichkeiten Einfluss zu nehmen und Hebel anzusetzen, personell, spieltaktisch, psychologisch. Dabei kann man es so kompliziert machen. Wir sind mit dem Cottbus-Spiel auf dem richtigen Weg, und da haben wir uns vorgenommen, es in schwierigen Situationen einfach zu halten.
Am Samstag kommt der 1. FC Nürnberg in die Schüco-Arena. Der Club war zur Winterpause nur einen Zähler und einen Tabellenplatz besser als Bielefeld, hat danach aber die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen und belegt zurzeit einen UEFA-Cup-Platz. Was hat in der Rückrunde den Unterschied zwischen dem 1.FCN und der Arminia ausgemacht?
Geideck: Über unsere Situation habe ich genug gesagt, und es steht mir nicht zu, eine Bewertung des 1.FCN vorzunehmen.
Im Abstiegskampf zählt für Ihre Mannschaft am Samstag sicherlich nur ein "Dreier". Was für eine Partie erwarten Sie?
Geideck: Nürnberg hat, für mich, von hinten heraus die beste Spieleröffnung aller Bundesligamannschaften und eine klare Spielstruktur. Dazu stehen im offensiven Bereich Spieler mit individuellen Stärken. Unter anderen Umständen würde ich von meiner Mannschaft eine erfolgreiche Partie erwarten, die auch darin bestehen kann, dass wir eine ähnlich gut strukturierte Spielweise an den Tag legen, um von dem reinen Ergebnisdenken weg zu kommen. Aber Sie haben Recht, in dieser Situation zählt für uns nur der Sieg.
Vielen Dank, dass Sie sich für fcn.de Zeit genommen haben, Herr Geideck!
Quelle: http://www.fcn.de/index.php?id=13549
25.03.2007 - 09:44 Uhr
"Ein bisschen wie Heimkehren"
INTERVIEW: Arminia-Coach Ernst Middendorp
Bielefeld. Er ist wieder hier, in seinem Revier, bei dem Verein, dessen Fans ihn 2005 zum "Trainer des Jahrhunderts" gewählt haben. Vor seiner Rückkehr zum DSC Arminia Bielefeld, den er zum Klassenerhalt in der Bundesliga führen soll, hat Ernst Middendorp vielfältige Erfahrungen als Weltenbummler in Sachen Fußball gesammelt. Mit Rainer Klusmeyer sprach der DSC-Coach über sein Trainerleben auf der Alm, in Afrika, Asien und Anderswo.
Vor rund achteinhalb Jahren sind Sie mit "Middendorp-raus"-Rufen von der Alm gejagt worden. Trotzdem sind sie für den Großteil der Arminia-Fans der "Trainer des Jahrhunderts". Mit welchen Empfindungen gehen Sie am nächsten Freitag beim Westfalenderby gegen Borussia Dortmund in Ihr erstes Bielefelder Heimspiel des neuen Jahrhunderts?
ERNST MIDDENDORP: Das ist ein bisschen wie ein Heimkehren. Ich war ja schon zweimal hier, jeweils in extremen Situationen. Das Fan-Votum, immerhin gegen verdiente Kollegen wie Otto Rehhagel oder Karlheinz Feldkamp mit ihrer Sammlung an Titeln, ist eine außerordentliche Auszeichnung für mich. Die durch meine Rückkehr entstandene Euphorie nehme ich gerne in das Dortmund-Spiel mit, aber versprechen kann ich nichts. Unsere Chancen auf den Klassenerhalt stehen 50:50, wenn wir gut arbeiten 52:48 und mit der Hilfe der Fans vielleicht 54:46.
Besagte Fans feiern sie ja nicht nur als Power-Ernst, sondern für andere sind Sie Ekel-Ernst. Wie würden Sie sich selbst titulieren?
MIDDENDORP: Für sich selbst eine Titulierung zu finden, ist immer schwierig. Ich weiß bis heute gar nicht, wie damals der Name Power-Ernst entstanden ist. Vielleicht, weil ich in der Arminen-Sprache denke und Probleme zeitnah anspreche. Wie derzeit beim Training, wo man zum Beispiel die letzten fünf, sechs Tage den Eindruck haben konnte, Mathias Hain habe seinen Zwillingsbruder gesandt. Und das mit dem Ekel-Ernst kann ich nicht wegdiskutieren, weil es kein Geheimnis ist, dass ich meine Ausraster hatte. Heute wird so etwas definitiv nicht mehr passieren.
Auch bei Ihrem letzten Engagement, bei den Kaizer Chiefs in Johannesburg, hatten Sie einen Spitznamen: Middendraw, weil Ihre Mannschaft so oft Unentschieden (Draw) spielte. Ein Ergebnis, das Ihnen im Bundesliga-Abstiegskampf nicht helfen wird.
MIDDENDORP: Deswegen sind wir im Trainerteam auch so intensiv damit beschäftigt, eine Systemanalyse vorzunehmen. Nach rein ökonomischen Kriterien unter der Hauptfragestellung: Bringt uns unser Produkt Punkte ein? Seit einer Anzahl von Monaten hat Arminia mit dem taktischen Rezept nicht das Gewünschte erreicht. Wenn mir irgendeiner einen Grund sagen kann, der mir erklärt, warum es mit den gleichen Abläufen am 30. März gegen Dortmund besser wird - okay. Wenn nicht, müssen wir am Rezept etwas ändern. Den ein oder anderen Spieler, den einen oder anderen Ablauf. Natürlich ist auch das noch keine Garantie auf die Wende.
Mit Sibusiso Zuma zählt ein Südafrikaner zu den Führungskräften in Ihrem Team. Was können Sie als Südafrika-Kenner bewirken, um Zuma in alte Glanzform zu bringen?
MIDDENDORP: Man muss es Zuma so einfach wie möglich machen, seine Leichtfüßigkeit auszuspielen. Reduziert aufs Wesentliche ließe sich das so formulieren: Geh raus und bring deine Qualitäten ein - fühl dich frei.
Zuma ist ins Länderspielaufgebot berufen worden, hat somit eine Chance, sich für die WM 2010 zu empfehlen. Sie waren fast zwei Jahre lang im Land des nächsten WM-Ausrichters tätig. Was kann der Fußball-Fan in Südafrika erwarten?
MIDDENDORP: Das ist ein so weites Feld mit so vielen interessanten Facetten, dass es den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Nur soviel: Mein größter Wunsch ist es, dass es ein Turnier für die Fans wird, und das sind in Südafrika vor allem die Schwarzen. Der durchschnittliche Eintrittspreis bei Ligaspielen liegt bei 25 Rand, 2.50 Euro, und dafür müssen die Leute ganz schön strampeln. Bei 150 Euro Monatslohn wird sich kaum einer WM-Tickets von 50 oder 70 Euro leisten können. Aber man kann die Schwarzen nicht komplett von den Spielen ausschließen und vor die Leinwand verbannen. Da muss sich die FIFA Lösungen einfallen lassen.
Südafrika war nicht Ihre erste Station auf dem Schwarzen Kontinent. Zuvor haben Sie in Ghana mit Kumasi Asante Kotoko und den Accra Hearts of Oak ebenfalls zwei der populärsten Vereine trainiert. Was ist das Besondere an der Arbeit in Afrika?
