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20. ST: Das etwas andere Derby

05.02.2014 - 11:44 Uhr
Das ist es. Das Spiel des Jahrtausends. Keine Flitzpiepen, sondern Männersport. TM organisierte eigens für die bevorstehende Partie zwischen Dynamo und Union die gesamte Republik, um den Profifußball den schönen verrauchten Ostsport entgegen zu halten. Aber nicht die Tusches und Fiels würden spielen. Zostl und King_Neumi formieren ihre Elf, die dann auf den Rasen steht. Und da kannste das Ballettkommando, das sonst gegen den Abstieg spielt, ma schön inner Pfeife roochen.

Wo spielt die Musik? Ni im ruralen Dorfkonglomerat nahe Postdam. Die ham nichma ein Stadion. Gespielt wird neben dem alten Sachsenbad, dessen Ruine eigens für das Spiel wiederaufgebaut wurde. Hand hoch, wer da schwimmen gelernt hat, schön mit blauer Badekappe Anfang der Neunzscher den Schädels übers Wasser wandern lassen. Da biste in verdünnter Chlorbrühe geschwommen. Man sagt, durch die „geschmeidige“ Chlorbehandlung sollen bis heute entlang der Wurzener nur Ratten mit Haarnetzen unterwegs sein. Steril ist gar kein Ausdruck! Aber genug über alte Zeiten gefähnst! Zurück zu den Verrückten mit den Profillatschen.
Flutlichtspiel mit Lasershow: Techniker Bergpartisan hat zwei Baulampen und Verlängerung besorgt. Die ewig schlecht gelaunte Astrid hat Bier gebuckelt und Bemmen für die VIPs geschmiert. Wir halten fest: Es ist billig aufgemacht, schlecht organisiert, es stinkt und insgesamt total sinnlos. Sozusagen beste Voraussetzungen für Spitzenfußball auf ostdeutschem Grund.

Seit Wochen schreibt sogar die internationale Presse (international ist alles ab Oschatz) von dem Megaevent. Raabs Wokgesuhle musste mangels Interesse ne Woche verschoben werden.
Und was ham sich die Teamleiter ni alles ausgedacht?! Geheimtrainings in nicht belichteten Sporthallen beim Zostl. King_Neumi lässt Körpereinsatz und Flugköpper mit Medizinbällen trainieren. Hooooooh, Leute: Das verspricht ein krasses Dörbi zu werden. Die Unioner, ist die Presse sich einig, sind leichter Favorit. Zum einen war Venom mal bei der Jugendnationalmannschaft. Na gut, zugucken. Aber da lernste ja schon ne ganze Menge. Zuletzt soll er ohne Ball 152 Mal jongliert haben. Sozusagen mental. Der Typ ist viehisch. Zum anderen gewinnt panarong jedes Laufduell, weil er bei jedem Schritt einen fahren lässt. Aber die Dresdner wären nicht Dresdner, wenn die da nichts entgegen zu setzen hätten. holgi hat sich ne Detlef-Schössler-Matte wachsen lassen. Das ist psychologisch ne Bombe. Sozusagen der Supertrumpf. Außerdem ist Viri, bekennender Dynamofan (und mit Aueemblem aus rein masochistischen Motiven), der Schiri. Und die ausm Erzgebirge bestichste ja schon mit dem funktionierenden Funkwecker. Bloß gut ist, dass das die Börliner ni wissen.
Teamarzt, Zeugwart und Einlasser ist DD_82 in Personalunion für beide Teams. Der behandelt alles mit Piratenpflastern und zur Not tut‘s auch das Intro der Turtles.