MIDDENDORP: Überhaupt dorthin gekommen zu sein, war mehr ein Zufall. Es gab über Anthony Yeboah einen Kontakt nach Ghana, ich bin mit einer Reisetasche hingeflogen, zum ersten Training kamen tausende Fans - und ich bin gleich für sieben Monate dageblieben. Als einziger Weißer unter lauter Schwarzen zu arbeiten, war eine Herausforderung, die mir Mut abgefordert hat. Aber ich bin nirgendwo in Schwierigkeiten geraten, was damit zu tun hat, wie man daherkommt. Ich gehe mitten rein in die Verantwortlichkeit - das bringt auch und gerade in Afrika entsprechende Wertschätzung.
Sie waren Augenzeuge, als bei einem Spiel zwischen Kumasi und den Hearts of Oak eine Massenpanik ausbrach und 126 Menschen ihr Leben ließen. Wie verarbeitet man solche Ereignisse?
MIDDENDORP: Ich weiß nicht, ob man das überhaupt verarbeiten kann. Das Bild hat sich bei mir so einzementiert, dass ich heute noch die Plätze im Stadion haargenau zeigen könnte, wo die Toten gelegen haben.
Sie haben bei Ihren Stationen im Ausland meistens mit den dortigen Trainern zusammengearbeitet, in Johannesburg allerdings ein Kompetenzteam aus Deutschen um sich geschart. Lässt sich so die Arbeit in der Fremde entspannter angehen?
MIDDENDORP: Das war in der Form nicht so beabsichtigt, denn der deutsche Torwarttrainer war schon vorher da. Es ist in unserer Branche üblich, mit einem Stab zu reisen, wie Ottmar Hitzfeld mit Michael Henke oder Christoph Daum mit Roland Koch. Aber einem Daum schmeckt das Kölsch ja nicht gleich besser, nur weil der Koch dabei ist.
Was hat Ihnen denn so am Iran geschmeckt, dass Sie sich auf ein Engagement beim Zweitligisten Tracktorsasi Täbris in der Provinz Ost-Aserbeidschan eingelassen haben?
MIDDENDORP: Ein Schuss Neugier. Durch die Ex-Arminen Ali Daei und Karim Bagheri hatte ich schon lange Verbindungen in den Iran. Die Kultur kennenzulernen, dieses Leben in einer reinen Männerwelt, war eine neue Erfahrung. Ich hatte eine Villa, einen Diener rund um die Uhr - es wirkte wie im Paradies. Aber es fehlte ein Stück weit die Freiheit. Und deshalb ging mehr als ein Jahr in Täbris nicht.
Nun sind Sie zurück in der Bundesliga. Was macht Sie so sicher, mit Arminia Erfolg zu haben?
MIDDENDORP: Weil ich nach wie vor das Potenzial sehe, das in der Mannschaft steckt. Mit einem "richtigen" Hain, mit einem sich einbringenden Zuma, mit den Defensivstrategen Gabriel und Kucera, mit dem dominanten Stürmer Wichniarek. Es sind genügend Leute da, die dafür sorgen werden, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Und mit dem Dortmund-Spiel haben wir ja schon die Chance, uns auf Platz 15 zu verbessern.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
INTERVIEW: Arminia-Coach Ernst Middendorp
Bielefeld. Er ist wieder hier, in seinem Revier, bei dem Verein, dessen Fans ihn 2005 zum "Trainer des Jahrhunderts" gewählt haben. Vor seiner Rückkehr zum DSC Arminia Bielefeld, den er zum Klassenerhalt in der Bundesliga führen soll, hat Ernst Middendorp vielfältige Erfahrungen als Weltenbummler in Sachen Fußball gesammelt. Mit Rainer Klusmeyer sprach der DSC-Coach über sein Trainerleben auf der Alm, in Afrika, Asien und Anderswo.
Vor rund achteinhalb Jahren sind Sie mit "Middendorp-raus"-Rufen von der Alm gejagt worden. Trotzdem sind sie für den Großteil der Arminia-Fans der "Trainer des Jahrhunderts". Mit welchen Empfindungen gehen Sie am nächsten Freitag beim Westfalenderby gegen Borussia Dortmund in Ihr erstes Bielefelder Heimspiel des neuen Jahrhunderts?
ERNST MIDDENDORP: Das ist ein bisschen wie ein Heimkehren. Ich war ja schon zweimal hier, jeweils in extremen Situationen. Das Fan-Votum, immerhin gegen verdiente Kollegen wie Otto Rehhagel oder Karlheinz Feldkamp mit ihrer Sammlung an Titeln, ist eine außerordentliche Auszeichnung für mich. Die durch meine Rückkehr entstandene Euphorie nehme ich gerne in das Dortmund-Spiel mit, aber versprechen kann ich nichts. Unsere Chancen auf den Klassenerhalt stehen 50:50, wenn wir gut arbeiten 52:48 und mit der Hilfe der Fans vielleicht 54:46.
Besagte Fans feiern sie ja nicht nur als Power-Ernst, sondern für andere sind Sie Ekel-Ernst. Wie würden Sie sich selbst titulieren?
MIDDENDORP: Für sich selbst eine Titulierung zu finden, ist immer schwierig. Ich weiß bis heute gar nicht, wie damals der Name Power-Ernst entstanden ist. Vielleicht, weil ich in der Arminen-Sprache denke und Probleme zeitnah anspreche. Wie derzeit beim Training, wo man zum Beispiel die letzten fünf, sechs Tage den Eindruck haben konnte, Mathias Hain habe seinen Zwillingsbruder gesandt. Und das mit dem Ekel-Ernst kann ich nicht wegdiskutieren, weil es kein Geheimnis ist, dass ich meine Ausraster hatte. Heute wird so etwas definitiv nicht mehr passieren.
Auch bei Ihrem letzten Engagement, bei den Kaizer Chiefs in Johannesburg, hatten Sie einen Spitznamen: Middendraw, weil Ihre Mannschaft so oft Unentschieden (Draw) spielte. Ein Ergebnis, das Ihnen im Bundesliga-Abstiegskampf nicht helfen wird.
MIDDENDORP: Deswegen sind wir im Trainerteam auch so intensiv damit beschäftigt, eine Systemanalyse vorzunehmen. Nach rein ökonomischen Kriterien unter der Hauptfragestellung: Bringt uns unser Produkt Punkte ein? Seit einer Anzahl von Monaten hat Arminia mit dem taktischen Rezept nicht das Gewünschte erreicht. Wenn mir irgendeiner einen Grund sagen kann, der mir erklärt, warum es mit den gleichen Abläufen am 30. März gegen Dortmund besser wird - okay. Wenn nicht, müssen wir am Rezept etwas ändern. Den ein oder anderen Spieler, den einen oder anderen Ablauf. Natürlich ist auch das noch keine Garantie auf die Wende.
Mit Sibusiso Zuma zählt ein Südafrikaner zu den Führungskräften in Ihrem Team. Was können Sie als Südafrika-Kenner bewirken, um Zuma in alte Glanzform zu bringen?
MIDDENDORP: Man muss es Zuma so einfach wie möglich machen, seine Leichtfüßigkeit auszuspielen. Reduziert aufs Wesentliche ließe sich das so formulieren: Geh raus und bring deine Qualitäten ein - fühl dich frei.
Zuma ist ins Länderspielaufgebot berufen worden, hat somit eine Chance, sich für die WM 2010 zu empfehlen. Sie waren fast zwei Jahre lang im Land des nächsten WM-Ausrichters tätig. Was kann der Fußball-Fan in Südafrika erwarten?