Aufgrund vorhandener Schwungmasse im Zentralbereich einiger Anwesender, treten die Herrschaften im Reißverschlussverfahren durch den Spielertunnel. Und da geht’s schon los: Lasershow mit Baulampen, Paule macht den Hauskeller und spielt mit nem SK-3000 Kassettendeck ein Lied von Electra als musikalische Untermalung für die Verlesung der Aufstellung. „Komm, quatsch dir keen Zahn locker“, ruft ratio zum Paule, „wir wolln rüber zum miguele. Schkätln“. Paule macht’s kurz, liest die Dresdner Aufstellung vor und meint dann lapidar zur Unioner Elf: „und die anderen sind ooch da.“
Aber schon geht’s los. Gleich Bambule im Spielertunnel: Beim unioner55 gab’s Buchteln zum Mittach, ein typisch preußisches Aphrodisiakum, führt bei ihm aber immer zu Stieloogen. Damit piekster dem capone in den Nacken und Schwupps fallen häßliche Worte wie „Sachse“ und das B-Wort, das klingt wie Schlawiner. „Backen jetze!“, meint Cookie, „geht los jetzt hier“, und die Meute trabt nach draußen (wobei die ersten pumpen wie ne Isolde nachm Treppensteigen). Caponerockz ist Kapitän, der mit Cookie gemeinsam die geilsten Motivsocken, zusätzlich aber noch den klassischen Morgensterzel vorzuweisen hatte.
Bei den Jungs aus dem Strausberger Vorort führt Unioner1982 eine Mannschaft aufs Feld, die klare Verständigungsprobleme hat. Ja, ja. Einkoofen bei den Aalenern und den Bochumern. Aber die Schungs können ni risch ostdeutsch. Oder kann der Leinzeller ordentlichen Berliner Dialekt verstehen?! Weeß man ni. Ein Harter isser jedenfalls: Der überholt sogar aufm Karussell und streicht beim Kniffel die Chance. Aber das sind nicht die einzigen Sorgen der Berliner. Hat sich Stickinho integriert? Ein Berliner ist integriert, wenn er fährt wie ne Pottsau, Prenzlauer Berg verhöhnt und die runden, blauen Verkehrszeichen mit den roten Kreuz als Markierung für beliebte Haltezonen interpretiert. Von all dem nüscht zu sehen. Das kann heiter werden. Aber Hauptsache erstmal schön einkoofen aufm TM-Usermarkt. Die Berliner, sag ich dir!

Die Regeln:
Ni droffschroten von Nahem, drei Ecken - Elfmeter, letzter Mann hält, „Hochhaus“ und des „Torwarts letzte Ehre“. Ja, ja, Freunde! Das sind die Regeln der Hinterhof-Wäschestangen-Weltmeisterschaften. Fehlt nur noch die obligatorisch plattgetretene Coladose als Spielball. Aber soweit kommt’s noch. Spieltsch nüscht ab hier.