MIDDENDORP: Das ist ein so weites Feld mit so vielen interessanten Facetten, dass es den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Nur soviel: Mein größter Wunsch ist es, dass es ein Turnier für die Fans wird, und das sind in Südafrika vor allem die Schwarzen. Der durchschnittliche Eintrittspreis bei Ligaspielen liegt bei 25 Rand, 2.50 Euro, und dafür müssen die Leute ganz schön strampeln. Bei 150 Euro Monatslohn wird sich kaum einer WM-Tickets von 50 oder 70 Euro leisten können. Aber man kann die Schwarzen nicht komplett von den Spielen ausschließen und vor die Leinwand verbannen. Da muss sich die FIFA Lösungen einfallen lassen.
Südafrika war nicht Ihre erste Station auf dem Schwarzen Kontinent. Zuvor haben Sie in Ghana mit Kumasi Asante Kotoko und den Accra Hearts of Oak ebenfalls zwei der populärsten Vereine trainiert. Was ist das Besondere an der Arbeit in Afrika?
MIDDENDORP: Überhaupt dorthin gekommen zu sein, war mehr ein Zufall. Es gab über Anthony Yeboah einen Kontakt nach Ghana, ich bin mit einer Reisetasche hingeflogen, zum ersten Training kamen tausende Fans - und ich bin gleich für sieben Monate dageblieben. Als einziger Weißer unter lauter Schwarzen zu arbeiten, war eine Herausforderung, die mir Mut abgefordert hat. Aber ich bin nirgendwo in Schwierigkeiten geraten, was damit zu tun hat, wie man daherkommt. Ich gehe mitten rein in die Verantwortlichkeit - das bringt auch und gerade in Afrika entsprechende Wertschätzung.
Sie waren Augenzeuge, als bei einem Spiel zwischen Kumasi und den Hearts of Oak eine Massenpanik ausbrach und 126 Menschen ihr Leben ließen. Wie verarbeitet man solche Ereignisse?
MIDDENDORP: Ich weiß nicht, ob man das überhaupt verarbeiten kann. Das Bild hat sich bei mir so einzementiert, dass ich heute noch die Plätze im Stadion haargenau zeigen könnte, wo die Toten gelegen haben.
Sie haben bei Ihren Stationen im Ausland meistens mit den dortigen Trainern zusammengearbeitet, in Johannesburg allerdings ein Kompetenzteam aus Deutschen um sich geschart. Lässt sich so die Arbeit in der Fremde entspannter angehen?
MIDDENDORP: Das war in der Form nicht so beabsichtigt, denn der deutsche Torwarttrainer war schon vorher da. Es ist in unserer Branche üblich, mit einem Stab zu reisen, wie Ottmar Hitzfeld mit Michael Henke oder Christoph Daum mit Roland Koch. Aber einem Daum schmeckt das Kölsch ja nicht gleich besser, nur weil der Koch dabei ist.
Was hat Ihnen denn so am Iran geschmeckt, dass Sie sich auf ein Engagement beim Zweitligisten Tracktorsasi Täbris in der Provinz Ost-Aserbeidschan eingelassen haben?
MIDDENDORP: Ein Schuss Neugier. Durch die Ex-Arminen Ali Daei und Karim Bagheri hatte ich schon lange Verbindungen in den Iran. Die Kultur kennenzulernen, dieses Leben in einer reinen Männerwelt, war eine neue Erfahrung. Ich hatte eine Villa, einen Diener rund um die Uhr - es wirkte wie im Paradies. Aber es fehlte ein Stück weit die Freiheit. Und deshalb ging mehr als ein Jahr in Täbris nicht.
Nun sind Sie zurück in der Bundesliga. Was macht Sie so sicher, mit Arminia Erfolg zu haben?
MIDDENDORP: Weil ich nach wie vor das Potenzial sehe, das in der Mannschaft steckt. Mit einem "richtigen" Hain, mit einem sich einbringenden Zuma, mit den Defensivstrategen Gabriel und Kucera, mit dem dominanten Stürmer Wichniarek. Es sind genügend Leute da, die dafür sorgen werden, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Und mit dem Dortmund-Spiel haben wir ja schon die Chance, uns auf Platz 15 zu verbessern.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
29.07.2007 - 21:43 Uhr
[Dank an Lagarminia]
"Ich bin nicht dazu da, mich beliebt zu machen"
Kein Bundesliga-Trainer polarisiert so wie Ernst Middendorp. Der Trainer von Arminia Bielefeld wurde vorige Saison er mit Alkohol am Steuer erwischt und im Juni in Zürich des Flugzeugs verwiesen, weil er sich lautstark beschwert haben soll. Im Interview mit WELT ONLINE spricht der 48-Jährige über Spielermotivation, sein aufbrausendes Temperament und seinen Ruf als "Ekel-Ernst".
WELT ONLINE: Herr Middendorp, Sie kommen gerade vom Asien-Cup aus Kuala Lumpur zurück. Wie war der Flug?
Ernst Middendorp: Alles ist bestens verlaufen. Wenn Sie wie ich auf 150.000 Flugmeilen im Jahr kommen, können Sie sich schon ein Urteil über die Qualität von Fluggesellschaften erlauben.
WELT ONLINE: Welche Erkenntnisse und welche Spieler haben Sie denn vom Asien-Cup mitgebracht?
Middendorp: Wir sind an Mohammed Hawar, einem 24-jährigen Iraker, interessiert. Wir wollen ihn verpflichten, aber ich kann auch unseren Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch verstehen, der sagt: „Wenn wir noch einen holen wollen, müssen wir zusehen, dass wir noch den einen oder anderen abgeben.“ Daran arbeiten wir.
WELT ONLINE: Sie haben nicht nur privat, sondern auch im Umgang mit der Mannschaft immer Reizpunkte gesetzt. Warum?
Middendorp: Weil es bei mir diese Eintönigkeiten, die teilweise von Trainern kommen, nicht gibt. Die Spieler brauchen jeden Tag eine neue Überraschung. Es gibt Trainer, die sagen vor Beginn eines Spieles zu jedem Ersatzspieler: „Wenn ich einwechsle, dann bist du meine erste Option.“ Dann sitzen die fünf nebeneinander auf der Bank und stellen fest, dass er zu allen das Gleiche gesagt hat. Das ist doch fürchterlich. Da sage ich doch lieber: „Im Moment spielst du so unterirdisch, das geht momentan nicht.“ Ich bin nicht dazu da, mich bei den Profis beliebt zu machen.
WELT ONLINE: Einige Ihrer Kollegen sind aber der Meinung, Ruhe und Harmonie sei in sportlich schwierigen Situationen das oberste Gebot.
Middendorp: Und drei Wochen später, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, tun sie genau das Gleiche wie ich oder werfen sogar Spieler aus dem Kader.
WELT ONLINE: Sie genießen in Bielefeld hohe Wertschätzung, wurden zum „Jahrhunderttrainer“ gewählt. Trotzdem sorgt Ihr aufbrausendes Temperament immer wieder für Negativschlagzeilen. Warum haben Sie sich nicht besser im Griff?
Middendorp: Weil ich das gar nicht will. Wenn ich früher einen Steuerbescheid vom Finanzamt bekommen habe, der meiner Ansicht nach nicht korrekt war, habe ich das klaglos akzeptiert. Heute tue ich das nicht mehr. Und wenn ich das Gefühl habe, dass mich eine Fluggesellschaft fünf Tage verarscht, können Sie davon ausgehen, dass ich mein Unbehagen auf übelste Art auslebe. Das werde ich immer beibehalten.
WELT ONLINE: Dann müssen Sie aber damit leben, dass Ihnen in der Öffentlichkeit weiterhin das Etikett „Ekel-Ernst“ anhaftet?
Middendorp: Das kann ich nicht ändern.
WELT ONLINE: Mussten Sie sich bei Arminia Bielefelds Geschäftsführung für den jüngsten Vorfall im Flugzeug rechtfertigen?
Middendorp: Sie können mich gern dazu befragen, aber ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wenn die Vereinführung der Meinung sein sollte, dass sie besser einen Pastor als Trainer einstellt, soll sie das tun. Aber das hätte sie sich vorher überlegen müssen.
WELT ONLINE: Sie haben in Bezug auf die kommende Saison in der Fußball-Bundesliga gesagt, was Ihrer Mannschaft fehlt, sei der Glaube daran, dass noch mehr möglich sei. Was ist für Arminia Bielefeld auf Sicht möglich?
Middendorp: Wir haben eine Weiterentwicklung anzustreben. Wir haben in der vorvergangenen Saison 40 Punkte erreicht, in der vorigen Spielzeit 42. Unser Ziel ist es, diese Ausbeute zu übertreffen. Ich bin der Meinung, dass Arminia mittelfristig auch an internationale Plätze heranreichen kann.
WELT ONLINE: Ein Stichwort der Sommerpause lautet: Individualisierung des Trainings. Bei Spitzenvereinen wird der Trainerstab aufgestockt und mit Sportwissenschaftlern kooperiert. Kann sich ein Verein wie Bielefeld das auch leisten?
Middendorp: Natürlich nicht. Aber wir haben mit unseren Co-Trainern Frank Geideck, der seinen Schwerpunkt in der Rehabilitation hat, und Dr. Jörg Weber, einem Sportwissenschaftler, den theoretischen Bereich gut abgedeckt. Bei Leistungsüberprüfungen arbeiten wir mit der Universität Paderborn zusammen. Aber wichtig ist auch, sich nicht nur auf Wissenschaftler zu verlassen, sondern als Trainer selbst zu verstehen, was du gerade machst. Wir in Bielefeld sind so aufgestellt, dass wir theoretische wissenschaftliche Grundlagen in die Praxis umsetzen können. Bayern München verkauft die Individualisierung als große Neuerung. Nach dem Motto: Wir haben soviel in die Mannschaft investiert, jetzt müssen wir hingehen und die Spieler so begleiten, dass sie ihre Fähigkeiten auch voll abrufen können. Sorry: Aber ich muss auch in einen Nachwuchsspieler ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Betreuung investieren. Und nicht nur, wenn die Spieler Franck Ribery oder Luca Toni heißen.
WELT ONLINE: Warum werden die modernen Trainingsmethoden in Deutschland auch ein Jahr nach dem Erfolg der Nationalelf bei der WM immer noch kritisch gesehen?
Middendorp: Weil sie immer noch unzureichend erklärt werden. Ein Beispiel: Unser Mittelfeldspieler Jörg Böhme hatte Probleme, weil er gegen Ende der Saison mehrmals ans Limit gegangen ist. Durch die Testergebnisse sind uns die bekannt geworden, und so konnten wir ein ganz individuelles Programm für ihn aufstellen: Er arbeitete regenerativ und vor dem Trainingslager nur selten mit der Mannschaft. Ergebnis: Die Medien haben nur noch berichtet, dass der Spieler zu alt sei und dass er es nicht mehr packt. Daraufhin wurde dann der Spieler ungeduldig. Wir leben in einer sehr konservativen Gesellschaft, das spiegelt sich leider auch im Fußball wider.
WELT ONLINE: Liegt es nicht auch an der fehlenden Qualität einiger Trainer, die im Bereich Sportmedizin und Trainingslehre nicht auf dem neuesten Stand sind?
Middendorp: Natürlich. Aber ich halte die Diskussion, die Peter Neururer angezettelt hat, für gefährlich, wenn er nur darauf hinweist, wie schlecht die Ausbildung sei. Es ist nicht der richtige Weg, Kollegen zu diskreditieren, die den Trainerschein bekommen haben, obwohl sie nicht den Satz des Pythagoras beherrschen. Die haben dafür andere Qualitäten. Wir Trainer sollten uns positiv pushen.
QUELLE: http://www.welt.de/sport/article1060291/Ich_bin_nicht_dazu_da_mich_beliebt_zu_machen.html
"Ich bin nicht dazu da, mich beliebt zu machen"
Kein Bundesliga-Trainer polarisiert so wie Ernst Middendorp. Der Trainer von Arminia Bielefeld wurde vorige Saison er mit Alkohol am Steuer erwischt und im Juni in Zürich des Flugzeugs verwiesen, weil er sich lautstark beschwert haben soll. Im Interview mit WELT ONLINE spricht der 48-Jährige über Spielermotivation, sein aufbrausendes Temperament und seinen Ruf als "Ekel-Ernst".
WELT ONLINE: Herr Middendorp, Sie kommen gerade vom Asien-Cup aus Kuala Lumpur zurück. Wie war der Flug?
Ernst Middendorp: Alles ist bestens verlaufen. Wenn Sie wie ich auf 150.000 Flugmeilen im Jahr kommen, können Sie sich schon ein Urteil über die Qualität von Fluggesellschaften erlauben.
WELT ONLINE: Welche Erkenntnisse und welche Spieler haben Sie denn vom Asien-Cup mitgebracht?
Middendorp: Wir sind an Mohammed Hawar, einem 24-jährigen Iraker, interessiert. Wir wollen ihn verpflichten, aber ich kann auch unseren Finanzgeschäftsführer Roland Kentsch verstehen, der sagt: „Wenn wir noch einen holen wollen, müssen wir zusehen, dass wir noch den einen oder anderen abgeben.“ Daran arbeiten wir.
WELT ONLINE: Sie haben nicht nur privat, sondern auch im Umgang mit der Mannschaft immer Reizpunkte gesetzt. Warum?
Middendorp: Weil es bei mir diese Eintönigkeiten, die teilweise von Trainern kommen, nicht gibt. Die Spieler brauchen jeden Tag eine neue Überraschung. Es gibt Trainer, die sagen vor Beginn eines Spieles zu jedem Ersatzspieler: „Wenn ich einwechsle, dann bist du meine erste Option.“ Dann sitzen die fünf nebeneinander auf der Bank und stellen fest, dass er zu allen das Gleiche gesagt hat. Das ist doch fürchterlich. Da sage ich doch lieber: „Im Moment spielst du so unterirdisch, das geht momentan nicht.“ Ich bin nicht dazu da, mich bei den Profis beliebt zu machen.
WELT ONLINE: Einige Ihrer Kollegen sind aber der Meinung, Ruhe und Harmonie sei in sportlich schwierigen Situationen das oberste Gebot.
Middendorp: Und drei Wochen später, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, tun sie genau das Gleiche wie ich oder werfen sogar Spieler aus dem Kader.
WELT ONLINE: Sie genießen in Bielefeld hohe Wertschätzung, wurden zum „Jahrhunderttrainer“ gewählt. Trotzdem sorgt Ihr aufbrausendes Temperament immer wieder für Negativschlagzeilen. Warum haben Sie sich nicht besser im Griff?
Middendorp: Weil ich das gar nicht will. Wenn ich früher einen Steuerbescheid vom Finanzamt bekommen habe, der meiner Ansicht nach nicht korrekt war, habe ich das klaglos akzeptiert. Heute tue ich das nicht mehr. Und wenn ich das Gefühl habe, dass mich eine Fluggesellschaft fünf Tage verarscht, können Sie davon ausgehen, dass ich mein Unbehagen auf übelste Art auslebe. Das werde ich immer beibehalten.
WELT ONLINE: Dann müssen Sie aber damit leben, dass Ihnen in der Öffentlichkeit weiterhin das Etikett „Ekel-Ernst“ anhaftet?
Middendorp: Das kann ich nicht ändern.