Wir tickern die Ereignisse:
Anpfiff. Viris Pfeife rutscht beim Pfiff aus der Schnute und dann als Geschoss über den Acker, finden schließlich in Zinedines Augen einen Stopimpuls. Eitert raus. Halb so schlimm.
5. Minute: Erste Schecksekunde vor dem Dresdner Gehäuse: Regio45 zieht Grimassen und sieht aus wie seine eigene Oma.
25. Trinkpause.
40. Minute: Langer Ball von nurmi in die Spitze. Stickinho bekommt den Bauch an den Ball (lässt sich bei soviel Stickinho nicht verhindern), kann alleine auf Regio45 zugehen, doch holgi trennt Stickys linkes Bein fair vom Körper. Oooouh, das sieht spannend aus. Das linke Schien- und Wadenbein bilden zueinander einen klassischen rechten Winkel. Zostl zu Viri: „Am Ende war’s schon so, pass nur off“. Aber Teamarzt DD_82 klebt ein großes Ducktales Pflaster auf den Schienbeinknochen und dann kann’s ooch schon weitergehen. Aber Halbzeit.
45. Die Berliner sind früh aus der Kabine wieder aufm Feld. Sticky hat vorsorglich alle Gliedmaßen in der Kabine gelassen, wird als Sticky-Stumpf aufs Feld getragen und im Mittelkreis platziert. Dann fällt er um. Und liegt… bevor mit seinen Ohrläppchen krault und über das Spielfeld rattert.
51. Die Dresdner gleich mit Oberwasser. Langer Ball auf links über die rechte Seite, Capone mit Übersteiger, tritt auf dem Ball, Klinsmann-dive und wischt mit dem Gesicht die Kreidemarkierung auf. yearning schaltet am schnellsten, Ball scharf in die Mitte, panarong voll in die Larve, die nun aussieht wie ein Obstplunder. President Evil haut die Pille aus dem Sechzehner. Hoooouuuuu. Der erste Riese.
54. Langer Ball auf Abbel in den Raum. Ein Sprinter! Ein Mini-Johnson! In weniger als zwei Minuten erläuft der sich das Leder, verpasst dasselbe und läuft volle Kanüle in den Spielerempfangszaun. Gong! Schöööönes Ding. Abbel zappelt im liegen. Alf65 kann unterdessen den Ball klären, bevor eine Schnecke diesen vollständig zu umrunden droht. Passiert ja nüschte hier.
62. Die Dresdner Druckphase reißt nicht ab. Sylvas bringt den Ball vor den Berliner KaSTEEEEEN….HOOOOUUUUU, Riesending, Cookie verpasst knapp. Das waren die berühmten 35 Schritte zu spät. Aber der Ball ist noch heiß! Thunder dringt in den Strafraum ein, doch Sticky grätscht ihn mit gestrecktem … ähm … Hals in die Knochen. Elfmeter!! ODER?? Der Schiri lässt weiterspielen. Die Massen toben. Dem ZangDang rutscht die Wurscht von der Knifte, während er sich aufregt. So ne schöne Bärchen-Gesichtswurscht, weeßte? Als er das merkt, dreht er total durch. Jetzt ist ordentlich Palermo im Rund.
70. Abbel ist aus dem Reich der NES-World-Cup-Soccer-Sporttaschen auferstanden, aber geistig von der Schnellstraße in den Stadtstau abgebogen (halt wie immer). Er beginnt emotional gefesselt den ZangDang wiederholt auf einen Leberfleck auf den Nacken zu drücken und sagt: „Folge den anderen“.
73. In die Drangphase ein Konter. Zuerst drischt LV über den Ball und rollt klassisch mit dem Rücken über das Leder ab. FCU-WS bekommt den Ball zufällig vor die leblosen Dinger, die den Rumpf vom Boden trennen, zuckt den Ball zum startenden Leinzeller. Der hat ä Ooge und plautzt das Ding volle Kaschemme vor die Socken von Unioner_1982 und der zieht volley unhaltbar in die Maschen ab… NEEEEEEEIN… aber der Schiri pfeift. Gedränge, Geschubse. Wassn jetze? DerTutNix kratzt sich seine Jancker-Locken. „Es gibt Freistoß für Dynamo. Das war droffgeschrulzt von Nahem. Gültet ni“, sagt Viri. Kollektives Aufatmen. Das ist immer gefährlich, wenn die Preußen wirbeln. Gelb für Unioner_1982 (wegen Droffschrubbens) doch … der hatte schon gelb. Die erste Gelbe hat er sich eingefangen, als er schon vor dem Spiel holgi auf den Nacken genießt und trotz widerlegender Tastprobe behauptete, das Ding auf dessen Kragen sei nur sein Eierlikörbonbon. Oder ein Knopp. Ein Ferkel, sag ich dir. Gelb-rot jedenfalls für den Preußen-Rijkaard.
82. Sturmlauf der Dresdner. Yearning hat das Leder unter Kontrolle, wird nicht angegriffen, bleibt stehen, schläft kurz ein, wacht auf und hört sich noch im Halbschlaf von Pinguinen, die auf Bierdeckel surfen, quatschen, zirkelt dann das Ding Richtung Strafraumeck, Cookie, der mit ner Bockwurscht auf dem Spiel steht, wird die Wurst aus der Hand geballert, wodurch der Ball abgefälscht wird. Unhaltbar kommt der jetze aufs lange Eck. Neumi schließt die Augen und erinnert an die Sturmfluten in der Havel, als er im kühlen Nass stehend nach den Ball hechtete, ohne ihn sehen zu können. „Man muss den Ball hören“. Soso! Er hört. Wer weeß, was der gehört hat: Vielleicht den Cookie über die verlorene Wurst keifen oder panarong furzen. Jedenfalls ballert’s den erstmal totale Attacke gegens Aluminium. Der Ball auf dem Weg zum Tor….LUFTHUGGEL! …der Ball dreht um den Pfosten. Wie gehtn das?! Das gibt’s ni! Hau ab! Der muss sitzen! Viri entscheidet auf Ecke. Endlich mal schön parteiischer Schiri. Ecke. Immerhin. Das wäre die DRITTE! Das muss Elfmeter geben. Elfmeter! Es gibt Elfmeter! Was ist hier los?!
bis zur 88. zieht sich das hin, weil sich die Preußen beschweren, aber Viri kein Wort versteht. Wie ooch, Leinzeller kann weder sächsisch noch ordentlichen Berliner Dialekt. Zu allem Überfluss trinkt Abbel mit einer Birke auf Bruderschaft, womit der standardmäßige Schütze fehlt. Nützt nüschte. Muss der holgi ran. … Aber irgendeener mahnt an, dass man langsam los müsste, da die zweete Liga spielt. „Nu da. Würdsch sagen, machmer Feierahmd, he?“, sagt Viri, schnappt sich die Umme und pfeift ab.
Das spielt endet also etwas matt aber versöhnlich mit 0:0. Die Frage ist, haben die bezahlten Laien ordentlich zugeguckt?