WELT ONLINE: Mussten Sie sich bei Arminia Bielefelds Geschäftsführung für den jüngsten Vorfall im Flugzeug rechtfertigen?
Middendorp: Sie können mich gern dazu befragen, aber ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wenn die Vereinführung der Meinung sein sollte, dass sie besser einen Pastor als Trainer einstellt, soll sie das tun. Aber das hätte sie sich vorher überlegen müssen.
WELT ONLINE: Sie haben in Bezug auf die kommende Saison in der Fußball-Bundesliga gesagt, was Ihrer Mannschaft fehlt, sei der Glaube daran, dass noch mehr möglich sei. Was ist für Arminia Bielefeld auf Sicht möglich?
Middendorp: Wir haben eine Weiterentwicklung anzustreben. Wir haben in der vorvergangenen Saison 40 Punkte erreicht, in der vorigen Spielzeit 42. Unser Ziel ist es, diese Ausbeute zu übertreffen. Ich bin der Meinung, dass Arminia mittelfristig auch an internationale Plätze heranreichen kann.
WELT ONLINE: Ein Stichwort der Sommerpause lautet: Individualisierung des Trainings. Bei Spitzenvereinen wird der Trainerstab aufgestockt und mit Sportwissenschaftlern kooperiert. Kann sich ein Verein wie Bielefeld das auch leisten?
Middendorp: Natürlich nicht. Aber wir haben mit unseren Co-Trainern Frank Geideck, der seinen Schwerpunkt in der Rehabilitation hat, und Dr. Jörg Weber, einem Sportwissenschaftler, den theoretischen Bereich gut abgedeckt. Bei Leistungsüberprüfungen arbeiten wir mit der Universität Paderborn zusammen. Aber wichtig ist auch, sich nicht nur auf Wissenschaftler zu verlassen, sondern als Trainer selbst zu verstehen, was du gerade machst. Wir in Bielefeld sind so aufgestellt, dass wir theoretische wissenschaftliche Grundlagen in die Praxis umsetzen können. Bayern München verkauft die Individualisierung als große Neuerung. Nach dem Motto: Wir haben soviel in die Mannschaft investiert, jetzt müssen wir hingehen und die Spieler so begleiten, dass sie ihre Fähigkeiten auch voll abrufen können. Sorry: Aber ich muss auch in einen Nachwuchsspieler ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Betreuung investieren. Und nicht nur, wenn die Spieler Franck Ribery oder Luca Toni heißen.
WELT ONLINE: Warum werden die modernen Trainingsmethoden in Deutschland auch ein Jahr nach dem Erfolg der Nationalelf bei der WM immer noch kritisch gesehen?
Middendorp: Weil sie immer noch unzureichend erklärt werden. Ein Beispiel: Unser Mittelfeldspieler Jörg Böhme hatte Probleme, weil er gegen Ende der Saison mehrmals ans Limit gegangen ist. Durch die Testergebnisse sind uns die bekannt geworden, und so konnten wir ein ganz individuelles Programm für ihn aufstellen: Er arbeitete regenerativ und vor dem Trainingslager nur selten mit der Mannschaft. Ergebnis: Die Medien haben nur noch berichtet, dass der Spieler zu alt sei und dass er es nicht mehr packt. Daraufhin wurde dann der Spieler ungeduldig. Wir leben in einer sehr konservativen Gesellschaft, das spiegelt sich leider auch im Fußball wider.
WELT ONLINE: Liegt es nicht auch an der fehlenden Qualität einiger Trainer, die im Bereich Sportmedizin und Trainingslehre nicht auf dem neuesten Stand sind?
Middendorp: Natürlich. Aber ich halte die Diskussion, die Peter Neururer angezettelt hat, für gefährlich, wenn er nur darauf hinweist, wie schlecht die Ausbildung sei. Es ist nicht der richtige Weg, Kollegen zu diskreditieren, die den Trainerschein bekommen haben, obwohl sie nicht den Satz des Pythagoras beherrschen. Die haben dafür andere Qualitäten. Wir Trainer sollten uns positiv pushen.
QUELLE: http://www.welt.de/sport/article1060291/Ich_bin_nicht_dazu_da_mich_beliebt_zu_machen.html
03.08.2007 - 10:44 Uhr
Eine Rechnung mit vielen Unbekannten
DAS INTERVIEW: Jörg Weber, Trainer von Fußball-Oberligist DSC Arminia Bielefeld II
Bielefeld. Am Sonntag startet die Oberliga Westfalen in ihre letzte Saison. Noch 34 Spiele - dann wird alles anders sein. Das Feld der 18 Oberligisten wird im Sommer nächsten Jahres auf drei Spielklassen aufgeteilt: Die ersten vier Klubs bleiben viertklassig und spielen in der dreigeteilten Regionalliga. Wer Fünfter bis Elfter wird, kommt in die NRW-Oberliga - der Rest muss runter in die Verbandsliga. Jörg Weber, Trainer von Arminia Bielefelds Amateuren, hat den Auftrag, sein Team ins Spitzenquartett zu führen. Mit dem 42-jährigen Coach sprach Sportredakteur Hans-Joachim Kaspers über die aktuelle Situation beim Bundesliga-Nachwuchs.
Herr Weber, sind Sie mit dem augenblicklichen Stand der Dinge zufrieden?
JÖRG WEBER: Im Großen und Ganzen ja. Wir haben eine gute und intensive Vorbereitungsphase hinter uns, in der alle Akteure sehr gut mitgezogen haben. Der Laktattest am zweiten Trainingstag hatte schon gezeigt, dass die Werte stimmen: In der Sommerpause hat keiner meiner Jungs auf der faulen Haut gelegen. Das 1:4 gegen Ahlen im ersten Testspiel war dann ein Dämpfer genau zur rechten Zeit, danach wusste jeder, dass er noch eine Schippe drauflegen muss, um im rauen Oberliga-Alltag bestehen zu können. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, sehe ich vor allem bei den gerade erst aus der A-Jugend gekommenen Akteuren schon eine Weiterentwicklung: Sie haben die Anforderungen des Seniorenbereichs schon weitgehend angenommen.
Wie machen sich denn die Neuzugänge von außerhalb?
WEBER: Auch in diesem Punkt bin ich zufrieden. Dominic Jansen hat eigentlich auf Anhieb bewiesen, dass er mit seiner Erfahrung und Ausstrahlung ein ganz wichtiger Mann für uns werden kann. Mirko Trisic, Heiko Weber und Ufuk Basdas sehe ich als echte Aktivposten in der Offensive. Janosch Bluhm macht sich ganz gut, braucht aber noch Zeit. Nur Robert Stark ist mit seinem Außenbandriss im Knöchel unser großer Pechvogel.
Ist die starke Fluktuation nicht ein großes Handicap?
WEBER: Bei allen Reserveteams von Bundesligisten herrscht ein reges Kommen und Gehen. Damit muss ich als Trainer leben. Natürlich hätten wir den einen oder anderen Spieler - vor allem Daniel Scherning oder auch Jared Jörgens - gerne behalten, aber jeder Akteur hatte sicher gute Gründe, uns zu verlassen.
Sehen Sie irgendwo eine besondere Problemzone?
WEBER: Ich glaube, dass wir die Verluste ganz gut auffangen konnten. Da Nils Fischer und Maik Rodenberg bei uns auflaufen werden, sollte die Abwehr stehen. Im Mittelfeld, in dem wir mit Tim Danneberg und Robert Tesche zwei kreative Köpfe verloren haben, setze ich vor allem darauf, dass sich Olli Zech so gut weiter entwickelt wie in der Rückrunde der Vorsaison. Auch Olcay Turhan zeigt hier sehr gute Ansätze, vielleicht ist es aber doch ratsam, sich um die Nachverpflichtung von Tore Gersch vom SV Lippstadt zu bemühen. Im Angriff werden sich die Tore auf mehr Schultern als im Vorjahr verteilen müssen, denn niemand darf erwarten, dass Dominic Jansen über 20 Tore schießt. Von den Außenbahnen wird er aber gute Unterstützung erfahren, und außerdem haben wir ja auch noch Zlatko Janjic in der Hinterhand, der ab Oktober wieder zur Verfügung stehen dürfte.
Sie müssen aber doch wieder eine ganz neue Mannschaft formen . . .
WEBER: Das ist richtig. Und jeder weiß, dass das eine Rechnung mit vielen Unbekannten ist. Denn so gut sich das alles im Moment anlässt - man kann auch mal daneben greifen: Wenn vier, fünf Leute nicht so einschlagen wie erhofft, spielt man auf einmal nicht mehr um die Plätze eins bis vier, sondern um Rang sechs oder sieben. Aber um diese Problematik wissen bei Arminia alle Bescheid und tragen das Risiko in gewisser Hinsicht mit.
Ziel ist aber doch, den Sprung in die Regionalliga zu schaffen?
WEBER: Ganz klar, das ist die Vorgabe. Viertklassig zu sein und sich mit spielstarken Konkurrenten messen zu können, wäre im Sinne einer gezielten Nachwuchsförderung optimal. Aber wenn es nicht klappen sollte, reißt uns auch niemand den Kopf ab.
Wen schätzen Sie als ernsthafte Gegner im Kampf um die Plätze eins bis vier ein?
WEBER: Bochum und Schalke haben das gleiche Ziel wie wir und haben finanziell einige Anstrengungen unternommen, um das zu realisieren. Das Maß aller Dinge ist und bleibt Preußen Münster - die dürften zudem aus den Fehlern, die sie im Vorjahr gemacht haben, gelernt haben. Außerdem sind die Sportfreunde Lotte und Eintracht Rheine zu beachten. Und die Spvg. Erkenschwick könnte die Überraschungsmannschaft der Saison werden.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/lokalsport/sport_bielefeld/lokalsport_bielefeld/?cnt=1744661
DAS INTERVIEW: Jörg Weber, Trainer von Fußball-Oberligist DSC Arminia Bielefeld II
Bielefeld. Am Sonntag startet die Oberliga Westfalen in ihre letzte Saison. Noch 34 Spiele - dann wird alles anders sein. Das Feld der 18 Oberligisten wird im Sommer nächsten Jahres auf drei Spielklassen aufgeteilt: Die ersten vier Klubs bleiben viertklassig und spielen in der dreigeteilten Regionalliga. Wer Fünfter bis Elfter wird, kommt in die NRW-Oberliga - der Rest muss runter in die Verbandsliga. Jörg Weber, Trainer von Arminia Bielefelds Amateuren, hat den Auftrag, sein Team ins Spitzenquartett zu führen. Mit dem 42-jährigen Coach sprach Sportredakteur Hans-Joachim Kaspers über die aktuelle Situation beim Bundesliga-Nachwuchs.
Herr Weber, sind Sie mit dem augenblicklichen Stand der Dinge zufrieden?
JÖRG WEBER: Im Großen und Ganzen ja. Wir haben eine gute und intensive Vorbereitungsphase hinter uns, in der alle Akteure sehr gut mitgezogen haben. Der Laktattest am zweiten Trainingstag hatte schon gezeigt, dass die Werte stimmen: In der Sommerpause hat keiner meiner Jungs auf der faulen Haut gelegen. Das 1:4 gegen Ahlen im ersten Testspiel war dann ein Dämpfer genau zur rechten Zeit, danach wusste jeder, dass er noch eine Schippe drauflegen muss, um im rauen Oberliga-Alltag bestehen zu können. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, sehe ich vor allem bei den gerade erst aus der A-Jugend gekommenen Akteuren schon eine Weiterentwicklung: Sie haben die Anforderungen des Seniorenbereichs schon weitgehend angenommen.
Wie machen sich denn die Neuzugänge von außerhalb?
WEBER: Auch in diesem Punkt bin ich zufrieden. Dominic Jansen hat eigentlich auf Anhieb bewiesen, dass er mit seiner Erfahrung und Ausstrahlung ein ganz wichtiger Mann für uns werden kann. Mirko Trisic, Heiko Weber und Ufuk Basdas sehe ich als echte Aktivposten in der Offensive. Janosch Bluhm macht sich ganz gut, braucht aber noch Zeit. Nur Robert Stark ist mit seinem Außenbandriss im Knöchel unser großer Pechvogel.
Ist die starke Fluktuation nicht ein großes Handicap?
WEBER: Bei allen Reserveteams von Bundesligisten herrscht ein reges Kommen und Gehen. Damit muss ich als Trainer leben. Natürlich hätten wir den einen oder anderen Spieler - vor allem Daniel Scherning oder auch Jared Jörgens - gerne behalten, aber jeder Akteur hatte sicher gute Gründe, uns zu verlassen.
Sehen Sie irgendwo eine besondere Problemzone?
WEBER: Ich glaube, dass wir die Verluste ganz gut auffangen konnten. Da Nils Fischer und Maik Rodenberg bei uns auflaufen werden, sollte die Abwehr stehen. Im Mittelfeld, in dem wir mit Tim Danneberg und Robert Tesche zwei kreative Köpfe verloren haben, setze ich vor allem darauf, dass sich Olli Zech so gut weiter entwickelt wie in der Rückrunde der Vorsaison. Auch Olcay Turhan zeigt hier sehr gute Ansätze, vielleicht ist es aber doch ratsam, sich um die Nachverpflichtung von Tore Gersch vom SV Lippstadt zu bemühen. Im Angriff werden sich die Tore auf mehr Schultern als im Vorjahr verteilen müssen, denn niemand darf erwarten, dass Dominic Jansen über 20 Tore schießt. Von den Außenbahnen wird er aber gute Unterstützung erfahren, und außerdem haben wir ja auch noch Zlatko Janjic in der Hinterhand, der ab Oktober wieder zur Verfügung stehen dürfte.
Sie müssen aber doch wieder eine ganz neue Mannschaft formen . . .
WEBER: Das ist richtig. Und jeder weiß, dass das eine Rechnung mit vielen Unbekannten ist. Denn so gut sich das alles im Moment anlässt - man kann auch mal daneben greifen: Wenn vier, fünf Leute nicht so einschlagen wie erhofft, spielt man auf einmal nicht mehr um die Plätze eins bis vier, sondern um Rang sechs oder sieben. Aber um diese Problematik wissen bei Arminia alle Bescheid und tragen das Risiko in gewisser Hinsicht mit.
Ziel ist aber doch, den Sprung in die Regionalliga zu schaffen?
WEBER: Ganz klar, das ist die Vorgabe. Viertklassig zu sein und sich mit spielstarken Konkurrenten messen zu können, wäre im Sinne einer gezielten Nachwuchsförderung optimal. Aber wenn es nicht klappen sollte, reißt uns auch niemand den Kopf ab.
Wen schätzen Sie als ernsthafte Gegner im Kampf um die Plätze eins bis vier ein?
WEBER: Bochum und Schalke haben das gleiche Ziel wie wir und haben finanziell einige Anstrengungen unternommen, um das zu realisieren. Das Maß aller Dinge ist und bleibt Preußen Münster - die dürften zudem aus den Fehlern, die sie im Vorjahr gemacht haben, gelernt haben. Außerdem sind die Sportfreunde Lotte und Eintracht Rheine zu beachten. Und die Spvg. Erkenschwick könnte die Überraschungsmannschaft der Saison werden.