by Abbelbeebe

•     •     •

R.I.P.: Robert Enke

All men are created equal, then some of them become Dynamo-Fans.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von Zostl am 05.02.2014 um 11:48 Uhr bearbeitet
20. ST: Das etwas andere Derby |#1
05.02.2014 - 11:57 Uhr
Ganz großes Kino . :D :D

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Das ist der schlimmste Tag ,seit ich beim HSV bin.
Wenn ich sehe wie die St Paulianer in unserem Stadion feiern,
könnte ich kotzen .
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B. Reinhardt 16.02. 2011
20. ST: Das etwas andere Derby |#2
05.02.2014 - 12:09 Uhr
Eigentlich ist das zu schön geschrieben um hier was drunter zu setzen. :D
20. ST: Das etwas andere Derby |#3
05.02.2014 - 12:21 Uhr
Wunderschön! Sonst lese ich ja meistens nur mit. Aber dafür hab ich mich extra eingeloggt :-)
20. ST: Das etwas andere Derby |#4
05.02.2014 - 12:24 Uhr
sehr schön! :D
wenn der verein nur mal so 'ne intelligente kreativität an den tag legen würde...

•     •     •

pyrotechnik ist kein verbrechen,
ABER SIE STINKT!
20. ST: Das etwas andere Derby |#5
05.02.2014 - 12:32 Uhr
Unübertrefflich. Wat fürn geiles Ding, aber ooch. Da vergess ich doch glatt für fünf Minuten, mich über den AR aufzuregen und trink mit dem abcdefg1953 Brüderschaft.
20. ST: Das etwas andere Derby |#6
05.02.2014 - 12:35 Uhr
:(

leider ni dabei, Och männo!

Na ma sehn, morschen is Rückspiel.
Aber hervorragend zu lesen!!!! :D
20. ST: Das etwas andere Derby |#7
05.02.2014 - 13:25 Uhr
Ich verneige mein "gelocktes" Haupt vor dieser Sternstunde der Sportberichterstattung.

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Unser ganzes Leben lang stehen wir in deinem Bann!
20. ST: Das etwas andere Derby |#8
05.02.2014 - 13:30 Uhr
Alter Schwede, das nenn ich mal ne Eröffnung. Hut ab. :) Wenn unsere Jungs so spielen würden wie hier eröffnet wird, müssten wir wahrscheinlich nur Angst um ne Reli nach oben haben.
20. ST: Das etwas andere Derby |#9
05.02.2014 - 13:54 Uhr
unbeschreiblich, legendär, genial geil !!

Da fällste beim Lesen glatt vom Stuhl - mehrfach...

•     •     •

Es ist nicht entscheidend, ob man zusammen Pferde stehlen kann,
sondern ob man die Kacke dann auch gemeinsam vom Hof schaufelt !!
20. ST: Das etwas andere Derby |#10
05.02.2014 - 14:41 Uhr
Mal was zum Spiel:

Union hat die älteste Mannschaft mit durchschnittlich 28,x Jahren, vielleicht kann man sie müde spielen. :)
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