Quelle: http://www.nw-news.de/nw/sport/lokalsport/sport_bielefeld/lokalsport_bielefeld/?cnt=1744661
06.09.2007 - 07:21 Uhr
"Rostock wird zeigen, wo wir uns aufhalten"
INTERVIEW: Arminias Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig zieht eine Zwischenbilanz der Saison
Bielefeld. Um die Jahreswende durchlebte Reinhard Saftig eine Phase, in der er sich selbst als "der meistbeleidigte Mann Bielefelds" bezeichnete. Der Sport-Geschäftsführer wurde von vielen Arminia-Fans als Hauptverantwortlicher für die damalige Talfahrt des DSC gesehen. Im Spätsommer 2007 fühlt sich Saftig, mit dem sich Rainer Klusmeyer unterhielt, wieder wesentlich wohler in seiner Haut.
Herr Saftig, die Bundesliga macht ihre erste kleine Punktspielpause, und Arminia steht auf Tabellenplatz 3. Wie bewerten Sie diese Tatsache?
REINHARD SAFTIG: Wir haben sieben Punkte aus vier Spielen. Das ist absolut in Ordnung , auch wenn wir nicht übersehen dürfen, dass wir dabei unser Negativerlebnis mit dem 0:3 in Duisburg zuletzt hatten. Platz 3 zeigt, wie eng die Liga ist, bis auf Bayern München oben und Hansa Rostock unten. Das nächste Spiel gegen Rostock wird zeigen, wo wir uns in den nächsten Wochen aufhalten.
In einer kürzlich erstellten Sympathietabelle rangiert der DSC am anderen Ende, nämlich an letzter Stelle. Was können Sie dagegen unternehmen?
SAFTIG: Um eine alte Trainerweisheit zu gebrauchen: Entscheidend ist auf dem Platz. Hätten wir in Duisburg gewonnen und wären so Kurzzeit-Spitzenreiter geworden, hätten wir am Samstag bundesweit die größte Aufmerksamkeit gehabt. So war es wie so oft, und im ZDF-Sportstudio wurde beispielsweise nicht eine einzige gute Szene von uns gezeigt. Wir wissen, dass wir uns in vielen Bereichen verbessern müssen. Aber auch die überregionalen Medien haben Nachholbedarf in ihrem Wissen, was Arminia betrifft.
Trägt zu dieser Verbesserung auch das Medientraining bei, das Sie in der Vorwoche unter professioneller Begleitung den Profis angeboten haben?
SAFTIG: Ohne dies überbewerten zu wollen – es gehört dazu, den ein oder anderen populären Kopf zu zeigen. Bei uns gibt es nur Mathias Hain, Jörg Böhme und wegen seines Äußeren vielleicht noch Sibusiso Zuma.
Dass ausgerechnet Sie, der Sie sich ja nun nicht gerade um TV-Strahlkraft bemühen, verstärkte Präsenz in den visuellen Medien fordern, verwundert.
SAFTIG: Für mein Verhalten gibt es mehrere Gründe. Zum einen bin ich nicht der Typ, der seinen Kopf in jede Kamera hält. Zurzeit fokussiert sich bei uns vieles auf den Trainer, und das ist ja auch nicht schlecht. Überdies habe ich mich seit dem Winter bewusst zurückgenommen. Ich war es leid, über Wochen und Monate immer die gleichen Fragen gestellt zu bekommen. Von Fernsehleuten, die ihre Informationen über die Lage bei Arminia offensichtlich nur aus einer Quelle, der Bild-Zeitung, bezogen und deshalb den damaligen Trainer glorifizierten.
Unabhängig von der Medientauglichkeit entscheiden über das sportliche Abschneiden andere Komponenten. Gibt es für Sie Anlass zur Hoffnung, dass Bielefeld, wie von Chefcoach Ernst Middendorp gefordert, das Rekordabsteiger-Image los wird?
SAFTIG: Wir sind auf einem guten Weg. Die Mannschaft spielt im vierten Jahr in Serie erstklassig, hat sich stabilisiert, steht auf einer breiteren Basis, was uns letzte Saison den Klassenerhalt gebracht hat. Stück für Stück haben wir uns Jahr für Jahr qualitativ in der Breite verbessert. Das hilft mehr als der eine Superstar, den sich andere leisten.
Es fällt auf, dass Arminia nach wie vor die meisten deutschen Spieler im Kader und oft auch in der Anfangself hat. Ist das Zufall oder Methode?
SAFTIG: Ich mache keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen, jungen und alten Spielern, es gibt nur gute oder schlechte. Allerdings kann es nicht schaden, möglichst viele Deutsche im Aufgebot zu haben, da sich die gerade im Misserfolg meistens stärker mit dem Verein identifizieren.
Sie haben kürzlich von mehreren Mosaiksteinchen gesprochen, die zum Aufschwung beitragen. Welche sind das noch?
SAFTIG: Das fängt beim Trainingsgelände an, geht über den Stadionausbau, der uns auch finanziell weiterhelfen wird, zeigt sich in der personellen Aufstockung im Trainerbereich sowie bei technischen Neuerungen wie modernen Hilfsmitteln zur Spielanalyse und zum Scouting .
Dennoch sind Arminias Möglichkeiten eingeschränkt. Sie haben 1,7 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, andere Klubs wie Wolfsburg bis zu 30 Millionen.
SAFTIG: Wir haben nun mal nicht den Supersponsor im Rücken und müssen mit unseren Möglichkeiten klar kommen. Da ist es ein bisserl schwieriger, ein wettbewerbsfähiges Team auf die Beine zu stellen. Aber wir kennen den Markt und sind optimistisch, auch zukünftig so oft wie möglich zum geringen Preis gute Spieler zu verpflichten.
QUELLE: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
INTERVIEW: Arminias Sport-Geschäftsführer Reinhard Saftig zieht eine Zwischenbilanz der Saison
Bielefeld. Um die Jahreswende durchlebte Reinhard Saftig eine Phase, in der er sich selbst als "der meistbeleidigte Mann Bielefelds" bezeichnete. Der Sport-Geschäftsführer wurde von vielen Arminia-Fans als Hauptverantwortlicher für die damalige Talfahrt des DSC gesehen. Im Spätsommer 2007 fühlt sich Saftig, mit dem sich Rainer Klusmeyer unterhielt, wieder wesentlich wohler in seiner Haut.
Herr Saftig, die Bundesliga macht ihre erste kleine Punktspielpause, und Arminia steht auf Tabellenplatz 3. Wie bewerten Sie diese Tatsache?
REINHARD SAFTIG: Wir haben sieben Punkte aus vier Spielen. Das ist absolut in Ordnung , auch wenn wir nicht übersehen dürfen, dass wir dabei unser Negativerlebnis mit dem 0:3 in Duisburg zuletzt hatten. Platz 3 zeigt, wie eng die Liga ist, bis auf Bayern München oben und Hansa Rostock unten. Das nächste Spiel gegen Rostock wird zeigen, wo wir uns in den nächsten Wochen aufhalten.
In einer kürzlich erstellten Sympathietabelle rangiert der DSC am anderen Ende, nämlich an letzter Stelle. Was können Sie dagegen unternehmen?
SAFTIG: Um eine alte Trainerweisheit zu gebrauchen: Entscheidend ist auf dem Platz. Hätten wir in Duisburg gewonnen und wären so Kurzzeit-Spitzenreiter geworden, hätten wir am Samstag bundesweit die größte Aufmerksamkeit gehabt. So war es wie so oft, und im ZDF-Sportstudio wurde beispielsweise nicht eine einzige gute Szene von uns gezeigt. Wir wissen, dass wir uns in vielen Bereichen verbessern müssen. Aber auch die überregionalen Medien haben Nachholbedarf in ihrem Wissen, was Arminia betrifft.
Trägt zu dieser Verbesserung auch das Medientraining bei, das Sie in der Vorwoche unter professioneller Begleitung den Profis angeboten haben?
SAFTIG: Ohne dies überbewerten zu wollen – es gehört dazu, den ein oder anderen populären Kopf zu zeigen. Bei uns gibt es nur Mathias Hain, Jörg Böhme und wegen seines Äußeren vielleicht noch Sibusiso Zuma.
Dass ausgerechnet Sie, der Sie sich ja nun nicht gerade um TV-Strahlkraft bemühen, verstärkte Präsenz in den visuellen Medien fordern, verwundert.
SAFTIG: Für mein Verhalten gibt es mehrere Gründe. Zum einen bin ich nicht der Typ, der seinen Kopf in jede Kamera hält. Zurzeit fokussiert sich bei uns vieles auf den Trainer, und das ist ja auch nicht schlecht. Überdies habe ich mich seit dem Winter bewusst zurückgenommen. Ich war es leid, über Wochen und Monate immer die gleichen Fragen gestellt zu bekommen. Von Fernsehleuten, die ihre Informationen über die Lage bei Arminia offensichtlich nur aus einer Quelle, der Bild-Zeitung, bezogen und deshalb den damaligen Trainer glorifizierten.
Unabhängig von der Medientauglichkeit entscheiden über das sportliche Abschneiden andere Komponenten. Gibt es für Sie Anlass zur Hoffnung, dass Bielefeld, wie von Chefcoach Ernst Middendorp gefordert, das Rekordabsteiger-Image los wird?
SAFTIG: Wir sind auf einem guten Weg. Die Mannschaft spielt im vierten Jahr in Serie erstklassig, hat sich stabilisiert, steht auf einer breiteren Basis, was uns letzte Saison den Klassenerhalt gebracht hat. Stück für Stück haben wir uns Jahr für Jahr qualitativ in der Breite verbessert. Das hilft mehr als der eine Superstar, den sich andere leisten.
Es fällt auf, dass Arminia nach wie vor die meisten deutschen Spieler im Kader und oft auch in der Anfangself hat. Ist das Zufall oder Methode?
SAFTIG: Ich mache keinen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen, jungen und alten Spielern, es gibt nur gute oder schlechte. Allerdings kann es nicht schaden, möglichst viele Deutsche im Aufgebot zu haben, da sich die gerade im Misserfolg meistens stärker mit dem Verein identifizieren.
Sie haben kürzlich von mehreren Mosaiksteinchen gesprochen, die zum Aufschwung beitragen. Welche sind das noch?
SAFTIG: Das fängt beim Trainingsgelände an, geht über den Stadionausbau, der uns auch finanziell weiterhelfen wird, zeigt sich in der personellen Aufstockung im Trainerbereich sowie bei technischen Neuerungen wie modernen Hilfsmitteln zur Spielanalyse und zum Scouting .
Dennoch sind Arminias Möglichkeiten eingeschränkt. Sie haben 1,7 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, andere Klubs wie Wolfsburg bis zu 30 Millionen.
SAFTIG: Wir haben nun mal nicht den Supersponsor im Rücken und müssen mit unseren Möglichkeiten klar kommen. Da ist es ein bisserl schwieriger, ein wettbewerbsfähiges Team auf die Beine zu stellen. Aber wir kennen den Markt und sind optimistisch, auch zukünftig so oft wie möglich zum geringen Preis gute Spieler zu verpflichten.
QUELLE: http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/
09.11.2007 - 09:15 Uhr
"Wir müssen uns coachen"
DAS INTERVIEW: DSC-Kapitän Hain fordert mehr gegenseitige verbale Unterstützung
Bielefeld. Die Schießbude der Liga ist das Tor von Arminia Bielefeld: 27 Gegentreffer in 12 Spielen. Der in dieser Hinsicht nächstschlechteste Klub, der VfL Bochum, hat 22 Tore kassiert. Im Schnitt musste DSC-Torwart Mathias Hain pro Partie 2,25 Mal den Ball aus dem Netz holen. Der Vergleich mit den zurückliegenden drei Erstligajahren alarmiert: 1,44 gegnerische Treffer gabs in den Spielzeiten 06/07 und 04/05, in der dazwischen liegenden Saison waren es nur 1,38. Noch besorgniserregender ist die Tordifferenz: [...]
Quelle: NW
http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/?sid=65b62570356c6afa595c2c134c91cb73&cnt=1953773
DAS INTERVIEW: DSC-Kapitän Hain fordert mehr gegenseitige verbale Unterstützung
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Quelle: NW
http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/?sid=65b62570356c6afa595c2c134c91cb73&cnt=1953773
23.12.2007 - 11:32 Uhr
"Abstand zur Bundesliga-Maschinerie"
INTERVIEW: Arminias neuer Cheftrainer Michael Frontzeck sieht sich als "bodenständiger Typ"
Mönchengladbach. Die Weihnachtsfeiertage sind für Michael Frontzeck die beste Gelegenheit, das alte Profigewicht von 80 Kilo zu verteidigen. Heiligabend um 11 Uhr morgens mit ein paar alten Kumpels in der Gymnasium-Sporthalle von Odenkirchen zu bolzen gehört beim neuen Chefcoach des DSC Arminia Bielefeld zur lieb gewonnenen Tradition. Auch wenn dieses Hobby ihm jedes Mal "Kritik von meiner Annette" einbringt. Rainer Klusmeyer sprach mit Frontzeck in dessen Heimat- und Wohnort Mönchengladbach.
Herr Frontzeck, beabsichtigen Sie, am 5. Januar beim Turnier in Halle im Arminia-Trikot Ihr Comeback als Hallenfußballspieler zu geben?
[...]
Quelle: NW
http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/?sid=3d93444b6ec9e29c18c9d4082e6f094e&cnt=2051484
INTERVIEW: Arminias neuer Cheftrainer Michael Frontzeck sieht sich als "bodenständiger Typ"
Mönchengladbach. Die Weihnachtsfeiertage sind für Michael Frontzeck die beste Gelegenheit, das alte Profigewicht von 80 Kilo zu verteidigen. Heiligabend um 11 Uhr morgens mit ein paar alten Kumpels in der Gymnasium-Sporthalle von Odenkirchen zu bolzen gehört beim neuen Chefcoach des DSC Arminia Bielefeld zur lieb gewonnenen Tradition. Auch wenn dieses Hobby ihm jedes Mal "Kritik von meiner Annette" einbringt. Rainer Klusmeyer sprach mit Frontzeck in dessen Heimat- und Wohnort Mönchengladbach.
Herr Frontzeck, beabsichtigen Sie, am 5. Januar beim Turnier in Halle im Arminia-Trikot Ihr Comeback als Hallenfußballspieler zu geben?
[...]
Quelle: NW
http://www.nw-news.de/nw/sport/dsc_arminia/?sid=3d93444b6ec9e29c18c9d4082e6f094e&cnt=2051484
25.12.2007 - 23:34 Uhr
Kinderfasching ist für mich die Tatsache dass Herr E.M. immer noch nicht in der Lage ist die ganze Situation selbstkritisch aufzuarbeiten!
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